«rv 3
' , W;
LIBRARY
Brigham Young University
DANIEL C. JACKLING LIBRARY
IN THE
FIELD OF RELIGION
^ »
$r. SBernarbs,
ÄlauSnerS ju galtcnfcerg,
&pl)flrtettttK
üfcer
fat^olifc^e SSclwnWtttta Jet? 25i5el
in ££eorte unt> ^raxi&
„1)ie 2tnt>em muffen ftcts batüfcer raifcnniren,
toafirenb nur unö bamit begnügen, (Sin*
brütfe tton tt;r ju empfangen."
Satt». 2ßifeman.
Serau&gegeben
tmt feinem ^tadtfoltjer auf ber Mattfe,
JFrfUmrg im $r*t0gau+
£erbet'f$e SBerlagS^anbiung*
1862.
93u$bruc?erel bet $erber'f4)en SertagSSanMuttg tn Sfretburg.
2>eg SBüdjlehrä .Btoeif unb gute äftetimng*
Quoniam non cognovi litteraturam, in-
troibo in potentias Domini.
PS. 70.
„$e, söiann mit bem Sud), mof)er unb tt)oj)in? a
3$ gebe gefangen bem $etrn meinen Sinn,
Diet&etl ity ein grofier ©elejjrter ntd)t bin:
£>f)ne Srug
3ft biejj Sud)
angefangen,
Unbefangen
«Bon allen aufetn 8iegenfd)aften,
SSon allen innern Seibenföaften,
Unb ßon — profanen SBtffenföaften:
Sem §errn unb Seiner ^eiligen Butter jur g$re,
Bonnern unb Sreunben aum Itofl unb jur 8ef)re,
sjtiemanb jum Seib unb 9liemanb &ur Staube,
3u 9tu$ unb (Erbauung allen im Sanbe;
3um Sabfal be8 ©eifle» in Prüfung unb 9tot|),
®er Äir$e ge&orfam auf Seben unb £ob! —
ffiefdjmbttt auf fcr ftlauft 3U JFalhenb^ im 3al)re Irr« Ijerrn 1860,
as 1 tu o 1 1
IPer 33erfaffer tiefer 2tyj>or tönten über bie £!♦ ©d^rtft glaubt
*>on ber SQ3a^rf>ett meljr ju £aben, aU son ber „©etel)rtf)eit", (onft
würbe er eö gar md)t — au$ niefit auf baS 3ureben ber gele^r-
teften ©öttner unb greunbe — gewagt f>aben, mit feinen ©ebanlen
in bie Deffentttdftfeit ju treten. 2Bir leben in einer 3eit beö gort*
f$ritte£ — baö ift wa£r; benn SlIKeö f breitet mit ber 3tit fort
in bie (£wigfeit; Mt$ f freitet fort, in foweit eS fte^ entfernt von
bem, was gewefen ; unb woljin ? baä n>etg ber £unbertfte nidjt —
in regionem longinquam et peregrinam — nur vorwärts, nur
fortgeritten, nur nidjt genügfam ftitle fte^en; tt)er ntcfjt mit xoiU,
ift an eigenftnniger ginfierting, wer nicfjt mit fann — je nun,
Ui bem muf ber $jrenoIogifc$e fanget jener protuberans am
©$äbel, wo ba$ Talent für ben progres humanitaire ftgen fett,
©c^ulb baoon fein. 2luf, auf benn, ee werbe 2i$t! Die 9ttenfcl^
Ijeit ift ben $inberj[aljren enblt$ entwarfen ♦ ♦ ♦ f o in ber SBiffen*
fc^aft, fo in ber *JJoIitif, fo im Mcn in £anbel unb SÖanbef, fo
in SlKem ♦ ♦ ♦ Veritas autem Domini manet in aeternum, unb
©er Ijat gefagt, bafj bie Einfalt, £)emut{j unb ©erabljeit ber
tinber uns fo notfwenbig ati bie £aufe fei, um fetig ju werben
VI
unb nac£ einem gtaubenötreuen , tugenbpaften Seien ewig in ben
£immel ju fommem
SBejügti^ nun beö gortföritte* in ber SBiffenfäaft, bielftc^
mit ber Dl- ©c^rift befääftigt unb vorgibt, tpren Sinn ju erfor*
fäen unb aufjubecfen, in biefer „SBiffenföaft" fl» ™an ebenfalls
— weiter gegangen, unb $at ft$ vielfach aud> entfernt von bem,
waö ba war, unb was ein anbert^atbtaufenbjä^rtgeö 23eftepen in
ber $1. ftirc^e ©otte« jebem beföeibenen ©eierten e^rwürbig ge*
ma$t patte. £>er Streiter biefeö unb £unberte von größerer
einfielt, ali er, wollen nic^t mel)r mitgeben. (Et für feine geringe
$erfon fd?ämt fu$ nu&t unb gibt £ier bem neumobif$en treiben
fein libellum repudii, inbem er, vor Vielen unfir^li^en (Erjeug*
niffen ber 9ieu^eit auf biefem ©ebiete, mit einfältigem £er$en unb
mit bürren Sorten laut befennt, er palte in ben meifien fingen
£ CU te — taufenb a$tl)unbert fec^jig — no$ mit einem alten,
grünblic$ geteerten, burc|> unb burd? fird)li$en granctScanerpater
be 35ufentop, ber vor 150 3a|?ren gelebt, geteert unb getrieben
£at, unb einem 5J?et$ior (EanuS, ber f$on 300 3^re tobt ift,
unb alten jenen Geologen, bie vor, mit unb na$ Sorneliuö a
Sapibe ftegreid? baö Slnfeljen ber SSulgata vertpeibigt paben unb
bei (Erffärung ber pl Schrift benSBätern unb fircf?li$en @ommen*
tatoren gefolgt finb* <&i gibt na$ ipm überpaityt nur (Eine $u*
verläffige 33t be I, unb baä ift bie fatljolif^e; unb nur Sine
richtige (Erflärungö* unb 33eljanblung$weife berfelben, unb ba$ ift
bie trabitionelle ber 2lpoftel unb ber 95äter unb £e£rer ber
$ird?e bur# alle 3aj)rl)unberte; e$ brauet t>ier nichts meljr erfun*
ben ober beffer begrünbet ju werben: SllfeS ift unö gegeben; wir
brausen nur — unb jwar in berfelben SBeife, größtenteils audj
mit benfelben Steinen unb bemfelben SWörtel — fortjubauen super
fundaoientum patrum nostrorum et „super fundamentum Apo-
vir
stolorum et Prophetarum, Ipso summo angulari lapide Christo
Jesu." (Ephes. 2.)
9tiemanb möge tym eine fotdje @pra$e verargen; er madjt
nur ©ebraucty *>on einer §rei!)eit, t>te ein allgemeines @ut ift, unb
bie ja ^ebermamt, ©eleljrter ober Ungeleprter, für ft$ in 2lnfpru#
nehmen fann, ucimti$ unbefangen feine Ueberjeugung aug$ufpred)en,
bie er für befto foliber ^ält, j[e älter fte in ber $ird)e ift unb j[e tiefer
fte in einem bur$au$ fatl)olifci?en ©efüljle wurjelt — (£r Jjat ftd)
ntd^tö einfallen laffen t>on einem wiffenfc&aftlicpett SöSert^e feiner
Arbeit: fein 3wecf ift einfach Erbauung be$ £erjen$; benno$ Ijat
er au$ eine Heine 9iunbf$au bei ben neuem ©ele^rten gehalten,
tton benen er einige ber bejfern unb brauen anführt Sieg ge*
f$aj) ni$t, um fte *>orwiijtg ju fritifiren ober unbefugt ju tabeln,
fonbern, wie man e$ leicht merfen fann, um ft# felber ju berul)i*
gen in bem innern Streite, ber entjkub jwifdjen bem, wa$ er mit
feinen Slugen fo jiemli$ allgemein x>or ft$ geljen fal), unb bem,
tt>a$ er in feinem #erjen füllte unb au$ ber Vergangenheit wufte*
•Die heutige (£regefe im Sittgemeinen in iljrer aeabemifcfjen (pljpftco*
#)ilologicO'frttifd)en) gorm unb 5D?etpobe ift tljm f$le$t£in uner-
träglich geworben, weil fte entweber aufgehört £at ober näd^fienö
aufhören wirb — fir#li# unb fatJ)olif$ ju fein* £)en furjen
unb treffenben Sluefprud) Dr. ©ieringerS, „bie SSulgata fei bie
Sßibel beä £)ogmatiferS," fann man au$ unb melfeicfjt no$ me£r
auf ben SWoralt^eotogen unb wo£l am meiften auf ben Slöceten
auöbe^nen, Die SBulgata ift alfo bie 33ibet ber fat£ottfc$en Dog*
mattfer, SWoralijlen unb Slöceten — unb bie 23ibel be$ fati)olif$en
legeten follte fte ni$t fein? — SQBaprltc^, fte ift auefc bie „SBibet
beS ©cegeten", fo lange biefer no# nidjt in einem Biologen auf*
gegangen ift 2Ba£rlicfj, fte ift aUein „bie 33t bei", neben ber
uns Äatljolifen alle anbern £ö$ften$ uur als Varianten gelten
VIII
Innern — ©o benft unb füljft wenigftenS ber Sßerfaffet, unb biefe
feine Slnftdjt unb (£mpftnbung fpridjt er um fo lieber unb freier
anif ali er bamit Sitte bebient unb erfreut, bie berfelben Meinung
^ _ 2ia e g p n gt baran, ob Semanb glaubt, ber 3nl)alt ber %
©c&rift fönne wiffenf^aftlicf) fo wie ber eines jeben anbem alten
2ß n $z$ — beö anfefien« unb ber gebüljrenben @$rfur$t unkfd^abet
— beljanbeit werben? £>a fagen nun bie alten fatljolifdjen (£re*
geten bur$au$ nein, weil ti ein übernatürlich 33u$ ift; unb
bie jungen fagen meiftenS ja, obgleich e* ein übernatürliche*
93ud) ift; unb wenn fte ti aud) m$t furjweg fagen, fo geben fte
tljre Antwort no$ jMrfer bur$ iljre £anblung£weife ju erfennen*
2Ba$ man anfangs nur betrieb, um mit unfern !prote|iantifc^en
33rübern auf iljrem Selbe (beim bti nni f#ien \>ai von Anfang
an nidjt nur allen Einfältigen, fonbem audfj oielen ©eleljrten faft
nu§* unb jwecfloS) ju fämpfen, ba$ ift attmäftftd? auc$ Ui un$
ein fdjeinbar ftreng fnedjtenbeS ©4mlgefei$ geworben im Stbelfto*
bium xoit in anbem Steigen bei £1. SötjfenS, unb fo ifi ti md?t
ju serwunbem, ba§ wir ftiti 3af>r$elmt bem Dberljaupt ber Ätr$e
neue Arbeit geben im Abwehren beffen, wai mit bem 3nfjalte ifnrer
überlieferten Seiten unb althergebrachten ©runbfä§e ftreitet* 2ßa$
bie £1. Se^rer aller 3eiten t>on ber 95ebeutfamfeit beS 33u$ftabeng
ber Dl* ©c&rift gefagt unb gef^rieben Ijaben, galt (na$ bti 23er*
fafferS Einfielt) ni$t einem per saecula Ventura na$ unb na#
auö allen orientalifdjen ©prägen erft no# frittfdj feftjufegenben
SBtbeltexte, fonbem ber lateinifc^en Sßulgata felbft, ber fat^olifc^en
fir^enbibel, toit fie ju iljrer 3eit beftanb, 23ei feinem J>at er
no$ ben offenen ober Jjeimli^en SQSuttf^ na# einer 25etfeitefe§ung
ber alten ober na$ Anfertigung einer anbem unb beffern Ueber*
fefcung gelefen. 2ßa$ bie Kirche — bie t>on ©Ott beftetlte Hüterin
au$ be$ getriebenen SSorteS — i^nen gab, iai gelten fte mit
3*e$t für gut £)er 33u$ftabe ber Jßulgata war gut, unb bie
IX
bur# bie Ueberlieferung *>on ben popeln unb älteften Sßätern er*
fwltene @rftcirung$met£obe war gut; unb wa3 bie vorn £L ©eifte
erfaßten alten % Pe^rer über ben 3npatt unb ©inn ber ©cfjrift
gerebet unb getrieben, unb bie Äirdje — batton ©ebrau# mad)enb
ober barüber ftillf$weigenb — gutgeheißen, ba$ war SllleS gut
unb Hieb gut *) Jpeute ifi e$, atö fei mit bem jiüngften 9)?orgen*
rotlj ein neue« Std&t in ber ©eifteSbämmerung angebrochen , in
beffen ©trafen immer anbere, befjere unb fotibere gunbamente
ber fat^olifc^en SSStffenfc^aft jum SSovfc^etn fommen müßten* 2Öer
bieg 2i$t ju ^aben glaubt unb für gut Ijält, ber mag ijjm o£ne
©ünbe in bona fide et ad tempus folgen; mancher fagt mit
bem 33erfafjer: er pabe ei ni$t unb glaube ni$t baran, unb fein
fat£ofifcf>eg @efü£l jlräube ftdg> gegeu %e\>en, ber ei tljm unberufen
anjünben wolle* @o fügten unb benfen eben £aufenbe, bie barüber
beffer reben fönnten aU er; biefen wirb feine ©pradje ntc^t miß*
fallen, ben Slnbern aber fürchtet er, mit gutem ©runb, f$on ju
x>tet gefagt ju fytöen.
£)a$ 23ü$lein aber — nac^bem man weiß, für wen ei ge*
^rieben unb mi fuer ni$t ju ftnben ifi, möge nun in bie 2öelt
£inaugge£en unb bie 2lbfi$t be$ SBerfafferS nadjj bem ©inne ©otteS
baburd) erfüllen, baß ei ba$ ©einige baju beiträgt, ben fo jjeil*
famen ©ef^mad am frommen Sefen unb SWebitiren ber % ©djrift
ju erzeugen, wo er ni$t ijl ober verloren ging, ju erhalten unb
gn vermehren, wo er jl<$ bereit« in praftifcijer Hebung beftnbet
*) ©er ©c&u£ ©otte$ über bie $L 33ü$er ber Offenbarung ifi bei ben
SSöifern *>om regten ©lau ben bebaut unb aKejett bebtngt gettefen*
£>ie 3uben, bte ©$t$mattfer be$ Orients, bie Srrgläubtgen unferer Sage,
abgefallen »on ber ginfcett im regten ©lauben, verloren alte 3u*>erlafft>
fett tn Aufbewahrung ber richtigen Urfunben be$felben, bte fte tton ba an
unruhig wrftanben*
'Den Mangel an fyjlematifdjjer Drbnung. 2üden unb 2Sieber£ohm*
gen, überhaupt 2lfle$, tt>a$ bie Arbeit in liierarer 33e$ie£ung ju
n>ünfd)en übrig lägt, möge ber freunbfid&e Cefer gern überfein
unb ftcf> mit ber Srbauung an ber einfachen SQBapr^eit begnügen,
unb mit bem SSerfaffer, ber fef>r gut füjtft, quid valeant humeri,
quid ferre reeusent, beten, ba$ ©Ott große ©ele^rte anrege, bie
ibre ©cfcä^e *>on umfajfenben Äetmtniffen, Talenten unb ®ti\it&
gaben in bemfelben guten Sinne, wie er fem ©$erflein, für bie
ßwigfeit auf 2Öud;er legen.
©eiobt fei 3efuö (5£riftu£!
3 n t) a 1 1
(Seite
(£rfteS 23ucf)« 3Son ber $8ibtl bei ben 25ätern unb altern <3#rifi=
gelehrten In ber Sirene 1
3 weites Su#, SSon ber Stbel bei ben @$riftgelebrten ber neue-
fien 3ett ' N 95
©rittet 8uiJ, SSon ber 33tbel in ben £änben ber frommen
^raettfer, mögen fte gelehrt ober einfältig fein ♦ " . ♦ 147
Viertes 55 u#* ©Ü^en ju a$cettf$en Betrachtungen ober SSor=
tragen über Sexte au$ ben apoftelbriefen 194
günftc^ 8u$. $Worafifc$e ©loffen über @t$riftterte (meifi) au6
bem alten Seftament. ♦ 264
$mt kr WM Bei bcn Tätern unb altern ©djrtftgefeljrtett
in kr $trd)e*
„Haec dicit Dominus: State super vias,
et videte, et interrogate de semitis an-
tiquis, quae sit via bona, et ambulate
in ea." Jerem. 6.
„Quidquid creditur contra sanctos Patres,
intelligitur aberrare a recta regula
fidei." Synod. XV. Toletana.
u
SQSaö fotl man von ber lateinifdjen SSuIgata Ratten, unb
in ttetc&em ©mne muff fte na$ ber SBciter SBeife fat^otifci) geehrt
unb erflärt werben? — Dicfe grage Dalte i$ für (o tt>i$tig, bafj *
„2Ba$ nur immer bur$ £anblungen, Sieben ober 33efel?le mpftifcfc
t>on ber % @$rift bejeic^net ober angebeutet wirb, tft entweber
etwa« auf ben ©(auben unb bie % $ir$e SejüglidjeS , unb bann
l>at ti ben all egortfdjen ©inn: ober ba3 Slngebeutete bejieljt
ftdj auf bie ©itten unb bie ^jTidjten ber Siebe ©otteS unb be$
9Md;ften, unb bann l)at e$ ben tropolo giften ober morafifcf)en
©inn; ober es bebeutet etwa£ jur triumpljirenben Kirche ©eljörigeg,
unb bann Ijat e£ ben anagogifcfyen ©imu (£$ fann feine 33e*
beutung angegeben werben, bie ft$ ni$t auf eine von biefen breien
jurüdfü^ren liefe/'
9tur ber sensus mere aecommodatitius, ber tton allen Ijtfto*
rifeljen Umftänben, felbft wn ber ©rommatt! abfielt, unb für ftd)
ganj f$led)terbing$ nur ben @ebrau$ ber SBorte, unb ni$t fetten
in einem ganj entgegengefegten ©inne, in 2InfprucI> nimmt, nur
ber allein ift in ber % Schrift ntc&t begrünbet Sitte anberen
finb e$ um fo meljr, je netyer fte jt# bem grammatifd;en 23uc^^
ftaben beö Sontexte« auffliegen unb je mel)r fte burd? ibre 9?atur,
a\i ber fat^ofifäen 2Babr£eit ange^örenb , *>om % ©eifte intenbirt
erf feinen; fotfte au$ ba$ Seifpiel ber ty. 3Säter für bie einzelne
©teile no$ fehlen: ba ba$ Sonett t>on Orient mit großer Söeiefjeit
niöft »erbietet, eine neue (SrHdrung unb Slnorbnung beS £erteS
ju geben, wenn fte nur ber allgemeinen 2lnna£me unb (Srflärung
ber Setter ni$t wiberfpri^t- 3a, ed wirb mir föwer, ben
©runb etnjufepen,- wefföatb eine jweite, britie ober vierte geiftli$e
(Erffcirung etneö Xtxtti, bie ftc^ ber ©rammatif unb 3bee ausließ t,
weniger sensus litteralis fet, afö bte erfte ^tfiortfc^e. @ö fc^eittt
mir *>on ber SQStd^ttgfeit ber nadjfommenben (£rf(ärungen abjul)an*
gen, ob biefe nictyt fogar einen großem 2lnfprud) auf ba$ *Prabicat
litteralis Jjaben, aU jener erfte ^iftorifd^e. 23ei liefen ©tetten
ber % Schrift muffen wir btefeö annehmen, wenn wir bem 2lpo*
ftet mc£t wiberfprecijen wotten, ber behauptet: „%\lt$ fei jum Sftufcen
ber Äircfje gefc&vie&en" ; wie benn außer ber Äirc^e äffe* ©efc&rie*
bene unnüij wirb unb feine Äraft unb 23ebeutung verliert, mil e$
bort aufgehört l)at, in bem lebenbtgen glujfe ber $rifttte§en
3been unb 2Ba£rljeiten ft$ mitjubewegen*
3um richtigen Skrftänbniffe ber $1 @d)rift tft e£ nun juerft
aKerbingS nottwenbig, baß man bte Sßorte tterfiefje, bereu ©tun
unb 35ebeutung ntc^t immer offen bafiegt di gibt fog* „Ijarte
Steine" in ber @#rift *), ju feeren Slupfung eä auc$ bie Sßäter
ni$t $>erf$mä£t Ijaben , juweifen ftc$ auf ben Urtext ju berufen*
£)iefe$ natürliche Mittel jebo^> f wetc^eö Hflea jugängltc^ tft, ®u*
ten unb 23öfen, Negern unb Rechtgläubigen, foü barum ni$t jur
(££re unb Sßürbe be$ £auptf$lüffet$ erhoben werben, um ba$
2Bort ©otteä ju t>erfte£en; benn baS tji ju x>iel, wenn man ba$
Erlaubte unb juweilen 9iügltd?e für burd)gängig notljwenbig er*
Hären Witt* 28er mit bem 3nl)alte ber SSutgata fetbft fein ©e*
bcufytniß bur$ Sefen unb 33etra$ten auSftatten unb babei bie 33cU
ter ftubiren will, ber fann oljne £ebräif$ unb ®rtect;if$ leicht
über jene „Steine" Jrinwegfommen unb jwar mit t>oßer 33efriebi*
gung beg 23erftanbeö xt>k beö £erjenS, unb jum größten £etl
unb klugen feiner ©eele* Qifyxe alfo bem 33u$ftaben ber ©cfjrift;
benn, wie ber % ^Uerori^muS fagt, non possumus scire Scrip-
*) Der ft. Stomas *oon StUanoöa faflte, anfpielenb auf Seat. 32, 13:
Der gute ^rebtger be$ (Ssangeliumö muffe e$ tterftcljen „Wlilfy auä bem
gelfen unb Del au$ bem fcärteften steine ber §1. @#nft ju faugen": ba$
gehöre ju feiner Slmtfbefa&tgung; aber er tt?et^t fcejjjalb nic^t an bte SRab*
btnen, fonbern an Den £L ©eift unb bte Sater»
10
turae sensum, nisi eum per verba discamus (in Eccl. 1J.
@£re aber vor allen bem (allein auverfäfftgen) 23u($ftaben ber
33ufgata! Jpierom;muS ißatte einen eigenen 35eruf von @ott unb
einen ausbreiteten, tjöcfcft ehrenvollen Auftrag von bem ©teil*
Vertreter C^^riflt auf (Srben: ljeute will jieber Drientalift o£ne
einen folgen 23eruf unb ofme einen folgen Auftrag benno$ ein
Jfrteronpmu«, ein „Doctor maximus" in ber ©$rift fein* 3$
möchte JpieroupmuS gebort Ijaben — nacfj bem Soncit von Orient!
— £)te £rabition unb ber allgemeine ©inn ber Äirdje in Seben,
i^el^re unb 9?ituS geben unS ebenfalls über bie meiften (&ä)ti>ie*
rigfeiten Sluffd^lufl unb becfen unS fowojrt ben buc$ftäblicf>en,
als ben geiftlt$en ©inn ber ®4>rift auf* 2lu$ bie Analogie (pro-
portio, congruentia) jwifdjen SEftandjem im alten unb neuen %e*
ftament bient unS jur Seuc&te im Dunfel ber ©$rifi @ie lägt
oft mit @ewif#ett ober boc^ 2öa£rf$emli$feit auf eine m^fiifdje
Sebeutung fdjliegem 3m 2Iuffucf)en biefer lederen ift jebocfc dinu
geS ju bemerken: 1) baf) ei mit SWafjj gefeite; benn überall
unb in 211 lern folgen verborgenen Deutungen nad)fpüren wollen,
ift ebenfo unrecht, als jeben m^ftifctyen ©inn von vornherein ver*
werfen* 2) Der nn;flifd)e ©inn mujj ft$ auf ben bud)ftäblid)en
ftü^en unb aus biefem o£ne ©ewaltfamfeit abgeleitet werben fön*
neu. Spiritualis expositio semper debet habere fulcimentum
ab aliqua litterali expositione S. Scripturae (S. Thom. Quodlib.
7. ant. i4. ad 3.). Primum historiae fundamenta jaciamus,
deinde, si possumus, excelsas turres et tectorum culmina su-
pererigamus (S. Hieron. in AbdJ. 2BaS alfo mit bem 33u$*
jkben ber ©ctyrift faum no$ jufammen^ängt , bärfte au$ wofrt
faum in ben SBorten verborgen fein; wenigftenS ift ba bem (Sin*
jelnen £>iScretion anjuratljen, ©er m^fitfc^e ©inn barf ben bucfc
ftäblidjen mdjt jerftören ober verbrängen: beffen wirb eben Drige*
neS befdjulbigt, unb ber % «ipieronpmuS we£rt jt# bagegen: Ori-
genes ingenii sui acumina puiat Ecclesiae esse Sacramenta
(ep. U7. ad AmandJ. SWfy jiebeS ^artifetcfcen, fa nicf?t einmal
jeber ©a§ fteljt in ber % ©c^rtft ba, um an unb für ft$ au$
etwas ©etfHicfjeS ju bebeuten, fonbern, tt>ie nacf> bem % Slugu*
ftin Civ. lib. 16. cap. 2. „bie ganje fünftlic&e Einrichtung einer
Sit^er ba fein mufc, bamit bie ©aiten einen £on von ft$ geben:
11
ita in prophetica historia dicuntur et aliqua, quae nihil
signiücant (b* £♦ m$tg weiter, aU m$ fte einfach unb offen
fagen) sed quibus adhaereant quae significant, et quodammodo
religentur." — Oui litteram Sacrae Scripturae spernit, fagt
ber % ^Bonaventura, ad spirituales ejus intelligentias nunquara
assurget, wefftalb au$ er warnt, nictyt überall na$ Allegorien ju
fu$en; benn einige ©teilen ber Schrift ljanbeln (o flar unb ab*
folut vom ©lauben ober von ben ©itten, $♦ 93. „Deus erat ver-
bum" . . . unb „Declina a malo et fao bonum" , ba£ eS eine
2äc$erli#feit fem würbe, barin nod) weiteren m^ftif^en 2lnbeutun*
gen na$sufpüreiu SQBenn aber au$ ty. SBäter fagen, feine ©#lbe
unb fein 33u$ftabe fei in ber % ©ctyrift olme ©eljeimnif}, fo
wollen fte oljne 3*veifef bamit weiter ntc^tö behaupten, aU bafj
atlerbtngS ba$ getriebene SBort im allgemeinen ret$ an tiefer
35ebeutung, t>a$ aber au$ im 33efonbem rxityti unnü§ unb ojjne
redete Urfac^e unb ofme bie weifefte SBorfeljung ©otteS barin fei*
Scriptura Sacra non per huraanam investigationem est tra-
dita, sed per revelationem divinam, ideo nihil in ipsa con-
temnendum tamquam inutile . . . Pro eo quod Spiritus Sanctus
ejus Auetor perfectissimus, nihil potuit dicere superfluum,
nihil diminutum (S. Bonav. prooem. in Brevil).
5.
„(£ine ©teile ber % ©cfmft fann in SQßapr^ett (ex mente
et intuitione Dei) mehrere, fogar vielfältige, von einanber ver*
fc^iebene, jiebo$ ni$t einanber auffjebenbe 35ebeutungen
Ijaben*" — 33on biefem ©a#e fagt SBufentop : Ita Patres unani-
miter docent. (£r begnügt ftdj, bie % Jpieron^muS, Sluguftinuö,
23ernarbu£ unb £f)oma$ au6brüd(i$ anjufüljren, anbere nur lo-
cum citando. S)ie paar ben genannten Tätern gegenüber ganj
unbebeutenben ©egner biefeS ©ageS, ber fo alt aU bie Äir$e ift,
Ijaben in früheren Sagen gar feinen 3wvac&3 befommen, fo grof?
war bie @$rfur$t vor bem, wa^ bie SBäter e in jii mm ig lehren*
£ier folgen einige tfjrer flarften Sluefpruc^e:
S. Hieron. Ep. 103. ad Paulin. de Apocalypsi : „In v e r-
bis singulis multiplices latent intelligentiae."
12
S. Bemardus in cant. serra. 51: „Unus quilibet divinus
sermo non erit abs re, si diversas pariat intellectus."
2Äan fteljt, ei J^anbett ftd^ frier um nidjtö weniger, ali um
einen xuelfactyen SBortfmn (sensus litteralis); tai golgenbe wirb
btefeö no$ ffarer bartljun*
S. August, lib. 3. de doctrina Christ, c. 27: „Ille quippe
auctor (Hagiographus) in iisdem verbis, quae intelligere vo-
lumus, et ipsam sententiam forsitan vidit , et certe Dei Spi-
ritus, qui per eum haec operatus est, etiam ipsam occursu-
ram lectori, vel auditori sine dubitatione praevidit, imo ut
occurreret, quia et ipsa est veritas submixa, providit: nam
quid in divinis eloquiis largius et uberius potuit divinitus
provideri, quam ut eadem verba pluribus intelligantur mo-
dis?" —
£)erfelbe % Server fagt im 12. 93u^e (einer 33efenntniffe:
„2ßenn dinex behauptet: 2)iefe$, tt>ai i$ meine, fwt er (SÄofeSin ben
erften Sßorten ber ©eneftö) t>erftauben, unb ein Ruberer behauptet
bagegen: nein, fonbern baö, wai i$ barunter tterfielje, fo glaube idj
gewiffenfjafter ju fagen: warum benn ni$t 33eibe6, wenn 33eibe$
wa£r ift? Unb wenn 3emanb etwaö £)ritte$, unb wenn er etwai
aStertee, unb wenn er überhaupt etwas anbereS SBaljreS in biefen
2Borten evfennet — cur non omnia illa vidisse (Moyses) credatur,
per quem unus Deus sacras litteras vera et diversa visuris,
multorum sensibus temperavit? . . . Nolo itaque, Deus meus,
tarn praeeeps esse, ut hoc illum virum de te meruisse non
credam. Sensit ille omnino in his verbis, atque cogitavit
cum ea scriberet, quidquid hie veri potuimus invenire, et
quidquid nos non potuimus, aut nondiim possumus, tarnen
in eis inveniri potest." — Wan fteljt, bem % Stuguftm war
bie 33ibet ein 33u#, xoie ei feine« me£r auf Srben gab unb gibt,
ein waj>rf>aft übernatürlich unb götttiefreö ©uc^ 3n mW #mm*
lifdjem Sichte flraljlt bie 33ef$eibenl?eit biefeö größten unb älteften
SReijlere in ber @otte$gele£rt£ett gegenüber ben ebenfo engherzigen
ali $o$mätyigen unb unbulbfamen Seifen ber Neulinge.
3u ber jweiten* citirten ©teile beö $!♦ Sluguftin bemerft 93ufen*
top: „£)er % Selber Ijabe furj x>or£er fpecteU x>on bem erften Sßerfe
ber ©enefis gejmnbelt: In prineipio creavit Deus coelum et
13
terram, imt> batfon einen fünffach t>erf$iebenen (diversum et
djsparatum) SBortftnn angegeben. 3^ar fage 3Saequej in I. disp.
17. num. 9: „In hac re nimius videtur fuisse Augustinus";
ba er aber fnerin einen 2luguftin unb £f>oma6 juredjtweife, fo fdjeine
ifjm (33ufentOp) b0$ tt>af)rfid) nimius fuisse ipse Vasquezius":
unb wer möchte ba$ nic^t untertreiben fönnen?
auf eben biefe ©teile auö 2luguftinu$ beruft unb ftü§t ft$ ber
% £ljoma$ 1. p. q. 1. art. 10. in corp.
Item quaest. 4. de Potent, art. 1. in corp. fagt £fjoma$
golgenbeä :
Vitandum, ne aliquis ita Scripturam ad unum sensum
cogere velit, quod alios sensus, qui in se veritatem conti-
nent, et possunt salva circumstantia litterae scripturae ap-
tari, penitus exeludantur; hoc enim ad dignitatem Divinae
Scripturae pertinet, ut suh una littera multos sensus conti-
neat, ut sie et in diversis intellectibus hominum conveniat,
et unusquisque miretur, se in Divina Scriptura posse invenire
veritatem, quam mente coneeperit . . . Unde non est incredi-
bile, Moysi et aliis Scripturae Auetoribus hoc divinitus esse
concessum, ut diversa vera, quae homines possent intelligere,
ipsi cognoscerent, et ea suh una serie litterae designarenl,
ut sie quilibet eorum sit sensus Auctoris. Unde si etiara
aliqua vera ab Expositoribus S. Scripturae litterae aptentur,
quae Auetor non intellexit, non est dubium, quin Spiritus
Sanctus intellexerit, qui est principalis Auetor Divinae Scrip-
turae. Unde omnis veritas, quae salva litterae cir-
cumstantia potest Divinae Scripturae aptari, est
ej us sensus.
Sor folgen Autoritäten bleibe iti) gerne fteljen, wie wx einem
^eiligen, für f leine Seute unüberftagbaren Serge; biefer aber erfcf)eint
mir wie mit einem SBalbe t>on Dimmelanftrebenben Gebern bewach
fen, wenn id) bie ganje @d?aar t>on ^eiligen unb gelehrten 3eu*
gen fepe, bie 23ufentop in feinem Stractat de sensibus Scripturae
Sacrae anführt, dv will aber aud; feine unb ber SSäter Slnftdjt
ex visceribus rei beweifen, unb tx>ie mir fdjeint, £at er ti getpan.
3$ wüßte nicf)t, womit man j, 33. bie fofgenben ©rünbe, bie er
angibt , entfräften fönne : „©Ott fann e$ (nämlid) biefelben Sorte
14
in meljrfa^em ©inne reben); fantt e* fa in gewiffen ©renken and)
ber Stfenfö- — <£* tu ferner jur Sßürbe ©otteS gehörig, ba£ er
tu wenig Sorten 33iele$ fage (nic^t, wie unfere ^ilofo^ifdjen
unb ^itologifäen RxitiUx, bie 3£n in fielen Sorten wenig ober
nicfr« (agen laffeti) — e$ trägt »iel &u unferm 9tu^en unb
unferm £roft bei; e$ eifert bie ©etef?rten jum ©tubtum, bie
frommen jur ^Betrachtung an, nm bie Dtelfac&en 2Ba£rl?eiten unb
©innbeutungen, bie in bem SBort ©otteS wie in eiuem nie ju
erfc^öpfenben 93runnen verborgen ftnb, aufjuftnben unb an'S
%iä)t ju förbern; — überbiefi wirb baburcf) bie unenblid?e unb
wunberbare SGßeiepeit unb 93orfe£ung ©otteS meljr offenbart/'
— 2llfo, ©Ott fonnte e$, ti war für ©eine 2Mfommenl?eiten ge*
jiemenb unb angemeffen unb unS ttü^ltc^ unb fjeilfam: mithin ift
nityt anjunel)men, @r fmbe e$ nicfet tlmn w ollen , etwa ben Ijeu*
tigen 3Mnlologen unb trttifern ju lieb. — 3$ weif? woljl, baß
um bie Äat^eber £erum fc^on mefjr aU einmal gelabt worben
ift über bie „23ufento!p'fd?e £ogif": Deus potuit, et Ipsum de-
cuit, ergo et fecit; altein baä „potuit et decuit" entfräftet
fcbon ^eben (Sinwanb ba gegen, unb fömmt nun ba$u ber tin*
ftimmige GtonfenS — ££eorie unb ^rariö — ber ££♦ SSäter unb
größten Selber ber Äircfje, „in benen ber ©eift ©otteö jum @r*
ffären ber ©cfyrift wohnte/' (o ift meines (£r achtens für jteben
^riftenmenfc^en aud; ber 33eweiS bafür fatljolifcfy, t>otlfräftig ge*
liefert* — SOßenn Semanb meint, bie ££♦ Sßäter unb ?ef>rer ber
$ird?e Ratten nur fo im 3111 gern einen gerebet, oj?ne ju untere
[Reiben, fo frage i^, warum benn wir fo ttiel unterf$eiben follen?
SBoju bient au$ am (Snbe baö enblofe ©peculiren, fritifiren,
2)tfttnguiren, ©Mbiren, ©ubbfoibiren, ©^ftematiftren, £f)efen!ponirett,
©efenbiren, Dppomren unb am (Snbe — £>eliriren ? *) <&$ gibt
£o$mütl)ige ©eifter, bie ftdj nicfyt bamit begnügen wollen, eine ©a$e
ju erfaffen, foweit jt'e wiffenf^aftlic^ jit erfaffen ift; fte wollen „bie
SBiffenfc&aft" um f äffen unb einf fliegen, unb bann bar in bomini*
ren. 2)aju muß ein „wtffenfd)afMd)er" SRuf burc^auö notywenbig
*) //3m emigen ©iubiren gefct ber gefunbe 9J?enf$em>erflanb verloren/'
fagte no$ neulich mit gug unb $e#t ber „alte eoibai im Sfoftrod" in
ben WoTilA'polültytn blättern.
15
erworben, irgenb eine neue (£nibecfung gemacht werben. Unb nun
fegelt ber „9flann bes görtfc^ritteS" mit feinem 33erftanbe ol)ne
Äompaj? unb frei tton aßen einengenben Regeln bem 9?orbpote ju;
unb wenn er im (£ife- ft$ fejigefa^ren — Bricht fein ©enie ftdj eine
neue 33afm. (£nbtid) na$ langer, bef$werli$er, tobe$gefäf?rli$er
ga£rt erfdjeint ber fülwe ©egler wieber auf bem (Srbboben unter
feinen fterblid&en, minber begabten, weniger erfahrenen 9)iitmenfd)en*
£)te aber fagen in iljrer (Stnfatt oft; SBarum ift bo$ ber 30?ann
nityt lieber ju Jpaufe geblieben bei 93ater unb SWutter? — 2ßie
siele Talente, bie ©Ott berufen Jjatte, ©roßeä in ber &ird?e ju
leiften, ftnb auf biefem SBege verlorene ©öljne geworben, bie ber
$rtftli$en gamitie nur *>on i£rem ©ute t)er$e$t unb ni$t$ erwor*
ben Ijaben!
3eber wa£re ©inn ber £!♦ ©djrift ift au# t>om £L ©eifte
beabftcfytigt , au$ wenn ber £agiograplj als auctor secundarius
nicfyt baran gebaut £at ober alä befdjränfter 9Äenf$ ni$t ba*
ran l)at benfen fönnen* ©er bucfcftäbli^e ©inn ber £!♦ ©djrtft
ift berjienige, ben bie SBorte in ber 2lbfi$t be$ % ©eifteS
unmittelbar Iwben na# ber ©rammatif ober nad; ber 3&ee* ©er
bu$ftäbli$e ober SQSortfmn nadj ber ©rammatif ift junäc^ft ge*
wöjmlicfy einer unb einzig wie ein abgefaßter ©tamm, ber ni$t
mefjr wäc^t; ber SSortfinn nad) ber 3bee ift bagegen ber tebenbige
anbere ©tamm , aus bem fortwä^renb neue tiefte unb 3weige |>er*
sorfyroffen* Um Jenen l?erum ft£en bie *Proteftanten feit 300 3a^
reu unb nagen ftd? franf unb tobt an ber wtrocfneten 9iinbe;
unter biefem ftgen wir Äatfjolifen, fröljlidje Äinber ber tirdje, unb
ftnben ©Ratten t>on feinem Saube unb gefunbe -fta^rung x>on feinen
grüßten. £)ie Äird?e nämlicf?, voit fte leibt unb lebt, unb in etilem,
xt>a$ fte fpricfyt unb t£ut, ift bie lebenbige, einzig waljre Duelle be$
richtigen SBerficmbniffeS ber % ©d?rtft; baö 2öort ©otte$, gef trieben
wie münblicfy, ift in ipr allein ein lebenbiger glufj, ber biä jum
@nbe ber 3eit ni$t fülle fielen fann, unb in beffen flaren Spiegel
beim SSorbeiftrömen alle ©enerationen nadjjeinanber J>ineinf$auen
unb ben Söilfen ©otteä erfennen fönnem £)ie fjebräifcJ?e unb grie*
<$ifcf>e ©rammatif unb bie j[übifcf>e ©ef$ic|>te unb t>ic geotogifc^en
16
unb arcpotogtfäen ffenntniffe, aße W« $ur 33irtuofttät gejleigert,
ftnb ung babei wenig nüge, unb wenn wir au$ btefen aßein ben
fog- sensus unicus menfd)ltd> Ijeraueftubtren unb mordice *>er*
tfjeibigen wetten, bann ftnb fte uns offenbar no# eijer f^ablid) afö
unnü§ gewefem 2ßarum? SQSeit biefer in' ftc^ abgefc^Ioffene sensus
lateralis unicus bem % 23u$e in feinem übernatürlichen (S^arafter
unb Slnfeijen am meiften Slbbruc^ tljut, inbem er i£m aße$ ba$ ju
nehmen trautet, waä eS X>cn anbem bloß menf$licf)en Suchern
unterfc^eibet £)en SBorten biefer muß mau mit ^ec^t nur einen
einigen Sinn unterließen , ba fte eine menfd>licl?e ^erfönlic^feit
jum Urheber Ijaben; anberS ift eS mit ber % ©#rift, bereu auetor
principalis ©Ott ber % ©eifi i% £>aß mau in ber £L Schrift,
auefc ben einigen SBortftnn allein urgirenb, bie fat^olifc^en unb
nur'fatljolifclje 2e£ren barm auögefproc^en ftnbet unb fo mit ben
SlnberSgläubigen beffer fertig ju werben £offt, ift für bie tirc^e
fein ©runb, weßfjatb fte von ifirem 33ibelf$a§e einen einzigen £)e*
uar wegwerfen müßte* ^ ©o oft man in biefem ©eifl mit Slbtrün*
uigen unterjjanbeln woßte, f>at mau ba$ ©egentfjeil t>on bem, m$
man hoffte, ermatten, bei bem ©njelnen, toie M ber SWenge, Jpaben
wir nicfyt £ie unb ba reben gehört von einenj „unberechenbaren,
nic^t abjutäugnenben 9ht§en," ben bie Äirdje unb bie fat£otif$e
Geologie gewonnen auö ber wiffenf#aftli$en SERetljobe unb Ueber*
legen^eit ber ^rotejianten , bei benen bie fatf>olif$en Geologen in
bie ©cf)ute gel)en fönnten? *) ©oldje Sluöbrüde Ijaben einen böfen
£afen, unb wenn fogar „fatfwlifdje" ©ete^rte ftd? bemüßigt gtau*
ben, wn einem wirHictyen, x>or ©Ott gültigen, wijfenfd)aftticf)en
©ewinne ju reben, ben bie ßird&e au$ ben „gortfcfmtten" ber l?e*
teroboren SE^eotogie jie^t — fo tjl ba$ nur ju bebauenu ©ie
foßten ft$ me£r im Futterraufe umfe|?en, ftatt immer bie regio-
ries alienigenarum gentium ju bereifen unb ju bewunberm 3ft
ein folctyeä 33erfaf>ren wofjl geeignet, einen jungen Geologen an*
jueifem, ber no$ gar feinen Ueberblicf £at über bie ÄröfuSfdjäge
*) 2*u# erinnern ft# no# marnfte 3u$orer eines, nad) fernem £obe i>on
beut % ©tu&le oU ©c&riftfhaer Gearteten $rofeffor$ ber tytolOQlt, wie
biefer oft bebauerie, ba? auf ereßettfe^em ©ebtete fat^oXtfe^er ©eit* no$ fo
wenig geleifkt korben.
17
Der alten fat£olif$en ©otteggeleljrtljeit, unb inöbefonbere auf bem
©ebiete ber ©djrifterffärung, betten gegenüber and) bie bejten ©et*
ftesprobuete auf ber anbern Seite waljrljaftig nur — ^Bettelpfennige
ffnb; unb wirb man auf biefe SSetfe einem einzigen Srrenben jur
grfetmtoij} ber 2Ba£r£eit be!)ülfUcf> fein?
7.
9htr in ber Ätrcfye gibt eö eine ^eilige ©$rift SBenn bie
tirdje ni$t fagt: 2)a£ ift bie f>L ©$rift unb ba$ fte£t barin
— fo gibt ti feine % ©d)rift unb feine richtige (£regefe*
Sie $ir$e l)at baö gefagt unb fagt e$ noc^ immer bei x>or^
fommenben ©elegenljeiten : barum ift bie erfte ©ac^e beö fat£o*
lifd?en ©djriftgeleljrten , „ber fein ©pinnenneg weben unb unnü&
arbeiten will/' *) ba$ Dl)r ju neigen unb ju f)ord)en auf bie
Stimme ber SÄutter* &$ ift aber nic^t nötpig f bafj biefe immer
feierlich wm ©tu£le be$ §L ^Jetruö Ijerab ober aus bem ©cfyoofije
ber Gtoneilien fjerauS ft$ auöfprec^e: fte fpricfyt audj in &Un unb
9?ituS, wie ni$t minber bur$ ben 5Wunb tl)rer jjeiligjlen Ceprer *>on
Slnfang an U$ Ijeute unb immerbar* Unb wo bie §ef>rer ber Äirctye
einjfr'mmig etwas behaupten, ba barf man nid)t jweifetn, bafj e6
fat^olifc^e Söa^eit fei; unb wo fte einhellig benfelben 2Beg geljen,
ba ift eS meljr atö ratjjfam, immer mit if?nen ju gefjen, tok ber
% SBemarb, ber einem teuerer fü£n fagte: „er wolle lieber mit
ben ££♦ SSätern aut errare aut sapere." (Sine foldje Ijalb naioe,
ijalb ironifc^e Antwort, xoic fte auö bem ©elbftbewufjtfein unb
bem ©icf)erl>eit$gefü£le be$ treuen ©o|me6 ber ^ir$e fjersorquillt,
pafjt au$ £eute no$ auf manche 3«tnut^ung ber (£rftnber son
9teuigfeiten , mögen biefe aud) ijjre (Srftnbungen mit „rein wif*
fenf$aftlid?en ©rünben" belegen* ©o ungefähr fc^rieb aud)
Paulus ben Äormt&ern: SSenn tyx aud) jeljntaufenb ^äbagogen
£abet in (Slmfto ♦ ♦ ♦ SSäter ftnb e$ barum ni$t! — £> wie eljr*
würbig erfd?eint bem ÄatyoKfen biefe ^roceffton *>on % Tätern
*) Telas araneae texuerunt . ♦ . telae eorum non erunt in vesti-
mentum, neque operientur operibus suis: opera eorum inutilia . .
(Is, 59, 5. 6J
Vernarb ^p^onf-men. O
18
unb Syrern burd) anbertfraft taufenb 3a$re! ©ort — in ben
syjei^en ber feltgen (£$5re — jtnb fte nun, alle bie großen Scanner,
fd?on taufenb ober fmnbert ober fox>tel £unbert 3a£te, mit aßen
jenen, welche t^nen K* auf unfere Sage gefolgt ftnb, jufammen in
ber greube i£re$ @otte$, 8ltte # terü^mt ober unbefannt, bie wä!?*
renb i£reö Seben$ auf @rben für ben ©lauten an ben gefreujigten
©ottmenföen, für bie tyxt feiner irbtfäen 23raut, ber mxty, unb
für baö £eil i£rer 33rüber hii auf* »tut gefämpft, hü jur dx*
fdjöpfung gearbeitet unb in SKiffenfc&aft unb ^rariS Unglaube
lityi, mtyx ali SD?enfcf?licf;e$ geleiftet ^abem ©ie fingen bort ewig
ben Xriutn^gefang i£re$ ©laubenS: „Magnus Dominus et lau-
dabilis nimis ... in. monte sancto ejus! . . . Sicut audivimus
(et credidimus), ita vidimus in civitate Domini virtutum, in
civitate Dei nostri , in monte sancto ejus", ba$ ift auf bem
^eiligen unb erhabenen £oreb$ * 33erge ber ewigen 2lnf$auung,
3u bem aufMief enb rief ber $rop£et mit 93ewunberung unb ©efm*
fuc^t auö: „0 mons Dei, mons pinguis!" Ps. 67, unb nieber*
Micfenb auf alleg £o£e unb Jpödjfte, waä ein blo| menfc|}lid?eg
(grfennen unb SQBiffen ft$ getrauen barf unb jemals erreichen fann,
fügt er Üunju: „Ut quid suspicamini montes coagulatos?" b* u
gleicfjfam fünftlicty jufammengefpi^te 33erglein, bamit £ett>orl>ebenb
bie Unbebeutfamfeit aller mü^fam errungenen menf$lic§en ©röfje
unb Slugjeicfcnung ber ©r^aben^eit ©ottes gegenüber. Unb ftef>e,
von biefen 93ergfpi£en unferer heutigen „tmmenfen ©eleljrfamfeit"
ftnb mitunter ganj eigentümliche 93otf$aften ju ben feiigen Greifen
jener ^eiligen, gelehrten unb t>erbienftt>olten Scanner hinauf* unb
Jnnübergetönt , wie j, 23, : $?an fjabe nur SJtttleiD mit ifjnen, weil
fte baS £ebräif#e ober @rie$if$e ni#t ober ju wenig gefannt |>ät*
ten! ♦ . . 3$ meine, oljne ben (Srnft ber ©a$e ju verfemten, bamatS
muffe unter tynen ba oben — wenn e$ ©Ott fo gefügt fwt —
einmal noety eine menf^licfce £etterfeit entftanben feim
8.
Um nun bie alte 2trt unb SQBeife ber 3Säter in 23e£anblung
ber ©#rift unb ba$ 9ta$al>mung6würbige unb 2ln$ie£enbe berfelben
gegenüber ber ebenfo frufylofen a\i langweiligen 23u#abenffau*
19
berei unferer heutigen SWetljobe an einem lebenbigen Erempel
ju jetgen , wajrte \§ ben £1. £l)omaö t>on SBillanooa unb laffe
eine 2luöwa£l i>on fcripturtfttfäen ©teilen au$ (einen Conciones
folgen* Einige t>on tiefen ©teilen, bie etwa feine fo birecte 33e*
jte^nng jnr |>l+ ©#rift ljaben, foKten i£rer ©c$ön£eit wegen ben*
no$ nid?t wegbleiben, bem practifc&en Äleruä jn lieb. 3w 2Bapt
biefer 93erfönlid;fett *>or allen anbern brachten midj jwei ©rünbe:
1) ba£ £ljoma$, wie bie ^eiligen alte, fern tjl *>on aller unfat^o*
lif^en 2lengfili$feit in Slnwenbung unb Deutung ber % ©djrift,
wo er eine fatljolifdje SQBapr^ett belegen will; er fagt au$ einmal
auöbrücf li$ : ©Ott Ijabe bej$alb *>iele waljre 33ebeutungen
in bie SQßorte ber Schrift gelegt, bamit, wenn jte t>on 93ie*
len auf t>erfd)iebene SBeife erffärt wirb, babur# in ber Äirc^e bie
cjmjHid&e Jpeiläleljre an ©eiji unb Stoff bereichert werbe: ut in
Ecclesia crescat copia doctrinae; 2) ba§ ber ^eilige, xoxt
Kenner feiner £errlid&en SQßerfe wifFen, immer bie ty. SSäter unb
2ebrer Slmbroftuö, Jpieronpmuä, Sluguftin, ©regor, 33ernarb u* 21*
citirt ober ft$ auf biefelben beruft 23efonber£ folgt er bem %L 2lu*
gujiin unb % 35emarb, x>on benen biefer fein Cieblingäautor, jener
fein £5rbenSftifter unb geiftli^er SSater war, fo bag bie 3«tgenoffen
beö ££oma$ feine £e£re eine „doctrina Bernardino- Augustiniana"
nannten. Er war übrigens felbfi (o ttolt ber Erleuchtung be$ %
©eifteS, baj? er eigentlich $>on feinem anbern ^eiligen eingeführt
unb empfohlen ju werben brauet; bieß werben wir buref) einen
t>or£ergel)enben flüchtigen 33licf auf fein tjjatenreicfyeä Seben er*
fenneiu Eine wßftänbige £)arftetlung besfelben na$ ben 23ollan*
biften oon Dr. työ$l ift bei 2lf$enborff in fünfter erfd&ienen.
9. Äurjer 8eben$*2lbri§ beS ^eiligen ££oma$ t>on
33illanot>a*
Cflafy ber SanonifationSbutteO
£>er feljr Zeitige unb son ©Ott ungemein geliebte ^riejier
£l)oma$ warb in bem Sieden gontieplano in ber SJiöcefe SEolebo
in Spanien *>on ehrbaren unb fat£oltf$en Eltern geboren, bie bei
alfer Einfachheit i£re$ JpauewefenS bo$ für bie bamatige 3eit (1488)
Siemli# reiche ©utebeft^er waren, ©ie Riefen ££oma$ ©arcia
2*
20
unb Sucia Wartinej Saftellana, unb waren ber 9?ä$ftenliebe fo
ergeben, bag fie niemals einen Sirmen x>on ftcp entließen. £>a!)er
fam eö benn au$, baß bie ©efüple beg (£rbarmeng bem Knaben
£l)omag gletc^fam angeboren erfreuen, mtb bag er ftcfy bem SMenfte
©otteg Eingab, nod) e^e fein $inbett>erftanb ©Ott red?t ju erfennen
*>ermo$te- @r war gewohnt, wenn er jur ©cfmle flfaßf feto 5™!?*
ftücf fmngernben 2lrmen am SBege ju geben. SCReprere SWale fam
er nadf) £anfe oljne bag eine ober anbere $feibunggftücf, bag er
ljeimfeprenb einem Slrmen gefcpenft Ijatte. (£r ging fo weit, feine
fromme 9Jhttter ju bitten, baß er ben täglichen 2ltmofen beg £au*
feö aucp fein eigeneg 9J?ittaggma£l funjufügen bürfe, in welchem
gatte er sollen (£rnfteg *>erfyra$, an jenen Sagen, wo tpm bieg
erlaubt würbe, nicptg ju effen. — £atte bie 9D?utter ttergef*
fen, t)or tyxem Sluggange bag gewöhnliche Sltmofen, wetcpeg Xfyo*
mag anheilte, bereit ju legen, fo polte biefer bie @ier unter ben
Jpüfwem weg unb gab fte per; ja einmal fogar, wo er nicfytg
sorfanb, sertpeitte er bie jungen Jpüfmer felbft big auf bag legte
unter bie ?lrmen. £rug er bag (£jfen ju ben ©knittern aufg
gelb, (o agen oft bie Sinnen auf bem Sßege früher batton, alg bie
Arbeiter unb er felbft; ©Ott lieg aber ni$t ju, bag biefe beg wegen
einen Mangel tterfyürtem £)en Altern war £pomag in SWem
geporfam, au$ in ben löblichen fingen, woju tyn bie Ziehe ©ot*
teg allein berebete.
Die ©elüfte be« gleifdjeg trat £f>omag burdj Strenge ber
S3uge f$on früpe unter bie güge, inbem er feinen Mb bur$ ga*
Pen, Silicien unb ©eigeln in bie ihtedjtfcpaft beg SSilfeng jwang.
@r war fo eingebogen, bag er bie klugen faft nie *>on ber @rbe
erpob, fo ftttfam unb feufcp, bag er big jum legten £aud)e eine
unverfeprte Steinzeit bewabrt pat; nie aucp fam ein einjigeg SQSort
über feine Sippen, bag mc|t $>on ber innern 9?einpeit feiner ©eele
buftete. — 5Racp ffieenbigung ber 3Sorftubien im elterlichen £aufe
unter Leitung eineg x>ortreffttc^en @eift(i$en, würbe er, jwanjig
3aljre alt , in bag (Kollegium jutn % 3tbeppong in Somplut ge*
fepieft, wo er batb burdj Talent unb 2ßijfen[cpaft fowopl alg in
allen 4>rijUt$en STugenben audj feine Seprer übertraf* ®S warb
ifftn bann befohlen, felber ben Seprflupt jit befteigen unb erft bie
£ogif unb 9tyilofop$ie unb bann auep Steile aug ber Geologie,
21
felbft nodj ein ?ate f vorzutragen, wa$ er mit bem größten ©rfolge
unb mit allgemeinem 33etfatl aud) fyat Snbeffen gebaute ££0*
mag oft beg 3Iu6fpru<$S Gtyriftt: „2Ber tttc^t Slllem entfagt,
wag er befigt, fann mein 3ünger nidjt fein 7 ' — unb
aU er nadjj einiger 3eü ben £ob feines SSaterö vernahm, ver$ic§*
tete er auf bie @ljre be$ ßatfjeberS fammt allen 23equemlid?feiten ber
Söelt, gab fein ganjeS (£rbtl)eil ju einer Stiftung für arme 3ung*
frauen tyn unb trat in ben Drben ber Grinftebler vom \)t Sluguftin,
bamit fein @eräuf$ weltlicher ©orgen tyn fortan an ber vollfom*
menen Bereinigung mit feinem ©Ott frinbern fönne* 3m Älofler
ju ©afamanca legte er bie feierlichen ©elübbe ah ju berfelben
3eit, aU in £)eutf$lanb Sutfjer, ein anberer 2tuguftinermönc(j, ben
Drben betrübte unb bie $tr$e verheerte*
(£$ entjünbete ftd) nun immer me£r in bem #er$en unferö %$o*
maö baS Verlangen nad) böserer SEugenb unb ©nabe, £)er erfte,
ber bee 9D?orgenS in ben @j)or trat, war er, unb wieber ber legte Mm
^inauöge^en. 3^tmer in ©ebet unb Betrachtung x>erfenf t , genau
in Haltung ber gaften, ergaben in ber £)emut£, bur$ bie 2lrmutlj
S^rifti überreif, volffommen im ©eljorfam, in ber $eufd$eit fietö
engelrein, lebte er alfo für ftc^ felbft unb jugleic^ für Stile, baff
tyn baö Sine am Slnbern nityt funberte* ©0 gelangte er aud) in
fepr furjer 3?it ju einem folgen ©rabe ftöfterlic&er 23olffommenl)eit,
ba£ man ilm, faum jwei %a$xc nad^ feiner ©elübbeablegung, jum
$rior be£ ÄlofierS in ©alamanca erwählte* ©tufenweife httUi*
bete er bann alle ehrenvollen Remter in feinem Drben unb fanb
befonberä aU *}Jrovin$ial ©elegenljeit, ben @ifer in ber flöfterlidjen
Dbfervanj ju beförbern* dx fanbte au$ von feinen ©Gütern in
bie jüngft entbeeften neuen 2Belttl)eile , bie Ungläubigen ju be*
lehren, ©eiber prebtgte er mit unglaublichem Erfolge* 9Wä#*
tiger nodj bur# fein 33eifpiel, aU bur# fein SBort, war er
ÜÄeifier über bie £erjen, Ijielt unerfdjjrocfen jebem ©taube feine
©ünben vor, unb fteltte 3u$t unb ©itte hei allen wieber £er*
3n ben Ätrdjen, wo ber ^eilige prebigte, war oft baä ganje
^resb^terium vom ftlexni angefüllt: 2Belt* unb Drben$geijHi$e,
(£ble unb ©rauben von Spanien, Sßifc^öfe unb ^rofefforen ber Uni*
verfttät brängten ftdj, ityn ju l)ören, unb gingen immer nid)t nur feineö
Cobes voll, fonbern au# gerührt unb erbaut von bannen* £>arum
22
aud> erfdjien er t>or bem Solfe nityt anber«, al« eine ^ofaune beg
2eben$, aU eine ©timme ttom £immel unb aU ein auSerwä£tte$
©efäfj, „bamit er ben tarnen 3efu *>or Röntge unb §ür*
fleit trüge/' $aifer Äarl V. verlangte iljn ju feinem Jpofprebi*
ger unb lieg ifjm balb nad^er au$ eigenem antriebe ba« 23iö*
tbum t>on ©ranaba anbieten; bieg lehnte Xtyomaö inbeg grogmütljig
ab unb freute ft#, ber ©eringfte in (einem Softer ju fein. 211«
ijm jebocfj fyäter fowofrt ber Äaifer, aU auc^ bejfen ©ofm $lji*
lipp IL, Äönig t>on Spanien, $um (£rjbifcf)ofe *>on Valencia x>er^
langten, fonnte £fjoma6 niä)t metjr ausweichen , inbem fein bama*
liger Dberer tyn mittelft be« % ©efiorfam« jur Slnna^me jwang*
Ungern alfo unb £erjlid> weinenb verlief? ber ^eilige feine
3eKe , unb ofme ben Slufwanb eine« feierlichen (£in$uge$ , an*
getftan mit einem gewöfmli$en Sluguftinerf (eibe , sog er ganj ein*
fad) unb ju gug in feine £)omfird?e ein* £ier in Valencia
nun fefcte ber gute £irt £l)omaö jum Oeftern fein £eben für feine
Schafe ein; benn wag er hei 2öieberl)erftelfung ber faft gänjti^
gefunfenen firc&lidjen £)i«ct>lin im Äferuö, fowie ber guten ©tt*
ten hei ben ©laubigen erlitten fyat, madjt tyn oljne ba$ ©ctywert
be$ Verfolger« ju einem wahren Märtyrer* £)urcf> feine (£rma£*
nungen, 33ugwerfe, gaften, ©ebete, ja burd) SSergiegung feine«
eigenen S3lute$ führte er unselige »erirrte $u einem beffern Ze*
benöwanbel jurüct Sßo er auf ein ganj tterljärtete« ©emütjj traf,
an bem feine 93erwetfe unb Ermahnungen meljr fruchten wollten,
ba griff er wo£l juweifen ju einem unerhörten Mittel, ba$ i^m
fein göttlicher ©eeleneifer einflößte, ©o naljm er etnftmalä einen
fdjulbigen ^nefter in feine £au$fapefle, unb auffeufjenb ju ©Ott,
bag bie ©ünben be$ Wirten vietteityt ®d)ulb an bem SBerberben
biefeä ©djäffetn« wären, entblößte ber % (Srjbifd&of feine eigenen
©futtern, unb begann fty hü auf« S3(ut ju geißeln, ©er @c£ul*
bige ging in fi$, jerflog in tränen ber SWeue, unb bie 33uge,
welche fein Dber^irt t£m auf fo außergewöhnliche Söeife etnge*
pflanzt ljatte, lieg ft$ nidjt me£r au« feinem £er$en wegwiföen,
Er genog aucf> balb ba« »olle Vertrauen beS ^eiligen unb fiarb
alö einer ber auferbaulidtften ^riefter ber £)iöcefe* ©o opferte
fid) £l)oma$ felbjl alö 33ranbopfer ber Siebe für feine £eerbe;
'„in arbeiten unb 93efcf>werben, in gaften unb 9tac$t*
23
wachen, flagenb, bittenb unb jlrafenb, in aller ®e*
bulb unb 33ele£rung wart) er Stilen 2UteS, um Sllle
für ©Ott ju gewinnen/' Darum aud) erföoll (ein Sob t>er^
bientermajjen aus bem 9J?unbe alter SWec^tfc^affenen : „(Ev fet wie
ein jweiter £!♦ Paulus, ein göttlicher 33erftonb, ein SBerfjeug beS
fy. ©etfteS, eine brennenbe ftadtl ber göttlichen Siebe/' SSon biefer
Siebe war er fo feljr entjünbet , bafj er ju fagen pflegte : „(&$
freute ifjm faft erträglicher; in bie Holte geworfen ju werben, aU
feinen ©Ott nietyt lieben ju bürfen, unb me£r als t>or geuer unb
jeglicher Dual fürdjte er ftcfj x>ox bem, bafj bie Sßerbammten in
ber Holte ewig ©Ott Raffen/' — Die wunberbare Siebe ju ben
2lrmen, bie er fetyon als Äinb bewtefen, jeigte er ganj befonberS
aU 33ifd)of* Damit er ifmen befto reichlicher jtt Hülfe fäme, trug
er felber abgenutzte Kleiber, bie er ni$t feiten mit eigenen Rauben
auöbefferte, xoie er aU 3D?önd> gewohnt gewefen- (Bein 3itumer
war eines ber einfachen im bifcf>öfli#eu ^alafte, er fdjtief auf
©trol? ober 93rettern; fefjr puftg a§en Slrme als (£l)rengäfte mit
iljm an bemfelben SEifcbe; fetbft aber genoß er fo wenig, ba£ er,
äuefy oon 2ttter unb ^ranfyeit faft aufgerieben, ftcfy bennoefc nur
ein einjigeS ©ericfyt auftifd^en lieg unb fagte, eS fei eine Ungerecty*
tigfeit, bafj ber Änec^t bejfer fpetfe, als feine Ferren , bie Firmen/'
Vlati) bem 33etfpiel beS % ©regor t>. ©r- trug er baS Samens *
tterjeid&nifj aller Firmen ber ©tabt bei ftd), bamit er feinen auf
lange 3?it »ergeffe* ©rojje Summen öerwenbete er jur SoSfaufung
ber ©efangenen bei ben 9J?auren* ginbelfinber lie§ er aufgeben
unb auf feine Soften *>äterltd> t>erforgen unb er jie^en ; enblid) ftif*
tete er nod) mehrere Softer unb Kollegien, aus benen nactymalS
fetjr tugenbl)afte unb gelehrte Sßl&nntx hervorgegangen ffnb.
©ine fo Ijolje SEugenb x>er^errltcfcte ©ott aud) burd? 2Bunber*
2ltS ber % (£rjbif$of einmal bei einer SEfjeurung für feine lieben
Firmen betete, fanb er ptö^lidb feinen bereits ausgeleerten Äom*
fpeic&er bur$ ©otteS ©abe lieber überholt* din ®i$tbrü$iger,
ber 40 3a£re barniebergelegeu , fanb bie wttfMnbige @eftmt>j)ett
feiner ©lieber wieber, fobalb er ben Segen beS ^eiligen empfangen
Ijatte* Unter feinen Dielen ©eifteSoerjücfungen tjl befonberS merf*
würbig jiene, bie er Jjatte am gefte ber Himmelfahrt beS Herrn*
2i(S er bei Slbbetung ber ftrcpdjen £agjetten an bie 2Borte ber
24
2lntip£one jur 9ton gefommen war: Videntibus Ulis elevatus
est etc., warb er mehrere gug wn ber (£rbe erhoben unb Miti,
unbeweglich unb im ©eifte entjücft, j»5lf ©tunben ^inburc^ vor
ben Siugen Vieler fäwebenb, fo baß er ba$ £1* Meßopfer an bie*
fem Sage nid?t feiern tonnte, ®Miti) tarn bie Seit feinet £tn*
gangeö auö biefer 2Belt, unb er fiel in ein gieber* Sllebalb feilte
er ba$ i£m nod) Uebrige unter bie Slrmen auS: ©elb, Äleibungä*
ftücfe, Jpau$*>orratf> mit fammt ben Pöbeln femeS BimmerS; felbft
baö ärmliche Setzen, auf bem er lag, fünfte er einem armen
gamUiem>ater, ben er bann bat, „e* i£m gütigjl leiten ju wollen,
biö er'barauf geftorben wäre/' — ©o wollte Stomas, na^bem
er ganj nur für bie Firmen gelebt ju l>aben feinen, auefy felbft auf
frembem (£igentl?ume vok ber Sllterärmfte t>erf$eiben* 3mmer betenb
falj er mit Verlangen feinem Eingänge entgegen, unb wieber^otte
oft bie SBorte beä ^fatmifien: „Laetatus sum in bis, quae dieta
sunt mihi: in domum Domini ibimus." 2)ann lief er no# in
fetner ©terbefammer ba£ % Meßopfer feiern unb wollte, baß
man iljm injwifc^en bie £eiben$gef$i$te be$ £errn na$ 3oljanne$
sorlefe, bie er mit ber größten Sammlung unb Slnbac^t anhörtet
2ltö er jur ©lesation ba$ £eitigjle ©acrament angebetet ljatte, ent*
pürjte i£m ein ©trom wn greubentyränem 9tun begann er mit
fterbenber ©timme ben ßobgefang beö ©imeon: „Nunc dimittis
servum tuum, Domine" etc., unb na$ ben 2öorten: „3n beine
£änbe, o £err, empfehle iti) meinen ©etft" t>erfcf>ieb er fanft
£)teß war im 3al)re 1555, am gefttage ber ©eburt ber aller fetig*
fien Jungfrau SWaria, bie er in feinem geben fo fe£r geliebt unb
*>eref>rt £atte* 211$ er ju ©rabe getragen würbe, folgten feinem
©arge gegen 9000 Slrme, bie über ben 3Serlu(i il)re6 SSaterö fo
laut weinten unb jiammerten, baß man ben Sobtengefang beg jaljl*
reichen tleruä ni$t meljr Ijören fonnte* 3a£tlofe SBunber ge*
f#a£en fofort an feiner ©rabftätte, unb $apft Slleranber VIL l)at
ifm unter bie 3# ber ^eiligen tterfegt,
©o lebte unb fiarb ber SWann, t>on bem bie nadjfteljcnben
SBorte >;od> na$ breifmnbert 3a£ren einen gewiffen £eiligenbuft bei*
behalten Ijaben; waö finb aber biefe 93rud$ücfe gegen bie t>ollftänbtgen
Conciones divi Thomae a Villanova, au$ benen jte genommen?
25
%d)x\ft-<Bloffcn tos i)L Stomas von Uülamwöu
10. Dae ©ebot bet ?Rä$jlenlte&e.
„@tefte f tt)ie gut unb angenehm ift ba3 liebevolle
3ufammenwoljnen von 33tübetn!" ($[♦ * 32
. „SßaS gut tft, meine lieben SBtübet, ba$ ift nid)t allemal an*
genehm, fowie anä) baö 2lngenef)me leiber nic^t immer gut tjh
©ine @a$e fann gut fein, bie nicfjt angenehm ift, unb eine anbete
ift angenehm, aber gar ni$t gut Sßieber eine anbete ©acfye fann
gut unb angenehm jugleicfj fein, wäbtenb nod? eine anbere Weber
gut no$ angenehm ift 3* ©♦ bie 23u§e, baö Äreuj, bie 2lbtöb*
tung finb gut, bemt fte fähren jum ewigen Seben; aber angenehm
ftnb fte ni$t, vielmehr unangenehm unb peinlich ♦ ♦ . Die greuben,
Stiftungen unb Vergnügungen bet SBeltfinbet hingegen ftnb an*
genehm, abet feines wegg gut, benn fte fügten bie ©eele in ben
ewigen £ob*** Die ©ünbe enblicfy ift webet gut nod) angenehm,
fonbetn fcfylectyt unb peinlid) jugletcty* (Sinen 23ewei$ bafüt £aben
xoix in ben SBotten betet, bie im 23uc^e bet 2ßet$l?ett (Aap* 5*)
fagen: „Lassati sumus, wiv finb matt gewotben auf bem
SBege bet ©ottlofigfeit, wir ljaben auf ^otpettgen
©ttaßen gewanbett/' £> bet gtogen 25linb!>eit bet ^inbet
Slbame! ©ie wollen liebet bet ©ünbe mit (c^wetet 9JJüf)e, ale
@ott mit ftö^ltc^et £ei$tigfeit bienen! „Denn wiffe unb fte£e,
fagt ^etemiaö, baf? ei bö£ unb bittet ift, ben £ettn bei*
neu ©Ott »etlaffen unb ©eine §ut$t vetloten ju l)aben!"
5Ba$ gut unb angenehm juglei^} ift, ba$ ift einjig bie
Ziehe, ©ie allein £at ben SSotjug, nt$t nut gut unb untet allen
guten Dingen ba$ 33ejle ju fein, fle ift au$ jugleid) bie angene^mjk
©a$e t>on bet SBelt, ütbefj alle übtigen SEugenben itgenb eine
©$wtetigfeit mit jtcfc fügten, wej^atö fte ni#t getn gefehlt wet*
ben. Unfete Demutl), unfete ©ebultv, unfete (Jntfagung, unfete
$eufd$eit, unfete 2ltmutl), unfete ©tanb^aftigfeit u* f. f, fyaben
alle unb jebe iljte ©c^wietigfeit; benn eö geföieljt ni#t oljne 9ttü£e,
wenn ber SDfenfd) ftdj unterwirft, 33eleibigungen bulbet, fiti) von
finnigen ©enüffen enthält, Mangel an jeitlic^en ©ütern ttägt,
26
Verfügungen wnberjfe&t Slber wefdje ©d&wiertgfett fönnte ji*
ftnben in Uebung ber Siebe? — ©ejjM* fagt ber $1 »ußuflm:
„(£$ fann wojrt £iner fagen: faßen fann t$ nic^t, wachen unb
beten fann i$ nityi bürfte mir aber wol)t 3emanb fagen: {$ fann
nid;t lieben? 7 ' — Sieben bringt mcfct allein feine 9Äitye mit ftcfc,
fonbern fogar große 23efrtebtgung ; benn ein Zehen ofme Ziehe unb
greunbföaft wäre fein Seben, unb ein Wenfd), ber feine Ziehe !?at,
muß entweber ein Steter ober ein Ijöljerner 33locf (ein : aut bestia
est aut truneus! — Werfet barauf, meine 23rüber, wie fo leicht
Der 3inö ju bejahen ift, ben ber £err t>on un$ forbert: für fo
jatjllofe 2Bo£ftf>aten verlangt er nictytö anbereS oon uns, als Siebe:
„£)u foltfi ben Jperrn beuten ©Ott lieben über 2Ulee,
unb ben 9iäd>jlen, wie biet? fetbft/' — O wie gered)terwetfe
oerfcient ift bie SSerbammung beffen, ber eä »orgejogen fjat, lieber
in ber £ötle ju brennen, afö ju Heben auf Srben! — O ©ünber,
wofür fwltft bu beinen ©Ott? Sine fo f$were Saft jtnbeft bu in
Meinet Ziehe, baß bu lieber in bie ewigen glammen wiüft gewor*
fen werben, als tyn lieben! — — O (Sigenfum, o sparte, o
©ottloftgfeit unferö £erjene! 2öaö werben wir antworten fönnen
am Sage beö ©erstes?
11. Daö verborgene ©eric^t
„3$ bin jum ©ertöte in biefe SQBet t gefommen
(fpric^t ber£err bei Cannes im 9. Kapitel), bamit bie 231 tu*
ben feljen unb bie@e£enben blinb werben/' — Unb wie
ba$, o £err? SDBer ift ber, welker nidtf fte£t? — Antwort: ber
Styoftel, ber ba fpridjt: „3$ xoeify, ba£ ba$ ©ute mir nt#t
innewohnt" (SRöm. 7.)* SSiel hingegen fa£ jener ftotje tytyaxi*
fäer, ber ba fpradj: _„D ©ott, i$ banfe btr, baß U) nityt
bin, wie bie übrigen Wenden, Räuber, Ungerechte,
(S&ebrec&er" & f. f. (Suc, 180; — ber Rubere, ber ein 3öttner
war, Ijob auä 3erfnirfd>ung unb ©emutf; feine klugen nicfjt wn
ber (Sibe auf, inbem er ftill in feinem Jperjen fpra#: „@ott fei
mir ©ünber gnäbig!" — dx fa^ nidjtS unb würbe erleuchtet:
benn „er ging gerechtfertigt in fein £au$/' £)er $£ari*
27
fäer aber fal) jwnel — unb würbe blinb* ©ielje, baö tji ba$
©ericfrt!
12* SÄaria in iljrem 2lmte*
„£)ie Butter 3efu war babei" (3o^ 2.), nämltdb auf
ber £od)$eit ju Äana in ©aliläa* (Singelaben war babet audj
bie Butter 3eftu ©d&au, wenn ein trauriger getröftet wirb, fo
war bie SDlutter 3efu babei ; erfreuet ftdj ein © eredjter — bie Wüß-
ter 3efu war babei; wirb einem armen ©ünber aufgeholfen —
bie SERutter 3e(u war babei* ihtrj, mä immer bem menfcfjlictyen
©efdtfectyte ©uteS »erliefen wirb, ba$ empfängt e$ ni$t oljne fte,
wie 33ernarbu$ fprtdjt: ©te ift überaß babei. Slber nidjt etwa
müjjtg — ba$ jte^ft bu £ier* ©ie fpridjt: ,/3Äein ©ofjn, fie
ljaben feinen 2Bein/' — 2)aS ift bie bittenbe ©timme, bie fte
oljne Unterlag bei iljrem ©oljme für bie ©ünber ertönen lägt:
„9Wein ©ofm, fte lj>aben feinen 2Bein, feinen 2öein ber ©nabe,
feinen ^ein ber 2lnba$t, feinen 2Bem ber Ziehe." „Butter,
mä gefrt ba$ mi<# itnb bid) an? 2Ba$ ptten wir tynen no$
tljun fallen, ba$ wir nidjt getrau jjaben? ©ewtg, eS ifi nidjt un*
fere ©$ulb, ba§ fte an Mem SWangel Ijabem <£$ fümmert mi#
bef#atb ni$t meljr — unb bu — bift bu nicfjt erhoben über
bie Sljöre ber feligen (£ngel in ©idjerfjeit? xoaö fümmert e$ bid)
no#V" „D mein ©o£n" — fo [priest fte — ,,id) hin tyxe
ÜÄutter, t>etgeffen fann ity fte ni$t/'
13* 25er „bonus pastor" na# bem (Sttangeliunu
55ie er fte (£igenfc&aft unb £ugenb eineö guten @eelen£irten
ift bie Ziehe; fte allein würbe t>on bem % betrug »erlangt;
über fte allein mußte er ein Sramen befielen (3o£* 21, 17*)-
£)e$ $ixten ©timme ift biefe : Nigra sum, sed formosa etc.
CCanL /, <$.). 3$ bin fc^warj wegen ber meten* Betreuungen
meinet 2lmteS, aber bod? fdjön bur# bie gute Meinung unb bie
Ziehe, in ber id) Meü tinte, um ©Ott ju gefallen* ©djwarj bin
ify wie bie ©ejelte ber Wirten auf Sebar; gleich xoie weltli^e
3Renf$en bin iti) in ©orgen unb ©efdjäfte t>erwicfett; aber ber
28
Siebe wegen hin ii) fd&ött unb weif wie bie Stlit ©alomonö, b* £♦
ctyntt* ber 9Äenfd$eit (Sfmfti beg £errn , ber aud) um ber 5flen*
f#en Witten erniebrigt würbe unb aug Siebe ju ijwen ft$ gleich
fam überfdjwärjen lieg mit ber ©eftalt beö ^necfjteg*
Die jweite (£igenf$aft unb £ugenb beö Wirten ift bie 2Ba$*
famfett 3fi 62, 6: „Ueber beine dauern, 3erufalem, l)abe 3$
2Bäd?ter geftelft; ben ganjen Sag unb bie ganje 9la$t, nie unb
nimmer werben fie f$ weigern" — „Simon, fd)läfft bu?"
Die britte £ugenb beö Wirten ift bie 2Biffenfd)aft in
ber Cc^re beg JpeiteS, ba§ er bie itjm anvertrauten ©$afe ju weu
ben verfiele, arbettenb in äöort unb 33ele£>rung (1 £inu 1, 150*
Die vierte £ugenb ift fein tabellofer 2ö anbei, weil er
vor ©Ott 9?ebe fielen mug für bie ©ünben feiner £eerbe, bamit
er ben geregten 3om beä £errn einhalte (SjedS)* 22, 300* 3ft
e$ nun aber wa£r, bafjl faum 3^»tcinb für feine eigenen ©ünben
vortreten barf, mit welcher Äü^n^eit unb mit welker 2lnma£uug
wirb er 1 3 bann wagen, ftcj§> bem erzürnten @ott gegenüber ju fiellen
für bie ©ünben Slnberer? — Da$ barf allein @brifiu£ ber £err
wagen, (5r, ber ^riefter in Ewigfeit, ber ni$t nötljig £atte, für
eigene ©ünben ju opfern. (Beim 9ieinf?eit foll aber ber ^riefter
unb £irte nahmen, (oviel e£ t^m bie menf^licfye ©c^wa^eit
erlaubt.
Der ^flic^ten beg ©eelenljirten nad; bem Evangelium (3o£*
100 P nt) £auptfä$lidj vier:
L Die Schafe wetben, fowofrt auf leiblicher alö auf geifl*
lieber SBeibe*
2. Die ©$afe alle fennen, perfönli^, bem ©eftdjte unb ber
©timme nadj*
3. Die ©cfcafe vertljeibtgen gegen ben 2Öolf unb bie
SBölfe.
4. ©ie verfammetn in Sine« (3o^ 11, 520*
Der heilige rebet au# von ben 23orflef>ern ber Iföfter unb
ben Drbenäleuten überhaupt, unb feufjt bitter über ben Untere
Wieb ber feuern von jenen Sitten in früherer 3eit: klaget
3eremiä 4, 7. 8. Erwäge grünbtidj ben Sluöbrucf: „Non
spnt cogniti in plateis." Wlan £at fie auf ben ©tragen
nid?t mejjr erfannt jemals liebten fie nur bie ©infam*
29
feit *), unb wenn e$ ttorfam, baß fte ber dfyxt ©otteä wegen ttor
baö 23olf treten mußten, fo t>ere^rte fte 3ebermann aU Väter
Golfer SBürbe unb £eiltgfeit -ftun aber ge£t in Erfüllung, wag
3faiaö fagt: „2Bie ba$ Voff, fo ifi ber 55riefter" (3f. 24.)
imb ba$ 2ßort beö ^falmiften (105, 35.): „Sie ^aben ft$
unter bie Völfer unb Reiben gemif#t unb i£re böfen
SBerfe gelernt/' — „2Bie ifi tterbunfelt werben ba$
©olb," flagt 3eremia$, „unb wie t>eränbert erfc^eint bie
fdjönfte ber garbenl 3 erfreut würben bie ©teine be$
£etligtljum$ an ben ®üzn aller ©trafen 7 ' (biefer 2BtfO*
14. Von bem großen Sßertlj ber Srübfale.
3Q3ie groß ift boef) bie £äufd)ung ber SSttenfcfjenfmber , unb
wirb leiber ni$t entbeeft bi$ an'ö (£nbe beö SebenS! Sitte fu$en
wir ju unferm eigenen Verberben nur 9?eicf)t!)ümer, Vegünftigun*
gen unb greubeu btefer 2Öelt. — Silber vernimm, wa$ ©regortuS
fagt: ©ad tmmerwctyrenbe ©lud in jeitlic&en unb weltlichen 2ln*
gelegensten ift ein 2ln$eid)en ber ewigen Verwerfung : „Continuus
reram temporalium successus aeternae damnationis indicium
est." — ©a£er fagt ber ^falmift mit 9te#t: „33 or ber £ölje beS
SEageS", b. £♦ be$ ©lücfeg, „wunb (o ift e$ oft ber 9?ei$fte, ber am
meiften Mangel leibet c) ©ie ftnb feine wahren Sfteid&tfwmer,
tveil fte jeitlidj, furj unb vergänglich ftnb, nichts nu§en in ber
SOßagf^ale @otte$ unb äufjerft fdjnetl in ober mit beut Men ver*
loren gefjetu
3) Die irbifäen SRetd&tljümer muffen befonberä von geiftlid&en
^erfonen veraltet werben, am meiften aber von Drbenöleuten, bie
gelobt Ijabeu, bem 33etfpiele tyxifti unb ber Slpoftel ju folgen ♦ ♦ ♦
„Suchet alfo juerft ba$ Neid) ©otte*/' QOlaty. 6, 330
21. 3orn beö $!♦ Xfyomaö über ben böfen ßned&t im
Svangeltunu (ÜRatt^ 25, 24)
2113 ber nad&fäfftge Änecfct fein tobtet Kapital bem £erm
jurücf braute , wollte er feine gautyeit entfd&ulbigen unb fügte ber*
felben nocfj eine Cäfierung hei, inbem er fpradf): ,/£err, icfj wuj? te,
ba§ bu ein harter unb geftrenger ÜÄann biji, ber ämtet,
wo er nid&t gefäet £at" tu f* w* ©a« aber betrübt ba$ liebt*
volle Jperj be$ l>t Stomas, unb er £ält eine berbe ©trafrebe
gegen ben böfen Äne$t:
„,mD bu boshafter unb fauler $ned?t, faul im auftrage unb
bo$£aft burd) beine ©otteöläflerung! 2Öa$ fpric^ft bu ba, Säfter*
munb, tvaö barfft bu fagen? „3$ tveijj, bap bu ein harter unb
geftrenger Wann btft" — bu lügft auf bein eigene^ £aupt £) bu
23öfett>i$t! Wein, nein, ©Ott iji nidj)t jirenge, ni$t unerbittlich,
nic^>t £artl)er$ig: (£r ift vielmehr gnäbig unb barmljerjig,
ber 93ater ber ©rbarmungen unb ein ©Ott alles £ro*
fte& (2 (£or* 1, 3.) £)er, ben bu bir benfft, ift ni$t ©Ott, bu
malft bir in beiner ©inbilbung ein fatfc^eS 33tlb von ©Ott, baä
gar feine 2lefjnli$feit mit 3^m l)at SQSte ©Ott bir vorfommt, fo
ift (£r tt>a£rlicf> nic^t! 2Bie follte ©Ott ber überftrenge 2lnfcf>utbiger
ber ©ünber fein $u ij?rem Untergänge, @r, ber geftorben ift, bamit
38
@r fte nid?t t>erberbe, fonbern feltg mad)e? „Du ärnteft, fagfi bu
3^m f wo Du m$t gefftet, unb fammelft, wo Du m$t auegeftreuet
fcajl." D offenbare 2üge! o falfäeä 3eugni§ wiber ©Ott! 2Sag
fammelt ©Ott je, ba$ er ntc^t gefäet ijabe? £> bu gottlofer SWenfä!
s J?öc^)te ©Ott nur ben ^unbertften Xfyeil auffammetn fönnen von
bem, wai er gefäet $at! — SBenn <£v bie ©eelen für ©i<$ »er**
langt, ljat @r fte mcfct erraffen, unb gleic^fam in bte Setber ein*
gefäet ? — SBenn @r gute SÖerfe fu$t, fcat (£r mc&t aud> genug
©naben auSgefäet? SBenn @r t>on unö gelobt fein will, Ijat (£r
unö nid)t 3Äunb unb 3unge unb Slüeö gegeben? — 2Bte benn
wagft bu ju fagen: „Du fammelft, wo bu m$t gefäet Jap? 11
©täubet mir, meine ©ruber, glaubet mir, fo ift jieber ©ott*
lofe; wenn er in ben glbgrunb ber Uebet gefommen ift, benft
er ^tyUtyt von ©ott unb £at von 3f>m fein richtige* unb ge*
funbe* Urzeit m% Denn bte Soweit, fagt ber >J)falmift OPf*
260f lügt gegen fi$ felbjl, baf? fte ftc^ ©ott ben £erm an*
berä benfe unb sorftelfe, ate (£r tfL
22- 33on ber Slufrt^tigfett ber 93u£e im 333 e r f e.
211$ ber £err beu Untergang ber ©tabt 9tinwe buref) (Seinen
^ropljeten anbro^ete, begannen bie (Einwohner ju faften, $u trauern,
ftdj mit 33u§fäcfen ju bef leiben, unb auf ber 2lf#e ft£enb riefen
fte mit tränen um (£rbarmung* Slber xoa$ fagt bie ©cfcrift?
„Unb ©ott ljat gefepen iljre 23ugwerfe, unb wie fte be*
fe£rt feien *>on i£rem böfen 303 ege, unb (£r Ijat fic£ ifjrer
erbarmt unb tljnen ba$ Uebel nityt jugefdjicft, baä dv
iljnen angebroH" (3om 3, 10.) £* $eif}t nic^t: ©ott fa$
bie ©eufjer, bie tränen, bie ©äefe, bie 2lfc&e — fonbern wa$
war e«, baö er fa£? — „3£re SOBerfe, ba& fte befe^rt feien *>on
i^rem böfen 2ßege/' »ergeben* wirb ©otteS 33arm£er$igfeit mit
tränen angerufen, wenn bie ©ünben nid&t »erlaffen werben;
benn ofwe 9tu§en weint baö Sluge, wo im Sajier bleibt bie ©eete.
O ©ünber, wenn bu aufrichtig weinft, fo fomm fcerau* au$ ber
©elegen^eit ber ©flnbe! §tie£e bie unreine 33egierbe, entlaß bie
ftnnltd;e £uft, wirf fnnauS ben ©tein beg Sfoßojje*, expelle mu-
lierculam, jerbri$ bie ftette — fonft glaube i$ beinen ^ränen
39
nicfyt! — „©djwer bricht bie breifa#e ©$nur," fagt ©a*
lotnon ((£ccl* 4, 12.), *>♦ £♦ fäwer jerreigt ba$ breifacfje 23anb ber
böfen Neigung, ber f$led)ten ©ewofmljett unb ber überwältigenben
©elegenljett @tn grofjee SBunber würbe e$ fein, wenn 3emanb
in ber ;ftäf)e etneö Söeibeö verweilte unb nt$t fünbigte: Miraculum
grande est, ut habens juxta se mulierem, non tangat eam
(Eccl 13, 1J. Unb wafyxliä), „wer s Pecb berührt, wirb ba^
mit bcfubelt" (Spruch 6, 280- ©lüi?enbe Aorten willfi bu
in beinern ©djooge verbergen unb bod) betn Äletb ni$t verkennen?
— 2Öenn bu e$ mir auty Zeitig *>erfprocf)en £ätteft, wenn bu e$
mir au# mit tattfenb ©cijwüt'en bekräftigen würbeft, — niemals
würbe itfy bir glauben, niemals!
23. £>a$ £inberni£ beö Slei^t^um^
„Seichter ift es, ba§ ein Äameel bur$ baS 2luge einer
^ftabel bur$gel)e, aU bafTein 9Ui$er eingebe in^9teic^
©otteö/' (Suc* 180 Darauf fragten bie Slpoftel: „Jperr, wer
wirb benn fönnen feiig werben?"* ♦♦ O ipr guten Hpoftef,
wie x>tele 5lrme gibt e$ ni$t allenthalben? 2lber bennod) ifi t^re
grage fefnr treffenb; benn bie feine 9*ei$il)ümer beft^en, wünfd&en
fte bo# unb ftnb ber 93egierbe na$ ben Steteren gleicf), Dürftige
gibt ti jwar eine groge 2ln$a£l, aber leiber ftnb bennoefy oiele x>on
iljnen 9?ei#e, fei ti in ber SBBtrf liefet* , fei ti auö 25egierbe; ob
fte e£ ftnb ober fein wollen, baS ift %\ti§. 2Öer alfo wirb fetig
werben fönnen? @$ folgt bie Antwort beö Jperrn: „2Ba3 un*
möglid) iji lt\ ben 3D?enf#eu, ba$ ift möglich Iti ©Ott/'
(8uc* 18, 270 2llfo Ui ben 9J?enfd)en ift e$ unmöglich, bafj ein
eigentlicher 9Jeid)er feiig werbe, ©o fagt man ben oerjweifelten
Äranfen, benen fein Slrjt mef?r Reifen fann: Sei ben 9flenfd&en ift
beine Leitung unmöglich geworben , aber nicljt Ui ©Ott — ©eljet
iljr nun, wa$ baä für eine 3Sertröftung ift? D xok oiet oergröjjert
biefe (Jrflarung be$ £erm no$ unfern ©Freden! — Sllfo auf
wunberbarem 2Öege muß ber Steige feiig werben, fagt ber IjL @re*
goriuö, wenn er anberS feiig werben folf; benn na$ bem gewöhn*
liefen Saufe ber Singe £at er auf bie ©eligfeit feine Hoffnung,
©eljet iljr ben großen £roß? — £)ur(|> ein SBunber wirb ber
40
3?etd)e fetig! £etfjt baö ni$t fo t>iel aU: ge»öljntid> wirb ber
SWeic^e nic^t fetig, fonbern geljt verloren? — 2öaö t?at ber $!♦
@eift gefagt von benen, bte auf !Ret<£tyümer vertrauen, unb betten,
bie fein Sßertrauen auf biefelben fegen? „©tücffelig ber^eicH
ber bem ©olbe ni$t nachgegangen ift unb feine £off*
nung nt$t auf ©elbfc^ä^e gefegt tjat! 2Ber ift tiefer,
unb tt>tr »ölten i£n £0$ loben?'' («ccl. 31, 8. 9.) Stä
roottte er fagen: Sin fettener Söget ift ba$ auf (£rben! ge|i fie^t
aber ber Slugfyrud) beö äpopeK: „Die ba retc^ »erben rool*
len, fallen in viele 33erfud)ungen unb jutefct in bie
©klinge beö SEenfelS." (1 £im- 60 ©in einjigeö ÜRittel
bleibt übrig: „@ebet »imofem" (Suc* 11, 4L) „9Mac£et
eu$ greunbe von ben ©cfyägen ber Ungerec^tigfeit" (Suc*
16, 90 JBenn bie Steigen ben Firmen geben von i^ren ©ütern in
biefer 2Belt, fo Reifen bie Ernten ben Dieteren jur £f>etfnatjme iijrer
©üter unb ber ©üter i^reö £errn im ewigen Seben.
24, Sßom 9teben unb vom ©elbftttjun nad) bem SBeifpiete
S^riftu
©ibt e$ vx>of>t ettvaS, ba$ Sfjriftuö ber £err uns vorgeförie*
ben unb geboten tjatte, tvaö (£r nicfyt x>or^er fetbft getrau f>at?
2ßal>rlt$ nic^fö!
(£rfagt: „@et)e unb verfaufe 2ltfe$, roaä bu Ijaft, unb
bu »irji einen ©$a§ im Fimmel befi^en*" 2Baö @r
fagt, ba$ tpixt <£r au$ fetbft: „®e« 2Äenfd)en ©o£n £at auf
(£rben nt#t fo viel (Sigent^um, wodx fein mübeS £aupt
Einlegen fönnte*"
@r fagte ferner: „gurrtet bietenigen ni$t, bie nur
ben %tih tobten/' @r vollbringt fein eigenes Söort, ate (Sr
jur ©tunbe feinet Ceibenö mutfng feinen Reinigern entgegengeht:
„©teilet auf, taffet und geljen!" nactj bem Sluöbrude 3ob
39, 21 : „in oecursum pergit armatis."
ßr faßte au$: „93etet für eure geinbe unb Verfolger."
Da$ tfcut Sr au# fetbft, nun im Fimmel, tvie etnfimaW auf (§r*
ben, amSreu$e£angenb: „93ater, ver$ei£ t&nen, benn fie
»iffen nic^t, xoai fie tbutu"
41
@r fagte enblicf) : „25er mir nachfolgen will, ber neunte
fein $reu$ auf ficfy." Unb ftelje, was ber (Svangelift 3oJjan*
neö färeibt: „3efu$ nalim baS Äreuj auf fic£ unb ging
Ijinauö."
2lber f o £err, warum ergreifeft ©u felber ba$ Äreuj ? SEBarte
bod? wenigftenä, bte jiene eä ©ir auflegen» (£$ ift £inrei$enb, ba§
Du fetbfl eö trägji, warum, o £err, bemüljeft Du £5id? no#, um
e$ audj von ber (Srbe aufzunehmen? @ief>e, ©u vermagft eS
tttc^t einmal me£r, fo fd)wa$ unb abgemattet finb ©eine % ®lie*
ber. SQSarte alfo ein wenig, bafrfie ©ir biefen traurigen ©ienft
Keiften unb baS f$were Äreuj ©einen bereite wunbeu Schultern
aufbürben! ♦;*.♦,,•£> ^ttt, fo barf eö ni$t fein, fagt dx, benn einft
Ijabe i$ geprebigt: 5D?an foll fein Äreuj auf ft$ nehmen: au$ icfy
will e£ ergreifen unb tragen! 3$ mufj vollbringen, xt>a$ icfy 2ln*
bem gefagt fyafo ♦ . . SllleS alfo, wa$ ber gütige iperr ben ©ei?
nigen vorfcljrieb, baä |>at (£r vorder an unb in ftclj felber ausge*
übt ©arum, iljr f>t. Märtyrer, folget nur euerm Raupte unb
Slnfü^rer! (Sr gefjt vor eucij £er, feib alfo nic^>t furd)tfam. 23e*
tretet ben eud) vorgerichteten 2ßeg, von bem ber $ropl?et gefagt
ljat Q$abah 3, 15*): ,/Sinen 2Öeg machte S.r im s JD?eere für
feine 9ioffe, einen 2öeg in bem ©flamme vieler ©e*
wäffer", b. £. in Seiben unb Dualem
25. ©er Äampf für bie Ärone.
„Sin ÄriegSbtenft ift beä 5D?enf^en $cben auf (£r*
ben" (3ob 7.) ♦ ♦ ♦ ©a befrage ft$ nun ein ©olbat, ba§ er immer
tu ©Freden leben muffe, j[eben Slugenbticf feinblidje Unfälle ju be*
fielen, ©türme ju liefern Ijabe; er beffage ftdj über bie Äälte, bie
Arbeit, bie 9ta$twacf)en — wa$ wirb man i£m antworten? —
53eflage biefy ni$t, ©ruber, über bergteirfjen, benn baö finb ©inge,
bie ber Äriegöftanb notfjwenbig mit ftd> bringt. — @o iji e$ au$
mit unö, bie wir geiftlic^e Krieger finb. „©et ein guter ©ol*
bat 3efu S^rifti," f^reibt ber Sipofiel ^autuö feinem Schüler
SEimotljeug, „benn ba$ £immelreic& leibet ©ewalt" (9)?attl>.
11, 12.), unb „nicjjt wirb gefrönt werben, wer ni$t ge*
fe£ma§ig gekämpft £at" (2 £im. 2.). teine gaullenjer
42
werben in baö 5Retd& ®ottf* eingeben, feine Müßiggänger, feine
©#{afinü$en, feine ©pietfinber, feine trägen 23ärenf?auter, fonbem
nur bie bi$ jum 2leu§erften gefämpft unb gefocfeten fmben. ©o
laffet uns benn biefe furje Seit mut^ig unb ftanbfjaft fämpfen unb
ftreiten, bamit wir nad) beenbigtem Kampfe Sieger bleiben unb
bie (Jnget Ijerbeifommen unb ung, wie bem ©oi?ne ©otte$ in ber
2Büfte (2)?attlj. 4, IL}, $u unferm ©iege ©tücf wünfdjen. DaS
gefcbte^t bei unferm £obe. D wel$' ein £rtump£ unb weiche
geftlid)feit ftnbet in ber fummtifc^en ©tabt 3erufalem unter ben
Engeln unb Seligen ftatt, (0 oft eine getreue ©eete aue biefer
2Belt bort ifrren @injug {>ätt! 2öie fommen tyr fröljtid) (Engel
unb Stengel entgegen, führen fte ein unb jMen fte mit fjöcfyfter
(£f?renbe$eugung bem Jperrn ber £errfi#feit t>or. Damm fagt
ber $rop!jet: „Unb ali Sieger wirb er mid> über bie £ö*
jjen führen unter ^Pfatmengefang." (Jpabaf. 3, 19/) ,/3Ber
gefiegt Ijaben wirb, bem will iti) »erleiden mit mir
auf meinem £!jrone ju fi§en." (£>ffb. 3, 31.) „33ater,
iä) wünfefce, ba£, wo iä) hin, aud; bie hei mir finb,- bie
Du mir gegeben Ijaft, bamit fie meine £errltd)feit fe*
Jen/' (3o£- 17, 24)
26. Deg beguabigten ©ünberä Sobgefang fuer unb im
ewigeu 2eben.
(Der t?f. Sljomaö von SiKano^a erjagt Ijier auf fe£r xty*
renbe SQBeife bie unenblicfjen (Srbarmungen ©otte$, bie i£m, att
einem fe£r großen ©ünber, ju Sljeil geworben, unb er befeuert
auf eine fdjöne unb fromme §lrt, wie er biefe ©rbarmungen feinet
©otteS in biefem unb bem anbern Seben ewig befingen wolle.)
„Die (Srbarmungen be$ £errn will iä) ewig befind
gen'' 0])|\ 88; 103.), in meinem Seben, fo lange i$ £ier auf
Srben bin, unb nad) meinem Zehen um fo tneljr, \e Ua*
rer id) feine Srbarmuugen erfennen, \e »oltfommener iö) fte an
mir fetbft erfahren werbe. 3war finge id) tym au$ feiert jiegt
2ob, obfe^on id> fürchte; bann aber, wenn jiebeS £inbewij3 befeitigt
unb iebe %mti)t vertrieben ift, „werbe ify Dir lobfingen,
meine £errlid>feit, o£ne Unterbrechung/' 0}3f. 29.) Wity
43
werbe tdj ©ir, o £err, afäbann fingen von meiner ©eredfjtigfeit
unb meinen SSerbienften, bie ganj ber Sßergeffenbeit anheimgefallen
fein werben; fonbern befmgen werbe idfj ©eine Srbarmungen von
Anbeginn über micf)!
8luö einer fo unenblictyen Slnjaljl von möglieben ©efdjöpfen,
bie ©u ungeachtet ©einer Slttmacbt nicfet hervorgerufen £aft unb
aud) nicfyt hervorrufen wirft — ^afi ©u mtd? tn 1 s ©afein gerufen,
weit e$ ©ir affo wohlgefällig War. ©eboren unter ©einen ©lau*
bigen, erleuchtet bur# ben ^eiligen ©tauben, hin i# aud& wieber*
geboren in ©einer £aufe* Unb binjuget^an Ijaft ©u biefen ©na*
ben no# neue, ba ©u mid? Dein ©efeg geteert unb mir ©eine
©e^eimniffe ntc^t verborgen gehalten l)aft* Unter bie ßafyl ©einer
©öfjne Ijaft ©u midj aufgenommen unb ber SBerfammtung ©einer
^riefter mic& beigefetlt Slber (£ine6 geftf bo# über 2We3, unb
bafür £offe i§ ©ir ju lobftngcn in ©einer ©egenwart im £>immet,
unb meine 3unge wirb beffen nie mübe werben — unb es ift bieg :
— als ity, mit ben größten ©ünben unb abfd&eutidjften Zaftexn
befc^mu^t unb barin verwicfelt, ein ©räuet vor ©einen Singen war
— £aft ©u, o £err, ©id& gteidjfam angeftellt, a(3 fä^eft ©u meine
©ünben nidjt, aU woltteft ©u ni$t barauf 2I$t geben, unb fwft
mir atfo meine $?ijfetf}aten nidjt angerechnet 2Bef#alb, mi$
id) ni#t, — wenn ni$t na<$ bem Urtyetle ©einer unevforfc^ttc^en
SBeiSfjeit, nad? ber ©u ben Sinen bie 33o£f?ett jurecfmeft unb
9iacf)e an iljmen übeft, bei Slnbem hingegen fcfyweigeft unb naty
fie^eft, als neljmeft ©u if)re ©ünben nicbt wa£r* — Slber nad)
ber 9J?enge ©einer ©rbarmungen bifi ©u bei mir nid&t einmal
jufrieben gewefen, nacfyftdjtig ju fein mit meinen ©ünben, i$ l)abe
überbteß „audb nod) boppelt ©uteS bafür von ©ir em*
^fangen/' Qerem, 40, 20 Unb: „2Bo bie ©ünbe über*
fctjwänglid) war, ba ift bie ©nabe no$ überfdjwäng*
Hd^er geworben!'' (JRöm. 5, 200 © £*rr, i$ firttt gleich
fam mit©ir: ©u erjeigteft mir 33arm^erjigfeit auf SBarmJjerjigfett,
©üte über ©üte; i$ aber bäufte ©ünben auf ©ünben, unb fügte
ber alten 33o6l?eit neue Uebeltfjat l)in$u! 9iad() ber Steinharte
meinet £erjen£ unb ber 23Iinbl)eit meiner Slugen leuchtete mir
©eine Äiar^eit vergebend, — ify wanbte mein Jperj ab ! ©u rie*
fejl — unb i$ weigerte mifyl ©u fdfjwiegeft wieber — unb i$
44
reifte nod? me£r Semen Born! — (£nbli$ jiebod), o £err, $aft
Du geftegt, unb i$ bin überwunben: „©tärfer bift Du gewe*
fen, at* t^ unb $aß mid? überwältigt/' (@pr, 1, 24. 3eretiu
20, 70 ©o au# gesternte e$ ftd?, bag Deine 2Bet$l?eit meine
Soweit überwänbe, unb icfr bekämt unb Du verherrlicht erfdjei*
nefL Deine ©üte fcat meine Ungerec^tigfett, Deine fanfte Sang*
muti) meine £ärte unb SBiberfpänftigfeit beftegt Ueberwunben
von Dir, greife idg> nun von ganzem Jperjen Deinen % tarnen,
unb trage alfo Dir, meinem Ueberwinber, bie 33eute be$ ©iegeS
ju, D £err, Du fonnteft bi$ an mir rächen, für ewig fonntefi
Du mid) von Dir fielen. £) wie viele 2D?enf$en !?aben weniger
unb viel weniger gefünbigt, ali iä) — unb fogteid) ftnb fte ver*
fdjtungen worben vom Stöbe unb brennen nun im ewigen geuer,
„aU wären fie gemalt jum S3ranbe unb jur ©peife
beö geuer$/' Qerem* 9, 50 O auf mt vielen SBegen, auf
vok vielerlei SBSeife Ijaft Du, o £err, für mein £eil geforgt, l?aji
Du mi#, ben gaulen, ben Unwürbigen, ben £reulofen ju Dir ge*
locft! — 3a Jperr, voaö fage ic$? ©exogen unb gejwungen l?aft
Du miefy; wiber mein ©efatlen IjaftDumid) fo ftarl .gejogen, bafj
iä) fomme unb eingebe in Deine 9teu$t&fimer! — D meine Siebe!
o meine ©lorie! o meine einzige Hoffnung unb aW mein ©ut! 2Baä
foö idj Dir wiebergeben für einen fo Ijerrlicfyen Bwang, für eine
fo fromme unb mitleibige @ewalttl)ätigfeit? — Unb als ify no#
vertoeft unb eigenftnnig mit bem ©ebanfen umging, Dir ju ent*
fliegen, Ijajt Du mid) 2Biberftrebenben jurücf gehalten; unb ba t$
au$ bann no$ nidjt ruljete vom Söfeötfmn, Ijaft au$ Du nic^t
aufgehört, mir 33arm^erjigfeit angebei^en ju laffen! 3$ vermehrte
meine ©ünben, Du vermeljrteft beine .2Bof>Ul?aten, biö ity enblid),
mübe geworben auf bem SSege ber Ungerecbttgfeit, mi$ Dir, mei*
nem £erm unb ©Ott, gefangen gegeben £abe, Uö \ü) meinen erj*
garten Fladen gebeugt £abe unter Dein 3o$, Deine fünfte unb
überaus leiste SBürbe $u trägem
©rinnern alfo werbe ity mid) beffen, o Jperr, bei Dir, in £)ei*
ner £errlid)fett o£ne Siuffwren, mit grofrtoefen unb immer neuer
Sßerwunberung , unb mit gtücf feiiger Bunge unb au3 bem 3nner*
fien meineö ^erjenS werbe ify bort Deine (Srbarmungen beffugen
unb fpredjen : ©ei gepriefen, o £err, ber Du alfo mit mir getrau,
45
ber ©u mtcfj, bein ©efctyöpf, fo freigebig unb gütig angefeuert unb
mid? nid)t x>erlaffen f>aft, ba§ tc^ ju ©runbe ginge! 3$ bitte, mein
£err, iä) bitte ©i<$, l)öre beinen Äned?t: tcty befenne eS offen, wenn
©u mic^ für meine ©ünben fjatteft tterbammen wollen, nadf) aller
©erecfjtigfeit Ijätteft ©u ee gefonnt, unb ©eine göttliche Strenge
würbe in mir ft# x>er^errttc^>t fmben, weif ©u alfo Stacke genom*
men an einem fo großen 33öfen>tc^t unb Gebelfern §lber, o mein
#err, ei ift bodj bejfer, ba ©eine (Engel biefen Slbgrunb *>on ©ün*
ben unb Soweit fe^en, bafj fte an mir flauen bie ©rogtljaten bei*
ner SBarmfjerjigfeit, ©üte unb Sangmutb unb in ftaunenber 33e*
wunberung ©eine (ätbarmungen mit mir in (Swigfeit beftngen:
bejfer ift biefj, als ba§ fte ©tdj t>erl)errficf)en wegen ber J>öd^ft bil*
ligen Strenge ©einer ©erecfytigfeit gegen mi$! — di fei alfo!
di möge fo fein! 9D?öge ein Slbgrunb ben anbern loben unb bene*
beten, unb ©eine 2lugerwäf>ften ©tr meinetwegen ewig ©anf fagen!
©enn in SGSaljrljeit, ju biefem 3we<fe fyaft ©u mid) aug bem -ftidjtS
itfä ©afein gerufen, bafj ©u funb mac^eft in mir unb burcf) mi$
bie @rö§e ©einer ©üte unb bie 33iel£eit S)einer Gnrbarmniffe: ja,
baju bin t$, ©ein @efcf)öpf, gemacht worben*
£err, ity glaube unb Ijoffe fefi, bafj, babeiber33u§ebe3
©ünberS große greube im Fimmel ift (Sue* 15, 100;
wenn biefer fo tief verloren gewefene ©ünber einft in ben Jpimmel
eintritt, beine (Engel barob eine unglaubliche unb unaugfpred?lid)e
greube empftnben unb beine (Erbarmungen in Swigfeit mit mir
beftngen werben; benn bie ©röfie meiner ©ünben unb ©ottloftg*
feiten iji tynen ntc^t unbefannt gewefem — 3$ aber werbe alö*
bann mitten unter ifmen uml)erf$weben unb fingen unb fagen:
£) il)r lieben (Engel, ^eilige unb 2ht3erwäf>lte meinet © otte$ ! 2Bif*
fet iljr woljt, wie" mein Seben befdjaffen gewefen ift? — $aU ipr
etwa ntc^t gefefjen meine ©ünben unb ©djanbtfmten? — Offenbare
ei i£nen, £err, bamit fte ei wiffen! — Unb fe£et, nun bin i$ in
eurer ©efeltf^aft, ijerrfcije mit eu$ uub bin mit euc^ in ber greube!
— Stber voie, werben fte fragen, wie ift iai bo# alfo gef^e^en?
— 3$ mi% ei nic$t, werbe id) antworten, iti) mi$ ei felbft nic^t,
wie baS ^gegangen ift: „(Er pat rnief) feiig gemalt, bie*
weil er mi$ feiig f>aben wollte/' — „au$ber unterften
£ölle unb ani bem @$tunbe beö ©rächen £at er mity
46
lieber £erau*gefü£rt" ($f. 17 > 20 > 85 ' 13 °^ ne atte *
SBerbienft *>on meiner Seite, ja ungeachtet ber 2Äenge unb ber
33oe£eit meiner ©Anten : nid;tö ©uteö, nur ©ünbe l?atte id& ge*
tyan; inbeß $at eg 3N alfo gefallen fti bem Sibgrunbe (einer
2Bei$£eit unb Siebe: unb alfo ift e« gefc&epen* £) Reifet mir nun
bo$, tfjr, benn mein SSermögen reicht ntcfct fcin, ifm ju tobpreifen!
„9te£met bie Sit^er *ur ^anb, gebet mir eine S^mbel,
unb iä) will in Swigfeit feine Srbarmungen befingen/'
0J)f, 8, 3; 88, 20
27. Sßou bem ©lauten an baö atler^etltgfte ©acra*
ment beS SlltarS*
„TOan&u? 2Bae ift ba$?"--- (Grob* 16.) £>arin liegt
eben baö große SSerbienft unfereö ©laubenS, bafj wir Unbegreif*
lic^eö glauben unb un£ babei einjig auf ben 2luefpru$ ber 2Ba£r*
{>eit ftü§en, nic^t gtaubenb, weil wir verfielen, fonbern unö erfje*
benb jum SBerftänbniffe burd; ben ©lauben; wie getrieben fteljt:
,/3$ $*** geglaubt, barum au$ rebe i#" OPf* l* 5 )f unl)
anberSwo: „SBenn i£r nid?t glaubet, fo werbet i£r'$ ntdjt
t>erfte^en/' (Is. 2. juxta 70.) — Slber, \§ bitte, xotö ift ti
aucfy @ro§e$, baß man Sjmfto bem £errn glaube? (Sljriftuö ifi%
ber ba fprictyt: „£)ie§ ift mein C e i b' 7 (£uc* 220; unb barüber
bürfte nun 3emanb 25ebenlen ergeben? — £>enn jugegeben, bajjj
baejenige, waü @r fagt, fepr fcfywer ju glauben ift, fo wirb bocfc
bie ©cfywierigfeit be$ ©laubenö t>erminbert, wenn man bas 2ln*
fefjen 2)effen erwägt, ber e$ fagt 33etra$te alfo nicfyt nur, \va&
gefagt wirb, fonbern bebenfe *>ielmel>r , SS er e$ fagt begreifet
wo£l, meine 23rüber, ben Sinn meiner 9?ebe* SBenn ber Äaifer
bei feiner 2lnwefen£eit in biefer eurer ©tabt etxoaö f$wer ©taub*
lidjeö befeuerte, feines Slufeben* wegen würbet t£r il)m glauben,
weil er ber Äaifer ift; au$ eurem 93tfd;of würbet fyx glauben,
weit er ber 23if#of ift (Sine üßeteibigung ber faiferti^en 9D?aje^
fiät aber würbe e$ fein, wenn 3emanb feinen 2Öorten feinen ©lau*
ben beimeffen wollte. 2Benn man nun fo bem Äaifer glaubt, xt>k
foll man ©ott nidjt glauben muffen? 2öaö fann bo# ©Ott je
fagen, ba# bie ©ctywierigfeit beö ©laubenS au bie ©a$e x>or ber
47
©röge beS göttlichen Slnfe^enö ni$t fog(ei$ t>evf #winbe ? SBoljf
ftnb bie ©laubenöartifet, in ftd& betrachtet, f$wer ju erfaffen; fteljjl
bu fte aber in bem 2D?unbe bejfen, ber fte un$ geoffenbaret tjat, fo
ftnb fte leicht £)atjer altem nimmt bie 23linbljeit alfer Äe^er unb
Ungläubigen iljren Urfprung, baj? fte bie SBorte ni$t mit bem ju*
fammenfd)auett , ber fte gerebet, fonbern biefelben in ftcfj felbft be*
trauten, unb fo barüber ju vernünfteln anfangen* 2)ef$alb bann
fagen fte: „£)ie Siebe ift £art, wer fann f t e anhören? —
23etra$teft bu alfo ben ©taubengpunft allein, fo ifi ber ©taube
eine wunberbare ©ac^e; gibft bu hingegen auf ©ott 2l$t, ber ba
rebet, fo ift feine Urfa$e me£r Vorlauben, btd) über ben ©lauben
jit verwunberm 2Bie 5J?and)e$ glauben wir au<$) alte Sage ben
s JJ?enfcf)en, tx>a$ wir bod? nid)t mit Slugen fetjen, unb wo bo# bie
Schrift fagt: „3eber SKenfcfe ift lügenhaft" (% 125.) 2Ba«
ift eö bemnacty nod) @rofje£, ba§ wir ©ott glauben unb jwar 2llte3,
wa$ er uns fagt? 3a, eö gekernte ftc^> fo, ba§ ©ott unö Solche 3
ju glauben vorfteltte, voa$ gewi§ Wemanb glauben würbe, wenn
eS nicfyt ©ott wäre, ber eö fagt; unb bieg eben bef$alb, bamit
ber ©taube verbienfttid) fei, unb ba$ 2lnfel)en ©otteö lt\
feinem 33olfe offenbar werbe* Darin nämlic^ befielt bie
©röge btefeö 2lnfepen£ ©otteS, ba% wir o^ne alten 3weifet feft
glauben, xvai immer dx gefagt |>at, unb bag eö nidjt erlaubt ift,
feine 2ßorte ju prüfen unb barüber ju vernünfteln; ba§ bieg eine
SGBort genüge: (ix £at e$ gefagt! 3eber erfc&affene Sßerftanb ift
©Ott bie @l)rerbietigfeit fcfyulbig, baf er feinen SBorten glaube, unb
mit biefem ©tauben tyun wir nur unfere $5fticf)h
28* (Stwas jum Üobe ber alterfetigßen Jungfrau
Sttaria,
♦ ♦ ♦ 2ange £atte ify nacfygebadjt unb £in unb £er gefonnen,
tx>a$ bod) Uc Urfadje fein möge, ba£ bie ©vangelifteu von 3o£an*
nee bem Säufer unb ben anbern Slpofteln fo viel aufgezeichnet
£aben, wä^renb fte ber alterfettgften Jungfrau, bie fte bod? burd)
ij)ren Söanbet unb ifjre 2Q3ürbe alte übertrifft, nur mit einigen
SQSorten ©rwäjmung tj)un? SBarum, fagte i# ju mir fetbft, warum
ift e$ bod? nid?t im Slnbenfen bewahrt unb für bie 9iacf)wett auf*
48
getrieben werben, wie fte empfangen unt> geboren, wie fte et*
netyrt würbe, mit welchen tnnern unb äugern STugenben fte gegiert
war, wie fte mit ifjrem @o£ne umging auf (Erben, wie fte mit ben
2lpofleln nad? ber Himmelfahrt beö Herrn gelebt W, unb taufenb
anbere Singe. Sieg 2Iöeö war gewig groß unb be$ HnbenfenS
würbig, unb bie gläubigen S3ölfer würben es mit ber grögten 2ln*
ba#t gelefen unb aufgenommen fiaben* £) — fagt 1 ity — if>r
lieben (5t>angeliften, warum J)abt il)r mit eurem ®tilffcf)Weigen un£
einer fo großen greube beraubt V 2Barum bod) babet iljr »on fo
frören unb erwünfcfyten Singen nickte gerebet? Senn wer jwei*
feit woljt, bag Ui i\)xex ©eburt unb in ifjrer $tnbf?eit siel 2Bun*
berbareö gefcfyeljen fei? 2ßer lann jweifeln, bag bie ^eilige %nn&*
frau in t^ren jarteften 3a£ren f$on ein 93etfpiel aller Sugenben
war, baö bie fommenben ©efc^fec^ter biö an'e (£nbe ber 3tüw
bewunbern fotlten?
3nbem iclj alfo barüber nadjbadjte, warum über baö Zehen
ber feligften Jungfrau ni$t, wie *>on ben £f)aten beö $L ^autuS,
gefcfyrieben fei, fanb ify feinen anbern ©runb bafür (benn bie Jjl.
(Eoangeliften ber ^ac^läfftgleit befcfjulbigen, ^alte i$ für anmagenb
unb gottlob), feinen anbern ©runb auger biefem : e$ fyabe bem %
©eifte fo gefallen, unb bur$ feine gügung ptten bie ©oangelifien
gefcf)Wiegen, weil bie ^>errlic^fett ber Jungfrau, wie ti im $f* 44
£eigt, „ganj innerlich war", unb bejfer gebaut aU getrieben
werben fonnte* 3n ber £I)at audj reicht ju tyxex oollftänbigen
@ef$i$te ba3 2Bört$en fmt, ba$ $on tyx im ©oangelium fte£t:
„9Äaria, »on ber geboren ift 3efu&" (ÜRatt^ 1-) 3Ba*
fucfjeft bu SQBeitläuftgereö ? 2Ba$ willft bu me&r x>on ber aller*
feligften Jungfrau wiffen? di ift genug, baff fte Butter ©otteS
ift Senn, fage mir, welche ©d?önljeit , welche £ugenb, welche
33oÜfommenl>eit, weld;e ©nabe unb Slnmutlj, welche ©lorie fann
ei geben, bie einer Butter ©otteö nic^t sufomme? ©o lag nur
beinen ©ebanfen freien Sauf, erweitere bie galten beö öerftanbeä
unb male bir in beinern ©eifte eine cmgerft reine Jungfrau, £ö#fl
ffug, fd?ön über allen begriff, £öd?ft bemütyig, fanft unb anbacf>tö*
ttoll, mit i'eber ©nabe begabt, mit ber ganjen Heiligfeit unb allen
£ugenben gejiert, bereichert mit allen Salbungen beo % ©eijleS,
unb ©ott am allerangene^mften unter aüen ©efdjöpfen, fo t>iel bu
49
fannft, vergrößere ba$ 33ilb, füge bemfelben ^inju fo tuet bu nur
sermagft: größer, ausgeseifter unb x>tel erhabener ift bennod)
bie aüerfeligfte Jungfrau Sparta* 3>r % ©eift £at fte nt$t be*
fdjreiben laffen, bamit bu btr felbjl in beiner ©eele ein 35tlb *>on
ifjr benfefl, unb bamit bu wijfefi, baß feine ©nabe, 33ottfommenl)eit
unb £errli$f eit, bte ein ©ef#öpf mit feinem SSerftanbe erretten
fann, ber 3D?utter ©otteä gemangelt Ijabe* 2Bo alfo ba$ ©an je
war, ba burfte fein Xfy ei l betrieben werben, bamit bu ni$t mei*
neft, tt>aS ni#t *>on iljr getrieben fei, wäre iljr ettt>a abgegangen.
SQSenn ber allmäd&ttge Jperr feine 9JMgbe unb bie Wienerinnen fei*
ne$ £aufe$ fo wunberbar jieret unb ffe mit ©efcfyenfen ber ©nabe
verherrlichet, wie meinft bu, baß er ft# bie SÄutter gefc^affen,
bie 25raut, bie er ft$ au$ Sitten gewägt, unb bie er über Me
geliebt £at? — £öre bie ^3ro^eten von iljr; „Die Königin
jieljt ju beiner 9?e#ten in golbenem ©ewanbe, umwun*
ben von ber SDfannigfaltigfeit (b.lj* im 9?eid)tl>ume atteg beffen,
toa$ £errlid) genannt ju werben verbient); bort fielen um fie
Der bie £öcf)ter von SE^ruS mit i&ren ©efdjeufen, alle
9?ei#en au$ bem SSolfe flehen ju iljrem 2lntli§e* Jung*
frauen werben bem Könige jugefüljrt naä) ipr: fte ift bie
erfte ♦ ♦ ♦ bie iljr ä$n\iä) finb, fommen ju £)ir in greube
unb groljlocfen/' ($f. 44*) Der ganje lilienweiße @£or ber
ty. Jungfrauen nämlid) fingt ewig SD?arien$ 2ob, fte beten $u it?r
unb verehren fte al6 iljre Königin. Wifyt nur ben jungfräulichen,
fonbern au# ben englif^en Stören, ja Ottern Ijat ber 2ttter£ö$fte
fte vorgefegt; benn* fte ift feine SJtutter, unb ber SWutter ©otteS ge*
jiemt jiebe @£re unb (£rl)ebung* Sllfo xoa$ immer bu von ber
allerfeligften Jungfrau ju wiffen unb ju verfielen wünf^eft, ba$
atteö ift in biefen furjen Sorten enthalten: De qua natus est
Jesus: 23on ber geboren ift JefuS, £)eßl)alb fagt ber £(♦
2lnfelm: 23on ber Jungfrau 3ttaria bloß fagen, baß fte SWutter
©otteS ift, übertrifft Jltteö, xoa$ nacf> ©Ott gefagt werben fann.
29. Daö £eiligfte unb bie ^erle-
Nolite dare sauetum canibus: neque mittatis margaritas
vestras ante porcos. (Matth. 7.)
50
DaS £eiligfte, ivaz wir im ©$age unfer* fatl)olt(d)en ©lau*
benö befifcen, ifi ber Seib be$ £errn im ©aeramente, unb bte top
barjle ^erfe, bte wir £aben, ift SÄaria*
1* Dem £unbe ift eS natürlich, böswillig ju (ein, niemals
ben Saut (einer Stimme wn ftd) ju geben in irgenb einer anbern
2lbftd)t voie bie übrigen Spiere, (onbern bieg um ju ($aben, wenn
er fann; juweilen aber aud>, um ganj überpfftg unb unnüfc in
bie Stift tnneinjubellen* — @o (i'nb ade Ungläubigen unb Äeger,
bie meiftenS gegen bie Butter ©otteö unb gegen ben £errn (elbft
mit Säfterungen bellen unb laut beulen , bie immer nur ju 3anf
unb ©treit ben Üttunb öffnen, jum Sobe beö Outen aber niemals
% Dem ©$weine ift e$ eigen, ft$ im ©etymufje ju wäfjen
unb nie gen Fimmel aufeubliden, no$ aud? (einen £errn aufeu*
fudjen, außer wenn ei junger leibet — @o begaffen ftnb
jene Stiften, bie ftd? in ben Unreinigleiten beö gletf$e$ ergoßen
unb niemals jum £tmmet ausliefen, nod) ©Ott ben £>erm fud;en
ober (eine fjeiligfte Sttutter verehren, btö eine jjrofje 5^otf> über fte
fommt Unb bann rüden fte jwar fjerauö mit i^ren Saftern (tu*
bem fte etwa beichten gefjen); £ört aber bie 9?ot^ unb SBiber*
wärtigfeit auf, fo fefjren fte, ben £unben unb Schweinen gleich,
alebalb ju bem jurüd, m$ fte eben von ftcfc gegeben Ratten, b* £♦
fte leben wieber ganj wie vorder*
©ol$en 9ttenfd?en alfo — ba$ will ber Zeitige pier lehren
— bürfen wir ben Seib beö £errn ober bie f oftbare $erle, bie
allerfeligfte Jungfrau Sttaria, m$t preisgeben, weil fte sorauSftd&t*
lief) wie £unbe unb ©d;weine bamit umgeben Würben*
30. 3etcf>en »on Seben unb ©efunb^eü*
a) „9?ad?bem ber Seufel aufgetrieben war (Sue, IL),
erhielt ber 33e(ef(ene ben ©ebrauefc (einer ©tnne xoit*
ber" ♦ ♦ . ©o, meine 93rüber, gibt tt aud? bei un* fein größeres
SBa^eidjen, baß ber Teufel vertrieben ifi, aU wenn in bem be*
festen Wenfc&en ber ©in n für ©Ott errcaefct, wenn wir ©efdjmacf
an göttlichen Dingen ftnben, wenn wir in 3!jm uns erfreuen, wenn
wir getftli^e Uebungen lieb gewinnen, wenn wir ©otteS 2Bort
mit greuben anhören unb lefen, mnn wir mit Slnbac^t beten u* f. w*
51
b) „©ogletcfc ftanb ba$ Sflägblein auf unb wanbelte
einher, unb 3efuS befahl, baß man tf>r ju effen gebe/'
(2Äatt£. 9, 25; Sftarc. 5, 42.) Drei Seiten alfo eineö wteber
auflebenben lobten: 1) wenn er ft$ ergebt unb auffielt, 2)
wenn er einpergeljt, unb 3) wenn er ißt
3Son )[enem Säuglinge (Suc. 7.), ben ber £err auferwecfte,
l)eißt e3: Sedit, qui erat mortuus: ber SCobte na£m bie fi^enbe
Stellung auf feinem Sager an . . . ©o ftnb 3ene, bie, wenn fte
au# Seben fixten, bennocfy im Cafter , in ber böfen ©ewojjn^eit
jur ©ünbe bleiben. 35ift bu jum £eben auferftanben , fo Verlag
bein 23ett, b. 1). bie ©ünbe unb ü?re ©elegenpeit; ge£ au£ bem
©rabe f>erau3, n>ie Sa^aruä, fonft wirft bu fel)r batb *>on feuern
fterben. — 2lber es ift nod) tttc&t Slllee, ttom 23öfen ft$ ju ent*
palten, fonbern tpue 2) aucty ©uteö, wanbete, gelje x>ortt>ärtö auf
bem regten 23ege, füfme.burcb gute SÖerfe baö begangene 25öfe:
tvaö ^auberft bu no$? wa6 ftepft bu länger? — ©cbmecfefi bu
aber bereits 3), wie füg ber £err ift, hungert bid? na$ geiftiger
9?al)rung, erquicft bid? ba$ ©ebet, gefallt bir bie geiftlidje Sefung
unb ©otteä 2ßort: bann ift e& ein fixeres Seiten, baß bu in ber
2Ba£r£eit wieber lebenbig bift
c) SInbere äußere 3ei#en gibt e$ no$ na$ bem 23eifpiele
be$ auferftanbenen (SrlöferS, bie einen £ö$ft wa£rfd?emli$en 23e*
mi$ liefern, baß bie ©eele, welche bergleictyen su erfennen gibt,
Wirftict) *>or ©ott lebenbig fei.
1) SOBenn ber SBanbel bee SWenfäen ben i^ren ber £1. Schrift
gemäß ift
2) 2Benn er frommer Männer ©utadjten unb (Srnpfeplung
genießt.
3) SQSenn er bie Sßunben an £erj unb Jpänben (b. I). böfe
©ebanfen unb £anblungen) in ber 33ei$te aufrichtig t)orjeigt.
4) Sßenn er ben geiftli^en £onigfu$en ißt, b. £♦ ben Ztih
beö £errn empfängt.
5) 2Benn er baS £ob ©otteS mit ©fer unb 2lnba$t rebet
unb fingt
6) SÖenn er bie t£m früher bunfeln ©teilen ber ©$rift nun
beffer serftept unb au$ Slnbem erflärt
7) 2öenn er mit bem ©aumen ber ©eele ©otteö -ftäfje empftubet
4*
52
8) @nbltcf>, wenn er, überfallen von ftxantyciten unb 33er*
fud>ungen, ni$t leicht nad^gibt f fonbern ft# flarf unb mutfjig in
Slllem bewetfet.
31. ©egen bte 9?ad)e unb ben ©et j^
1. „93ringft bu beine Dpfergabe jum 2tltare unb
wtrjl ba eingeben!, ba§ bein 33ruber etwas gegen
bi# £abe, fo lag beine ©abe vor beut Sittare liegen
unb ge£ unb verfö^ne bic$ juerft mit beinern SBruber."
(ÜRattk 5, 230 ®ie 9?eid?en unb $Md?tigen vergäben e$,
©eringere um SJerjei^ung ju bitten* 2Ber tfi benn 3ener, fagen
fte, bap iti) ju tfjm gepen (ollte? &$> ift mir unmöglich — ©o
merfet benn auf, i# bitte eu$. SQSaö ift wo£t ber 9J?enfd) anberä,
alö Äotb? Beugniß gibt bie ©cfcrift (@en. 2, 7/): „©Ott btt*
bete ben 3flenf$en vom Seljm ber (£rbe", unb 3ob 30, 19:
„3$ bin von Äot^ gemalt unb ©taub unb Slfcfce äfjn*
li4>". Äot£ alfo ift ber 3)?enfd). Unb wa$ ift ©Ott? £)a$
Ijöcbfte geijiige Sßefen unb bie unenblidje SWajeftät fetbjl. ^un,
wer war ber beleibigte Streit? — Unb bennod), ftelje, ift e£ nic&t
ber 9J?enf# gewefen, ber Einging, ©Ott aufjufuc^en, ba§ er ftcf>
mit 3N verföljne, [onbern ©ott, ber iperr ber SWajtefiät, fudjte
Slbam, ben ©ünber, auf. „Slbam, wo bift bu?" 3$ will mi$
mit bir aueföfwen, 3$ will grieben mit bir machen. — 3ener
aber wollte bie Seleibigung ni$t gleich in aufrichtiger 9Teue unb
Demutb anerfennen, fonbern befdjönigte feinen Ungeljorfam unb
warf ©ott gleich [am bie ©cfmlb feinet gälte* vor; „£)aS 2Beib,
baö ©u mir gegeben, £at mi# $um (Sffen »erführt/' £)a*
rum aud> würbe er aus bem ^arabiefe vertrieben. £ätte er fei*
neu gel)Itritt gtei$ erfannt unb beweint unb um 33erjei£ung ge*
beten, er würbe vielleicht nityt ijinauögejiagt worben fein.
2* D tt>k gro§ ift boc$ bie ©efaljr ber ^eic^en, bie fein
Sltmofen geben! Werfet auf ba$ 33cifyiel jiene^ reichen ^rafferS.
(Suc. 16.) (Er würbe verbammt, weil er fein SMttleib mit bem
armen unb f raufen Sajaruö gehabt: nicfct weit er geraubt, fonbern
weil er nic&t gegeben batte. — SQBartet aud^ nic^t mit eurem
Sltmofen bi^ auf bie böcbfte Vloty m armen ftebenmenfäen , hü
53
man tJjm faft bie ©terbeferje in bie £anb gibt, benn alsbann be*
barf er nidjt mefjr eurer ©peife, fonbern be$ 33egräbmffe$*
32* Sieben S3robe unb jwei gifcJjfein jum Sllmofem
„2Bie vizlt 33robe £abet tfcr?" fragte ber Jperr* Unb
fte antworteten: „Sieben, unb jwei gifdje/' (SWare* 8, 5* 3o^
6, 90 Sie 23robe bejeicfmen bie fteben fowofrt Tetbltd^ett aU
geiftfic^en SQBerfe ber 33armf>er$tgfeit £aft bu m<$ts, um bie feib^
li$en ausüben, fo begnüge bi# mit ben geiftlidben, unb aucf) fo
wtrji bu baö 93erbienft eines großen Sltmofenö £aben* (Jrtlmte
guten 9?atlj, weife jurec^t, belehre, tjjeile gerne *>on beinern 33robe
au$: gib e£ aber md)t allein unb trocfen, fonbern lege jwei ober
etliche gifcblein baju, bamit e$ beffer fcfcmecfe, £5iefe jwei gifcf)*
lein, bie bem SBrobe beffem ©efctymatf *>erlei£en, ftnb bie £tebe
unb bie greunblicfyfeit: jene im £erjen unb biefe auf bem
2lngeftcf)te* ©Ott fteljt nic$t auf bie ©röße ber ®aU f fonbern auf
bie ©röjje ber Siebe, womit bu gibfi* 2lu$ f^reibt ber % s ]5au*
m (2 £or, 9, 7.): „(Stnen frö£li#en ©eber liebt ©ott"
9ticf)t mit traurigem #erjen, nid^t mit trocfener 9D?iene: bei jebcm
©efc^enfe ober Sllmofen, ba$ bu gibji, jeige ein fröfjltdjeö
@efi$t, fagt ber SBetfe* (@ccL 35, IL) £> wie *>iel gewinnt
nic^t ein fleineä Sltmofen burefc bie greunblidtfeit beö ©eber$!
©Ott $at fein 2Bo£lgefatfen an gezwungenen £>ienften; gib alfo
mit %itf>c unb greunbtidj)! eit , bann wirft bu bir o£ne allen ßmU
fei fteben Äörbe, b* £♦ ein Ueberma§ son ©(orte unb ©füdfelig*
feit für ba$ jufftnftige &Un auffammelm
33* £)ie zweifache ©rbarmung ©otteö*
SBarum Ijeigt e$ beim ^fafmiften (% 220: „©eine Sa rm*
£erjigfeit wirb mir nachfolgen"? ba er bo# an einer an*
bem ©teile fagt: „@r ift mein ©ott: ©eine Sarmljerjia*
fett wirb mir $ut>orfommen"? (% 580 ® gibt £ier
Weber einen 2Biberfpru$, noef) eine ©ctywierigfeit 25enn un$
jusorfommen unb unö nacfjfommen, beibe$ t£ut ©ott. (£r fommt
unö jut>or bur# bie innere Srmaljnung: dx folgt uns na# unb
54
fnlft bem Söitlen unb bem 23erßanbe &ur richtigen 2lufnal)me (einer
©rmafmung* (£r fommt un« jw>or bur$ (eine (£inflöfjungen, unb
folgt na$ in ber 33ewa£rung berfelben* dv fommt jm>or unb
neigt unö ju bem, tt)aö gut ift; dv fommt IjewacJj unb tenft
unb orbnet Meä f bamit bie grucfit be$ ©uten bleibe: benn ber
2D?en($ benft, unb ©Ott lenft* 3a aa£Irei#, o £err, ftnb ©eine
(grbarmungen, unb aus if)nen gepen einige florier unb anbere fol*
gen nafy. ©o }• 33* baß £)u unö tton ©wigfeit per au3erwäf)lt,
t>a$ Du un$ in beine $ir$e gefegt, baß Du un$ im % £aufbabe
abgewafcf)en £aft (dpfy. 5, 7. Zii 30 : bie(e unb ä^nli^e Deiner
©rbarmungen fommen uns jw>or; bafj Du unö aber t>on ber ©ünbe
befeljrt, uu$ wieber aufgenommen unb bur$ bie 33ufje unö $>er*
jieljen Ijaft; ba£ Du ben ©ud)enben Dt# geoffenbart, ben Di$
2lnrufenben geantwortet unb ben jum ©uten Slnftrebenben baö
erwünfc^te 3>k\ »erliefen paft: biefe ©rbarmungen, £err, unb an*
bere nodj folgen nadj, unb o mögen fte mir nac&fommen alle £age
meines Sebenö! — 3Sor allen aber, Jperr, fomme mir na$ jene
größte unb alterlegte (Srbarmung unb ©nabe, von ber e$ in bem*
felben $(♦ 22 weiter Ijeifjt: „Dag ify woljnen möge im £au(e
be$ «iperrn bie ganje Dauer meiner £age!" Unb wie
groß bie(e Dauer ber Sage (ein wirb, ba$ brücft er anberöwo
flar auö, $(♦ 83: „©eltg 3ene, o £err, bie in beinern
Jpaufe wohnen! ©ie werben bi$ greifen von Swigfeit
ju Swigfeit!"
34. 3Son ber 9Äenfcf>enfif$erei be$ $1 betrug.
2luf ben vierten Sonntag na$ ^ftngfkn ftnbet fity beim $eil.
£l)omaö *>on S3il(ano*>a eine ($öne Siebe über bie gifefcer unb bie
Äunfl ju ftfäem ©ie £at al* £ert Jene SBorte beS £erm an
ben yi Petrus nadj bem wunberbaren f^tfd^fanae: „gurrte
nid)t, x>on nun an wirft bu 3Hcnf*en fangen/' (Site* 5,
100 ®er ^eilige erflärt:
1) Die SBelt wirb in ber $1 Schrift oft mit bem SÄeere
»ergltc^en, au$ fielen ©rftnben: fte ift unruhig, gefäljrlicf) , bitter
u. f. xo< wie ba$ SWeer. Dtefeö «teereö gifdje ftnb bie weltlich
geftnnten 9ttenfcf)en (pisces maris, qui perambulant semitas
55
maris) (Ps.- 8.J. £)ie geifflidjen 2flenfd?en werben nt#t %i)$e f
fonbern 33ögel (volucres coeli) genannt, weil fte »on ber (£rbe
in bie £öi>e fliegen. — 3nbe£
2) ntdjt alle gifcfie, b* £♦ nicfyt alle SBettmenfdjen ffnb fc^te^t
nnb böfe; ei gibt unter tynen reine unb unreine gifdje nad) ben
Sßorten im 35ud?e 8e»tt 11: 3ebeS im Sßaffer lebenbe Sfner,
baö Stoffen ober ©puppen Ijat, fottt tyr für rein Ratten unb effen,
nictyt aber »on benen, bie auf bem 33au$e frieden. — 23on breier*
toi giften ift Ijier bie SWebe: 1) »on folc&en, bie gloffen Ijaben,
mit wetzen fte ftcf? Mömikn aug bem SBaffer ergeben fönnen;
2) »Ott folgen, bie einen mit ©puppen bebecften törper £aben
unb beßpalb Sßieleö ertragen fönnen; 3) »on folgen, bie immer
auf bem unterften ©runbe im ©flamme bleiben, unb auf iljrem
23aucf>e ein wenig unb mutant frieden* — Slnwenbung be$ 33it*
beg auf breiertoi 2BeItmenf$en: bie britten aöein taugen nictyt unb
ge£en »ertoren*
3) 3n biefem großen 9D?eere ber SQSelt fyat ber Teufel beim
23eginne ber Sßett geftfdjt unb mit größter ©dtfauljeit unfere erften
©tammettern gefangen: wie liftig unb Wug er nodf) immer fein
Jpanbwerf treibt, unb bur# welche gemeine unb fcfymufjige i'ocf*
fpeife ft$ bie gifdje in ber ganjen 2BeIt »on iljm fangen laffen! ♦ ♦ ♦
4) liefen betrügenden gifcfier nun l)at unfer £err 3efu$
S^riftuö mit wunberbarer Äunft unb 2Bei$£eit felbft aufgefangen
baburd), baß er tym feine £etligfte 9ftenfd$eit, in ber bie ©ottljeit
»erborgen war, jur Socffpeife »orwarf; baran J>at ftdj jener »er*
griffen unb atfo fein $ltü)t auf bie gifc^e »ertoren, baß er ni$t
mefjr mit bem -ftege au$ge£en barf, um bie Stenge ju fangen,
fonbem nur no$ (Sinjelne, bie wißig in feine mörberifd)e Singet
beißen, ^erau^ujie^en »ermag- Darnach £at ber £err bie 2lpo*
ftet aU gifcfyer in bie Sßelt auggefanbt* — ©er fettige fpric^t
bann »on ber wunberbaren 33eto£rung ber SQSelt bur$ fo »eräcf?t*
licfye unb arme, aber tugenbtyafte jünger be$ #errn, unb bejonberS
fdjön ift, voa$ er »on iljrem Berufe fagt: „Sie aber »erließen iljre
Wege unb folgten 3^m/' (8uc* 5, IL) O 2ei$tigfeit unb ©Anette
beö ©ejjorfamä! Stuf ein einiges SBort beS £errn »erließen fte
fogtoicfy Sitten. 2Sobl „gab dx feiner Stimme einen £on
ber Äraft" CPf* 67, 34.) 33etra$te nun ein wenig, wk ber
56
Jperr ber 5D?ajefiät »orauggeljt unb jEene brei giftet 3£m folgert
in jertumpten unb fcfcmutjigen Kleibern, na$ ber 2lrt, wie man bie
giftet gewö^nüc^ antrifft D fe£en$würbige$ ©djaufpieU D Äönig
ber £errti#feit, wie nimmft £)u fotcfye mebrige unb unbeholfene
£eute in ©einen ©tenft auf! ©age boc&, o £err, woju wirft £)u
jte gekauten? ^>afi 3Du ni#t trietteid&t einige abgenuijte £ajitl)iere
gemietet, benen jte nactygejjen fotten? Ober irgenb eine fd)mu£ige
ftüd&enarbeit , bei ber fie gebraust werben tonnten? 2lber fwret
unb fiaunet, woju (£r fte erwäfjtt £at: „Ad faciendam vindictam
in nationibus etc. (Ps. U9J „Um bte Könige ber 33ölfer ju
btnben mit Letten unb tfjre (Sbeln mit eifernen 33an*
ben/' ©rojjmäcfjtige Ä'aifer unb Könige werben fie binben mit
ben 2e£ren unb ©eboten be$ (£oangefium& SBölfer unb ©täbte
unb grofie 9?ei$e werben fie überwinben* 2)ie $tyiIofo$jen unb
©ehrten ber 2BeÜ werben fie mit ifjrer SBeiSfjeit übertreffen*
23or ifwen werben bie berebteften 9?ebner serftummem ÜÄit einem
SOSorte: fie ftnb ti 9 bie baS ganje Söeltatt burcf) ifjre ^rebigt mei*
ner Cefire unterwerfen werben* — ö wunberbare SDtadjt ©otteS,
bie bu mit folgen 9J?enf$en bie ganje 2Be(t überwunben Jjaft!
9ttd>t Slebner ober s J5^iIofop^en £aft Du, o £err, Dir ju beinern
Sßerfe erwägt, feine ©cfmftftetter unb ©efe§ge(el)rte , fonbern
wa$ oor ber Sßett t^öricbt war u* f< w< (1 @or- 1, 17 Uä
29J, ba§ TOemanb fagen fönne: „Unfere ftarfe 2)?a$t ijat
bie§ getrau/' (£)eut 32, 270 — 86er Iaffet im* fe£en, mc
unb auf welche funftoolte 2lrt fie bem £errn eine fo große 9D?enge
ber §ifd?e gefangen Ijaben? s J)f, 149: „£)urc£ bie Sobprei*
fungen ©otteä auf i£rer 3^nge unb burd) jweifdjnei*
bige Schwerter in i£ren Jpänben", b* £♦ bur# baö SBort
t£rer ^rebigt unb bur$ baö boppelfc^neibige Schwert if?rer £ugenb*
werfe unb t&rer 2Öunbert£aten Ijaben fte bem iperm bie ganje
SBelt gefangen unb jugcffl^rt Denn if?re ^Jrebtgt war tuc&t wie
bie unfrige, tau unb frafttos, fonbern tebenbig, entflammt unb
l?erxburct)bringenb< — Darnach fdjlie&t ber fettige
5) mit einer garten ©trafrebe gegen bie mobernen ^rebtger,
bie weber Singet noc& Äöber £aben, unb bef^alb audj bem Gerrit
feine gifd?e me&r ju fangen oerjh^en* <£r fyrid;t wn bem über*
au* ja£lretc&en gange, ben ber % $etru* in feinen iwi erften
57
^rebigten getljan* — £)od) fei e$ aud) nid)t fetten bie ©d)utb ber
3u£örer, bie in bie -fte^e beg £errn nid)t eingeben wollen, (£r
£ebt ba$ 23eifptet beg £t* Stnbreae Ijeroor, ber in bem übernom*
mencn ^rebigtamte fo befjarrlid) war, bafj er an'S Äreuj geheftet
nod) jwei Sage lang biö jum legten Sltljemjuge bamit fortfuhr*
3n ber bezeichneten ©trafrebe fagt er unter Slnberm:
„UBelje uns! Sffitc weit ftnb wir t>on ben Slpoftetn unb iljrem
©eifte entfernt, wir, bie ijeute bas ^rebigeramt bei eud) x>erfepen !
2lngelfd?nur unb Sotffpeife, betbe6 fe$>It un§, unb barum fangen
wir bem £erm feine §tfd)e* $ranf ift unfere ^rebigt, nad)läfftg
unfer Sebenöwanbel; Weber tocfen wir l)eran mit unferm Sebenö*
wanbet, nod) fangen wir ^emanben mit unfern SBortem 33eina£e
ftnb wir feine gif^er mef>r, fonbem 3äger, vok ber £err efjematö
burd) ben ^rop^eten 3erenua$ fprad): „3$ witt gifd)er ju
eud) fenben unb fenben will id) ju eud) 3äger/' (3erenu
16, 16.) @in Sifc^er fängt aud) mit einem ffeinen 9lege auf
einmal eine SÄenge gif$e; ein 3äger hingegen mit einer s 2lnsaf>t
t>on £unben unb galfen unter großem Hufjuge, mit Särm unb
§lintenfd)üffen, erhält faum einen £abid)t ober tintn anbern 33oget*
©o gefjt'ö gegenwärtig mit un& £)er gifd)er betrug fing in (£iner
frebigt im anfange ber Äird)e breitaufenb 9D?enfd)en, unb aU er
jutn jweiten Wale ba$ 9te£ auswarf, fünftaufenb* (2lpoftefgef#* 2,
41 unb 4, 4.) 2öir aber befefjren mit fmnbert ^rebigten faum
(Stnen ju Sfjrtfto bem £errn* ©roß ift fjeutjutage bie ©eleljrtljett,
bie Älug^eit unb 23erebtfamfeit in ben ^rebigten, unb bo$ fo gering
ber 9?u§en; weit ber innere ©eift fe£tt, ber ba$ äßort McUn
fotf; weit baö gute Seiftnet fefrtt, ba£ bie ^rebigt befräftigen foiL
§ifd)er finb wir ntc^t meljr, jäger ftnb wir geworben.
35. ©er pl betrug wirb über ben ©ebraucty ber
©d)lüf(elgewalt belehrt
* ♦ ♦ ^etruö wirb oom £erm jum ©d)iebörid)ter ber ©ünben
beftetlt, unb er wünfd)t über biefj fein 2lmt näfjer belehrt ju wer*
ben* ,/^err, fprid)t er, ba 5)u mir biefe ©ewalt, ©ünben ju oer*
geben, mitgeteilt l>aft, möd)te id) hierüber Deinen SBttten nä£er
fennen lernen, bamit id) in ber 2lnwenbung meiner 33ollmad)t nid)t
58
irre* 2Öte oftmals wirb mein ©ruber «über micfy fün*
btgen, ba§ i# il)m vergeben mufj? (£twa btö fieben*
mal? (ÜRatty, 18, 2L) — D glorreicher ^eiliger $etru$, »a«"
tljuft bu ba? £)er göttlichen 33arml>er$igfett fe$efi bu ein 2Äa§?
2)er (Erbarmung ©otte$ f^reibft bu fojufagen eine 3^1 wr?
„©eine SBarmjjerjigfeit fyat feine 3a£l unb fein (£nbe*"
OJJf 146.) @8 ift bir gefagt Sorben: „2Ba$ immer bu ge*
löfet jjaben wirft'' — wo$u benn bie grage, ob e$ wol;l fteben*
mal gefcfceljcn bürfe? £reffli$ ^ätte $etru$ woljl für un$
fcorgeforgt, wenn if>m nur feine ©tebenjaljl wäre jugegeben wor*
ben! SQSirfltc^ fd&eint e$ fo, aU fwbe er nur fein eigene^ SBebürf*
ni§ im Sluge gehabt, benn wir tefen t>on ipm, bajj er ftebenmal
9?üge flerbient £at:
1) 211$ er in feiner natürlichen Unwiffenl)eit ba$ Seiben Sljrifti
ju serln'nbern wünf^te unb fpradj: „Jperr, ba$ fei ferne *>on
Sir!" (SWatty* 160 ^ er # err ^ber antwortete i£m: „3ie|?e
bi$ jurücf unb fc^weige, benn bu bifi mir ein 33er*
fudjer/'
2) 211$ e$ t£m auf £pabor gut gefiel, wollte er ba bleiben*
„(£$ ift gut, baß wir (b, £♦ wir brei) £ier finb," fagte er,
unb fcergafi 2l(le$, feine Witjünger, ba$ (£rlöfung$werf ber 9Äenfd)*
l)eit, fein übernommene^ ^rebtgtamt unb au$ bie alferfetigfte 3ung*
frau 2J?aria* ©epr gut fagt ber % 5Äarcu$: „betrug ljatte
unweife gerebet" (SWarc. 90
3) 211$ er auf bem SQSaffer etn£ergel)enb au$ Mangel an
Vertrauen ju finfen anfängt unb sott 2lngft laut auffc^reit, erhält
er ben 23erwei$: „£>u kleingläubiger!" (ÜWatt^ 140
4) 211$ er in ju großer £eftigfeit bcm 2ttal$u$ ba$ Dfyx
weggehauen Jjat, »erweifet tym ber £err bieg unb £eifjt tyn ba$
©djwert einfielen. (3o£* 180
5) (£r »erläugnet feinen £errn unb Weißer, biefer wenbet
ft# gegen ilm unb blicft il)n an, ba§ er tu ftdrgef)e* (Site* 220
6) dv x>erftellt ftd), um ben 3uben ntdjt ju mißfallen* „3$
tyabt i£m öffentlich wiberfprocfjen," fagt ber $L $aulu$
barüber, (®al 20
7) (Subtid) will er bem Äreujtobe ju 9iom burdj bie gluckt
entgegen. @fmftu$ ber £err begegnet i£m t>or ber ©tabt, unb
59
auf feine grage: £err, woljin geljft Du? erhalt er bie tterweifenbe
Antwort: „3$ gelje nacfr 9iom, um abermat gefreujigt $u werben
an beiner ©teile." — Darum alfo fctyeint er gefragt ju ljaben:
ob er feinem 23ruber meljr äli fiebenmal Serben muffe. — 2lber,
o gütiger 3efuS, wie erfreut unä Deine Antwort! „3$ fage bir,
ni$t nur fiebenmal, fonbern fiebenjigmat fiebenmal."
(2)?attlj. 18, 220 @ne beftimmte 3^1 für eine unbeftimmte: ti
foll feigen „toties quoties" : fo oft folift bu iljm tterjeiljen, aU
oft er gefehlt Ijaben wirb.
36. Die ©ünbe, welche faum »erjieljen wirb.
„Ueber brei SD?iffet£aten ber ©tabt DamaSfuS (bin
id) gnäbig gewefen), unb t>on ber vierten will id) fie ni$t
meljr belehren/' (JUmtä i, 3.) Das mufj ni$t *>erftanben
werben in bem ©inne, als erwarte ©Ott bie Sßufje beö ©ünberS
nur hü jur vierten Uebertretung unb ni$t länger; benn dv felbft
Jjat jum % betrug gefagt: „©iebenjigmat fiebenmal", xoit
wir eben hörten; fonbern na$ bem Ijt. ^ieron^muS gibt e$ x>ier
Slrten ber ©ünbe: bur# ©ebanfen, burcfc 2Berfe, aus ©ewoi)n*
f>eit unb auö SSerac^tung. Diejenigen, welche in ben brei erften
SBeifen ft$ oerfünbigen, befejrt ©Ott fepr oft unb jntft ifjnen burd)
eine beharrliche SBufje jum ewigen Seben: bie Vierten aber, bie au«
33erad)tung gefünbigt Ijaben, befefjrt @x äußerft feiten unb beinahe nur
bur$ ein Sßunber ©einer ©nabe. 3ene S3era$tung nämlid) ma$t
fie ebenfalls x>erad?tungewert|) ; ber 33eräc^ter ©otteS *>erbient *>on
©Ott *>erad)tet ju werben, unb beftyalb fagt er oben, „ba§ dx
fie t>on ber vierten $fiffet£at ntcf?t me£r befe^ren wolle",
weil folctye Slrt von ©ünbern ungemein feiten ft$ befe£ren. Da$
mögen nun bie Untüchtigen, bie ^kle, bie Spieler, bie 2Öud)erer
unb Slnbere ju Jperjen nehmen! Die in biefen unb äl)ntuf)en ©ün*
ben lange mit ©icfyerljeit baf?infd)(afen, mögen ob t^rer gro&en @e*
fajir gittern unb beben! £ört, waö 3faia3 fagt (33, 1.): „2ßej)e
bir, ber bu oeractyteft; beim wirft bu nic^t felbft t)er*
achtet werben?".*. 3a, wenn bu, ermübet *>om 33öfe$tl)un, auf*
frören wirft, ©Ott unb bein ©ewiffen ju oeradjten, bann wirb au$
beine @d>einbu£e oeracfytet werben*
60
37* £)alila unb t> t e ^Ijififter über ber ©eete*
©amfon, Jener überftarfe Kämpfer ©otteg für fein 33olf (9tid?t
160/ wirb öefeffett t>on ber Siebe ju £)atila, einem tyeibnifcfcen
aOBeibe, bie ityn enblid) in'g Ijöcfyfte 23erberben bringt, tljn unb bte
©einigen nnb ba$ ganje 33olt ©o gebt eg mit ber ©eele, bte
früher i>on ber ^raft ©otteS geftärft, 2lbf$eu $>or jieber ©emein*
f$aft nnb SSerbinbnng mit ben £eufetn f>atte, wie ©amfon x>ox
ben s JJlnliftem, fpäter aber ftd) feffeln lägt burcf) bie Siebe &u
einer einzigen £)alila, b* £♦ einer ©innenlufi* £)iefe nämlid) legt
fte juerft in 33anben; j weit eng fcfyneibet ffe ber Seele ah bie
$L (Sinflögungen, bie von bem Raupte, (Sfmfto, glei$ paaren auf
alle (eine m^ftifcfjen ©lieber fjernieberfliegen, unb in benen bie ganje
übernatürliche Äraft ber Seele befielt 2) ritt eng enblid) über*
gibt 2)atila ben ©amfon an bie s pi;ilifter, b* !>♦ bie ©innentufi
fpielt bie Seele ben Teufeln in bie Jpänbe*
£>iefe tterfaljren nun no$ ärger mit ber armen betrogenen
©eele* (Erfteng graben fte ifjr bie Slugen aug; j weit eng t>er*
flotten fte biefelbe; unb britteng machen fte bie Seele jur ©ffa*
tun beg gleifdjeg; fte mug nun Sag unb Watyt mit groger 2ln*
ftrengung 9J?e£l mahlen, armfeligeg bittereg 9D?el)l für bie t>erfcf)ie*
benen 25egierben beg niebern 3Renf$en« 2>ie frühere Äöniggtocty*
ter *>on ©ion jog fa betört na# 23abplon £tnab, unb bort ftgt
fte wie bie niebrigfte ©flat>in im ©taube ber Srbe; iprer alten
©cfyönljeit unb Saxfytit wirb ferner nidjt mefjr gebaut; unaufljör*
lt$ wirb if)r gefagt: „;ftimm beine WlixfyU jur Jpanb unb
mafrle ung WleW (3f- 47, 1—20 ©o fagen närnlic^ bie
unerfättlicljen 33egierben*
38. Unfere üttünje, bie gilt
♦ # 4 kommen wirb atfo ber ^ic^ter — (S^rtftuö — unb bie
gorm feines ©iegelg oorjeigen , b* £♦ feine 9Wenf$&ett, jerfcfyfagen
unb voller beulen unb 2öunben. 2Bo£lan, wirb ®x fpred&en, lagt
unS fe£en, wer alfo gejeicfcnet ift, wie Sßiele ftd? bem ttrfiempel
na^gebilbet Ijaben? „£)enn wenn wir mit 31jm leiben,
werben wir au$ mit 3£m £errf#en*" (2 Xim. 2, 12.)
61
3u Sitten wirb dx fagen: 3£r behauptet, ba§ tyx bie kernigen
fett> * . ♦ SÖofjl , jeiflet alfo euer ©eltftücf unb bte Sc&eibemünje*
SQSeffen ift bae ©Üb unb bte Umförtft? ♦ ♦ ♦ £)a$ 2Berf nämlid)
ift ba$ 33ilb, bte Umfd^rift aber tft bte 9D?etuung bei bem SBerfe < ♦ ♦
£)u gibft 2ltmofen: baö 93ilb betneS SBerfeg tft gut; aber lag feiert
ben £itet! X^ueft bu ti auö eitler 9iubmfu$t, fo ftnbet ftd) bte
Ueberfärift beg Teufel« um ba$ 23ilb . . *
Slffo wirb ber £err nur biejenigen in feine S#a$fammem
aufnehmen, bte @r mit feinem Siegel gejlempelt ftnbet (feien e$
bte SWcnfdjen ober iljre SÖerfeJ* 3eremia$ ÄlagcL 4, 2: „Die
Söljne StonS, bie (£rlau$ten (burd) bie 9iatur i^reß 3SU*
be$) überfleibet mit bem feinften ©olbe (burd) bte ©nabe
unb göttliche 2lefmlid)feiO — tt)te ftnb fie angefeljen wor*
ben al$ irbene @efä£e, aU bae SÖerf ber £änbe beS
£öpfer£?" — (>♦ £♦ wie Ijat ber l)öKifd)e £öpfer bod) ba$
U\it ©olb unb bte ebelfte 9tatur in Stein unb $ot£ geräubert!)
D mit welchem gleite unb mit welcher Sorgfalt foKen wir ni$t
baä Siegel Gtyrifti bewahren, bamit bie geiftlidje ÜÄünjc unferer
Seele md)t verloren gelje! Dljne bas eingebrüdte Siegel wirb fte
mc^t erfannt: aus Mangel ber gehörigen Umfd)rtft wirb fte aud)
mit bem Silbe ali falfd) unb ungültig verworfen*
39* Sftu^en ber Äranffjeit beö 2eibe$ jur Teilung
ber Seele*
yiati) bem IjL Sluguftinug (serm. de gratia) fuc^t ©Ott bte
9Äenfd)en au$ fünferlei 2lbftd)t mit Äranffjeit £einn
1) 3ur Prüfung t^rer £ugenb, xoie %tö unb £obia$ £eim*
gefugt würben* Qob 2, 7; £ob* 2, 120
2) 3**r 33erbemüt£igmtg, bamit ftd) 9tiemanb ergebe, me ber
% Paulus geprüft würbe* (2 Sor« 12, 7*)
3) 3^r Strafe ber Sünbe* Def^alb fagte ber £err ju bem
©idjtbrüdjigen: „Deine Sünben finb bir vergeben" unb fo*
gleid) warb er gefunb* (Wlatfy. 9, 2*)
4) Damit ber ©otttofe fd)on £ier anfange, bie fein ju leiben,
bie i{m ber gülfe nad) im ewigen Seben erwartet Dej^alb fagt
3eremia$: „3etbrücfe fie mit boppelter 3e*fnirfd)ung*"
62
(3eretm 17, 18.) 2U3 »on folgen unt>erbe(Terlic$en ©ottlofen
lefen wir *>on ben beiben Röntgen 2lntiod)ug unb £erobeeU (1 9J?acc*
6, 8; Stpoftelgefö* 12, 230
5) £)amit feine SWac^t ober bie ^Iraft ber prbttte fetner $ti*
ligen offenbar werbe, tDte in bem 23linbgebornen (3o^ 9.) unb
bem £önig$fol;ne ju Äa^arnaum (3o£* 60 fo
II.
®ott Ijeilt bte franfen Seelen auf bte SBetfe, wie ber 2lrjt
ben Hörper l^etlt : bur$ ©cljwiisen, burd) ßrbrecfyen, bur$ Slberlaß,
burcty 23rennen unb burd) ben ©cfytaf.
GtyrijiuS ift ber große ©eelenarjt, wn bem ber % Sluguftin
gefagt fiat: „din großer Slrjt tarn vom iptmmel £erab, weil ein
großer Äranfer, ba$ ganje menfd)li$e ©efcfylecfyt auf Srben, bar*
nieberlag*" liefen großen Slrjt follen wir nidjt nur, wie na$
Seifung ber ©cfyrift, bie leiblichen 2ler$te, aus 9?otf>wenbig*
feit, fonbern au# au$ Siebe achten unb verehren* — £)te
vier £!♦ (£*>angeliften ftnb gleicbfam bie 2lpotf>efer biefeö großen
Slrjteö vom Fimmel gewefen, inbem fte unö bie £el)re be3 #eil$
aufbewahrt Ijaben * ♦ ♦ 2)o# fefjen wir in Ätirje bie fünffache Slrt
ber Leitung im geiftttdjen ©inne* @ie gef$tel)t alfo:
1) £)ur$ ben Schweiß ber D^euet^ränen. 2ßenn ber ©ün*
ber nämtid) ben £ob, bie £>ölle, ba£ ©ericfyt, bte Schwere unb
Soweit feiner ©ünben betrachtet, fo beginnt er ju weinen, unb
babur$ erhält er Teilung feiner ©eele.
2) 2)urc& (£r brechen, *>♦ £♦ bur$ ba$ auswerfen ber ©ün*
ben in ber facramentalifcfjen Seilte*
3) £>ur$ Liberia ß; wenn bie jeitlictyen ©iiter im Ueberfluß
Vorlauben ftnb, unb alfo eine ©elegen^eit jum 23öfen geben, fotlen
fte geminbert werben burefy SKmofeu unb (Srftattung etwaiger Un*
geredjtigfeit
4) £)ur$ ©rennen, b* £♦ wenn bie ©ünber ganj vergärtet
ftnb, fo fönnen fte nur buref) bie ^eftigften Seiben unb Äranf Reiten
geseilt werben; ©ott muß i&nen fojufagen mt mit einem brennen*
ben (Sifen an'$ Seben gelten. („£)te ft$ bae 2tngeft$t mit ©$minfe be*
malte, fagt ber heilige, wirb plö$lid? mit 3iuefa$ befallen ♦ i ♦ 9)fißa#te
bte 3ure^tweifung be$ £errn nic^t, fte tft ein 3eic^en ber Siebe.")
63
5) £)ur$ ben ©$Iaf. SBenn ©ott bte ©uten me£r unb
meljr ttemllfommnen Witt, fo [fliegt er tynen ©tun unb 23egterbe
für jeitlicfce Dinge unb macfyt fte gleidjfam fdjlafen unb ruljen in
ber ^Betrachtung ewiger Singe. 23on biefem ©djfafe $eifjt e$:
//3* f^Iafe, aber mein £er$ wa*t/' (£oHO Wo f*Ia^
fen fortwä^renb bte guten £)rbenSleute: fo fotten aucf) bte SQBelt^
menfcfjen juweiten, ober wenigfienö an ©onn* unb geiertagen
f c^tafen ; benn e3 fte£t gefd&rieben oonbem £empet (Sjednelö (46*),
baß bie Pforte na# ber 9Äorgenfeite am ©abbaue für Me geöff-
net würbe, bamit ba$ 33otf bur$ biefelbe baö £id)t fe£e* 2Ber
aber gar nid)t feiert, gar feinen D^etag £ä(t fyex auf (£rben,
ber wirb gewiß an ber ©eligfeit beö ewigen ©abbatljtageö feinen
Statte« £aben; benn, fagt 3faia$ (66, 230 : //Unb eS wirb
fein ein ©abbatlj auf ben ©abbat£", b* £♦ eine ewige Slu^e
wirb folgen auf bie geiftlic^e 9?u£e in ber Seit
40. Ueberbtetbfel t>on einem 2)?enf$en, ben ber £öwe
gefreffen.
£)at>ib war ein ungemein ftarfer £irt* (1 Äöru 17, 35.) dx
jerfcfylug einem $£>mn bte Äinntaben unb riß if?m bie SBeute wieber
au$ ber RetyU. — 2llfo tlntt ber wa^re £irt S&rißug in ber 35e*
fefirung eines ©ünberS. 9?a$ beu SSorten 2lmo3 3, 12: „2Bie
wenn ein £irt (von bem geraubten l'amme) no$ %xoei Äuo*
d&en unb ein ©tücf Dfyx au$ bem 9?ad)eu beö Söweu
herausreißet, alfo werben gerettet werben bie Äinber
33raels," ©ief)e, wenn jener f>öttifd?e Söwe atte natürlichen
©üter beö SKenfcfjen gefrefjen unb aüe Äräfte unb Sugenben ber
©eete Verfehlungen £at, bann freut ft$ ber gute £>irt @ljriftu£,
wenn er t>on ©einem ©$aflein no$ %mi ©ebeine unb ba£ Sleußerfte
eines DljreS ftnbet — 2ÖaS finb uun bie jwei ©ebeine, bie ung
aufregt galten, att bie gurc^t unb Hoffnung? 2Ba6 ba$
Sleußerfte beö £)£re$, als ber wenn aucf) fdjwacjje 2Bitte, ©otteä
28 ort $u £ören? — D man fott ni$t oerjweifdn an einer
©eele; fei fte au$ oom £ömn gefreffen, wenn fte wenigftenö biefe
beiben ©ebeine behalten £at unb bae Dtyx noc£ 5>ett ift! ©urefy
baö Dfyx neunfid; wirb bie Jlrjnet beö £eile$ eingeben in bie
©eele, unb alfo wirb fte bem rechtmäßigen Ritten wiebergewon*
41. SBott bem ©ünber, ber bie $ir$e nic^t prt
„?Ber bie Ä'ir^e nicfyt Ijört, ber fei bir wie ein Jpetbe
unb gjuMifam" («Watty. 18, IT.)
I.
3m alten @efe£e würbe befohlen, ben mit bem £obe ju be*
ftrafen, ber bem £o£en:priefier ni$t geljorfamte. (£)euter. 17, 12.)
3m (£s>ange{ium wirb geboten, einen Solchen auö ber Äird&enge*
meinfäaft auöjufdjfießen , ju ercommunietren. £)amit nun aber
^iemanb fagen fönne: 2ßa$ fümtnert mity bie Gfrcommunication
ber 9J?enfd)en, wenn nur ©Ott mi$ nicfet tton ftd§> flögt f barum
fügt ber (£rtöfer fogteic^ fnnju: „^ßa^xliä) fage id? eu#, wa$
immer ifjr auf (£rben binben werbet, ba$ wirb audj im
Fimmel gebunben (ein; unb waö immer il)r auf (£rben
löfen werbet, ba$ foll au$ im Fimmel gelöfet fein."
(3»att^ 18, 18.) 2ltteg , mä bie £1. tircfce binbenb ober löfenb
tljut, baö wirb im Fimmel ratiftcirt unb für gut getljan erllctrt.
Da mögen nun %cnt wo^I ^ufepen, wa$ fte tfmn, bie bie (£rcom*
munication gering achten. Slufmerfen follen aber au$ £)iej[em*
gen, welche t>on i£rer ©ewalt, Slnbere ju ercommuniciren, allju
leisten ©ebrauc^ machen. 9hir ber ^artnädtge ©ünber foll mit
ber (Srcommunication belegt werben, unb jwar nur für eine fdjwere
©ünfce unb ©ctyulb. -Darum l)eifit e$: „2öenn er bie Äirdje
ni d> t £ört" dt mufj alfo nacf) bem ©efege ber Äirdje ttorljer
ermahnt werben, unb jwar breimal, mc es bie (Sanoneö x>ox*
treiben.
IL
3n obigen SBorten: „Si Ecclesiam non audierit" etc. ijl
bie ©ewalt ber 3uriebiction am beften begrünbet. — Äann t$
ein fcfytagenbereö 3^wgnig geben gegen bie Suttjeraner unb alle
Äeger ? D 3vrgtäubiger, ify will nictyt mit bir ftreiten : e$ genügt
mir ba£ 2lnfef)en beS (Soangeliumä: „2Benn er bie^irc^e ni$t
Ijört, fo fei er bir wie ein £eibe unb öffentlicher ©ün*
65
ber*" ©enug ifi mir, ju wiffen, baß bu bic Äirc^e ni#t me£r
työreft, um bi$ für einen Reiben ju galten* Slber, fagft bu t>iel*
leid&t: tt)aS unb wo ifi benn eigentlich bie Äirdje? — 9Äerfe auf
baö, wa$ ttorljergegangen in ber Sefung obiger ©teile be$ (£oangc
liumä: benn id) Ijabe feineöwegS nötljtg, bie ganje SBelt ju burd)*
reifen, bamit id) bie $£ixd)e ft'nbe, ber id) bie ©ünbe teö 9Mc$ften
anzeigen will, $ixd)e nennt ber Srlöfer bie Prälaten unb 35ifd^öfe
ber Äir$e, bie ber $ir$e t>orfie£en unb fte regieren: wenn bu
biefe nufjt £örft, biji bu ein Äe§er. — £)u aber entgegneft: ber
£err gebe biefe SSorfc^rift jnnftdjtlid) ber 33e(eibigung be$ -Weben*
menföctu — 2Bie leic^tftnnig unb tljörid&t t(i bo# biefer Einwurf!
2Benn id) hei 33eleibigung be$ 9täd?ften mid) bei bem Urteil ber
Äirdje beruhigen muß, um wie x>tel me£r in ©ad&en be$ ©lauben«
unb bei einer ©ünbe gegen ©Ott!
42. Sßenn ber ©ünber fc&weigt, fo fcfjreit feine ©ünbe
um fo lauter.
„Sieweit id) gefdjwiegen Jjabe, finb meine ©ebeine
gealtert, ba id) rief ben ganjen Sag/' (tyU 31, 3.) £>
großer SBiberfyrud) ! (fagt ber (Sarbinal £ugo-) 2ßie fdjwieg er
ftilte, wenn er ben ganjen £ag rief? Dber wie \d)xie er ben
ganjen Sag, wenn er ben ganjen S£ag fdjwteg? (£r t>erf$wieg
feine ©ünbe, unb bie ©ünbe rief laut 3e me£r unb je
länger ber ©ünber i>on feinen SSergefjen f Zweigt, befto meljr rufen
unb freien bie ©ünben felbft, D xt>ie laut ruft ba$ ©efcfjrei ber
©ünben! @o baS ©ef^rei ber ©obomiten (©em 18, 200/ fo
ba« ©efärei be$ 33tute* 2lbel$ (@en. 4, 10 + > ®in großer ©$rei
gen Fimmel ifi ber £obtfd>lag, (£in großer ©cfcrei ber (ürfjebrud)*
Saut fetyreiet bie £eu$elei, laut f^reit bie 33ebrü(fung ber §lrmen:
baö >Me$ unb *>iele$ Slnbere nodj fd&reiet laut gegen bid), unb bu
fc&weigji? — Sitte verlangen tton ©Ott ©ered&ttgfeit unb ©träfe
gegen bidj; fte^e nur, wie *>iele 3eugniffe fte wiber biclj anführen,
unb bu fcljweigft baju? — Stufe ; fd&rete x>ielmel)r bu, unb jene
werben föweigen! ©djweigfi bu aber, nun fo werben audj jiene
fortfahren ju freien. Srfticfe lieber ba« ©eförei ber ©ünben
burdj ben SWuf beiner ^erjlid^en ©eufjer* — Sllfo wenn ber Sttunb
33c mar t> Wp^oriSmen. £
66
fdjwetgt, bann ruft laut baö wn bem ®tm$tt ber ©ünbe be-
fdjwerte ©ewiffen* £)atub fagt; „93eraltert finb meine ®e*
beine", b* £♦ meine Stugenben unb Gräfte finb bafnngefd^wunben*
£)er ©ünber wirb, tt)te ©regortug fagt f auö ber £ad?e ber
©ünben Ijeraugge^ogen, wie efjemaB ber $ropl?et 3eremia3 au3 ber
fumpftgen ©rube (3er* 38, 13.): ftc^e bie gigur in ber £L ©c&rift:
man warf bem s Prop£eten alte £üd)er ju unb lieg ©eile ju tym
funab ♦ ♦ ♦ ©o wirb bem ©ünber geholfen bur$ bie ©eile ber ©e*
böte unb bie Sucher ber 33eifpiele* SQBenn nämticfy bem ©ünber
bae ©ebot ber S3u§e part fd&eint, fo lege bemfelben baö £ud) eines
guten 33eifpiel£ unter; benn jene f bie atfo fid) befe^rt unb 33u£ie
gewirft l?aben — fte waren aud) SWenfc^en, unb baö wirb ben
©ünber ermutigen*
43. 23on ben böfen folgen ber ©ünben unb ben
Mitteln bagegen*
©rofj unb für manche gälte unheilbar ift ber ©ctyaben, ben
bie ©ünbe ftiftet: fte £at nebft ben £ier aufjune^menben no$ siele
anbere böfe Söirfungen jur golge; bie *>orjüglid)ften unb größten
aber finb:
1) Sie ©#ulb, unb jwar eine fe^r grofje ©djulb; benn
ba alle @efct)öpfe ba$ ©efe§ iljreö ©djöpferö befolgen, wagt e6
ber Sttenfd) allein, baefelbe ju übertreten*
2) Sie Stfafel ober SSefcfjmufjung* ©er ÜRenfö, biefe
eble Sreatur, wirb bur# ben 93erluft ber ©nabe unb aller Xu*
genben unb burd) bie Unorbnung unb SJerftörung in alP feinen
innern unb äugern Vermögen beredt unb \m mit Äoty befubelt*
£>arum fagte ©Ott ber £err bur$ ben 3Jhmb feineö ©e£er$ (ßmtö
9,7.): /,2öie bieÄinber ber f^warjen Sletljiopier, fo feib
iljr geworben oor 3JHr" — unb 3eremta$ in ben Älagelie*
bem (Älagel. 4, 8.): „SJefcljwärjt ift ifyv 2lngefid)t me£r
3) Die ©träfe: bie Verurteilung jur ewigen *Pein für
eine geringe unb furje Suft ©ie£e nur jenen Ungeheuern ©turj
au$ ben £öf>en bee £immel$ in ben tiefften Slbgrunb ber $'6üe.
4) ©djwactyfjeit unb Unbeftänbigfeit „3erufalem
67
Ijat eine große ©ünbe begangen uub barum tft fie un*
ftät geworben/' (Slagel* 1, 80 „gremblinge Ijaben feine
Äraft gegeffen, unb er felbft wußte e$ nicH" (Dfee 7,9.)
5) Sie Neigung ber böfen ©etx>o^ixf>ett f bie ju einer
garten ^ette wirb* „Sie ©triefe ber ©ünben £aben mid)
umflochtene fagt ber ^fafauji (118, 6L> Unb jebe neue
S£^at fügt einen neuen ©trief Innju.
6) Slinb&ett. „Der ©ünber tft in ber gtnfterniß
unb wanbelt im £)unfel; er weiß ni$t, wofjin er ge$t,
benn bie ginfterniffe jjaben feine Singen »erbunfelt"
(3o^ 12, 35. 1 3oD- 2, 110 ®^er fommt eö, baß er nic^tö wa£r*
nimmt unb empfmbet, weber feine ©ctyanbe, no# bie 9tieberträ#tigfeit
ber ©ünbe, no$ bie seitlichen Uebel, bie er fi$ jujie^t, no$ au$ bie
ewigen Dualen, bie iljn erwarten. 3n einem fo tiefen Slbgrunbe
muß er flehentlich ju ©ott rufen, ber tyn ju befreien allein mäd)*
tig ijh ,/Du wirft mi$ anrufen, unb t$ will bidj er£ö*
ren,.* iä) will bt$ befreien, unb bu wirft mtdj serljerr*
liefen 7 ' ($f* 90, 15; 49, 150* 3ur nähern @rflärung nimm
bie ©efcfyictyte be$ Patriarchen 3acob unb feiner gamilie*
1. 3acob Sog l>inab nacb Sleg^ptem £>a$ £anb Slegppten
Ijat bei ben @$riftauslegern bie 33ebeutung *>on ginfterniß. 3^er
alfo, ber fünbigt, %kfyt nac|) Slegppten, b. £♦ in** Sanb ber ginjler*
niffe. 3ft er aber ein 3acob, b* £♦ ein (£rwä£tter ©otteö, fo wirb
er wieber funauejieljen , unb jwar burd) baS rot^e $?eer in ba$
£anb ber S3er£eißung , bur$ bie SSerbienfte beö 33luteä Gt^rifti in
bie ewige ©lorie*
2. SQBenn bie ©eele alfo ©Ott angehört, xoit 3$rael, fo ruft
fte ju 3fmi, gefangen in ben ©ünben; empftnbet fte aber ni$t$, fo
tft fte feine ©eele von bem Sßolfe 33rael, fle ift eine äg^ptifc^e
©eele, £)a$ ift ein fe£r böfeö B^en, wenn eine ©eele in Sleg^p*
ten bie ©efangenfdjaft nidjt füljlt!
3. (Srwäge, wa$ bie ©#rift fagt (@rob* 1, 130 ! „®$ Daß*
ten aber bie 2legppter bie Äinber 3$raelS, quälten fie
unb fpotteten iljrer/' — £)enn bie Teufel fpotten über bie
©eele, bie ftd) betrügen ließ, unb laben i£r viele Saften auf, wk
einem unvernünftigen Sttaultlnere*
4. 23emerfe au$, baß 3$raet j'e meljr unb meljr bebrücft unb
5*
68
geplagt würbe , j[e meljr t£m fein Sefreier naljte. — Sößenn ber
SWenfcfc nämlid) bie ©ünbe unb t^re Änectytfctyaft tterfaffen will,
wirb er meljr nocf) jurücfge^alten. £>ie innere ©timme ruft: „(£nt*
lag mein 33olf, lag jtepen mein (£rbt£eil, bag fie mir in
ber 5Büfie ein Dpfer bringen in reumütigem 2obe!" 3)aran
aber wollen bie Teufel unb böfen ©efelfen bie ©eele t>erljinbern,
biä fte na$ t>erfc^iet>enen wunberbaren Seifyen biefelbe enblid) un*
gern fahren lajfen*
Erwäge ferner noefy au$ biefer ©efcf)i#te bie folgenben jwet
Umftänbe :
a) 3$rael jieljt bereichert auö Sleg^pten. ©er ©ünber ergebt
ft$ aug ber ©ünbe x>orftcf)tiger, bemütljiger, flüger unb weifer, bag
er nidjt noctj einmal falle; gerne unb willig leibenb bie ©träfe für
feine ©ünfcen, inbem er mit 3ob fprictyt: „3$ Dabe tudjt em*
pfangen, wie iti) tterbiente." (3ob 33, 27.)
b) CKad) DrigeneS.) 9tyaroo fcprft ein: „$}x follt eu#
niefct weit entfernen!'' (®cob. 8, 28.) 216er gewig mug ber
©ünber auf fetner Stuöwanberung brei SEagreifen jurücflegen, b. £.
*>on ber ©ünbe, *>on ber ©elegenljeit unb t>on ber ©ewoljn*
£eit fiel) entfernen... ©ielje bie brei fttttictyen SEage! 2öie auf*
richtig bu auefy auögeljen magft an$ ber ©ünbe: bleibft bu in ber
©elegenfjeit ober in ber ©ewoljn^eit, fo wirb tyfyaxao, ber bir auf
ber gerfe nachfolgt, bi$ gar balb wieber gefangen nehmen.
@3 gibt @tmge, bie auögejogen finb au$ 2leg9pten, unb ben*
nod) fagen fte: „2Öir Ijatten ei gut in Sleg^pten." ((£rob.
16, 3.) ©te wagten, wie ©regoriuö fagt, bie geijHidjen ©pet*
fen unb verlangen nafy Änoblaucf) unb gletfdjtöpfen. Unb, fügt
ber £!♦ 33ernljarb pinju, wäre e$ nietyt wegen be$ ba$wifd)en lie*
genben rotten SWeereö — (b. Ij. au£ ©<$am) trielleicfct würben
fte wieber bal)in jurücfjte^en. (Einige Slnbere meinen, fte waren
ausgesogen unb befänben ftdj bod? mitten in Sleg^ten. ©efäljr*
lieber 3uftanb. „Slucty wegen ber »ergebenen ©ünbe fei
ni^t oljne gurc&t." ((Sccli. 5, 50 //@$ S^t <*ud) S3öfe,
bie fo fidler leben, ali acuten fie bie Sffierfe ber @e*
regten/' (£ccl. 8, 14.) „®ie t£un, wie ein SBotf, ba$
69
©erec&ttgfeit ausübt" (3f- 58, 2.) — 2Bte fönnen wir wif^
fett, ob wir in ober au$ ber ©ättbe ftttb? 3n ber ©ünbe beftn*
bet ft# 3emanb auf eine oon folgenben brei SBeifen: entweber
1) weil er fte eben wirfli# in ber £jjat begebt, ober 2) weit er fte
ju begeben ftcfc oorgenommen, ober 3) mil er fte früher begangen
unb fte nocb nic^t gut unb funreicljenb bereut Ijat
44* ©egen ben Müßiggang*
. ♦ ♦ 3$ babe ni^tö ju tfmn, fagji bu, nichts, womit i# bie
3eit jubringen fönnte! ©o rebeft bu, weil bu ein ganj ftnnlicber,
beinahe „tl)ierifd)er 5D?enf 4> bifl, ber nichts begreift oon
betn, wag be$ ©eifie* ©otteS ift" (1 Sor. 2, 14.); weil bu
nid&t oerjte^fi mit bem ©eifte ju wirfen, fonbern allein äu§erli#
mit ben Rauben. Du fennft alfo ntd^tö oom £obe ©otte$, nid^tö
oom betracbtenben ©ebete, oon ber ©ewiffenäerforfdjung ? — (£iner
son jenen alten £!>♦ ©njteMew in ber Söüfte pflegte ju fagen:
SBenn ity au$ bie 3a^re SÄatbufalemö leben müßte, eö würbe
mir bennoc^ an 3eit mangeln, ©Ott für feine 2öo£lt£aten ju ban*
fen unb meine ©ünben gebüljrenb ju beweinen*
3ur gluckt be$ 9Äü£iggange$ fyaben wir befonberä oier 33e*
weggrünbe :
1) Die ©röfe be$ £etl$gef$äfte$, ba$ un$ ju betreu
Un obliegt
2) £)ie Äürje ber 3eit, in ber bie (£wigfeit muß ge*
Wonnen werben.
3) Die ©röfe ber ©efafjr, ewig oerloren ju gefjen.
4) Die SÄenge ber ©eetenfeinbe, bie un$ umgeben unb
un$ nacheilen*
Darum follen wir nie müßig fteben ober ftfcen, fonbern oiet*
mejjr laufen, xt>ic ber Slpoftet fagt: „Saufet fo, baj} ifyx ben
^JreiS erringet/' (1 Gor. 9, 24.) Saufen aber muffen wir
gerabe, fdjnell unb beljutfam. 1) ©erabe; benn wa$ nü§t
e3 *>iel laufen *>on unb neben bem regten SBBege? „3$ bin ber
2Beg", fpvtc^t ber £err* C3^ H 60 2) Sonett unb hurtig;
bie gauten unb Prägen werben mitten auf ber Steife mübe unb
serbriepc^ „3$ bin gelaufen auf bem 2Öege Deiner ©e*
70
böte, ba Du mein Jperj erweitert £ajl/' ßpf. 118, 32/)
„2Bir laufen nadj bem ©eru$e beiner ©albern" 0£o£el0
GtfcriftuS „Rupfte auf, wie ein 9?iefe, ju laufen feinen 2Öeg*"
($f* 18J Saufet 3) *>orft$ttg unb befjutfam; benn auf bem
SÖege begegnen wir wtlben Spieren, Slbgrünben unb Ijeimlidjen
©klingen, von benen ei im $f* 139 5>et^t : „21 uf biefem SÖege,
ben ity wanbelte, £aben mir bie ©toljen eine ©klinge
gelegt/' — bie ©tollen, b> !)♦ ber £eufel, unb bie mit i£m galten*
©ielje ba nun einen guten £>rben$mann, ber in gutem Saufe be*
griffen ift : eine (Gelegenheit bietet ft# bar , auö bem Ätofter ju
geljen, unb er fctlU in bie ©dringe beä £eufelö unb geljt ju ©runbe*
— Sin Ruberer »erlegt ft$ ganj auf ba$ SUmofengeben unb anbere
SiebeSwerfe, unb inbem er ba$ (£fenb auffucfyt, ftnbet er eine @e*
legen^eit jur ©änbe — unb er fällt 2öar ni$t ein wilbeö Xtyiex
auf bem SBege? — 9to# ein Ruberer weifet feinen S5ruber jurec^t
über einen gefrter, ei wirb barauS ein SBortjireit, bann 3*>nt unb
jule^t ein um>erföfmtid?er £aff* 2Ba$ war ei anberö, äl$ ein ftyev
Slbgrunb am SÖege? Darum warnt ber Styoftel bie ©^efter:
„@el)et ju, meine 23rüber, bafi i£r bef?utfam wanbelt;
nidjt toie SEljoren, fonbern wie Söeife, benn unfere
£age finb böfe," b* £♦ gefafmwfiL
Die SÖelt fliegen, meint ber % Xfomaü, fei atterbingS ba$
Siatljfamfte, aber aucl) im Äfofter foll man ni$t faullenjen*
(£$ iß unmöglich, fagt ipieronpmuö, baff bu in beiben Söelten,
ljter unb j;enfeit$, frö^lic^ unb in ©fjren erfdjeinft Der gelb^err @i*
fara (JRifyt 4.) fto|> aug ber ©dblacfyt unb entjog ftcf) flug ber
@efaf>r* 3aljel nal)m ben glücfytltng auf* 2113 er aber Ui tyx
fette SSJlity tranf unb forgloS einfc^ltef, fanb er ben £ob in feinem
3uflu$teorte, ©o Rubelt ber freie SÖeltmann flug, wenn er auö
bem Kampfe ber SQSelt in ein Softer fliegt (£r fefje aber bann
ju, baj? er ni#t, eingetreten in bie £ütte ber Buftu^t, ftatt be$
flaren SÖafferS ber geiftlicfjen Ströftung bafelbft *>on fetter Äub*
mil# O ^ finniger greube) trinfe* (£r £üte ft# wof>l, mü§tg
unb fcfcläfrig ju werben. ^)ie 9?u£e felbft, bie tym eine 3uflucfct$*
ftätte ber ©i^erfieit x>ox ber SÖelt bäumte, fönnte tym ben 9tagel
einer ftarfen unb unauölöfd? liefen 23egierlid)feit unter feinem altju
tiefen ©c^lafe — mitten in feinem müßigen unb forglofen Zehen —
71
burd) baS £aupt [plagen unb tyn erwürgen! Denn jweifad) tfi
bte Dfalje unb 9J?uße be$ Drben^manueö. Die Ijetlige Shtlje er*
jeugt bte 2Beie|>eit be$ £etle£, bte tljöricfite bagegen fad)t immittel*
bar ba£ geuer ber 23egierli$feit am
45* £)te geiftlid)en Spinnen*
2ßer früher berufen würbe, fofl ben jule&t ©efommenen ja
ni$t t>era$ten ! *ueUei$t tt)irb er ebenfo mel Sopn befommen, siel*
Uid)t nodj meljr al£ bm 2)a* 9?eic|) ©otteS nnb feine Äraft Ijattgt
nicfjt ab von ber 3?it, [onbern ttom (£ifer beö ©eifieö* 3n furjer
3eit fann ber dinc größere gortf$ritte machen, aU ein Slnberer
in bieten Sauren. 2Bir fepen oft, baß einige Drbenömänner in
SBeradjtung ber 2BeU unb in Uebung ber flofterlidjen Sugenben
anbere gante nnb 9?a$lafftge in furjer 3eit übertreffen* Diefen
ift bie lange 3)auer ipreS ©rbenelebenS x>iefme$>r jnm ©ericfcte,
a(S jum (Sifer nnb §ortf$ritt* ♦ ♦ „SQSaö fielet tl?r $>i er ben
ganzen Sag müßig?" (3Ratt^ 20, 60 „£ier müßig?" —
Erwäge gnt bae Sörtctyen „Ijier", baS mel fagen wtCL £ier
namli$, wo baä £immelrei$ fott gewonnen werben? £ier,
wo eine @wigfeit vorbereitet wirb? £ier, wo ba£ £eben nnr
fo furje £)auer l)at? £ter, fage ic|>, fiepet ii)r müßig? £ier,
wo iljr ewig banernbe Sd)äge nnb (£belfteine einfammeln fottt?
— D £err, fagen baranf einige eifrige ©efc^äftömänner, o
£err, wir ftnb gewiß nidjt müßig: alle Sage arbeiten wir, aKe
Sage ftnb wir auf ber Steife, bie ganje SBett umfahren wir,
eS ift und an bem Sage ui$t genug ♦ * ♦ 93iß bn ein be*
fc^aulid^er Drbenömann, fo ift baS eben für bicf) ber größte Sftüßig*
gang: ba$ 2ltfeS, wa$ bn ba aufjäjrtjl, ift bem 9K$t$tJmn gleich
9htr %>tl)wenbigfeit unb ein großer geift(i#er 9htgen, oerbunben
mit einer reinen SBittenSmeinttng, fönnen bi$ in einer folgen ©e*
fc^äftigfeit entfd)uibigen. D i£r Sterblichen! „Söarum gebet
iljr euer @e!b au« nnb ni#t für Sßrob? warum feib
if)r in 9Äü£e nnb Slrbeit unb ntc&t jur Sättigung? 7 '
(3f. 55, 20 3&r arbeitet wafjrltdj o^ne ©ewinn, unb tyr er*
fdjöpft eud) vergebens, xt>k bie Spinne. „Sie Ijaben fid) Spinn*
gewebe verfertigt, fagt 3faia$ (59, 5—6), unb iljre ©e*
72
webe bienen t£nen ni$t jum bleibe ♦ ♦ ♦ i£re SQBerf e
waren unnüge SQßerfe/'*** ©o t^uet au$ tl>r: i|>r erfööpft
eu# felbfl mit ©orgen unb 2tengflli#feiten in eitlen unb nuglofen
arbeiten unb ©efc^äften f bie am (£nbe eures Sebenä ttergeljen o£ne
©ewinn für eu#* 3br bemühet eu$ unb gießet alle Äraft eureä
©eijleS aug, ein Spinnengewebe ju fertigen, um 5)?ücf en ju fangen ;
benn nichts aU Sauden ftnb bie (£f>ren unb 9?eid[)t£ümer unb 33er*
gnügungen unb greuben biefer SÖelt (3ljr feib wie bie ©pinne im
geiftlid&en ©ebiete; fepr richtig l^at alfo tton eu$ ber ©eljer 3faiaS
propljejettO
46* Die geifllic^en Leiber*
„Sie empfingen i£ren £o£n unb murrten/' (2Äattlj*
20 , IL) SQBenn man bie Parabel t>on ben Arbeitern auf bie
©eligen anwenbet, fann man bieä SÄurren ni$t gebrauchen: „non
cadit in beatos." (£$ ift aber ni$t nöt^ig, fagt ber % Gibr^fo*
ßomug, baß ein 33ergleid) atljeit auf x>ter Süßen laufe; ti genügt,
baß er auf breien ober jweien (neben ber SBa^r^eit) einljergefje*
©onft wäre ti au$ fein a3erglei$ meljr, fonbern bie ©ac^e felbft,
bie man burdj ben SSergleid^ lehren will* — 2luf i>k ©eltgen alfo
ftnbet ba$ Durren feine 2lnwenbung, wo£l aber auf bie ©uten im
©taube ber ©nabe Ijienieben* SQSenn ncimfid> fner auf (£rben £)ie*
jenigen, bie eine 3eitlang 33uße getljan, unb nacfy ©Ott unb gött*
liefen Dingen bürften, ni$t fo *>iel innern ©eift, nic^t fo oiel
SBärme ber 8lnba$t, nid;t fo t>iel getjllictyen ©efcfcmatf empfangen,
als Rubere, bie bteß gleicfyfam umfonjl unb im Ueberfhtß ftnben,
fo ftnb fte jum Durren t>erfu$t, unb baö ift ber geiftlic^e 9?etb*
D #err, feufjen fte bann, jlelje boejj, ity jüngere unb burfte unb
jjabe nic^tö ! 3ener fte£t nietyt bama# um unb ^at Sltleö im lieber*
fluß! — D fc^nöber 9Äenf$! 2öer bift bu bodj, baß bu von
©Ott 3te$ettf$aft fetner Jpanblungö weife verlangen barfft? „Wein
greunb (fagte ber £aue£err) i$ t p ue bir fein Unrecht;
nimm, xt>a$ bein ift unb gelje fun* ©mpfängji bu ntcfct fcfyon
über bein SJSerbienft? 2Ba$ fümmert bt# tin 2lnberer? Dber
bürfte xä) etwa nic^t tf>un, wie'S mir beliebt?" ©Zweigen
wir, meine S3rüber, Zweigen wir! Waffen wir ab, bie SBerfe ©otteö
ergrünben ju wollen, diu 3eber Jmte ftd) wo£l t>or bem getjltt^en
73
Reibe, ber weit (Stimmer ift, ali ber jeitlic&e unb fleif^tidje* £>u
meinft bo$ wojrt nic$t, bag £agegli$t fotte nur in beine 3^ße
allein hineinfallen? Dber willfi bu etwa bie (Sonne einbiegen,
baj? fte auf betn (£rblanb föeine unb auf fein anbereg? —
2Bag gel)t 1 $ bt# an, wag fäabet'g bir, wenn 3ener geiftlicfjen
Ueberflug fiat? 3a bo#, rnel, feljr x>tet ge£t 1 g bt$ an! £>enn
wag bu für bi# tn 1 g 33efonbere ni$t erljäftft, bag empfängt bu
bod) in ber ^erfon etneg Slnbern, unb Ijätteft bu bie Siebe, fo wür-
ben bir bie ©aben unb SEugenben Ruberer ju Rufmt unb (£f)re
gereichen* ©er Siebe ifi eg nämlicfy eigen, bag ^erfönticfye ge*
tneinfam unb bag ©emeinfame perfönltdj ju machen (unb ftdj beg
©nen me beg Slnbern ju freuen)* Sein ift burdj bie Zieht audj
bag, wag ein SWitbruber befiijt* 3a, fagt 33ernarbug, eg fann oft
gef$e£en, baß %enex aug Ru!>mfu$t, Radjläfftgfeit ober Unbanf
von feiner ©nabengabe feinen ©ewinn jtef>t, unb bafj bu baraug
gewinnft burd> bie Ziehe, tnbem bu bi$ über bie 23egünjfrgung
eineg Slnbern , wie über bein eigeneg © lücf erfreueft ♦ ♦ ♦ greilief)
ift an unb für fiel? ein eigeneg ©nabengefdjenf beffer, alg ein
frembeg: wag aber bie greube barob betrifft, fo ift eg gewig
bejfer, ftdj über frembeg, alg über eigeneg ju freuen (wegen ber
©efaljr ber ditelteit unb beg ©toljeg)* ©ie^e bie @iferfucf)t
beg 3ofue (Rum. 11, 28*)/ ber eg verboten wijfen wollte, baj?
3emanb auger SWofeg von ber $ro:pl)etengabe ©ebraucJ) ma$e*
£)er Ijeilige ©efe^geber tabette tyn. „®äbe ©Ott", fügte er püi*
ju, „bag 2llle ben ©eift beg £errn empfingen unb $ro*
p£eten würben!" — 2öel$ 1 ein Sbelfinn! — ©o auc$ bie
©ferfuetyt unb ber Reib jener 3ünger beg SEctuferg gegen Gtyriftug
ben £errn* (3o£- 3, 260
47* £)er ad&tuubbretgigjä£rige ©i^tfranfe*
L Die Leitung biefeg Traufen am Seiche ©itoe (3o£* 5,
80 bejeidjnet bie Rettung unb Rechtfertigung beg ©ünberg* 3n
biefer Rechtfertigung verteilt ©Ott ber ©eele fedjg 2ßo£ltl)aten nad&
bem 102* $falm: 1) Vergebung alter ©ünben; 2) $ei*
lung aller Äranf^eiten; 3) (£rlöfung beg Sebeng vom
Untergange; 4) Ärönung ber Seele in 35arm£erjigfet t
74
unb (£rbarmungen; 5) Erfüllung iljrer Verlangen mit
©ütern; 6) bie Erneuerung ifjrer 3ugenb na$ bem
©feidjntffe be« Slblerö ♦ ♦ .
2* £)ie fünf galten am %tfti)teiü)? f in benen alle Slrten von
Äranfen lagen, feebeuten bte fünf ©tnne be$ £eibe6, in benen bie
ganje SDtenge ber ©ünber barnieberliegt — ^cncx Äranfe aber,
ber f$on ad)tunbbreif? ig 3a^re ba in feinem 33ette lag,
bejeicfjttet ben verhärteten ©ünber, ber, ob er aucty neben bem $t\U
famen Steige ber 23u£e liege, benno^ nic^t geseilt wirb, weil er
nicfyt |nnabfteigt in benfelben*
3. ©aburdj ferner, bafj ber £err biefen Traufen fragte:
„Sßillft bu gefunb werben?" gab er un$ bie Ce{)re, baff fein
©ünber gegen feinen SBitfen befe^rt unb fetig wirb: er nuifj
felbft wollen, fräftig wollen unb bie £anb mit an'3 2Berf legen.
£>ann fagte (££riftug bem tränten: „©telje auf, nimm
bein 33ett unb gelje Ijeim/' £)a$ geiftlid&e ©ebot an ben
©ünber lautet ebenfo: ©tef>e auf von ber ©ünbe, nimm ba$ S5ett
ber Sßolluft (b* £♦ macbe bir eine Saft au$ unb ftatt ber Cujl) unb
wanble, in Hebung ber £ugenben fortfd&rettenb* £)iefe brei ftnb
aucty bie 3^tc^en einer votlfommenen ©enefung von ber Äranf^eit
4* 9?a$ biefem bleibt nur no$ dini übrig ju tljun: „©ielje,
bu bift gefunb geworben: fünbige nun au$ ni$t meljr",
- pte bi$ vor bem 9?ücffalfe — //bamit bir ja nichts 2ter*
gereS wib erfahre/' £)enn wenn bu rücf fällig in'3 23öfe ge*
worben bift, bann ift eö ärger wegen brei ttrfactyen: wegen beiner
groben Unbanfbarfeit gegen ben 2lrjt, wegen ber ©tärfe ber @e*
woljnljeit, unb wegen ber gröfjern SD?a$t beä SeufelS über bicfj,
tiefer nämli$ bringt in feiner SRMttyx fteben anbere ©eifter mit
(Suc* 11, 26.)/ bte flauer unb boshafter ftnb, alö er, bamit er
ntc^>t me£r leid;t au$ bir vertrieben werbe, unb bu £ier unb bort
ewig unglüdlic^ bleibeft*
75
48. 3$on ber Srfctyaffung unb SBieber^evfteHung be$
innern 5Wenf$en na$ ben fed)$ Sagen ber
Schöpfung*
!♦ £)ie erfie SBirfung, bte in bem Jperjen beg ©ünberö
Dervorgebra$t wirb, iff baS %i$L ©Ott fpra$: „(£g werbe
?t$t" (©enef* 1, 3.) £>enn vorljer ift er ganj voll ginfter*
nifj na$ ben SQSorten be$ % 3of)anne$: „dx befinbet fidj in
ber ginftemifj nnb wanbelt in ber §inftemi£, unb
weiß nicfct, wofjin er geK" (1 3o£. 1, 6 unb 2, IL) £)iefe$
£i$t aber ift eine (£rfenntni£ be$ 33erftanbe$* Unb jwar follen
mit £ülfe biefer (£rfenntnij3 unb biefeS Sidjteö jwei £)inge erfannt
werben, nacfj bem % 2luguftin: „noverim te, noverim me a :
£err, lag mi$ erfennen 1)iti) unb micfi! 3n (Sott aber werben
bem 3Äen[^en unb feiner (Erfenntnifj f>auptfäc$licf) brei 2ßa^r^eiten
vorgehalten : bie(£r£abenl>eit ber göttlichen 9?atur, ©eine ©üte
gegen bie @ere#ten unb ©eine ©trenge gegen bie S3öfen ; ♦ ;
<&i ift bann auty nötljig, baj? ber 9Äenf^ ft'cf) felbft erf ernte;
benn um biefe ©elbftfenntmfj ift eg etwas ©roges, was felbß bie
£eibmf$en ^ilofopfien erfannt unb gelehrt fyaUn ♦ * ♦
(£ble ©emittier pflegen wir burd? Srinnerung an i^ren 2lbel
ju bereben, baf} fie ftdj von fernblieben ©ingen enthalten, unb wir
fagen ifmen nur: ©ebenfe bo$ beineS ©tammeö unb beiner 33or*
fahren! — ©o fotlten wir au# ber menfc^lic^en ©eele fagen:
O ©eele, ffelje boc$, wie ebel bu von 9?atur bift, ju welchem 3iefe
bu gefctyaffen, burd^ wetzen fyofytn tyxetö bu erfauft worben, wejfen
23raut bu bift xu f. w* Slnbere J)ocJ)müt{?ige unb anmapenbe ©ei*
fter pflegen wir jurec^tjuweifen, inbem wir fte an i£re niebrige
£erfunft «♦ bgl* erinnern unb fagen: 3Du ljanbelft, aU wüßten
wir etwa ni$t, wo£er bu gekommen bift, unb atö fei un$ beine
gamilie unb ber ©taub beiner Gütern unb ©efc^wifter unbefannt,
@o follten wir auc^ unferm eitlen Körper fagen: Sßovauf benn
bift bu ftofj, mobernber ©taub, m$ brüfteft bu biet), (£rbe unb
2lfd)e? £) fc^mugiger Äotymann, wof>er boc^ fommt bir bie Jiuljm*
fu$t? (3ob 17, 140
% 5ftatf)bem alfo ber Sag ber (£rfenntniß f^on in ber ©eele
aufgegangen ift, wirb am ^weiten Sage ber SBiebergeburt ein
76
girmament gefäaffen (@en- 1, 6*): bann nämticfc, wenn ber
©ünber in ftdj ge£t unb „ju feinem bergen jurücffeljrt"
(3f. 46, 80 ©enn t>ae £erj ift gteicfyfam bag girmament unb
bie gefte be$ SWenfdjen, in i£m liegt aße Äraft unb 33efiänbtgfett
be$ menfölictyen Sebenö, unb an i£m haftet bie 3i^be ber ©e*
fttrne, b* £♦ ber innern Ceibenfcfyaften unb ©emüt^neigungen* ©er
©ünber aber verliert fein £er$ na$ bem 3wgniffe ©aflibS : „$? e i n
£erj £at mtd) »erlaffen/' ($f* 390 ©er ©ered?te aber
ft'nbet e$ lieber an biefem tfvtikn Sage, wie biefelbe £!♦ ©#rift
bejeugt: „Unb Qcin Änec^t tyat fein £erj gefunben"
(2 ftön. 7, 270-
©iefeS geiftlic^e unb innere girmament nun tritt jwtfcfjen bie
©ewäffer ber ©ebanfen unb Slffecte, unb tljeilt bie obern ©ewäffer
*>on ben ©ewäjfern, bie unten finb*
?Ju3 bem fcfrtatnmigen £ei#e, au$ bem faulen ©umpfe biefeö
2eibeS fteigen nämlich x>tete f$mu$tge, unnüge, bumme, eitle, faule
unb faß ftinfenbe ©ebanfen auf: biefe ©ewäffer fcon unten muffen
(bur$ bie Äraft beS £erjen$) juräcf gebrängt , eingeengt unb be*
meiftert werben, ba§ fie ni^t bis in bie 3uftimmung be$ SBittenö
fliegen. „Unb i$ £abe gefpro^en: 23 i^ £ier£er follft bn
fommen unb weiter nicfct fortf^reiten, unb ljier follji
bu beine fc^äumenben SBogen brechen!" (3ob 39, 110 —
@benfo gibt zi anbere obere ©ewäffer ^eiliger ©efü^fe unb Jnmm*
lifdjer (ürinbrücfe, ferner ©ebanfen unb ^Bewegungen ber 2lnba#t,
bie t>on oben Ijerab fommen* ©iefe nun foll ba$ im ©nten be*
feftigte £erj aufnehmen, liegen unb pflegen, bewahren unb *>erme£*
ren, unb mit £ülfe berfelben ft$ felbft himmelwärts ergeben*
3* 2lm britten Sage gefctyieljt bie SBerfammlung ber ©e^
wäffer in ©ne$* (®etu 1, 90 ©ean an biefem Sage *>erföfmt
jt$ bie ©eele mit bem Mbz unb mad&t grieben mit t£m* Sagt
un« greunbe fein, fyric^t fte. ©arauf antwortet ber Ceib: D wie
iji eö möglich, ba wir fo 33erf$iebene$ wollen? ®S entgegnet bie
©eele: D Äörper, xotö wiltft benn bu? (££re, S3ergnügen, Sfaic^
tfjum u* [♦ w* fprictyt ber Körper* SBo^tan benn, fliegt bie ©eele,
ba bu folc&eS willft, fteije, i$ will eben baäfelbe* Slber lag un$
fu$en, wo bie waljre (££re, baS rechte Vergnügen unb ber blei*
benbe 9?ei^um ju ftnben finb, in ©ott* „©(orie unb SReidj*
77
tljnm ift in ©einem £anfe," (% 111, 3.) „3n Seiner
9?ed)ten gibt ci 23ergnügen big an'S (£nbe." (<Pf. 15, 11.)
SWa^t nnb ©djön^eü ftnb fein ©ewanb." (@pr. 31, 25.)
2luf feiere SBeife werben bemnaefc bie innern ©ewäffer in ©inen
Drt verfammelt, ba ber ?eib f#on einigermaßen mit bem ©eifte
wetteifert, nnb alSbann treibt andj bae (£rbreid> ber ©inne nnb 33e*
gierben beö SDtenfdjen grünenbee Äraut hervor (®en. 1, IL), ba«
ftnb bie ftttticfjen £ngenben.
4 Slm vierten Sage bann, wenn ©um nnb 33egierlic$feit
fc^on georbnet ftnb, wirb bie ©onne am gtrmamente ge*
Raffen. (®en. 1, 16.) 903a$ £ei£t ba« aber anberS, als: nad>
ber 33erbejferung nnb 9?einignng beä 23ege£rnng6vermögen3 fängt
nnn bie ©eele an, bie gülfe ber göttlichen Söärme $n empftnben?
£)a$ iji etwaä von jenem „verborgenen 9D?anna, bae -Wie*
manb fennt, ber eö ni#t empfangen £at." (Offb. 2, 17.)
2)a$ iji jenes „£nnbertfältige", ba$ ber J^err im (£vangelinm
verfpro^en, f$on pter anf (£rben geben jn wollen. £)ie „(£rft*
linge beS ©etjieS" ftnb e$; e $ ift jte^ „trnnfenmadjenbe
©etfteäwein ans bem Heller beä Ijimmlifc&en Königs."
(£o£el* 2, 4*) D glütflid> bie ©eele, bie oftmals von biefem
SBSeine ber innern grenbe fröljlid) nnb trnnfen jn werben verbient,
fo baj) fte fnngerijfen wirb nnb von ftdj felbji fommt, bamit fte
ftdj mit iljrem ©Ott vereinigen fönne! 3a, „gl üä feiig baS SSolf,
ba$ biefen 3nbel begreift" ($f. 88, 16-)*
5. 2lm fünften SEage werben bie Sßögel nnb gif d^e ge*
fcfjaffen. (®en. 1, 10.) 33ögel ftnb jene Serlangen, bie na# oben
in bie £ö£en fliegen, wenn bie ©eele nämltd) verlangt, „an fge*
lögt jn werben, nm bei Sljrifio in fein" CPbiliW- 1/ 23 0/
wenn fte fcfion alte Sage jn ber ^immltfc^en SBofmnng eingebt
nnb bie 3ufammenfänfte ber (Sngel nnb Zeitigen befnd)t. Cägt
an# ber Mb bie ©eele bort nidjt InngeJjen, fo wirb fte bo# von
tljrem heftigen Verlangen bafnn getragen, nnb fte iji gletc|)fam ba
bnrd) bie %kbt; benn bie ©eele ift meljr ba, wo fte liebt, atö wo
fie lebt : „Anima magis ibi est, ubi amat, quam ubi animat."
£>ie gifetye aber, nm ancf> von tynen etwa« jn fagen, ba fte
an einem Sage mit ben Sßögeln gefefjaffen wnrben — bie gifdje
tttnfen gern von bem bittern nnb fälligen SBaffer be$ SWeereS.
78
Diefj bejeicfynet nun , ba§ ber ©eele bie ©treng^etten ber 23u§e
gefallen, bag fte tu Srübfalen unb Äranf^etten ft# rüljmie unb er*
freue* (SRönu 5, 2*) „9?i#t nur baö", fagt ber 2lpojlel, „fon*
bern wir freuen ung in ber Hoffnung ber Äinber @ot*
tc*! ,J — ©ielje Da, baö ft'nb 33ögel! — „aber aucf> in £rüb*
falen freuen wir un«", fügt er £in$u+ — @ief>e ba, ba$
jtnb gtfc^e!
6. 9?ad)bem nun 2llle£ bieg t>ot(6rac^t, wirb am fechten Sage
ber eigentliche 3Henfc|>, ber ©eifteömenfdj, gefcf)affen (®en* 1,
260, ter nad) ©Ott, nacfy bem SMtbe unb ©lei^nifj ©ottee gemalt
ift; ber feinen Umgang Ijat mit bem ©cf)tnu§e, ni$t$ mi$ unb
wiffen will von bem Steifte; ber au$ ni$t vom £e£m ber @rbe
gebilbet, fonbern au£ ©Ott geboren ift, wie ber ftf. Slmbrofiuä
fagt: „SSon %mi 33ilbungen beS 2D?enf$en fpric^t 5Wofeö in ber
©eneftö (2, 7; 1, 260* We «nc be$ tyierifdjen SWenfc^en quo
bem £e£m ber @rbe, unb bie anbere be$ geizigen s 3ftenfd)en nadj
©ottee ©letdjnif? unb ©benbilb , wo vom 2el>m ber (£rbe feine
9tebe ift. Unb biefe jweite ift bie 23ilbung be$ Stfenfctyen, bie ber
@eift@otteö bewirft nac£ *Pf< 103, 30: „©eube Deinen ©eijl,
unb fie werben erraffen werben!" din alfo ©ebilbeter
ift erft ein wahrer Sftenfdj; ber aber nur bie erftere gorm £at, ber
ift fein 9J?enf$ im eigentlichen Sinne, (onbern irgenb eines von
ben unvernünftigen Spieren. Meinet i£r vielleicht, meine SBrüber,
e$ wäre ttxoa$ ©eringfügigee , ein (olc^er ©eifteßmenfcty ju fein?
SOSa^r^aftig , ntd?t jteber ift ein 9Äenf$, ber eö äußerlich ju fein
fdjeint! Denn wer feine 23rüber auffrißt, ber ift vielmehr ein
wilber 2öwe! 2Ber ben fleifcfylicfyen lüften nacfygefjt, ber ift ein
©c&wem! 2Ber nacfyläfftg unb träge ift, ber ift ein (£fel!
28er nur naci) 9ieid?tl>ümern giert, ber ift ein mit (ixte gefütterter
2Burm! 28er mit allerlei giften feinen 33ruber betrügt, ber ift
ein gucfye! 2Öer bas ©ift ber SSerleumbung fpett, ber ijl eine
©erlange! 28er alle Sage ©otteetäfterungen bellt, ber ift ein
£unb! 28er frembeä ©gentium jufammenraubt , ber mu§ ein
S3är ober ein 2Bolf fein! ©ie£e ba, Söwen, ©djweine, (£fel, 2Bür*
mer, §ü#fe, ©drangen, £unbe, 33ären unb 2Bölfe — bie alle
SWenf^en fein wollen! ©olc^e aber f^affet ni$t ber ©eift ©ot*
teS, fonbern be$ £er$en$ eigene 23o^eit bilbet fte* 23on Sftatur
79
ftnb fte 5D?enfc^en f nati) ber ©efinnung aber unvernünftige
Spiere* 3£re$ £er$enS Soweit ma$t, ba§ fte t^re eigene 9?a*
tut att 3D?enfcf) ^erlaffen f unb bie eines ££iere$ ftd? an* unb
über$te£en*
7. (ühtbticfy am ftebenten Sage, am ©abbatb, Ijat ©ott ber
£err tton allen ©einen SBerfen geruht (@en* 2, 2.) @r, ©ott
felbft, fagt ber Slpoftel, ift unfere ©abbat^9?u^e. ,,©o
eilen wir benn, in jene 9?u£e einjuge^en!" (£ebr* 4, IL)
ba§ wir in 3£m ausrufen t>on unfern SBerfen, wie aucf) (5r aug*
geruhet Ijat wn jebem SBerfe, ba$ (£r getljam — O bie ttollfom*
mene 9iuf>e, wenn nad) ben arbeiten ber fe$$ Sage btefeS fierb*
liefen Sebenä atte 3D?ü^en unb 33efd? werben aufhören werben! „3n
biefem ^rieben, bem eigentlichen ^rieben felbft, will
i# fc&lafen unb rul)en!" ($f* 4, 9<) £) beS gtücffeligen
©Plummers, wo alle Verlangen gefätttgt ruljen, unb wo bie ©eele,
x>on jenem atler£ö$ften ©ute fo reicfylid) gefpetöt, weiter nid)t$ me£r
Ijat, baö fte wünf^en fönnte! 3>nn wer ©ott felbft f>at, xcai
fann ber nod? aufer 3j?m fudjen? „(£r wirb ja Sitten 2ltle$
in 2lllem/'
49. 2Bie unb wa$ ju prebigen feu
t« £)ie ^rebiger fotlen ftcfy merfen baS, wai t>on 3o£annee
bem Säufer getrieben fte£t: „(£v wirb feine ©cfyritte auf
ben 2ßeg ftellen" ($f* 84.) (b, £♦ <£r wirb felbft auf bem
SBege gelten, ben (£r jeigt), 2öa$ fagte 3o£anneg: „bereitet
ben 2ßeg bem £errn"* Unb — Ijat er etwa felbft gefctylafen,
nacfybem er ben Slnbern jutn Sßerfe jugerebet? 9tein, fürwahr
nidjt, er £at auety feine eigenen güfie auf ben 2Beg gefegt
^rebigte er bie (£nt£altfamfeit? — ©eiber lebte er *>on
£euf$recfen unb witbem £omg* (Ware. 1.) ^rebigte er bie
SBeradjtung ber SBeltpractyt? — ©eiber wohnte er in einer
wüften Sinöbe. ^rebigte er bie £)emut£? — „3$ bin nicfyt
wärbig, bem ©rlöfer bie ©#uljriemen aufjulöfen, fagte
er, ity bin nic&tö!" ^rebigte er bie 2lrmut£? — ©eiber
war er befleibet mit einem bleibe *>on Ä'ameelfjaaren* ©telje,
80
barum au$ war fein SBort wie eine brennenbe gacfel, ((£eetL48, 1.)
„©enn er war (wie 3o£anne£ 5, 35 fcfcreibt) wie eine bren*
nenbe unb lidjtgebenbe SeudMe", brennenb in ft$ felbft burdj
bie Siebe unb ben (£ifer be$ ©etfteg; leudjtenb na# außen ben
SWenfd^en burdb feine Sugenbbeifptele* Jpeutjutage gibt es 2fland)e,
bie leuchten, aber nic§t brennen, unb barum leuchten fie tttc^t gut
% ,,©d>reie, p ör e nic^t auf! Söie ein ©$lad)tI>om,
fo lag ertönen beine ©timme unb oerfünbe meinem
33 elf e feine Safter unb bem £aufe 3acob feine ©ünben!"
(3f. 580* ~ SBBte iä) fe£e, ge£t baö SBort mtd) am Slber, o
£err, fottte ei nidjt genug fein, ju fagen unb ju ermahnen V —
9tan, f djreien mußt bu* — Slber wie? — ©u fte^fi bie @efa£r,
bu fte^ft baö (£lenb , all 1 bie Hebel fte^ft bu unb alT bie ©ünben
unb bu fd&weigft?*** @#reie xoie ein ©djlad&tljorn! ♦ ♦ * Jperr,
xcai foll t$ freien? — ©ie§: „33erfünbige meinem 33olfe
tljre Safte r" — feine 2Bi§e unb ©päffe, feine Schmeicheleien, feine
gabeln unb abenteuerlichen @efc$i$ten — iljreSafter! — Unb o
ber Ijödjften (Srbarmung! „deinem SJolfe", fagt @x, wenn ei
auef) ein böfe$ SSolf tfl, fo ift ei bo$ mein, Weil iü) ei für ben
tyxeii meinei 33luteg erlauft fyahe. — Sieg alfo ©einem SSolfe;
aber, o $exx, werbe i<$) auefy ©einem Äleruö etwas fagen müjfen?
„2lu$ bem £aufe 3acob Ijalte feine ©ünben ttor,"
50* din SÖBört^en *>on ber Ziele ju ©Ott
yiad) einer langen unb frönen 9?ebe über bie Ziehe ®ottei
— Domini — Dei — nostri — nad) bem ©ebote: ©u follft
lieben ben £errn ©einen ©Ott ic* fagt ber £!♦ Xfyomai ju*
le£t unter Slnberm golgenbeö: „2Ba$ foll ity bem $exxn
wiebergebeu für Sllteö, wai ex mir gegeben £at?" ($[♦
1150 Sür mief) bin ify 3j)m mtdj) ganj fd?ulbig ♦ ♦♦ ©ann $at
@r mir ©i# felbft nod) Ijinjugegeben: 3Ba$ foll unb fann ity 3^m
wiebergeben für 3f)n?
£> $exx t \6) Witt, i§ muß ©i$ lieben, wenn ©u mir au#
meine Ziele mit yiifyti belofmft! 3a., muffte iä) au#, weil id>
©i$ geliebt ljatte, ewige Dualen ausfielen, — ify fönnte nidpt
81
umpin, £)t# ju lieben! — aber wa$ wirb e$ nügen, oon ber
Siebe ©otteg fotriel gerebet ju ljaben, wenn icfj meinen 3u£örern
nidjt jetge, wie fte biefe beglücfenbe Siebe empfangen unb beftgen
fönnen? — (£rwünf$ftc&er unb beffer ift e$, au# nnr Sine ©tufe
biefer Siebe ju £aben, afö ©rofjeS unb Grr£abene$ t>on iljr $u reben
unb ju empfmben, Slber fte ift burd)au$ eine ®aU ©otte$, bie
feine menfcfyltdje 23etriebfamfeit ju erlangen im ©taube ift ♦ ♦ ♦ 3n*
bejfen gibt eö bo$ 93iele$, was jum Smpfange biefer ©abe oor*
bereitet, j* 23,:
1) Die Steinzeit be$ £erjen£*
2) Daö brennenbe Verlangen barnacfc*
3) Die Slbtöbtung ber ©inne unb 23egierbem
4) Die Siebe beö Warften*
5) «Die geijllicfce Sefung*
6) £)ae betracf)tenbe ©ebet über bie 9ttenf$werbung , ba$
Seiben S^rifti unb baä atterlj* SUtaröfacrament*
7) ©eufjer unb SMttgebete*
51. 23on ber brüberlid&en (£intra$t
I. „©ielje, wie gut unb angenehm ti iß, wenn
95rüber beifammen wohnen!'' OPf* 132/) ♦♦ ♦ Fratres ha-
bitare in unum.
Dafj ni$t |ebe (Eintragt unb Uebereinfunft gut unb ange*
ne£m fei, ba$ fe£en wir an ben 93rübern 3ofepl)$, bie überetn*
famen, iljren 33ruber ju »erlaufen; an ber Uebereinftimmung ber
^riefter im £affe gegen 3efum ben £errn; an ber Sintradjt unb
gleichen ©eftnnung ber Äe^er unb Scannen gegen bie $ir$e, unb
an vielem Slnbenu
©ut unb angenehm aber ift biejentge (Sintrac&t, bie aug ber
Siebe ©otteS unb ©einer ©nabe £eroorge£t, wag ber $ro#)et
Daoib in obigem *Pfafate aud> anbeutet, wenn er fagt: ,,©ie£e,
toit gut unb angenehm e$ iß, wenn 33rüber beifammen
wohnen!" unb balb barauf: „2Öie bie ©albe auf bem Raupte"
u*f*w* Dort wirb bann ein »ierfacfjer Ort angegeben, wo biefe
©albe, bie ni^tä anbereS als bie Siebe bebeutet, ft# vorftnbet
unb fließt:
58ernatD 9(p§ori$men. fj
82
1) „2luf bem Raupte", t>. £♦ unter ben göttlichen $er*
fönen ber £eiligfien SDretfalttflfeit; benn, fagt ber Slpoftet: „Da$
£aupt t>on Sfcrijluä itf ©ott"
2) „3n bem 35arte Slaronä", b. £♦ in ber Deiltgften
9ÄenfcJ)£eit Sljrijli, jeneö eigentlichen £ol)en:priefter$*
3) //3ti ©eittem bleibe", b. £♦ ttt ben Engeln unb fetigen
©eiftern, bie gleicfcfam ©ein ©ewanb ftnb, wie eö Ijeifjt bei
SfataS 49, 18* Unb unter tarnen l)errfd)t ber innigfte griebe unb
bte ljö#fie ßrin^eiU
4) 3n ber ftreiteuben Äirdje, auf welche biefe ©albe
herabfliegt, „tote ber £ermon$tljau auf beu 93erg ©ton
fällt/' — 2lm *Pftngjitage nämlid) „träufelten bie Fimmel
oom 2lngeft$te ©otteS oon ©tna" (toie ber *Pfalmijl fagt)
über bie auf bem Serge ©ion oerfammelten 2lpoftet,
SQBte grofi nun baburd) bie Siebe unb (-Eintragt unter ben
erjlen Triften geworben ifl, fagt ber % Cucaö: „Die Stenge
ber ©laubigen war tote (Bin Jperj unb Sine ©eele/'
II. „fraget (£itter bie Saften be$ 2lnbem", ermahnt
ber Styoftel ^autuä* 9liü)t nur förderliche 23efdjwerben burcfc £rö*
flung ber SEraurigen, 33efu$ ber Äranfen, Unterßügung ber 2lrmen,
fonbern audf) geiftlictye Sefdjwerben ertragenb, natürliche ©emütl)$*
unb Gtyarafterfeltfer, Uttwijfenfjeiten, Dummheiten, SBoeljaftigfeiten
u* f. w* 9tad) ben SBorten beäfelben Slpoftetö: „Ertraget ein*
anber aus gur^t ©otteS*" ((Soloff* 3.) 2ßer ift aud> ber*
fettige, ber nid&t in trgenb (£twa$ müßte ertragen werben? ber
jt# ni#t jutoeilen mit Unrecht beitagte? ber nid)t manchmal
eine £arte Slntwort gäbe? ber nid&t oft jubrittgliclj , meland?oIif#,
launig unb läftig wäre? — Du bift äornmütfjig, unb i$ bin ftolj:
ertrage gütig meinen ©tolj unb t$ will beinen 3orn ebenfalls
ertragen* Du rebeft me£r, als bir anfielt, unb tdj möchte faum
bem gragenben antworten: ertrage bu nun meine ©$wetgfamfeit,
unb td) will beine ©efd&wägigfeit ertragen* — O vok noty*
wenbtg ift biefe gegenfeitige Gürtragung unter benen, bie mit ein*
anber ein gememf$aftli$ee Ceben führen!
83
52* Dreierlei ©nabe*
2luf bretfac^e Sßeife bewaprt (Sott bie 3)?enfcpen unb rettet
fte von ber ©ünbe unb ber £ötle:
1) 3nbem er fte peilt von ber Neigung jum 33öfen*
2) 3nbem er tpnen gegen Die böfen Neigungen s D?utp unb
©tärfe verteipt
3) 3nbem er bie böfen ©elegenpeiten entfernt
Einige peilt er nämltcp fo, baß in ipnen feine jiarfe Neigung
jum 23öfen mepr ift; fte ftnb unb bleiben ©erecpte opne große
SKüpe,
Slnbere aber palten ben recpten 2ßeg nur mit großer Slnftren*
gung ein unb muffen fortwäprenb ipr ^)erj bewacpen*
2ßa$ von 23eiben ift beffer? — 3cp antworte: baö (£rfle ift
eprenvoller, baö 3roeite lobwürbtger am 2D?enfcpen> £)a$ (Srfte ift ein
3eicpen von größerer ©nabe, ba£ 3weite von größerem SBerbienfte*
£)a$ (Srfte pat größere ©icperpeit, baß 3weite eine perrticpere ^rone,
weil ber Sieg aucp größer ift Unb^eber wirb gefrönt, fagt
ber Sipofiel, j[e nacpbem er geftritten pat
2ßo aber bie böfe Neigung vorpanben ift unb bie SEugenb*
traft feplt, ba entfernt ber barmperjige ©Ott bie ©elegenpett (Sin
©otcper ift mit einem gläfewen ©efcptrre auf bem £ifcpe beS £errn
ju vergleichen* (£$ wirb verboten, baöfelbe anjurüpren, weil ei
jerbrecplicp ift
53* £)te ^roppejetpungen t>on bem (£rlöfer,
♦ . 4 2Öa$ war ba« ganje mofaifcpe ©efefc anberg, alt ein
JBorbilb unb eine 33orau$verfünbigung be$ jufünftigen (£rlöfer$?
£)eßpalb fagt ber 2tyojtel mit Sftecpt: ber ©nbjwecl beö ©efefceS
tji Spriftuä jur Stecptfertigung für jieben ©läubigep/'
(Sftöm, 10, 4.)" ©tb nun Slcpt, ob nicpt ber ganje Sebenälauf
SprijH be$ £errn von ben ^roppeten offenbar vorpergefagt wor*
ben tjh
SBorpergefagt ifi ©eine 5D?utter: „©tepe, eine Jungfrau
wirb empfangen unb gebären/' (3f* 7, 140
6*
84
93orl)ergefagt tfl ©ein ©eburtSort: „Unb bu Setljteljem"
u- [• w* (Wid). 5, 20
33or£ergefagt bie 3eit: „3n ber 3al)rwo$e £)anielg/'
(©an. 9, 240
33orl)ergefagt bte 93efd)affenl)eit biefer 3eit: „Slufgeljen
wirb in ©einen Sagen ©erecfytigfeit nnb bie gülte be$
Stiebend ($f. 71, 70
33orljergefagt ber regierenbe gürft: ,/£)er ©cepter wirb
son 3nba nt 4> t genommen werben, big ©er fommen
wirb, welker" rt. (®en, 49, 100
23orl)ergefagt ©eine SQBerfe: „SltSbann werben f i d§> &ff*
nen bie Singen ber SBItnben ♦ ♦ ♦ Saljnu werben ge£en*<*
Saube Jöretu" C3f- 350
SBorljergefagt ©eine Sitten: „traurig wirb dx nid&t
fein, au# nicfyt unruljtg nnb aufwieglertfdj, (£r wirb
fein ©efcfyrei machen anf ber ©trafje/' (3f* 42, 40
33orf>ergefagt ©eine £el;rwetfe: „Deffnen Witt 3$ 9flei*
nen $?unb in ©leic^ntffen/' ($f. 77, 20
SBorljergefagt ©eine Reiben : „SQBte ein fcOweigenbeS ©d)af
wirb @r jur ©$lacf>tbanf geführt werben/' (% 53, 70
33or£ergefagt ©eine Sluferftepung : ,/£)u aber, o £err, er*
werfe Wliä) (son ten lobten), ba# 3$ iljnen sergelte"
(% 40, IL) »•>'»•
£)od> wag serweite icfy länger bei biefen 3eugntffen? (£in
S£ag retd^t nicfct Ijin, fte einjeln aufjujäfjlem 2llfo jiemte es ftd),
baß baS ganje £eben (Sfjrifti, alte ©eine SQBerfe unb Jpanbtungen
ftar unb auäbrücfticfc sorjjergefagt würben, bamit bie SQBelt geneigt
unb sorbereitet werbe jum ©tauben beö faft Unglaublichem Unb
bamit gar ntc^tö ermangele unb jieneg ungläubige unb IjartOerjtge
33olf ja feine Unwiffenljeit sorföügen fönne, ift tym 3o|>anneg
jute^t noc^ atö ^Jroppet gefanbt, ein SWann son größtem Srnfte unb
erprobter #eiltgfeit beö £eben$, ber Gtyriftum nid&t nur mit 3ei$en unb
SSorbilbern anbeuten , fonbern 3N sor ben klugen alfer ©e^enben
mit bem ginger jeigen mußte: „©eljet ba ba$ Samm ©otteS,
ba$ bie Sänben ber SQBelt £tnwegntmmt," (3^ 1> 290
2Ber fonnte in bem gelten ©lanje fo steter 3cugnijfe no$ blinb*
lingö um^ertafien, wenn er ni#t jlodblinb am SSerftanb war?
85
£)ef$alb au$ wieö ber £err felbjl feine Leiber an bie Ijeiltgen
©Triften unb ftrad): „£)urd)forfd>et bie Schrift, benn fie
iji eg, bie von ÜÄtr 3eugnig gibt" (3o^ 5, 290
54k £)er 2Beg ber Jpeiligen*
tiefer 2Öeg ift fein anberer, aU ber 2Beg bur# Ärenj unb
£rübfafe* Der (£ngel fyrad) sunt £!♦ 3ol)anneg, atö er tljm bie
jaljtlofe 9D?enge ber Seligen jeigte: ,/Diefe finb e$, bie ge*
fommen finb aus groger SErübfal" u* f* w* (Dffb* 70
©er % Stomas in feiner britten 3tebe von mehreren SWar*
tyrern jeigt vortreffltd) folgenbe fünfte:
I. 2ßie grofe Uebel gefommen feien unb nocfi täglich fom*
men aus bem Ueberfluffe, aus bem ©lücfe unb 2Bo£tfianb unb au$
bem fanget jieglicijer XrübfaL
II. 3m ®egentf>etl fei für ben SWenfc&en ni#t£ fo vorteil*
^aft f als bie £rübfat; ntc^tö ^eilfamer f als Reiben unb SBiber*
wartigfeiten unb jwar wegen vieler guten Söirfungen berfelben,
befonberS aber wegen ffeben:
1) ©ie wecfen ben $?enf djen vom @$lafe auf: „91 ur
SBiberwarttgfett wirb i£nen 23erftanb geben/' ÖfaiaSO
2) ©ie machen bemütlMg, freunbli#, mitletbig*
3) Sie reinigen von Saftern unb weltlichen 33egierben*
4) ©ie belehren unb fähren bie Seele ju ©Ott
5) ©ie machen, bafj man bieg Seben verachtet unb nadj bem
Fimmel verlangt
6) ©ie prüfen unb bewähren bie SEugenb ber ©ebulb*
7) ©ie pfjen unS begrünbete Hoffnung auf bie ewige
©eligfeit ein*
III. £)ef#alb anü) Ijabe niemals ein ^eiliger unb ©ottge*
fälliger ofme Xrübfal gelebt, was er aus ber ©efdncfcte jeigt:
2lbral)am, 3acob, 3ofep^ f 3ob, £)avib, bie *Pro#jeten, 2tpojlel,
Märtyrer, SBefenner, Jungfrauen, furj Sitte, quanta passi sunt
tormenta !
IV. £)iejj aber fei alfo ber 2Bitte ©otteS mit ©einen £ei*
tigen unb 2luSerwä£lten gewefen, vorjüglicfc aus fünf ©rünben
unb 2lbft$ten na$ S^fofiomuS :
86
3ur SBerbemütlngung,
3ur Reinigung,
3ur Vermehrung bes VerbienfteS,
3ur Verherrlichung ber £ugenb £ienieben,
3um 33eweife eineö fünftigen Sebenä*
V. SBiberlegung beö Sinwurfeg, eö fc^eine, baß einige Jpet^
lige bod) nid)t$ 23efonbere3 äußerlich ju leiben Jjatten* (£r %ifylt
fünf innere Setben auf, bie son geregten ©eelen überaus
fctymerjltd) empfunben werben, unb bie bie ©teile ber äußerlid&en
leicht vertreten:
1) Die ungemeine 33ußtrauer für bie geringen geljter, bie
fte aud) no$ ju begeben fä^ig ftnb, unb bie fte wirflid) nod)
begeben*
2) Die nie gattj auffwrenben Verfügungen in biefem Seben*
3) Sie ja^lretc^en ©ünben ber 9ttenfd)en*
4) ©er ©ifer für ©ott unb bie allenthalben t>ertc^te ©e*
red)tigfeit*
5) Der Verfdjub ber ewigen ©forte*
©lücf feiig 3ene, bie ber 2lrt Vitterfeiten ju empftnben wür*
big ftnb ! ©ol$e ©efüljle ftnb gewig Äennjeidjen einer fef>r großen
%kl>t ju ©Ott unb aucfc einer großen Zieht ©otteS ju unö.
55* 3wei Verfügungen ber ©eiftltdjem
♦ 4 ♦ „Da$ Sanb, au$ beut Vrob fam, ift an feiner
©teile burd) geuer verheert werben/' (3ob 28, 5.) „Daö
2anb, qu« bem 23rob fam" (b* £♦ baö Vrob ber £el)re) — an
fold)e$ Sanb tft ber s J5rebtger ober ber fird)tid)e Söürbenträger*
„2Ut feiner ©teile" (b* !)♦ in feinem Slmte, in feiner fo J)ol>en
SBürbe) tft er „buref) baö geuer x>er^eert/' (geuer iji bie Vegier*
liefert na# Suft ober 33ej!$t£umO
Denn Ijäuftg ift ber s prebiger x>erfu$t jur ©innenluft unb
ber Arafat *um ©eije O ü- jur 3eit beg % £&omaö)- — (£x*
wäge aber befonberö ben 2lu3brucf: t ,in feiner ©teile"* Denn e3
vergrößert gewiß nidjt wenig bie Soweit, tu einem fo erhabenen
Slmte, in einer fo l)of>en SBürbe alfo ju fünbigen*
Von biefer „©teile" fagt 3ob nac^et (34, 26/): /,SÜB t e
87
©ottlofe £at <£v f te ntebergefcfclagen am Drte ber ©e*
£enben", b* ^ am Drte beö Sid&tcS* Unb 3faia* (26, 100
fagt: /r © ottlofigf eit £at er ausgeübt am ^eiligen Drte,
unb er f o II bie £errltd()feit ©otteä nidjt feiern"
•Kun Jjat aber ber Prälat Stoff unb ©elegenbeit jttm @ei$e
wegen (einer ©nfünfte unb ber ^rebiger $ur ftnnlidjen ßujl wegen
ber ?tefce, womit bie ?eute tym na$gel)en unb anfangen a\& einem
33ater beö 93olfe& SOBtrb biefe Siebe ni$t sorftdjtig bewahrt, fo
ffnft fte leid&t in bie fmnltd&e Neigung unb julegt in ba$ gleifdj
iinab na$ bem SBorte beS 2tyoflefö (®aL 3, 30: „3m ©eifie
Ijaben fie angefangen unb tm gletfcfye geenbigt/' £)arum
ift ba$ Canb, woraus 35rob fam, t>om geuer t>erl)eert worben* 2)arum
tji audj ba$ ?anb beö Prälaten unb ^rebigerS bur^ö geuer jer*
ßört worben: weil ifjnen bie Bure^tweifung ttotlfommener Scanner
fehlte, unb weil fte bie ©timme ©otteö in ©einen ©nflöfmngen
tttd^t erfennen wollten, fo l)aben fte, aufgeblafen x>on if>rer ©eleljr*
famfeit, im ©eifte aber lau, baä Sluge be$ SSerftanbeS jwar *>on
ben ginfterniffen ber Unwiffenljeit gereinigt, ba$ Sluge iljreö SÖillenä
aber in ber ©djlade weltlicher 23egierltcJjfeit wü ©<$mu£ gelajfen*
<$ä fann audj obige ©teile au$ 3ob atlegorifdj t>on ber
©^nagoge unb bem £eibent£ume fo tterftanben werben: „£)a$
Sanb, worauf baä 33rob fam/' b* !)♦ bie ©pnagoge, t>on ber baä
25rob ber Sejire unb be$ ©efegeä fam — ift burd) geuer ju
©runbe gerietet — „in tyxem Drte,' 7 b* £♦ bteibenb in i&ren Se*
remonien unb Dpferm
56* SBeruf unb 2lu$erwä£tung*
9D?erfe bir au$ bem % Sluguftin (serm. fer. 4. post Pascha)
tfoci gif^iüge tyttxi: ben einen sor ber Sluferftefmng beS £errn,
ben anbern na$ berfelbem 33ei bem erften fagte iljm GtyriftuS :
„Duc in altam — faljre auf bie £ölje ber ©ee/' (Cuc.
5, 40 Sßirf bas 9te| in bie SEtefe beö 5D?eere$ biefer SBett —
93eim jweiten §tf4)fange, na$ ber Sluferfie^ung Gtyrijlt, würbe i£m
gefagt: „2Birf baö yit% nacij ber regten ©eite: mittite ad
dexteram ! a (3o^ 21, 60 — 33ei biefem Sw foüten nur gute
gifcfye gefangen werben*
88
23eim erften würben ofme Unterfctyieb groge unb fteine gifdje
gefangen; baö (Sfcangelmm fegt feine beftimmte 3<x% eö war eine
ungeheure SWenge*
23eim jweiten hingegen waren eS nnr grofie gifdje, bie fte
fingen, unb in genau beftimmter Slnja^I „ljunbert brei unb
fünfzig"* £)er erfte giföjug tft baä SBorbilb be$ 23erufe$ jum
©lauben, ber an 2We ergebt ofme Unterf djieb; ©roge unb Äleine,
©ute unb 33öfe Jjaben bie Berufung gemein*
£)er jweite nad) Sljrijli Sluferfte^ung bejeic^net ben gang ber
©uten unb SluSerwäljtten attetn, fie ftnb atte grofj unb in beftimm*
ter 2lnja^ f weit tljrer 2Öenige na$ ben SBorten be$ Sßeifen
fagen formen (2Bei$£* 15 f 2*)* „2Benn wir ©eine ©ebote
galten, f o werben wir bei £)ir (o Jperr) mitgejä^U fein/'
SQSetl i>on ben 2lpofleln unb if>ren Nachfolgern siele in baS
9te§ ber Äir$e eingefangen würben , bie Ui bem aßwiffenben
©ott boc$ ni#t //mit gejagt", weil o^ne 33el)arrticJ)feit waren,
barum würfen bie ©laubigen in allen Säubern auf eine unbe*
greifte SOSeife unb über bie Styl £inauS: e$ ift eben nur ber
erfte gifc&jug: man mujj ben anbern abwarten, um bie guten
gifd&e rec$t ju fennen*
57* 9Son ben geigenbäumen im Drben*
„(£tnen getgenbaum (2uc* 13, 6.) Ijatte 3emanb (ba$
Ijetfjt ber $1 33enebict, Slugujlin u* b* 210 ö epf lang t in feinem
SQßeinberge (in feinem Drben)* Unb er fam unb fu$te
grud>t auf tjjm unb fanb feine* dv fpra# aber jum
SBeingctrtner (jum Dbern, jum Slbte): ©ielje, brei 3al)re
finb e$, bafj iti) fomme unb auf biefem geigenbaume
gruc&t fud^e, unb nt$t$ ftnbe*" £)ret 3afjre bebeuten bie
brei SCugenben, in benen jieber Sieligiofe unb Örbenömann na#
feinen ©elübben gruc^t bringen mufj; fonft wirb er ausgerottet:
„hattet tyn alfo um!'' QDlatty. 21, 180 — U«& *><>$ peiflt
eS beim % SWarcuS (11, 130: //<£* fei ntdjt bie %tit ber
geigenreife gewefen;" woraus jur ©enttge £eroorge£t, baf}
ber £err ju aller 3eit t>on Orbenöteuten grüßte be$ ©eifieS er*
£eif#e. — £>arum au$, wenn bie geige gut ift, fo tfi fte bie bepe
89
gru$t, bie e$ gibt; ift fte aber migrain, bann tft fte äufjerft
fdjledjt 9?a# 3eremia$ 24 ; 3: „2Bag fte£ft Du 3eremia$?
— geigen, gute geigen, überaus gute geigen; unb
f$te$te, fe£r f$led?te, bie ntctyt ju effen finb" son einem
fo großen unb reiben £erm ♦ ♦ ♦ Unb warum fönnen fte nidjt ge*
geffen werben? £)arum, weil fte f#le#t finb* — £)er % SSater
Jluguftin fagt: ©o wie i# feine 23effern gefunben Ijabe, aU 3ene,
bie in ben Älöftern gortfcfyrttte gemalt, fo fjabe ic& feine fdjle$*
tern SWenfctyen angetroffen, ate fol#e, bie in ^töjiern ben £ugenb*
weg fcerlaffen fyahzn.
£)er geigenbaum Ijat baö Eigene, ba§ er bie gru$t *>or ben
33lättem treibt; barin ba$ 23itb geiftlidjer s DWnner, bie ©uteS, unb
jwar viel ©uteä wirfen unter ©titlfcfiweigen, — SÖorte nämlidj
ftnb Stätter, Sßünfcfce unb Verlangen ftnb 23lütl)en be$ geigen*
bäumet* — Slber Slbam unb (eine Äinber machen ft$ t>on ben
geigenblättern ©cfjürjen unb 9D?äntel (®en* 3, 7.), b* £♦ bie blo*
fjen 9taturmen[(^en in ben Älöftem taffen ft$ gerne an Sßorten
unb SBünfc&en genug fein unb bebetfen bamit ifjre geifttictye 2lr*
mutfj unb 33löjje ber ©$anbe falber ♦ ♦ ♦
Sernet alfo, meine 33rüber, unb nehmet ein 33eifpiel auä ber
@rfa£rung t>om unfruchtbaren geigenbaume, bamit in eurer ©eete
nid)t ba$ gefc^elje, wa$ il)m wiberfa^ren tft, ba§ ni$t ber tj>örtd§>te
geigenbaum, ber feine grüßte bringt, auöge^auen unb in 1 3 geuer
geworfen werbe**) (Suc* 13/ 9Äarc* IL) ^nn Sflancfye gibt e$
Ijeutjutage, 23rüber, bie wojrt ©naben unb ©aben t>on ©Ott beft^en,
aber — weit fte nid)t grudjt bringen unter ben 9tä#ften, b* £♦
weil fte son il)rer ®aU ni$t auötljeilen bur$ Sßorlefen, s ]5rebigen
ober Seljren — x>erge|)en fte atfmä^lid) unb werben bürre* £)aS
aber gefdjieljt bur$ ein gere$te$ ©eri$t ©otteg, bafji abgejiumpft
werbe ber ©inn £)e$jenigen, ber im Ueberfluffe beö innern £i$te$,
aus 9iad)täfffgfeit unb £räg£eit e$ unterlajf^n l)at, ben ©eelen
feiner SÄttbrüber tton ben grüßten beä Siebtes mitzuteilen. 2lug*
getrocfnet wirb ber 33runnen , weil fein SBaffer ft$ ni$t ergof*
*) O&ne 3wetfel fcatte $ter ber Zeitige unter feinen 3u$6rern ©ol#e,
bie ba$ golgenbe befonberS anging: ©ele^rtc unb beneficati simplices, bie
ber Ätrc&e tt>eft me$r nüfcen fönnten, al^ fte nurfli* tj>um
90
fen £at in fliegenbe 33ä$tetn jur 23efru$tung ber (£rbe ♦ ♦ «
©el?et atfo, bie iljr fo feib, ben geigenbaum an, unb fürchtet !
58. ©ott tobt ©eine 2Berfe-
3m ©^öpfungöberid&te frnßt eS bei 3ebem, wa$ ©ott ber
£err erfd&afft: „Unb ©Ott falj, bafre« gut war/' 3ule^t
*>on bem ©anjen jufammen: „©ott falj an 2lUe$, wag @r
gemalt, unb eä war SUteö fe^r gut/'
©o (agt man wn ber ©aite etneö 3nflrumente$, baß fte gut
Hinge, aber wenn ade Saiten jufammenftimmen, fo ift baö ^nftru*
ment feljr gut unb bringt bie fcpnfte Harmonie Ijeroor. — 23ei
biefer ©teile erwägt ber % Stmbroftuä einen Umjknb, ber auffat*
tenb fc^eint: warum nämtidj t>on bem 9Äenf^en adein ni$t gefagt
(ei, baß er fe£r gut ober gut wäre? — SQSarum bo# l)at ©ott
t>on bem fünften alter förderlichen ©efd&öpfe bieg t>erf$wiegen?
— ©arum oljne 3weifet, weit bie ©üte beg SWenf^en nidjt in
bem äugern 33aue, fonbern in ber ©ttttidjfeit, in ber £anb*
lungöweife befte^t. ©ott wartete auf be$ 9J?enf$en 2Berf, um tyn
ju toben — unb ba fanb er freitid) ni$t$ Sobenöwürbigeö mepr
an iljnu
59. ©er £eufet, ein Wiener ©otteS-
• ♦ ♦ ©ebet 2lcf>t, 23rüber; ©ott fttt Wityi, womit @r ©eine
©teuer jur Sau^eit, jur llnreinigfett, jur £offart u. f. w. tterfucljen
fönne, „benn ©ott ift fein S3erfud?er jum 23öfen/' (3ac.
1, 13.) ©fef? ö e S iemt ft# <* u # ttict;t für bie göttltd§>e Wajieftät
(welche bie unenbltdje 9?einljeit unb Jpeiligfeit felbfi ift). (Jbenfo
f>at auefy ein guter Snget ni$t$ bergteiefcen, um fotdje a3erfucfmn*
gen 3emanben beizubringen (yoa$ ftd§> audj für il)n ni#t gejiemen
würbe). 2Bie nun werben bie ©iener ©otteS au# barin erprobt?
— ©Ott überlädt fte bem SCeufet, gibt biefem bie (£r(aubntß, baß
er fte oerfu^e unb baju £elfe, baß ifjre SEugenben jjerrticfjer glän*
jem D ber große ©iener ©otteS, ber teufet! 2Bie x>iel ©tenjie
91
mu§ et leiften wiber SBillen unb 2lbftcf)t! ~ aOBetc^en 9higen mu§
er ben «Dienern ©otteö »erraffen ! — £>arum beigt ti im 93ud)e
3ob 40, 23: „Sßirft 2)u t&n etwa jutn ewigen ftnedjte
annehmen?" — £) wie £at ber teufet, ofjtte eö ju wollen, ben
Zeitigen gebtent, mW großen 9?u§en Jjat er i^nen gefc^affen burd>
feine atterfcöfeften 2lnfd)läge! D ©Ott, voit allmächtig bift £>u bo#,
ba £)u burd? einen (o erjböfen $nedjt fo große ©üter ju ©tanbe
bringft !
60* 33erfd)iebene ©ebanfen*
!♦ ♦>'; (££riftug nnfer Srlöfer — wofjer? wo^in? nnb toic
ift @r gefommen? — 2luö bem ©c|>oofje beä ewigen 33ater$ fam
(£r in ben ©djoof} ber Jungfrau — auö ber ©ottljeit in ba$
gfeifd) — „t>om ^öc^fien £immel ift ©ein 2lu$gang/' ($f*
18, 7.) 2lu$ jener unermeßlichen „©lorie, bie dx beim 23a*
ter Ijatte, elje bie 2Belt war" Qolj* 170, wo 3^n alte
(Sngel anbeteten, wo (£r alle Inmmlifdjen ©ewalten regierte, t>on
ba fam (£r in bie ginfferntß, in ben Äerfer ju ben Stäubern unb
an 1 $ Äreuj! „(£r £at Stiefenfprünge auf ©einem 2öege
getjjan/' ($f* 18.) SBaljrlidj, „Sr reicht *>on bem einen
(£nbe an'$ anbere mit Äraft unb orbnet bo$ SUleS mit
füßer ©elaffenljeit" (2Betel>* 80 ©te^c £ier baö eine(£nbe:
„©Ott mit ©Ott t)on (Jwtgfeit!" — ©ie£e ijier baö anbere
(£nbe: „Unb (£r ift unter bie Uebelt^äter gejault wor*
ben/' ©teige hinauf: 9ii$t$ ift £öl)er; fteige £erab: yiifyti ift
niebriger, 9ii^tö t>erä$tlt#er ♦ ♦ ♦
2* aQSte wirb jene ©djriftflelle »erftanben: „2öer gegen
ben ^eiligen ©eift fänbigt, bem wirb ti nicfjt »ergeben
werben, Weber in bief er 2Öelt nod) in ber jufünftigen"?
(«Watty* 12, 320 ©wi Erklärungen:
1) <£$ wirb mc^t »ergeben, weil ©Ott fte nic^t meljr jur
33ußejutäßt: xok fte tyn »erachtet fjaben, fo »erachtet (£r fte nun*
2) (Sine ©ünbe au$ ©d)wad)!?eit ober Unwijfenljeit wirb
immer »ergeben, b« !)♦ iji ber Vergebung wiirbig; aber bie ©ünbe
92
au$ retner Sonett ift unwürbig i>er aSerjet^ung (unb erhält
attdj feine).
3) Waä) bem % 2luguftin: ,/£>iefe ©ünbe gegen ben %
©eiji iji bie enblic^e Unbufjfertigfeit, »on ber e$ befannt ift, bajj
fte nid)t »ergeben wirb" (ni#t »ergeben werben fann)*
3. SWart^a am ©rabe be$ Sa^aruS fpricfjt: „£err, er
riecht fc^on übel" (3ok 11, 39/)
©te, bie »orfjer, ofme gefragt tyt fein, mit fo »teler 3wer*
ft$t gefprod&en Ijatte: „3$ tt>ei§, baf} ©Ott Dir 5Ule$ »er*
leiten wirb, um wa$ ©u 3Jjn bitteft" — fte wirb nun,
wo e$ barauf anfommt, wanfelmütljig im ©lauben unb faßt bei*
nalje! (£twa$ Ruberes iji namtid^ baö Sagen — unb ttwai
SlnbereS ba$ @rfa£retu 33ieleö fagen unb glauben wir (»on un*
fern SCugenben), wa& wir in ber ©elegen^eit unb Sluäübung an*
ber« ftnben.
4* 2lejjnli<$feit ber ©ünbe mit bem 2iu$fa£e:
1) £)er 3lu«(a| iji eine unheilbare ßranffjeik Slud^ ber @ün*
ber fann »on (einer ©ünbe nur genefett burdj bie 9D?a$t unb (£r*
barmung ®otte&
2) ©er 2lu«fa§ erftredt ft$ über aüe ©lieber be$ SetbeS, er
ift eine allgemeine Äranfljeit Stucfj bie ©ünbe nimmt »on ber
©eele at(e$ ©ute weg, m$ 5ftatur, ©lud unb ©nabe fyx »er*
tiefen*
3) £)er 2lu$fa$ iji eine anjiecfenbe Äranfljeit: bie ©ünbe
ebenfalls din ©ünber fann ba$ ganje £au$ »erberben ♦ ♦ ♦ ©age,
wa$ für ein grofj c8 Uebel bie böfe ©efettfdfjaft fei ♦ ♦ ♦ de pellen-
dis veneficis et meretrieibus a populo . . . „2Bif [et iljr benn
nt#t, fagt ber Slpoftel, bafj ein wenig ©efäuerte« ben
ganjen £eig »erbirbt?" (1 @or* 5, 60
5. ,,©ie teerten t£re 3«nge, Cügen ju fprecfjen,
unb bemühten fi$, gottlos &u Rubeln/' (Serem* 9, 5J
D unglüd(i$e ©$ule, wo ba$ betrieben wirb, bamit bie 9D?en*
f$en fc&laue SBenbungen, ^Betrug unb 23erleumbung lernen! 2)ie
93
2Bat)rl)ett tji etnfad^. Äeine ©$wierigfett tji barin, bie 2Bal>rljeit
ju fagen; gilt e$ aber, bie 2ßa£rljett ju entftetten, fo ift es fdjwer,
bafj Sitte« übereinflimme. (£)arum muffen e$ bie 9ttenfcf>en mit
2flü£e lernen!)
6. „©ott fiejt nic^t auf bie Werfen/' (Styg* 10.)
@in arme« SBeiblein n>trb *>or 3N bem Äaifer gleich gejiettt
£tenieben aber — wie grofj ift ber Slbfianb! %tto§ ber £ob
ma$t Sitte gleich (£ä ge£t bamit, wie in bem 9?äuberfpiele: na$*
bem ba$ ©piel beenbigt ift, fommen Sitte burdjeiuanber in benfelben
©ad: Äönig unb 23olf unb Zauber*
7. „©ebet alfo bemÄaifer, wai be$ Äatfere, unb
©Ott, xoai ©otteö ift/' (3Ratt$. 22, 210 ®« Slu^forud)
beö £errn lautet alfo: 2)iefer seitliche £rtbutgrof$en mit beä
Äaiferä SBtttnig gehört bem Äatfer, gebet fyn alfo bem $atfer.
£>a$ 9Äünjftü(J eure« £erjen$ aber, baö mit bem göttlichen Siegel
bejei^net iji, fottt il)r ©Ott geben.
8. „£)a6 9?ei$ ber Fimmel leibet ©ewalt, unb bie
©ewaltbraudjenben rauben e£ für ft$." (TOattju 11, 12.)
— ©ott will, ba§ wir t>om Staube leben (b. £♦ t>on bem, waS
tt)ir mit ©eroalt an uns bringen), mcfyt jwar *>om ©elbraube,
fonbern *>on bem Staube ber ©nabe.
9. „<£i ift gut, bag wir Jicr finb." (ÜRatty. 17, 4.)
©o fpredjen bie 93efcf)autid)ett unb wollen *>on bem 33erge t^rer
33efd?auli$feit nietyt £erunterfteigen , bie 33rüber ju regieren unb
ein tljätigeg Seben ju führen.
10* „5D?eine Äinblein, biefj fdjreibe ity eu$, ba*
mit i^r nic^t fünbiget" (1 3o£. 2.); — nämlicfc ba§ SlJrifluS
in bie 2Belt gefommen fei, gelitten £abe unb für bie ©ünber ge*
jiorben fei — „Ijat aber 3emanb fc^on gefünbigt, fo lja*
ben wir einen gürfpredjer beim SSater, 3efum S^ri-
ftum ben ©eree^ten. Unb er ifi bie ©enugt^uung für
unfere ©ünben unb für bie ber ganjen 2öelt/' — 2113
94
wollte er fagen: 2Benn t$r fielet f fo fdjrecfe eu$ btefj oon ber
©ünbe ab; (eib il)r aber gefallen, fo &elfe eu# eben btefe 2Ba£r*
^ett, t)on ber ©ünbe wieber aufjufteljen.
11. „Unb wer auf btefen ©teilt fällt (auf S&rtfhun),
ber wirb jerbredjen; auf wen er aber fällt, beu wirb
er erbrücfen." (ÜWatty. 21, 24.) 2Ber auf ben Stein fällt
— bur$ Unglauben — wirb brechen; auf wen er fällt — im
©ertöte — ben wirb er erbrücfen.
12. 2Ba£ bie ©ünber tfmn muffen ttad) bem SBeifpiel be$
fananäifcben SBeibeS. (Wlatfy. 15.)
1) ©ollen fte *>on t^ren ©renken auägefjen, inbem fte
bie ©ünbe unb bie ©elegenfjeiten jur ©iinbe tterlaffen.
2) $?üffen fte bie $lage beä £eufel$ erfennen unb in
unaufhörlichen Sitten bie göttliche 33armf>erjigfeit anrufen.
3) ©oüten fte $>iellei$t feine (Störung ftnben, fo mögen fte
1) eil ige ©eelenangefjen, bamit biefe gürbitte für fte einlegen.
4) SQSenn fte au# fo noct) nid^t erhört werben, fo muffen fte
tto# nad)brücflid)er bitten unb rufen, unb fo fortfahren,
olwe je bie Hoffnung ju verlieren , hii fte baä enblid) erlangen,
um wa$ fte bitten.
13* „3$ falj unb Ijörte bie Stimme eine£ SlblerS,
ber mitten bur$ ben £immet flog unb mit ftarfem £one
rief: 2öel?e, webe, webe über bie 93ewoljtter *> er @*be!"
(£)ffb. 8.) SBebe ben 33ewofmern ber @rbe , b. b. ben irbifcb ge*
ftnnten unb weltlichen 5D?enf$en, bie ben ©elüjten unb SBergnügun*
gen biefer SBelt nachgeben. 2Be£e i£nen im Seben! 2Be£e ijjnen
im £obe! 28e£e na$ bem £obe! 9ttü£fam wirb tyv Seben fein,
£erbe tpr £ob, unb na$ biefem folgt bie ewige SSerbammnif.
(Darum breifa$e$ 2Be£e über fte!)
SBon kr SBiBcl Bei kn gdjrtftgeleljrtett kr ncucftcn $tit
Nisi eificiamini sicut parvuli, non intra-
bitis in regnum coelorum.
(Matth. 18, 3J.
5D?an$er Sefer benft t>ietteic^t beim Xitel btefeö Slbfc^nüteö an
eine „Steeenfton" ber neueften 23tbelwerfe, wobei Sitte etwaä be*
fommen würben, Äritif nnt> Zabel ober Sob unb Smpfeljlung.
SBeibeS lag unb liegt meiner l)auptfä$licf) nad? (Srbauung jielenben
2lbjt#t gleich ferne. 2)ie fleine Slunbfdjau lägt bie genannten wie
bie umgenannten, bie tobten wie bie lebenben ©eletyrten einfach
auf ber Sfjrenftufe, wo£in SSerbienft unb SBürbe fte erhoben £aben
bei ben 3D?enfdjen unb lex ©Ott 2Q5enn i$ mir felbfl in biefem
33u#e fein wiffenfdjaftli$e$ 3iel gefegt £abe, fo festen ei mir bo#
ratsam, *>on competenten Scannern aU (£rgebmfj ber SQBiffenfc^aft
baöjienige auefpredjen ju laffen , rca$ \§ lange 3^it btofi t atyolifö
gefüllt ^atte* ©aju genügten mir für meinen 3wecf bie wenigen
gelehrten 93üdjer, bie gerabe jur £anb waren, um fo me£r, ba fte
als Dotljlänbig berechtigt bei ber grage erfannt würben. £)af} id) aber
babei nt$t f$lec$terbingg SllteS annahm unb bewunberte, lag
mdjt an mir, wie ber Cefer an ben betreffenden ©teilen ftd> über*
jeugen wirb. £)er 3n^alt ber 23ibet ift ©otteewort unb 2Wen*
fdjenwort jugleidj. Sie Htten x>erflanben ftc& beffer auf ba$
©otteöwort, fte Ratten ein größeres unb freieres 303erf im ©lau*
96
Ben, fte trieben me£r 9?eal * (Eregefe jur reltgiöfen Belebung unb
ftttlic^en Anregung; bie feuern verfud&en iljre SJfetfterfd&aft mejjr
in bem 9J?enf$enwort, fte ftnb bef#alb befd)ränfter bei tyren gläu*
feigen Slnnaljmen, tl)re (£regefe ift meljr SBorterftärung nadj ber
©rammatif unb ben ©pra^regeln biefer SBelt* Sarin £aben alte
23erf$iebenl)eitett in ben eregetifc^en £l)eorien tljren ©runb, na*
menttidj bie Spefen ber feuern über ben sensus Scripturae
unicus unb über ben „(£inen Sßortftnn 7 ' f welche ben Snljalt ber
@d)rift offenbar meljr aU 9ttenf$enwort itfö Sluge faffen*
beginnen wir nun ber Einfalt ju tieb unfere Keine 9?unb*
fdjau mit bem alten münjterlänbifdjen granjtefanerpater g* $5ro$*
per Ärefenberg, Sector ber % Schrift, ber im 3a^re 1805 eine
Ueberfegung unb furje ©rflärung ber ^falrnen x>eröffentttd^te* 3m
23orberid?t beö 33u$eö fagt er unter Slnberm:
„©er jjebräifc^e ©runbtert allein machet bie ©ad)e (wegen
ber ©d&wierigfeiten) nidjt auS * * ♦ Sie Urfunben ftnb nicf?t mel)r,
unb ti ift feine ^ebräifc^e 33ibel ju ftnben ; bie über 800 3a£re
alt ift, ja eö ftnb feljr wenige, bie über 500 ober Ijöd&jlenS 600
3atjre £inau$reid)ett* Sie je^igen ftnb atfo nur Slbfcfmften ber
verlorenen* 25er £ebräif$e ©runbtert, wie ©ad&verftänbige wiffen,
fann auf . verriebene 2lrt gelefen werben; benn bie Hebräer Ijaben
nur 1022 ©runbwörter, worauf alle übrigen Söörter, bie von fe£r
verriebener 33ebeutung ftnb, hergeleitet werben. £)arum "tber*
nahmen e$ etliche ttbertenftfct)e 3uben im 3afjre na<# ber 3etflö*
rung be$ ^weiten £empel$ 436, ba$ ift in bem $riftlic$en ßtifc
alter 506 , bie Seöart beg Sexteö burdj beigefügte fünfte ober
Seiten ju beftimmen, mc (£tia$ Sevita, ber gelehrte jie jübif^e
©rammatif er im anfange beä 16* 3al)rl)unbert$, in feinem 3* 33ud)e
SWafforetlj £ammafforetl) mit SSielem beweist* dx beruft
ftd) auf ben 3uben Slben @jra, ber im 12* 3a£rfmnbert lebte, unb
ben bie 3uben ifjren Sßeifen nannten* Stefer will fogar bie
tiberienftfdjen punftirten 33üdjer gefe^en Ijaben, wie er beim 2*
93u$e üflof* 25, 3 bejeuget* Sem 3uben (£lia$ pflichten, nebft
ben meiften Äatpolifen, aud) Sutljer in ber SSorrebe jum ^Jenta*
teudjuS, unb Calvin über ben Safyaxiat Ä* 11, 7 Uu $lan
lefe unfern P. Sßil^elm ©mit« in feiner fe£r bünbigen SSorr^e
über bie ^falmen* Unb im § 7 fciljrt er fort: „hieraus folgt
97
(unb angenommen, baf) er im SQSef enttt^en Stecht Ijat, fo folgt
ti audlj in ber Ztyat), bafj man ftd& auf ben Jjebräifd&en ©runb*
tert je^tger 3eit nur in fo weit tterlajfen Bnne, aU felbiger mit
ber lateinifd&en SBuIgata unb mit ber griecfufcljen Ueberfe^ung ber
ftebenjig 2)olmetf$er, woraug jene genommen ifi, übereinfttmmt
Denn m$ bie griecfyifd&e Ueberfe^ung ber ftebenjig «Dolmetfc^er be*
trifft, fo l)aben biefe alten ©eleljrten baS $falmenbu$ fd^on beinahe
200 3af)re wx Gtyrifli ©eburt, waf>rf$eMt$ W t)en 3eiten be$
ägppttf^en ÄöntgS ^tolemäuS (SuergeteS IL, au* bem £ebräifd()en
in ba6 @rie$if$e überfe^t Die Debräifd&e ©prad&e war
iljnen alf o befannter* ©ie wußten genauer bie Äraft
unb bie Sebeutung ber SBörter* £)er £ert war reiner
*>on gestern* ©ie lebten ju einer 3t\t f wo il)nen ba$
SÖort ©otteS, wie ^auluS fagt (Wim. 3, 2*), no# an*>er*
traut war* ©elbft ber £eilanb beruft fid& oft auf fie *)♦
3Äan fann jwar nid&t läugnen, baf fid& au<# in biefe Ueberfegung
nac$gel)enb$ geljler eingefd&lid&en £aben; bieg bemerfen unter Sin-
bem ^ieronpmuS unb Slugujün mit 33ejug auf bie 3a£re ber tya*
triar^en, bie t>or ber ©tinbflutl; lebten* 3ene geiler ftnb aber burc^
£ef9dHu$, ben SJJartyrer Sucian unb DrigeneS tterbejfert,
xoit ^rieronymuä bejeugt £)iefer Ueberfe^ung iji bemnad^ gewiß
me|jr, aU aßen jungem ju trauen ♦ ♦ ♦ § 8. 2lug biefer uralten
gried^fd&en Ueberfe^ung ift baS tateintfd)*römifd!je ^falmen*
bu$ unmittelbar gefloffen, weites *>or allen anbern lateinifc&en
benüSorjug £at, baf eS ftc&, toic Sluguftin 1. 2. de doctr. Christ.
c. 15 fagt, genauer an bie Sßorte IjäU unb fid^ beutltdf)
auSbrüdet <&i erfcjjien fd^on in ben apoftolifd&en Seiten; fein
graueö Sitter lägt und nicijt einmal ben Urheber erraten* Wart
nennt eö versio itala, bie üalienifc^e Ueberfegung , t>ermutl)lid[),
weil ti befonberS in Italien gebraucht würbe* 2Birflid& betete bie
römifdje ^ird^e Petö bie *pfalmen barauä, U$ enblid) tyatft gjfo* V.
felbigeS nur bem SJatican ju 3tom, ber $ir$e be$ % Sttarcuä $u
SBenebig unb ber maitänbifd^en gemattete, mit bem 33efel>le, baf
*) £)♦ h wenn bie Sttanöeliften SBorte be$ §errn anführen, in fcenen
(Sr^fid) auf bie ©Triften be$ alten SunbeS beruft, fo t&un fte biep na#
bem ^exte ber LXX.
Wermut» Qtp^orißmen. 7
98
alte übrigen firmen ft$ ber 2?ulgata bebienen folftem § 9. £>ie
tateinifcjje fog+ SButgata tft nt^tö anbereg, aU ba$ obbemelbete
(§ 7)/ aber *>om IjL ^ieronpmuS fcerbefferte römifdbe ^fatmenbuc^ *J
— SDiefe bur$ fo fctele ^a^unberte serjcUjrte 33ulgata £at ber
$ircJ>enrat£ SU SErient sess. 4. als aut^entif ^ erflart* ©eibige
tft jwar, wie alle anbern, wn f leinen gestern ni$t frei; boc^ ftnb
biefe ni$t erbebtic^ unb fcfjaben weber ben ©itten, no$ bem ©lau*
ben* 2luö biefen ©rünben ljieft i$ micf), wa$ bie x Ueberfetjung
betrifft, an bie SSulgata/'
£)iefer 9D?amt^ rebet getx>t§ redjt wrftänbtg , unb für ben
practifcfyen ©ebraucfy pätte man au$ £eute no$ genug mit fei*
ner 2öiffenf#aft in 33e$ug auf 23ibelgefd?id)te unb Urtert «Damit
folt freiließ ber Slrbeit felbft, ber Ueberfegung unb (Srflarung, bie
er für Tonnen benimmt f)at, ntc^t me£r SÖertl? beigelegt werben,
als fte £at unb £aben fann*
2.
3wanjtg 3atjre fyäter erfc^teuen ju fünfter bie % ©Triften
beö neuen £eftamente$ , überfegt unb erflärt von Äiftemafer; eine
eregetifc^e Arbeit, in ber (Sinfalt unb Salbung mit tf>eologifc()er £iefe
wetteifernb, unb *>on ber man *>ietfeic$t fagen bürfte, ba£ fte meljr
Kluften geftiftet l)at jur 2Öecfung unb -Wahrung fird)fi$en ©inneS
unb ©tubtumö, fowte jum £eit ber ©eelen überhaupt, afö alte
Kommentare, bie feiger gebrudt werben* 2)ie§ wol>l barum, weil
ber t>erel)rte Sttann tton feinem ftreng fatljolifdjen ©tanbpunfte auä
für Slnge^örige ber Äir$e fd)retbt unb bie abtrünnigen meJjr tl)re
Söege gel)en lägt. Dbf$on er wo£l wugte **), baß ti au$ nad)
bem SErienter 2)ecret nod) erlaubt fei, fyxafylityc geiler in ber
Sßulgata „in unwefentti^en unb geringfügigen ©tücfen" bei ber
©regefe aufjubeefen unb ju wrbeffern, fo war baö bod; nid)t feine
*) eioentlt^ : SBibelexemptar ; ^fatmenbuefc in fofern, aU e$ ft# tn
btefem $orberi#t beö granciScanerS nur um bie ^falmen Danbein foft, bte
er erflart.
**) ©einer pfutoTogif^en Senntntffe wegen Qab man i&m ben Sei-
»amen „®ra$mu$ ber ßwitt". <£x flarb ben 2- 2»arä 1834, 80 Sa^re alt.
99
Ciebfjabereu ©eine tüchtige ©eftnnung hierüber fyrid)t er im 23or*
wort jum erften 33anbe unb tu ben fpecietlen Einleitungen in bte
einzelnen Eoangelien flar unb bünbig auS: „£)ie Ueberfe^ung be*
folgt, gemäß ber SBerorbnung ber Äircfyenoerfammlung ju grient,
ben £ert ber lateinifdjen 33ulgata, t>on beffen 2le$t£eit wir nid)t
fowoljl unb nt^t blog burcf) gelehrte, funftricfrterlidje gorfcbungen,
fonbern ttielmeljr burcty pokere 23eglaubigungggrünbe überzeugt ftnb:
burd) beffen fir^lidjen ©ebraud) feit ben erften 3aJjrfmnberten un*
ferer Religion, alfo burd) baS vollgültige 2lnfe£en ber
Äird)e, welcher tyx ©itfter, 3efuS ber £err, t>er^eigen £at, bei
tf)r ju fein big an'S Enbe ber 3eiten* 2öo eine 23erfd)iebenf>eit
*>on irgenb einem 33elange jwifdjen biefem unb bem grte*
d)tf$en, l?anbfd)riftti#en ober gebrückten SCerte ftd) ftnbet, ift biefe
in ben Slnmerfungen forgfättig angegeben* 2lu$ biefer Angabe
wirb man erfeljen, ni$t allein, ba£ fotdje 23erfd)ieben*
Reiten unerheblich finb, fonbern aud), bafj bie SeSarten
ber 23utgata juweilen angemeffener unb bewährter
finb, als bie beS £erfömmlid)en gried)tfd)en £erte&
Um befto weniger fottten nun (yoic heutiges SEageS) Einige unferer
Äird)e bamit gro£tl)mt wollen, baf} man fagt: bie Ueberfegung fei
nad) ber griec^ifc^en Urfd)rift gemalt worben/'
„Sie Srflärungen ftnb gröf tentf)eit$ , unb, wo eg ©laubenS*
leljre gilt, allemal genommen aus ben ©Triften ber Äird)en*
ttäter;** wobei jebodf) bie arbeiten anberer ©d)riftforfcber nic^t
unbenugt geblieben ftnb* 3ene erftem aber, wie id) bei tneljicifjriger
33efanntfd)aft mit 33eiben tferftd)ern fann, bringen tiefer in
ben ©eift ber $L ©Triften ein, legen ifjren göttlichen
©eljalt bar lauterer, erbaulicher, Derjergreifenber*
SBaS ftd) in mannen Sßerfen ber teueren befonberS ausgeben
unb ju benu^en finbet, ftnb gelehrte §orfd)ungen über gefd}i$tltd)e
unb erbfunbige ©egenßanbe, über jiübifd)e ©itten unb ©ebräuebe,
über ben 2Bertlj unb bie @ntße!)ung abweic^enber SeSarten, über
ljebraiftrenbe Sßorttterbinbungen unb 23ebeutungen unb bergletd)en
£ier unwefentlicf)e 9?ebenbinge ♦ . ♦ 2lbweid)enbe Erftärungen
ftnb feiten aufgeführt, no$ weniger irrlelmge Behauptungen unb
Säftermeinungem 3ene $erf<|)winben gegen bie nape ftd) bem £exte
anfd)lie£ienben unb begrünbeten @rf (ärungen ; unb \va$ Säfterworte
7*
100
angebt, fo tfi es bem Triften erfpriegttc^er , bergleid&en nid&t ge*
gehört ju paben* 233o fote^eö etwa beforgt wirb, festen ei genug,
fte mit wenigen Sorten abjuwetfen ober ifwen ttorjubeugen/' ©o
weit ber waefere Äiftemafer*
Me$, toai er aU „bergteicfyen unwefentlic^e 9tebenbinge" be*
jcic^net, fott t^rt ni#t aufhatten , weil er weiß , bafj ei für .bie
Äinber ber $ird)e ol)ne Saugen unb meift obne ^nterejfe ift SQSitt
man *>ieKei#t einwenben, ben ^roteftanten ju 9tu§ unb £eit muffe
£eute tiefer unb ernfter barauf eingegangen werben, fo frage icfj,
ob unb xoie viel ^rotepanten ft$ in gofge ber neueren fritifcf)*
p£Üologif#en Sregefe ber Ätr#e genähert Ijaben? £>te @efd)i$te,
bie lebenbtg aufgefaßte $bee ber Äir#e, ba6 Ceben eines Zeitigen k.
führen mit ber ©nabe ©otteä x>tele Jtütftritte gerbet, au# ba$
tiefere @inge£en auf bie fcripturiftif$en arbeiten eineä £L $tr*
#en*>ater3 — aber *>on unferer heutigen SWet^obe £ört man
bergleidjen ni$t, fte tfi unfruchtbar* *)
3.
SDer ftreng fird&lidje granetecanerpater unb ber gefeljrte $ro*
fejfor *>on SMnjter galten beibe überaus viel von unferer feigen
SMgata, au# abgefeljen von bem £rtenter £5eerete unb son bem
Verbote $apft Siemens VIII. (1592), weld&eg aßen ferneren Sor*
reeturen unb 93eränberungen beä iateinifd;en Xextei ein Siel ge*
3n Dr. ©erljauferS £ermeneutif, herausgegeben *>on bejfen
©ctyüfer 21(09$ SerdjenmüUer (Kempten, 1829), weljt offenbar eine
freiere Cuft* 2Baö bort von ^ieron^muä gefagt wirb, „er burfte
bei ber 9fce*>tjton unb SSerbefferung nid)t mit ber gangen- fritifd&en
Strenge »erfahren," ba$ fagen £eute jüngere ©eleljrte audj von
ben erftaunlictyen 33emül)ungen , welche bem Sonett gemäß bie
*) Sin fe&r nüchterner 9J?ann, ber fonfi fetten prop^ejett, meinte: um
ba$ 3afjr ber c$rifHi<$en 3ettrec$nung 2000 tt>ürbe man in ber ®ef$i$te
unter anbern auef) btefen @a$ gebrudt lefen lönnen: „2ln ber 3Re(rga(I
ber töiMo$tfti)tn Stxitihv be$ 18. unb 19. 3aj)r$unbert$ §aitt bie ßir$e
m$t n?e$r unb ni$t$ 33effere$, aU an ben fmmamften be$ fe^^e^nten.
101
Äir$e *>on tyiut IV. Uä auf SlemenS VIII. *) angewenbet fyat r
um eine 2luSgabe quam emendatissima ber 93utgata ju bewerfe
fälligen; tt)aö alfo bort, baSfelbe bürfte aud) fcier bie ©$luß folgen
rung fein: „bajjer fann e$ bei ber gelehrten ober wiffenf#aftli$en
@#riftau6legung tttc^t geboten fein, bei ber SSuIgata allein fielen
ju bleiben, fonbern man barf unb muß wo£l aud) ben ©runbtert
felbjl ju 9?atl)e jieljen/' %n biefer freieren Stiftung ftnbet man
Ui genanntem Sluctor § 63 eine bünbig abgefaßte 25e^anblung bes
„berühmten" SErtenter ÜDecreteö, nämtid& über I. 33eranlaffung,
IL Sn^alt, III. ©inn, IV. SKe^tmäßigfett beSfelben. Die legtere
wirb gejeigt 1) babur$, baß bie Sßulgata im 2öefentli$en treu
fei, bie etwa fcorfommenbeu geiler ftd? nur auf 9lebenbinge be*
äteljen, feine ©laubeng* unb Sittenlehre unb aucf> feinen ge*
fcJM$tli$eu ipaupttljeil betreffen; 2) burd; bieSBorjüge ber
Sulgata: 2Börtlid?fett , ©ewiffenljaftigfeit unb ßljarafter beg 33er*
fafferS ($1 .Spieronpmug), langen ©ebraudj, 33efenntniß ber befferu
^roteftanten* ©a$ 2llle3 erörtert Dr. ©erljaufer mit ebenfosnel
Äürje aU Äfarljeit, fo baß i$ für meinen ££eil befennen muß,
niemals etwas 33effere$ barüber gelefen ju Ijabem dx fließt bie
Slbljanblung mit einer ©c^lußbemerfung: „baß ber 23ef$luß be$
Äir^enratftö tton Orient feinen bogmatifc^en, fonbern nur einen
biSeiplinarifc^en ©inn Ijabe* 2Ber basier bie 2lut£entie ber
SSulgata läugne , ober fte s>era$te ober verwerfe , ber werbe
jwar bie Unwal?r!)eit fpred)en unb bie ber Äir$e unb i£ren
Slnorbnungen gebüjjrenbe Sichtung verlegen, aber einen Jpäre*
tifer fönne man tyn bo$ no$ ni#t nennen, audf> nidpt bie ©träfe
ber £ärefte, nämlic$ bie (Sceommunication , über tyn »errängen,
weil baä SBefen ber Äegerei burdj bie Cäugnung einer von ber
Äir$e entfc^tebenen @lauben$le£re bebingt werbe **)♦.♦ aucfc \t$t
*) Dr. ©cfcola, (Sinlettung in'$ alte unb neue fcefiament, Äoln 1845,
33b. I. ©. 539 — 545 gibt eine Ueberftc&t biefer Semü&ungen. 3lu# Dr.
SReii&mapr, gtnl. in bie canontföen 33ü#er be$ nfuen 23unbe$, Stegenäburg,
3Kanj, 1852. § 43.
**) Sin ©olefcer müßte ft# aber fönett belehren; benn bie 9toi$tt>enbigfett
be$ @e$orfam$ gegen bie ßircfce, au# in ©teciplinar-SJorfc&riften, fft bogma*
tifefce Se&re: Si Ecclesiam non audierit etc. $at auti) auf $)i$ctylinargefe$e
feine Slnwenbung. — 2öie würbe $. ©♦ ein ®ol#er ft# au$ bem Dilemma
102
wä) fönne eine correctere unb belfere tateinif$e SSerfton öerfagt
unb bereu ©ebraudj t>on ber $ird)e angeorbnet werben, weit nur
©faubenäleljren unt>eränberti$ ftnb, £)i$ciplinar*3>erete aber na$
33erf$iebenlmt ber 3ett unb ber Sebürfnijfe ber SBeränberung un*
tertiegen/' — 93iö alfo bie % Äirdfje e$ angemejfen ftnbet, eine
derartige 23eränberung *>or$une£men, ifi ber Äatfjolif gebunben, bei
öffentlichen 3Sorlefungen, OtSputattonen unb (£rfta*
rungen fufc ber 33utgata ju bebieneiu £>er @ebrau$ be6 £ebräi*
feiert unb griecfnfdjen ©runbterteS tfrtb alter orientatif^er 93erfto*
neu tfl für bie ©tubirftube ber ©ehrten burefj ba$ £rienter
beeret nic^t »erboten.
SBaö berede \6) hiermit? ©er^aufer ju toben uub tym bei*
jupflidjten? 3a, aber tange ni#t in atten Singen. 2Ba6 er $♦ 33.
tton bem ©inen bu$ftäbtt$en Sinne, »on ber nur ©inen
wahren S3ebeutung fagt, ftreitet wiber meine Stuftet unb mein
spatfa&tcitu'ä befreien? „Cum apertis verbis declaret Synodus a se hanc
caeteris anteponi et inter omnes unicam a se suseipi tanquam legiti-
mara, vel ipsa (Tulgata) omnium optima est, vel impru-
denter egit Ecclesia in rei tanti ponderis electione, quod
affirmare impium foret." (L. VI. c. 17. § 9.) ®ie neuefiett ©ehrten
Joinbiciren bem £rienter SSef^Xuffe au# feinen werngflenä $um %\)t\l bog*
matifc&en Sfjarafter, nue ^rofeffor £Reuf^ in 33onm (Sanofi!- 1860. ©♦
6690 Sßte bann aber bie SSorauäfefcung ©er$aufer$ -— bie Slixfyt fonne
eine beffere lateintfc&e SSerfton fceranftalten, fte für aut&enttf$ erHaren unb
t&ren @ebrau$ oorfdjretben — überhaupt noefc flatt&aft fei, ba$ n^eip t#
ni#t e&er, bte fte e$ fyut £)ie 3umut&ung an feie $tr$e: fte möge einer
menfd)li$en SBortgrübelei &u lieb i^ren eigenen (£onciliaI=33ef$lup, ba$ t$etl*
wetfe bogmatifc&e £rtenter Oecrei, aufgeben, unb nunmehr eine flafftfö
füttftrie 23ibel an bie ©teile ber altetyrwürbtgen SSuIgata fegen: biefe 3« s
mutljung wäre jebenfattä unftattljaft, weil beletbtgenb für bie Äircfce. 2luc$
glaube t# ni$t, ba§ t&re getreueren ßtnber, felbft tt>enn fte no# fo gut &e-
bräif$ unb grie$if# fcerfte&en, jemals ein fote^eö Verlangen an bie $ir$e
bellen werben. (Sä läge barin, na# meiner @inft#t, nur ein für bie ^eilige
Butter betrübenbeä 3eugnip tton bem gortfcfcrttte be$ menfc^li^en Vernunft*
f}olje$ unb son ber ganzen Verarmung im ©lauben bei tyren eigenen
Ktnbern* ©lauben unb ©itten — ©oit xoti% e$ — werben äße £age
f$le$ter; aber tröften wir un$, benn mit ber Sibet ge$t e$ bo$ nun atfe
Sage ptytlologtfcty beffer! Ecce, saneta Mater Ecclesia, qualis et quanta
consolatio! — 5lber icfc i)erfJe&e bein ©Zweigen; e^ $zi$t foüiel aU: ha-
beant sibi.
103
©efü£l* Die ^luralitcit beg ©inneS unb bet SSebeutung unb ber
Slnwenbbatfeit ber 2lusfprüd)e beS % ©eifieä in ber ©d;rift ift ber
Seljre unb ^3raxiö beS % Stomas *) unb ber meiften Äirc&en*
ttäter gemäß unb fatm m$t fo furjweg eine „eitle (ÜErfi'nbung jü*
bif$er 9iabbinen" genannt werben, 2lud^ bag ttrtfjeil über ben
allegorifdjjen ©ebrauc|> ber ©cf>rtft ift wegen feiner (£rclufu>ität
unrichtig unb f$lägt unter bem tarnen „*Pater (!) Sttafftlfon"
unb ein „anbercr ©ctyriftfietler" bem % Sluguftin unb mehreren
großen unb gelehrten ^eiligen aus alter unb neuer 3eit gerabe
in 1 * ©eftdjt* Die Slnmerfung {%% IL ©♦ 12) milbert baö ©e*
fagte, opne ti aufgeben* £)ie alten Sßäter ber Äircfje unb bie
Jpeiligen aller 3eiten U$ auf unfere Sage waren im ©ebraudje
ber £!♦ ©Triften fe£r weitljerjtg, aber niemals Ijaben fte ft$ etwag
in i^ren ©Triften unb Vorträgen erlaubt, wag man mit bem
tarnen „alfegorifcl?e 2Bi§elei" bejeicfjnen bürfte* 9Äag alfo ber
feiige ^räfeS *>on Dillingen all 1 fein 2ebtag tin ebenfo braver als
gelehrter s Äann gewefen fein, hierin ift er nic^t unbebenflidj na#*
jualnnen, am alterwenigften x>on einem ^riefter, beffen Sefen unb
©tubiren in ber % ©#rift einen practifd)en Sftu^en für feine
unb beS 9?ebenmenfd)en Heiligung einbringen foll*
4.
$rofejfor 9#acf (Kommentar über bie ^afloralbriefe beS %
Paulus , Tübingen 1841, 2, Stuft*) fagt; „Wan wirb eg biefem
Kommentar anfeljen, ba§ fein Sßerfajfer ber fatjjoltfd&en Äircfye an*
gehört unb axxtf) in feinen wiffenf$aftli$en 25ejirebungen ben
©tanbpunft nid&t neben ober über, fonbern in berfelbeu nimmt/'
— Dag ift au$ tu ber ££at waljr, voic bie competenteften Urteile
barüber ft$ au$gefpro$en, unb wie 3eber ftcf> leidet überzeugen famu
*) Stomas nennt e$ eine gfgen|>ett, bte jur Bürbe ber Dt- ©d)rift ge-
höre, bafi fte namlt$ unter einer unb berfelbeu ffiortbtfbung einen me&r-
fachen ©tnn befd)ltege, ber, wenn au$ ntct)t fcom ©ctyriftfieUer, bann bo#
genug som $1. ©elfte @oite$ ollemal intenbirt fei. gr »erlangt nur, ba§
ba$ alfo in ber ©c&rift ©efunbene fatyoliW wa£r fei, o$ne bem Sud)jlaben
eine offenbare ©ewatt anjut&un*
104
— //3# fann mi<$ ni#t überreben, fäprt er fort, bafi ©leidjgültig*
fett gegen bie ©runblagen, ©eföidjte unb ^nftitutionen ber Äir$e
baö SSerftänbntf ber £!♦ ©#rift förbern fönne ober je geförbert
fycibc, unb fepe ni$t, ba£ id> bur$ meine £o$fc()ä$ung berfelben
ge^inbert worben wäre, na$ richtiger SWetljobe ju verfahren* 3^
bem würbe iü) mir unbanfbar »orfommen, wollte i$ ber Äirdje
ni#t bie (£l)re geben son fo manchen Sluffdjlüffen, bie t# nur
aus tyr über ba$ % SBort erhalten Ijabe/' — 2llle3 nfyt f#ön
unb brat), nur ju befdjeiben unb faft fleinlaut, benn waö uns jur
@£re gereift, bebarf mcf)t fo vieler (£ntfc|mtbigung* — 33or£er
fdjon l>ei£t eö: „33ej biefem Vorhaben mufj te i$ bie Auslegung
an ben grie#if#en Urtext binben ♦ ♦ ♦ (Söarum benn müjfen?)
£>ie latetntfcfye Äir$enüberfe£ung wollte ify tl)eil6 wegen i£re$
anerfannten fritif^en SÖerttjeö, fyti\$ wegen ifjreä 2lnfe£enö unb
©ebrau^eä in ber $ir$e nicf)t fehlen laffen/' £>a$ flingt mir in
meinem einfältigen ©inne faft biplomatif^ ^öflic^, pace sua di-
xerim; bie Siebeweife ber beiben 3ftünfterlänber jie^e ictj t>or, nic$t
weil fte untyöftidj iji, fonbem weil fte weniger S^ürffic^t barauf
nimmt r ob unter ben 3u£örem unb £efem 3emanb fei , ber e$
vielleicht mißliebig aufnehmen fönnte* 3ebo$ wäre ti £öd?ft un*
recfjt, wenn man fjeute, nad? fünfunbjwanjig Sauren unb unter ganj
anbern 33er£ä(tniffen ber $ir$e in SBürtemberg, bie bebrücfte 3*ü
»ergeffen wollte, in ber ein fo ehrenhafter 9Äann wegen ber ©e*
recfjtigfeit unb ans %kU unb ©eljorfam gegen bie $ir#e bie
£erabfe£ung unb Verfolgung ber SBelt leiben mufjte* „Quod in
aure auditis, praedicate super tecta," fagte fcfyon ber #eilanb
©einen 3üngenu di Ijat aber oft 3eüen gegeben, wo ein unbe*
fcfcetbeneä „*Prebigen von ben £)ä#ern" ber guten ©a$e ber Äirdje
unb beS (£oangeiium$ meljr ©$aben att klugen gebraut ljätte*
Damit fo.ll gefagt fein , baß wir au$ ben SBorten beö £errn Dr.
SRad, wie au* jenen be$ fei. «lec (©♦ 127) bur$au* fei*
nen für feine $erfon ungebührlichen ©cljluff jie^en fönnen* 33et
beiben Grljrenmännern fann man jwifc^en ben 3ctfen bag ©eftänb*
nij} beö £errn lefen: Äinber, ity fyabt eu$ no$ SSieleö ju fagen,
aber i£r fönnt e$ no$ nid)t tragen, US tyv burc^ ben % ©eift
baju vorbereitet feib. — ©e£r fräftig unb fd^ön rebet >
105
5.
Dr. ditifymayXf $rof* in SWün^en (Sommentar jum SRömer*
briefe, 1845, 93orrebe)* Er fagt: „@$ ift fatbolifcfcer ©runbfag,
älter als alle gefdjrtebenen Eommentarien , baß ba$ SBerftänbniß
unb bie Erpofttion ber l)L ©Triften ju erlernen fei x>on ben Selj-
rem ber Äircfje unb anzueignen auf bem 2Öege ber Ueberlieferung
ber $1. SBäter* SBBaö 3)?änner, welche bte Äirctye unter bem Jjefnren
Flamen 23äter *)ere£rt, mit ben mannigfaltigen ©aben be$ ©ei*
fteä auägefiattet, in ben »erfd&iebenften Seiten unb £)rten, bur$
tiefe« §orfd)eu in biefen £1. ©Triften ergrünbet £aben , ba$ fennen
ju lernen unb ju wiffen, forbert f$on ba$ 3nterefje ber SBiffen*
föaft $ür ben fatljolifcfjen Geologen, ber ftd) auf feinem 23oben
£eimifc|> tx>ei^ unb füfjlt, ftnb i£re Stiftungen jubem ber äc^te ©tanb*
punft alfer ©c^rifterflärung* ®o liegt e$ im %et>?n unb in ber
SErabitton ber Äirc^e, 3$ meinerfeitö befenne midj ni$t allein
freubtgß ju biefem ©runbgefe^e, fonbem barf überbieg mit innere
fter 25efriebigung jnnjufe^en, baß ity ni$t$ von altem bem,
wai bie moberne, Ijeterobore Eregefe, unläugbar nid)t ofme 2ln*
ftrengung unb »tele« 3rren, £in unb lieber ©ute« ju Sage ge*
förbert, unb beffen fte ft$ alö eine* neuen gunbeS rühmen möchte,
bei jenen eljrwürbigen Duellen vermißt, nichts, xcai icf> ni$t Ui
einem ber SSäter ober älteren Eregeten, nur geiftreicOer unb grünb*
li$er, vorgebracht unb entwicfelt angetroffen Ijätte" ♦ ♦ ♦ Unb fo
lobt biefer wa£r£aft fatljolifctye ©eleJjrte bie % 33äter, citirt einen
2luöfpru# be« % Slmbroftu«: „Noli discere Scripturam ab hae-
reticis," unb jeigt, „wie wenig biejenigen felbft nur auf SBijfen*
f$aftltd?feit Slnfpruc^ machen fönnen, welc&e mit nifyt näljer ju
bejeicfmenber 33orne£m£ett an biefen reiben ©#ä§en be$ SUtertljumg
vorübergehen/' £)ann xociit er auf bie 9D?än<jel eine« unrichtigen
33erfa^renö Ijin, t>on benen er ft$ frei weiß, nämlid) „ben befcfyrän*
fenben Eigenheiten eine« befonbern ©djuffyfieme« ober ber 3luto*
rität eine« einzelnen Sßater« ober SEpeologen ftcf> ausfcpeßtidj
fnnjugebem"
Enblid) wenbet er ft$ an bie jwei Parteien, in bie ft# unfere
3eit in ber 33eurt^eilung folc$er äöerfe tljeilt „Sie Einen wollen
bloß eine grammatif$ * jjiftorifctye, bie Slnbern bloß ©ac^erflarung,
106
btof? bie SÄefuttate ber §orf$ung o£ne SBegrünbung; jene sorjugö*
weife außerhalb, biefe jumeift, einer einfeitig practifdjen Stiftung
äugetJjan, innerhalb ber Äird;e* 5flit ben {entern l^abe i# und) ju
tterftänbigen/' ttnb fofort oertljeibigt er fürs, aber fcf>arf, feine
SWet^obe gegen bie (£inreben ber ^ractifer, bie Uityt einfeitig wer*
ben, benen bie Stnforberungen bet 2Biffenf$aft $>ieöeicf>t unbefannt
finb ober unbegrünbet fcfjeinen mögen; er fagt, ba§ ©otteö ©eift in
ben 2B orten menfd) lieber ©pra$e jt$ offenbart fiabe, unb ba£ barum
bie (£rforf$ung ber Sprache notljwenbig jur (Srforfdbung beö ©iuneS
gehöre, wefifjatb e£ felbftgefättig unb unwürbig wäre, „olime f>in*
längliche ©pradjforfdmng , wag bie 33?ebiocritat be$ eigenen ©ei*
fte$ o£ne 2J?üf)e fo t>on ber Dberflä^e Ijinwegrafft, für ben ootlen
©inn ber ©djrift, ftd? fetbft aber bem ?efer aU impomrenbe 2lu*
torität ooqufüljren, e£er lehren ju wollen, atö man gelernt Dat" *)♦
£>aß bie Äe#er ju aßen 3eüen ti fo mit ber % ©$rtft gemalt
*) ®ttoa$ betfienb; i$ meine oielme^r fo: ben sollen ©inn ber beif*
©$rift vermittelt un$ gewiß leine ©pra$forf#ung allein , au# bie grünt*
tfebfie unb aßumfaffenbfle ni$L Ba$ Gläubige unb einfache Seelen oft o&ne
9Äü£e erfannten, war ni$t simpliciter von ber Oberfläche ber betf*
©#rtft binweggerafft, fonbern tiefer geköpft, aU alle fpra$ti#en ergebniffe*
— ©o lange unfere befien fatbottfeben (Sregeten Ui ibren in mancher 3tütf=
ft$t ju bewunbernben arbeiten, namenttieb über bie Soangelien unb Slpoflel*
briefe unb einige ^ropbeten, immer noeb glauben, fte müßten ben griecbif#en
ober $ebräif$en Xtxt „ju ©runb legen" unb bie lateinifc&e Sulgata bto£
„berücfftctytigen", wä&renb bie umgefebrte 28eife bie faiboliföe wäre — fo
lange foWte man oon feinem wahren gortfebritte in biefem 3weige ber
fw$li#en SBiffenfcbaft reben, mit eben noeb fein fo wefentlic&er im regten
^Sinne gefebeben ju fein fd)eint, ©ottlob tfl e$ aueb in ben beutfeben tbeo-
logif^en ©cbulen noeb ntc^t fo mit gefommen, baf man ba$ ©rieebiföe
beffer ober clvl$ nur ebenfo gut verfiele, als ba$ Satetnifcbe, bie immer no#
lebenbige ©pracbe ber atigemeinen $ircbe. 2Ba$ aber bie paar ©roden £e*
bräif* angebt, fo ifi unter einem Soetuä von 50 Geologen faum giner,
ber baäfelbe au$ Stebbaberei üm$ fortfefct, unb bie bei weitem größere
OTebrjabl ber ©etftltcfcen lügen nt#t, fonbern befennen bie Babrbeit, wenn
fte fagen: na* 6—10 3abren ber ©eetforge batten wtr'$ gan& oergeffem
3nbeß geben bie voepoi — sapientes et non in bono — - i^re SBege, unb
bie armen äxsQoaoi — simplices utique in malo — mögen feben , wie
fte ibnen naebfommen» „Parvuli petierunt panem, et non erat, qui
frangeret eis." (Thren. 4.}
107
Ijaben, ift freiließ waljr, unb barum folt e« in ber Äir$e billig immer
Scanner geben, wie 3t*näuö, ©rigene«, ^rieron^mu«, Saurenttu«
3uftiniani, ober au$ wie ber £err ^rofejfor, beffen 23erbienft id)
gerne ungefefnnätert anerfenne, bie au$ grammattfefc bie Weiser
jure^tjuweifen wiffen; au$ foKen bie einfeitigen s J)ractifer in ijjren
etwaigen Sinreben gegen bie Scanner ber 33BifTenfc^aft befreiten
unb bemüt^ig [ein unb biefen iljre mutanten arbeiten nt$t ba*
bur# verleiben, bafj fte tabeln, wa« fte ni#t f ernten; allein fte im
allgemeinen fo auf ben SWunb ju (Etagen, ift au$ ni$t billig,
benn fte $aben auf iljrer ©eite nidjt minber Scanner von ebenfo
großer ®etel)rfamfeit unb Stuftet, al« £eiltgfeit, bie in j[enen
grammatifdjen, fritifcf^futologifcfyen gorfetyungen ft$ fel)r lei$t mit
bem fircf)ltc§en Sexte ber latemifdjen 33ulgata begnügten, bamit bie
SEljeorte ber $raxt«, bie 2ötffenfct;aft bem Seben befto allgemein
ner biene*
6.
3n ber pl)ilologifcMritif$en 93eljanblung be« Sexte« ber tyit
©d&rift iji meine« ©ragten« genug getrau, wenn man nidjt, na$
2lrt ber Äinber , im Suchen nad) Slnberem ba« ©ewonnene au«
ben £anben fallen laffen will, gür mn boeiren unb fdjreiben
benn bie gelehrten ^rofefforen ? gär wijfenfcf)aftli$ gebilbete Äa*
tljolifen ober für ^roteftanten? gür bie «eine Älaffe ber Schrift*
forf^er ober für ben ©efammtfleru« ber $irc§e? <££re unb £)anf
ben 2lu«nafmten! Slber im ^allgemeinen fömmt mir bie heutige
exegettf^e 2ttetl?obe iljrer weitfd&wetftgen, ermübenben, unpractif$en
©eftalt wegen *>or, al« l)abe fte ft# faft felbft nur jum 3wetfe:
fo unnü# ift fte jum größten Steile bem ?)riefter im £eben* «Die*
fe« aufrichtige 33efenntnt{} l)abe ity fc^on oft *>on folgen gehört,
bie ft<$ in feinem Solleg meljr gelangweilt Ratten, al« in bem ber
% ©$rift; legiere« Ijabe id) fe£r bebauert, benn e« waren waefere
^Jriefter, ofme 3^eifel berufen, *riet ©ute« in ber ßircfce ©otte« ju
tjmm SSielleidbt wirb eine fommenbe ©eneration fo über bie
SWafjen einfältig unb practif$ werben, baf} fte ju iljrem 33ebarf
für'« %tten bloß bie practifdjen perlen, mit Slbjkeifung aller fri*
tifc^^ilologifd^en 3u$at, au« ben ©fiebern ber heutigen ©ete^rten
108
auflefen unb jufammenflelfen wirb* Sann erfi werben tiefe mit
bem weifen SWanne fagen fönnen: „Videte, quia non solum mihi
laboravi."
7.
3$ Ijabe faum ben 9Jtutl), weiter ju reben unb mir ben
©#ein tnetleic&t ju geben, att wollte i# fo große unb x>erbtenfi^
ttolfe Scanner ungejtemenb befritteln, bie ic$ im ©runbe alte aU
treue Wiener ©otteS unb unfereS £!♦ ©laubenä liebe,
lobe unb *>ere£re* 3$ bin ifjnen gegenüber nur ein blinbeS
£uljn* SDtögen fte mir *>erjetl)en! Sin £u£n, au$ wenn e$ bltnb
ift, wirb, t>on feinem 3nftincte geleitet, bo$ noc^ ein genießbares
Sörnctyen im ©taube ftnben, ©o ift ber raotus pius bei bem glau*
bigen tatfwtifen, wenn ti ft$ um Sachen ©otteS unb beS ©lau*
benS £anbeft: er erfennt oft ba$ 2Baf>re unb artige, wenn il)m
au$ bie wiffenf$aftlid)e 33efäljtgung fel?tt, um baä (Srfannte ebenfo
richtig ju bejeicfjnen unb Slnbere in feine Ueberjeugung Ijerüberju*
jtefjem SQSenn \6) m\ä) tlmö tiefer in einen neueren Sommentar
etntaffe, muß ify jfebeSmal jkunenb aufrufen: tantus labor, et
tarn modicus fructus! 2Öo£er fömmt ba$ bo$? Sluögejeidjnet
gelehrte ^rofefforen , große ©äte fcolt Sanbibaten ber Geologie,
ein SEafent auf bem ^atpeber unb wißbegierige ©$üler in SWenge
— unb bennod) flagen biefe über langweile unb ben geringen
9iugen, j[a 23iefe verlieren burc^ bie wettfcfjweiftge, troefene ©cegefe
gar t>otlenb$ ben ©ef^mad am Sefen unb SWebitiren ber
JjL ©cfcrift! SBofcer fömmt baö? 2Ber mi$ e$V © taflet
ein §lud? auf biefer proteftantif^en SD?etfjobe, ber au# iljre
beften grüßte unb Srgebniffe mit bem ©tempel ber Sterilität be*
jeic^net: non fruetificabis, non cresces!
£)ie ©rübeleien unb (£rftnbungen beö 9D?enf$engeifte$ mit
tljrer ju wichtig t^uenben 2J?iene »erlegen ben übernatürlichen Slja*
rafter ber 53ibet; ber % ©eift f^eint ft$ xurücfjujieljett in fein
lumen inaccessibile, unb fo finb wir barauf rebucirt, unö mit
ben 2leußerli$feiten be$ % 93udje$ f)erumjuf(f)lagem SÖeit entfernt
aber, frierin bag ftrafenbe Serljangniß ©otteö ju fe£en, fmben wir
bereite angefangen, unä in biefem unferm Stpun fe£r ju gefallen;
109
unb um ti befio ruhiger fortfegen ju fömten, £eben wir immer
wieber bie ljo|>e 2Bid)tigfett beSfetben l)emr, reben nur *>on ©runb*
läge unb Urtert, erf teuren flet* freiftnniger, xotö ber Äirdjen*
taty t>on SErient befdjto ffen , % unb waä er feineSwegS bcafc
fi^tigt l?abe, ftnb t>iet froher über ba$, m$ er nidjt *>er*
toten, aU über ba$, waä er angeorbnet fyat — faum ftnb
wir fo bemütfrig, bei ^Abweisungen beö fog* ©runbtexteS auf bie
SSulgata barm^erjig bie gebüfjrenbe 9?ücffid)t ju nehmen! SÖaljr*
Saftig, wenn e$ waljr iffc / bajj unfere 2Biffenf#aft bie ber 5l(ten
überftetgt — iljr finbfictyer ©inn unb il)re gläubige Einfalt ©Ott
unb ber &ir$e gegenüber, bie [feinen unS bo# meljr unb me£r
abpanben ju fommem «Die Sitten mit ifjrer Einfalt unb £)emutlj
fingen ©Ott bie ©eeten im -Wege ju Jpunberten, na$ gifc^erweife;
wir aber gefjen nur no$ *>omel)m auf bie 3agb, wie gatfenjäger,
unb wie fetten gelingt^ uns, einen müben SBoget ju fangen ! SllfeS
arbeitet an ber Gtuttunrung be$ 33erßanbe$ — unb ©Ott übertäft
bie 2öett bem 9ttateriati$mu$ !
8.
©a* SCrienter £>ecret (sess. 4. decr. 2.) fagt unter Stnberm
über bie 33utgata:
. . . „Statuit et declarat haec saneta Synodus, ut haec
vetus et vulgata editio, quae longo tot saeculorum usu in
Ecclesia ipsa probata est, in publicis lectionibus, disputatio-
nibus, praedicationibus, aut expositionibus , pro authentica
habeatur: et nemo illam rejicere quo vis praetextu audeat
vel praesumat."
(Sinige ©ete^rte citiren ben legten ©agt^eit fo: ut eam nemo
rejicere etc. ©iefjt fommt mir feineöwegS gleichgültig oor, weit
barauS gefolgert werben formte, ba§ ber 2l6ftd§>t ber $L S^nobe
©enüge gefcfcepe, wenn nur bie 23utgata nicfjt fcf)te$ter*
bingS oerworfen werbe: ba$ aber ginge offenbar ju weit*
©o M Dr. Jpug, SinL in 1 S neue £eftament (4. Stuft/), ber jeboclj
feine Sluffajfung be$ ©ecreteä erftärt, xck folgt: „Wlan l)at ft#
fepr bemüht, biefe SBerorbnung fo ju beuten, baß fte bem ©tubtum
ber ttrfpractyen nichts *>on feinem 2Bert£e entjie^e* ©er ©inn ift
110
immerhin biefer: wie in türgerltc^en 2lngelegen|)eiten ein autfjenti*
fcf>e$ 3nftrument ein fold)e$ ift, wef$e$ einen redjtöfräftigen S3e^
mi$ matyt, fo iji tn öffentlichen religiöfen 33erl)anblungett bie
23ulgata ein ©oeument, ans welkem ein »otlgüftiger 23ewei$
geführt derben fann, o^n e bafj bagegen eine 2lu$nal)me,
aus wa£ immer für £)enfmalen, ftatt^abe* Slber eine
bogmattfc^e 23orf#rift ift biefeö ni$t, unb fann feiner Statur na$
nie eine folc^e fein *3 ; ei tfi eine £)i3ci:plinar*93erorbnung, meiere
bie bamaligen Beitamftcinbe jum Siugenmerf Ijatte/'
9.
23on ber 2lbftd)t, eine ganj neue Ueberfe^ung ber % ©$rif*
ten na$ bem ©runbterte ju geben, fonnte ju Orient aus vielen
©rünben feine 9?ebe fein* £)ie ©pnobe befc^Ioß baljer einfach,
„ber 23ulgata, bie fangfl aU Sirc^enüfcerfegung im ganzen De*
eibent anerfannt unb eingeführt war, ifjr Slnfe^en ju fiebern,
fte burdj ein befonbereö £)ecret für bie autf>entif$e ju erftaren,
unb jugleic^ einen ganj correcten 2lbbrucf berfelben anjuorbnem"
®o Dr. ©$01$ (dinl § 167. 35b. I. ©♦ 539). „©er ©runb*
tert," fä^rt er fort, „follte baburd) unter ben Sateinern ni$t be*
einträcfytigt werben, er blieb ba$, wofür er bei ben SÖoltfunterric^
teten immer gegolten Ijatte, bie SBaljrDeit, auf bie man immer,
jurücfgeljen muffe. **) (£benfo wenig fottte fte in bem, waö bie
*) %U £>ogma nämli# fann nur ba$ erflärt werben, n>a$ bte Äircfce
fcon (Efcrffta* unb ben Coffein aU eint ®Iauben$n>a£r&eit überfommen ))at,
tt>o$tn bie faf einige Sulgata =Ueberfe£ung ber % ©Triften, ät& Ueber*
fefcung betrautet, freiließ m$t geboren fann; aber bie Strc&e urteilt fcier
au# über ben ©efammtin^alt ber Sulgata aU ©Ott eött) ort betrautet,
unb in biefer Sejte^ung $at ba$ ©ecret o$ne 3wetfet aufy eine bo^ma^
ttföe <&eite.
**) Dr. ©0olj f^eint ber Meinung &u fein, roa$ bamate ber $apfi
getrau, „ut vulgata editio quam emendatissime imprimatur" (juxta
Tridentinum) ba$ muffe man immer fortfahren &u tfcun, etwa bt$
an'$ ©nbe ber Seit, benn er citirt für feine obige 2tnfi$t bie SBorrebe &ix*
tu$ V. Cedit. Romae 1590), n>o ber ^apft faßt, treffe 9ttü&e er anketten-
bet bei ber ^eforgung einer correcten Wufyabe ber 23tbet: quae neque co-
dicum neque doctorum magna confessione satis munita videbantur,
ad hebraeorum graecorumque exemplaria duximus coufugiendum."
i
111
Ärittfj ©rammatif, 9il)etorif, @eogra$ne, 2lr$äologie, 9tatnrge*
fd§>td§>te u. f, w. betrifft, für fehlerfrei erflart werben" ♦ ♦ ♦ Severe«
xft woljl 3ebem t>on felbft t>erfiäublt#, wenn er and; ftreng genom*
nten ni$t jnr 3<*W ber //2Bo£lunterric&teten" gehören follte. 2BaS
aber $Md?ior (Samtö, eine »on ben fieben tljeologifcfyen ©pigen,
t>ie Jperr $rof. ©c^olj al$ feine ©ewctyrömänner tyier citirt, über
ben fog. l)ebräifd)en nnb gried?tf$en ©rnnbtert nnb beffen ©ebraudj
genrtljeilt £abe, werben wir nnten pon tym felbft »ernennen nnb
babet fc^en, ba£ ber eminente Geologe be£ 16. 3a£rl?nnbert$ ganj
anberer SWetmmg i% aU ber *Profeffor im 19. 3a£r&imbert.
äl« fapft SlemenS VIII. im 3. 1592 bie legte Jpanb an bie
fpradjlidje Sßerbeffemng ber SBnlgata gelegt ^atte, »erbot
er für bie 3ufnnft jiebe weitere Umgeftaltung be$ £erte$. 3n ber
Qwk man fagt, wn ©etfarmin »erfaßten SSorrebe) wirb biefe cle*
mentinifcfye Singgabe für befjer nnb reiner erflärt, als alle bis ba*
^m erfefeienenen; Zieles fei barin geänbert, SSieleö aber and) ab*
ft$tli# fielen geblieben — au$ brei gnten ©rünben — 1) nm
bem an 1 S 2lltl)ergebra$te gewöhnten 25olfe mit folgen nnnötl?igen
2lbänbernngen fein Slergernifj jn geben; 2) weil bie93or fahren
beim anfertigen ber SSnlgata * Ueberfegnng beffete
£ülf$mittel Ijaben fönnten, aH nnS jefct §u ©ebote fie^
Den; 3) enblid), weil e$ £ier ni$t anf eine nene, no$ anf eine
»erbefferte Ueberfegnng, fonbern anf einen fehlerfreien Slbbrnd
ber alten Snlgata abgefepen fei. $rof. ©d?olj fliegt ben be*
treffenben §. mit ber 23emerhmg, „bie no$ in ber 35ulgata t>or*
fommenben Mängel fönnten in ber.SBortfritif nic|t nnbeacfytet
bleiben, bae Slnfe^en überhaupt aber fönnten fte im 2Befentlid)en
nityt benachteiligen." 3$ meine, biefeä „2lnfel?en überhaupt"
fönnte im SBefentlidjen nnb Unwefentlid)en *>on ben ©eleljrten ml
geförbert werben, wenn fte mit fatf>olifd?er 23ef4)eibenl)eit nnb (£nt*
fdjiebenfceit anf ben oben (9ir. 2) angeführten ©rnnb ba$ ifnn
an$ Ijente nod? gebül?renbe ©ewi$t legen wollten.
10.
Dr. £aneberg, (Jini, itfö alte £eftament :c. (9?egen$bnrg 1845)
Ä* IV. § 17. fagt über ba6 SBort „authentica" im £rtbentiner
112
£>ecrete unter 2lnberm: „93on einer autljentif$en Ueberfefcung fann
nur Ui einer Urfunbe bie 9?ebe fein* £)ie 23ibel ifi bie Urfunbe
*>on einer Offenbarung ©otteö ♦ ♦ ♦ Snbem bie Äir$e ftdj bewußt
iji, bie autoriftrte 23ewa£rerin, Seherin unb (£rflärerin ber gött*
lidjen Offenbarung ju fein, füljlt ftc ft$ berechtigt, über bie *>or
©Ott bejleljenbe ©ültigfeit einer jieben Urfunbe ber
Offenbarung ju urteilen ♦♦ ♦ ©ie urteilt nic&t über bie
pl)tfologif$e ©enauigfeit ber Ueberfe^ung, fonbern über tpre © ü U
tigfeit... ©er einjelne ©ele^rte fann aucf) nityt bie geringfie
SBeränberung an ber SButgata t>orne£men, ol)ne t^re autljentif^e
girirung ju ftören/' — ©a* ift ein ftarer ©ebanfe. 2lu$ l^at
$rof. £aneberg mir greube gemacht mit bem 3eugntffe ©almero'3
(©♦ 347) unb ber übrigen großen Geologen, bie ben ©inn be$
SEribentiner ©eereteS auf eine ben greunben ber £ebräif$en unb
grtedjifcfjen ©pradje fe&r günjHge SQBetfe er!(ären: „Graeca et
Hebraica volumina propterea non esse reiecta . . . (Sy-
nodum) liberum reliquisse omnibus, fontes Graecos aut
Hebraicos, quatenus opus sit consulere . . . licere
eorum variam lectionem producere, eamque uti verum Biblio-
rum textum expendere et enarrare; nee tantum bonos mo-
res per eam aedificare, verum etiam fidei dogmata com-
probare et stabilire; atque adeo ab illo sumere efficax
argumentum, tanquam ex textu Spiritus Sancti." ©0 ©al*
mero, $m£ jur % ©d&rift (Proleg. III pag. 24. ed. Colon.
1604.) Sffienn bie übrigen $>on Dr. £aneberg angeführten "t^eo-
logtfd&en Setebritätett wtrftid) mit ©almero ganj einoerftanben ftnb,
unb bie Äir$e eö in ber £|)at fo freiftnnig tterjlanben ljaben will
unb wünfetyt, fo bifrften faft afle meine 33erfud)ungen gegen bie
heutige eregetifdjje Üttetljobe ein (£nbe pabem 3$ würbe bann.wofrt
nidjtS meljr wünfcfjen, aU @meö ; baß bie fatjjofifc&en ©ele^rten
unferer Sage, bem 33etft>ie(e ber älteren 33orfaljren folgenb, bem
fu$licf>en Sterte ber lateinifctyen 33ulgata in if>ren fo tuelfac^ lob*
würbigen Suchern wenigftenS wieber ben erften (££renpla§ ein*
räumen möchten aU ber fou»erainen Königin, ber ^temanb in wid)*
tigen Singen wtberfyrec^en barf* 3$ Jjabe 33üdjer gefepeu —
lefen mochte ity nidjt bartn — bie ba$ gerabe ©egentljeil jur
©$au trugen. Dann wäre ti aufy f nad) SBtekr Meinung, *>on
113
allgemeinerem 9tu#en unb 33etfatf, wenn t>a$ £ebräif<$e unb ©rie*
$tf#e fo fciet möglich ben Xtxt eines 33u$e$ *>erlie§e unb unten
am Statt jlänbe; wer e$ liebte, ber fänbe e$, mv ti lieber ent*
beeren tnö$te, ber würbe au$ baoon ni#t gegen feinen SÖiKen
ermübet
SQSie tyti) bie $ird)e aber bie lateinifdje 33ulgata gefragt feiert
Witt, ge#t auS bem 33efcf)luffe ber S. Congr. Conc. Trid. wm
17* Januar 1576 ju ben SQBorten ber sess. IV. be$ SoncilmtnS
„cum omnibus suis partibus" nod) näljer ^erx>or :
„Etiam dicendum est, quod ne vel periodus vel una
clausula vel dictio aut syllaba iotave unum repugnet in
veteri vulgatae linguae latinae editione. Ouoad oppositiones
autem contextus Graeci aut Hebraei cum Latina vulgata
editione Congregatio remisit ad tertiam regulam Indicis
sub Pio IV. editam.« *)
*) 33efannilt# %at man in lefcter 3«t angefangen, biefem lä fit gen
©ecrete 2le$t$eit unb Srtften& abjufpreci&em 3* &ie$e &or, mit Dr. £ane*
berg no# baran ju glauben. 6 in ©ele^rter jwetfelt, ein ^weiter beruft ft#
auf beffen 3n>etfel, ein brttter ctttrt bie beiben Sorganger — unb fo noefc
eine fur^e 3ett, unb e$ ift „ausgemalte ©a$e bei ben ©ehrten", baf* ba$
Sing unä#t fei unb tn re#itf$er gorm niemals extfitrt $abe* 3fi ba$
benn ni$t ber 2Beg , ben tt>fr bei ben rationattfiifd&en Ärtttfern fc&on oft
fennen lernten? — 3a, e$ tft in gewtffer £inft#t ein lafitgeä ©ecret, weil
— feine 3le#i£eit &orau$gefe$t — e$ xoit mit berber gauf} burefc ein ganjeS
©ewebe unfir#lid)er, p$itologif# = frtitf#er 2lrbett fcon oben bt^ unten quer
bur^fetyrt, ffia$ foKte au# bie ortentaltföe Ätiologie in ber Sibel no#
&u tyun behalten, wenn fte leine ^ertobe, leinen SluSbrucf, fein SBort, leine
(Silbe, ja fein Sota ober ^ünfttien — überhaupt nt#t$ in berfelben an-
rühren unb fcerfcfcteben barf ? — Unb bennotfc ft&eint e$ mir unerläßlich, baf
jeber fat£oltf#e ©ele^rte C9«naß bem oben fcon Dr. £aneberg am Mar-
een unb ri^ttgßen gegebenen Segrtffe be$ Sorten „aui&entifä" im Srien«
ter Secret) bie lat£olif#e 25ulgatabibel fo annehme unb befcanble, e&re
unb erfläre, xoit ba$ in grage ftefcenbe ©ecret fte angenommen unb beju-
belt wtffen will, abgefe&en fcon fetner Slec^t^eit unb abgefe&en *>on fetner
©rifJenj. Salb bürfte fonfi bie % «Strebe, wenn fte einfte&t, wie wenig
in i&rem bte&er für fo wtc&iig gehaltenen Srienter 33ef$luffe, eigentlich unb
wtffenf$aftli# abgewogen, gefagt fein foö, e$ lieber Borgen, )u erflären,
fte $abe bamalS eigentlich nt#i$ becretiren wollen unb $abe überhaupt 3ebem
feine unbegrenzte gret&eit gelaffen, fo baß ber geteerte Äaifcoltf ftcfc nic^t
im SWinbeften eine ©ewtffengunru^e ju ma^en brause, wenn er au# auf
SScinarD $ty§ori§men. Q
114
3« ber genannten brüten Siegel jum 3nber ^etgt e$ nnter
2lnberm: baß bie 33tf$öfe nur gelehrten unb frommen Männern
bie Ueberfe^nng (nnb ben ©ebraucty be$ Urterteö babei) ber Sucher
be$ alten S£eftamente$ erlauben folfen: „modo hujusmodi versio-
nibus tamquam elucidationibus Vulgatae editionis,
ad intelligendam Sacrara Scripturam, non autem tam-
quam sacro textu utantur."
„£)iefelben biblifcljen Offenbarungen ©otteS tntterfcbiebener
gorm fönnen ä$t fein. QPf. 14 = 53; $f 4 18 = 2 ©am. 22.)
2luö rein ttriffenfdjjaftlicijen ©rünben liege ftdj) öftere jeigen, bafi eine
üon ber 33ulgata abweicfjenbe ?efeart bie urfprünglidfje *) gorm
ber biblif$en Offenbarung barbiete. @o lange inbejj bie Äird&e
nic^t baö ©iegel iljrer 23eftätigung auf folcbe 9tefultate ber SBiffen*
fdjjaft brücft, fo feljlt einer folgen SSerbejferung immer ber Sparaf*
ter ber Sfotfcentte* ©tefe $at einftweilen nur bie Sulgata, fte ift
eine *>on ©ott burdj) bie ^ir^e betätigte Urfunbe ber Offenbarung,
eine wa£re ©laubenöregel, au$ wenn fte *>on bem jietjigen Jjebräi*
f$en Sexte abweist ©o wirb ti bleiben, bte bie Äir$e au$
eine gried&if$e, fyrifd&e unb l)ebrciif$e Sluögabe für aut£entif$ er*
Hart Äeine anbere altt Ueberfeijung iji bie grud^t oon fo Dielen
tüchtigen Gräften wie bie SSulgata, bie barum auc$ auger ber
Äirc^e auö rein wiffenfc^aftli^en ©rünben große Sichtung genieft"
(Dr. £aneberg 1. c.)
bem ©tanbpunfte ber ^rotefkmten fcöflig angelangt wäre unb nun „wtffen*
f#aftlt$" tt>te feine ^eteroboxen (Sotfegen reben ju muffen glaubte, ofme
jebod) mit btefen le^tern — bagegen oerwa^rt man ft$ nur — unum ovile
machen gu wollen!
*) @3 Witt mir aber immer f#etnen, biefe „wiffenfc&aftftctyen ©rünbe"
alle mit efnanber wären ber 2lrt, bafj fte in ber OL SBiffenfc&aft, roo=
tton ^ter bte Sftebe ift, unb gegenüber ber gottli^en gürfe^ung unb ber @org*
falt ber $ir#e — etgentftd) ni$i$ bebeuten unb auf einen fat&o!tfd?en ©e=
lehrten laum einen (Sinbrucf machen fönnten* 2Ba$ fottte un$ fyitx benn
bewegen, einem SRabbt SR, ober ^wanjig anberen Seuten in irgenb einer
55ejie^ung me&r au vertrauen, aU ber $tr$e unb i^ren tyettigften 8e&«
rem? — Snbeffen Witt i$ im Vertrauen auf bie ginftctyt fo groger unb um t>U
fat|>olifc§e S3iffenf#aft oerbienter Scanner ber auSgefprocfcenen 3nft#i i^r
3^ec^t gerne raffen.
115
11.
derjenige von ben neuem ©d&rifterftärern , weiter meinem
©efömacfe am meiften jufagt, ifi fxo\. ©d?egg in feinen *Pfal*
men wegen t>er practtfc^en Stiftung, tue barin t>orl)errf$t, otme
ben wiffenfcfyaftlicfjen Xfeil ju beeinträchtigen* dx £at e$ audj
ttermieben, ben Sefer gegen beffen 2Men mit Zitaten im Sterte be$
23ud)eS ju ermäben; er befennt feine Slbftc^t franf unb frei: ben
SCert ber SSulgata ju beleuchten, fein günftigeS 23erfwttnij5 ju ben
anbern Herten facttfcty barjuftelfen, ben Sefer aber ebenfo x>tel ju er*
bauen atä ju belehren* 2luf biefe Slbftdjt beö 93erfafferS fdjeint
benn aud> ©ott einen befonbern ©egen gelegt ju Ijaben, fo bafj
bie metften Cefer von ber 2lnba$t unb ©albung, welche fte auä
biefem 23ud)e geköpft, 3^ugnig ablegen. 2Ba$ ein Ijofjer SBürben*
träger ber Äircfje bem 33erfaffer „in väterlich wofrtmeinenber SBetfe"
gefd;rieben, nämlic^: ,,©o foll ein Kommentar begaffen fein: ba$
£i$t, wel$e$ bie 2ßiffenf$aft über ba$ 2Bort ausgießet, foll ju*
gleicfy jur glamme werben, bie ba$ ©emütlj ergreift 7 ' — baä !)at
er angeftrebt unb na$ meinem Urteile au$ erreicht dx Ijätte
feiner Arbeit leicht „bur$ Gutationen, Sßiberlegungen , Einwürfe,
grammatifdje ©rcurfe u. f. w* ein gelehrterem 2lu$fe£en geben fön*
nen/' allein er ift fo vernünftig gewefen, e$ ni$t ju tywi, „weit
ber eine £I)eit feiner £efer fol$e 3«t^ten ntc^t will, unb ber
anbere fte ni$t brauet/' ©anj re$t: perge, quo coepisti!
25afj id) ni$t allein baftelje in meinem t)orjug$weife günftigen
Urteile über ©c^eggö ?5falmen unb feine 5lrt unb 2Betfe, ge£t
aus beffen ferneren arbeiten £en>or, woju er nacf> eigenem 33e*
fenntnifje ftdj ermutigt füjjlt eben burd) bie „freunblicfje 9tac$jt$t,
welche feiner GErftärung ber ^falmen ju £l)eil würbe/' SSon bie*
fen pat er jüngfl eine jweite Auflage beforgt, welche in jeber 23e*
jie^ung bie erfte nod? übertreffen foll unb ftatt ber früheren jwet
jiegt brei 23änbe umfaßt ©erne füj)re id) no$ einige 2Borte an
auö ber 23orrebe, womit er feinen „3faia$" un$ vorführt:
„£)en 2ln£altöpunft in 33e$ie£ung auf ben £ert bilbete mir
(yt>k bei ben ^Jfalmen) bie 33 u lg ata, ni$t blofj, weil bieg bie
ftr$li$ recipirte, fonbern au$ jebem ©ebilbeten leicht jugänglid&e,
bem Geologen geläufige £ertesrecenfton tfh 23et ber maßlofen
8*
116
SBtWflrK^fcft in 33e£anblung beg ©runbterteä tft ba$ gehalten
an einer beftimmten , traditionell autoriftrten !Wecenfton jum un*
obweiöbaren 33ebürfniffe geworben . . . 3$ fyate bie Sitationen
wo mögti$ ttermieben, ber ^olemif miü) gänjli$ enthalten nnb
auf allen gelehrten $runf grunbfäglidj wrjt^tet. £)ie (£regefe
unferer Sage ijl na£e baran, in iljrem eigenen gette ju erfticfen.
Äaum glaubt man, einen 33er$ grünblicfc erffärt ju Ijaben, wenn
man nid?t auf alle 1001 Slueleger 9?ärffi^t genommen* £)aburc£
tfi jener SBiberwttle unb @fel entftanben, ben unfere jüngeren
Geologen t>or einem grünblidjen 23ibelftubium Ijaben; benn wie
wollen fte alle biefe ©ornenjäune überwinben, son benen ba$ tya*
rabieS unferer ^eiligen 33üd)er broljenb umgeben ift?''
12* 3eugniß be ^ berühmten ££eologen SWeld&ior
Sanug, und fpanif^en £)ominifaner$,
geb. 1520, f 1560.
Um ben 2lu$fpru$ btefeS ©eleljrten gehörig ju würbigen, müf*
fen wir wijfen, xoai t>on feiner $erfon ju galten ift. ©aö ^trdjen*
lerifon *>on DDr. 203e£er unb SQßelte fpri$t tton SD?. SanuS mit
bem allergrößten 2obe: „er ^abe bie gragen über bie Äir$e unb
firdjlic&e Sluctoritat auf eine Söeife beljanbelt unb gelöst, baß bei
allem gortföritte ber 23ilbung unb bei alfer 33ortreffli$feit einiger
Seiftungen in ber neuefien 3«t bod) faum ein Slnberer eS bejfer
fönne, jebenfaUö feiner bte ©$rift beS SanuS (De locis theolo-
gicis libri XII.) oljne 33ele£rung unb 9iu£en au$ ben Rauben
legen werbe ♦ ♦ . Dem SanuS fei m$t bloß Ijijloriföe SBebeutung,
fonbem aud) 2Bert£ für unfere heutige, fogar für bie
fünfttge £l)eologte beizulegen." — 2)ie ©teilen in feinem
angeführten SBerfe, worauf wir un$ l)ier berufen, ftnb ba$ ganje
jweite 23u# unb im ftebenten 33u$e baä britte ftapikL
£)a bie &trcf)e, um bie din^cit unb (£intra$t ju för*
bem unb allen nu^lofen Söortfedjtereien ein (Snbe
ju machen, bie lateinifdje 33ulgata*2luSgabe ber % ©cfjrift allein
für autljenttfd) erflärt ljat, warum follte einem fatljolifdjen ©eleljr*
ten biefelbe mc$t auöf^ließlic^ jur ©runblage unb 9ü$tfcl)nur su*
117
gtei# bienen fönnen? £at nidjt bie SSutgata (iam post decre-
tum Ecclesiae) im SQB ef entli^en fogar rücffölagenbe Äraft
gegen alle f>ebräif$en unb gviec^tfc^en £anbfd)riften, bie £eute no$
exijliren? ©an$ gewiß; benn ffe allein ifi bie certa regula fidei,
wenn bie anbern tyx in wichtigen Singen wiberfpredjen woIXten*
3n biefem ©inne antwortet Sanuä allen beni'enigen, bie er
(De locis theol. Hb. II. cap. XU. in fine) bejeictynet f)at alS
„novarum rerum studiosi", welche ftd) 1) überrebet £aben, jum
SBerftanbnifi ber 2Ba£rl)eit be$ 9?euen nnb Sitten £eftamentö würbe
bie Äenntnif} ber beiben ©prägen, bes ©riecfcifcfyen unb £ebräifd>en,
notljwenbig erforbert, bie bann 2) auf bie SWeinung geraden, |te
fönnten ni#t für 2e£rer ber % ©#rtff gelten, wenn fte einfach
bie lateintf^e SMgata jum ©runbtert unb $ur 3ti$tfc(mur nahmen;
unb bie enblid) 3) fo weit gegangen feien, ju behaupten, man muffe
bie Sluctorität be$ lateinif^en UeberfegerS ni$t annehmen, fonbern
*>ielme£r für ba$ Sitte £eflament auf ben £ebräifcfyen, für baö 5Keue
auf ben grie#ifc|>en Xnt ftdj ftügen, worauf folgt, bafi unfere
lateinifc^e Sluögabe au$ j[e£t noct) bur$ pebräifc^e unb grie#ifd&e
@remptare bur$au6 not^wenbig polirt unb tterbeffert werben müßte*
£)a$ al(o ift ber erfte unb £auptbeweggrunb gewefen, xotfc
jjatb baö Soncilium son Orient (sess. IV.) bie lateinifctye 58ut*
gata allein, oljne 9tücfft#t auf l)ebräif$e ober grie^ifc^e Urterte,
für aut^entifc^ erftärt £at, nämlid), gegen bie $e§er auger^alb
ber $ir$e unb gegen )[ebe fe^erfreunblic^e 33eftrebung innerhalb
ber ^irclje *) eine allgemeine, iweifc^neibige SBBaffe $u Ijaben*
*) „Enim vero«, faßt SanuS mit ber tym eigenen ©djarfe, „qui hanc
nostram editionem (Vulgatam) infirmare cupiunt, videntur mihi nihil
aliud moliri, nisi quoddam occultum haereticorum patrocinium." (M.
Canus de loc. theol. lib. IL cap. XIII. „in quo veteris Vulgatae editio-
nis auctoritas demonstratur, et quod non est nunc ad Hebraeos Grae-
cosve recurrendum" ; obf#on er na#f)er anty faßt, wie e$ mit Stufen ju-
weilen gefc&e&en fönne „ad illustrandum".) Die Ätrc&e felbfl $at ba$ ©e*
eret be$ (Sonette ba&tn erflart, baf) bie Urfäriften no# bei ber Sxegefe be-
nufct »erben bürften ad comprobandum et illustrandum textum Vulgatae.
Dann aber ftnb bie me&r ober weniger frei(tnnigen unb neuerungSfüc&ligen
(Sxegeten gefornmen unb fcaben weiter erftärt, baf* ba$ ©tubium ber Ur*
(Triften ni$t& oon feinem SBert&e in ber % ©#rift oerloren Y&ttt, ba
118
aOBäre ein glei$e$ aut£entif$e$ 2lnfe£en bei ben 2lu$gaben
ober £anbf$riften jweier ober gar breier verriebener ©prägen,
fo fönnte berjienige, ber nur eine berfelben tterftänbe, immerhin
no# etwas im 3wifel barüber bleiben, ob ba$, tt>a$ er in feiner
Sluägabe lie$t, au$ nnrflidj bie ganj richtige unb vollgültige
2Baf>r£eit fei, unb ob mcf)t bie SSarianten au$ anbern Sluögaben
unb ©prägen ben Sinn feiner 33ibel eliminiren ober wefentltcfc
veranbern bärften* (£üt fotd?e£ ©#wanfen aber bei jeber ©teile
ber % ©#rift, o^ne fefteren Sßoben unb juoerläfftgere 9tid)tf<$nur,
fönnte gewiß feine anbern aii nur verberblidje Solgen Ijaben.
man auf ben ©runbtert wiiTenf#aftlic& immer prücfge^en muffe . ♦ ♦ Dann,
baf man bie SButgata in unbebeutenbcn ©ingen verwerfen unb t>er*
beffern bürfe, oefiü^t auf jene (unju&erläfftgen) Urfd)rtften, tt)te wir fte
$tutt nod) tjaben ♦ ♦ ♦ Dann, bap jenes £rienter beeret lebiglid) eine ©ig-
c ipli na r Verfügung für bie bamaltgen 3ettöer^aItntfFe fei, bie f>eute wo$l
o£ne ©efa&r aufgehoben werben fönne u. f. W- Snbli$ gar, baf man bie
Sulgata au# bei ©teilen öon bogmattfdjer 2ßi^tigleit verwerfen
bürfe, wenn man nur im allgemeinen fefJ^alte unb befenne, ba§ bie latei=
mf#e 33ulgata ni#H Unbtblif$e$ enthalte, b. $. ni#iS, m$ im Ur-
texte, obgleich an anbern Drten, ni#t ebenfalls ftd) ttorftnbe. ©ad Se^te
$at na# meinem ©afür&alten 2lnfpru# auf bie Senfur: male sonans et
pias aures offendens, wenn nid)t auf ein f#arfere$ Urt^eiL 28a3 bte fa-
t&olifdje SSiffenfdjaft 1 , bie ©a#e ber $tr#e unb be3 ©laubenS unb baä
£eil ber ©eelen, xotö überhaupt bie $rtfUi$e ©efetlfc^aft auf (Srben babei
gewinnen foU, wenn eö bem ©elefjrten erlaubt wäre, bie SBulgata nid&t im
©an^en, fonbern nur im (Sin^elnen ju verwerfen — bieg fe$e i$ wa(;r=
lt$ ni$t ein. (£3 würbe ein grogeS unb fcielleicfct fe£r &eilfame£ 2luffet)en
erregen, wenn 3 e «t«^ <*"$ ben neuern unb neueren £erteö=9Recenftonen ber
Stbelgete^rten, bie nur „na# ©runbierten" citiren, alle jene ©teilen, welche
von bem ©tnne unb SBortlaute unferer SBulgata wefentltdj abweisen, fam-
mein wollte, blof um ber fat&oltftfen SBelt einmal überftdjtlid) $u jetgen,
tt>it siele in ber latnnifötn 33ulgata flar au$gefpro$ene Se&ren c&rtftltc^en
©taubenS unb c$rifHtc$er 2eben$wei3&eit, bie Sa^r^unberten ^um £roft unb
gur Heiligung gebient fjaben, bur# bie neuen Ueberfe^ungen fcerbunfelt wer-
ben ober gar total »crloren gefcen mit fammt ben frommen Betrachtungen,
welche bie ^eiligen feit me&r aU taufenb 3<*&ren baxan oefnüpft Ratten!
2öer ft# biefer 9Küfje unterzöge, würbe ber fat&oliföen ©a$e, ©Ott unb
ber $ir#e beffer bienen, aU alle Müht unb 55^itologen jufammen , welc&e
unter bem unürc^li^en Sorwanbe eineö wiffenf^afttic^en Sebenfend bie
SSulgata me^r ober weniger preisgeben wollen.
119
gerner: burcf> eine SBetforjugung be$ £eute oorljanbenen Ur*
terteS unb bur$ eine 33etfeiteftellung ber ttoflftänbigen lateintfdjen
Sßulgata würben wir mehrere Streite ber £!♦ ©#rift ganj verlieren,
welche in ben Ijebrätfdjen unb griedjifcOen (Sremplaren , bie burcf)
bie göttliche Sorfe^ung *>on ber $ir$e in fetn fo forg*
fälttgeä 2Serwal)r genommen Sorben, ftdj ntc^t me£r x>or^
ftnben, j* ©♦ bie ©efctytdjte ber brei Jünglinge unb ber ©ufanna
bei Daniel, bie be$ efjebrec&erifdjen s 2Beibeö bei 3of>anne$, unb
uod) aubere, bie Sanuä anführt, unb weldje behalt von neuern
(b* &♦ aufjerfirctylidjen , rattonaliftifdjen, p£ilologifcHntif$en) 2luä*
legem unb Ueberfegern bezweifelt ober auögemerjt worben ftnb,
weil fte ft$ in i£ren gried)tf$en ober £ebräifcl)en (Sremplaren nidjt
twfanben, ba fte bo# baä Sonctl oon Orient unb folglich bie ganje
beilige Äircfre einfiimmig für ädjt erflärt unb angenommen Ijah
3m £ebräifd)en fehlen bem 13. $5falm nicf)t weniger al$ ad)t öerfe,
bie alfo au$ im ©riecfjifdjen eliminirt Werben müßten, ba wir fte
bo$ *>on fcem % Styoftef Paulus (9Wm- 3.) citirt ftnben* SBeber
Drigeneä no$ ber % ^ieronpmu^ fiaben bief tljun ju bürfen,
unb bie $ird)e Ijat bi$ auf biefen £ag jene 33erfe beibehalten
ju müjfen geglaubt; fte erflärt baö 3urücfge£en auf bie ©runb*
terte ber Urfprad;en für nictjt nötjng, weil unwichtig, unb läßt
e$ bleiben, \va$ ti f$on feit 3a£rtmnberten war unb ift — ein
rein menfcfylicbes £>ü(f3mittel für bie ©elefjrten in ber Äircf?e, unb
bie einjig nod) wichtige biblifcfye Liebhaberei bei mannen Ungläu*
bigen ober ;fticf)ifat!?olifen*
gerner muffen wir bie jtübif$en 9?abbinen a\§ unfere geinbe
betrachten, bie eljemalä mit sieler 3)Ui;e unb Sift bal)in gefirebt
£aben, tl?ren J?efcrätfd)en £ert ju corrumpiren, unb wo möglich ba6 alte
SEeftament mit unfern ©remplaren in SBiterfptud) ju fegen, roie (Su*
febmö ersäuft (Hist. Eccl. 1.1V. c. 18.) (Sbenfo traten bie ©rieben
nad) bem B^ugntjfe beSfetben (£ufebiu0, beö £evtutlian unb Drige*
ne£, ber % 3renäu$, Saftliuö, Slmbroftuö unb ipieronpmus, au$
benen bie betreffenben ©teilen alle von Sanuö citirt werben *)♦
*) 9*0$ treutofer gingen bte ©rieben oft um mit ben ©Triften ber &&♦
3Säter , mit t>en SBefc&lüfien e^rwürbt^er ©pnoben unb fogar allgemeiner
Soncilten, wa$ aüe$ SanuS bur$ vollgültige 3eugen btmitt £aben viel*
120
2Benn cm$ ber f}l JpieronpmuS feiner 3^tt eS nic^t für toäfyx*
fötinlity Ijielt, baß bie 3 üben ifjre ty. ©Triften aerfdlföt Ratten,
fo würbe er bieg T^eute, fatlö er nod) lebte, gewifj ntdjt me£r in
Slbrebe ftetlen, unb er würbe eS mit SanuS für unwürbig galten,
ftatt in ben f>errli$en Kommentaren ber alten fat£olif$en ©$rtft*
auSleger, in ben oft albernen ©rffärungen ber Rabbiner ju biät*
tern* *) lleber^aupt ptelt ftcfj KanuS für überzeugt, ba£ feiner 3eit
bie pebräifc^en unb grtec&ifd?en SEerte feineSwegS reiner unb ge*
nauer, als ber lateinifcfje, waren, fonbern umgefeljrt, fo baff
wir ©ott re#t banfen feilten für baS £)ecret beS SoncilS *)on
Orient, weit entfernt *>on ber lauen Äatljolicitat einiger fonjl tü$*
tigetv Seljrer aus ben legten 50 3aljren, bie tfjrer acabemif^en
§rei£eit, ober auefj unfern proteftantifdjen 33rübern ju lieb, tk
Tragweite unb traft beS £rtenter 23ef$luffeS serminbern, fo ml
fte nur fönnen, unb juweilen aud> meljr, als fte bürfen*
Stomas *>on Äempen — auSgeljenb wn ber d)rifilid)en £)e*
mutlj unb t>on ber Ueberjeugung ber alten ©eleljrten, baf} bie
ganje £iefftnnigfeit unb ber rei$e @$a§ £eilfamer 23ele£rung
unb Erbauung in ber S5ibel niemals erf$öpfenb ju £age ge*
förbert werben fönne — gibt unter feinen eregetifetyen Regeln
anü) bie an: niebt eigenftnnig auf einem m#t gleich tterftanbenen
SBorte ober Sßerfe Rängen ju hkiben unb ni#t immerfort ju grü*
beln, ftatt einfach unb bemütljig baran *>orbei$ugel)ett* £)ie§ fei ein
2lct ber Anbetung unb 33er^errlic^ung ©otteS, ber uns erft reetyt
jum Smpfange beS übernatürlichen £td)teS Ui ber weitern £efung
biSponire; benn bie 33ibel fei nun einmal fein natürliches 93uc$*
— £eute gibt eS ©eleljrte, bie eine folcf?e ebenfo waljre als fromme
leicht folcfce 3eu0tttfTe £eute leinen fo großen ffiertij mefjr? @tnb fte siel*
let$t tton unfern negativen Ärtttfern benagt unb jerfrefTen? — ©o waren
bie ©rieben f$on, be&or fte förmige ©#i$mattfer würben, — au$ purer
3anf* unb 3teuerung$fu#t. (sie waren nt#t bte Nation ber Sorfe&ung $ur
Sewa&rung be$ reinen ©lauben$ S&rtfti.
*) Db es nt$t au$ ttxotö unwürbtg für einen fat£oltfc$en Se&rer ber
% <5$nft fem bürfte, wenn er, t# fage ntc^t gertngf$ä$tg , aber gleich
gültig unb fHflfc&wetgenb an ben wunberfam ttefftnnigen arbeiten ber alten
W. SBäter &orbeigef>t unb bagegen bie Setzungen proteftanttfdjer ©ele&rten
ber 9ieu^eit citirt unb gegen biefe ben 3Äunb immer be$ Sobeö »oll W*
121
SEBetfung für aöcettfdjen Unftnn Ijaftem Da nämlic^ jeDeö SBort
einen offenliegenben ©inn l)at, unb btefe fetten alle SQSörter
wiffen, fo fann e$ nnn für fte in feinem 33u#e meljr etwas 93er*
borgeneö geben, an bem fte einfach unb bemütlng vorbeigehen
mustern 2113 fte in ber Biologie promovirten, würben fte ipso
facto au# £)octoren in ber % ©$rift! @o urteilt man, wenn
man bie 33tbel al$ literarifdje Antiquität bejubeln gelernt £at
unb bie 33efpre$ung ber einzelnen SQSorte ober ©a^bilbungen für
$riftlid>e unb fogar fat^ottfc^e Sxegefe ausgibt*
13. S^ugntf *Patlavtctnt 1 $, be$ ©efdjidjtf^reiberS ber
£1- ©9nobe von Orient, geb. 1607, f 1667.
3u Orient waren einige ber 33ater im 3w>ctfel barüber, ob
man ein (Sremplar ber % ©$rift nt$t nur in lateinifd&er, fonbern
aud) in f>ebräifd)er unb gried)ifd)er ©pracfye anerfennen unb aU
autjjentifd) feftjletfen folle; bie Steiften jebodj urteilten*), eö fei
genügenb, wenn bie§ mit ber latetnifc^en Sluägabe allein gefdje^e,
weil biefe ©pradje in bem größten unb blüljenbften
Steile beS d^rtfilt d^en (£rbfreife$ von Slllen verftanben
werbe, welche überhaupt eine wiffenf^aftltcfye SBilbung
ljaben, unb jum Ueberfegen unb (Srflären ber £!)♦ ©$rif*
ten ni$t untauglich finb; wefftalb bie lateinifc^e Aufgabe
als juverläfftge 9?egel, um in ben üktgen ©Jjradjen bie ä#ten
von ben verfetteten (Exemplaren ju unterbleiben, allgemein ange*
wenbet werben fönne **)♦
Um boöljafte unb verberblid)e Auflegungen ber % ©cfjrift ju
verljtnbem, würben gegen 2ltle, bie fte anberö aU bie Äircfye nnb
bie 1)1. 23äter auflegen würben, bie prengjien ©trafen verorbnet,
jebod) in bem ©inne, baf 3emanb nur bann in biefe ©trafen
verfalle, wenn bie $ir$e ben ©inn einer ©djriftjletle bereite au$*
*) Pallavicini hist. Conc. Trid. lib. 6. c. 15 sqq. edit. Antwerp.
1673. Slnbere Segrünbungen be$ Urtfreflä ber Sciter fraben nrir eben von
■üMcfctor (£anu$ gefrört
**) „Adeoque posse tamquam certam regulam adhiberi ad discer-
nenda in caeteris Unguis sincera exemplaria a depravatis."
122
brücfUd) fejlgefegt Ijätte, unb wenn bie neuen (Srpoftttonen unb
©rflärungen nicfjt blog x>erfc^ieben t>on benen ber $>♦ 33äter wären ,
fonbern ifmen bei einer gemeinfamen 2lnftd)t wtberfirttten*
2luc^ ba$ fanben bie Sßater nidjt ganj bittig unb annehmbar,
ba§ bie ©rffärung (ba3 Ueberfe§en unb ©tofftren f nati) Älitfcfye)
ber ty. ©Triften, wa$ bie 2lnft$t unb ber $Borf$tag beö SarbinalS
9Jad)eco war, nur ben förmlich promottirten TOeiftern in ber @ot*
teögelefwtfjeit jufteljen bürfe, ba ja grömmigfeit unb ©etefjrfamfeit
feineewegS auf ben einzelnen ©taub ber £)octoren ftd^ befdjränfen
liefen; barum (ei e£ funreitfjenb, wenn atteg Inerter G£inf#lagenbe,
unb jwar mit bem tarnen be$ 2luctor$ an ber ©tirne, ttor bem
2)rucf ber ftrc^lictyen Senfur unterworfen werbe*
$attat>icini gibt (au# aU anfe^nlt^er SEjjeotoge) mehrere
©rünbe an, wefftalb bie ^ebräifctyen unb griedjifdjen Exemplare
ber $L ©$rift feine geeigneten 3wgen ^ r f e * n könnten gegen
eine Ueberfeijuug , Welche fdjon feit unb in fo bieten 3al)rl)unber*
ten oon ber Äircfce auf* unb angenommen worbem SEftan muffe
hierin ber altweifen unb allmächtigen 33orfe£ung ©otteö met
jutrauen, ber woljt nic&t gewollt fjabe, bafj iic % ©Triften btojj
einem geringen Häuflein $on (fpra^funbigen) 9ttenf$en, fonbern
vielmefyx ber ganjen ©efammtfjeit ber Äirdje aU eine 9?orm ber
juoerläfftgften 2Baf>rf?eit bienen fotltem (L. c. 1. VI. c. 17.)
Stefer fat£olif$en Sluffaffung gemag fann unb barf man nicfjt
annehmen, ba§ bie Äir$e anbert^alb taufenb 3a^rc ein (Exemplar
ber % ©dmft als ä$t anerfannt unb gebraust Ijabe, worin, in
33ejug auf ©tauben unb ©itten, Unricfyttgfeiten ober aud> nur ^xocU
fel^afte fünfte sorfämen, welche gletdjwoljl nad) ©otteö Sitten t>on
berilird)e öffentlid) belannt unb mit unerf$ütterli$em ©tauben altjeit
geglaubt werben feilten. Unb wo ba ein 3weifel menfd)tid)er (£r*
bärmlicfyfeit auftauchte, ba muffte ©Ott jur (Erreichung ©einer 2lb*
ftcfyt auef) einen unfehlbaren Dftdjter auf (Erben bereiten, wie (£r
getrau £at, nämlicty in ber Stix^c felbft unb i^rem ftc^tbaren Spanptt.
©eit ben Seiten beg % ©regoriuö war bie lateinifc^e SSulgata
in allgemeinem @ebrau$ in ber Äircfye, unb von ja^ttofen $>♦ 35i*
fdjöfen unb Cefjrern *) in iljren erleuchteten 9?eben unb ©Triften
: ) Sfibor, 23et>a, SKemtgtuS, 2llc utn / gortunat, 3ßabanu$,
123
allein angewenbet worben: ©otteö 33orfefmng mußte bafür ©orge
tragen, ba§ fein 3rrtyum gegen ©tauben ober ©itten barin ftcf)
feftfe^te, ebenfo gewiß, als dv forgen mußte nnb (orgen muß, baß
bie Äirc^e felbft, welche *>on bem 2lnfe£en ber 23ulgata ©ebrauc^
madjt, wn jebem berartigen 3wt£ume befreit blieb unb be*
freit bleiben wirb bis an'S @nbe ber 3^ten. 23 ei wem aber
folcfje ©rünbe nidjtS ausrichteten (meinte bie % ©pnobe)
ben würbe aucf) feine fünfttg anjuwenbenbe 9Äüf>e (fri*
tifd^pljilologifd&er 33erbefferungen ) in feinen immer neuen
Sweifeln unb gorfdjungen ttoHfornmen beruhigen. —
£)ieß Sllteö unb no$ x>teleö Rubere füfjrt ^allatn'cini (1. o.) meifter*
£aft auS gegen ©arpi nnb feine ©eftnnungSgenoffen ober bocfy
©eifteSoerwanbten in entfernteren ©raben*
14,
S)ie Gtorrefponbenj jwifc^en bem Sarbinal garnefe in 9?om
unb bem Legaten beö % 33aterS in Orient jetgt, wie genau man
an ber ©eite beS s $apfteS bie 93er^anblungen unb Sefcbtüjfe beS
(SoncÜS verfolgte, aud) bejügtid) ber £)ecrete über bie % ©cfyrift
unb bie auefc^itegltc^e 2lut£enticität ber 33utgata* 3n 9fym festen
man faft geneigt ju weniger Strenge unb ^räcifton, fo baß ^it
Legaten, nad) in Orient bereits gef$e£ener öffentlicher SBertefung
ber betreffenben £)ecrete, bem Zapfte noc^ einige 3 weifet löfen mußten;
bieß traten ffc benn auef) ftegreief) in iljrem ©treiben *>om L 3uni
1546 an ben (Sarbinal garnefe, woraus erficf)tti$ i\t, baß bie
SSäter beS SoncitS im (Sitmrfiänbniß mit ben gelehrte*
ften SEfjeotogen bamaliger Seit, bie fte bei ftd§> Ratten, alle
23orftd)t angewanbt unb aus i^rer x>otlften Ueberjeugung ben 23e*
fcfjluß wegen ber lateinifcfyen öulgata abgefaßt Ijaben* £>ie Legaten
fagen in biefem ©^reiben: „baß eS gegen ben 2Btlten aller SSäter
2lnfetm, Vernarb, ^a^mon, 3ti$arb, £ußO son @t Stctor,
$eter *>on (Stugnp, %bt Rupert unt> no# fo titele Rubere, bie ftdj
2lüe au$fd)ltefjlt$ an bie latetmfc&e SSulgata gehalten fjaben; ntcfctö fönnte
ja btefer taufenbjiä^rigen Rtttt weber an (Stjrwürbtgfett no# an ©ebtegen*
£ett Qtetctyfommem
124
unb ben $at£ aller Geologen gewefen fein würbe, wenn fte jeneö
£)ecret Ratten auSlaffen wollen: überbiefj würbe man o^ne ba$*
felbe in furjer 2>zit ni$t meljr gewußt Ijaben, weldjeg benn bte
waljre 33ibel fei, inbem f$on fo t>tele Ueberfegungen gebrucft wor*
ben feien nnb no$ immer gebrucft würben, bie oft in fe£r wtdjtt*
gen ©teilen unter ft# tterfdjieben waren, unb jwar in ©teilen, bie
^otlfommen geeignet wären, bie fdbon befie^enben Äegereten ju be*
günftigen unb immer no$ neue ixCi 2eben ju rufen, wäf?renb bie
Ueberfegung ber SBulgata nie ber ßegerei »erbäd)tig war, \va$ benn
bo$ immer ber wefentlicfjfte Xfyeil M ben {#♦ 53üd(jern bleiben muffe/'
„2Ba$ nun aber bie if)r entgegengefetjten geiler beträfe, fo
fiabe man, j[e beffer ber Ijebräifctye ober ber griecfyifdje Urtert fei,
um fo mel)r bie Seöart ber Sßulgata i>on ifnn als beftätigt ge*
funbem"
„^ücfftctytltd) ber bunfeln, ungeeigneten, barbarifdjen unb un*
*>erftänblid)en ©teilen aber, bie man i£r vorwerfe, fo fei t$ ja
ifttemanben unterfagt worben," (b* £♦ im ®$oofje be$
goncilö unb t>or Slbfaffung beö £)ecret$) fte entweber bur# eine
beffere Ueberfegung ju berichtigen, ober burcf) eine neue 2luSeinanber*
fegung su erflären* SBenn aber jene, benen bas beeret anftöfng
erfcfyienen fei, ba$ 93er$eicl)nifj jener ©teilen, bie tljnen bie größten
33ebenfli$feiten erweeft Ratten, i^nen (ben Legaten) überfanbt fyabtix
würben, fo würben fte gefugt jjaben, entweber biefe 23ebenfli$*
feiten ju £eben, ober im gatle biefj ntd?t gelungen wäre, würben
fte auf irgenb einen anbern Slugweg gebaut Ijaben/'
2)tefe SBemerfung, fcljliefjt ^allaoictni, t>erfe£tte nid>t iljre
SBirfung, benn al£ man baju fdjretten follte, bie befonbern ©teilen
anjujeigen, lieg ein 3eber jenen Sßiberwillen fahren, *>on bem er
be^errfetyt worben war, fo lange bie ©a$e im Slllgemeinen bezaubert
würbe, ©omit Ratten bie Etagen ein @nbe *)♦
Sllfo: im ©anjen unb 2Bef entließen genommen, ift bie la*
teinifc^e Sßulgata beffer, al$ alle übrigen (£remplare, ju^erläfftger
audj, aU ber fog* griec^ifc^e unb Ijebrätfctye Urtext* 2Ber ba$ 2öe*
uige unb Unbebeutenbe bei ber Sregefe beffer überfein ober
*) yaUax>. @efc&* bc$ SonctW t>on 2rtent* Ueberfefct na* bem ttatte*
mföen (re&tbirten ^wetten) Originale fcon Slitfcfce* S3b. 3. @. 74 u. 75*
125
erflctren wollte, ber fönnte eg ttom Sonett ungeljinbert t£un unb
warten, U$ bie $ird)e (einen alfo ^erbefferten £ert an bie ©teile
beg alten in bie SBulgata aufzunehmen ftd? Bewogen fü£lt: groß*
artige Slufgabe unferer 3^tt ! 2öer wollte, wenn er anberö bie
gäljigfeiten unb Äenntniffe baju beft^t, baran ni$t mitarbeiten
Reifen? D i£r guten ^eiligen SSater, warum bo$ ^afcet i£r e$
bamit fo leicht genommen?
15. £)ie 33e£anblung ber £!♦ ©$rtft, befonberö in ben
contemplatitten unb feelforglic^ tätigen Älöfiern,
in bie man ni$t eintritt, um bie 2Biffenf$af*
ten propter se $u betreiben*
2Baö ba$ Sefen, Ueberfegen unb (£rflären ber % ©$rift
überhaupt angebt, fo erfüllt man bie 2lbfid>ten ©otteS unb ber £!♦
Ätrd&e olme allen 3weifel beffer mit einer aöcetifc^en ©elbftbe*
fdjranfung jur Erbauung, al$ mit einer #nlologtf#en ©pigftnbtg*
hü, bie ju nichts bient, aU sur 3^ftveuung, bie überhaupt (man
fage unb betljeure bagegen, xoa$ man will) bie SSere^rung gegen
ba$ SBort ©otteä serminbert unb enblidj alle innere ©albung beS
£t. ©eifteS beim 2efen beöfelben aufgebt
3u Orient (Pallavic. 1. VII.) beriefen ftd? bie 23äter beS
Sonette au# baräber, ob man au$ in ben 5D?önd)gflöfiern baS
©tubium unb ben Unterricht in ber $L ©c^rift *>orf$reiben folle*
hiergegen würben mehrere (Sinwenbungen gemalt unter £inwetfung
auf bie mit biefem ©tubium »erbunbenen fd?olajlif$en 3e*ftteuungen
unb ba$ t>on einigen Drbenöregeln, xt>k $♦ 33* ber Äartljäufer, *>or*
getriebene ftrenge ©titlf^weigen* Slllein bie SÄeJjrjaljl ber SBäter
war ber SD?einung, bajj „ba$ ©tubium ber % ©c&rift bem 2J?ön#$*
leben fetneöwegS entgegengehen fönne, ba baöfelbe, ftatt bem ©ebete
unb ber Betrachtung ein Jpinbermjj in ben 2Beg ju legen, beibe
nur no$ beförbern muffe'' *)♦
9hm bitte iä) aber einen 3eben, ber baoon (Jrfajjrung gemacht
ljaben fann, er möge mir gewiffenljaft erflctren, ob ft# bie£, xotö
*) Älttföe'S Ueberfefcung, 33b. 3. ©♦ 36.
126
tue 33äter »on Orient meinten, von unferer heutigen, fo t>or£em
fdjenb Jp^tfologifc^en unb frittfdjen SWetljobe beim ©$riftfiubtum
no$ fagen laffe? ®etoi$ ntd^t! 2llfo barf man aud> ntc^t er*
warten unb no$ weniger verlangen, baß bie $lofterf#ulen attge*
mein ben 2Beg ber heutigen acabemifcfcen (£regefe einklagen, ober,
wenn fie pit unb ba einige ©dritte mitgeben, auf bemfelben länger
beharren werben *)♦ ©ie fönnen ci nityt, oljne bem eigentlichen
Drbenögeifte ju fctyaben, ber im ©ebete unb in ber innem ©amm*
lung be$ ©emütljeS allein wurzelt* £)ie 9D?et£obe ift i^nen für
ben innem unb äußern DrbenSjwecf ju weitfdjweiftg, fte muffen
einen einfachem 2Beg einklagen, ni$t Sitten mittun wollen,
toa& bie $ird)e nur immer ben großen ©eleljrten jugeftanben Ijaben
mag; fte galten für i£ren 9?u£en unb ©ebraudj meljr von ben für*
Jen 9totijen eines SftenocfjiuS, eineS 23ifcf?of$ SBittmann, *>on einem
practifc&en ginger jeig in GtorneliuS a Sapibe; fte galten ftdj ftiö
unb gefammelt, beten ju ©ott unb lefen bie £!♦ ©cfyrift mit 2ln*
bacfyt, wie ;/ einen ©enbbrief be$ allmächtigen ©otteö an ©eine
Sreatur", nadj bem frönen Sluebrutfe be$ IjL ©regoriuS — unb
bie frommen Sic^tgebanfen, welche ber % ©eift ifmen babei ein*
flößt, bie galten fte in £o!Jen &)xtn jum £roft unb jur 9?a£rung
i^rer Seelen, ©ie Raffen grünbli$ in ber @d>rifterflärung jiebe
pljilologifcfMritifcfje 2Öort* unb 33u$ftabenf fauberei , bie fie woltf
mit gutem Siecht als ni#t t>on ©ott gewollt betrachten, ba biefelbe
nodj niemals einen ©eift in ber 2öa£rl)ett erleuchtet, ober ein
£erj für bie 2öa!)r|>eit erwärmt Ijat* £)ie lateinifd?e SSulgata,
obwohl eine Ueberfe|ung, ift ifmen na$ bem unfehlbaren Beugniß
ber tird&e bie % ©$rift, in ber uns baS wal)re SBort ©otteS
gegeben, unb aus ber eö auc$ fc^on einigermaßen erflärt wirb. 2ßo
fernere (Jrflärungen notljwenbig ftnb, geljen fte ju ben $#♦ SSätern
in bie ©$ule unb überhaupt Ui folgen £el)rern, bie nod? frei ge*
blieben ffnb t>on jener 2lrt unc&riftti$cr @$eu, in ipre bocten
©facubrationen aucf; etwas grommeS auS bem fatl)olifcf)en ^erjenö*
grunbe miteinfließen ju laffem Qahei beftnben fte ft$ wo^ler, unb
*) ©elbft bann ntcftf, n>enn bie Ätrcfye jtcfc ni$t veranlagt ftnben fotfte,
an btefem ffle^e tttva$ au$brücf(t$ ju tabeln, n>a$ Uifyt unb balb ge=
f$e£en tonnte.
127
babei werben fte au$ woljl mit ber ©nabe ©otteö bleiben* 2)ag
aber aud> ber etyrwürbige SBeltfferuä ber firitif unb spijilologie
in ber ©cegefe völlig fatt unb übermüb tji — ba£ (fließe ity mit
erpertmentaler 2Biffenfd?aft auä bem Umftanbe, baß bie meiften
SDSerfe von biefer foftbaren 33ü#erart nad> Sauren unb Sagen, 5—10
©eiten aufgef#nitten, ungebunben unb bicf beftaubt in i|>ren £f>efen
aufgeteilt ju finben ftnb. — Eine allgemeine dlMUtyv ju ber alten,
fir#li#em 23e£anblungöwetfe ber 23tbel wirb fo unter uuä fiatyo*
lifen eine täglid) meljr fällbare 9?ot£wenbigfeit 9Äir ift feit fiur*
jem ber ©ebanfe oft gefotnmen: wenn wir bie ganje % ®#rift
erflärt befäßen, tt>k ba$ neue SEeftament (i$ fenne nur bie erften
Lieferungen) von $rof* 9?eifdjl tu SRegenSburg, fo bürften bte met*
ften anbem f$ablo$ ungelefen bleiben. 2ßa3 biefer ©ele^rte fo
befdjeiben „Erläuterungen 7 ' nennt, ift einmal wirflicfye unb reine
fat£olifdS)e Exegefe, worin ber 2öiffenf$aft nic^t auf fiepen ber
grömmigfeit, aber au# biefer nid)t auf Soften ber wahren 2Bif*
fenf^aft gebient wirb. SWöge ©Ott fyn unb 2Ille, bie bemütfng
genug ftnb, feinem 33eifpiele ju folgen, fegnen!
ik
^rofejfor filee im SBorwort ju feinem Eommentar über baS
Evangelium 3o£anneS (ÜÄainj 1829) fagt: „Wlan |>at barin beu
33u$ftaben unb bie Sleußerlicfefeit ber ©efcln$te t£r SJedjt jur
©enäge aueüben laffen, ba fte bie (materielle) ©runblage ftnb;
aber eben barum fonnte eS Iti ijmen fein 23ewenben |>aben ; ♦ ♦
£)aß i$ bie fiird?enväter fo oft reben ließ, war 2lbft#t; id?
wollte bie Jüngern Geologen auf beu reiben gonb großartiger
Eregefe, ber in ifmen getroffen wirb, aufmerffam machen; unb
ba fte, vermöge i£rer ^o^en geiftigen Stellung unb beö
in Erfaffung be$ ©ötttic^en bur^ i£re große Zieht
unb ftete Uebung gefc^ärften ©tnneS wol)l bie ©efdHcf*
teßen finb, bas Evangelium mit rechter < S)ßixit\xalitat f
firaft unb Salbung ju erflären*), fo wirb ber billige in
*) ©tc l)aben alfo »ef entließ ätte$ beffer ßet&an, unb ba$ auf ber
einjigen Orun&lage ber Sulgata, foroie fte bamalS in ber Strcfce befannt
128
ben angeführten ©teilen nidjtS weniger aU eine 3Serunjiemng ft'n*
ben* 23ei aller Sichtung gegen neuere Cetflungen fonnte iä) benno#
meljrentljeilS nicfjt umljin, mi$ für ältere Auflegungen jn Befennen*
SQSeber im -ifteuen, no# im Sllten barf man Befangen fein; fonbern
immer frei ju fein nnb ju Bleiben in ber SQSa^rl^ett, tft nnfere
^öd^fte W¥ nnb SBürbe/'
Älee'S tiefer ©inn für fatfjolifdje 2ßa£r!jett erfannte me£r, aU
feine 3eit Dätte tragen fönnen; bieg f#eint er mir in ben legten
glimpflichen 9?ebett>enbungen anjubeutem ©ett iljm fmb bie wirf*
lt$en unb »ermeinten „Jte^te beS 33ud)ftoBen$ unb ber 2teuf?er*
lidjfeit" in ber gelehrten tyxaxiä beS 33iBeljiubium$ Bebeutenb, ja
enorm angewachsen, unb no<$ fagt -Jtiemanb: e$ iji genng *)♦ 2öenn
war. 3&te 9?acf)fommen traten mit fmbltc&er $tetat in t&re, ber SSater,
gußflapfem 2?on t&nen fagt SKo&ler (®ef. ©<$r, u, Sluff, Sb, % ©♦ 11):
„Die % ©<$rtft %attt som neunten 3 a Wunbert an &a$ttofe Srflarer ge*
funben, unb beinahe fletö waren e$ bie tücfcttgften latente, bte ft# ber @xe-
gefe wtbmeten; fte erflarten aber nte$r bte rcXtgiofen unb ftttttc&en 3been
ber $L ©#rtft, aU bie SBorte, unb gingen metflenä nt$t fo faft barauf
au$, ein $if}orif<# = grammattf#e$ Serflanbntj* ber S3tbel $u erteiltem, aU
religiös $u beleben unb jtttlt$ anzuregen* 3ebo^ war ba$ ©pra#lt#e nt$t
ganj fcerna^läfftgt unb $attt im 14. 3a$r$unbertc febon in 9itcolau$ *>on Spra
einen metflerlic&en Bearbeiter gefunben/' — 3leltgtö$ beleben unb fitt-
li$ anregen: ba$ ifi eben ber wefentlicl&e 3tt>ed aller J$. ©Triften, ba$u
jtnb fte öon ©Ott gegeben unb erhalten korben, alles Slnbere ift nur 5Reben=
fa#e* (SS tft für bie Ätrc^e nu$t$ verloren, wenn bte Siebenfache fcerfäumt
wirb; ein unerfefcbarer ©d)aben aber wirb entfielen, wenn längere 3«t bie
5Rebent>tnge allein ober fo fcorjuggwetfe betrieben werben, bafl barüber bte
£aui>tfac$e — ba$ na# ®ottt$ 2lbft#t etnjig 2Befentli$e — aufer 2t$t
gelaffen wirb.
*) ,, Marcion et Basilides et ceterae haereticorum pestes non
habent Dei Evangelium, quia non babent Spiritum Sanctum, sine quo
humanuni fit Evangelium, quod docetur . . . Nee putemus, in verbis
Scripturarum esse Evangelium, sed in sensu; non in superficie,
sed in medullär non in sermonum foliis, sed in radice rationis.
Alioquin et diabolus, qui loquitur de Scripturis, et omnes haereses
inde sibi consuunt cervicalia. Grande periculum est in Ecclesia loqui,
ne forte interpretatione perversa de Evangelio Christi hominis fiat
Evangelium, aut, quod pejus est, diaboli." (S. Hieronymus sup. Ep. ad
Galat. c. IJ)
129
man ftd) burdj bie Unxafrt fprac&li^er, örtlicher, Irtttfc^er Zitate
unb 23emerfungen ber meiften neuem ©ehrten aus Ziehe ju
©Ott Dinburdjwinben will, feufjt man, tt)te nadj einem SWefftaS,
na$ bem ©eleljrten, ber juerft lieber ben uns wn ber Äirctye
gegebenen 33ucbftaben ber 93utgata einfach — prout jacet — nadj
ber SQSetfe eines 23ewarbuS annehmen unb bte ebenfo tiefftmuge
als practif^e SÖeife ber alten SSäter befolgen wirb. 35ei feiner
Slnfunft würben bte Jüngern Geologen ben Ueberbrujj unb bie
Sangweile, worüber man flagt, ablegen unb iljm frol) unb fmrtig
entgegen jieljen, ben ^mnuS ftngenb: Benedictes, qui venit in
nomine Domini.
17. (Sine 3tt>if$en*9iebe*
93or einigen ^afyxen fiel mir ein aScetifd&eS 33ü$lein in bie
£anbe, baS t>on einem italienifd&en Eremiten getrieben iji*
£)tefer entfc&ulbigt ftd) in ber SBorrebe wegen ber ^ujiicität feines
©tileS , ba er nun bereits 30 3af>re in ber (£inöbe jugebrac^t unb
ftdj um ben ©ang ber £)inge biefer 2ßelt, unb was unb wie man
rebe unb fcf)reibe, aufjerft wenig befümmert Jjabe* 3$ bitte aus
ganj äjwltdjen ©rünben um biefelbe %lati)fiä)L „2Bir leben in
einer emften, religiös feljr bewegten Seit; ba ergebt an 211 le ber
bringenbe 9?uf, nimmer länger auf bem weidjen Äiffen eines Ijin*
reicfyenben unb gefiederten (SinfommenS ben bebeutfamen Vorgängen
gemädjlidj jujufc^auen, fonbern mutjng bie SQSaffe beS ©eifleS ju
ergreifen unb mitjuftreiten für ^irdje unb ©lauben* Slber ni$t
3eber fann ttorne in ben Äampfreiljen fielen; eS muß audj folc^e
geben, bie, untergeorbnet unb folgfam, gerne ÄnedjtSbienfte x>ex*
rieten/' ©o $rof* ©#egg in feiner ^falmenerflärung*
©ei alfo bemütljig unb waljr, backte id); jielfe bi$ hinter bie
legten Steigen ber fämpfer, ju ben fog. Srainfolbaten , unb Ijalte
mit iljnen ßrregefe auf beine 2lrt unb für tyxe gaffungSfraft* 333er
fonft nod) eS ber 9)tül)e wertfj ftnbet, bir jujuljören, ben lag immer
fommen unb babei fein* ©Ott fegne ben gelbprebiger unb fein 2lu*
bitorium !
SBemaiJ Wp^ctiSmen.
130
(Bin Stürk Heai-<£r£0*J> als prakttfdjer Bufa^ 3um
3tunt^n IlSud)*.
18. £)ie *ParanelfteiIen ber ©4>rtft
ijaben x>on je^er in ber fir$li$en @regefe für feljr n>id^ttg ge*
gelten, weil oft bur# fte allem bie @d)rift ft$ feibft erflärt. Da*
Ijer tffc eS ni$t ju billigen, wenn neue 33ibelauegaben, ben alten
fatyoltföen 9)?obug sertaffenb, bte $araHetftetlen niefct me£r
angeben* (£$ möge mir erlatrbt fein, mit einem furjen 23ei*
fpiele auf i£re 2öi$tigfeit Jnnjuweifen. (@ie£e R. P. @r^arb
0. S. B. in praefatione jur lateinifc|)*beutfd)en SBibelauegabe
in goi.)
9?e£men wir afö 23eifpiel ben erfteh 93er$ ber 23tbet: In
prineipio creavit Deus coelum et terram, neben bem ge*
n)ö|)nti^ wer t>\$ fünf ^araltelftelten angegeben werben, nament*
K<$: $[♦ 32, 6; 135, 5. geciu 18, L Stet. 14, 14 ff.; 17,
24 ff. SBolfen wir biefe 2lu3fprüd)e felbft auffudjen, fo werben wir
ftnben, bafj fte, auf ber 2Bage beS #eiligt£umg gewogen unb beim
Sichte beg ©laubeng betrautet, jenem erften SSerfe ber ©eneftö eine
fojufagen ttoßftänbige bogmatifcfie (Srllärung geben. 1) „Verbo
Domini coeli firmati sunt, et spirilu oris ejus omnis virtus
eorum," wo unö in bem 2Borte verbo bie causa efficiens ber
©cböpfung genannt wirb. 2) „Fecit (Deus) coelos in intellectu,
quoniam in aeternum misericordia ejus," WO wir bie fcppferifd)e
55robuctMraft beg göttlichen 33erftanbeö — in intellectu — unb
aU Snbjwed ber ©djöpfung bie SWanifefiation ©einer 33armf>er$ig*
leit (®üte) erfennen. 3) „Qui (Deus) vivit in aeternum, crea-
vit omnia simul," wo bas 2Börtd?en simul unS über bie 9Äo*
balität ber ©dpöpfuitg weiter belehrt, ba£ fte nämltdj auf ben gött*
liefen SBiKen augenblicflicf) erfolgt fei, ali unmittelbare SBirfung
©einer SlllmacJjt. 4) unb 5) „Qui (Deus) fecit coelum et
terram et mare et omnia, quae in eis sunt... mundum et
omnia, quae in eo sunt" etc., wo wir atte unftc^tbaren mc ft$t*
131
Garen £)inge aU ben ©egenftanb ber f^öpferifdjen Slttma^t ©ottee
benmnbenu
2luö biefem 23eifpiele läßt ft$ fcfyon genügenb erfennen, tx>te nüg*
liefe ba$ Sluffuc^en ber ^aralfeljkflen ift; benn würbe ber ^rebiger
be$ göttlichen SBorteö biefe ©cbriftftelfen erflären, einige 2luefprücf)e
ber ty). SSäter unb ben einen ober anbern gef$icfytli$en 3ug bei^
fügen, fo £ätte er o£ne 3weifel eine gute f rebigt fertig, bie er
*>or einem gebilbeten 2lubitorium galten fönnte, ,.cum brevitate
et facilitate sermonis." (Trid. sess. 5. c. 2J
19* ©er bl* ^Bonaventura
Ijat viele großartige unb originelle arbeiten über bie % ©$rift
geliefert; er verftanb e$ befonberß, bie ©$rtft auS ftefe felbft —
burefe glücflicfye £erbeijiel)ung anberer ©teKen — ju erftären *)♦
— (£ine eigene Slufmerffamfeit bei ^Jrieftem verbienen — i^reS
großen 9iu|en$ wegen — bie Expositiones in feinem ^falterium;
benn biefeS 33ud) erHart er mit einer folgen copia doctrinae Ui
jiebem einzelnen 23erfe, baß man als ein 9li^t^eitiger über feine
©regefe nur fkunen fanm 34> fe£e !)ief>er ali 23eifpiel tin paar
SSerfe auö bem 118. ^falrn über bie Hoffnung:
Memor esto verbi tui, in quo mihi spem dedisti. ©ett)iß
befiehlt ber f)immlifd?e Dberf>err einen Sugenbact, ber jum £etf
*>erbienftli$ ift; barum flößt @r beim 93efe£le ben ©e^orfamen bie
Hoffnung ein, unb jwar eine breifaefee Hoffnung:
1) Sie Hoffnung ber Slrbeitenben : Debet in spe, qui arat,
arare, (i Cor. 9.)
2) Sie Hoffnung ber £)ulbenben: Scientes, quia tribulatio
*) ©ieji §at x\a$ 2lrt unb SBeife ber Sllten au# ber $L J^ontaö
fcon 21 quin get&an, beffen &errlt$e3 2Serf$en de venerabili Sacra-
mento altaris m$t$ anberS ift, att eine nur unter befonberm SetfJanbe
be$ $1. OetfteS mögliche, logifcfc georbnete unb ttunberbar anfprecfcenbe 3u-
fammenftetfung einzelner ©$rifttexte au$ faft allen canomfefcen Supern ber
Stbel — W$ bie gan^e Se^re üon bem erhabenen ©etyetmmffe unferer Altäre
erfcfcöpfenb vorgetragen ift, unb $roar mit einem folgen 3tct$t&ume ber ®e-
banfen, 2lnf$auungen unb Effecte, baß man über ein einziges Äapitel^en
atyt Sage lang bttxatytn fanm
9*
132
patientiam operatur, patientia autem probationem, probatio
vero spem. (Rom. 5.)
3) £)ie Hoffnung ber Siebenben: Audientes fidem vestram
in Christo Jesu, et dilectionem quam habetis in sanctos
omnes propter spem, quae reposita est vobis in coelis.
(Coloss. i.J
£)iefe SBeifen ber £!♦ Hoffnung entsprechen bem ©tanbpunfte
unferer £)ienfibarfeit gegen ©ott: -Kotljwenbigfeit, £)emut£, Siebe*
Haec me consolata est in humilitate mea: quia eloquium
tuum vivificavit me.
£)iefe Hoffnung Ijat mt$ getröflet, midj ftärfenb jur
©Ietc^mütf)tgf eit ; in meiner 9tiebrtgfeit, mi# le^renb biefefbe
mit 2angmutlj ju ertragen; benn £)etn 2Bort, *>on ber Älein*
mütptgfett miä) abmaljnenb, ^at miä), jur @ro§mu$ aneifewb,
nen belebt
Haec facta est mihi, quia justificationes tuas exquisivi.
25iefe (troftreidje) Hoffnung ift mir geworben auf bem SQBege
meinet ©uc^enS na# ©erecfjtigfeit £roftrei$ wirb fte genannt
aus brei ©rünben:
1) 2Beil fte bie Anfänger auS ber Äned;t(d&aft beS böfen
geinbeö in ben £)ienft ©otteS äber(e|t: servitutis mutatoria.
$5f* 76: Nunc coepi! Haec mutatio dexterae Excelsi. £>aS
ijt bie ©timme eineS StnfcmgerS, ber Dofft, auö ber $ned)tfcf)aft
beS Teufels in ben £)tenft beS £errn t>erfe£t ju werben*
2) 3(1 fte troftreidj, weit fte bie gortfdjreitenben in ber
£ugenbprobe befielen mac^t: virtutis probatoria. 3ob 6: Haec
sit mihi consolatio, ut affligens me dolore non parcas. 3Da$
tft bie ©timme etneö gortfdjreitenben, ber baS Vertrauen Jjegt,
im @lüj)ofen ber SErübfat geprüft, aber aucf? bewährt ju werben*
— £)ie Hoffnung ift troflreicf) :
3) SBeil fte ben 35onfommenen einen Sorgefcfjmacf be$
ewigen SebenS gewährt: salutis praelibatoria. $("♦ 149: Gloria
haec est omnibus sanctis ejus: benn bie Erwartung unb ber
33orgefct?macf ber fünftigen ©üter in ber ewigen £eimat ift
133
bie ©(orte — anticiptrte ©eligfeit — ber Zeitigen in biefem
Seben*
Defecit in salutare tuum anima mea, et in verbum tuum
supersperavi.
£)a£ Dbject ber Hoffnung tft atfo: salutare tuum; ba£ ©üb*
ject: anima mea. — 2Baö für ein Dbfect?
1) 9Äit Verlangen ju erbeten: Ostende nobis Domine
misericordiam tuam, et salutare tuum da nobis. (Ps.8iJ
©ielje ba, ba« Verlangen eine« SBittenbem
2) 3m ©Zweigen ju erwarten: Bonum est praesto-
lari cum silentio salutare Dei. (Thren. 3J ©ielje ba, ba«
©cfjweigen eine« #offenben*
3) 9D?it greube ju betrauten: Viderunt omnes termini
terrae salutare Dei nostri: jubilate Deo omnis terra!
(Ps. 97.) @tel)e ba, bte greube eine« 33efdpauenben*
£errli$ unb wünfcf)en«wertl) ift alfo ba« Dbject ber £off*
nung; aber wie erbärmlich ift iljr ©ubject, *>on bem e« Ijeigt:
defecit anima mea! Sie ©eele nämtidj Ijat im Kampfe mit ber
23erfudjung bie Äraft ber % Hoffnung verloren, unb bie 23erfuclj)ung
war ofme 3weifet eine tton biefen breien: £raurtgfeit, ober Unent*
Ijaltfamfett, ober irbifd()e Älug^eit Et in verbum tuum super-
speravi: be« Jpeifanbe« 2öort ift ein SQBort be« £et(e«, unb mfyt
allein be« £eile«, fonbem au$ ber£ugenb; benn 9liemanbem t>er*
letljt @r ba« £eit, oljne i£m bie £ugenb sorljer »erliefen ju Ija*
ben: Ergo supersperat i. e. supervacue sperat, quieunque
sperat salutem praeter gratiam et virtutem.
20. 3Drei Srbarmungen be« «iperrn*
„(£« ftnb 25arm^erjigfeiten be« Jperrn, ba§ wir ni$t gänjfid)
aufgerieben würben : misericordiae Domini , quia non sumus
consumpti." (klaget 3ereuu)
£)en Keinen, bebeutenbern unb großen ©ünben entfyridjt eine
breifadje (£rbarmung ©otte«*
1) Sie langmütige Erwartung, ba ©Ott ben ©ünber
, 134
riityt gleich [traft, fonbern ifjm 3zü #w ®uge gibt, nenne i$ —
non in se, sed relata ad alias — eine Keine 33arml)er£igfeik
2) SBebeutenber aU jene £ft bie ©nabe ber 33ufjfertigfeit,
oljme wetdje bie Erwartung mefjr eine ©träfe, a(S eine Erbarmung
wäre, nacfy SRöm* 2, 4—5. — ©tefe beiben Erbarmungen ©otteS
mögen un6 genügen bei nnfern täglichen läßlichen ©ünben, t>on
benen wir nicf)t gänjti$ frei bleiben fönnen, fo lange wir biefen
2eib ber ©ünbe tragen; aber bei fc^weren unb £obfünben bebür*
fen wir
3) ber Ent Haltung *>on benfelben, unb biefe i)l eine gro§e,
ben großen ©ünbern notljwenbige 23arml)er$igfeit, t>on ber eö %
50. Ijeifjt: Miserere mei, Deus, secuadum magnam miseri-
cordiam taam: et seeundum multitudinem miserationum
tuarum dele iniquitatem meam. — 2)iefe große Erbarmung
©otteö £at fcier £öci)ter*©naben:
a) Empjtnbung beö 9?euef$mer$e3 — immissio amaritudinis.
b) Entfernung ber ©etegen^ett — subtractio opportunitatis.
c) Äraft be£ 2ötberftanbeS — virtas resistendi.
d) Teilung ber Seibenfdjaft — sanitas affectionis. (S. Bern.)
21* £)a$ SSefen be$ innern ©otteöreidjeS
befielt nacf> bem £!♦ Paulus in ber ©erecfytigfeit, im grieben
unb in ber greube beS §1 ©eijleö: Non est regrmm Dei
esca et potus; sed justitia et pax et gaudium in Spiritu
Sancto. (Rom. U, i7J Sie greube im % ©eifte ift jwetfad):
1) im 5lnbenfen an bie fünftigen ©üter;
2) im Ertragen ber gegenwartigen UebeL
£)arum fd)reibt er ben Klippern 4, 4, baß fte ftc§> im £erm
erfreuen unb wieber unb immer erfreuen foKten: Gaudete in Do-
mino semper, et iterum dico: gaudete. Unb no$ beutltd^er an
bie Körner 5, 2 — 3: gloriamur in spe gloriae filiorum Dei:
non solum autem, sed et glorianmr in tribulationibus.
£)amit nun 3^^anb für biefe boppelte Jjeitige greube empfänglich
werbe, muß er florier ftdj üben in ber @ered)ttgfeit unb im grie*
ben: in ber ©eredjtigfeit babur$, ba^ er bem 9täcf)ften atteä baö
135
tfme ober m#t tl?ue, was er ftd) fetbft von tljm getrau ober ver*
mieben wünfcf)t; im grteben babur$, baß er 9ttemanben übermütig
beletbtge, unb tfi er ttm felbft beleibigt, nidjt unerbittlich bleibe,
ba eS unS in biefem fo gebrechlichen %cUn nodj nid)t mögttc^ ift,
einen abfoluten grteben ofme ben minbeften 2(njloß gegen einanber
ju bewahren ♦ ♦ ♦ ©ebenfeft bu alfo, baß bein SBruber etwas gegen
bi$ ^abe, fo fei bemütfrig unb bitte tyn um SSerjeifmng; fwf* bu
etwaö gegen tyn, fo fei nac^fic^tig unb leicht, iljm 23er$eiljmng ju
gewähren, unb SllleS bleibt im grieben, aus bem bann bie %
greube entfpringt (joh 33ern>)
©er £(♦ Sluguftm fagt: bie greube im % ©eifte fei ber
2Öein, ber unS auS ber Traube beS 2etbeS (grifft auf ber Leiter
beS ÄreujeS ausgepreßt korben; — „baju mußten bie ©efäße un*
ferer £erjen vom % ©eifl felbft vorbereitet werben, bamit ber
neue %Qän audfj in neuen ©ctylctudjen aufbewahrt Ueihcn fönne*
©ereinigt mußten fte werben, t>a$ ber eingegoffene Sttoft feine
frembartige 9Äif$ung erfahre; feftgebunben mußten fte bann au#
werben, baß nichts auslaufe unb verloren gelje: gereinigt von ber
böfen greube, gebunben gegen bie eitle greube* £)aS ©ute
ncunticf) fonnte feinen Eingang ft'nben, fo lange baS 23erfeljrte nodj
ba war* £5ie böfe greube bejTecft baS ©emüt£, bie eitle greube
gießt eS auS; bie böfe greube mad)t baS ©efäß fd)mu|ig, bie
eitle greube mac^t 3ftffe barin; böfe greube ifi eS, wenn bie
©iinbe, eitle greube, wenn baS Sergängti^e geliebt wirb*
SBtrf alfo baS @$te$te IjinauS, bamit bu baS ©ute empfangen
fönnejh ©ieße bie 33itterfeiten auS, um von ber göttlichen ©üßtg*
feit erfüllt ju werben* 25er % ©eift iji greube unb Zieht* SQSirf
hinaus ben ©eift beS SeufelS unb ben ©eifi biefer SBelt, auf baß
bu empfangeft ben ©eiji ©otteS* ©er ©eiji beS Teufels wirft
bie böfe, ber ©eift ber Söelt bie eitle greube: beibe ftnb f$led)t,
bie eine, weil fte bie ©itnbe fcfjon mitbringt, bie anbere, weil fte
baju ©elegentjeit bietet 2)er ©eift ©otteS aber wirb fommen,
na$bem bie böfen ©eifter hinausgeworfen worben, unb eingeljenb
in baS 3elt be« £erjenS wirb dx barin bie gute, ^eilige greube
erzeugen unb bewahren* 7 '
136
22. 3ur geiftficfjen 2lugftattung be$ ^riejler^
©er *J5riefler, wenn er ben ©ünber jur 33efeljrung ermahnt,
um ben im J^erjen beöfelben erftorbenen Sefug falben ju formen,
folf ft# baju vorbereiten nati) bem 33eifpiele jener brei ^eiligen
SÖBeiber im öfterlic&en (Evangelium: 33erjlanb, 3«nge unb #anb
follen jebeS ftd) (eine eigenen ©alben vergaffen (% 33ern/):
1) ©er aSerfianb folt in (Erwägung beö SluSfpructyeS be$
2lpoftel$: „33elel)ret fte im ©eifte ber ©anftmuti), bebenfenb, bafj
tl)r au$ verfugt werben fönnet," gleich j[enem ty. ©reife bei ben
Slltvätern, ber, aU er Ijörte, einer ber Srüber Ijabe gefünbtgt,
bitterlich weinte unb fpra#: „(Er ift alfo Ijeute gefallen, unb ity
vielleicht falle morgen/' — ber SSerftanb, fage ify, (oll forgen für
an n>al)re$ 5D?itleib, für einen reinen ©eeleneifer unb für
Iluge Umfidjt
2) ©ie 3**nge mu§, um re$t unb fieilfam ju reben, eben*
falls ipre brei 2lro'mata beftgen: 33efd)etben£eit bei Serwetfen,
SQßortfluß in ber 9?ebe, Äraft jum Ueberjeugen ♦ ♦ ♦ ©u
fannft 33iele bemerfen, bie, obgleich fte mit reiner 2lbfi$t unb lieb*
reifem £erjen barangeljen, (EtwaS leicfjtftnnig auefagen, wa$ fdjwer
ertragen wirb: ein unwiberrufltc|)eö SBort fliegt ta^in ; t$> follte
feilen: weit ti aber vielleicht ju betfjenb erfcfjeint, fo erbittert ti
vielmehr unb mad)t ben Uranien unheilbar*
3) Die £anb mit iljrer SBerftjjätigfeit [oll erwerben unb
bewahren ben 9?uf ber grömmigfeit ober ben guten Flamen: „nam
cujus vita despicitur, restat ut praedicatio contemnatur,"
fagt ber % £ebrer* ©ie brei fjiefjer gehörigen 2tromata ftnb: 21 b*
töbtung beö §Ietf#e$, 33arm£er$igfeit gegen ben 9?ädj*
ften, ©ebutb mit ben ©c^wac^en.
©er ^eilige fagt, wir fönnten un$ alte biefe ©aben von un*
ferm Jperm erfaufen, unb jwar: bie ©aben beö SSerftanbeS für bie
9Jfünje bes (Eigenwillens ; bie ©aben ber 3unge fto t>k ©elbfi*
Übung be$ ©ünbenbef enntniffeS , weil eö ft$ gejieme, erft bie eige*
neu ©ünben ju beizten, bevor man baran gelje, Slnbere bavon
ju reinigen; enblid) bie ©aben ber £anb für bie geiftlicjje SWünje
ber bemütljigen Unterwürftgfeit , b* £♦ ber ©eeleneiferer foll ein
137
rechter ^ractifer m ber SEugenb unb ©elbftljeiliguttg fetti, fo wirb
er aucfj in Sintern Imubertfälttge ftxutyt bringen.
23* 33ernarbintfc$e gunfen*
1) d$ gibt im SSotfe ®otteö finntic&e unb geiftlidK 9Äen*
fdjen; tnbeg mangelt weber jenen gänjlicty ba$ Verlangen nadj
ewigen, nod) biefen baä Verlangen na# jeitlicfyen Singen; man
£ält fte bafjer für ftnnttc^ ober geiftlid) je na$ bem, wa$ fte t>or^
$iel)en* ?luS biefem ©rnnbe werben in bem Segen Jacobs unb
@fau 1 3 zweimal — jtebod) in anberer Orbnung — JpimmelStljau
unb (Srbenfett genannt: Det tibi Deus de rore coeli et de pin-
guedine terrae abundantiam, fagte 3faaf ju 3^ob; ju (Sfau
aber: In pingaedine terrae et in rore coeli desuper erit be-
nedictio tua. (Gen. 27 J SQSaö aber 3ebe$ in feinem £er*
Jen »orjielje, baS tritt au$ feinen ©orgen unb Sßeftrebungen
an 1 3 ZityL
2) „£)er £ob ber ©ünber ift am fc^limmften," fagt
ber $Sfalmift + ©ctylimm ift er im 33erluf}e ber Söeft, weit fte son
tyv, bie fte nod? lieben , ni$t olime ©#mer$ ftd? trennen; fdjtim*
mer ift er bur$ bie Sluflöfung be$ %eibt$ f aus bem bie ©eele
flteic^fam »on ben böfen ©eifiern gewattfam ^erauögeriffen wirb;
am fd)limmften wirb er burcf) bie £öllenqua(, wenn %eib unb
©eele ben ewigen glammen überliefert werben. — £)al)ingegen ift
ber frommen SEob baS33efte, xoa$ e$ gibt: benn nun werben
fte ru^en x>on be$ 2eben6 ÜÄüfjfamfeit , unb ftcty freuen ob ber
tteuen ©eligfeit, unb oljne ©orge fein in (Swigfett
3) De stercore boum lapidatus est piger. (Eccli. 22 J
„25er gauKenjer ift mit Dcfjfenmift gefteinigt worben/' ©ine fjarte
IXluß iji ba$! 2öer fann ben Äern beö ©eifte$ £erau$ijolen?
Sßarum £at ©otteö SBorfeljung barüber gewagt, baß unö biefer
Slu^fprucf) in ber % ©djrift aufbewahrt bliebe? — £)er natürliche
23erftanb unb 2ßi§ ber 9Äenf$en fann barüber x>tel grübeln unb
f afein, oljme etwaö vorzubringen, wa$ ber Schrift unb iljreä
Urljeberä würbig fen ©er % 33ernarb $at eö verjlanben:
„SBenn bie böfen ©etfter," fagt er, „3emanben faul unb träge ju
frommen Hebungen feljen, fo füllen fte il)m jur Ungelegenfjeit alle
138
feine ©ebanfen mit niebrigen unb trbtfd&en £)tngen an, welche bei
benen, bie ft$ im SMenfte ©otteS fleißig üben, nic^t mefjr als
©tragenfotf) ju bebeuten £aben: velut de stercoribus boum
raassas coagulantes, et pigrum, sicut dignus est, lapidantes."
— 2Ba$ alfo für ben Eifrigen gtetcfcfam ©ünger jum 2Bad)$tljum
aller Sugenben ift, baö wirb für ben £rägen burd) feine ©c^ult)
ju Steinen, bie fein inneres (Srbreicf) mel?r unb meljr unfruchtbar
machen.
4) £)a3 erfte SQBort ber Braut im £oJ)entiebe Kantet: Oscu-
letur me osculo oris sui! 3*t biefem füfmen SÖunfcfje fpridjt
fte alle ®nabenrei$tl?ümer i^reö Inrnmlifc^en Bräutigams au$.
„£)iefer," fagt ber £L Bewarb, „läßt bie Seele, ©eine Braut, ju
einem breifacfien Jhtffe $u, nämlid): junt gujjfuffe, wobei fte bie
Bergung aller ©ünben empfängt; jum £anbfuffe, wobei fte
mit bem ©efdjenfe ber £ugenben bereichert wirb; jum 3D?unb*
fuffe, wobei fte feine ©e^eimnijfe erfährt/' 2e£tereS gef$ie£t im
£obe ber ©etrenen ^ebenfalls; eS gefcfyiefjt aber aucfy einigermaßen
in biefemSeben, fonft würbe ber ^falmift ftcfj ntc^t baranf bemfen:
Ecce enim veritatem dilexisti, incerta et occulta sapientiae
tuae manifestasti mihi. (Ps. 50 J
5) Bon ben geiftlidjen ©alben ber Seele, beren wo£trie$en*
ber £)uft il)ren Bräutigam erquicft, nennt BernarbuS bret: Sie*
betreue Ui bem @ebäd?tni{} ber begangenen ©ünben, Eingabe
bei ber (Erinnerung an bie empfangenen SÖoljltljaten, Sftitleib
auS ber Beobachtung ber blinben SBeltfinber*
6) 25er ^immltfd^e Bräutigam ruft bie ©eele jurürf mit ben
SÖorten: Revertere, revertere, Sunamitis, revertere, revertere,
ut intueamur te. 2)aS x>terfac^>e „Äe^re jurücf !" erflärt Bernau
buS fcf)ön wie folgt: „$eljre jurücf erjlenS t>on leic^tftnniger gröl?*
liefert; fe£re zweitens jurücf wn unnü^er SEraurigfeit; fe^re ju*
rücf brittenS t>on eitler (£f>rfu$t; feljre viertens jurüd von Ijetm*
lieber ©elbftgefältigfetV
7) Sitte Sluöerwäljlten gehören nad) BewarbuS bem einen aus
folgenben brei ©täuben an: fte ftnb entweber Pilger, ober £obte,
ober ©efreujigte* Bon ben erften fagt ber Sipofiel: Non ha-
bemus hie manentem civitatem, unb ber ^fatmifl: Quoniam
advena ego sum apud te, et peregrinus, sicut omnes patres
139
mei. — 33on bett feiten Ijeifjt ei Ui bemfelben 2tyoftel: Mortui
enim estis, et vita vestra abscondita est cum Christo in
Deo. Vivo ego, jam non ego, vivit vero in me Christus, aU
wollte er fagen: gegen alles 2lnbere hin i<$) tobt, oljme ©efityf,
oljne 2lufmerffamfeit, ofjne Sorge; Singe aber, bie (Slmftum an*
ge^en, bie ftnben micfy lebenbig unb immer bereit Sr war atfo
t)on biefen wie wn ben (Srften, er war au$ t>on ben ©ritten;
benn au$ ber 33erjücfnng in ben brüten £immel jurücffeprenb, [priest
er: Mihi autem absit gloriari, nisi in cruce Domini nostri
Jesu Christi, in quo mihi mundus crueifixus est, et ego mundo.
din ^ilger, wenn er fing ift nnb feiner ^tlgerreife ntdjt »ergibt,
ge£t, obgleich nic^t ofjne ü)?iU?e, vorüber, nnb wirb ni$t $u fe^r in
weltliche £anbel tterwtcfelt din £obter »erachtet 33eibe$ gleicher*
maßen, baö ©ctymeictjetnbe wie bas 2lbftoßenbe in biefer ©innen*
we(t 2Öer aber einmal bi$ in ben britten Fimmel tterjücft ift
worben, bem ift fortan 2llfeS, wonaef) bie 2ßelt l>af$t, ein waljreg
$reuj, nnb wa$ ber 2Belt wie ein ^reuj Dorfommt, bem Dangt er
mit ber ©eele am
8) Bonus est Dominus sperantibus in eum, animae
quaerenti illum. (JeremJ Wftexte bir hierin au$ ben 3^
lenunterfcfyieb, baß ber ^ropfjet bie anf ben Jperrn Jpoffenben
in ber 2D?e£rl)eit nennt, ba ei 23ielen gemeinfam ju fein f$eint,
»on bem ben £erm ©ucfjenben aber wie von dinem rebet, weil
baö jn einer gleicfefam anöna^möweifen (singularis) ^ein^eit nnb
©nabe unb SSottfommen^eit gehört, nicfjt nur außer von ©ott
nifyi ju hoffen, fonbern auefj nifyti aU ©Ott allein ju
fu$en* SBenn nun ber £err gut ift gegen bie vielen £offenben,
um fo metyx wirb dv ei fein gegen ben dinen ©u^enben*
24. 33iblifcf)e ©otteSgerid&te gegen bie ©iinber*
CDiefe unb bie fotgenben Siummern au$ ben £omtlien be$ e&w. 2ubttng
t>on ©ranaba.)
Um barüber mit §rud)t ju prebigen , brauet ber Sßerlünber
beä ©otteöwortcä nur bie folgenben ©teilen aufmerffam ju lefen
unb mit gläubigem ©emüt^e ju betrachten, £)en gatl ber böfen
Snget au$ bem £tmmel, bie ©träfe unferer ©tammeltem im tya*
140
rabiefe, bie ©ünbfintlj, bie @inaf$erung be$ ganzen Xfyaki wn
©obom mit Slttem, tt)a« barin war, fann er mit ©tillf^weigen
übergeben ober eben furj anführen, weit fie meifl jebem ^rebiger
bienen müffem — dv lefe aber bie ©träfe 5ftababS unb 2lbiu%
bie bur$ bag geuer ©otteS serjeljrt werben, weil fte gegen bie
93orf#rift beim ©otteöbienji unfceifigeS geuer gebraust Ratten*
(Settit 100 dx lefe bie Berftörung 3cru$o'* in 3ofue Aap. 6
unb 7. (£r lefe bie SluSrottung beä ganzen 33olBftammeä 2lma*
lef : „Percute Amalec, et demolire universa ejus," lautete ber
Auftrag ©otteö an tönig ©auU (1 $ön* 15J £r tefe ferner
über bie Störung 3erufatemS bie ^3ropf>ette in (£jecij* 5 unb in
ben flageliebern 3erenucu (Sr lefe bie ©träfe, welche ben böfen
Äönig ©ebefiaä traf (3erenu 52*), ber bie graufamße (£rmorbung
alter feiner Äinber anfeljen mujj, U$ julegt il)m unb allen nodj
übrigen gürften Suba'S von ben 23arbaren bie 5lugen ausgeflogen
werben. (£r lefe bie ©träfe ©amaria'S in Dfee 14. Unb wenn
t£m no# tttvaö fe£It, bie göttliche ©trenge unb ©ere^tigfeit gegen
bie ©otttofen biblifd) $u beweifen, fo lefe er enbttd) auefj alle
jene glücke gegen bie Uebertreter beö göttlichen ©efe£e$, bie 9Äofe$
im Deuteron* 27 betrieben £at
©nige 33äterfiel(en unb 3üge auö bem Seben, bann ©$lu§:
3e größer aber ber £af) ®otte£ gegen bie 33öfen ift, befto größer
ift audj ©eine ©üte unb Zitht gegen bie grommen unb ©erec^ten*
25. Silber *>on ©otteö Zieht gegen bie ©Uten*
Ego quasi nutritius Ephraim, portabam eos in brachiis
meis . . . Ero eis quasi exaltans jugum super maxillas eorum:
et declinavi ad eum, ut vesceretur. (Osee 11.) 3>n biefen
SBorten £at ©Ott brei SMlber ber Zieht gegen ©ein SSolf gejeid)*
net £>ie erjie ift bie Siebe einer 9t ä Gramme, bie baä tyx an*
sertraute Äinb mit mütterlicher 3ärtlid?feit ernährt unb auf
il)ren Firmen trägt Sie s weite ijl bie Zieht eines armen
Sanbmanneä gegen feine betben 3o$tl)iere, bur$ bereu £ülfe
unb Slrbeit er fein bürftigeS Zchtn unterhält, unb bie er na$ soll*
brachem Sagwerf gütlich unb fanft be^anbelt, unb tljnen ba$
brücfenbe 3o# abnimmt, bamit fte *>on ber Saft erleichtert
141
würben, unb fte nun t>on (Srmübung unb &§m\% auöruljen möd}*
ten* Sie britte ift bte Siebe eine« SSater^ gegen feinen franfen
©ofm, ben ber @fel ob jeber ©peife me£r unb metjr abfdjwäcH
unb bem ber liebreiche 33ater jur ©eite fi£t, ij?n liebfofenb
unb ibm bie föfHicbßen ©peifen mit eigenen £cmben barreicfyenb,
batnit er bo$ tttoa$ effe unb nictyt s>or (Sntfräftung fierbe*
26. ©nabenblicfe 3efu*
3tnmer ift bie Begegnung unb ber Slnblicf be$ £errn 3efu
Dö# nügli$ unb £eilfam< @r fa£ bie traurige Sßittwe t>on 9taim
binter bem ©arge tf>reö einzigen ©olweä weinen, unb erwecfte
biefen $>on ben lobten unb gab tyn feiner getröpeten 5D?utter
jurüdL (Sue* 7*) (£r begegnete ben 23efeffenen im Sanbe ber
©erafener unb feilte fte. (Wtatfy. 80 (£r fa£ betrug unb 2ln*
breaS mit bem gifd? fange befestiget, berief fte ju ©einer 9?a$*
folge, unb ma$te fte $u SWenfc^enftfc^ern* (SWatt^ 4.) dx tarn
unb fa^ ben 3ölfner €ex>t unb machte tyn ju einem 2tyoftel
unb (£oangeliften* (Suc* 50 (£r fal) am £eid)e ©iloe ben ©idjt*
brühigen liegen unb feilte tyn alsbalb $>on feiner 38j[äljrigen
Shanfljeit* (3o^ 50 dx begegnete bem SMinbgebornen unb *>er*
lie£ i£m baö ©ejtcfct Qo^ 90 dx bliefte im Sßor^ofe be$ ®ai*
pbaö auf Petrus,- unb ftimmte iljm alebalb jur aufrichtigen 23ufie*
(£ue* 220 2ß entt <»lfo ber Slnblicf unferä Jperm immer unb
überall fo £eitfam war, warum foHte er eö je$t ni$t au$ no#
fein, j. 33* au£ bem % ©aeramente? — SStllig follen wir oft *>or
3£m ju erfreuten fud)en unb 3£n anrufen, bafj dx un£ alljeit
mit gütigen Slugen anbauen wolle, inbem wir mit bem *Pro*
pjjeten bitten: Respice me, Doraine et miserere mei, quia
unicus et pauper sura ego. (Ps. 24.)
27* Drei Spüren an ber £ölle*
Vlaä) ben SQSorten beö % 3opanne$: Omne, quod est in
mundo, coneupiscentia carnis est, coneupiscentia oculorum
et superbia vitae Qi Jo. 2J fagt ber eljrw* P. ?ubwig oon @ra*
naba, bie £ötle ljabe brei auf erorbentlidb weite £l?ore, burcf> welche
142
eine fo große 9Äenf$enmenge Inneingelje, baß ber ^roipljet 3faia$
ben Sluöfpruc^ tfjue: Propterea dilatavit infernus animam suam
et os suum absque ullo termino. Et descendent fortes ejus
et popuhis ejus et sublimes gloriosique ejus ad eum. (Is.5J
Unb jwar sögen burd) baö erfte Xfyov bie fleif$li$en unb f$am*
lofen 2ttenf$en ein, burd) ba$ zweite bie ©eijigen unb bur$ baS
britte bie £offärtigen, SSon ben ©einigen fpri$t ber £err bur<$
3eremiaö: A minimo usque ad maximum omnes avaritiae
student. (Jer. 6.) 2Bas aber bie ££♦ 3Säter unb Geologen
von bem Safter ber Unjud&t fagen, tft befannt, nämlid) baß bie
größte 2ln$al)l ber verlorengel)enben (£rwacbfenen allein burdj bie*
fe^ Safter ft$ in bie 23erbammmß ftürjt; unb iß: au$ juweilen
ber Äörper nodfj unverte^t, fetten wirb ber @eift ebenfalte oljme
9DMfel fein ; benn quis gloriabitur, castum se habere cor? fragt
ber £!♦ ^ieron^muö* £oci)mutl> enblidj ift ber SSater alfer Safter
unb bie (Srbfünbe aller hinter SuciferS*
28. Der tnübe 3efu$*
„£)a nun 3efu£ mübe war von ber 9?eife, fe^te @r ft$ fo
ljin an ben 33runneiu @3 war um bie fechte ©tunbe/' (3o£< 4,
60 £)en liebreichen unb emftgen gleiß, ben ber ©rlöfer anwanbte,
bie verlorenen ©djäflein ©einer beerbe aufjufuctyen , patte ber
% $atriar$ 3ofep£ in alten 3etten vorgebilbet. £)enn alö er
von feinem 3Sater 3acob gefdncft würbe, bie 23rüber unb bie #eer*
ben ju befugen, fanb tyn 3emanb auf bem gelbe umherirren, ber
t£n fragte, wa$ er fudje, worauf ber $atriar$ antwortete: 3$
fu$e meine S3rüber, jeige mir bo#, wo fte iljre beerben weibem
SBSenn 3emanb ba$ Seben beS £erw, ©eine verriebenen
arbeiten unb SMljen unb Reifen etuoad genauer betrachtet unb
3t)n ju jener 3eit (3o^ 4.) allein unb von bem 2ßege ermübet
um bie Ijeißefte 9D?ittag6ftunbe beim 33runnen ftgen gefe^en £ätte,
würbe er %$n Ijaben mit 9?e$t fragen fönnen: „£err, toaü be*
jwetfeji £)u bodj, baö eine folc^e ununterbrochene ©orge unb 9ftü£e
von 3Dtr verlangt? SBarum nimmft £)u fo viele arbeiten unb
33efd?werben auf £)i$? SBarum mübeft £)u £)icfj in fo vielen
Reifen ab? 33alb bift £)u auf bem äöege von ©alitäa na$ 3u*
143
bäa , balb lieber aus 3ubäa nad) ©aüläa; £)örfer unb ©täbte
bur^wanberfi 2)u ofme Unterlaß, nie f^oneft £)u Seiner unb
gönneft 2)ir nimmer einige 9?ul)e, — o fage mir bod), tc^ bitte
£)i#, tva^ ifi Seine 2lbftd)t bei fo sielen $?ül?en unb arbeiten?
wag fudjejl Du?'' — Unb waö würbe ber #err auf biefe fragen
geantwortet Ijaben? ©ewifi nichts anbereS, aU wa& ber ^atrtard^
3ofeplj ehemals bem fragenben 5D?anne auf bem gelbe geantwortet
Ijatte: „Fratres meos quaero: fte ftnb ja SBtin von meinem 35ein
unb g(etfd) von meinem gleifd) ; tpr Jpeil unb Ceben ift mir überaus
treuer; ber 3Sater £at fte mir anvertraut; barum fdjone i$ meiner
ni$t unb will ni$t auöruljen, nicfyt ©d)laf nod) ©djlummer mei*
neu Slugen gönnen, hü ify meine ©cfyäflein in i^re urfprüngtidje
£ürbe, in ba$ väterliche JpauS jurüdbringe/' D baö liebreiche
£er$ beS (£rlöferö!
29, ©nabenwaffer,
3m ©efpräd)e mit bem ©amaritifdjen 28eibe Qo^ 4*) ver*
gti$ unfer £>err ©eine ©nabe mit bem SBaffer, weil fte in ber
£I?at alles, xcai baS Söaffer leiblich fann unb bewirft, an unb in
unfern ©eelen t^ut:
£>a$ 2Bajfer wäfcfyt ben leiblichen @$mu§ ah; bie ©nabe
bagegen reinigt von ben 33efledungen ber ©eele* @o £atte eö
©Ott burd) ©einen $rop£eten verneigen: Effundam super vos
aquam mundam, et mundabimini ab Omnibus inquinamentis
vestris. (Ezech. 36 } £)ag ijt ber geheimnisvolle £>9fop, mit
welkem £)avit> verlangte befprengt unb gewafd?en ju werben von
feinen ©ünben* ( s J5f. 500 ®* e Streuten, welche ben klugen be$
reumütigen ©ünberS entftürjen, geben 3eugni£j, ba§ biefe innere
lid?e 2Baf$ung ber ©eele hei tym vor ft$ ge£t
£)a£ Söaffer befruchtet bie (£rbe, ma$t bie ©aat grünen unb
reifen unb gibt 23rob ben Cebenben; baöfelbe bewirft auefy bie
©nabe geiftlidjerweife in ber ©eele, inbem fte in il)r reidtfidje
grüßte von guten Sßerfen unb £ugenben hervorbringt Beatus
vir ... et erit tanquara lignum quod plantatum est secus de-
cursus aquarum, quod fruetum suum dabit in tempore suo
144
(Ps. ij 2Ba$ hingegen bte ©eete o^ne bie ©nabe fei, fagt ber
^Pfalmijl Ps. 142: Anima mea sicut terra sine aqua tibi.
£)em SQBaffer ift eS aud) eigen, bie gewaltige £i£e be$ 6om*
merS $\ madigen unb erträglicher ju machen; Sle^nltc^eö t£ut
bie göttliche ©nabe, inbem fie ben fdjäblicfien 23ranb ber 23egier*
Itc&feit unb bie glammen be$ unreinen §leif$e$ wie mit £immel$*
t£au abfüllt, bamit ni#t unfer 3nnereö t>on iljrer Uebergewalt
*>erl)eert unb ju ©runb gerietet werbe» Ros obvians ardori
venienti humilem efficiet eum. (Eccli. 43J ©er £err nennt
aber bie ©nabe nidjjt nur ein 2Baffer, fonbern au# ein lebenbi*
geS Sßaffer, bamit wir barauS erfennen, bie ©nabe Derleilje
unö ein eigene^, geiftlicfjeS, übernatürlich geben* £)a$ geben
aber wirb *>orjüglic|) erfannt in ben Jpanblungen unb Verrichtungen
ber ©inne, unter benen befonberä ber ©inn be$ @efüf>t$ am mei*
jien ein lebenbeö SQSefen t>on einem tobten unter [Reibet» @in geief)*
nam füf>lt nichts, ob tljm au$ bie größte Sßunbe gefälagen wirb;
aber ein lebenber Körper fann bie geringfte Verlegung einer 9tabel^
fpi£e nur fcfjwer ertragen: fo empftnben bie frommen, benen bie
©nabe jEeneö übernatürliche geben 9erlie£, ben ©tidj ber geringfien
läßlichen ©ünbe; bie 23öfen hingegen, bie ©ewoljnljeitöfünber be*
fonberö, in benen ba$ geben ber ©nabe erlof^en ift, bleiben fort*
an xok #ol$blöcfe unempftnbfam au# hei ben gröbften gaftertljaten
— wenn nidjt ein gewaltiger D^uf ©otteS ben faulenben gajaruS
auö bem ©rabe ruft unb neu wieber aufleben ma$t*
(£nblid) fagt ber £err oon bem geiftlictyen SBajfer ber ©nabe,
bafj e$ auffprubele in 1 g ewige geben: aqua viva saliens
in vitam aeternam. £)aö SÖajfer nämlidj fteigt ebenfo Ijod) xoie*
ber hinauf, aU e$ herabgefallen ift, nad? ber Statur, bie biefem @le*
mente innewohnt; unb ba ba$ geiftli$e SÖaffer ber ©nabe vom
Fimmel ^erab auf unfere (£rbe geflojfen ift, fo mufj ei folglich hei
feinem ^üdflujfe ben SfJfenfdjen, ber fi# feinen Strömungen treu
unb willig überläßt, in'g ewige geben hinüber* unb hinauftragen*
Sie ©nabe ergebt unfere Sßerfe in ben Jpimmel, inbem fte
benfelben burefy Vereinigung mit ben SBerfen S^rifti ba$ Verbienji
be$ ewigen gebend mitteilt
£)te ©nabe ergebt au$ bie ©emütljer ber 3)?enfc^en, bie fte
mnejjat, in ben £tmmel, inbem fie biefelben alfo *>on ber giebe
145
beö Ijimmlifdfjen SBaterlanbeS ent^ünbet, baß fte tu all 1 i£ren @e*
banfen, SQSorten unb £anblungen, in all' iljrem ©testen unb %x<x§*
ten, ©eljen unb ©teljen, ©d)lafen unb SSBac^en ben £immel unb
ba$ <5tt>tge nur im Stuge jjaben, unb barnad? i^ren £auf rieten*
Die ©orge für iai Grwige gleist in ben ©eelen bem £)ele, bae fiel)
mit feiner anbern glüfftgfeit vermengen fann unb immer obenauf
fcfywimmt* Nostra autem conversatio in coelis est. (Philipp.
3.J ©otuel über bie ©genf^aften biefeS ge^eimni^oCfen Sebenö*
waffere* Die 9ttenf$en, bie bason gän^lid) leer jTnb, fönnen ftd)
ni$t jum ©ebanfen an Jnromlifctye Dinge erbeben unb gleiten
ben auf ifjrem 35auc^e frie$enben gieren, welche ba$ alte ©efefj
f$on für unrein erflärt l)at: Omne quod reptat super terram,
abominabile erit nee assumetur in eibum. (Levit. 11.)
30. 3efuS weint
2Bof?t fagt ung baä Grt>angetium, baß ber Jperr geweint, nicfjt
aber, baß dx ein eihjigeö 9M gelabt £abe* Die 3)?enfc$en, *>on
benen ber *Propl)et allgemein im $f* 38 fagt: frustra contur-
bantur (filii hominum pro rebus nihili) — fte weinen oft tter*
geblicf) unb o£ne Urfac^e, xt>a$ Ui bem ©ofme ©otteö, ber ewigen
SSeieljeit felbft, bie nichts sergebltdj tput, ber gatl niemals fein
fonute* 9?un aber lefen wir im Seben be$ £erw, bafj @x bret*
mal geweint $aU: erftenS, aU (Sr *>on 9ttartl)a £örte, wo*
Ijin man ijjren tobten 23ruber £a$arug gelegt frnbe; zweitens,
al£ (£r bie ^eilige ©tabt ^erufalem fa£ unb an ifjren fünftigen
Untergang backte: videns civitatem flevit super illam; brittens,
ba dx am Äreuje ptng unb mit lautem ^uf unb £ljränen für
unS betete, vok ber Slpoftel fagt: cum clamore valido et lacry-
mis oravit. — D ber gutjjerjige £eilanbl Unfertwegen tyat (£r
oft geweint; aber in ©einen eigenen Reiben unb Drangfalen lefen
wir nid?t, baß (£r eine einjige ££räne oergoffen fyabe.
Sin ben obigen ©teilen, wenn ber Srlöfer weinte, backte (£r, tt>k
ber % $eter Sljrpfctogug fagt, an bie ©ünben ber -Jftenfcfyen, benn
bie ©ünbe war bie Urfacfye be$ SEobes: per peccatum mors intravit
in mundum: bie ©ünbe war bie Urfacfee ber 33erwüftung 3erufa*
lem&, unb um bie ©ünbe ausrotten, ftarb ber £err beö graufam*
ften £obe£ am Äreuje.
146
31. 93erbamme 9ttemanben*
Ouos praescivit, et praedestinavit conformes fieri iraa-
gini Filii sui. (Rom. 8J Qn ber geheimen Offenbarung 7, 3
werben bie 2luSerwäf}tten burd) ein Stifytw auf ber ©ttrne fenn*
bar gemalt 33on einem Verworfenen fagt ber (£rlöfer; Melius
erat ei, si natus non fuisset homo ille. (Matth. 26 J — £>b*
fd^on e$ in biefem Seben swifcfyen ben ©uten unb 23öfen einen
gewattig augenfd)einli$en Unterfdjteb gibt, fo bleibt uns betmod)
bie ewige 2luSerwä£lung ober Verwerfung oon Bcite ©otteS gän^
lidj verborgen, fo ba£ ber l)L Stomas fagt: Divina electio nihil
singulare et proprium in electis ponit, sed tota in divini
pectoris arcano latet. (£ö ift a(fo bamit nicfyt, mc mit ben ty*
©aeramenten ber Saufe, girmung unb s ]5riefterweif>e , welche ber
©eele ein unaustilgbares SWerfmal auf* unb einbrüden, ober au*
xok mit bem gegenwärtigen ©nabenftanbe berfelben, \va$ 2löeS
ojme 3weifel t>on ben (Engeln erfannt werben fann: |>ter wtffen
aud) bie (Snget nichts, unb barum Ijaben fte wegen ber (Einen wie
wegen ber Slnbern biefelbe mwerbroffene Sorge, unb laffen beiben
i^ren ©d&u§ unb SBeiftanb angebeifjen, weil fte baS (Enbe deines
für gewiß fennen* Domino Deo nostro, antequam crearentur,
omnia sunt agnita; sie et post perfectum respicit omnia.
(Eccl, 23.) 6o fotl benn Äeiner ftd) ergeben, unb aud) Äeiner
Verzweifeln: Quis seit, si spiritus filiorum Adam ascendat sur-
sum, et spiritus jumentorum descendat deorsum? (Eccl. 3.)
yiifyt, aU wolle bie Schrift im Unterfc^ieb jwifdjen SD^enfc^en unb
Viel? aufgeben, fonbem wegen ber ©nabe einer aufrichtigen 33e*
fefjrung, bie au$ ber böfefte, niebrigfte unb beinahe t^ierifc^e s D?enf$
empfangen fann, unb wegen ber 9J?pgli$feit ber ©ünbe unb Un*
bufüfertigfeit, wel$e au$ in bem ©ere^ten Ui Sebjeiten nic^t auf*
gehoben wirb*
Dritte Uurf).
$on bcr S5tBel in oen £änoen bcr frommen ^racttfer,
mögen fte gelebt ober einfältig fein*
Cum simplicibus sermocinatio ejus.
(Prov. 30
Ü
2BaS t>ie fettige ©cfyrift fei, unb wie man jum £eile
feiner ©eele barin lefen muffe — barüber wollen wir juerft bie
ty. Seljrer ber Äird)e einige SBorte reben laffen, benn auf fte
ftnbet ber SluSbrucf im 106. $)\ eine finnige 2lnwenbung: „Ipsi
viderunt opera Domini et mirabilia ejus in profundo", b* p.
ber ©$arfblicf i^reö innern SlugeS brang, von ber ©nabe beS £!♦
©eifteS auf ganj befonbere Söeife gehoben unb geftärft, bis in bie
un$ unb ben meiften Sefem verborgenen liefen ber göttlichen ©e*
Ijeimniffe unb Söunberwerfe ein* — „£) wie wunberbar, fagt ber
$L ©regor ber ©roge, xt>ie wunberbar ift bie £iefftnnigfeit
ber 2luSfprüd?e ©otteS! £)iefe ju ftubiren unb in ifjr 3nnerfteS
mit £ülfe ber ©nabe einjubringen, fei all' unfer Verlangen* ©o
oft wir unS mit (Stuftest unb Sßerjknb in ber £!♦ ©c$rift befctyäf*
ttgen, tljun wir fojufagen nichts anbereS, als eingeben in einen
bieten SBalb, um uns in feinem füllen ©chatten vor bem 2lüeS
verfengenben ©ünben*33ranbe biefer 2Öelt ju verbergen: „Ut in
ejus refrigerio ab hujus saeculi aestibus abscondamur."
(Hom. V, in EzechJ %n biefe legtern SQSorte beS % ^apfteS
reijjt ft# ber SluSfprud? beS f>L ^ieronpmuS, ber baS ©tu*
10*
148
bium ber \)t ©$rift aU etneö ber beften Mittel gegen bie Safter
unb Verfügungen bes §(etf$e$ bejetd^net: „Ama studia scrip-
turarum, et carnis vitia non amabis." (Ep. ad FaulinJ
3n einem ©riefe (Ad Theodorum 1. IV. epist. 31.) fagt
ber £(♦ ©regor: „2ßa$ ift bte f>L @$rift anberS, aU ein ©enb*
treiben beö allmächtigen ©otteS an ©eine ©efdfjöpfe? „Quaedam
episiola omnipotentis Dei ad creaturam suam," fte flößt un$,
wenn wir fte red?t lefen, £icf)t ein, bamit wir t>erftel)en, xt>a$ ju
meiben unb ju tljun i% unb entjünbet in und einen großen (Sifer,
ba6 ©ute im Sßerfe au^uüben, na$bem wir e$ eingefefjen unb
tterftanten Daben/'
©roß tt)ar bte 33erel?rung, welche alle ty. Sefjrer gegen bie
£♦ ©$rift beriefen* ©ie nannten baljer biefelbe audj mit folgen
tarnen, unb rebeten unb fc^rieben t>on tyv in folgen Sluöbrücfen,
worin biefe i£re £ocfrfcl)ä§ung unb Verehrung ju Sage trat „(£in
©piegel für bie ©eele" war fte tljnen, ben fte ft$ täglidj
twlnelten, unb eine „göttliche ^rebigt", welche fte, fo oft fte
nur wollten, anhören fonnten* 3)er % Sernarb nannte fte einen
//©arten ©otteö", worin bie betradjtenbe ©eele nad? SBunfdj
luftwanbeln fönne, weßljalb au$ ber % Äarl SBorromäuS fagte:
@in 33tfd§>of brause feinen ©arten: fein ©arten fei bie % ©djrift
©n Drbenömann, ben idfy gefannt Ijabe, fanb in ber % ©d?rift
einen folgen £roft, baß er ihretwegen gern j[eber (£rj?olung ent*
fagte, unb wenn ifmt je einfiel, einen Stueflug £ier* ober borten
ju tljun , eine nüglicfye Unterhaltung anjuf nüpfen , M greunben
ober SBefannten einen angenehmen 33efu$ ju machen, fo fprad)
innerlich fein anbä$tige$, genügfameS Jperj alsbalb mit ben 2Bor*
ten beö % $etru£: ,&wXt ju wem foH i§ geljen, ber 2öorte
beä ewigen SebenS für mi$ fmbe, xoit £)u in ©einer % ©cfjrift ?"
— Unb fo mußte er juweilen ber notpwenbigen förderlichen @v*
ljolung wegen gleid&fam mit ©ewalt auä feiner 3eße gebogen
werben. 2Öer erinnert ftc^ ba m<$t an ben junger unb bie $aft,
womit ba$ 33ien$en ft$ auf bie 33tume wirft, au$ ber eS, tt>k eä
aus @rfa|>rung wopl mi$, ben fünften £onig faugen fann? —
.149
(Sine fold)e 35tene ©otteS war ber £(♦ 23emarb,»ber beßfjalb
fafi 2lHeS, wa$ er betrachtete unb prebigte unb fdjrteb, in bte ©orte
unb Sluebrücfe ber frt* Schrift etnjufteiben verftanb, unb ber wegen
ber falbungövotlen ©üßigfeit fetner Sieben „Doctor mellifluus",
ber Se£rer, ber von Jponig überfliegt , von feinen 3eitgenoffen ge*
nannt würbe* (Sine fold)e Honigbiene ©otteö war au$ ber %
Slnton von *Pabua, ben ber $apft ©regoriuä IX., at$ er tyn
einmal prebtgen j)örte, mit bem tarnen „Area testamenti" be*
efjrte, b* £♦ einen SWann ©otteS nannte, in welkem alte Sluöfyrücfye
ber $L ©d)rift wie ein ©cfyaö in einer Sabe aufbewahrt lägen*
(Sine foId)e S3iene ©otteS war ein anberer ©oljn be£ Patriarchen
von SHfjtft, nämli$ ber % graneiSeuS ©otano, ber für
feine s ]3rebigten feine anbere Duelle ju benähen brauste, al$ fein
©regier, ba$ befanntlid) jum größten Steile aus ber % ©d)rift
befielt (Sbenfo wirb im Zehen beö % SSineenj gerreriuS
erjagt, biefer große 2tyoftel be$ fpätern 9ttittelalter£, ber faft ganj
(Suropa prebigenb burcf>$ogen Ijat, fei auf er ber % ©d)rift unb
feinem 33revier feinet anbern 33u$e$ bebürftig gewefen*
9D?an fage mir nicfyt: baS waren ^eilige unb an £ugenb
unb Sßerbienjien vor ©Ott große 3DMnner, mit benen wir deinen
unb Slermften unS niefct bürfen meffen wollen* (SS bebarf aud)
feineö unnügen 33ergleid)e$ swtfd)en Ülbtern unb Slmeifen, i$ weiß
bae wofrt; wir werben ni$t jieber aläbalb in ber £L ©$rift ftn^
ben, \va$ bie ^eiligen barin gefunben £aben; aber es wirb aud)
9iiemanb ganj leer ausgeben an geiftlidjem Jponig* SOSer
immer fid) mit £)emut£ unb Slnbadjt vorbereitet, wirb nad) bem
3Äaj?e feinet Vertrauen« auf ©otteS £ulb empfangen* (Sine ge*
l)örig vorbereitete aufrichtige ©eete fmbet immer ©uteS in ber
% ©c^rift, wenn aud) nityt alle* ©ute* £)er % Slugufiin
fagt: „Sie % ©djrift rebet in foldjer SBeife, baß fte in iljrer er*
Ebenen (Stnfalt ber ©toljen fpottet, burd) iljre £iefe bie Slufmerf*
famen in ©taunen verfegt, burd) ifjre traft ben ©roßen eine SBeibe
unb bur$ il)re Jperablaffung au$ ben kleinen 9?a!)rung barbietet/'
(1. II. in Gen. c. 19.) ?itfo nid)t nur bie großen ©eifter, fon*
150
bern cm$ bte f feinen, bie mit bemütljigem, frommem unb aufrief
tigern £erjen ber fyl ©cfjrtft na^en, ftnben bartn geiftfic^e Waty*
rung: virtute magnos pascit, affabilitate parvulos nutrit. 3a,
wenn oon ber notljwenbigften 23orbereitung jum ^eilfamen Sefen
ber % @d?rift bte 9tebe ift, unb wenn man furj baö befte Mittel
wif[en will, (o möchte i$ ju atfererft bie £)emut£ unb Slnbac^t
fegen, unb ju attertegt jiene wijfenfc^aftticfje 23i(bung, wie fte für^
Uty bie *)5bifotogen getrieben unb für nötljig erffärt ijaben*
£)k $£ifofogie ift ber % ©$rift in unfern £agen #\ feinem
©egen, fonbern vielmehr ju einer $Iage geworben. SQBaö ber %
©regor von ^ajianj über bie ©Triften unb Sefjrfyfteme ber
Ijeibnifdjen ^ilofop^en unb Sinter fagt: „fte feien wie bie ©ei*
fein unb plagen 2leg9!pten$, unb wegen unferer ©ünben in
bie Sirene eingebrungen," bag gilt au$ von 33ielem, wag bie tyfa
Wogen über bie % ©c^rift ju £age förbenu SBenn ber atte
©örreS mit 3?e$t ber Slnftcfyt war, bie er oft auöfpradj unb meljr
aU einmal nieberfc^rieb, bafj bie $M)ifoIogen lange Seit nur baran
gearbeitet ptten, ben ©eift überhaupt au£ ber ©pra$e ju vertreiben,
fo lann man mit no$ größerer 2Bal)rljeit fagen, baß biefe 33u$*
ftabengetel)rten, wo fte ftd; in ifjrer gewohnten SBeife auf bie
% ©c$rift werfen, ftatt ba$ ©emüt£ von ber (£rbe jum Jpimmet
5u ergeben, vielmehr baSfelbe rec^t jur (£rbe nieberbrücfen , ja eS
mit £ülfe gewiffer Archäologen in bie @rbe frineinfcfyteben*
SQSetl wir f>ier nun teie von fefbft auf baS Kapitel $tyifologie
geraden ftnb, [o möge man mir ertauben, au$ auf meine SÖeife
eine Heine ©trafrebe ju Ijattem ÜÄag fte au$ jumeift nur prote*
jlantifcfje ©ete^rte angeben, bie auf er bem 23u$ftaben nidjtö 2Bicf?*
tigeret in ber % ©d&rift ju Ijaben glauben, fo ftnb bo# au#
Äat^oltfen bamit gemeint Äatljolif ober ^roteftant, deiner fett
perfönlicfy angegriffen, aber aucl? deiner perfönlicl) ofme Unterfud^ung
bavon fretgefpro^en werben* Äatfjolif ober ^roteftant, wer am
151
meiften gefünbigt £at, ber fofl mit ber ©trafrebe am meiften gemeint
fein, bamit er in ft$ gepe unb 23u^e tljue. *)
Um bie % ©djrift ju *>erfte£en, fmben wir £auptfäe&K<$ brei
SWtttel: 1) bie Äirdbe in i£rer Sprache unb in i£rem Seben; 2)
bie % ©#rift felbft; 3) bie 33äter. — Slber, ©ruber, wa$ fagffc
bu ba? ift benn baju feine Slltertljumefunbe bel)ülfli$? £)o$ ja,
— etwa fo x>id, aU man in einigen Nachmittagen burcf)tefen famu
Unb bie $ftaturwijTenf$aft? — 9?ein, — bie fönnen wir ruljig
i£re SBege geben taffen, bie % ©$rift ijl ein übernatürliches
23 u$. Slber bie @pracf)f enntniffe ? £ebrätfä, <S$att>4ifc$, ©^rifä,
©riecbifd) u. f. w. — £) ©Ott, nein. **) 2D?an brauet nur Satein
ju serfteben, um biejenige Stuögabe lefen ^u fönnen, welche bie
Äirc^e unS aU äcfyt unb autf)entif$ in bie £anb gibt, unb um ft$
mittelft ber ©pracbe, worin bie meiften SSäter getrieben |>aben,
leidster felbft 9?at^ö erholen ju fönnen. — Slber bann fönnte iä)
ja au$ bie % ©cbrtft einfach in ber Sflutterfpracbe lefen, xok
bie ^Jroteftanten? Antwort: 3a, wenn ft$ eine folcfye 2lu3gabe in
ber 2ftutterfpracf)e sorfänbe, bie i£rer SSoßfornmen^eit wegen mit
ber tateinifdjen Sßulgata gleid)fleljen fönnte, unb wenn bie Äirdje
*) ©aß fo au# örünbltdp gelehrte fatf)Oitf#e Banner urteilen, mag
man unter Slnberm in ber Sorrebe jur Srflarung be$ ©alaterbriefeS x>on
Dr. 2Binbif#mann lefen.
**) Diefe 23e|>auptung ift nt#t gerabe ad verbum ju nehmen; aber
aU dxtxtm fte&t ftc fco II ig glei^b crec^tt gt bem anbern (£rtrem
gegenüber, baß man in einem 33u$e über bie % @#rift für alles, wa$
erfc&affen ift, Sftaum fmbet, nur nt$t für einen erbaulichen @eban=
len unb ein frommes ©efü&I, bie man mit fi^tbarem gleiß oermeibet,
unter bem Sorwanbe -- ber 2Biffenfcbaftlic§fett! — ©iefe fa^Ie ©otter-
Wiffenfcbaft wirb §ule£t no$ gans *>om (S&rJftent&ume abftraf)iren, um für
befto reiner unb gebiegener }u gelten, ©iefe ganje £enben$ fc^eint
unftr#lic& unb unfat&olifcfc &u fem* 2luf trielen oft langen unb frummen Se-
gen ber Ätiologie unb Ärittl enbigt ft'e plefct Ui einer fcollftänbigen Ärp*
ftallifation beg SBorteS, b. $. be$ 9Wenf$enworte$ ber 23ibel, ba$ nacb allen
gefeilteren 3eugntffen tf)rer Stffenfc&aft nur ben einen ©inn fcaben fann
unb barf unb muß, ben ft'e fceuer $um erften 9ftal gefunben. §>ter nun fage
id) ju Men, bie mit mir Uebergeugung unb ©eftnnung Reiten: greunbe,
wir wollen umlegen, um ©Ott unb ber &ir#e mit mefcr (Sinfalt unb ©egcn
$u bienen, unb ntc$t baju mithelfen, Daß in 3u!unft alle ©#rift=(£ommentate
^u Se^rbüc^ern ber orientalifcj>en Ätiologie werben*
152
ju meiner 33erubigung biefeg 3e«gm£j barüber abgäbe* di ergibt ftd&
alfo l)terauö au$ genauer, m& id> eben fagen woüfte, aU i$ an jwei^
ter ©teile bie £!♦ Schrift ftd§> bur$ ft$ [elbft erflären lief, b*£* näm*
li$ bie 33ulgata burd? bie 23ulgata* £)a$ ift freiließ ganj anberö,
afö unfere neuern ©d?riftforf$er lehren, aber benno$ ganj fo, tt)ie bie
alten % SSäter unb Äir$enlef?rer *>erfa£ren* £)ie Äirc^e gibt tpren
©ele^rten, bie mit ben irrgläubigen auf ben Äampfpla$ treten sollen,
unb [o lange fte gute 2lbjt$ten Ijaben, größere gret^eiten; allein
barauö ge£t nic^t l)en>or, ba§ fte ben allgemeinen ©ebraudj biefer
greipetten wünfetye unb beförbere, ober biefe ©tubtenweife überhaupt
für ^eilfam jjalte* *) 2ßer, ber aufrichtig ift # ftel)t nicfyt ein,
ba§ wir un$ bur$ baö enbtofe ©rübeln in ben ©prägen unb
ba$ SBüfrten in ber (5rbe unb über ber (£rbe bie obgenannten
legitimen Duellen ber Sßa^eit tterftopfen ober unnütj machen?
2ßie fommt e£ benn, bag wir in biefer unferer eingetragenen
9?i$tung fo lange verweilen unb ben 33etrug be$ böfen getnbeS
nic^t merfen? — £)a$ ift unfere wo^toerbiente Serblenbung, 9Bir
bilben uns etwas ein auf unfere bieten Äenntniffe, bie mit bem
innerften Sern ber % ©djrift nichts gemein £aben, wir ge*
nügen unö f elbft, werben jlolj unb anmajjenb unb verlieren ba$
göttliche 2i$t, i>on bem ti s Pf. 4 #ei£t: „Signatum est super nos
lumen vultus tui, Domine"; benn ©ott fefwut nic^t in ©naben
na$ ben ©tofjen, fonbern wiberftetjt iljnen unb tyrem treiben.
*) 3$ fürchte gar nt$t, eine SSerfe&rtfMt ju behaupten, wenn i# fage,
bajl man fceute mit ber % @4>rtft metften$ rationaliftifd) unb materialt*
fttfcfc umge&t, au# ba, wo man e$ ni$t glaubt unb will. 2Bir we&ren unö
fcor taufenb wunberfäönen ibealen Sluffaffungen ber SexteSworte bei ben
alten SSatern unter bem nichtigen Sorwanbe, fte Ratten ba$, tt>aö ber
$1. ©ctyrifftetler niefct fage, ni$t fagen wolle unb ntc$t fagen trollen fönne,
Willfürlicfc in bie % ©cfcnft hineingelegt (wie §o# man ft# oft t>erftetot
buref) folcfce Urteile!) unb bann fommen wir mit $wettaufem> oft ebenfo
Wttffürlicfcen, aU in ber £eil$orbnung ber 3#enf$!)ett gan$li# gleichgültigen
9?atur=2leugerli$feiten au$ bem Mineralreich, $jTan$enrei$ unb fcjterref^,
unb fingen Sriumpl? unb SSictoria über ben enbltcb richtig gefunbenen, einzig
unb allein wahren Sßortftnn ber % ©t&rtftl ©u lieber ©Ott! „Omnes
inutiles facti sunt" . . . „Oculos suos statuerunt declinare in terram."
153
6.
3uv größten (£l)rfur$t gegen bie tatet nifdje 33ulgata be*
wegt mic$ genugfam ber Umftanb, baß fie burd; ©otteg §ü*
gung von Slnfang an in ben mütterlichen ©ewaljrfam
ber Äircfje geraden nnb ba£j[enige (Sremplar t ft , wet*
ö)t$ mir bie Äir$e aH ein vollgültig au t^enttf c^eö
in bie £anb gibt, fobalb iä) bei ttjr na$ ber f>l*
©cfjrift frage, Äein primitiver £ert ift bemna$ fo suverläfftg, aU
bie lateinifd)e 33utgata* 3a, i$ für meinen SE^eit fage freimütig :
wenn i$ aucty für gewiß wüßte, baß bie lateinif#e 93ulgata an
vielen ©teilen von ber Urfcfjrift, wie wir fie jk#t no$ £aben,
wefentli$ abweicht, fo würbe mt$ ba$ in meinem Vertrauen auf
bie erftere feineöwegö erfdjütiern, weil ity mit bem % Sluguftin
baö Slnfeljen ber % Stixtye, biefer trbifcfyen SBraut beö ©obneS
@otte£, £ö£er l?alte, alö bie % ©cf;rift* *) £ter will i# bie SBorte
beS % 33ernarb anführen, bie meinen ©ebanfen jum 33elege
bienen fönnen, wenn fie aud; ntc^t ganj in bemfelben ©inne von
bem % Se^rer gerebet worben; fte finb ^ebenfalls fe£r merfwür*
big: „Cum ergo ipsa (sc. Sponsa Christi Eccl.) in scripturis
divinis verba vel alterat vel alternat, (wie fte bieß benn Wirf*
liti) oft tfmt im Officium unb in ber 2J?effe unb lex vielen anbem
fircf>lid)en ^anblungen unb Zeremonien), fortior est talis compo-
sitio, quam positio prima verborum; et fortassis tanto for-
tior, quantum distat inter figuram et veritatem, inter lucem
et umbram, inter dominam et ancillam." (Serm. HL in vig.
nat. DeiJ 3$ benfe mir, baß bieß au£ feinem anbern ©runbe ge*
fcfyieljt, att weit bie $trd?e hei einer folgen Slnwenbung einer ©$rift*
fietle, wenn au$ nt#i immer eine vollftanbige (Srffärung, bann
bo$ eine fromme ©innbeutung berfetben ftttlfctyweigenb abgibt. **)
*) Evangelio non crederem, nisi me moveret Ecclesiae catholicae
auetoritas.
**) 9?ad)bem t$ bie angeführten SSSortc be$ fcl. 8e|>rer$ nneber unb
Wteber betrautet tyabe, fd)etncn fte mir »irflufc auf bte gan^e % ^$rift
belogen werben %\x fonnen, nämltcfc auf bte tatetntfctye 33ulg ata; er
ttutt gegen btcfelbe feinen SJormurf gelten faffen, felbf} bann m$t, wenn bte
von ben Urtexten »ergebene Jßortbilbung unb SBortfügung ben »er meinte
154
7,
3«t größten (£l)rfurcJ)t gegen bie getftli^e unb ibeate (£rWä*
rungs weife ber % SBater bewegen miü), — aBgefe^en baoon,
baff fte bem Urquell alfer $r{ftlid)en £rabitionen näfjer [tauben
— itjre Sofien £ugenben, i£re ©nabengaben uub iljre
tiefe SQStffenf c^aft tu heiligen Singen, bie Ijeute gar nifyt
me£r fo angetroffen werben* £ter ft'nbet eine ©teile au£ bem J)L
Xfyomaö x>on aSiüanot)a i£ren $la#- £)er Jpeilige rebet oom Sintis
tbrtfl: unb fetner 3eit unb fagt: ,/DaS (Srfte, wag j[ener „^ftenfdf)
ber ©ünbe unb ©o£n beg Serberten*" (2 S^ejfal. 2, 3.) t>er^
fudpen wirb, ift bieg: bte ££♦ Schriften unb bte ^Propf>e$eiuttgen
x>on (SfmftuS bem £erm gän$li$ ju migbeuten unb ju serftüm*
mein. £)arum fagt ber £err bei 9J?attln 24: „Oui legit, intelli-
gat:" wer alöbann in ber $L ©$rift lieöt, ber tferftelje fte! —
Ö wie nügltd) unb petffam ift für gute unb aufrichtige ©eelen
eine fromme ©innbeutung ber !$♦ ©Triften! — 2Be£e jenen , bie
bei (ürrfläntng berfelben, mit £intanfe§uug ber ty. 2e£rer unb
aSäter ber ^ir#e, eine* 2tuguftin, Jpteron^mu*, Stmbrofiu*,
33emarbu* u, 2L, biefer lebenbigen SBofmftcltten be* ©eifte*
©otteö jum Stillegen ber ©$rift, ju il)rer 3?i$tfdwur ftcfc ber
liti) pttmütoen ©um in üvoa änbern foßte (alterat vel alternat), £)ic
Äircjc t&ut ba$ ni$t o&ne ben $1. ©eift, ber in tyr tt>o&nt, unb ber tyr 2lnfefjen
&o# über jebe äußere gorm ber@#rtft ergebt; oljne bte (Srflarung ber ftircfce
bliebe biefe j[a bo$ ein tobter unb tobtenber 23u$f}abe: „littera occidit".
— ©er Ueberfefcer ber Sieben be$ &t. 23ernarb, ber übrigens alles Sob »er«
bient, |>ätte bte sorftcfyttge Slnmerfung bei biefer ©teile — meo judicio,
salvo omni meliori — wo&l weglaffen fönnen; benn ber % Vernarb ift
feinesroegö ber einige SBater, ber ber ßirdje eine fo große Oewaft betlegt
— 3n einer beutfc&en SibelauSgabe, bie unfireittg tnel Serbfenft f)at, wirb
M mehreren Supern bte £älfte beS 2er M puffen [] gefegt, mit ber
natften S3ebeutung, biefer ftnbe ft$ im Urtexte nt$t, nnb fei eine Zweite«
rung, ein 3ufa# be$ lateintfc&en Ueberfefcerä! Der Sefer, wettetet ein iait,
ber »on 23ibelgefd)ic&te unb SBtbelfrttif ni*tö weiß, mag felbft fe&en, baß
er ft# tton feiner aSerfmfcung fcerwtrren laßt, wenn ein $e£er ober Un«
gläubißer i&m vorwirft: euere SBibel tfl »erfalfefct. äßann wirb benn bocb
einmal ber ^ntc^ata tyx »olleö SRe^t tt)iberfa&ren? mt unferm p&ilolo-
giften 53ibel!ram wirb e$ jebenfall^ »or ber Seit (£nbe fc^on ju (5nbe gejem
155
Kommentare eineö 9tafcM ©antuet unb anberer 3uben bebienen!
£)ie 23(inben unb ttnwiffenben ! @ie folgen ber Rettung eineö 33Iin*
ben unb tappen am fetten SD?tttag untrer, aU wäre ei ftnftere
9lati)t, b* £♦ fte fuc^en in bem frarften Sterte ber % Schrift na#
bunfeln unb albernen (Srflarungem ©oldje werben an jenem
£age fe£r leicht ft$ auf bie ©eite beä Slnticbriftö wenben unb t£m
folgen. 3n 23e$ug hierauf merfe btr ein 33orbtlb auö bem 93ud&e
3ob* (2, 120 £>te greunbe beö fettigen 9D?anne$ famen t>on
ferne ju tym, unb ba fte tyn in fo großem (SIenbe faljen ♦ » ♦ „jer*
riffen fte i>ie Äleiber unb warfen ©taub über ibre Häupter gen
£immeL" — ©er bulbenbe 3ob ift ein 23orbtfb (Sfmfti am @nbe
ber 2öelt, wo (ürr ganj votier SBunben fein wirb, nämttcfy in ©ei*
neu ©liebern, in ©einer faft serftreuten unb übergebemütljigten Äird)e*
©eine fallen greunbe, *>on benen ei im $f* 37 f>eifjt: „9D?eine
greunbe ftnb fernblieben ©inneä ju mir gefommen" — fte fommen
bann gerbet unb jerret§en ba£ geiftlufye ©ewanb ber % ©djrift,
trennen ba$ alte £eftament t>on bem neuen, tterftümmeln unb t>er*
geuben fte beibe, unb werfen ©taub jum £immef, b* £♦ fte mi*
f#en i£re irbifc^en, ftnniidjen, fleifcpd^n Deutungen unter bie l?imm*
lifcfjen, geiftftctyen Lepren unb Krflarungen ber {$♦ SSäter/' — @o
rebet biefer fpanif^e, ebenfo gelehrte aU Ijeitige 33if$of au$ bem
16* Sajirffttttbert, gleicbfam aU £ätte er bamate an ber 2öiege be$
^roteftantiömuö im ©eifte t)orl?ergefef)en , toai na# tym gefdje*
£en würbe* t
8.
2Ba$ ben £)ünfei ber falfc&en ©eleJjrtljeit <wgeR fo gibt bie*
fer ft# befonberö funb in geringer @£rfurd)t gegen ben £ert ber
SBuIgata unb gegen bie Srftärungeweife ber % 33äter* 2Bo baö,
xt>ai iä) nun fagen Kitt, nid)t paßt aU ©efäidjte ber Vergangen*
£eit, no$ aU 23efcf>reibung ber ©egenwart, ba möge man noefj Ui
Seiten »ersten, bafi ei ni$t eine ^rop^etie ber 3ufunft werbe*
Slfö jur Seit be$ % 33er narb ein teuerer abfonberli^e Wlei*
nungen über bie £aufe aufbraßte, fdjrteb £ugo *>on ©t 33 ic*
tor barüber an feinen greunb unb @eifteet)erwanbten, unb in ber
Antwort beS ^eiligen fömmt folgenbe fd&tagenbe unb jnerljer fe£r paf*
156
fenbe ©teile Vor: „Sed miror admoduro, si novus iste nova-
rura inventor assertionum et assertor inventionum invenire
in hoc rationem potuerit, quae Sanctos Patres latuerit Am-
brosium et Augustinum, sive auctoritatem eorumdem auc-
toritate potiorem ... Ab his ergo duabus columnis, Augusti-
num loquor et Ambrosium, crede mihi, difficile avellor. Cum
bis, inquam, me aut errare, aut sapere fateor." (Epist. 77 J
2Bel# 1 eine finblidje ^ietät, geteerte 33ef$etbenl)eit unb bemütyige
©eleljrfamfeit in biefen SBorten beö £!♦ SlbteS ! Die % Leiter ftnb
tyux unerf^ütterlic^e ©äulen in ber $trd)e, an benen wir unS im
©turnte ber verfemten ©eifier unb i£rer bünfelvotlen Meinungen
feftpalten f ollen, 2Ba$ i£n angebt, läfjt er ft$ von ben beiben
©äulen Slttguftin unb Slmbrofiuä tttc^t let$t wegreisen, mit
btefen beiben will er irren ober weife feitu Unb eben biefe %
SBäter, Sluguftin, 3lmbrofiu$, Jpieron^muS, ©regor u* 21^
biefe waljrljaften ©äulen ber % 2Bif[enf$aft ftnb eö, an benen
ft$ tint faljle SÖeisljeit unferer £age ärgern Witt, alö Ratten fte
iljre natürli^e ©eifteöfc^ärfe nur ju oft in ben % ©Triften fpie*
Ken taffen , iljre eigenen ©ebanfen hineingelegt unb biefe bann er*
flärt, ol?ne ber etgeutlid&en 23ebeutung be$ einfachen 33u$ftaben$
tiefer na$$uforfcf>en , wag barum erfl unferer 3?it vorbehalten
feu *J 2Belje un£, wenn bie finblic&e (£I?rfurdjt vor unfern Sßätern
unb iljrem gewaltigen ©elfte un$ in unferer Elementar ^2Bei^eit
f$on fo fctymätjlici) verloren gefjt! „Magnum omnibus rebus
periculum imminet, cum scientia timore Domini nudata au-
toritatem in Ecclesia obtinet" fagt ber ebenfo gelehrte aU fromme
8ubwigvon@ranaba; ba§ aber eine fofcfye fafrte unb ein*
fettige Sunftric^terei über bie % 23äter von ber ©otteöfurctyt unb
grömmigfeit entblößt ifi, baä bebarf wo£l feineö S3eweife&. (Sin*
famfeit, gajien unb ©ebet, 9ta$twa$en unb 23u£übungen waren
bie SDfittel, welche bie $1 93äter hä i^rem ©tubtum anwanbten,
um in ber % ©$rift ba$ SDSepen beö göttlichen ©etftee ju vernefj*
•) 9Wtt bem ©runbfa^e: „Niftte in bie <3c$rift hineinlegen" wirb
gegen bie alten ©ele^rten unb fettigen Beeten ein tterabfctyeuungöwürbiger
5Wtf?brau$ getrieben, inbem man bie Dffenftoe ergreift unb ben metften i&rer
fo ttmnberliebli$ angebogenen unb erllärten ©teilen bie alte S3ebeutung unb
SeweiSfraft, welche fte Sa&r&unberte lang befeffen, wegbiSputirt
157
men unb tu ben geheimen, unter ber äußern ®d)ale verborgenen
©inn ber Sßorte einzubringen; benn fte wußten rec^t gut, baß bieß
ber redete 2Beg baju war, inbem fa bie % Schrift ni$t wie jtebeS
anbere 23u# bepanbelt werben bürfte: unb alfo tyabcn fte un£ ben
überreichen ©4>a& t^rer ©Triften jnnterlaffen fönnen, in benen bie
Leitung beS göttlichen ©eifteS ftcl) nicfjt vevfennen läßt 3n tpren
SBerfen ift oft auf je£n Seiten meljr SBerftanb, als in
manchem geteerten Dctavbanbe ber teueren; unb fte
fpeifen ben ganzen 5D?enf$en: ©eift unb £er$* 25a« ift baS ein*
müßige Beugniß, ba$ Sltfe ablegen, bie mit finblictyer @&rfur$t
unb männlicher 93el?arrlicfyfett einen einjigen 1)1. 23ater ftubirem
9iun aber will man ftdf) ni#t meljr betrüben unb verbemütlngen
vor ©otteö 2lngeft$t in einfatnen ^adjtwadjen, in SBuße unb ©ebet,
unb barum ftnbet man aucfy nur nodj ben tobten 93u$ftaben ber
S5tbet jugänglidj* 9Äan lajfe e$ mi$ nur fagen : ein fatter 33att#
unb ein jerftreuteS ©emüty unb ein aufgeblafener ©eift vermögen
ni$t jenem poljen ©eifte ju napen, ber in ben $L ©Triften rebet
©o galten einige gelehrte 33ü$er juerft eine lange, lange SRebe
über bie große ©c&wierigfeit beö regten Sßerftänbnijfeö ber %
©$rift, unb jwifcfjen ben fyüzn lieät man jiemlid^ ffar, baß bie
Sllten pierin nid)t baö ^ecfjte getroffen Ijätten, baß bie „fortgefdjrit*
tenen 5ßijfenf$aften" erft freute unä in ben ©taub festen, allen
fragen unb 3weifeln mit genügenber Antwort ju begegnen, baß
befonberS bie bu$ftäblt$e ßrrflärung meift vernacpläfftgt worben
fei: man Ijat ben 23u$ftaben oerfäumt, peißt eö, xoeil man feine
SBidjtigfeit ni$t erfannt Ijat, unb bergfeicfyen 2äfterungen mef>r, bie
man au$ bem 93?unbe fctyulbiger Sefjrer unb unfdjulbig nadjfaredjen*
ber ©djüter pören unb in tiefen 23üd)em lefen fanm *) £)ie Ur^
*) Unter „bu$ßablt#er grflärung" fcerfte&en biefe ©elefcrien eben nic^tö
anbere$, aU ba$ 2luffu$en be$ einen SSortftnne*, ben ber % ©c&rtftfMer
äunacfcft gemeint $at, unb bie ercluffoe @elienbma$ung beöfelben, falls man
tyn fennt ober gefunben $u fcaben glaubt, gretlicb hkM bie @#rift au#
fo bie nottytvenbigen ©tü&en unb Seiveife für bie fat&oltfc&e ©Iaubenö= unb
Sittenlehre; aber welchen thesaurus doctrinae sacrae ber SBäter unb ber
heiligen aller 3eiten gibt man preiä, inbem man i&nen fo bie 3U# t ig-
le it i&rer fcrtpturtf}if$eu Unterlage jroetmal jugtbt unb $tt>an$igmal beftrei=
tet -Kein, feien wir bemüt&tg: bie 2lUen Ratten mit i^rem großen ©eifie
158
facfye tiefer ttneintgfeit jwifcfyen ben Sleltern unb Jüngern liegt in
t>er 93erf$iebenl?eit ber Mittel, welche bei bem forfcijenben ©tubium
ber $1 ©djrift t>on beiben (Seiten angewenbet korben* £)ie 3üu*
gern meinen natürlich, fie arbeiteten für einen weit Köpern unb
wichtigeren 3wecf, unb iljre bittet feien beffer gewägt, aU bie
ber Geltem, Slber „e fructibus eorum cognoscetis illos" ift
bie Siegel , bie au$ ^ier gilt Sie Leitern fanben unter Leitung
bes % ©etfteg au# in bem Natürlichen ber Schrift einen geiftlic^en
©tun: bie Jüngern »erbeuten un$ oft au$ baö geiftlic^fte SWoment
einer ©teile ivfo Natürliche unb ©ewö^nli^e.
«Der nämliche ©Ott unb #err aber, ber unä im (£t>angelium
fo na^brücflic^ anbefahl, wir fotlten unfere perlen ja ni$t ben
unreinen unb »ernunftlofen ©efc^öpfen vorwerfen, wirb au$ 'Beine
Ä'oftbarfeiten bem Unwürbigen vorenthalten unb feinem fjoffärtigen
©eifte ben 33erftanb öffnen $um (kernten unb ©cfyauen feiner %
©epeimniffe. SSflan £at baö befcfyeibene unb jugleidj laut unS *>er*
urtfjeilenbe SBort ber £>emutf> auö bem Wunbe beö % $aulu3
xrielfacfy ttergejfen; „Non quod sufficientes simus, cogitare ali-
quid a nobis, quasi ex nobis; sed sufficientia nostra ex Deo
est. Oui et idoneos nos fecit ministros novi testamenti; non
littera, sed spiritu: littera enim oeeidit, Spiritus au-
tem vivificat. (2 Cor. 3, 5. 6J D xoie waljr pat ber grofüe
Sipofiel gefagt: littera oeeidit! 25enn feit ber falte, tobte
33ud?ftabe in biefer j)od)gelel)rten Sßelt fo übermäßig wichtig ge*
worben ijl, feitbem würben bie £)emutf> unb Siebe unb finblidje
(Sfjrfurcfyt vor ben Sllten unb jebe djriftlicfye £ugenb meljr unb meljr
(Sineö na$ bem Slnbern ju ©rabe getragen: unb frage ni#t lange,
an welker Äranffjett fie geftorben ftnb — ber tobte 33u$ftabe ljat
fie getöbtet! *) Sine 2Btffenf#aft beä SSerftanbeö allein, wobei £erj
unb ©emütl? ljungerig bleiben, »erbirbt ben 9Äenfcf)en unb ma#t
fein Söiffen für tyn unb Slnbere meljr fcpbfidj a(3 nü^lid)* £)a$
audj ben ^eiligen ®e ifi, unb wir $aben nur unfern ©eifl allein, unb
&tt>ar einen Meinen.
*) £>ie Qrunbfcfclecijte, fei#tnatürli$e unb barum un#rißli$e Se£anb=
lung ber e&rroürbigen Urlunben unferS ^eiligen ©laubenS $at wo^l ni$t
am wenigen baju bti&ttvaa?n, unferer 3ett ben S&arafter ber „glaubend
armen" aufjubrücfen.
159
©prücf)wort: „3e gelehrter, je serfeljrter" bat man in alten 3^'ten
gar nt$t gefannt O wie f^ön tft ba$ £ob, weites bie Ortend
c^tontf ber granciöcaner bem großen £1. ^Bonaventura in fot*
genben SBorten fpenbet: „Hujus namque viri doctrina est de-
vota, sapida et seraphica, quae legentes non solum illumi-
nat, sed inflammat. Nee aliter esse posset ea, quod omnem
veritatem, quam pereipiebat intellectu, io formam devotionis
et laudationis divinae reducens, continuo ruminabat affectu."
(Brev. 0. S. F. Ib. JuliiJ 2Baö ber SBerjknb biefes erhabenen
©eifteö erfannte, bat>on gab er foglei$ ©Ott bie (S£re, unb fo
würbe feine 2BijTenfd?aft auef? eine füfe ^aljrung für fein £er$
unb machte iljn ©Ott gegenüber ju jiebem Opfer geneigt unb für
j'ebe £ugenb tüchtiger* 2Öem beim ©tubium ber % ©cfyrift fein
£er$ gar nickte fagt, ober etwa£, waä er ni#t febretben mag, ber
möge unö aud; mit ben falten SrjeugnijTen feineö 23erftanbe6 unb
mit bem (£l)ao$ ber Söörter au3 allen ©prägen t>erf$onem ©e*
wifi Ijat ber $1 ©eift in ber Eingebung unb 21 ufbe War-
tung ber £L ©Triften meljr (um ntc^t ju fagen allein)
bie ©eftattung, Sluferbauung, 33elel)rung unb innere
SEröflung ber bräutlidjen $ird)e @£riftt bejwecft, al$
xxni über bie ©itten unb @ebräu$e, ©efc^id^te unb ©eograpbie
ber 3uben unb anberer Nationen x>ortpetI^aft ju belehren. 2lu$
fann man ni$t läugnen, baß 9liemanb unb 9ttcbt3 geeigneter fein
fann, bie bunfleren SOSorte ber £L ©$rift in ein flare* 33erftänb*
nifj ju bringen, ali eben berjenige, *>on bem biefe Söorte urfprüng*
lieb ausgegangen, nämltd) ber ©eift ©otteS, von bem eg Ijeifjt:
„Petite, et aeeipietis . . . gratiam Dei, quae diffusa est in
cordibus vestris per Spiritum Sanctum, qui datus est nobis."
3ft biep nun über allen Bweifet wa£r, fo Ijaben bie £!♦ 33äter
jweimat 9te^t gehabt: 1) in ber 2lrt unb Söeife iljrer Auslegung
unb 2lnwenbung, 2) in ben Mitteln, bie ffe gebraust baben, um
befto beffer ju iljrem 3wecfe ju gelangen; unb in beiben £ö#ft
widrigen Dingen Daben bie bünfefoollen ®ele£rten unferer £age
grofjeS Unrecht : j[a x>iele auö ibnen fotlte man gar nid&t boren no#
lefen, bamit man feinem eigenen £erjen ben ^rieben unb feinem
©eifte bie ©albung ber ©nabe bewahre! S« lebe 3efaö!
Sie ©trafprebigt ift etwas länger geworben, aU id) glaubte*
160
9Wöge ftd) nur fein brawr Sttann baran fto§en, ba fte mel)r für
foI$e war, bie ju wenig tpr ©ewiffen erfordern
9.
2Btr festen jurüc! ju ber £1 ©$rift unb bem, m$ wir tton
tprev nü£fid)en Sefung fagten* 3m Mgemeiuen fagt ber £(♦ 5lu^
guftin t>on ber öftern Sefung fettiger unb göttlicher £)inge, „baß
biefelbe Slßeö im ©emütlje beö 9ttenftf)en reinige unb ^eilige, tl)m
bie fo £eilfame §urcf>t ttor ber £öKe einpräge unb in (einem £er*
Jen baS Verlangen na4) ben greuben beö £immelö anfadje/' (Serm.
de temp. 112.) „2Ber im ©eift immer bei ©Ott fein wilf, mug
oft beten unb fromme ?efungen aufteilen; benn wenn wir beten,
reben wir mit ©ott: (efen wir aber, fo rebet ©Ott mit un$: „Cum
oramus, ipsi cum Deo loquimur; cum vero legimus, Deus
nobiscum loquitur" . . . ■*) Sie ?efung ber % Schriften bringt
ber ©eele ein boppelteä ©efc^enf, fei e£, ba£ fte ben Sßerftanb er*
teuftet unb belehrt, ober ben SDtenfdben *>on ben (Sitelfeiten ber
Seit abjie^t unb jur ?iebe ©otteö jnnfüprt 3a, bie Sefung ber
£!♦ ©cfyrift wxUtyt un$ mit einer bebeutenben (Srfenntnifi jugteicfj
einen gewiffen Sßorgefcfjmacf ber ewigen ©eligfeit" ©o weit ber
% Stuguftitu
10.
(£$ erübrigt nun no$, x>on berjenigen Vorbereitung unb ben*
fettigen (£igenfcf>aften ju reben, wobur$ bie ©eete befonberS
befähigt wirb, au$ ber % Cefung geiftlicfyen ©ewinn unb Wap
rung ju jiefjen* ©otcfcer Stgenfc^aften merfen wir unö sorjüglidj*
brei: 1) £5ie £5emutlj* „Ubi enim humilitas, ibi sapientia"
fagt ©alomon in ben ©prücfywörtertu (Prov. 11.) 2lu3 ber
£>emutf) ge£t bie ©auftmutlj unb ber innere § riebe £en>or,
welche überhaupt jur Erlangung ber SÖeiöfjeit unb SQStffenfc^aft am
metften geeignet mad?en, befonberS aber, wenn ti ftcl? um ba$
*) £>ieg muf um fo metjr n>a!n* fein, wenn &on ben % ©Triften bie
fRebe tfh
161
23erftänbniß ber % Schrift £anbelt, in ber, wie in einem Strome
wunberbaren ©ewäjferg bag 2amm wanbeln unb ber (£lep£ant
fd)wimmen fann, vok ber £L ©regor fagt *}♦
2) 3*etn^eit bes Jperjen^ „Selig, bie ein reineä Jperj
£aben, benn fte werben ©Ott flauen"; wenn aber ©ott, bann au#
©ein 2öort hingegen (agt ber % ©eijh „3n eine böswillige
Seele wirb bie 2Öei$|>eit nic^t eingeben, nnb in einem Ceibe, weh
$er ber Sünbe untergeben ift, wirb fte nidjt wohnen/' — /7 2)enen,
bie reinen #erjenS ftnb, offenbart ©ott Seine ©eljeimntffe", pflegte
ber $1 2lbt SlntontuS ju fagen, ©a$ beweifen au$ oiele große,
ungelegte, unb bennodf) über bie % Sdjrift unb göttliche Singe
Ijöcbft erleuchtete £eilige, aU: granj oon Slfftft, ber fei* 25r. (£gi*
biug, gelir oon Santalicio, 3ofepl) oon Supertino unb oiele Slnbere*
3) £>a$ ©eben SBcüjrenb ber % 23enebict betete, fa£
er mit ben klugen feinet ©eifteS bie ganje 2Belt xok in einem
einzigen Sonnenftrafite* (S. Greg.lib.. dialog.) ©er % 23 er*
narb, xok er felbft befennt, £atte ju 2e£rmeiftem Ulmen unb
Sieben, b* lj* bie Sinfamfeit unb ba$ ©ebet £)aniet unb (£je*
#iel werben im ©ebete ju ^ropljeten augerwäljlt Ueberfjaupt
aber gingen bie ^eiligen nur betenb an ba$ Stubium ber %
Sdjrift unb erfuhren beßljalb eine fo erftaunli^e ©naben^ülfe tton
©ott, baß man beim Sefen i£rer Scfjrifterflärungen fagen muß :
„Digitus Dei est hie", unb mit Stomas oon SBillanooa:
„in illis fuit Spiritus Dei ad interpretandas Scripturas. a So
wirb benn au$ im Ceben bee % *papfte$ ©regor be$ ©roßen
erjagt, baß man me£r aU einmal, wäljrenb er an feinen (£om*
mentaren unb Sieben über bie % Schrift arbeitete, eine mifyt
SCaube um fein Jpaupt f^webÄ fa£, in ber man ben 23eiftanb be$
£L ©eifteS erfannte* So wirb nacf> ber Segenbe ber % ©regov
ber Söunbertljäter unter bem ©ebete oon bem % Soangeltflen
3o&aune$, S^fojlomuä oom Slpoftel ^auluS , 2lmbrofiu3
*>on einem (£ngel in ben ©eDeimnijfen ber Schrift unterrichtet* —
„2Ba$ 5U biefer SSei^eit füljrt, fagt ber % 23 er narb, ift nicljt
ba$ bloße Cefen, fonbern bie innere Salbung ber ©nabe; nidjt ber
*) Divinus sermo S. Scr. est fluvius planus et altus, in quo et
agnus ambulat, et Elephas natat." (Praef. in Hb. mor. c. 4.)
Sernatb 9ty$ori8men. JM
162
23ud)jkbe, fonbem ber ©eift; nic^t ba$ SOgiffett f fonbern bie 2lu$*
Übung ber ©ebote be$ £errn\ Du irrefl gewaltig, wenn bu bei
ben Seljrmeiftew ber SBett jene SBet^eit ju ftnben gtaubft, welche
allein bie ©$üler SJjrijH, b* £♦ bie 33erä$ter ber 2Öelt, burd) ©ot*
teö ©nabengefdjenf erlangen/' *) 2lfö bie Domimfaner einmal
ijjren £)rben$general, ben fei* 3orbanuS fragten: was ba$
SBejie fei, beten ober in ber % @$rift ftubiren? antwortete er
mit ber ifjm gewöhnlichen geiftootlen £eiterfett: „93rüber, xoa$ tji
beffer: alfejeit trinlen, ober allezeit effen ? /y — DaS £ie§ fooiet
al$: dinti muff man tjjun unb ba$ Slnbere ni$t unterlaffem
?efung unb ®cM folfen nadj ber SRegel beS % SBaftliu« ftd)
abwed)felnb aufnehmen. Unb au$ ber % Sernarb fagt: man
muffe bie Sefung unterbrechen unb beten: „lectionem oratio inter-
rumpat." — 2ÖaS ift au$ jwerläfftger, <xU jum 35erftänbnifj ber
% ©d)rtft ft$ betenb an Den felbft wenben, ber bie % ©d)rift
gemacht £at
11*
3oljanneg t>ou 2lt>tla fagt: „Der £err l^at uns ^eilige
Scanner gegeben, in benen (£r wohnte, um un$ bie $1 ©d)rift in
eben bem ©eifte ju erffären, in welkem fte niebergefcfjrteben warb*
Senn baju ift ©ctyarfftnn ni#t genug, nod) ein befonneneS Urteil,
nod) fielet gorfdjen; baju wirb baö waljre 2td)t beä £errn erfor*
bert, unb ba$ Ijat — wir fmb bejfen gewig — juserlafftger ge*
wojjnt in jenen % Seljrew ber 23ergangeni>eit, aU in ben un^etli*
gen ber ©egenwart/' (Der 2luöfpru$ ift ni$t allein im 16* 3aljr*
£unbert waljrO **
„♦ ♦ ♦ 2ln ben Dingen, bie ©Ott betreffen, £aben auSge*
jei^nete ©ttfttüantasen, gorfc^en, 9iad?benfen, ausgebreitete ©praefj*
fenntnif? wenig 2lntl)eil; biefen Slntljeil Ijat in gülfe bie göttliche
*) „Hanc veram germanamque Sapientiam non lectio docet, sed
unetio; non litera, sed spiritus; non eruditio, sed exercitatio in man-
datis Domini. Falleris, falleris, si te putas invenire apud mundi ma-
gistros, quam soli Christi diseipuli, i. e. mundi eontemptores, Dei mu-
nere assequuntur." (Serm. 37. in cant.)
163
Unterwerfung, bie ber £err am beften feiner Äirdje mitteilt unb
ben ^eiligen/' ($reb* Ataxia Jpeimfud)*)
„♦ i . @ne groge ©nabe Jjaji 2)u unä, o ©Ott, baburd) be*
fcbeert, baj? £)u uns bie £L ©cfyrift gabft, bie fo Ijeilfam unb notlj*
wenbig ift, um £)ir ju bienen* £)a aber ber SBinb, ber auf bie*
fem Speere weljt, ein SBinb beö £ünmel$ ift, unb manche mit ben
2B(nben ber (£rbe — mit iljrem ©eifte unb if>rem wiffenfcfyafttidjen
gorfctyen — f^iffen wollten, fo gingen fte in bem SWeer ju ©runbe/'
„$tit 23angigfeit, ja mit großer 33angigleit muffen wir tn'3
£eitigt|mm ber % ©$rift treten ♦ ♦ ♦ 2Öer i£r na^en will, ber
bringe ben (Sinn ber % römifdjen Äirdje mit, bann wirb er ber
©efal)r ber Äegerei entgegen/'
„♦ ♦ ♦ 303er in ber % ©c$rift forden will, mug ft$ ber 2lu3*
legungen ber ^eiligen bebienen; benn wag ftd? aus bem Mögen
gorfcfjen — opne biefe £ülfe — au$ ber % ©c&rift ftnben lägt,
bas f>at £)eutfd)lanb erfahren — aber ju feinem Unglück" (2ln
x>erfc^* ©teilen ber Audifilia.)
(Gutirt na$ Dr. ©$ermer$ Ueberfeij* färnmtl* SBerfe 3uan
be 2loila 1 $0
12.
Sllfo «Demutlj, reinem £er$ unb ©ebet ftnb bie beften Mittel,
um mit gru$t bie % ©$rift ju lefen* „D £err," ruft ber l)L
2lugujltn in feinen S5efenntniffen au$, wie wunberbar ift bie
S£iefftnnigfeit Deiner Sluef^rüc^e! ©ie£e, if>re £5berflä$e nur liegt
*>or un6 offen ba, unb rebet fpielenb mit un$, wie mit Weinen
^inbern ; aber i£re £iefe — o mein ©Ott ! — i£re £iefe ift wun*
berbar! 2Benn i<$ pinetnfe^e, fetyaubert mir ob ber (££re unb »or
%itte" — (bag Du nämli$ £>idj £erabgelaffen fjaft, alfo mit un$
ju reben). (Conf. 1. XII. 14.) Dbfc^on bie ganje bamalige
c&riftli$e Sßelt biefen % Seljrer, aU ba£ ber Äir$e t>on ©ott ge*
gebene Drafel, um 2luff#fug über bie % ©Triften anging, unb
grofie ©ele^rte fagten, wa$ 5luguftin in berfelben nid&t wiffe unb
*>erftel)e, bae fönne auef) ni$t erforf#t werben, fo befannte er nidjtö*
beftoweniger, bafj e$ in ben % ©Triften oiel meljr gebe, m$ er
ni$t wiffe, als wa$ er wiffe: »Ego in ipsis S. Scripturis multo
plura nescio, quam scio." (Epist. 119 J
11*
164
Mt alten Seljrer unb ©d&rifterflärer ftnb bem l>l. 2lugufiin
auf biefem SBege ber £)emut£ gefolgt bis auf ben guten, beritym*
ten unb gelehrten SorneliuS a 2apibe unb Seinesgleichen nacty
tym, feilten fte aud) nid&t, wie er, vierzig 3a£re lang ^rofefforen
ber % ©d&rift gewefen fein. — (£nblid) wollen wir un* no# ju
©emütlje führen bie vortreffliche 23ele£rung, bie un$ £l)oma$
von Äempen gibt (Imit. 1. I. c. 5.) in folgenben fünf SBeifun*
gen, welche gleic^fam Sllleö in ft$ faffen, waä wir bieder er*
örtert £aben.
1) „Scriptura eo Spiritu debet legi, quo facta est,"
b* £. mit bem ©etjle be£ @lauben£, mit bem ©eifte beä ©ebeteä,
mit bem fjl. ©eifie ©otteö*
2) „Ouaerere debemus potius utilitatem in Scrip-
turis, quam subtilitatem" nad& bem 23eifptete ber £1. SBäter unb
alfer Jpeiligen*
3) „Curiositas saepe nos impedit in lectione Scriptura-
rum, cum volumus intelligere et discutere, ubi simpliciter
esset transeundum," ba wir fa bo$ md)t Sllleä ergränben unb
tyren ganzen SEiefftnn faffen fönnen.
4) „Si vis profectum haurire, lege humiliter, simpli-
citer et fideliter: nee unquam velis habere nomen scien-
tiae." 2)er gortfd&ritt , von bem l)ier bie Diebe ift, befielt in ber
©nabe unb innem ©albung beS Ijt. ®ttfte$: „qui humilem in
puncto elevat mentem, ut plures aeternae veritatis capiat
rationes, quam si quis decem annis studuisset in scholis,"
fagt Stomas an einer anbern ©teile. 2)iefe ©albung ift ee, von
ber ber 3lpofiel 3o£anne$ fdfjreibt: „vos habetis unetionem, et
unetio ejus docet vos de Omnibus" ... et ita vere est et
mm est mendacium. 2luf tiefe ©nabe barf ftc$ Hoffnung machen,
wer bemüt^ig, efnfältig, gläubig unb be£arrlic& ift im
?efen unb ©tubiren ber 1)1. ©cfcrift.
5) „Interroga libenter et audi tacens verba Sancto-
rum, nee displiceant tibi parabola seniorum," b. £. bevor bu
ein £)octor wirft , fei ein gelehriger ©diäter ju ben güßen ber %
SSäter; tag bir tljre geifttic^e ©rflärung^weife md&t mißfallen; £öre
ehrerbietig bie SQßorte ber alten ©$rif tgete^rten , unb rebe ni#t$
bagegen — fo lange bu fte nic$t verftanben £aft.
165
©a$ ift ber langen SRebe (£nbe, ©Ott gebe gütig ©einen
©egen baju!
Deo gratias et Mariae!
Pxattiftytx Mfa$ 3um irritien Uudt)-
I.
^Betrachtungen ein eö no# lebenben <5inf ieblerö über
ben 118. *Pfalm*
Adhaesit pavimento anima mea, vivifica rne secundum
verbum tuum. 9Äetne ©eele, o ©Ott, f leb t am 93oben,
fo Ijabe ify mu# erniebrigf vor ©ir: nun belebe micf) au$
naä) ©einem 903 orte* Unb na$ welkem SBorte, wenn nicijt
nac!) biefem: Ad quem autem respiciam, nisi ad pauperculum,
et contritum spiritu, et trementem sermones meos ? (1s. 66 J
©enn wa$ ber £err anblidt, ba$ ergebt ftd) unb lebt auf; „wo*
von (Sv aber ©ein 2lntti§ abwenbet, ba$ ftürjt jufammen, fdjwin*
bet unb fe^rt in ben ©taub jurüd" nadf) j[enen SEBorten im 103*
5J[alm: Avertente autem te facie turbabuntur: auferes spiri-
tum eorum et deficient, et in pulverem suum revertentur.
— 3eige mir benn, o gütiger £err unb ©Ott, attjett "Bein be*
lebenbeö Slngeftd&t!
Veniat super me misericordia tua, Domine; salutare
tuum secundum eloquium tuum. Et respondebo exprobran-
tibus mihi verbum, quia speravi in sermonibus tuis. — D
©ott, lafj nun über micj) fommen ©eine ©rbarmung
unb ©ein £eü, wie ©u mir oft in vertraulichen ©tunben be$
©ebeteS verljeifjen Jjaft: unb ity werbe ben ©pottreben meiner
©egner mit einem einzigen SBörtc^en antworten: bafj
iä) nämlid) auf ©eine Siebe gehofft, gtaubenb vertraut unb
fieser gebaut Iwbe, unb nidjt meinen eigenen ©ebanfen unb @tn»
bilbungen gefolgt bin.
166
©er £err fpridjt im (£t>angelium : angusta porta, quae du-
cit ad vitam — imb ftepe f ber *Pfalmtft fd)eint ba£ ©egent^ett
ju fagen: Et ambulabani in latitudine, quia mandata tua ex-
quisivi. Unb nochmals : Omnis consummationis vidi finem:
latum mandatum tuum nimis. 3$ wanbelte auf ber 23reite f
ba iti) ©eine ©ebote ju erfüllen fudjte*** 3$ fal) hii
an'S (£nbe aller 23ollfommenl)eit in Erfüllung ©eineä
©efegeg, unb fte|je ba, eS festen mir überaus weit unb breit
ber 2Beg, ber gu ©ir füfjrt! — 3a, bie Siebe fte^t juweiten
ba£ ©egentpeit nietyt nur *>on bem, xoa$ bie fc^nöbe Statur fteljt
unb fü£lt , fonbern au$ son bem , wag in ber £l)at fefwer ift,
benn: ubi amatur, non laboratur. £~S. Aug.) ©elobt fei 3efu^
GtfmftuS, ber burefy ©eine ©nabe unb ©einen £roft un$ aKeö
Jperbe unb ©ctywere »erfüget unb erleichtert!
Et meditabar in mandatis tuis, quae dilexi. Et levavi
manus meas ad mandata tua, quae dilexi: et exercebar in
justificationibus tuis. 3$ betraute in ©einen f}L ©djrif*
ten, o £err, weil i# fie liehe. 3$ freue mi# iljrer
Sluöfpräc^e, wie über einen reiben gunb: Laetabor ego
super eloquia tua, sicut qui invenit spolia multa. ®ih mir
anä) bie ©nabe einer fruchtbaren greube, bafj id) au<$ meine
£änbe ju ©einem @efe£e ergebe, unb rntcf) übe in
allerlei guten SBerfen, welche mid) ber Sfacbtfertigung in 3^
fug Sljriftug, meinem (Srlöfer, würbiger madjen; benn, fo fpridjt
©ein ©iener, ber % $apft ©regoriuö: probatio dilectionis est
exhibitio operis. — £) lieber unb getreuer 3efu$! bft i$ e ™ fo
elenber 2J?enfd) hin, ber, träge in allem ©uten, nifyt$ ju ©einer
(£ljre tljmtt fann, fo lag midj bod) in meinem (Sfenbe nifyt auf*
frören, t>iet ©uteä ju »erlangen!
©ie 3uben in ber @efangenfd)aft ju Sab^lon, in tiefe Trauer
»erfenft, fprac^en ju t^ren ©rängern : Quomodo cantabimus can-
ticum Domini in terra aliena? — 3$ aber, wie armfelig icb
aud) bin im £ljate biefer Verbannung auf ©rben, einge*
benf ber ewigen (£rbarmungen beö £errn, bie dx getrau
von Anbeginn, unb bie iti) felbft fo reicpdj an mir erfahren, will
167
ni$t aufhören, mi$ ju tröflen unb mi# £ö$li$ ju er*
freuen, unb mit ©a*>ib ju fagen unb ju fingen: Cantabiles
mihi erant justificationes tuae in loco peregrinationis meae.
Meraor fui judiciorum tuorum a saeculo, Domine, et conso-
latus sum.
Memor fui nocte nominis tui, Domine, et custodivi legem
tuam. £)em Warne, o Jperr, tft wunberbar: Sltlgegenwart unb
©ere^tigfett unb Erbarmung unb ©üte unb £eiligfeit unb Siebe
unb Erfenntnijj unb Söeiöljeit unb Unenblicfifeit unb Ewigfeit unb
Slttmac^t unb ©lüdfeltgfeit unb Seben unb 2lllwif[enljeit unb 33or*
fejjung unb Jperrf^aft über 2llfe$, toa$ ©afein Ijat wunber*
bar, o £err, ift S5ein 9^ame bei alten @efcf)lec()tem im Fimmel
unb auf Erben, unb unauöfpre^li^ ber fterblicfjen unb unfterblidjen
3unge! — 3n ber ^ftadjt, in ber ginfternif meine« ©eijleö, in
ber bunfeln ©tunbe ber SBerfwfmng, gebaute ity Qeineö 9t a*
men«, bem bie feiigen Efjöre beg Fimmel« ewig fort ifjr „©rei*
mal Zeitig' 7 fingen — unb iä) ljabe nichts getrau gegen
©ein l)L ©efeg: biefe Erinnerung war ein göttli$er (Strahl,
ber meinen ©eift erleuchtete unb mein £er$ erwärmte in jener
falten unb ftnfiern WafyU bafür fei ©ir $rete unb Sauf in alle
Ewigfeit ! Stmen.
Portio mea, Domine, dixi, custodire legem tuam. D lie*
ber 3efu3, fönnte ity baö bocf) fo re#t in ganjer SQßaljrDeit mit
bem ^ro^eten fagen! ©u Jjaji mi$ au$erwä£lt an$ Sau*
fenben jum kalter unb 2öä$ter Qeinei ©efe^eS, unb im
£o$gefül>le biefeS meines ©lüde« unb biefer meiner Efjre rufe id)
oft auö: Sortes ceciderunt mihi in praeclaris: etenim here-
ditas mea praeclara est mihi. Unb tt>a$ ift ba$ für ein Erb*
tljeil? Hereditate acquisivi testimonia tua in aeternum: eS
finb Qeine 3eugniffe in ber % ©djrift, in welker ©u mitt
©einem wieberauf genommenen ßinbe, bie ^Rechtfertigung in tiefem
unb bie S5efeligung im ewigen Seben t>erfünbeft gür fie £aft ©u,
©ütigfter, bie D£ren meine« £er$en« geöffnet, ©ir fei bafür ?ob
unb ©auf gefagt son ben £!♦ Engeln in Ewigfett! Slmen*
168
Media nocte surgebam ad confitendura tibi: super ju-
dicia justificationis tuae. Jperr, ein bitter hiebet nmfdfjlang
meinen ©etfl, ic$ füllte mid> unfähig jn jeglichem ©nten, e$ war
mitten in einer graufenwllen 9 r ?a^t f einer yiatyt, in ber 9tiemanb
wtrfen fann, unb i# wnfjte nic$t mefjr, wa$ tljnn ober laffen:
— ba er£ob i§ mify, t>on ©ir angeregt, mitten in biefer
yiatyt, in ber fonft alle wilben £J)iere beS SBalbes umljerftreifen,
ftc$ 9tanb nnb ©peife jn fnd^en — id? erljob midj nnb fn#te bie
föläfrigen Äräfte meiner ©eele $u ©einem Sobe, o £err,
auswerfen bnrd) baS Slngebenfen an alte großen dt*
b arm \xn gen , bie t# t>on ©ir bi$ anf biefe nädjtlicfje ©tnnbe
empfing — Cogitavi vias meas — iä) gebaute ber SBege,
anf benen ©u micfy geführt ♦♦♦ @S lebe 3efng! (£$ lebete*
fn$! Steine güge wanbten fi# $n ©einen 3eugniffen;
Converti pedes meos in testimonia tua: nnb meingnfjj, b* £♦
mein liebentjünbeter Söille, mit bem ify midj jn ©ir bewege,
ftanb anfrecfyt nnb gerabe, nnb in bem innern £empel
meiner ©eele erljob fid) ein ©anfgefang vieler ©timmen,
ben bie erwarten Gräfte be$ ©etfteg ©ir, i£rem 3QBo^It^äter r an*
ftimmten: Pes meus stetit in directo, in ecclesiis benedicam
te, Domine. — Vox exultationis et salutis in tabernaculis
justorum: Benedic anima mea, Domino, et omnia, quae intra
me sunt, nomini sancto ejus! Benedic, anima mea, Domino,
et noli oblivisci omnes retributiones ejus! — £) ©ott, lag
mi$ in meiner ©infamfeit nod> öfter fol#e Letten fetern!
Bonitatem fecisti cum servo tuo, Domine, secundum ver-
bum tuum. ©üte £aft ©n ©einem Anette erliefen, o
£err, nad) ©einem 2Öort Wafy welkem 2Borte woljl? Bo-
nus est Dominus animae quaerenti illum Ijeif 1 1$> bei ^eremias :
©nt ift ber £err ber ©eele, bie 3^n fncfcet £) wie paU
ity bas fo xnelfad) erfahren an Slnbern nnb an mir felbft! O
Sßörtlein „gnt", wie furj nnb f$ön briicfeft bn bie (£igenfd;aft,
ober tuetmel?r bie ;iftatw>(£igenf>eit meinet Jperrn nnb ©otteö anö!
£> Sßörttein „gnt", mit wel$' ^eiliger grenbe erfülleft bn ba$
3nnerfte meiner ©eele! 3a, and? alle meine ©ebeine fprecfyen:
£err, wer ift ©ir gleich, £err, wer ift fo gnt, wk ©n? Zimmer*
169
meljr, fürwahr, fKttte ©ein s $ropljet, obfd)on som £1. ©eijle in*
fptrirt, einen fc^önern f f urgent unb bebeutfamern 2lu$brucf wägten
unb ftnben fönnen jur Sejetd&nung beffen, xt>ai ©tt ber Seele bifl,
bie ©i$ aufrichtig fuc^t; benn ©u bijl il)r gut ©er lefcte
©a§ fd&eint fiarf au$gebrüdt ju (ein, unb ift bo$ gewiß waljr;
ober warum bätte fonji Qt^rifiuö unfer £err mit fo vielem Waty
brucf gefagt: Nemo bonus, nisi Deus? unb ber spfalmijh Quam
bonus Israel Deus!? ©ie metjien Sobpreifungen ©otteö in ber
Jjl* ©dfjrift nennen ©eine ©üte auSbrücf lid) , wie: Confitemini
Domino, quoniam bonus! — Quam bonus Israel Deus his
qui recto sunt corde! (£$ lebe unfer guter 3efuö!
Qui timent te, videbunt me et laetabuntur: quia in verba
tua supersperavi. SBenn iä), o £err, in ber ©tunbe ber £rüb*
fal unb in ber 3^it ber Prüfung gebulbig unb gottttertrauenb au$*
Darre, oljne mir bie geringfte Ätage über ©eine §ügung unb 23or*
fe^ung ju erlauben, ba idj ©einer Sföorte gebenfe: Juxta est
Dominus his, qui tribulato sunt corde — bann flauen nadj
mir bie $L (£ngel, bie ©eligen unb ^eiligen im £im*
mel unb auf (£rben, unb fie freuen fid} barum, weil
i$ auf ©eine Sorte fo überfctywängltd) ijoffe* — D £err,
t>erlet£e mir eine redfjt gebulbige Hoffnung unb x>ertrauen$t>otte ©e*
bulb, eine gcrnjltcbe ©elbftaufopferung mit Eingabe aüeä ^einigen
an unb unter ©einen fieiligften 2Biflen!
Me expectaverunt peccatores, ut perderent . . . SÜBie tter*
f Rieben ift ba$ 2ß arten ber ©ünber unb böfen ©etfter oon
jenem (Erwarten ber ©eligen im Fimmel, x>on bem e$ in
einem anbern ^falme tyifyix Me expeetant justi donec retri-
buas mihi! £lnm wir 93öfe$, fo freuen ftd) bie böfen ©eifter in
ber $ölle, unb erwarten mit ©e£nfud)t ben 2luggang un*
feree SBerberbenS: tfmn wir aber @ute$, fo freuen ft$ bie
@ngel unb ^eiligen im Jpimmel unb erwarten unfere 21 n fünft
bei iljnen, wo wir ewig unb o£ne 9fta£ belohnt werben
f ollem — 2lu# tie 9?eibtfd}en unb bie Zieh* unb ©nablofen fyit*
nieben flauen juweilen auf bie frommen unb t>on ©Ott ©efeg*
neten, unb wünfeben unb erwarten i^ren galt unb Untergang; bie
170
|>etligen greunbe ©otteS fe^en ebenfalls bie £ugenben unb ©naben
iljrer SWitmenfdjjen, unb freuen ftc& über frembeö ©ute wie über
i£r eigenes, unb fo nehmen fie£fjeil an ben 33erbienften alles
©uten, waö nur irgenb gefcfjieljt, unb feilen gleich fam mit
allen frommen ber ganjen SBelt, wie ber *Pro$>et: Parti-
ceps ego sum omnium timentium te, et custodientium man-
data tua. — £) teurer SefuS! ba i$ felber mc^tö ©uteö an
mir Ijabe, fo tritt td§> mid) allzeit freuen über baS ©ute metner
SWitmenfc^en unb 33rüber, ©einer greunbe unb ©iener, bie ©i$
mefjr lieben als ify+
Praevaricantes reputavi omnes peccatores terrae: ideo
dilexi testimonia tua . . . dissipaverunt legem tuam : ideo di-
lexi mandata toa. O neuer unb ferner 33eweggrunb , ©Ott um
fo eifriger ju bienen unb 3fw befio Ijerjtidjer ju lieben! 9Äetn
©Ott, Stile finb fie ©ünber unb Uebertreter ©einer
©ebote geworben; weil iä) baöerfannt: barum liebe idj
bejio meljr Dein ©efe$ unb Qeinc 3 eugnif f e. ©ie waljre
$kbc ftrebt immer aus allen Gräften, j[eben anberweittgen SSertuft
beS ©eliebten burd) eigene gröfere £reue unb ^nnigfeit ju erfegen*
©aljer fo mele greinen unb ©ebete, fo ttiele 33ufjwerfe unb 2lb*
töbtungen ber ^eiligen: fie wollten ©Ott burd) iljre eifrige %kU
gleic^fam @rfa§ leiften für alle ©cf)mad& unb Säfterung einer x>er*
festen 2Belt D guter 3efuS, wie fann iti) meiner Siebe ju ©ir
trauen, bettor ©u mir biefen ©eift eingeflößt Jmben wirft? £a§
mi$ alfo ©i# lieben für alle ©ünber unb ©ottlofen ber ganjen
Sßelt, unb fo jugleidj meiner eigenen 33erpflt$tung beffer genügen*
Servus tuus sum ego, da mihi intellectum ut sciam te-
stimonia tua. ©iefje, o mein ©Ott, auf bem SOBege beS bemütln*
gen ©laubenS bin iü) ju ©einem ©ienjle gefommen, unb nun Un
\§ ©ein ©iener: gib mir benn aucf) bie ®ahc ber (£r*
fenntnig, ba§ id) ©eine wunberbaren 3^ugniffe bef*
fer t>erftel)e* 2ßaS aber antwortet ber £err auf biefe 35itte
©eines armen Änedjteö, ben fo gewaltig na$ fwljerer ©rfenntnifj
bürftet? — Dljne 3weifel mit ben SÖorten beö anbem *Pfatme$:
Intellectus bonus omnibus facientibus eum. SD?ein ©iener,
171
greunb unb ©olw, ©eine (£rfenntni{? ifi nt$t nur l)in*
retc&enb, fie iji ausgezeichnet gut — fo lange £)u bie
©nabe £ajl, berfelben au$ im Söerfe nachzuleben, galjre
nur fort, bte £ugenb ju üben nacfj bent 2i$te beineg ©laubenö,
mäßige bie 33egierbe nafy leerer ©rfenntnijj: benn nur t^ätig
glaubenb wirf! bu ben ©ipfel Ijimmlifcfjer SQBeiöpett erpeigen
fönnen: bann wtrfi bu in meinem Sobe nic|)t meljr f^weigen, unb
au$ beiue eigene Sobenöwürbigfeit wirb *>or mir be*
fielen unb blühen big in (Swigfeit: Jastus ut palma flo-
rebit in domo Domini . . . laudatio ejus manet in aeternum.
1 Defectio tenuit me pro peccatoribus derelinquentibus le-
gem tuam... tabescere me fecit zelus meus, quia obliti sunt
verba tua inimici mei . . . vidi praevaricantes et tabescebam,
quia eloquia tua non custodierunt. 3n tiefen unb äfjnlidjen
SBefenntniffen gibt bie fromme ©eele einen Zeitigen (ünfer für
bie (£l)re ©otteS ju *>erfte£en* — 2lber au$ Sangmutl), (Erbar*
mung unb fttlte ©ebulb in ber Erwartung ber ©ünber folfen wir
tton bem £errn felbft lernen, unb ixt ber, wenn auti) begrünbeten
Sntrttjiung über frembeS 23öfe utdjt ben grieben ber eigenen
©eele auf 1 3 Spiel fegen, na$ jenen anbern SQSorten beöfelben
$5falme$ : Pax multa diligentibus legem tuam : et non est illis
scandalum. — Slber wer fann begreifen bie englifc^e ditinfytit unb
3art£eit be$ JperjenS mancher ^eiligen, bie bei bem bloßen ©e*
rückte irgenb einer verübten Safiert^at x>ox ?eibwefen in Dl)nmac$t
fielen? D mein ©Ott, ber £)u wunberbar biji in ©einen ^eiligen,
in iljnen jeigteft £)u un$, fürwahr, bie 23erftocfrtjeit unb £)ürre
unfereS £erjen$, ba$ ftdj oft mit bem münblic^en SBiberrufe be$
eigenen 25öfen aufrieben ftetlt, unb a$! nur allju gleichgültig, fatt
unb gefülltes über baS innere SÖefen einer 23eleibigung
beS ewig Zeitigen unb gerechten ©otteS hinweggehen
fann*
Mirabilia testimonia tua; ideo scrutata est ea anima mea.
Declaratio sermonum tuorum illuminat, et intellectum dat
parvulis. Sßunberbare ©$ä§e ber SÜ3 ei öp e it finb t>er*
borgen in Deinen £!♦ ©Triften, o mein ©Ott, barum
172
foflte billig alles ©innen unb Streben meiner ©eete
auf (ie gerietet fetm D £err, forf^te man bo# meljr
unb öfter in ben 2lu$fprü$en Seiner ©$rift, wo bie
fleinen unb bemütlngen ^eiligen aller 3eiten fo grojje
©#ä§e überfinnltd^er (£rfenntnifj unb 2Biffenfd)aft in
ben Dingen beö £ei(3 gef^öpft £aben! O £err, ginge
man bo$ bur$ Demutlj unb ©ebet unb mit einfältigem £erjen
an bie ^Betrachtung ©einer göttlichen 2luefprüd>e! Slber a$, wir
Ijaben nur ju fe£r iie Sßege ber % Einfalt unferer Sßäter *>er*
laffen unb (freiten nun £oc&müt£ig einher auf ber ©trafje be$
eiteln SBiffen« biefer 2öelt* 2Bir fud?en lieber langfam, mitsoll
unb gefäjjrttcf) mit unfern ©innen, tvaö wir unkt treuer Uebung
eines glaubenöootfen ®tUm in ber fürjeften &it olme 50?üpe unb
©efaljr bur$ bie innere (£rteu#tung be$ % ©eifleS beffer unb
reichlicher erlangen würben. Unb warum, o mein ©Ott, warum?
weil wir unö ni$t abtöbten wollen. £err, lag Qity bod? jum
SWitleib bewegen mit unferer X)telfac^en innem 33linbl)eü!
Faciem tuam illumina super servum tuum; et doce me
justificationes tuas. 3^tge mir, o £err, ba$ %iä)t Deines
Slntligeö, unb gib mir eine wa^re unb ganje (£rfennt*
ni§ ber ©nabe meiner Rechtfertigung bur# meinen Grrlöfer
3efum Gtyrijlum, ©einen ©o£n; benn nur bur# 3fm fann id) ja
mein £eil t>on Dir koffern -ttur in 3|)m, unb in bem, m$ burcfc
3^n ju Dir gelangt, £aft Du Dein 2öoj)lgefalfem ©o mögen
benn meine frommen Verlangen, meine Hebungen unb ©ebete, bie
in ft$ -ftidjts finb — fte mögen bereinigt mit 3efu Sfmfto unb
©einen unenblicben Serbienjlen in gleichem 2Bertl)e unb SBofrtgefal*
len ju Dir emporfieigen! D ©Ott, leljre mi$ bod? meljr unb
me£r bie 2öege Deiner ©armfjerjigfeit jur Rechtfertigung
unb jum £eile beö fünbigen s JDtenf^en, unb meine Sippen wer*
ben ft$ löfen ju Deinem Sobgefange: Eructabunt labia
mea hymnum, cum docueris me justificationes tuas. Unb
welche Danflieber unb Sob^mnen werbe ity er ji bann
anftimmen, wenn Du mir eines £age$ hei Dir ent*
f^teiert jeigen wirft, auf weisen Sßegen ber @rbar*
173
mung unb Siebe Su mt# geführt ijaft burd) ben 2Be$fet
ber Singe biefer *>ergängli#en 2Belt!
Ignitum eloquiam tuum vehementer: et servus tuus di-
lexit illud. Sie geheime Spraye, in ber Su, o ©Ott, ju
ben ©eelen rebefl, burdjbrang mein £er$ unb atP mein inneres
wie ein gewaltfameS geuer: unb bennod) Hebte id) bie
feurige Sftebe: barum, weit id) wufjte, baß feiig tfl ber 5J?ann,
ben Su felbft oJime SBortgeräufd) le^rejl unb in ben @el)eimnif|en
£)eine$ ©efegeS unterrichte^ — 2luc^ 3eremia$ [priest »on bem
geuer Seiner Unterteilungen im 3nnern: De excelso
misit ignem in ossibus meis et erudivit me.
Tribulatio et angustia invenerunt me: — unb bie gotge
bason war — mandata tua meditatio mea est. Sllfo War fd)on
ju ben 3eiten be$ ÄönigS Satnb Äreuj unb Seib ein *>or*
treffli^eS 5D?ittel beS £eüe$; n>aS wirb eS nun fein, na$*
bem ber ©ofm ©otteS, unfer £err 3efu$ ££riftu$, baSfelbe burefc
©ein 2Mut geheiligt, gefalbt unb gefräfttgt £at? Ser % 2lnbrea$
patte woltf 9?e$t, baj} er bem Äreuje, beibe Slrme nadj i£m aus*
ftredenb, auö* unb entgegenrief: Veni, veni, o bona crux! #od)
lebe ba$ Äreuj unb Ser baran ftarb!
Clamavi ad te: salvum me fac, ut custodiam mandata
tua. Sine fcfjone SBeife, bie ©efunb^eit t>on ©Ott ju erflehen!
3n feiner anbem Slbftdjt folf nämti# ber f raufe Sfmß feine £ei*
tung unb SOSiebergenefung *>on ©Ott wünfdjen unb er*
beten, aU bamit er filnftig bie ©ebote beS £errn ge*
nauer erfülle, ein beffereö unb eifrigeres Seben beginne unb
baS ©efdjäft feiner innern SSemßfommnung ernfter betreibe* 2Öie
zotete 23eifpiele gibt eS im ZeUix ber Siener ©otteS, wo eine fol$e
überaus ljeilfame 33itte fogletd) Störung fanb, unb ber wunber*
bar ©enefene buref) treue SWitwirfung mit ber ©nabe in ber Xfyat
eine £ol?e ©tufe ber £eiligfett erfiieg! (£in 33eweiS, baff biefe
©ebetSabftc^t bem £erm woirtgeftel, ba fte ©einer ®tyxe fowoi)! aU
bem £eile ber ©eelen förberlid) war*
174
Anima mea in manibus meis semper: et legem tuam
non sum oblitus. Steine ©eele, o ©Ott, palte i$ alljeit
in £ an ben, um in peiliger 2Bacp famfett alle ipre Regungen ju
beobachten, ba§ ber geint) mid) nicpt betrüge* — SWeine ©eele be*
ftnbet ftd) in meinen £änben (b, £♦ in all' meinen Jpanblun*
gen) gegenwärtig. £)ie ©eele aber etneö jieben gottgefälligen
SBerfeS ift bie gute Meinung, opne welcpe baö Söerf *>or ©Ott
tterbienftloä unb glei$fam tobt fein würbe. Steine Seele, b* $u
Seben überhaupt, ift immer in meinen £änben, bamit fte
nie in Sluöübung beö ©Uten (au unb träge werben, ober gar er*
fterben* Steine ©eele ift in meinen £änben, unb barum wirb
©Ott mir biefelbe juerft abforbem, unb barum muß meine eigene
Rettung unb ©eligfeit allen SBerfen beö (Stferö nacp 2tu|3en x>or^
gepen* SQSeil icp fo meine Seele allzeit in Rauben piett,
pabe icp in alten Umftänben bie 33orfcpriften £)eineS
pL ©efegeS treu bewahrt ©etobt fei jefuö epriftu«!
Praeveni in maturitate et clamavi: quia in verba tua
supersperavi. D ©Ott, meine 3 werftet! SBeil icp aufweine
SBorte unb 23erpei§ungen überaus t>iet poffe: barum
fomme icp — in jebem Seiben, in j[eber Slngft unb £rübfal —
ju allererft betenb ju Dir* 9Wcpt fucpe icp »orper £ülfe ober
£roft bei ben ©efcpöpfen, wie biejentgen, welcpe gewohnt ftnb, nur
ju allerlei unb fo ganj in pöcpfter 9totp an £)icp, o mein ©Ott,
ju benfem Wein, fo tpue icp niept; icp beftnne miep *>or Slllem
meines guten ©otteS unb fiepe 3pn um 25eiftanb an; benn ©eine
SBorte unb Spaten paben mir an grenjenlofeS SBertrauen eingeflößt:
in verba ejus supersperavi. Deo gratias! Deo gratias!
Longe a peccatoribus salus: quia justificationes tuas
non exquisierunt. £)a$ alfo ift bie einzige Urfacpe, warum baö
£eil ©otteö x>on ben ©ünbern fern ift; bie 23eparrticpfeit
in tprem serfeprten SBillen; fie fuepen ntept (£rbarmung unb
©nabe hei ©Ott unb wollen fiep um Bein @efe§ niept füm*
mern* Verließen fte ipre böfen Söege, unb feprten fte reumütpig
in bie S3aterarme ©otteö jurücf, ber £err würbe fte in Siebe um*
fangen, würbe, uneingebenf ber alten ©ünben unb 9ftijfetpaten, fte
175
mit ©naben fegnen; e$ würbe im erften Slugenblide i£rer auf*
richtigen Umfeljr f$ou Ijeifien: Prope peccatoribus salus: ba$
£eit ©otteS ifi t^nen genagt, ba fte ft# auf dürfen, bie verlorene
©nabe wieber ju fud)en*
Concupivi salutare tuum, Domine, et lex tua meditatio
mea est. — Expectavi salutare tuum, Domine, et mandata
tua dilexi. ©o füljrt baS fromme Verlangen na$ bemJpeite
be$ Gerrit — nacf) ©nabe unb 23otlfommenl)eit — jum ©ebet
unb jur ^Betrachtung @eine$ ©efeijeS; ba$ ©ebet aber er*
werft bann in ber ©eele bie f>L Hoffnung, unb jwar in Ijoljem
©rabe beö Vertrauens, beS fiebern (SrwartenS (expeetabam);
unb in btefem feften Vertrauen legt bie ©eete Jpanb an alle
2öerfe ber tätigen Siebe (mandata tua dilexi), an alle
äufjem unb innern Hebungen ber £ugenb, fte mögen geboten ober
blofi angeraten fein* Unb in biefen beharrlichen Uebungen erfteigt
fte al(mäl)li<# ben ©ipfel beS ©nabenbergeS ber c^riftli^en 33ollfom*
menfiett, wo fte enblid) in bie Ijöctyfte auf @rben mögliche &mu
gung mit i£rem ©Ott liebenb eingebt — D 3efuS, entflamme
mein faltet £er$ mit bem geuer ^eiliger 33egierben unb 2Bünfd)e !
£ilf mir bamit anfangen, ©uteä ju »erlangen unb, bur$ baö
©ebet jur wirflic&en ££at gefräfttgt, in ben 23eft$ wahrer SCugenb
fommen !
Servavi mandata tua et testimonia tua : quia omnes viae
meae in conspectu tuo. — ©a fte^fi bu, wie nüijltci) unb Jjeil*
fam eS ift, bi$ atljeit unb alfer Drten in bem Slnbenfen an @ot*
te$ 2Wgegenwart ju üben* SÖetl tdj auf allen meinen 2Be*
gen, o ©Ott, *>or ©einem 2lngefi$te wanbelte, fagt ber
^falmift, fo fyabt i<$ ©ir eine beftänbige Streue bewahrt
— 3« altern Sagen f$on l^atte ber £err ju bem Patriarchen
3lbraf>am gefproc^en: Ego sum Deus omnipotens . . . ambula
coram me, et esto perfectus. — 9Äein ©Ott, id) bitte ©i$, er*
werfe bo$ rec^t oft mittelji ©einer ©nabe meinen fc&läfrigen ©lau*
ben, bafi idj überalt, ju jeber Seit unb in allen ©ingen ©einer
©egenwartigfeit gebenfe, unb fo alles Uebel in ©einen 5lugen
ttermeibe, unb ba$ ©ute befto eifriger unb fröljticljer tljue!
176
Appropinquet deprecatio mea in conspectu tuo, Domine;
juxta eloquium tuum da mihi intellectum. £err, mein ©Ott,
gib mir ein bemütljigeS ®cbct, baS na# ben SBorten beS
weifen 9D?anneS bur# bie SBolfen (b, £♦ burdj bie SBolfen ber
Sautgfeit nnb beS 9J?ifjtrauenS) bringt unb ni#t ruljet, bis es
*>or ©einem fielen SEljrone (£rl)örung gefunben* Unb
um was foßte ity ©i# bitten? — Um bie ®abe jener erhabenen
GErfenntnif beö ^ropljeten, aU er fpra$: Quid mihi. est in coelo,
et a te quid volui super terram? Deus cordis mei et pars
mea in aeternum! SSon biefer SQSetö^ett nnb @rfenntnif} fpri^t
ber % SacobuS: Si quis autem vestrum indiget sapientia,
postulet a Deo, qui dat Omnibus affluenter. — D 3?f u f fo
gib mir benn btefe SÖBei^eit, bie im Fimmel unb anf (£rben
nichts wünfetyet aufjer ©ir, ber ©u allein nnfer Jperj
erfüllen, beliebigen nnb fättigen fannjl, nnb le^re mi$ SUteS
für Äotl) achten, anf baf ity ©i$, meinen SefuS,
gewinne!
In corde meo abscondi eloquia tua, ut non peccem tibi.
2ltle ©eine Sorte, o Jperr, bie ©u mir jemals auö ber
©c&rift, ober bnre^ ©eine ©tener, ober innerlidj jugefproefcen —
bie fyabt i$ forgfam in meinem £er$en aufbewahrt nnb
verborgen gehalten wie einen f oftbaren ©$a§, bamit iti) nt#t
fünbige *>or ©ir* „<&in gnter SD?enf# bringt aus bem guten
©#a§e feines JperjenS 9teueS unb SlfteS £er*>or" ju feiner eigenen
Heiligung unb jur Erbauung beS -Kauften: fo £aft ©u, o mein
3efuö, einft gefagt £> mad)e auS mir einen folgen guten 2J?enf#en
beS @oangelium$, baf} i$ x>ox ©ir ntd^t fünbige, noefy ©eine ©nabe
in bie (£rbe vergrabe ober gar unnü£ ttergeube!
Revela oculos meos, et considerabo mirabilia de lege
tua. Wltin ©Ott, voit gerne wollte ify £ag unb Watyt bie 2Bun*
ber ©einer Jperrlicfjfeit betrauten; aber baS innere Sluge meines
©eifleS ift gefeftfoffen, ober ttietmeljr ber bi$te 9lebel ber ©inne
fi< eS mir, wie mit einem unburc^ft^tigen ©Fleier umfüllt —
unb i$ bin oljne (Srfenntnif} unb ?i$t Deffne mir bo$, iti) bitte
flehentlich barum, baS innere ©eetenauge, jie^e ben ©c^leier
177
tton bemfelben £inweg, madje miä) mefjr ^ergeffen bie Singe
tiefer ©Innenwelt, nnb famtnle mein jerftreuteö ©emütlj in ber
beftänbtgen (Erinnerung an ©i# revela oculos meos: unb ity
werbe nimmer crmüben in ber Betrachtung ©einer
wunberbaren ©e^eimniffe. — ©uter 3efuö! ©u fragtejl
etnft ben 33linben am SBege na$ 3eri$o: Quid vis, ut tibi fa-
ciam ? Unb t>ott gläubigen SSertrauenö antwortete ber arme 23linbe
fogteicfj: Domine, ut videam! Unb ©u l)aft i£n [e^enb gemalt
D 3efu$! ftelje Ijier einen S3ttnben! 3$ verlange ntc^t, wie jener,
na# bem ©eftc^te, nm bie ©egenftänbe biefer 2Belt beffer ju feigen,
fie ftnb mir bur# Deine Belehrung nnb ©nabe f$on jum (Sfel
geworben, aber id) bitte ©i$ inbrünftig: Domine, si vis, po-
tes me mundare: beati mundo corde, quoniam ipsi Deum
videbunt: baß ©u mir me£r nnb mel)r eröffneft ben
innern ©inn be£ JperjenS nnb ifm reinigeft, bamit er taug*
li$ werbe, göttliche Singe ju fe£en, jn pören , jn füllen. 2aß
mi$ ©eine Antwort £ören: Volo, mundare — respice —
fides tua te salvum fecit. — 2öenn ber geizig 23linbe fepenb
geworben, bann betrachtet er befonbers gern jweierlei ©egenftänbe:
1) bie SÖunber ber 2lßmacf?t nnb 2Betel?eit ©ottes in ber ändern
SQSelt, nnb 2) bie SQBege ber ©rbarmung nnb ©üte beS iperrn in
ben ©eelen, sorjüglid) in ber eigenen Seele; bann fingt er am
liebften jene beiben $falmen ©atnbö: Domine, Dominus noster,
quam admirabile est nomen tuum in universa terra! nnb:
Misericordias Domini in aeternum cantabo!
Concupivit anima mea desiderare justificationes tuas in
omni tempore. £) ©ott, meine ©eele wünfcf)t nnb *>er*
langt nnr nad) ©einer Rechtfertigung unb ©nabe in
aller 3eit SBeil t$ erfannt, baß ©u un$ begnabigt fjaft burcJ)
©einen ©ofjn, unfern Jperrn unb £eilanb, außer 2Bel$em in fei*
nem anbern tarnen für unS irgenb £eil ju finben war: barum
wünfctyt meine ©eele fefmli^ft, ftd§> eiujig ju ftüfcen auf %$n in
aller 3eit unb (Ewigfeit Sin i$ mir ni^tö 33öfe$ bewußt? In
hoc non sum justificatus . . . sed gratia Dei per Dominum
nostrum Jesum Christum! Jpabe i$ gefehlt? Advocatum ha-
bemus apud Patrem.
23 etnatb 5tp^ori§men. j[2
178
Vias meas enuntiavi, et exaudisti me. (Sin merfwürbtgeg
SQBort! 3$ £abe bnr$ ba$ 23efanntma$en metner 2ßege
(£r£ömng bei ©ir gefnnben* — 3wrjl, o £>err, Ijabe idfj
burdj ©eine ©nabe erleuchtet ben fünb£aften S3eg meinet 33er*
berben£ erfannt nnb tu reumütigem 33efenntniffe auggefprodjen:
ba £aft ©u micf> erhört unb meinem ©eifte 9?u£e unb ^rieben ge*
fdjenft, wona$ er verlangte unb warum er betete. — ©ann
au$ £abe iö) bie 3«>eifel über meine innern SSege beö ©ebeteS,
ber 25u§e unb grömmigfeit, ber Zieht unb 2lnbad)t t>or ©ir unb
©einem ^riefter, wie ity eö t>ermod)te, ausgebrochen: unb ©u
ljaft mt$ wieberum erhört unb mi$ ber §ül)rung ©eines guten
©eifteS *>erft#ert „9D?ein 33ater, i# banfe ©ir, baß ©u mi$ er*
£ört £aft!" — ©ein $ropl)et »erfyrad) in ©einem tarnen: Cla-
mabit ad me, et ego exaudiam eum: eripiam eum, et glori-
ficabo eum. ©ein erfteg 23erfpred;en: eripiam eum, fjaft ©u
erfüllt, ba ©u mief? errettet aug bem ©rabe ber ©ünbe unb x>on
ben 2tengften eineö befeuerten ®ewiffen$+ ©ein jweiteS 93erfpred?en:
glorificabo eum, £aft ©u erfüllt, ba ©u mir ba$ 3eugm§ ©ei*
ner wiebererlangten Äinbfdjaft gegeben unb befräftigt Ijafi; ©u er*
füttft e£ no$ alle £age, inbem ©u greger unb ^eiliger ©Ott ©i^
herabläßt, mi$ elenben ©ünber ju erleuchten, $u tröften, im
©acramente jn befugen; unb enblic^ wirb ber Sag au# fommen,
wo ©n in ©einer göttlichen (Srbarmung biefeö 2?erfpred)en erft
rec^t unb eigentlich erfüllen witlft, mic|) eingeben £ei£enb in ©eine
greube unb Jperrlicfyfeit: glorißcabo eum in coelo et in terra.
JD mein ©Ott, wie foll ity ©i$ greifen?
Viam justificationem tuarum instrue me: et exercebor
in mirabilibus tuis. £err, iä) will, meiner fielen ©ünben ein*
geben!, mtd) nicfyt erfüllen , meine Singen ju ergeben na$ ©ingen,
tie über mirftnb: Ecce, non est exaltatum cor meum, neque
elati sunt oculi mei: neque ambulavi in magnis, neque in
mirabilibus super me : sed humiliter sentiebam (Ps. 130.), %>i$
©u felber mtcfy wirft belehrt £aben über bie SBege ©ei*
ner (£rbarmniffe gegen mi$, unb i$ ben finbltcfyen ©eift
tton ©ir werbe empfangen fyaUn (in quo clamamus: Abba,
Pater), in bem alle SJöKer in allen ©prägen ©icf> „33ater" neu*
179
nen- £)ann wirb eö bem jerfnirfdjten unb gebemütyigten ©eijie
t>erflattet fein, ftdj, wie er fann, ju ergeben in bie 23ef$auung
deiner wunberbaren 33otlfommenljeiten: Vanum est vobis ante
lucem surgere: surgite, postquam sederitis, qui rnanducatis
panem doloris. (Ps. i26J 216er, mein ©Ott, baö ifl allein
bai SQSerf ©einer ©nabe: non est volentis, neque clamantis,
neque curreotis, sed Dei miserantis.
Dormitavit anima mea prae taedio: confirma me in
verbis tuis. D ©Ott, wenn £)u meine arme ©eele ft$ felbft
überläffeft, fo wirb fie träge unb erfüllt mit (£fel an
2111 em, toa$ beö ©etfieS ift, unb ftnft baljin in einen untätigen
©$laf ber Sautgfeit, bi$ £)etne 2Borte fie wieber auf*
werfen unb x>on feuern beleben. £)eine Sorte, o Jperr, ftnb baä
$cUn unb bie Äraft ber ©eele: Confirma me in verbis tuis...
ne unquam obdormiam in morte: bewahre mi$ X>or einem %0*
begfcfytummer in ber ©ünbe!
Viam mandatorum tuorum cucurri , cum dilatasti cor
meum. 3$ felje alfo, mein ©Ott, ba{? man ju «Dir nifyt mit ben
güßen, fonbern mit bem £erjen geljen muß, ober mit beiben %\x*
glei$, mt bei einer 23efu$ung beö Slllerljeiligfien; benn als £)u
mein £erj erweitertet, ba lief i§ mit großer ©#nel*
Ugfeit auf bem SBege ©einer ©ebote ju £)tr* — £)a$
ift ein engeö ^erj, ba$ ba wä^nt, eö genügten iljmt, um glücffi$
ju fein, bte elenben greuben biefer (£rbe* £)a$ ift ein engeä
^erj, baö im 33eftge ber vergänglichen ©üter biefer SQSelt bie x>olle
SSefriebigung feiner 2Bünf$e ju ftnben gebeult 2)a$ ift ein engeS
Jperj, ba$ in flüchtigem 9tu£me unb eitler @$re vor ben SDfenfdjen
feine legte 9?u£e fu$t ©ol#e Jperjen — wenn fie au# no#
manche fromme Hebungen galten — laufen gewiß ni#t, fonbern
frieden nur müljfam ju ©ott* &n £er$ bagegen, baö in feiner
bemütpigen unb wahren ©elbfifd?ä§ung hü in bie #ölle Imtabftetgt
unb bennodj nicfjt verzweifelt; t>a$ in feiner glaubensvollen Jpoff*
nung auf 3efuö S^riftuö U$ in ben Fimmel ju ©ott unb ©einen
lieben Engeln fiel? mit ©ebanf en unb . Effecten ergeben fann unb
bennod) bie gurc^t t>eö #errn titelt bei ©eite fegt; unb baö in ber
12*
180
ganzen wetten SBelt mit £iebe unb SffiofrtwoKen atte Sebenben um*
f djloffen pft, ojwe an eines 9D?enfd)en £eif su verzweifeln, fo
lange ©otteö Sarm^erjigfeit ilm (eben lägt: — ein fold)e$
£er$ ift tn 2Bal)rlj>eit erweitert unb napet ©Ott in voüem Saufe*
O ©Ott, gib mir ein folctyes £er$: da mihi latitudinem cordis,
sicut arena quae est in littore maris (wie bie $L ®$rift tton
©alomon bezeugt), unb ify werbe auf bem 2Öege ©einer ©ebote
mit Sei^tigfeit balnnlaufen Uä ju ©ir felbft, meinem glücf liefen
(£nb$iele* 2lmem
Statue servo tuo eloquium tuum in timore tuo. ©o
£eitfam unb notljwenbig ift bie gurd)t ©oiteS, ba§ ber ^Jroppet ben
£erm bittet: dx möge tl)n ©einer tröftltd)en 2(nfprac$e
würbigen, oljne t^n jiebodj t>on alter §urd)t ju befreien.
2Öenn aud) ein Sflenfd? glaubte, bie bele^renbe unb tröftenbe ©timme
fetneö ©otteS ju t>ernel)men, ja, wir wollen glauben, ba§ er fte
wirf lief) vernimmt — unb unter bem SBorwanbe feiner Ijoljen 23e*
f$auli$feit unb Bereinigung mit bem göttlichen SBitten aufhören
wollte, mit Zeitiger gur$t unb 3ttif?trauen in ftd? felbjl burd) bieg
Seben ju wanbern, fo fiänbe fein £eil von ba ab in feljr fcf>Ie$*
ter ©i$erl)eit* ©arum £at ein ^eiliger 9ttann gefprocfjen: Nolo
contemplationem, quae aufert mihi compunetionem et ducit
in mentis elationem. D bemütf)iger £eilaub, bewahre mi$ unb
alle ©eine Anette vor alfer SBermeffen^eit !
Priusquam humiliarer, ego deliqui: propterea eloquium
tuum custodivi. 2Benn ber ©ünber fid) bef eljrt unb in beftän*
bigem reumütigem 5lnbenfen an feine alten ©ünben M$ jum £obe
bie l)L©emut!J bewahrt, unfähig in feinem fo fpät angefan*
genen SEugenbwanbel einen Slnlafi jur ©ttelfeit ju ftnben: bann foll
er leben unb nidjt fterben, fpridjt ber #err: Non moriar, sed vi-
vam, et narrabo opera Domini, quanta fecit animae meae:
cogitationes fideles, misericordias antiquas . . . 2ln einem fol*
$en ift eö flollfornmen waljr geworben, baß benen, bie ©Ott lieben,
2llle$ jum S3eften gereift, felbfi bie eljemalö in Unwetefjeit begann
genen ©ünben* D ©Ott, ma#e mi# bemütyig unb immer bemü*
t£iger, bamit ti niemals notljwenbig werbe, baf? ©eine ©eredj*
181
tigfeit mir burd) 3utaffung neuer ©ünben neue @e*
finnungen t>er Demutl) beibringe!
Bonum mihi, quia humiliasti me, ut discam justificationes
tuas. 2Öte väterlich, o £err, |wnbelft Du mit ung, wenn Du
un$ länger no$ in einigen unfreiwilligen geilem unb Unvolffom*
menjjeiten, ©#wädjen unb ©enbigfeiten feufjen läffejl, unb wenn
Du jufteljft, baff wir in fleine geiler fallen, unb eö ntdtf Ijinberft,
bamit wir wegen unferer vermeinten £ugenb un$ ni$t in ©tolj
unb Sigenbünfel ergeben f Otiten! Denn fo fel)r l?afFeft Du in bem
5J?enfd)en Jebe Jjpoffart unb eitle ©elbftgefälfigfeit, ba# Du lieber
einen bemütlngen, unvollfommenen, aU einen von ge^lern befreiten,
aber eitlen Diener £aben witlft! — 2öal>rlid), mein ©Ott, ei
ift mir gut, wenn ^n mid) verbemütfjigeftf bamit iti)
erft lerne, ntd)t auf eigene ©eredjtigfeit ju bauen, fon*
bem auf bie Äraft ber ©nabe Stfn Gt^rifti, bie jt# in ben Bfyxoa*
cfjen jiarf bewährt
Da mihi intellectum, et discam mandata tua. Jperr, iti)
bitte Dic^ mit bem $rop£eten um 23erftanb unb (Srfemttnijj: nid&t
baf? ity ein gelehrter ^ilofoplj werbe; auclj nidjt ein weifer unb
berebfamer ^rebiger nafy menfd&lictyer 9?j)etorif möchte i$ fein,
no$ aucfy ein tieffmniger unb gewanbter ©cfjolafiifer in ber £f)eo*
logie; fonbern gib mir nur 33erftanb unb (Srfenntnifj,
Deinen £l,2Btlten $u verfielen unb auszuführen! 2lmen*
Cognovi, Domine, quia aequitas judicia tua, et in veri-
tate tua humiliasti me. D mein ©Ott! xt>ie oft fc^on l)abe ity
baS 2ßort aufrufen muffen! 2Benn iä) miü) in ber trüben ©tunbe
ber Prüfung beftnbe, fo verfiele icfy gewöljnlicfj nicfjtö von Deinen
getreuen unb liebevollen 2lbft$ten, unb biefj eben ma$t meine
f leinen 23erlaffenl)eiten beö Sfiamtixi einer Prüfung wertfj; benn
wer würbe nic^t mit freubigem 3ubel Sllfeö leiben unb fttll aus*
butben, wenn iljm jebeömal ber liebevolle 3*vecf Deinem Sßater^er^
jen$ ftar vor ber ©eele fdjwebte? — (Srjl wenn na$ Deinem
SBtllen baö @nbe ber 35etrübnt§ fommt, bann leuchtet mir Deine
2lbfi$t enbli$ ein, unb in biefer (£rfenntnif} fcfywinbet bann plö£*
182
lt$ ba$ legte Ueberbleibfel be$ traurigen ©efüp, baS ftd§> alSbatb
tu Ergebenheit unb lauten ©an! auflföfet. Sann finge t$ mit
bem ^falmiften: Sftun, o £err, tyabc ic$ e$ abermals ein*
gefeljen, n?te geregt, billig unb tiebrei^ sugteidEj Du
mit mir t>erfa|)ren bift, baDumic!) wieberum eine Heine
3eit *>erbemüt£igt £ajl. — SS lebe ber £err, mein ©Ott, in
beffen ©egenwart itf) btef} gtücfticfje 33efenntni§ täglich ablegen will!
Fiat cor meum imraaculatum in justificationibus tuis, ut
non confundar. D ©Ott, iü) verlange von meinen geilem unb
Unt>oKfomtnenl?eiten befreit ju werben burcf) ©eine ©nabe unb ju
Seiner @l?re, ni$t um ber 93ef$ämung *>or bett Sttenfdjen ju ent*
gelten, fonbern icf) bete: 9flöge mein elenbeS £erj bur$
©eine 23arml)er$igfeit flecfenfrei werben, bamit ic&
t>or Dir unb meinem ©<#u#enget nicfyt in ©Rauben
ftelje, unb mid; bie grofe gur$t unb 33ef$ämung an jenem Sage
ni$t befalle, wenn e£ offenbar wirb, voie viele Erleuchtungen unb
©naben i$ t>on Dir empfangen, unb toie fdfjlectyt itfy biefelben be*
nu§t $aU, wie mein gegenwärtiges Elenb bm 33ewei$ liefert —
©o betet ber übernatürliche unb geiftige 9Wenf$; ber natürliche
unb finnltcfye Ijafjt feine gelter nur, infofern fte i{m *>or ber 2Belt
bekämen*
Ouomodo dilexi legem tuam Domini? tota die meditatio
mea est. Daraus, mein ©Ott, erfenne idj bie 2Bal)rI?aftig*
feit meiner Ziehe ju Dir unb Deinem @efe§e, unb baf}
meine melen 33etl)eurungen feine leeren SBorte ftnb, xoie wenig ify
au$ im SQßerfe ausführe — wenn i$ nämlidj ben ganzen
Sag Deiner ©egenwart gebenfe unb in Deinem ©efege
betrachte, wenn Deine ©nabe mir immer Dein Slnbenfen jurücf*
füljrt, unb i# immer glücftidj bin, in biefem Slnbenfen verweilen
ju fönnen! 2Bal)rlici), baS ift ein fyifytn son Siebe! Benedicam
Domino, qui tribuit mihi intellectum . . . ut non sim sicut
equus et mulus, quibus non est intellectus, et qui constrin-
guntur in camo et fraeno!
183
Ordinatione tua perseverat dies, quoniam omnia serviunt
tibi. £err, %Ut$ btettt Deinem äßtnfe; wenn Du alfo
befieljljl, fo wirb in meiner ©eele ber Sag immer fort*
bauem, ni#t ber Sag biefeö Sonnenlichte^, fonbern ber geifUidje
Sag, an bem baö Si^t ©einer ©nabe über bem £orijonte be$
finnlic^en SWenfdjen am wolfenfreien £immel ber ©eele fämU,
wo ber Sftenfd) im Sidjte Deinem 2lntli£eg wanbett unb
ben ganjen Sag \i<$) ergebt in ber Äraft ber ©nabe, um
jieglid&eS ©Ute ju tljun, wie ber ^falmift im 88. $f* gefungen:
Domine, in lumine vultus tui ambulabunt, et in nomine tuo
exultabunt tota die. — Dod) oor Dir ift ginflemif} unb
Sidjt, Sag unb 5ftadjt ni$t t>erf$ieben: quoniam tenebrae
non obscurabuntur a te, et nox sicut dies illuminabitur: si-
cat tenebrae ejus, ita et lumen ejus. QPs. i38.^ ®ii mir
benn, o giitigfter 3efu£, eine ttollfommene ©teicfyförmigfeit unb (£r*
gebenfjeit gegen Deinen göttlichen 2Billen, unb iä) werbe Dir in
ber Dunfetyeit, \vk in ber (£rleu$tung , in ber 33etrübnifj, wie in
ber greube, in ber 23erlaffenfjeit, xt>k in ber (£rl)ebung beö ©eifteö,
in eifiger ©efülrtf oftgfeit , wie in blütljenwarmer 2lnba$tgluft —
immer werbe ity Dir mit gletc&mütlnger ©eele anfangen, Dtcfy
lieben unb Dir bienen! — Dag will aber t>iel fagem (&$ lebe
3efuS, unb ti fterbe ber böfe 3D?enf$!
A mandatis tuis intellexi — benn ba$ 33erftänbni§ fommt
ttom galten ber ©ebote — propterea odivi omnem viam ini-
quitatis. DaS Sljun beffen, voa$ ©Ott will, bringt immer meljr
Sidjt in ben Sßerftanb unb immer größere gefttgfeit, §reif>eit unb
(£ntf$lojfenljeit in ben SBillen jum ©uten: eine ©nabe ruft unb
ftärft bie anbere* @S ift aber au$, aU wolle ber s Pfatmift fa*
gen: Da i§ *>on bem 2öege Deiner ©ebote etwas er*
fahren l)atte, wu$S in mir ber £a§ gegen jtebe 2lrt
*>on ©ottlofigfeit Denn fo fttjj ift e£, ©ott ju bienen, ba§
oft nad) ber gering jlen (£rfal?rung in biefer ©üfjigfeit 2ltteö f wa$
bie 2öelt un$ ©#öneg unb (£rfreulicf)eg barbieten fann, für immer
un$ efetfcaft unb l}ä{3ti$ erfdjemt Gustate et videte, quoniam
suavis est Dominus, fagt er anberöwo. 2Benn biefj ni$t fo
wäre, wie Ijätte bann bie fdjwadje SWenfdjennatur , bie in ben
184
Jpeiltgen feine anbete war, aU in unö, fo viel ©<§were$ ertragen
unb Unerhörtes ausführen fönnen?
Feci Judicium et justitiam — im kleinen, tt)ie im ©roßen
— non tradas me calumniantibus me. ©üttger ©Ott! Sßenn
ify meine täglichen ©ünben unb Segler, ofwe welche bieg elenbe
£eben nicfyt gelebt wirb, erlannt unb bereut unb mt$ ba*
für ju einer fleinen 33uße felbft t>erurtl)eilt pabe f bie
icfj bann in einem großen 23ußgeifte treu vollbringe — bann wirft
£)u mid^ ihretwegen an jenem Sage ben Reinigern ni#t me^r
überantworten, fonbern bae no$ 5J?angelube gnäbig unb barm*
Ijerjig erfegen au£ bem unenbfidjen ©ctyage ber SSerbienfte 3efu
unb ÜttartcL £)a$ ifi meine 3ut>er|u$k.
Adolescentulus sum ego et contemptus: justificationes
tuas non sum oblitus. gürwal)r, bie £L SDemutl) ift ein großer
©$a§, ber nietyt allein alles @ute aufwiegen fann, (onbern e£ ge*
wöfmiid? anty in ftd) begreift D ©Ott, laß mici) bo$ alle Sage
meines ?ebenö ff ein unb unanfelwlicf) fein unb bleiben, ni$t nur *>or
mir felbft, fonbern au# t>or ben 9D?enf$en* 33ewaljre bie 3ugänge
meineö £er$en£, bamit ba$ finblidje, gerabe unb offene ©emütlj
niemals au^wanbere, unb bie bem Seben ber ©nabe fo oerberblidje
©uebt, ein ÜRann ju fleinen, nimmermehr ftd& einf$lei$e*
D 3efuö! SBenn ity einmal oon mir felber fagen fönnte: Vir
perfectus sum ego et honoratus ubique, bann wäre bie ©efaljr
groß, baß es balb barauf Reißen würbe; justitiam tuam penitus
est oblitus. 9?em, laß miefy lieber aug innerfter Uebeqeugung
unb ^anbgvetflic^em ©efüljl atT mein Seben fagen: Adolescentu-
lus sum ego et contemptus: icf) bin ber jiüngfte Änecfrt ©otteö,
ofme Saaten, olime 3Serbienfte, otyne @£re: baä mi^ iä) unb t>aö
fü^r i$, unb tdj preife £>icfy, mein ©ott, bafür: benn e$ ^inbert
mity, im Uebermutlje irbifeben ©fücfeö deiner ju oergeffem O
3efue ! mad)e \\\i<fy mefjr unb meljr flein, unanfeljnlicf) unb $era$t*
Xic^> t>or mir felbft unb t>or ben Slugen ber 2ttenfd)en — wenn Du
willft unb e$ für gut ftnbeft — bis ju ber Stufe, baß e$ $ur
@eringfd?ci§ung eineö SBorteg, eineö ©ebanfenö, eines 9?at£f$lage3,
eines SBerfee nic^tö weiter bebürfe, aU bie Stuftet: baö fommt
185
sott jenem armfeligen, unwtfieuben , t)erä$tlt#en SD?enfd)en !
£err, ity felje ba$ ©#öne hierin — aber e3 will toa$ feigen!
IL
^Betrachtungen besfelben (Sinfteblerö über bte btb^
lifd^en 33erge*
a) Illuminans tu mirabiliter a montibus aeternis. (Ps.
75.) £)iefe „ewigen" Serge, von benen nacf? bem angeführten
*Pfalme: Notus in Judaea Deus etc. fo gewaltige nnb wunber*
bare ©nffüffe auf bte £)mge btefer Srbe ausgeben, [feinen nichts
anberö ju fein, alö bie unermeßlichen unb unbegreiflichen Qtytn
ber göttlichen Attribute unb 33ollfommenl>eitett* 9Son ifjnen fpri$t
ber ^ropljet im 120* ^falme mit frommer 3wnftd)t: Levavi
oculos meos in montes, unde veniet auxilium mihi. 93on ben*
felben fprid^t ber Söeltapoftel im ©^reiben an bie Hebräer 11,
33: altitudo divitiarum sapientiae et scientiae Dei! etc.,
burcf) welche Söorte ber % ^autuä baö £ofje (Srfiaunen bejeidjnen
will, worein feine ©eele tterfanf, aU tyx hei jfener 3Serjücfung in
ben britten Fimmel x>on ben wuuberbar erhabenen 23ol(fommen*
Reiten ©otteg eine überfmnlic^e (Srfenntmß eingeflößt würbe* —
©efctyieljt es nun, baß nad) ©otteö barmherzigem Söo^tgefallen ein
©trafjl biefer (Srfenntntß oon jenen bimmltfc^en 33ergen in ber
£ö£e unö arme Pilger in ber fernen trbifdfjen Verbannung erreicht,
fo erweeft unb erzeugt btefer belebenbe, tjeiffame unb fructytbringenbe
©tra^l in unferm ^erjen manche wunberbare unb befeligenbe @e*
füllte ber Slnbac^t unb Ziehe ©otteö, tynlify jenen, welche ben $ei*
ligen in gütle ju £f?etl würben, welche fte jur Uebung aller Zn*
genben fä^tg unb geneigt machten unb ifjmen nic|t feiten einen
gewiffen SBorgefdjmad: ber ©üter gewährten, bie ung naclj ben
kämpfen biefeö Sebenö in ber feiigen (Swigfeit hinterlegt ftnb*
3Q3a3 aber audj immer ber menfdjlidje SSerftanb , burefj ben
Giebel ber ©innlid;leit oerbunfelt, me er ift, *>on geiftigen unb
ewigen £)ingen £ienieben ju erfaffen oermag: xotö immer bie
menf$li$e 3unge — felbft eine« Zeitigen — auf (Srben baoon
aussprechen barf unb überhaupt mitteilen fann, baö ift, mit ber
186
2ßirf(i#feit sergtidjen, ni$t einmal ba6 Stammeln eines unmünbi*
gen ÄinbeS ju nennen. Die ©otteöweiö^ett ber ^eiligen tft benn
x>ielme£r ein lebhaftes (£mpftnben, baö, Sßerftanb unb SBilten mit
ft$ fü^renb, rafd) jur £f)at [freitet, nnb nicfjt ein formelles 2Btf*
fen, wo ber 9D?enf$ fetner Cogif ftcfy immer beruft bleibt, unb
nur mit tteberlegung unb au$ analptifctyem -ftacfybenfen jum 2öerfe
geljt Sie größten unb erteuc^tetften ^eiligen, wie fc()ön unb er*
ljaben fte audj je flon ©Ott unb göttlichen Singen (prägen, Ijaben
immer befannt, ba§ fte unmöglich mit förderlichen SQBorten a\x&
brücfen fönnten, tt>a$ tljre Seele empftnbe unb tterftefje* ©ie fpra*
$en befljalb au# meift negatio baoon, inbem fte alles ©rofje unb
(£rt>abene, ©$öne unb 2tebli$e, waö menfd)ti#e begriffe anbeuten
fönnen, nur barum im ^öcfyften ©rabe ber 93ollfommenf)eit aufjäfrt*
ten unb ju fc^ilbern t>erfu$ten , um bann ju fagen: bie geiftlidjen
©üter, bie fte erfannt unb empfunben Ratten, überftiegen baö Sitten
unenbftc^ weit , unb wären etwaö ganj anbereö nod) , waö un*
au$fpre#ti$ (ei. — DaS %iü)t ber göttlichen SSeiö^eit beftrafjlte
*>on jenen ewigen 33ergen Ijerab tyxc reinen, einfältigen unb gtau*
benSttoHen ©eelen, unb in biefem 2t$te wanbelten fte fdwell von
£ugenb ju £ugenb hi$ jum ©ipfet aller d&rijlfidjen 33oltfommen*
Ijeit* Der jiarfe unb lebhafte ©laube ift eg, ber unö ber ©onne
aller ©ere^tt'gfeit unb £eiligfeit nähert, na# ben SBorten beä
2lpoftel3: „Accedentem ad Deum oportet credere" (ßebr. il);
©nfalt in 2lbftc^>t unb SBanbel aber reinigt unfere ©eele unb ma$t
fte für bie ©trauten jener ewigen ©otte£fonne immer meljr em*
pfängttdj, xok getrieben jie^t: Ouoniam excelsus Dominus, et
humilia respicit ... Et cum simplicibus sermocinatio ejus.
QPs. 137. Prov. 3.) Diefeö genüge aU allgemeine 23emerfung
über jene ewigen 23erge, unb bie ©trafen, welche wn benfelben
SU unö in 1 * ferne (£rbent£at Ijernieberreictyem
b) ®8 gibt au$ no$ anbere, Ijöcfyft merf würbige, fjeifige
35erge auf unferer örrbe in biefer 3eit, unb au$ auf tjjnen teu$*
tet unb ftraljtt ein 2ict)t von ©nabe unb £ugenb, welche* un$/
wie beim gacfelfcfjetne in ber 9tac&t, burdj baö bunfte ££al beö
©laubenö ju bem Sichte ber ewigen 33erge, ju unferm glüdfeligen
Snbjiete füljrt unb jurec^tweifet
2lbral>am (®en* 22/) reifete auf ©otteg 33efe£l ju bem
187
35er g e, um auf bemfelben feinen einigen ©olm 3faaf — ben
©oljn ber greube — ju opfern , wenn ftd) ber £err ntc^t mit fei*
nem SBillen begnügt £cüte. £)arum warb bem frommen *J5atriar*
djen bur$ alle fommenben ©ef^lec^ter ber (£j)ren* -Warne beö „3Sa*
terö aller ©laubigen @otte£" (cRöm. 4) „quia contra spem in
spem credidit", unb wn jener 3eit an teuftet t>on btefem SBerge
benen, bte ei flauen wollen, baö 2t'4>t beS gläubigen ©eljorfama
unb ©ottttertrauenö. Empfange, o meine ©eete, bie Ijeilfamen
2lu$jfraljfungen unb ©npjfe biefeS Sictyteä!
9ttofe6 empfing auf bem 33erge (@rob* 190 unter £)onner
unb 93It§ tai ©efe# t>on bem £errn. ©eit biefer Seit ftraljlt t>om
©inai ba$ Ct$t be$ göttlichen @ert$te$ unb fünbet ben ©uten
£o|m unb ©egen, ben S3öfen glu$ unb ©träfe am Saß bid),
o meine ©eele, burdjbringen tton einer Zeitigen gurdjt ©otteö!
(£lia$ würbe jur Seit einer Jpungerönotp im ?anbe t>on bem
£erm mit einem gel)eimnifi*>oHen 25robe gefpeifet (3 Äön. 19.)
unb in ber Äraft biefer ©peife ging er Ui ju bem 33erge @ot*
te$, wo ©Ott tljm erfdjjien unb t£m künftige 2)inge offenbarte*
£) meine ©eete, bu fennft ein anbereS geljeimnifftolteö 23rob ♦ ♦ ♦
nimm unb ig, unb wanble beljarrlic^ auf bem Sßege beö £errn!
2llö in ber gülle ber 3?it bie ewige Sßeiöljeit auf (Srben au$
menf$K$em SWunbe rebete, — ba flieg 3efu£ auf einen 35erg
unb begann bort ©eine erfie ©ittenprebigt mit jenen merfwürbigen
SQSorten: Beati pauperes spiritu, quoniam ipsorum est reg-
num coelorum etc. (Matth. 5. Luc. 6J unb fofort pries er feiig
bie Sanftmütigen, bie trauernben 23üfjer, bie £ungemben nad)
©erec$tigfett, bie Sarmjjerjigen, bie Jperjenöretnett, bie griebfamen
unb bie Verfolgung leiben feinetwegen. ©eitbem nun firaljlt x>on
btefem 35erge bas 8i$t ber wahren ©ittenweteljeit , unb baö %iti)t
leuchtet in bie ginfterniffe biefer SBelt, unb bie ginfterniffe begreif
fen ei nidjt* — gü£re, o meine ©eele, bu bir öfter $u ©emütfj
bie weifen Seljren 3>efu!
@inft naljm ber (Srlöfer ©eine 3ünger mit @id) auf einen
£o£en 35er g (SWatt^ 17. 3Äarc. 9. 8uc* 9. 2 ^3etr. 1.) unb <£r
Würbe x>or ifjren klugen serflärt, fo baff ©eine ©ewanbe f$nee*
xoeify ftra^lten unb ©ein 2lngeft#t xoie bie ©onne glänzten. 211$ bie
erftaunten 3ünger bie £errlid?feit be$ in 3efu x>erflärten gletf$e$
188
faljen, ba würben fte wie ftnnloä unb trunfen *>on bem Strome
ber greube unb ©efigfeit, ber bie ©tabt ©otteö erfreut Oßf. 450,
unb fte wollten ewig an ber ©teile bleiben* — D meine ©eete,
gebenfe oft ber greuben be$ ewigen SebenS, unb atte Seiben biefer
Seit werben bir gering feinen!
SSenn ber #eitanb fid) be$ Sagö mit Reifen, ^rebigen unb
Segnen ermübet !)atte, itfiie^ (Sr gegen Slbenb einen 33erg unb
braute bie ftille 9tad)t im ©ebete für baS £eit ber Wenfcfcen ju.
(Wattfj. 14. Ware. 6. 3o£. 6.) ©eitbem fotf jt'eber 33erg un*
baran erinnern, bafi wir bie Später niebriger unb ftnnlic^er 93e*
friebigungen tterlaffen, ba$ ©ewüfjt ber Wenge fliegen unb bie
(£infamfeit fu$en muffen, um buref) ©ebet unb 33efd)auung ©ott
ju naljen. £) meine ©eefe, fonne bi$ re$t an bem Sichte ber
frönen £ugenbbeifpiele beineö £erm unb (£rlöfer$!
2lfe ber große Sag gefommen war, wo ber £err in einer
gütte sott ©$merjen unb ©$macf) bie gülle unferer (Srlöfung
wirfen unb für unö am Äreuje fterben wollte, ba beftieg dx mit
bem £ol$e unferer ©ünbenlaft belaben i>en 35 erg. (Watt£. 27.
Ware. 15. Sue. 23. 3o£. 19.) 3u bem Siebte, ba$ feitbem wn
Saloarta teuftet, erfannten unb erfennen alle ^eiligen bie ©igen*
fcfyaften eineö wahren 2iebfjaber3 3efu Gtyrijii. D £err, gib mir
t>k ©nabe, ©ir naef) bem Seifpiele ©einer ^eiligften Wutter Warta
auf Deinem ©djmerjenewege ju folgen!
(£nbli# war baö SQBerf unferer Grrlöfung t>ollbra$t, bie ©a*
cramente für bie SSölfer ber (£rbe eingefegt, unb bie Äircfce al$
allgemeine £>eiligungsanfialt geftiftet: ba führte ber von ben lobten
(Srftanbene bie Sipofiel auf ben Delberg (Ware. 16. Sue. 24.
Slet. 1.) unb fuljr in ©einem perflarten Zeihe glorreich t>or t^ren
Slugen in ben Fimmel, ©ort, o meine ©eele, darret beiner
bein 3efu3. (£rjieige benn mit ©einer fiütfreidjen ©nabe bie
£ö£en ber cfyrifttidjen £ugenben, biö (£r bidj einft *>on einer folgen
33ergl;ölje ju ©i$ in ©ein feligeS unb ewigeä 9ieid) ruft!
c) 9to# anbere biblifcfye Serge, beren SBebeutung bie betraf
tenbe ©eele nadjforfcfjen fann.
Sluf bem ©ebirge Slrarat ftanb bie Sirene 9Joe na$ ber
©ünbflut^ (®en. 8.) Stuf einem 33erge fanb Sot Rettung,
at$ ©oboma im geuerregen unterging. (®en. 19.) ©er 25erg
189
@ ata ab in Arabien ijl fd)riftberütjmt wegen beö SatfamS unb
t>er mebtctntfc^eti Kräuter, t>te auf bemfetben reic^li^ gefunben
werben. Qerem, 80 ©er £J)au beS Sergej Rennen ($f* 1320
faßt geljeimnifwolf auf ©ton, bag weit t>on tljm entfernt liegte Sie
Serge ©etboe werben *>erftud)t, weit auf ifmen ein gefaxter $önig
umgefommem (2 Äön* L) ©ie ©#rer werben betraft, weit fte
getäftert tjatten: ber £err fei nur ©ott auf ben Sergen, ntc^t
aud) in ben Jätern unb (Sbenen* (3 $ön* 200 3Son ©ton, bem
% Serge be$ £errn, ift bifr ganje ©djrift t>ott beS SRu^nteö,
weit bort attetn ber waljre ©Ott ttereljrt unb baö tebenbige Slnbenfen
©einer Späten bewahrt wirb* ©ie f^iömatif^en ©amaritaner
Ratten iljren fettigen ©egenberg ©artjtnn ©er Sttprrbenberg
unb 2Öei^rau(^H8^t tm £o£entiebe bejei^nen ben Serg, auf
bem ber Jperr ben (£rtöfung$tob für uns gelitten; fte ftnnbitben
au$, baf wir un$ bur$ Stbtöbtung unb ©ebet jur Bereinigung
mit ©ott ergeben fönnen* — 3« ben Sergen unb bügeln rebet
©Ott in (Sjecbiet $ap* 36, iljren ftotjen Sewobnern jürnenb* —
(£in ©tein^en roKt *>om Serge gegen ba£ ©ögenbitb 9tabuc$o*
bonoforS, zertrümmert baöfetbe unb wirb fetbji jum großen Serge,
ber bie SBelt erfüttt (©an. 20 3n £abafuf 3 wirb t>on ytx>
tretenen Sergen gerebet unter bem Flamen „montes saeculi a .
©er teufet führte ben £eilanb auf einen Ijoljen Serg, um 3$n
mit ben 9?etc^t^ümern, d^xen unb Cüften ber SÖett ju serfuc^en*
(2uc* 40 2luf fteben Sergen ftijet ba£ SBeib, weld)e$ mit atten
Söllern ber (£rbe gebubtt Jjat (Dffenb* 170» a1 ^ wenn man f a Ö te:
bie ganje ©otttofigfeit beSfetben befielt in fteben £aupttajlern,
welche bie böfe SÖelt beljerrfeben* ©em % %o$annt$ wirb auf
einem bo^en Serge ba$ Dimmttfd)e 3erufatem gejeigt (Dffenb*
210 — @° fl^t e $ ™ be * ©^rift ^eilige unb böfe Serge, Serge
©otteö, Serge beö SEeufetS unb Serge ber SBett, gefegnete unb
*>erftuc$te Serge, wetd)e atte im getfitic^en ©inne un$ jum Vlatf)*
benfen unb Setracljten «Bfatajj unb Jpütfe bieten*
190
III.
©ebanfen be^feiben (£infiebterg über ben 148* ^falnu
Laudate Dominum de coelis, laudate eum in excelsis!
— ©oll unfer Sob Dir, o ©Ott f wo^Igefättig unb un$ serbienft*
lid) fem, fo muß bie erfte Anregung baju flon £>ir felber, bem
SSater beS guten Siebtes, t>on Seinem ©eifte in ber ipölje aus*
geljen unb burd) bie ©nabe ju ung Ijemieberfteigen. £>arum er*
werft unö ber ^fatmtft jum Sobe be$ £errn t>om Fimmel unb im
Fimmel: weil alle gute ©abe unb jebe ©nabe t>on bort f>ernieber*
jleigt unb auef) borten frud&tbelaben jurücffe^rt — 23alb barauf
aber [priest er: Laudate Dominum de terra! um anjubeuten,
baß wir nad) jiener Anregung t>on £)ben unfere Stimme jum Sobe
beä «Iperrn x>on ber (£rbe auf unb in bie ipölje fenben muffen. —
©o vereinigt ft$ bann ein boppelteö 2ob ©otteS: ein t>om Fimmel
nieberfieigenbeS unb ein *>on ber @rbe auffdjwebenbeö ; benn wie
baö ewige Sob ber % (£ngel unb feiigen 33ürger be$ £immet$
un$ arme Pilger ber (£rbe aufmuntern unb ergeben foö, fo regt
auc$ ni$t minber baß jwar fcf>wad)e, aber bo# gutgemeinte Heine
Sob ber menfdjlid&en @rbwürmd)en bie lnmmliföen ©cfwaren bort
oben ju no$ größerer Siebe unb 3nbrun(i an in bem Sobe beö
gemeinfamen ©cfyöpferö unb £errn* SDitit einer geheimen frommen
©ferfuefit nämlid) (Almae Sionis amuli, wie bie Äirdje fingt)
feljen bie menfd)ltd()en (Srbwürm^en, wenn fte ©Ott aus aßen
Äräften ju Koben wünfdjen, naefy bem IjoDen Jpimmet hinauf unb
rufen ben glücffeligen 33ürgern ber ©otteöftabt ju: laudate Do-
minum de coelis! — 2Ba3 aber fönnen jene, bie ba niemals in
©wtgfeit im Sobe be$ £errn wrftummen ober ermüben, xcai fön-
nen fte anberö antworten alö: 2öir ^ier oben fönnen nid?t meljr
anberS unb t£un f$on fleißig ba$ Unfrige: aber iljr brunten tljuet
audj fleißig baS (Surige: laudate Dominum de terra! — 2Ba$
fotlen wir aber fagen unb benfett über ben merfwürbigen Umfianb,
baß ber *ßfatm beginnt mit bem 9?ufe »on ber (£rbe jum Fimmel?
— Ecce, Aethiopia praeveniet manus Ejus! fpricfyt ein ^5ro*
#>et O wunberbareö 2Berf! 3Dae, o Jperr, ift bie gru^t ber
191
(Srföfung bur$ baS $reuj, baS ift bie SQStrfung beS ljofjen ©eifteS,
ben Du unS gefanbt! ©ielje, unter ben f$war$en 33ewol)nem
biefeS Slet^to^ienö unferer (£rbe gibt eS nun ©eelen, welche in
•Deinem Sobe unb in Seiner Siebe mit ben £immlifd?en £eerf$aa*
reu wetteifern motten, welche wünfd)en, biefelben ju erreichen, jia,
wenn'S möglich wäre, ju übertreffen. Daju erftnben fte Sobfyrüdje,
bie oft au$ bem 23erftanbe ber Grngel unübertreffbar bleiben, wie
$♦ 35* im 150**J)f*: laudate Dominum secundum multitudinem
magnitudinis ejus! ^ebenfalls aber wiffen bie #immlifdjen ntc^tö
33effereS unb kräftigeres unb ©Ott 2Bol>lgefätligereS, als waS bie
&Hr$e auf Srben täglich mit Millionen Bungen auSfpridjt, wenn
fte betet ober fingt: Per Dominum nostrum Jesum Christum
Filium tuum, Qui tecum vivit et regnat in unitate Spiritus
sancti Deus per omnia saecula saeculorum. — DaS von
Dben nieberftetgenbe Sob £at einen 2tnf$ein $on ©röfie unb £err*
lictjfeit, unb eS ift fürwahr au$ gro§ unb £errli#, baS von ber
©nabe angeregte ©otteSlob in einem reinen unb einfältigen £erjen;
bie ©nabe verliert nichts von t£rem ©lanje, wenn fte bei bem
armen 33ettler in feiner ©trol$ütte einlegt DaS von (Srben auf*
fdjwebenbe Sob hingegen jeigt ft$ im ©ewanbe ber Demutlj unb
9Ziebrigfeit , bis eS mit jenem nieberfteigenben Sobe bereinigt an
beffen £eirli4)feit Streit nimmt DaS Sine ift bie ©nabe, baS
Slnbere ift bie SDtitwirfung beS fotgfamen SBilfenS* Die angefom*
mene ©nabe wirb in geiftigen Bewegungen unb unauSfpredjbaren
©efü^len erfannt, ber folgfame SQSitte mu§ ft# bur# 2öort unb
££at beweifen*
Slber warum, o £err, labet ber spfatmifi ju ©einem Sobe auf
ber (£rbe juerji Dradjen unb Slbgrünbe ein unb geuer unb £agel,
©cfynee unb @iS, Sßinb unb ©türm, S3erg unb SBalb, £ügel unb
23äume, Spiere, ©^langen unb SSögel unb aud? leblofe ©efdjöpfe
— warum, o £err, forbert er biefe ganj juerft ju Deinem £obe
auf vor ben Königen unb 33ölfem, vor gürften unb ^idjtern ber
(Erbe? 21$, bie barin verborgene traurige 2BaljrJ)eit fott unS fein
©efjeimnifj bleiben; ber % ©änger felbft gibt uns ben ©runb
biefeS feines 33erfaf>renS an, inbem er fpridjt: quae faciunt ver-
bum ejus: „bafi nämli$ jfene Vernunft* unb leblofen ©efc^öpfe
immer Dein SBort vollbringen/ 1 — Du liebevoller £err unb ©Ott!
192
fo tft eö benn toafyx, baß leblofe unb unvernünftige ©efdjöpfe Di#
in tyxex SBeife verherrlichen nnb loben, fo gut fte eö vermögen,
unb baß nur ber s D?enfd) allein in ©einem Sobe jurücf bleibt, ja
fogar bie %kbe feines ©ctyöpferg unb 93aterö unb größten SOBo^l^
tljäterS mit 93eleibigungen vergilt! D fönnte i$ Dir eine folc^e
Unbilbe erfeijen! D wäre e$ mir vergönnt, T)i(i) na$ äßunfcl) unb
©ebüfjr ju loben unb ju greifen für bie unbanfbaren 9ttenf$en,
bie Deiner fo ganj vergeben! — £aft 2)u mc&t ben 9D?enfd)en
in bie SKitte ©einer tobten unb vernunfttofen ©cfyöpfung gefegt,
bamit er afä ein fetbfibetvußter unb verftänbiger ©etft Di$ in ifyv
unb burefy fte erfenne unb verherrliche? 2Öie vergibt er benn nun
fo fd)nöbe ben 3*vecf feinet DafeinS? 2Bie barf er e$ boety tva*
gen, Dir bie vollfommene ©forte ber (grfc^affung jener SSefen ju
vereiteln? Denn, tft e$ tttc^t tvapr, o £err, baß Du )[ene babuvd^
in ber rechten 23ejiel?ung ju Dir erhalten tvottteft, baß ber 9flenfd)
Did? in itmen, buref) fte unb für fte erfenne unb lobe unb liebe?
— Diefe Erwägung tjmt meinem #er$en tvelj* 3$ meine fort*
tväl)renb Qify f lagen ju jjören: „Filios enutrivi et edueavi;
ipsi autem spreverunt me. K D allertraurigfie 2Ba^r^eit! Äin*
ber Ijaft Du Dir ernährt unb großgezogen unb fte mitten in ben
9tei$tfmm beö väterlichen (Srbeö gefegt — fte aber vergeffen unb
veralten Di$, bie Unbanfbaren! £) tver gibt mir genug £l)rä*
neu, bie ©ünben meines SSolfeS ju beweinen! Deffen, o £err,
foltten bo$ roenigftenS Deine $5riefter unb Diener gebenfen, fo oft
fte in ben Laudes ber firepc^en Tagseiten mit jenen brei 3üng*
lingen im geuerofen ba$ „Benedicite" beten. Dann foltten fte
gemäß ber ©röße i^rer boppetten Verpflichtung alte Söefen ju QtU
nem Sobe aufforbern, unb felbjl au$ in Danf unb Ziehe vor Dir
fiel) ergießen. Dann foltten au$ bem 5D?unbe beö ^riefterö bie
jaI;(lofett SBerfe Deiner Schöpfung mit lauter (Stimme Didj loben:
Benedicite omnia opera Domini Domino: laudate et super-
exaltate eum in saecula !
Wmtt* ßmi).
<3%en ju a^cetifc^ett $etradjtmtgen ober SBorträcjeit über
£e|te airä ticn Sfyoftelfiriefetu
Omnia autem probate;
Quod bonum est tenete.
(I Thessal. 5, 21J
3n ben abftcfjtlicf) gewählten @$riftftetfen biefeg unb be£ fol*
genben 33u$eS wirb faft nur ba3 moralifd)e unb a^cetifc^e Moment
nad) ber 33ulgata l)eroorgef>ol>ett au£ bem ©runbe, weil hierbei
au$ ein Heiner SSerftanb unb eine umwtlenbete SÖiffenfc^aft mit*
reben bürfen, wofern nur i£re Slnft^ten unb ©c^tüffe mit ben
Sefjren ber Äircfje nityt in SBiberfyruclj treten. 2Begen beS
Zweifels, ob biefe unb ctf)nli$e ©rfenntniffe unb ©kläffe fatfjoli*
f$er Slöcefe au$ al$ wirfli$ in ber ©$rift begrünbet angefeljen
werben bürften, tterweife id) auf bie &u Anfang (©♦ 13) citirten
SBorte be£ £L Stomas t>on Slquüt, welche burd; alle folgenben
4>rifHi$en 3af>r£unberte unter ben geleisteten unb fjeiligtfen @re*
geten if?re Vertreter gefunben Ijaben, fo wie fte fetbft nur ba$
treue (£d;o beä 23ewufitfeing ber älteften 33ergangenf)eit ftnb* Sie
als unädjt unb bem % Stomas nid)t ange^örig verwerfen wollen,
allein be§l)alb, weit ber <Sa§ breimal na^einanber mit „unde"
anfangt (!), ba$ f^etnt mir bodj au« lauter ^ritif — faft tin*
bifd) werben wollen.
1* £eüige$ ©ottoertrauem
3m 8. Äapttel beö 9?ömerbriefe$ erwecft unc ber % $aulu$
auf bie berebtfamfte SBeife jum Vertrauen auf ©Ott burd> %t\\\m
23cm arb Wp^oriSmen. j^3
194
gfmjhim unfern Jperrn* Siefleicfct fann hin Kapitel ber Sßibei
in biefer 33ejiej)ung mit bem gegenwärtigen t>erglid)en werben, fo
reid) ifl fein 3n£alt an Hoffnung tmb £ro{L Cteö eS ba£er öfter,
unb merfe bir Deute befonberS bie folgenben Sßerfe, wel$e bir fagen,
wie bu befcbaffen fein foflfi, um auf ^efurn Sljriftum unb atte
©eine un$ erworbenen ©üter ein Säurest ju Ijaben*
. . . Oui enim secuudum carnem sunt, quae carnis sunt
sapiunt ; qui vero secundum spiritum sunt, quae sunt Spiritus,
sentiunt . . . vos autem in carne non estis, sed in spiritu:
si tarnen Spiritus Dei habitat in vobis. Si quis autem spiri-
tum Christi non habet, hie non est ejus . . . Ouicunque enim
spiritu Dei aguntur, ii sunt filii Dei. Non enim aeeepistis
spiritum servitutis iterum in timore, sed aeeepistis spiritum
adoptionis filiorum, in quo clamamus: Abba, Pater . . . Spe
enim salvi facti sumus. Spes autem, quae videtur, non est
spes; nam quod videt quis. quid sperat? Si autem, quod
non videmus, speramus, per patientiam expeetamus. Simi-
liter autem et Spiritus adjuvat infirmitatem nostram: nam
quid oremus, sicut oportet, neseimus: sed ipse Spiritus po-
stulat pro nobis gemitibus inenarrabilibus etc.
[Rom. 8, 5. 9. 15. 24—26J
23eten, inftänbigft beten follen wir alfo um ben £L ©eift, unb
bie Neigungen, ©efüljfe unb (£mpftnbli$feiten be£ niebern 9ttenfdjen
befämpfen unb t>erad;tem -ftur burdj ben unS mwoJjmenben £!♦
©eift unb ©eine ©nabe fönnen wir ££eil an @!)ri|ht£ l)aben unb
Äinber ©otteö fein, bie ferner nicfyt me£r au£ gurdjt, nnt böfe
$ned;te, gittern, fonbern ju ©ott, i^rem 23ater, aufrufen: „Sieber
aSater! 7 ' unb bie auf 3t)n ein unbefcfyräuftee Vertrauen fegen, baö
aud) bami nicfyt wanlt, wenn ber äußere ©$etn jum Mißtrauen
anregen folfte, xt>k 2lbra£am, wn bem bie ©$rift fagt: contra
spem in spem crediditDeo; benn spes, quae videtur, non est
spes. Unb vca$ fotten wir nic^t mit 3?ed)t Reffen unb erwarten
*>on ben Mc$ ttermögenben, unauöfpre^lic^en ©ebetöfeufjern be£ %
©eifteö, ber in uns woljnt, unb um baöjienige für un$ bittet, xotö
unö nßtlng unb Jjeilfam ift, votö wir aber felber ni$t genugfam
erfennen, um barum reetyt ju beten?
£)ie ftärffien 23eweggrünbe jum finblicfjen Vertrauen auf ©Ott
195
ljat ber SlpojW, wie gefaßt, in biefem Sapttel aufgejagt; unb bte
verjagte unb fletnmüt^tge ©eele brauet baefelbe nur mit bemütl)i*
ger Slufmerffamfeit ju lefen unb ju betrauten, um ft$ in bie £ei*
tung ber göttlichen 93orfel)ung wflfommen ju ergeben unb in bie*
[er glüdfeligen Ergebenheit mit bem fönigfidjen ^)rop^eten ju ftn*
gen: In pace in idipsum dormiam et resquiescam: quoniam
tu, Domine, singulariter in spe constituisti me. (Ps. 4 )
2* 2Beife 9ta$giebigfeit
3n Mem, \va$ ntc^t an unb für ft$ böfe unb fünbpaft ift,
fotfen wir oft unfern 23räbern unb SÄitmenfcfyen unö nachgiebig
bejeigen unb fogar auc£ titoa$ ©uteS juwetfen unterlaffen, wenn
ti benfelben $um Slnftof unb 5Iergernig fein fönnte* 9Jht groger
Einfalt unb ©eifteöfcjjärfe sugleicf) fagt ber tyl granj von ©alee:
„Slfleö ©ute t!?ut ft$ ni$t gnt &u aßer Seit," unb „eine SOBafjrljeit,
bie nicfjt liebreich ift, fommt oft t>on einer %kU, bie ni$t waj)r£aft
ift/' — 25a$ iftbenn au$ bie i^e^re beä StyofielS, wenn er fdjreibt:
. . . Non ergo blasphemetur bonum nostrum! Non est enira
regnum Dei esca et potus: sed justitia, et pax, et gaudium
in spiritu sancto : qui enim in hoc servit Christo, placet Deo,
et probatus est hominibus. (Rom. 14, 16 — 18J
Er will alfo, bag wir Sorge tragen, bem -ftäc^ften auti) mit
unferm ©utegtljun feinen Slnftofj ju geben; unfer ©utbünfen unb
unfer eigenes ©ewiffen ift nic^t genug, wir foüen auc|> barauf
achten, mltyn Einbrucf unfere #anblung6weife äu^evlic^ auf einen
fdjwacfyen S3wber mac^t, ber unS nicfjt in'S £er$ fe^en fann, um
ba unfere ^eilige Meinung unb 2lbftcf>t ju entbecfen unb ftcf) baran
ju erbauen* Dft fagt Einer xvk ba$ franjöfifdje ©prü^wort:
„mal y soit qui mal y pense", i§ l)abe bo$ bie befte Slbfidjt
oon ber 2ßelt, unb mein ©ewiffen wirft mir nic^tö oor ♦ ♦ ♦ @o
backte aber feineöwegS ber Slpoftet, al$ er fagte: Nihil mihi con-
scius sum, sed in hoc non sum justificatus . . . non enim
sufficit mihi conscientia mea. — 2)arum gibt er (l. c.) ben
Weifen ^atlj: Itaque, quae pacis sunt, sectemur; et quae aedi-
ficationis sunt, in invicem custodiamus. 2D?ebr fotten wir
barauf bebaut fein, ben grieben unb bie brüberlic&e %UU unb
13*
196
@intra$t $u bewahren, ju pflegen unb ju t>ermel)ren, als unter
bem oft ntd()t genug bebauten S3orwanbe be$ ßiferS unb ber &x*
bauung an trgenb einem unbebeutenben ©egenftanbe eigenftnnig
fefi$ul)alten, woburdj tx>tr ©efa£r laufen fönnten, ba$ 2Berf @otte$
im allgemeinen ju jerftören ober ju Ijmbern, wäl)renb wir baä*
felbe im 33efonbern aufzubauen ober ju förbern gebauten . . . Noli
propter escam destruere opus Dei — ät$ Wollte er fagen: #üte
btcf) mit «Sorgfalt, baö SSerf ber ©nabe in ber Seele beinee 33ru*
ber£ au$ nur im ©eringften ju funbem, propter escam, b* u
um etwa beinen natürlichen 3D?enfcf)en, beine ©genliebe unb ©elbjl*
gefälligfeit ju nähren mit bem fcfymeicfyelljaften ©ebanfen, bu feteft
hierin fciel beffer, aU bie Zubern, unb eifriger im £>ienfte unb in
ber Siebe ©otteS ♦ ♦ * ©iej* ift gewig eine fe£r wichtige £e£re d&rifi*
lieber unb aöeetif^er Söaprpeit, welche bie heiligen ju allen Seiten
wofjl tterftanben jjaben; nur folfen wir fte immer im regten ®äftt
unb nad) bem regten 9J?a# erfafjen, bamit wir nid)t unftuger
SQSeife baö wefentlicfy ©ute unb ©Ott SQSo^lgefällige ober gar bas
©ebotene unterlagen au£ §ur$t unb eitler 33eforgnif{ etneS 2In*
ftofe^ Cum grano salis, Äinber, cum grauo salis! wie oft ein
alter 9^ot)ijenmeifter faßte. — <&i lebe 3efu*l
3. £)te befie $rofce*
£)ie juoerläfftgfte $robe wahrer JEugenb im gemeinfamen ifeben
be^eic^net un3 ber Stpoftel in folgenben 2Borten: Debemus autem
nos firmiores imbecillitates infirmorum sustinere, et nou no-
bis placere. Unusquisque vestrum proximo suo placeat in
bonum ad aedificationem. (Rom. 15, 1 — 2J
"S)ajtt gehört au$ ber 2lu$fpru# beö % 23ernarb: Studeas
placere Omnibus per omnia, magis autem ei, qui est maximus
super omnia, Deo.
£)a$ 3ei^en eines wa£rl)aft großen unb ftarfen ©eifteS, einer
fernsten unb bewährten £ugenb, trägt ber jenige an ft$, ber im
gemeinf$aftfi$en £eben unb Umgange bie 23erfcbiebenl)eit ber ©e*
mutier, beö SljarafterS unb ber 33ilbung, fowie bie @$wäd)en unb
geiler an ©eift unb Körper feiner 33rüber unb SWitmenfcben mit
freunbli^er, ffc$ alljeit gleicpleibenber ©ebulb erträgt unb über*
197
fteljt, mit ben traurigen trauert, mit ben ßacfjenben la$t, mit ben
©$waci)en gleic^fam fdjwacf), mit ben Sinbem ein Sinb wirb, oljne
ftdj auf feine größere £ugenb, @rfa$rung, ©et eljrtDett , ober auf
fein größeres SBerbienft baö 3ttinbefte ju ©ute ju tljun ober beß*
wegen ftc^ &u ergeben* ©roß fürwahr ift unb muß fein bie
£ugenb einer folgen ©eele, bie auf feiner Stuftet ber ftatur unb
be$ 2leußerli$en unb 33ergcingtt$en verweilt, fonbem nur auf bie
©nabe beS £erm ipr Slugenmerf richtet, bie fte in bem kleinen,
wie in bem ©roßen, jta in bem Unanfel)nli$en no$ me£r, aU in
bem 2lu$ge$ei$neten bewunbert: Quia non multi sapientes se-
cundum carnem, non multi potentes, non multi nobiles: sed
quae stulta sunt mundi elegit Deus, ut confundat sapien-
tes: et infirma mundi, elegit Deus, ut confundat fortia: et
ignobilia mundi et contemptibilia elegit Deus, et ea, quae
non sunt, ut ea, quae sunt, destrueret: ut non glorietur omnis
caro in conspectu ejus, (i Cor. i, 26—29.) di lebe 3efue!
tiefer Sarbinaltugenb be$ gemeinfd?aftlicf>en 3ufaromenleben$
ift ganj entgegengefe§t um gewiffe ftotje ©elbftgenügfamfeit,
bie in ftcfy jurücfgejogen an iprem eigenen Sobe ficfy innerlich mi*
bet, fcornefjm fädjelnb auf ba$ unfcfmlbige treiben, £fmn unb 9te*
ben unb bie f^einbar grunbtofe gröljficfyfeit ber kleinen nieberbtitft,
ifjre eigene 23ortreff(id)feit jiebod) *>on jeber £f)ei(na|)me baran fem*
$alt, ft$ mit Vorliebe fietö ben ©eleljrteren unb Slngefeljenern ju*<
gefeüt, um re$t nacf) £er$enötuft über ttefftnnige Singe ber 2Biffen*
f$aft, ^fnlofopljie, 9?aturteljre unb ^Jotttif reben ju fönnen, waö
bie kleinen itnb minber Unterrichteten in iljrer frommen (Sinfaft
nic^t x>erfiepen würben! — 80 ift in ben Stößern bie (£rljolunge*
ftunbe bie rechte ^Jrobejeit beö SEage^
©ott wotte unS bo$ immer Ui 3eiten bie 2lugen öffnen, um
ba£ felbftfü#tige treiben be$ alten wieberauflebenben SibamS gleich
im Anfang ju erfennen, bannt 3$rael, b* u baö 9läü) ber gött*
liefen ©nabe in uns, gegen bie 93erfcf)Wörung ber 3ebufäer —
Seibenfcfiaften unb böfen Neigungen ber Statur, bie xt>k bie 3ebu*
faer im 9?et$e £)at>ib$ finb — nad) ©ebül?r befd)ü£t unb »ertljeibigt
werbe, el)e eö tiefen innern 93errätf)ern gelingt, ben braußenfteljen*
ben Teufeln bie £f)ore ber ©eele ju öffnen, wo bann bie SBorte
be$ Jperrn an ber Unglücken in ©rfüöung ge^en: erunt novis-
198
sima hominis illius pejora prioribus; benn ber ©totj tft ba«
£aupt atfer Sajier. 2lx>e SWaria, o bemütljige ^eiltae Jungfrau,
behüte un«!
Alter alterius onera portate, et sie adimplebitis legem
Christi. Nam si quis existimat se aliquid esse — unb ali-
quid ifi bo$ nodf) ntdjjt feßr ttiet — cum nihil sit, ipse se se-
ducit. CGal 6, 2—3J £>enn ob 3emanb n>trfftc^ etwa« unb
wie tnel er t>on ber 2Biffenfd)aft ber fettigen wiffe, ba« fott naef)
ber SEugenb ber ©ebutb in gegenfeitiger Srtragung ber ©c$wa#*
Reiten unb Saften unferer SWitbrüber beurteilt werben, wie ber
Sipofiel no$ anber«wo fagt: 23rüber, ba itjr fetter weife unb gut
unterrichtet feit), fo werbet il?r leicht unb gerne meine £f)orJ>eit er*
tragen: libenter sustinebitis insipientiam mearn , cum sitis
ipsi sapientes.
4k Sine Sonferenj* unb ^rebigtmettjobe o£ne ©pfto*
gi«men* ,
In Ecclesia volo quinque verba sensu meo loqui, ut et
alios instruam, quam decem millia verborum in lingua (1 Cor.
14, 19 j, b* £♦ nid?t ju gelebrt unb au# niebt ju lang wttt i<ty eueb
prebigen, fonbern furj unb gut, fünf SBörtcfjen nur: 1) 2) 3) 4)
5) denique conclusio finalis practica: feib atfo um fo aufmerf*
famer, weit e« nidbt tange bauern fott unb ba« ju ©agenbe bennoeb
*>on ber größten SBicbtigfeit in ber £eit«orbnung fein wirb, £)ar*
nacb läßt ftcb leicht eine furje unb Ijeitfame @rmatjnung«rebe —
au# o£ne attgemeinen ©pflogtemu« — Jjatten, jebe«mal über fünf
SBörtc^en au« irgenb einer ©cbrtftflette gebogen* 303a« ber Styofiet
oben im fotgenben 3Serfe fagt, ifi ein fo inljatt«fcbwere« SOSort, baft
e« wofrt unter fünf al« ba« erfle ba ju fielen würbig wäre: Fra-
tres, nolite pueri effici sensibus, sed malitia parvuli estote.
Sit« wottte er u* 2L aueb fagen: S3rüber, feib nid>t fo narrtfefc,
btofj in ®9ttogi«men prebtgen ju wollen* — Einige ©etfptele:
a) Vigilate, State in fide, viriliter agite, et confortamini,
omnia vestra in charitate fiant. (1 Cor. 16, 13— UJ ©iefe
fünf SBörtcben be« Slpojiel« entbatten fünf Seljren t>on größter
SBid&tigfeit für ba« geijlticbe Seben: 1) 2Ba#famfeit: niebt
199
fdrtafen ober fctylummern wie tue fymfytn Jungfrauen im (£oange*
lium, quae omnes dormitaverunt et dormiemnt . . , 2) §e{i
im ©lauben fielen, nidjt mit wanfenben §ü§en: pedes i. e.
affectus nostri et desideria, quibus curriraus ad Deum. (S.
Thom. a YillanJ 3) ©eJjarrHctyf ett im ©ewöl)nti$ett, benn baju
gerabe mu£ (£iner einen männlichen ©inn unb (Sjjarafter bewäfj*
reu ♦ ♦ ♦ 4) ©ebutb im 2öiberwärtigen, benn fte ift ber ©taljt,
welcher unö fräftigt, bamit tt)ir ung im 23eft§e unferer ©eelen be*
Raupten ♦ ♦ ♦ 5) %\Ui in unb au$ Siebe, quae est vinculura
perfectionis . . . 2Ba$ nidjt jufammengebunben ift, wirb leicht jer*
preut unb verliert ft$ oft ganj; ber 2Binb irgenb einer ftarfen
£rübfat ober 33erfu$mtg fann eö feljr leicht fortwehen, wie einen
x>ereinjelten ©tro^atm ♦ ♦ ♦
(£ntl)attett nun biefe fünf 2Bört$en nicfet bie ©umme beö geift*
liefen SebenS unb ber 23oflfommenljeit? £)er Slpoftet wieber^olt
Ijier, wie in einer furjen 3ufammenfaffung be$ Söefentltdjen, faft
2lüeö , wag er ben Äorint^em in bt'efem 33riefe Jpeitfameö anbe*
fohlen Ijatte* dt ftnb fürwahr „fünf j[ener 2ßört$en, bie er in
feinem ©inne in ber 3Serfamm(ung ber ©laubigen ju erftären $or*
jtefct", unb welche für biefe x*id meljr £roft unb SMeljrung ent*
galten, aU manche langen, tiefburcfobadjten , gelehrten, troefenen,
logifc&en Sieben, bie ben ©eift ermüben unb ba$ £erj leer (äffen.
b) De caetero, fratres, gaudete, perfecti estote, exhorta-
mini, idem sapite, pacem habete, et Deus pacis et dilectio-
nis erit vobiscum. (2 Cor. 13, 11.) SBieber fünf 2Öört$en,
*>on benen ft$ baöfelbe fagen lägt: 1) ©eiftltd&e greube Ui
Mem, tt>a$ mcfjt ©ünbe ift ober ©Ott mifjfäßt: de caetero, quod-
eunque est illud, gaudete, quoniam diligentibus Deum omnia
cooperanlur in bonum . . . 2) Streben nad> 33oUfommen*
&eit, unb jwar ein Jeber na# ber feinigen, bereu größere« ober
ftemereä 3D?a{? ©Ott jum SSorauö nidjt ju offenbaren pflegt, wefj*
ljalb t$ au# 9tfemanben erlaubt ijl, fein Streben einjuftetten t>or
bem Sebenöabenb, unb wenn er ein Drbenömann iji, fo binbet iljn
biefe *PfK$t unter fäwerer ©ünbe ♦ ♦ ♦ 3) ©egenfeittge (£r*
bauung in 2öorten unb SBerfen, unb wieber ganj befonbere im
gemeinfamen DrbenSleben ♦ ♦ ♦ 4) Sin^eit ber ©efinnungen
unb ©efüljle,** 5) Siebe jum grieben, benn überall, wo
200
Sftenfdjen jufammenfommen, bringen fte menf$lt$e gef?fer£aftigfeit
mit fid), bte jur Störung be$ griebenä öeranlaffung geben fönnen
♦ ♦ . 2Bo aber tiefe fünf 2Öört#en beobachtet werben , ba wirb ber
©Ott be$ griebeng unb alleä Xxo$e$ wohnen, unb ba wirb ein
Sßorgefdjmacf be$ ewigen SebenS fein,
5, ©egenfeittge ©roßmutfj*
Date, et dabitur vobis, fpric^t ber £en\ ©ei großmütig
unb verfage bem lieben ©Ott fein Opfer, unb ©Ott wirb bir au#
feine notf?wenbtge, nod) nü£li#e unb fjeilfame ©nabe vorenthalten,
wäre e6 felbft eine außerorbentlid&e*
Hoc autem dico — lauten bie SBorte beö 2tpoftet$ — qui
parce seminat, parce et metet: et qui seminat in benedictio-
nibus, de benedictionibus et metet. Unusquisque prout de-
stinavit in corde suo, non ex tristitia , aut ex necessitate,
hilarem enim datorem diligit Deus. (2 Cor. 9, 6 — 7.)
%)a$ ift na$ bem 2lugfyru$e be£ fönigli^en $ro$?eten bie
eigentliche 9latur be$ gütigen ©otteö: ©eine Segnungen tagtäg*
li$ ju vergrößern unb ju vervielfältigen, wofern bie ©eele 3£m
nur bie einmal angelobte £reue £äft: Etenim benedictionem da-
bit legislator, ibunt de virtute in virtutem: videbitur Deus
deorum in Sion (Ps. 83 J, &♦ u burcf) immer großem ©naben*
fegen fommen fte in ben 33eftg immer größerer £ugenben, bi$ fie
jur Bereinigung mit ©Ott gelangem ©elobt fei 3efu6 SJjriftuS!
2Bte großmütig ber Styoftel aber mit folgen £e£rworten auety
fein eigene^ werft^ätigeö 33eifpiel ju verbittben wußte, barüber ^öre
tyn nur einmal felbft: Libenter igitur gloriabor in infirmitati-
bus meis ? ut inhabitet in me virtus Christi. Propter quod
placeo mihi in infirmitatibus meis, in contumeliis, in necessi-
tatibus, in persecutionibus, in angustiis pro Christo: in biefen
fünf garten fingen alfo fanb ber große ©otteömann fein 2öol?l*
gefallen* Sffiie wunberbar erfctyeint ba feine ©roßmutlj : Cum enim
infirmor, tunc potens sum. (2 Cor. i2, 9— 10 J ©o rebet nidjt
ofme ©e^eimniß ber Slpoftel, naetybem er furj juvor feiner überaus
läftigen unb ge^äfftgen $8erju#ung in bemütyiger Dffen^erjigfeit
@rwäfmung getrau £atte* Sßenn iti) franf unb f$wa$ bin, fo
201
weifet mt# meine (o gefüllte ©d?wad$eit um fo mel?r an £)en*
jenigen, mit beffen ©nabe allein tri) ftarf fein fann* D Ijerrtufjer
Sieg ber ©nabe (grifft in bem fc^wadfjen ©efctyöpfe *>on Zfyon
unb Erbe, wenn e$ ber übernatürlichen £ülfe ©otteS vertraut! ES
lebe 3efuö! Ego autem, fagt ber Slpoftel, libentissime impen-
dam (%lh$, waä iti) £abe) et superimpendar ipse (meine ^er*
fon, ©eift unb Körper, M?$, mä ify bin unb fami) P r <> anima-
bus vestris. (Ib. v. 15 J £)amit fpri$t er fd^ön feinen unoer*
gleidjlid&en ©eeleneifer auä: wie bie Äerje leudjtenb ft$ felber x>er^
jefnrt, fo ber Styoftel, inbem er ber SBelt ba$ Sid&t beö Eoange*
KumS bringt* ES lebe @t, $aul!
6. 25ie ®eifleS*Erneuerung auf boppelte JBeife,
Renovamini autem spiritu mentis vestrae, et induite no-
vum hominem, qui secundum Deum creatus est in justüia et
sanclitate veritatis. (Eph. 4, 23—2&J Renovamini, fagt er,
spiritu mentis vestrae, weil bie wafjrfjafte Erneuerung beö
innern ?Dtenf^en nacf> bem 33ilbe Efmfti alle £age unb ©tunben
auf tieferem ©runb unb tton tieferem ©runbe aus ftd) wieberljolen
folf, reit ber ©ärtnef, um ben 23oben bejlo fruchtbarer ju ma$en,
baS ®rabf$eit tiefer einftö$t 35er Eifer foll namlid) immer wati)*
fen; benn wie ber % Sluguftin fagt: Stuf ben SDBegen ©otteS mdjt
ttoranfetyreiten, Ijeifjt rütfwartS geljen ♦ * .
Söer aber feiner geiftlid)en @#wä$e wegen ben fc&einbar
garten 5Mffen nidfjt fauen unb vertragen fann, bem fagt ber Sipo*
ftel biefetben SBorte in getinberem ©inne, wie $♦ 33.: Erneuert
eu$ oftmals im ©eifte eurer erften Meinung, ba i£r eudfj nämli$
jum £errn befe^rt ljabet, ober ba il)r ^riefter geworben feib*
Vide, qualis fueris, quaodo primum saeculo renuntiasti et
claustrum intrasti, et talis permane semper, lauten bie SÖorte
eines fterbenben StltoaterS an feine ©cfyüler* — D bie erfien 2lete
nad) einer aufrichtigen 33efel)rung, bie erfte SBitlenSmeinung nadj
bem Eintritte in ein Älofter gefdjefjen in einer folgen £er$enSein*
falt unb SWeinljeit, bajj oft bie lebhafte Erinnerung baran nadj
3al)ren allein J?inrei$t, ni$t nur um ben Eifer unferS geiftlidjen
SebenS ju bewahren, fonbem felbft ju vergrößern! ES leben 3e*
202
fu* unb SJÄaria! — 23etrübet alfo ben % ©eift ©otteS nid)t —
inbem tyx na^Iaffet in eurem ©treben — fonbern ergebet ^)erj
unb SSerfianb beftänbig ju £öl)ertt unb voflfommeuern £>ingen:
benn tljr wiffet jia ni#t, welc&e ©tufe eucij ©Ott in ©einer uuer*
grünbltc^en 2Bei$£ett unb ©ütigfeit aU erregbar vorbejeidjnet Ijat
auf ben Sag ber (Srlöfung, b* u tyx wiffet nict)t, wie weit bie
grüßte unb SBirfungen ber (£rlöfung an eudtj ftc^tbar werben fol*
fen: Nolite contristare Spiritum sanetum Dei: in quo signati
estis in diem redemptionis. (Eph. 4, 30 J 2lm SEage, wo ber
£ei(anb un$ burefy ©einen S£ob von ber ©ünbe erlöste, ba Ijat
dx uns ju einem votlfommenen Seben bejeicfjnet; unb am Sage,
wo (ix ung, inbem (£r unä in ©ein 9?ei$ aufnimmt, vom (£lenbe
erlöfen wirb, follen bie ©eljeimniffe biefer 33ejei$nung offenbar
werben*
% ©<$äbli#e greube*
<£$ iji beffer, fagt ber weife 3Äann, in ba£ £au$ ber £rauer,
aU in ba£ ber S^ube einjugeljen * ■♦ ♦ benn Ui ben Sporen ift bie
gröljticfyfeit unb Ui ben SÖeifen ber @rn|i vorljerrfd&enb* (Sccl* 7.)
9?ad)bem ber Sipofiel bie abfcljeuticfyften Safter aufgejagt l)at, bie na$
feiner Meinung unb 2e£re unter Stiften nidfjt einmal genannt werben
follten, fügt er aläbatb 33* 4 bei: . . . aut stultiloquium, aut scur-
rilitas, quae ad rem non pertinet; sed magis gratiarum actio.
— Unb bieg follten nuu no$ unbebeutenbe genfer unb Unvollfom*
menljeiten fein, bie ber Sipofiel im ©efolge ber größten Unorbnun*
gen aufiujctfjlen ftd) ntc^t gefreut J)at? — 2Ber no$ niü)t burc$
eigene unfelige (£rfa£rung weiß, wie nad&tljetlig ba$ x>iele unb
tpörid&te @ef$wäg, bie läpptfelje §rö£li$feit unb ba$ grunblofe
©eläctyter auf ba$ innere unb geijlige 2cUn einwirfen, ber glaube
bo# ben SQBorten beö Slpofielä, ber glaube boc^ ben SÖorten ber
%L Sßäter unb £el)rer be$ ®eiftt$l ©iefe glauben bergleicfjen nic^t
ftreng genug bejei$nen ju fönnen, mit baburcl), fagen fte, ber
©eifi ©otteä unb alle Slnbadjt erfiieft unb vertrieben wirb* £>ie
Seele nämlid) verliert baburdf) bie Salbung ber ©nabe be$ %
@eifte$, ben ©efetymatf an innerlichen unb göttlichen £>ingen, unb
mad)t fify für fürjere ober längere 3ett — j[e nad) bem ©rabe
203
ber 3^(ireuung unb Sluggelaffen^eit — für jieben innern 33efu$
ber ©nabe unfähig, Spiritam nolije. extinguere, fagt ber 2lpo^
ftel ♦ ♦ ♦ nolite errare, fratres, Deus non irridetur. — Ne tra-
das te ineptae laetitiae, warnt Stomas oon Äempem ,/£)a$
SSerberben ber ©eefe, fagt ber % Gfyljrem, beginnt mit bem ®e*
lauter unb einem ju freien SBefen ♦ ♦ * £)a$ ©elcicbter verwirft
fo ju fageu bie ©etigpreifung ber £raurigfeit bei ÜÄattlj* 5 : Beati,
qui lugent, quoniam ipsi consolabuntur." „SÖelje euclj, bie tljr
nun lachet, benn tyx werbet trauern unb weinen/' (Suc* 6, 25.)
£)er 2teb£aber von ©Raffen unb ®etä$ter taugt nid&tö jum SDienfte
©otteS; Cithara, et lyra, et tympanum, et tibia, et vinum in
conviviis vestris : et opus Domini non respicitis . . . prop-
terea captivus ductus est populus meus, quia non habuit
scientiam. (7s. 5, 12—13.) Sag ©etäc^ter betrübt ben % ©eift,
nü^et ber ©eete nicfyt, unb fdjabet bem Körper ; bas ©eläctyter x>er^
fc$eu<$t bie £ugenben unb benft ni$t an ben £ob ober an bie
fommenbe ©träfe ♦ ♦ ♦ 2lu$ biefen unb äpnttctyen Sluöfprüd^en mag
man fe^en, wie ftreng jene % Sltoäter über bergleicfjen urteilten*
£)ie ©ad&e ber Heiligung unferer ©eefen unb ber priefterlidjje
S5eruf jur 23efe!)rung ber armen ©ünber, finb attju ernjle £)inge,
aU ba§ wir un$ babei auögetaffenen 3erftreuungen, tbörtd&tem ©paß
unb ©elftester Eingeben bürftem Ut filii lucis ambulate : fruetus
enim lucis est in omni bonitate, et justitia, et veritate. (Eph.
5, 9.) SBenn bie natürliche 23efc()affenljeit unferS ©emütljeS unb
Sfwrafterä etwa eine knabenhafte Erholung ober gar närrtfc&e
^offenfpieie jur Erweiterung verlangte, bte mit bem ©eifte beS
©ebeteä unb mit ben ©itten eines guten unb eifrigen ^riefierä
unb SMtgtofen mdfjt übereinftimmen fönnen: fo fotten wir uns
bergteidljen »erfagen unb bie 9Mandt?oÜe «nb SCraurigfeit — fon*
berbare £raurtgf eit eine« £>tener$ ©otteS, nicfjt poffenpaft unb
auSgelajTen fetn $u bürfen! — bie aus biefer Slbtöbtung £er*>or*
flehen fottte a\$ eine tristitia seeundum Deum, mutljig unb fro£
ertragen, quia operatur (früher ober fpäter) poenitentiam in
stabilem salutem. (2 Cor. 7, 10.) Wityl ba$ 9t abgeben,
fonbern baö SBerfagen füljrt uu$ gemäß ber Seigre unb Erfahrung
ber Seifigen jur ©Ieic^mütf)igfeit ber ©eete, ju j[enem innern „Rieben
©otteS, ber atte ©inne über jieigt ," o£ne welchen unfere 3mterKdj>*
204
feit, «ufere liebenbe ^Bereinigung mit ©Ott unb ©einem alferljeilig*
ften SBiöen feine grofje 2)auer £aben , ba fte auf fe£r f^tedjten
©runblagen rul)en, nämli$ auf natürlichen.
2Bo ftnbet man jietjt no$ einen SDtann, wn t>em ftc& fagen
liege f tt>ie vom % 33incen$ von $aul: semper idem? — £>iefe
gro§e ©eifteäbürftigfeit, biefer SWangei an Scannern , bie in
t£rem 3nnew jenen ©otteöfrieben beft£en, fommt von nichts an*
berm £er, aU x>on bem steten 9ia^geben an bie natürlidjen 9?ei*
gungen, bie, wenn fte jahrelang in f (einen Singen fü£n unb fecf
geworben ftnb, julegt gar in großen wieber imperatorifd) werben*
8. ©egen bie $unftri#ter*
£>er *Pfalmift banft bem #erm für bie ©abe eines bur$
©fauben unb Vertrauen auf3£n erwetterten #er$eng: viam man-
datornm tuorum cucurri, cum dilatasti cor meum. QPs. Ü8.)
Unb von Äönig ©atomon fagt bie ©cfyrift: Dedit ei Dominus
latitudinem cordis, sicut arena, quae est in littore maris. —
35ie Siebe ©otteS £at ben ^eiligen ba$ £erj erweitert, juweiten
fogar #tyfifc&, toie bei ?51nlipp 5?eri. — 3u einem folgen (im
Sftoralftnne) erweiterten £erjen gehört au#, \va$ ber Styoftel $ljt*
lipp* 4, 7 — 9 fagt: Et pax Dei, quae exsuperat omnem sensum,
custodiat corda vestra et intelligentias vestras in Christo
Jesu. De caetero, fratres, quaecunque sunt vera, quaecun-
que pudica, quaecunque justa, quaecunque sancta, quaecun-
que amabilia, quaecunque bonae famae, si qua virtus, si qua
laus disciplinae, haec cogitate: quae et didicistis, et acce-
pistis, et audistis, et vidistis in me, haec agite: et Deus pa-
cis erit vobiscum.
25er große Styoftet war alfo weit entfernt *>on ber (Sngljer*
jigfeit fo SSieter, bie lieber aKjeit jweifeln unb meffen, ali ft$
bem lieben ©Ott unb ©einer allweifen SSorfefmng ein wenig oljne
©orgen ju überlaffen; bie ft$ x>iel mefir bemüljen, um be$ SEeufelä
mögliche Stft ju erfpa^en, als ©otteö erbarmungörei^e Sü^rung
ju bewunbem, anzubeten unb ju loben, ©ie Ijaben barin gro*
£e$ Unrecht; benn votö fönnte ber Teufel gegen eine einfache
205
unb aufrichtige, bemütyige unb offenherzige ©eele? Ad nihilum
deductus est in conspectu ejus malignus, fagt ber ^Jfalmift
£)iefe 33emerfung bejieljt ft$ ganj befonberö auf bie flerfcfciebe*
neu Sitten uub SBeifen, wie n?ir bas innere ?eben üben unb bur$
ba$ ©ebet unb bie 23ef$auung ober ^Betrachtung ber % ©eljeim*
niffe be$ ©lautend ©Ott na£en, ein jieber nad) feiner Anregung*
Sie oben bezeichneten Scanner, Ratten fie aud) *>iel Älugljett unb
bie SBijfenfd&aft aller ©ehrten jufammen, werben für ftc|> we*
nig gortfdjritte machen im innern Seben unb ftnb jur güfmtng
ber ©eelen Ruberer f$lecf>t geeignet, wenn nidjt gar untauglich,
befonberS wo bie unter i£rer Leitung ©teljenben etwas über ba$
2llltciglicf>e unb ©ewöfmlic&e Jnnaug *>on ber ©nabe erhoben wer*
ben; weif fte bie ©eelen, bie freien (£benbtlber ©otteö, alle auf
(£iner, unb zwar — me fte oft fagen — auf ber fi durften
©trage, gleid)fam mc eine beerbe 3o$* unb Saniere, ttor ftd§>
£er treiben wollen, e$ fofte, voaä e£ wolle. — Sed ubi Spiritus
Domini, ibi libertas, mt ber Sityoftel an einer anbern ©teile fagt;
unb ba ©otteä ©eiji wefjt, wo (£r will, unb <&iä) in ©einer §ret*
Ijeit tton feiner menf^tic^en SBeiöljeit einengen läßt, fo folf au#
9tfemanb ftd§> erfüfmen, ben SÖirfungen ber ©nabe be$ % ©eiftes
in ben ©eelen ein £inbernig &u legen, ober iljnen bie Sttobalität
t^rer (£rf$einung unb 2leufjerung gleictyfam oorfd&retben zu wollen*
(£r betrachte trielmeljr fleißig obige unb äljnlidje ©teilen ber
©djrift, unb tefe ba$ $chtn folc^er ^eiligen, bie eine apoftolifctye
SBtrffamfeit auggeübt Ijaben unb befonberö in ber ©eelenleitung
ausgezeichnet waren, batnit er ein fluger unb bemütljiger 23eob*
achter, fein anmafjenber Stifter ju fein lerne. — ©elobt fei
3efu£ (Sfjriftug!
9. £)ie banfbare greube bemüt^iget ©edctu
Ego enim didici, fagt ber Slpoftel, in quibus sum sufficiens
esse. Scio et humiliari, scio et abundare; (ubique et in
omnibus institutus sum) et satiari, et esurire, et abundare,
et penuriam pati: omnia possum in eo, qui me confortat.
{Phil 4, 11—13.^) £)a$ ift bie ^erjenöfprac^e ber Demut^ D
ber wa^aft £)einüt£ige ftnbet in 33ejug auf ©otteS ©nabe %ifyt
206
unb 5£roft, b* u bie ft$t* unb fühlbare ©ette ber ©nabe, fo leicht
(eine ©enügfamf eit ! JlKjett ift er ruljig, attjett jufrieben unb
gleichmütig* 35a er nämlicty — nad) feiner eigenen 9?ebe nnb
innerfien tteberjeugung — nichts bergleid)en tterbient, ftd> aud)
ber geringften Stebfofung, ©nabe unb Erleuchtung unwürbig fd)ät$t:
barum ift t^m bie f lein fte £l)eilnal>me an irgenb einer ®aU
unb Sfcröftung ®otte$, ja ber ©d)u£ wr bem Uebel ber ©ünbe
allein fc^on fnnreid)enb ju (einem grteben unb ttollftänbigen ®e*
nügen, unb ma$t tyn oft überfließen im Sobe be$ gegen iljn fo
gütigen ©otteö. 3a oftmals Übt, banft unb liebt eine bemütfjige
©eete ©Ott me£r, oiel me^r für bie fleinfte, aU bte weniger bemütlnge
für eine große unb auSgejetcfmete ©nabe, unb wer fte bann alfo
iljre feierlichen ©anf lieber fingen £ört, ber möchte glauben, fte fei
U$ in ben britten Fimmel t>erjü<ft gewefen; erforfd)t er aber ben
©runb ber ©adje, fo wirb er nid?t feiten »or ©Ott unb feinem
eigenen Jperjen ftd) fd^ämen muffen : benn weit größere SBoltftljaten
Ijat iljm *)ielKeici)t ber £err x>erlte^en — unb US auf biefe ©tunbe
tji er 3fmt bafür ben £>anf nod) fd)ulbig! @g lebe 3efu$!
2)arum fteljt getrieben: Magnus Dominus et excelsus . . .
et ab humilibus honoratur — al$ fei e$ ber «Demütige allein,
ber etwaä für bie (£{)re ©otteä tljue, mc groß unb glanjenb *>or
ben Slugen ber SD?enfd)en bie äußern SBerfe ber Slnbern au#
fein mögen*
10* dinc ganje SUcefe in wenig Sßortem
Audientes fidem vestram in Christo Jesu, et dilectionem
quam habetis in sanctos omnes . . . non cessamus pro vobis
orantes, et postulantes, ut impleamini agnitione voluntatis
ejus, in omni sapientia, et intellectu spirituali: ut ambuletis
digne Deo per omnia placentes: in omni opere bono fructi-
ficantes, et crescentes in scientia Dei: in omni virtute con-
fortati secundum potentiam claritatis ejus, in omni patientia
et longanimitate cum gaudio. [Coloss. i, 4. 9 — lf)
(Srwäge nun aus biefer ©teile anbäc^tig bte folgenben fünfte:
L Die eigentliche Urfac^e ber greube be3 2tyoftelS ift: ©taube
unb tätige Siebe ber Sjmften ju (Soloffcu £)arum au# betet er
207
fo eifrig für fie, ba£ fte ben göttlichen SQBilfen in (einem gcmjen
Umfange votlfommen erfennen foltten: weit er i£rett guten SBiUen
in ber Stueübuug be$ göttliche« 2Billen$ fteljt ©onft würbe ja
au$ eine flarere (£rfenntmf? nur ju il)rer großem a3erantworttic&*
feit unb ©träfe btenen, wie (SjjriftuS unfer £err felbfl gefagt Ijat
»Ott bem 25iener, ber feinet Jperrn SBillen wei§, unb bennocfy ni$t
tjmt, fo wie er i£n weif}, — bafj er mit Stelen ©treiben würbe
ge$ü$tigt werben. 33iel wei§ ber, welker tf?ut, wa$ er wi$:
intellectus bonus omnibus facientibus eum. (Ps.)
2* SBebenfe, bafj bie grudjtbarfett an guten Söerfett
bem 2Bacfy$tl?ume in ber 2Biffenfc^aft unb (£rfenntnifj ©otteä unb
göttlicher £)inge oorauöge^en unb beigefellt werben mufj* (£rft £eif$t
ee im ^Pfatme: Beati immaculati in via, qui ambulant in lege
Domini! unb bamacfy: Beati, qui scrutantur testimonia eius!
3ur SBiffenfcbaft ber ^eiligen fü^rt bie Einfalt unb Steinzeit im
SBanbel *>or ©Ott unb ben 5D?en(*en fc&neller, aU wk$ Sefen,
Denfen unb ©tubiren: ja biefeg oljne jene« füf)rt unb nü^et ju
ntc^tö ♦ < * Tu autem, Domine, miserere nobis! Ouia citati
sumus in lingua nostra, et tarn remissi in operibus nostris.
3. Denfe naty über ba$ ©efjeimnifj: warum ber Styoftet bie
©ebulb unb Sangmutlj mit ber greube »ereinigt wijfen will,
ba i^re wefentltcfyen ©genfcfyaften nid)t »erwanbt mit einanber ju
fein feinen? SQBte fann man fi$ in ber ©ebulb üben unb &u*
gleich ftc^ freuen, unb jwar au« @iner Urfa$e? Die ®e*
butb brücft auf un$, unb bie greube ergebt unö* £)er %
^JauluS rebet pier *>ou ber aSoKfommen^eit unb *>on ber ©üfjigfeit
ber göttlichen Siebe: hilarem enim datorem diligit Deus . . .
et praevenit eum in benedictionibus dulcedinis . . . Sie Siebe
madjt, ba£ alle Sugenbübungen in % grcube wUbxatyt werben.
„£)em »oßfommenen ©efwrfam gegen ©Ott ift bae SBort ein @e*
bot unb ber SQSinf ein 23efe£L" (S. Thom. Villan.) Benedicite
Domino omnes Angeli ejus — facientes verbum illius £ei$t
eg im $f* 102; ber ©e^orfam tl)ut alfo auf (£rben, xvie bie %
Sngel im Fimmel tljun, unb barum £at er aucf) einen flehten 2ln*
t^eil an ber greube unb ©eligfeit ber (5ngeL ©ef?r fd^öu fagt ber
% granj x>on ©aleä: „£^3 SQBoplgefaüen f ba« wir an ©Ott #a*
ben, legt une einen angenehmen 3waug auf, unb fömmt babur$
208
ber 9?otl)wenbigfett beö ©e^orfamg, welche baö @efe$ uug auf*
legt, juoor, unb oerwanbelt ben ©eljorfam in Siebe unb ben ©#mer$
in Sujh" — Veni Sancte Spiritus, accende lumen sensibus,
infunde amorem cordibus!
11* £)as ©ebet ber banfbareu ?tebe*
1. Orationi instate, vigilantes in ea in gratiarum actione.
(Coloss. 4, 2.) (£m inl)altf$wereg 2Bort! — Söarum ift un$
bie 33el)arrli$feit im ©ebet unb in ber göttlichen SBefd&auung (o
f$Wer unb läftig? — SßetI wir ben ©inn ber £)anfbarfeit nie
ober ju feiten in un$ anzuregen fu$en* Sßarum ftnb wir in ber
^Betrachtung oftmals trag unb untätig unb fcfjfafen oft? — 2Beil
wir e$ oergejfen, über ©otteö große Söoljltjwten gegen un6 ernft*
\\§ nacfjjubenfen unb 3#m bafür gebül?renb ju banfem 9ii$t$
regt ben ©eift meljr an, wifyti ift me£r geeignet, tyn lebhaft, auf*
merffam unb anbäctytig ju machen, alö ein folcfyeS 5lnbenfen an
oerftoffene 2öo£ltl)aten, welche ber afljeit fortbauernbe ©runb nn*
ferö gegenwärtigen, nacfyfolgenben unb ewigen ®tücfe£ ftnb unb
fein werben. Söarum £at ber liebe ©Ott — vok eS unö oft
freuten will — ©eine SSaterpanb gleicfyfam oon un$ jurücfge*
jogen? Söarum Ijat dx ni$t, ber Neigung ©einer ©üte fol*
genb, bie ©egnungen ©einer 9Mbe unb ©ügigfeit gegen unS alle
Sage fortgefe^t, oergröfert unb oerboppelt, xck @r im anfange
unfereö geiftltcfyen Sebeng — wir erinnern un$ beffen nod) gut —
eine 3?it lang t^at? 2öarum tft ber in ©einem 2ßefen unoer*
änbertic^e ©Ott, „cujus natura bonitas, cujus misericordia ad
omnem carnem", gegen unö nidjt berfelbe geblieben? ®ä faxm
meljr alt einen ©runb bafür geben; aber feljen wir nur gut ju,
ob wir 3£m ntd)t für manche 2Bo£ltf>aten ben ©auf no$ f^ulbig,
ob wir ni$t wirf(i# unbanfbar geworben ftnb. — 2ßa3 fann ein
mit taufenb SSoljltljaten überljäufter 9D?enfdj oor feinem SBoJrttjjäter
reben, t£un unb beulen, wa§ bie[em wo^lgeftele, wenn er be$ em*
pfangenen ©uten mit feinem £er$tict)en Sßorte gebenft, ober ftcfj
auf wa$ immer für eine 2lrt banfbar unb erfenntlicf) jeigt? @ö
lebe 3eM! Et confitemini Domino, quoniam bonus ! 2113
£>aoib ffagte: Cor meum dereliquit me, ba fonnte er nic^t gut
209
beten; aU er aber ber göttlichen Segnungen mit inniger £)anfbar*
feit gebaute, ba fprad; er atebatb baö frö^Iic^e 33efenntniß au$;
Invenit servus tuus cor suum, ut oraret te oratione hac (2
Reg. 7, 27?), unb baö 23eten unb 23etrad?ten ging tfjm nun vr»ie
von fetbft. 3a, ba3 erfte ©ebet, welches er jie$t betete, bleibt für
alle 3^tten ein ÜÄujler biefer innern ©ebetöweife, weßfmlb wir
ba$ ftebente ^a^ttet im ^weiten 33uc|e ber Röntge ni$t oft genug
lefen unb betrauten fönnen; fein %nfyaü ift furj fotgenber:
2. 33. 1: SRulje von feinen geinben. — ©enuß ber ©üter
beö griebenö. — 93. 2: ber Äönig äußert ba3 Verlangen, etwas
©rößereg für bie S^re beö £errn ju tj)un. — 33. 3: baS 33er*
langen wirb von 9?at£an gutgeheißen; 33. 4—17: aber e£ gibt
no$ etwaö, baö für jiefjt beffer iß, als ber £empelfcau: ba$ banf*
bare Slnbenfen an bie vergangenen unb gegenwärtigen SGßo^Itpa^
ten, bie ©Ott bem Äöntg perfönltd) ober allgemein bem ganjen
33olfe verfielen; unb biefer ©auf barfeit verbeißt ©ott bur$ ben
9flunb Seinem 23oten neue unb no# größere Segnungen für bie
3ufunft- ©a« ift ber erfte Xtyil beö Kapitels.
2luf ben propljetif^en Unterricht jiejjt £)avib ft$ jurücf in
fein £auö, verfemt fidj in bie ©egenwart ©otteS, unb beginnt bie
Uebung feiner fönigtic^en 23etracf)ttmg in einer fo frönen, per^
rüljrenben 2lrt, baß biefe ©cfyriftftelte verbiente, von alten geiftlid&en
^erfonen augwenbig gelernt ju werben, weit barin alle frommen
@efü£le unb £ugenbaete, bie ju einem votlfommenen ©ebete ge*
Ijören,. enthalten ftnb. $♦ 18: £>emütfnge Srfenntniß feiner fetbft:
er ifi ber arme #irtenfnabe von 33ett>fef)em, nur burdj ben Jperrn
fo groß geworben. — 33* 19: 33erwunberung über @otte$ ju*
vorfommenbe ©üte unb ©rbarmung. — 33. 20*— 21 : ©ertng*
fcfyätjung alfeö befreit, xva$ er nur bem £erm au$ banfbarer $ieU
vergelten fönnte unb wollte. — 33. 22—25: Sob ©otteS unb
£>anf juerft für bie allgemeinen bem ganjen 33olfe erwiefenen
©naben unb SBo^ltpaten ; bann 33. 25—26: für bie perforieren
Soldaten unb für bie gütige 33erl)eißung einer no$ gnaben*
reihern 3ufunft. (£nbti$ 33* 27—29: 33ertrauen auf ben £errn
unb 33ittgebete. — -ftoc§mal6 fage t#, baß eS faum eine beffere
33orbereitung auf eine 33etra$tung geben fann, aU bie aufmerf*
fame Sefung biefeS ÄapitetS. Deo gratias!
210
12. SBanbel unt> £el)re eineö 2lpoftel&
L D fönnten bod? alle $rebiger be£ (Evangeliums — mögen
eö nun SBett^ ober £)rben$geiftli#e fein — von [{$ tn ber SBafjr*
Ijeit befennen, waä ber £!♦ Sl^ofiel ^3autuö von ftcij felber fagt!
1 SEpeff 4 2, 4 — 6: Sicut probati sumus a Deo, ut crederetur
nobis Evangelium: ita loquimur, non quasi hominibus placen-
tes, sed Deo. qui probat corda nostra. Neque aliquando
fuimus in sermone adulationis, sicut scitis, neque in occa-
sione avaritiae, Deus testis est: nee quaerentes ab homini-
bus gloriam, neque a vobis, neque ab aliis . . .
2Beld)' ein ebleS ©elbftgefü£l! 2Bte i^od) mugte ba$ 3eugm§
feineö reinen ©ewtjfenS im Ämtern erffingen, alö (ein £er$ tym
biefe SBorte bictirte! — «Der #err Ijat iljn erforen unb ipxn ben
großen ©$a£ ©eines (Evangelium^ anvertraut: unb bie§ 33er*
trauen be3 £errn fucfyt ber Stpoftet im Söanbel, in 2ßott unb 2Berf
ju rechtfertigen. 2öae follte tym noefy (£j)re unb Sob vor ben
3D?enf$en? (£$ lebe 3 e f u ^ ber ©efreujtgte! Slnberö will er nidjtä
meljr wiffeiu — 3u ben Slelteften ber Äird?e von ©ppcfuö (2lct 200
Ijatte er in Seilet beim 2lbfcfyiebe gefprod;en: . . . quomodo nihil
subtraxerim utilium : quominus annuntiarem vobis, et docerem
vos publice et per domos . . . non enim subterfugi, quo mi-
nus annuntiarem omne consilium Dei vobis . . . argentum et
aurum aut vestem nullius coneupivi, sicut ipsi scitis . . .
£)arum aud) waren ifjmt Sllfe fo juget^an unb fingen i£m an, wie
jartlictye Äinber i^rem SSater: barum weinten unb fdjlud^ten jie
an feinem £alfe, al$ er 2Ibfcf)ieb von tfmen naljm unb ijjnen ju
verfielen gab, xt>it .fte in biefem Seben fein §lntli§ wo£l ntc^t me£r
würben ju fef?en befommen*
So ebelmütlng, fo freifinnig, fo uneigennü^ig folt ber apofto*
lif$e ^rebiger in feinem Seben unb Sßanbel fein, baß er fi$ überall
unb jeberjeit füjm auf ba$ 3eugni§ ber 9J?enfd)en berufen fann,
mit benen er in irgenb einer 23erül)rung geftanben, juweilen fetbft
auf baä 3^wgnig etneg Ungläubigen, ober eines von ber ©emein*
fäaft ber % Äird>c getrennten fte^erS, wa3 ^aulue vielleicht fei*
neu geliebten ©djülern £imot£eu6 unb £ttu$ anbeuten will, wenn
er fagt: bonum habeat (ber 33ifc|of nämli$ ober ^rebiger ober
211
apoftotif^e Arbeiter überhaupt, alfo jieber fat^ottfc^e *ßriefter) testi-
monium etiam ab iis, qui foris sunt (ad Tim.) . . . ut is, qui
ex adverso est, vereatur, nihil habens malum dicere de no-
bis (ad Tit.). SBenn nun biejemgen fogar, qui ex adverso
sunt, bem apoftolifdjen ^rebiger nichts UebleS nadbäufagen fi$ er*
füjjnen — bie lügenhafte 3wtige eines fallen £erjen$ fömmt ^ter
nid)t in 33etracbt — fo mufj fein SBanbel gewiß rein unb burcfyauS
untabeljjaft fein unb ergaben über jieber begrünbeten ftxitih Dann
aber aucf; wirb beö ^riefierö ober 9J?ifftonar$ 23eifpiel mebr ©egen
unb Saugen in ben Seelen fiiften, aU feine ^errlic^fteu *Prebig*
ten vermögen, nnb er £at Xfyeit an ber $rone unb greube,
beren fid) ber Sipofiel weiter unten rül?mt: . . . quae est enim
nostra spes , aut gaudium , aut Corona gloriae ? Nonne vos
ante Dominum nostrum Jesum Christum estis in adventu
ejus? Vos enim estis gloria nostra et gaudium. (1 Thess.
2, 19—20.)
©ag-iji feine einzige greube, beren er fi'$ rüljmt unb ewig
rühmen wirb: ba£ er an jenem £age, bei ber Slnfunft Sprifti, auf
bie ©laubigen t>on £f>effaloni# jeigenb, bem £erm fagen lann:
„©ielje ba, £err, bie £l?effatom$er, bie i$ £>ir befeljrt, benen ity
Dein (Soangelium tterfünbigt $abe t ba fielen fte nun allefammt:
feit meiner ^rebigt bei t^nen (feit meiner feelforglicfyen Sßirffam*
feit in ifjrem ^Jfarrorte werben Rubere fagen) finb ffe Dir getreu
geblieben: non perdidi ex eis quemquam . . ." Sßelcfj' ein £rojl
für ben eifrigen ©eelforger ober SWifftonar! ipier gebenfe tc^ eines
£eiligmä£igen granciäcanerpaterö — 23ruber @£erubin *>on ©po*
leto, f 1484 ju Santa Maria von ben Gmgeln — bem bei feinem
glüdfeligen £wfdjeiben 66,000 gerettete ©eelen entgegen jogen, bie
i£r £eil feinen apofioftfeben Sirbetten *>erbanften unb in ben oier*
jig Sauren feiner 2öirf famfett bereite geftorben waren; in iprem
©efotge jog er bann, xvie ein ©eneral mit feiner fi'egreic^en Slrmee,
in bie ewige 9?uf>e unb £errlicbfeit ein, unb mit welkem 3ubet
unb gro^toden wirb man bort t£n aufgenommen unb feinen fürft*
liefen SEriumpl; gefeiert Ijaben!
2* £)em % £imotf;euS fd?reibt ber Sipofiel unter Slnberm
^olgenbeö: Labora sicut bonus miles Christi Jesu. Nemo
militans Deo implicat se negotiis saecularibus: ut ei placeat,
14*
212
cui se probavit . . . Noli contendere verbis: ad nihil enim
utile est, nisi ad subversionem audientium. Sollicite cura
te ipsum probabilem exhibere Deo, operarium inconfusibilem,
recte tractantem verbum veritatis. (2 Tim. 2, 3 — 4; 14—15.^)
2ßaS ber 2tyojW feiger vottfommen Beobachtete, baS empfiehlt er
au$ feinen Nachfolgern in ber apoftolifdjen Arbeit unb Bebauung
beS SQSetnbergeö beS £errn:
a) Dtefe Arbeit eben, fte fott im ©ienfte 3efu eine 51 r*
beit fein: eS muß etwas foßen; bem £erw ju bienen fott uns
eine 9Äül)e ntc^t verbrießen; ber apofiolifdje jünger fott ftc$ gar
an bem müpfamften ©olbatenteben ein SÄußer nehmen*
b) greiljett von atten weltlichen Angelegenheiten unb 3^
ßreuungen, bie ben ©eift unb bie ©ebanfen verwirren, bie göttliche
©albung aufgeben, jebeö ©aatförncfcen ber ©nabe im eigenen £er*
Jen beim erften Sluffeimen wieber erfticfeiu
c) 33ermeiben atter 2Bort* unb 3ungenfe$terei, bie ju
ntc^tö nügt unb gewö£nli$ bloß ©cfmben giftet in benen, bie baS
@efe$t galten, wie in benen, bie if)m aufbauen*
d) @o vor ©ott wanbeln, baß <£r uns einer Prüfung
wert£ palte — se probabilem exhibere Deo — wie ja aud)
ber ©olbat burcp fein mutpigeS, flugeS, tapferes 33ene£men baS
SSerbienji ft$ erwerben muß, baß iljm irgenb ein nocp gefährlicherer
Sofien anvertraut werbe; benn oftmals, leiber! läßt uns ©ott tn
verbienfilofer ^upe wegen ber fo äußerft geringen %icU unb traft
unferer ©eelen, unb weil dv wopt fiept, baß wir aus Mangel an
Energie unb großmütiger Aufopferung feine Prüfung mit 23er*
bienft unb (£pre befielen würben*
e) Sßenn ber apoftolifcpe ^rebiger bie Sepre ber % tircpe
©otteS in einfacher ©pracpe (1 @or* 2, 1 — 5 fannft bu fepen,
welker ^rebigtweife er jl# rüpmt), aber richtig vorträgt, unb
wenn babei fein einfaches, frommes unb abgetöbteteS Seben feiner
^rebigt entfyrü^t: bann ift er in ber £pat vor ©ott unb allen
vernünftigen SEftenfcpen tin „operarius inconfusibilis," bem -Wie*
manb wiberfpre^en ober etwas angaben wirb* din folcper war
ber % (Srjmartyrer ©teppan, von bem getrieben fiept t Et non
poterant resistere spiritui, qui loquebatur in eo. (£S lebe
3efuS! — Profana autem et vaniloquia devita. (Jb. v. itf.)
213
sfJlan brauste ju gewiffen Seiten nur ein wenig aufjuljord&ett
unb in ben 3eitungen ju fefen, wa« aöe« ^ter unb ba, befonber«
in ben großen ©täbten ber civiliftrten Sänber, von ber 23iUjne, von
ben ^atfjebern unb — von ben Äanjeln J)erab beelamtrt würbe,
um ja wiffen, wa$ ber 1)1 $aulu« unter ben Benennungen „pro-
fana et vaniloquia" mochte verftanben l)akn* — Um bie ©ün*
ben ber 3unge, wie um bie 3ungen ber@ünbe ift e« etwa«
©rofje«* 9ftd?t umfonft £at ber % SXpoftel 3acobu« im brüten
Äapttel feine« Briefe« fo fireng auf bie Befjerrfdjung ber 3unge
gebrungetu £5er !#♦ Bonaventura gäptt irgenbwo ftebje^n von
einanber unterfdjeibbare 5lrten beö stultiloquium auf! — (£« lebe
3efu« unb ©ein Äreuj!
3* Stultas autem et sine disciplina quaestiones devita,
sciens, quia generant lites. Servum autem Domini non opor-
tet litigare, sed mansuetum esse ad omnes, docibilem, pa-
tientent, cum modestia corripientem eos, qui resistunt veri-
tati. (Jb. v. 23 sq.") (Sin fleine« vocabularium ju biefer ©tefte
wirb uns auf ben reiben 3nl)aft be«felben aufmerffam magern
1) Stultas quaestiones , bergleidjen juweifen au« ©totj
ober wijfenf$aftti$er -fteugterbe auf t£eologif$en ©djulen unb
ttniverfttäten , jia auc^ in ©eminarien unb Ätöftern aufgeworfelt
werben. £)er Stpoßel würbigt fte fdjon na$ SSerbienjt, wenn er
feinen ©djüfer bavor mt vor einer ftreitfä^tigen £l)orl?eit warnt
£)er £l)or, fagt bie ©$rift, nimmt fein verftänbige« 2Bort an, e«
fei benn, ba£ bu fageft, m$ in feinen eigenen ©ebanfen umgebt
(Prov. 18.J 2Ber überaß mit feinem Urteile eingreift, jeben
vorgelegten §aü al«bafb jertegt unb gleich entfc^eibet , unb babei
meint , er Ijabe immer ba« 9?ed)te ■ getroffen — ber ift oft ber
f$te$tefte 3D?oralt£eotoge, din unbejc^etbene« SQBiffen ift gewöhn*
It$ unflug, weil von ber (Sitelfeit geblenbet Servum autem Dei
non oportet litigare. Darum fott er ftd) au$ gewö^nlic^ an ber
Seljre ber Äirc^e genügen iaffen unb e« ni$t auf fidj nehmen,
bie wiffenfd&aftticfyen 2lnft$ten ober ©efüftfe (£tn$etner mit £i$e ju
vertijeibigen* Söcire e« au$ ber berü^mtefie £>octor, ber fte teerte,
wäre e$ au$ bie Meinung ber erften £o$f$uIe be« Srbfreife« —
ba« tfl alle« j[a nur £)unft unb £)ünfet ber (£rbe, unb bie (£rbe
fott er ifjren Deputationen unb ©efe^ten überfaffen: nostra au-
214
tena conversatio in coelis est. — 3 n feinem erften SBriefe an
SfcimotfjeuS Ijatte ber 2lpojM gefagt : ^arum IjaBe idj bicb au$
gebeten, als id) nadj 9Waeebonien reifefe, t>a$ bu in GfyMuS Met*
ben mögeft, um (Jinigen bort *>orjul>alten, ba§ fte ni$t eine anbete
Se^rweife anwenben unb auf gabeln unb enblofe ©eneatogien nic^t
achten follten, quae quaestiones praesfant magis, quam aedi-
ficationem Dei, quae est in fide. (1 Tim. i.) Spiritus autem
manifeste dicit, quia in novissimis temporibus discedent
quidam a fide, attendentes spiritibus erroris, et doctrinis
daemoniorum. (i Tim. 4.)
2) Mansuetum ad omnes; Sanftmut^ nämlich ift ju alten
3eiten gewefen unb muß fein ber ipauptdfjarafterjug eines apofioli*
fdjen 9D?anne$, ber bie ©eelen nid)t serberben, fonbern um jfeben
$rei£ retten will-
3) Docibilem, ebenfo bereit jum Sern#n aU jum Selben;
gelehrig aber foll er fein a) gegen bie Dberen ber Äir^e unb be£
DrbenS, wenn er Dfaligiofe ift; b) gegen ben ©eift ber ©nabe,
ber ftd) im #er$en eines eifrigen ^riefterS nimmermehr ftumm
£ält; c) gegen bie Sllten unb (£rfal)renen, b* £♦ bie eifrigen Sllten,
benn bie SBetefjeit rodelt ni$t allzeit mit ben %afyxen; d) gegen
feine 23rüber unb Mitarbeiter im s <5tyoftolate; e) gegen 3ebermann
in gewiffen gälten; benn t>on wem follte man ni$t juweilen etwaö
lernen fönnen? ©ogar ju ben gieren weifet unö ©Ott in bie
©d)ule an *>erfcf)iebenen ©teilen ber §1 ©$rift im alten unb neuen
£eftamente: Nimirum interroga jumenta, et docebunt te; et
volatilia coeli, et indicabunt tibi etc. et narrabunt pisces
maris. QJob 12, 7—8.^) „©eijet bie üßögel beö Wimmele 7 ' u. f. w-
„©eib ffug, wie bie ©drangen, unb einfältig, xoie bie Rauben/' —
33iele$ *>erjlel)en oft bie einfältigen kleinen, m$ ten ^oefemiitfrigen
©roßen unt>erfiänbli# ift
A) Patientem; gebulbig muß ber apofioUfclje Arbeiter fein
a) gegen biejt'enigen, welche unS Unrecht ober Selb wiffentltdj ober
unwiffentlid? t>erurfad;en; b) gegen alle Untergebenen; c) gegen
OotteS Sügung unb Sorfeljung; unb enbli$ d) juweifen fogar
gegen ben Teufel, ben wir in gewiffen gälten nur burd? unbewegt
liebe ©ebulb unb bur# 23era$tung ju beffegen im ©taube fein
werben. Darum fprad) ber £err: In patientia vestra posside-
215
bitis animas vestras: baö ift wofrt junäcbft ein ©ebot; aber e$
£eißt aud? : Styx werbet gegen alle Angriffe ber 2Q3ett r beä gleifdjeS
unb be$ £eufelö jnle^t burdj bie ©ebulb allein im 33eftge eurer
Seelen bleiben.
5) Cum modestia corripientem; eine ©trafrebe otyne alle
23efd)eibenl>eit unb ©ernuty, [ei e$ auf ber Äanjel ober im Seiest*
jhifjle , wirb ber ©nabe feinen 2Öeg in bie £er$en ber armen
©ünber bahnen; barum fei ber Arbeiter im SBeinberge be$ #errn
wo£l juweifen ein gewaltiger Eiferer für bie @£re ©ottes, aber
niemals ein maßlofer unb tobfücfytiger ©freier gegen ben ©ünber
unb gegen jieben gefjfenben überhaupt, mag er gegenwärtig ober
abwefenb fein. — ©elobt fei 3efug S^rijiue! ©an! fei bir, %
Paulus, für alle bie weifen Sejjren ! Deo gratias, Deo gratias !
13 Sxvci Monita für bie 2l£cetem
a) gür ben Se^rer,
3m erften 25riefe an feinen geliebten 6d?üter £itnotf?eus fcfyreibt
ber $L $auluö unter Slnberm: Finis autem praeeepti est cha-
ritas de corde puro, et conscientia bona, et fide non fiela,
a quibus quidam aberrantes, conversi sunt in vaniloquium,
volentes esse legis doctores, non intelligentes neque quae
loquuntur, neque de quibus affirmant. (1 Tim. i } 5—7.} 5Die
SQSorte ftnb fe^r bejeid)nenb ! (£$ gibt nämlicfo gewiffe 2öaf?rl?eiten
beS innern djrifilidjen Qehcnö, bie feine bloße ©peculation jemals
erreichen unb t>erftel?en würbe, weil fte nur in ber Hebung ber
SEugenb t>on einem reinen #er$en unb guten SBewujjt*
fein, t>on einem einfältigen ungezügelten ®lax\ben
erfannt ober, wenn wegen ibrer @r^abenbeit nicfyt eifannt, bedj
geahnt unb empfunben werben fönnetu Unb weil bie kleinen, bie
Demütigen unb Ungelegten in biefen (£igenfd?aften bie ®elef>rten
unb ©roßen ber Sßelt übertreffen, barum betete ber göttliche &v*
löfer einft banfenb ju ©einem ewigen 93atcr: „3$ banfe £>ir,
Sßater, #err £immel$ unb ber (£rbe, baß 2)u bieß ben SÖeifen
unb fitugen verborgen unb eö ben kleinen geoffenbaret Iwft/' £)arum
£atte au$ ber % *Pfalmenfänger red)t gefagt: Tunc non con-
fundar, cum perspexero in omnibus mandatis tuis (Ps. 118.') :
216
benn bie soKfommene 9Q3eiS(j>eit , btc burdjbringenb ftare (£r*
fenntniß in allen göttlichen ©efegen nnb Uebertiefe*
rungen wirb nimmermehr bem bloßen ©tubium allein serlieljen,
wenn ber £eil&* nnb wißbegierige Geolog ft$ ni#t au# mit allem
gleiß auf bie Uebung in ben Söerfen verlegt Coepit Jesus fa-
cere et docere, (agt ber £L 2uca$* di lebe 3efu6, ber ge*
fagt Ijat: Qui fecerit et docuerit, hie magnus vocabitur in
regno coelorum; nnb Wteberum: vos, qui nostis omnia, beati
eritis, si faceritis ea ! — Unb ber |)L 3acobu$: Oui perspexe-
rit in legem perfeetam ... et factor est operis: hie beatus
in facto suo erit. (Jac. 1, 26?)
Fides sine charitate potest esse, sed non prodesse, fagt
ber bl* Siuguftin; uab ber pl. S^rian; Credendi praemium da-
tur, si, quod creditur, et geratur; nnb wieber ber $L Stuguftin:
Fides, quae credit, videt, et credendo intelligit: worauf folgt,
baß jur regten 2Bijfenf$aft in ben Dingen be$ ® lautend bie
Uebung ber SEngenben erforberlid) 1%
b) gür Schüler unb Se^rer.
3mmer wollen wir wiffen, immer etwaö unb wieber etwas
9?eue$ lernen, nnb sergeffen barüber, ba$ bereits ©elernte audj
in Slnwenbung ju bringen — nnb barum taugen wir am (£nbe
nic^t einmal meljr, um etmü ©eiftft$e$ mit 3>mutl> nnb 2lnba$t
anjuljören, nnb warum? weit bur$ baö bloße ©tubium ber
£fjeorie, oljne bie $rari$ mit bem fleinen ginger ju berühren, ju*
lefct au<$ bie Anlage felbft jur Slöcefe verloren gefjt — £ebr* 5,
11 — 14 fagt ber Slpoftel: Imbecilles facti estis ad audiendum.
Etenim cum deberetis magistri esse propter tempus: rursum
indigetis ut vos doceamini quae sint elementa exordii ser-
rnonum Dei (eg ift notljwenbig geworben, baß man au$ bie @I)ri*
ftentel)re au$ bem fleinen tatec^iömuö be$ $ater SanifütS, ober
bie erften -ftotnjenleetionen be$ flöfterfic^en bebend abermals t>or^
trage, wobei man bann ju [einer SSerwunberung, ober »ietmejjr
junt Seibwefen einfielt, baß) et facti estis, quibus lacte opus
sit, non solido eibo. Omnis enim, qui lactis est partieeps,
expers est sermonis justitiae: parvulus enim est (er ift ja
SU ffein, er ift ju finbif$). Perfectorum autem est solidus
217
cibus; eorum, qui pro consuetudine exercilatos habent sen-
sus ad discretionem boni ac mali. — SOStr Slrmfeltgen! SQBaö
fett man *>on unfern Sßerfen mut^magen, ba wir oft ni$t einmal
bie SÖorte ber 23ollfommenl?eit me£r ertragen fönnen — ni$t
wollen! — 23emerfe nun ganj befonberS aus ben legten SOBorten
beS 2lpoftel£, bag er in bem fcotlfommenen ©eifieSmenfcfyeu geübte
©inne — exercilatos sensus — *>orauSfeijt, bie auö oft gemal-
ter Erfahrung unb ©ewol?nl)ett baä ©ute unb 23öfe ju unterf$ei*
ben wiffem (Sine fol$e Uebung aber fegt in unferm Seben unb
Sßanbel bie Begegnung be£ ©Uten unb 23öfen voraus, b* u ba$
Äreuj ber Verfügung unb £rübfal, beS SeibenS unb ber 2Biber*
Wärtigfett Unb bie ©ewoljnljeit in biefer Uebung — pro con-
suetudine — beutet auf bie Ijäuftg wieberJMte Begegnung beg
©uten unb 33öfm: alfo rect;t tuele Verfügungen unb Äreuje aller
2lrt, na$ allen ©eiten fun, in bie Sänge unb 93reite, UnU unb
recfytS, allenthalben, wo unb wie wir uns befinben mögen —
etwas ju überwinben, ju ertragen; /,wenbe bidj, wolmt btt wiltft,
fagt Stomas Wn Kempen, ubique crucem invenies, quam vis
rex sis vel papa." — 2Benn bann enbficl) bie inner n fowofjt
aU bie äußern ©inne beS ©olbaten Efjrifii auf fold&e 2trt unb
SOßeife im Kampfe eingeübt finb, fo lernt er julegt ba$ 33öfe
gleicfcfam rieben unb fpüren wn ferne, unb weicht tym bei Reiten
aus, ober er fctylagt ei mit Seictytigfeit nieber g(eid) im anfange ber
^Begegnung; unb alöbann ift er ein 93ollfommener, wie Paulus
t£n l?aben will, bem ber £err jebe ©peife beS ipeiB t>orfe^en
fann: greub unb Ceib, ©lud unb Unglücf, ©efunbfjeit unb Äranf*
£eit, Seben unb £ob, SllleS ift eben gut, quoniam diligentibus
Deum orania cooperantur in bonum! ES lebe 3efuS!
£>a$ gilt t>on benjienigen Sugenben unb 33ollfommenfm'ten,
bie ber ©ofbat Sjjriftt na# unb na# im Kampfe ft# erwirbt
ttermittelfl feiner treuen SWitwirfung mit ber aetuetlen ©nabe; unb
*>on bem alfo Erworbenen fann er fagen: „£>aS ift ber 2lnt£eit,
ben ify mit Sogen unb ©$wert mir aus ber #anb beö 2lmor*
rljäerS gewonnen Ijabe/' Slnbere £ugenben gibt ei, bie i£m x>on
ber juoorfommenben ©nabe in aufjerorbentlicfyer SQSeife eingeflößt
werben, oft in Einem Slugenblicfe , suweiten f$on im 2)?utter*
leihe. D göttliche Erbarmung! ©er Jperr fpri$t son bem
218
Sofme unfers SSerbienfteg , wäf)renb Er in unö Seine eigenen
©aben frönt
14. Die rechte 21 ng rif f ^ w e ife.
3uerft fd^tä^t ber Slpoftel nieber, unb wenn ber ©ünber ffcf)
fürchtet *>or ber göttlichen ©trafgerecijtigfeit unb bemütfng gewor*
ben ift — bann wirb er wieber aufgerichtet jum Vertrauen auf
@otte$ 33arm!?er$igfeit unb auf baä Reiben 3efu Elmfiu gurctyt
unb Hoffnung ftnb gleicfyfam bic beiben güfje ber ©nabe; biefe
aber, wenn fte baö Jperj be$ ©ünberä berührt , lägt beim erften
Stritte bie §urd?t füllen. Darum wollten au$ % DrbengjKfter,
xoie 2U#onfug unb 93incenj von $aul, ba£ tf)re ©öfjne in ben
üflifftonen juerft bie fc^recf ticken 2Bal?rf)eiten : ©ünbe, £ob, @eri$t,
£ölle u* f. w, unb barnact; bie tröftenben: ©otteö SBarmljerjigfeit,
3efu$ Efjriftug, ben Fimmel unb 'äftaria prebigen (eilten.
3m &♦ Äapttel be$ Jjpebräerbriefeö twtbelt ber % $aulu$
mit gewaltiger Strenge oon ber ©efabr, in ber ftd) 3ene befmben,
bie viele unb grofje ©naben unb Erleuchtungen fcon ©ott empfan*
gen unb biefelben i>ernacf>läffigt , mißbraucht unb verloren paben:
if)re Erneuerung jur Süße unb $u bem alten Eifer nennt er un*
möglich, weil fte ba£ Äreuj E^rifti na$ fo manchen gnabenreufyen
Erfahrungen mit güfien getreten. Damit f$lägt er ben ©tofj
beö ©cfntlbigen nieber, baß er bemütfng an feine 23ruft fcfelage
mit bem 3öllner: Deus, propitius eslo mihi peccatori! —
Darauf aber fpric&t er x>on ber £L Hoffnung auf 3efuS EfmftuS,
wofern wir unö befe^ren wollen. Quam (sc. spern in Christo
Jesu) sicut anchoram habemus animae tutam ac firnoam, et
incedentem usque ad interiora velaininis: ubi praecursor
pro nobis introivit Jesus. — 9t(emanb affo, ber \iti) wn ben
SBegen ber Soweit ober £auigfeit abwenben will, foll ben Wutl;
finfen laffen unb verjagen. Die Jpoffnung ift ber Sinter, ten wir
in'S ewige Seben Ijmüberwerfen; baö ©eil, weldjeö von biefem
Sinter |)erab^ängt, unb an bem wir mit £erj imb Rauben feft*
galten muffen, biefeö ©etl iji geflößten auö jwei Efjorben: ©ebulb,
bie betet unb wartet, unb Streue, bie ber ©nabenlnttfe entfpridjt,
alfo tton Seiben unb £fjuiu
219
©o enbigt alfo audb ber Sipofiel mit ber 2lufwecfung jum
SBertrauen, wie er bamit begonnen Ijatte bur$ bie £)arftelfung ber
genannten ©efaljr wegen ber mnacfyläfftgten ©nabe, ben lauen
SWenfd&en Ijeilfam ju erfdjretfem gurd)t baljnt *war ber ©nabe
ben 2öeg sunt Jperjen ber $?enfcf?en: Hoffnung aber unb Vertrauen
ftnb eö, bie fte einlaben unb bie fommenbe einführen muffen in bie
innerfte Sßo^nung ber ©eele. @ö lebe 3efuSJ
15. ©er alte unb ber neue 9D?enf$*
1. Deponentes igitur omnem malitiam et omnem dolum,
et simulationes, et invidias, et oranes detractiones, sicut modo
geniti infantes , rationabile (au$ rationabiles) sine dolo lac
concupiscite, ut in eo crescatis in salutem: si tarnen gusta-
stis quoniam dulcis est Dominus. (1 Petr. 2, i — 2.) Sie ganje
33otlfommen£eü be$ Stiften £at ber ^eilige Slpoftel Petrus in
btefen SBBortcn furj jufammengefaßt 3weierlei liegt bem Stiften
ob, ber nac^ 3Mfommenl)eit trautet unb bie ©egenöfülle feines
©taubeug empfangen will: ba$ Seben beö alten Sftenfcfyen ju jer*
ftören, unb aU ein neuer Wenfc^ in Sfmfto wieber aufzuleben*
2lm beflen unb f^nellften wirb bieg erreicht in ber Demutp unb
©nfalt beg geifttidjen ÄinberfmneS; benn biefem gibt ©Ott bie 9J?if#
©einer ©üfngfeit ju fc^mecfen, bur$ beren ©enuf? ber neue SDtenfcfj
gro§ wirb, wä&renb alle Liebhabereien, in benen ber alte SWenfc^
gelebt Jjat, gänjlicty in 23ergeffenl>eit geradem <£$ lebe 3efuö!
£)a$ 3erftören beö alten 3flenfd)en beginnt, wie wir oben
fejjen, mit „deponere malitiam" (bie 23o$£eit ablegen; bann anfyi
Sifl, SSerftellung, -Weib unb jebe anbere gelinbere §orm, worunter
bie malitia ftdj meljr ober weniger ju erfennen gibt) unb enbigt
mit „deponere omnes detractiones", worauf £eroorgel)t, xoit
Wa£r ber £1. ^ieronpmus gefproefceu £at: baß eö fe^r wenige
9ttenfd)en gebe, „bie ber üblen 9la$rebe gänjlit^ abgefagt Ijät*
ten, bie ifjr eigenes Seben fo tabeltoö einrichteten, ba£ fte ttic^t
nod? gern an bem %ebtn unb Xtyun Slnberer nagten/' wefjfjalb
biefer % SSater ba3 Safter ber Uebelnac^rebe bie „legte ©dringe
beä Teufels" nennt (ultimum diaboli laqueum), in ber er bie*
jenigen no$ aufzufangen oerfu^e, bie fdjon weit oon allen übrigen
220
©ünben entfernt wären, ©a* befiättgt un$ aber au$ bie täglidje
(£rfal>ruttg bei einer großen Slnsa^t „frommer Stiften'', benen man
im Uebrigen ein wahres Streben, ©Ott ju bienen, baö 23öfe ju
meiben unb baS ©ute ju tljun, nidjt abfyredjen fann* — Slber wa$
ift ba$ für ein ©e^eimniß? Die ©laubigen fotlen fein wie neu*
geborene Äinber, unb bo$ $ugleid) audj tterfiänbig? — D ^eilige
©eeteneinfalt ber ^inber, bie aus ber ©nabe ju neuen Wenfdjen
wiebergeboren werben, wenn fte bereite alt in ber 2Belt geworben
ftnb! (Sä lebe 3efuö!
2, 25er neue 3Jienfd) l)at bann bei ber Hebung ber $rifili$en
£ugenben auf 3weierlei befonberS ju merfen, weil e$ i£m jur
SBerfuc^ung unb jum Slergerniß werben fanm Der Gt^rift wirb
nämlich, wie baö ©olb bur$ geuer, geläutert unb t>er$otlfommnet*
(£ä gibt aber zweierlei geuer unter Stnberm, auf bie wir l)ier einen
33licf werfen wollen: geuer ber Verfolgung t)on böfer Seite unb
geuer ber §tnbacf)t *>on guter ©eite* Dem geuer ber Verfolgung
f ollen wir ni$t an $ weichen; e£ ift ni$t6 9teueö: alle Zeitigen
ftnb verfolgt unb geprüft worben; mit S^riflo ju leiben ift lauter
greube, benn )Ee größer Ijier ba$ £er$eteib, befto größer bort bie
£errli$feit! 3m geuereifer ber 2lnba$t fotlen wir nicfyt au 3*
fd&wetfen: ni$t Sltleö für außergewöhnlich galten unb unö er*
peben über Slnbere. Xfyeit fyabtn an Gtljrifti Reiben ifi unS auf
(£rben baä -ftüglic^fte unb im Fimmel baö Grf)rent)otf fte : alfo meljr
©runb jur wahren greube, als alle fühlbaren £röftungen jufam*
men, woran fonft bie 2lnba$t ber ©täubigen Ueberfluß l)aben mag*
— Diefe beiben Slnfc^auungen liegen in ben 2ß orten be$ 2lpo*
ftelä: Clarissimi, nolite peregrinari in fervore, qui ad tenta-
tionem vobis fit, quasi novi aliquid vobis contingat: sed com-
municantes Christi passionibus gaudete, ut et in revelatione
gloriae ejus gaudeatis exultantes. (1 Petr. 4, 12 — i3.) 3$
meine niofjt, baß i$ ben SQBorten beö % $5etru3 l)ier ©ewalt an*
getrau fjabe: beibe Seljren fteflen ftcf) unferm ®ci[te jugleidj unb
ganj natürlich bar, beibe ftnb ort^obor fatfjotifdj, beibe bem tyxip
liefen Seben not^wenbig* 2ßer mag Umi\tn wollen, baß ber
Slpoftet ni$t an beibe gebaut Ijaben fönne? 2Öenn bie SBerfed&ter
be$ einzigen SOBortftnneg ber @$rift M iljreu £pefen bie 2lbftcJ)t
unb Hoffnung Ijaben, alle 2Belt ju iljrem S^fteme ju befe^ren, fo
221
mögen fte nur innehalten, benn tiefet 3tet werben fte fd)werlicf>
jemals erretten fönnen, fo lange eä nodf) Seute gibt, bie mit un*
befangenem fatpolifc^en ©emütye bie % Schrift lefen nnb mebt*
tiren nic&t nnr aU bte ©$rift eineö ^eiligen 2J?enf$en, fonbern
au$ aU baö 2Bbrt ©otteg,
3. Nolite peregrinari in fervore etc. ©eljen wir jurüd
auf bie practifdje Anwenbung biefer ©teile in unferm jweiten
©inne* £ätte j* 33* eine ©eele fowoljl von ber ©nabe, als von
ber Waiux, alle gä^igfeiten unb vorbereitenben (5igenf$aften für
baö innere ?eben ber Betrachtung unb beä ©ebeteä empfangen,
ptte ©Ott au$ bur$ unzweifelhafte 3ei$en ju erfennen gegeben,
bafj (£r biefe ©eele ju einem l)ol)en ©rabe ber 33ef$auli$feit er*
^eben wolle, unb biefe ©eele — mitten in biefen erften ©egnun*
gen be$ Wimmele — fäme in eitler ©elbftbefcfjauung baju, i£r
(Slenb ju vergeben, Slnbere ju »erachten ober minber ju fd?ä£en,
von ft$ felbft ba$ 23effere unb ipöljere leichter ju glauben, aU
von i£ren in Sfjrifio miterlööten 23rübew; gefegt, fte würbe mit
einer gewiffen Ungebulb unb fetbftfü^tigen Anmaßung ©otteS Söerf
befcfyleunigen wollen mtttelft einer rein menfc^li^en 23etriebfamfeit,
ft$ über ©otteö aufgefallen DinauS in bie verborgenen ©eljeüu*
niffe beS ©laubenö einbrangen, tfjre armfeligen unb nic|t$wertl?en
(Sinbitbungen unb ©ebanfen mit bem reinen ©olbe ber ©nflöfiung
beä % ©eifteö vermengen, fid? vor ben 9ftenfd?en befonbereS unb
außergewöhnlich Slnfepeti geben, unb mit faufmännifdjer 3nbujfrie
„in 2löcefe machen'' \u f* w*
£)£ne allen 3weifel — in bemfelben Augenblicke würbe ber
gute ©eift ©otteö ftd) von tyx entfernen unb fte einem Sporen,
b* u jt$ felbft überlaffen, unb biefe£ barum: weil fte ©Ott fucfjen
wollte mit bem Äopfe unb nid)t mit bem £er$en, mit ©ebanfen
be$ äkrftanbeö unb nicfjt mit Acten bcö 2Billen$, bur$ Renten
mfyx, aU burd) £anbeln, im £elffel)en ber geizigen ©eetenfräfte
unb ni$t im £)unfef bes % ©faubenS, bur$ ©etbftac^tung unb
nidjt bur$ 33era$tung unb Gmtiebrigung iljrer felbjl, im SRufjme
be$ SBunberbaren unb nic^t in ber ©$ma$ beS ^reujeS Sljrijlt:
Clarissimi, nolite peregrinari in fervore: AlleS ba$ ftnb Aug*
unb 3rrgänge in 1 3 2Beite* 2öaS ift au$ all 1 unfere fühlbare Xxö*
ftung unb Anbaut, all 1 unfer Smpftnben, Sieben, £)enfen von ©Ott
222
unb ©einer Siebe, fa wat ftnb felbft alle unfere guten SBerfe, bag
wir barauf unfern grieben unb unfer SSertrauen ftü^en wollten?
2Baö ftnb fte befonberö in bem 2lugenblicfe, wo wir x>on i^nen
Slnlafj nehmen wollen, ben einfältigen Äinberftnn bei Btiit ju
fegen? SQBa^rlid^, eitel Siebte, feine ©naben meljr, nur no$ ©e*
fahren be$ £>eile$! @tneö foll un$ ju allen 3eiten eine befon*
bere greube beö ©eifieä t>erfc^affen ; mnn wir nämli$ Stnt^etl
£aben an ben ©$merjen Sbrtfti, wenn wir perfönlicfy ixt
(Seele ober Körper wirfliebe Seiben ju ertragen Ijaben* £> wie
arm unb elenb wäre unfer innereö &Un o|me baö Seiben S^rifii!
Deo gratias!
16. SBier geiftlicfce Kleeblätter au« ben ©riefen
beS $1 tyttvvil.
a) ©r ei SBirfungen ber ©nabe*
Haec est enim gratia, si propter Dei conscientiam susti-
net quis tristitias, patiens injuste ... In hoc enim vocati
estis: quia et Christus passus est pro nobis, vobis relin-
quens exemplum, ut sequamini vestigia ejus . . . Eratis enim
sicut oves errantes, sed conversi estis nunc ad pastorem
et episcopum animarum vestrarum. (1 Petr. 2, 19. 21. 25J)
©otteS wegen etwa3 t£un ober unterlagen gegen ben £rieb ber
fic^ barob beträbenben fmniic^en Statur: ftelje ba, ba* ifi ©nabe*
— Ceiben unb Bulben na$ bem 93eifpiele unferS £errn Stfu
(üfyxifti, unb ba3 willig unb frityKdj: ftefje ba, ba$ ift eigentlich
beine 33erufö*@nabe f$on al$ tyxift, tvk x>itl me£r aU DrbenS*
mann ober *JJriefter! — 9?eumiitljigeg Slnbenfen an beine früheren
SBerwirrungen unb lebhafte £>anfbarfeit für bie aSerjei^ung ber*
felben unb bie bisherige 23eljarrlid?feit in ber ©nabe unb greunb*
fd?aft ©ottes: jtefce ba, bie betben £auptgefü£le beine« £er$en$
im ©ebet unb immerbar* ©elobt unb gebenebeit fei 3efu$ Gtyriftuö!
b) Drei 2kte ber 5Käc^ftentiebe,
Ante omnia autem, mutuam in vobismetipsis charitatem
continuam habentes, quia charitas operit multitudinem pec-
catorum. Hospitales invicem sine murmuratione. Unusquis-
223
que sicut accipit gratiam, in alterutrum illara administran-
tes, sicut boni dispensatores multiformis gratiae Dei. Si quis
loquitur, quasi sermones Dei; si quis ministrat, tanquara ex
virtute, quam administrat Deus, ut in Omnibus honorißcetur
Deus per Jesum Christum, cui est gloria et imperium in
saecula saeculorum: Amen, (1 Petr. 4, 8 — 11.) 1) Qixmafyxit
ber 2lpoftet jur 23 eftän bigfeit in einer gegenfeitigen 33ruberliebe,
welche bie, wenn aud? nod? fo große 3a£l ber täglichen gelter unb
Sctjwad^eiten, of?ne welche biefeg elenbe Seben $on un$ einmal ntc^t
gelebt werben fann, bebecft, b* u unter un$ unf$äbli$ macfyt unb
*>or ©Ott bem #errn Jülnit unb tilgt 2) Hospitales invicem,
b. u nid)t allein fid; gegenfeitig in ^erjon jur eigentlichen Verberge
aufnehmen; fonbern aud) ft# einanber bulben unb aufnehmen in
Sorten unb Meinungen, gleicfyfam wetteifern, wer am beften bie
(Gelegenheiten benugt, um feinem 33ruber nachgeben. 'Dem Waty
ften bienen in SBort unb £l)at, ein 3efcer na$ ber ©nabe, bie er
t>on bem Jperrn empfangen Ijat, ein bonus dispensator im $eib*
li^en unb ©etfilicfyen, na$ ber t£m eigenen %xi unb 2ßeife „alius
sie, alius autem sie", voie ftdj ber % ^auluS auebrücft 2)ie
©nabe beg % ©eifieS ift nämlic^ „multiformis", b* !)♦ fie gibt
ftd? in jeber t>erf$iebenen ^erfönlicfyfeit anberö ju erfennen, immer
ein 9ttal lieblicher als ba£ anbere 9Äat für ben aufmerffamen
SBeobacfyter* ©nee 3eben SBeife folt man gelteu laffen, wenn fte
gut ift; ba$ ift wieber gegen jene 3wtngx>ögte ber Seelen, bie wir
fd)on einmal getabelt fjaben, baf} fte Sitte über @inen Reiften fpan*
nen wollen* 3) ©i$ gegenfeitig erbauen in geiftlicfyen ©efprcidjen
oon ©Ott unb göttlichen fingen; bie SCugenben oor einanber au$*
üben mit ungeteilter ©eele unb t>on ganjem £erjen, fo ba§ 3^r
fe^en fann, eö ifi un$ innerlich gemeiut, bann wirb in all 1 unferm
Jpanbel unb Sßanbel ©Ott bur$ 3efum (Sljriftum fcerljerrlic^t, in
unb mit £)em wir 2llle3 t£uu unb leiben unb bem ewigen 3Sater
aufopfern.
c) Demütig fein, gern leiben, ©ott vertrauen.
Omnes autem invicem humilitatem insinuate, quia Deus
superbis resistit, humilibus autem dat gratiam. Humiliamini
igitur sub potenti manu Dei, ut vos exaltet in tempore tri-
224
bulationis : omnem sollicitudinem vestram projicientes ia
eum, quoniam ipsi cura est de vobis. (/ Petr. 5, 5 — 7.)
1) @i$ einanber bemütyige ©eftnuungen einflögen unb Siebe ju
biefer Sugenb seigen, ift eine große SBruberliebe , ba wir un$ (o
einanber bereiten jum Empfange alter ©naben ©otteö, ©er nur
£)emüt£ige f?eimfu$t unb befcfyenft 2) 2Ber wa£r£aft bemütljig
ifi, ber leibet gern, b* £♦ er ift bemütyig im Sßerfe, unb wenn er
unter bem £)rucfe einer grübfal fi$ behübet, ergebt iljm ber ©e*
banfe an bie £aub ©otteg, bie babei im ©piele ift, unb er ser*
jagt ni$t, (onbern ijarret au$, V\$ tyn ber £err über bie £rübfat
ergebt 3) Ueber^aupt aber unb in aßen Dingen follen wir unfere
©orge ©ott anljeimftellen mit einer 3 Werftet, ber j[ebe Slngft unb
Unruhe fremb bleibt, unb bie einen für un£ unglücf liefen 2luä*
gang nid?t fürchtet, aus bem einigen ©runbe: ©ott ifi unfer lieb*
reicher Sßater, et quoniam ipsi cura est de nobis. 2Ba3 be*
fümmert ft$ au$ (o siel ber (Jrbwurm, für ben ein ©ott ©orge
trägt?
d) ©a$ ©ute t|)un, re#t t§\xn, be^arrltcfc t^um
£)er Slpoftel jeigt and), wie fej)r bie 2Ba£rljeiten unb ßeljren
beö G^rifientfmmö practifd) fein (ollen, ba bie bloße ©peeulatiou
ju SBenigem nü£e ift unb feine Verheißung für ba£ ewige Zehen
Jjat. 3Deßl)alb empfiehlt er ... in fide virtutem, in virtute autem
scientiam, in scientia autem abstinentiam, in abstinentia autem
patientiam , in patientia autem pietatem , in pietate autem
amorem fraternitatis, in amore autem fraternitatis charitatem.
(2 Petr. 1, 5—7.) ©ielje bie fefte Verfettung ber Stugenben unter
einanber! ©iefje bie wunberbare Seiter be£ £immelö! D wie
tieffinnig £at ber *>om % ©eifte belehrte unb erleuchtete gifc^er
an biefer ©teile gerebet! @g lebe ©U $eter! — 2Öa£ ifi neim*
tiü) ber ©laube oljne bie £ugenbübung? — 2Ba3 wirb aug ber
£ugenbübung ol)ne bie leitenbe £anb ber Hlugljeit? — 2Ba$ aber
bilft bie ^lug^eit, wenn fte baö 3D?af? überföreitet unb na$ ber
©eite beg gleif^eS unb ber SBelt hinneigt? — Unb voie fod bieß
atteö , b* £♦ baä ganje bteljer errichtete ©ebäube ber Vollfommen*
£eit, lange befielen ofme bie ©ebulb? £)iefe aber barf nidjtä ge*
mein £aben mit jener @efüf?tloftgfeit unb 2lbftumpfung ber ©toifer,
225
fonbern „in patientia pietatem". 3n Slllem jeboc^ gebührt immer
ber SSorjug bem ©emeinfd)aftlici)en , barum „amorem fraternita-
tis a , unb biefeS ©emeinfd)afttic|)e wieberum ni$t aU ein tobteS
5D?afd&inentt)efen Qwa$ julegt fogar bic geiftli^e Verarmung unb ben
Siuin be$ tlojlerlebenS herbeiführen würbe), fonbern Sitte« mufjj
mit guter, übernatürlicher Meinung gefd>e£en; aufy in beut @e*
meinf$aftli$en foll bie ©nabe jteben einjelnen 21 c t
beleben; ein jebee ©$af foll wiffen, warum unb woju e$ bem
anbern nadjgeljt: fo will ei ber große ©eefenjnrt (ben ber £err in
©einer tir$e über bie ©djafe ©einer beerbe befteltt £at), wenn er
fagt: „in amore autem fraternitatis charitatem". — 2Öo#l £at
er bann dietyt fax fagen im jweitfolgenben Sßerfe: Cui non praesto
sunt haec, caecus est et manu tentans, wie aud) fein SDtit*
apoftet $aufuö feine „©erläge in bie 8uft," fonbern foltbe £ugen*
ben will. ©elobt fei 3efu$ Sfmftus!
17. ©egen bie greigeifiereu
@g ift oljne Swetfet ber böfe ©eift, ber ben gottlofen 90?en*
jtyen unferer 3«it bie meijien ©ebanfen *>on gretyett unb Unge*
bunbenljeit einbläst, bamit fte nur gottlos unb folglich audj ©flauen
bleiben, ©flauen ber ©ünbe bi$ an i£r unfeltgeg (Snbe* Liber-
tatem illis promittentes, cum ipsi servi sint corruptionis: a
quo enim quis superatus est, hujus et servus est. (2 Petr.
2, 19.) £>iefe ©otttofen betrügen bann oft wieber triele anbere,
ni#t feiten arme unb unbefangene 9ttenfd>en, mit trugttollen 23er*
fpredjungen einer burdjauS falfd&en greiljeit, bie in nichts Ruberem
beftept, aU in einer *>on ©Ott unb ©einem ©ebot nidjtSwiffen*
ben, alle SBanbe ber gur^t unb ^ücfftdjt abwerfenben Safterpaftig*
feit ©Zauberhafter 3uftanb ber (£rbe, wenn ©Ott eine fol$e
„grei&ett" barauf wirfli$ werben liege! — Die SBefeljrung folget
3D?enf$en tft fetten, unb immer ein Söerf ber dienten be$ £erw,
ja gleidjfam ein ganj ungewöfmli^er (SrweiS ©einer gnaben*
reiben Srbarmung, bie bem teufet jur SSerbemüt^igung , unb
ben auf (Srben lebenben ©ünbem jur SBarnung juweilen ft$ an
ben größten 33öfewi$tern tterfuc^t unb bewährt, um ju feigen,
„baß hei ©Ott fein Ding unmöglich ifL" ©epriefen werbe jeber*
226
jett bie Sitten *>ermögenbe ©nabe beS Jperrn unferS ©otteö! — yiifyt
of)ne Gmtfegen gebenfe ity fuer eines 33orfalle$ au$ beut wirf*
üdjen Sefren* ©n fog* „§retgeift" l?atte verlangt, ba§ tljm in
bem elterlid&en £aufe an alten Safttagen ber $ir$e ba£ ganje 3a£r
£inburd> olme Unterföteb gteifd) t>orgefegt werbe, weil er — fo lau*
ttit feine ©emonftration t>or ben (Sttern unb ©efdwtftern — als £it>e*
rater ober Freimaurer m$t me£r oer!pflic|)tet fei, ben !trd;li^en ©efegen
ju geijjorfamen!! ©$recftic()e3 2Bort ber Unwijfenljett unb Soweit in
bem ÜÄunbe eines SSttenfdjen , ber in feiner frü^efien ÄinbJjeit bie
größte aller ©naben, bie £aufe unb ben fatl)olifd)en ©lauten, t>on ber
mütterlichen $ir$e empfangen fyattt, ©naben unb $trcJ)e, bie er
nun abfd)wören unb t>on ft$ wegtljun wollte — wenn eS möglich
gewefen wäre! — £) wal)rf>afttg ! e$ wäre einem Sollen ratsamer,
wenn ba$ %iä)t bes fyl ©laubenö feinen Slugen nie geleuchtet Tratte ;
benn, fagt ber jrt. Styoftel ^Jetrue: Melius erat illis non cog-
noscere viam justitiae , quam post agnitionem retrorsum
converti ab eo, quod illis traditura est, saneto mandato. (2
Petr. 2, 21.) £ter ftnbet baä fräftige SBort be$ alten ©opl?ar
»on 5KaamatJ; (3ob IL) (eine ftrafbarfte 2Birflid)feit: Vir vanus
in superbiam erigitur, et tanquam pulium onagri se liberum
natum putat. — ©o alfo *>erftel)en jene ^riftfic^en Reiben
bie gretljeit, ju ber un$ 3efuS Sl)rtftu6 loggefauft £at um ben
93reiS ©eines 33lute$ unb Sefcenö! Sßenn man bann oft pört, mt
fie nad> ben f$mact)*>olfften 2lu$f$weifungen jule^t waljnftnnig wer*
ben, fo ift ba$ ni$t ju *>erwunbern: mit SSerftanb unb unfterMic|er
©eele fcegafcte SWenf^en wollten fie jia fc^on lange nic^t me^r
fein: Deus non irridetur! „303er afcer ^ineingefd;auet f>at in ba$
fcotlfommene ©efeg ber greiljeit, unb in biefem btyaxxliü), nidjt
ein »erge£fi$er £örer, fonbern ein Später be$ SBorteS ift: ber
wirb in feinem ££un feiig fein/' (3ac, 1, 25.) &i lek 3efus!
*
18* ©lau&enef$wiertgfeiten,
SDem „crede ut intelligas" be$ % Sluguftin ge£t es unter
ben 9Äenf$en xok jenem SBorte beS (£rlöfere: „3$ will eu$
SÄettt gteifcfc ju effen gefcen i ♦ ; 9ftem gteifä ift wa^rpaftig eine
©peife/' £)ie ©neu fagen: „Durus sermo! 2ßer fann baö an*
227
Ijören?" nnb fte ge^en bavon* £)te §lnbern fagen: „£err, ba$
ftrtb Sorte beä ewigen SebenS: wir begreifen ba$/' — 3ft baS
nidjt wnnberbar? — ©er % 3o£anne$ f treibt: Charissimi nunc
filii Dei sumus: et nondum apparuit, quid erimus. Seimus
quoniam cum apparuerit, similes ei erimus: quoniam vide-
bimus eum sicuti est. Et omnis qui habet hanc spem in eo,
sanetifieat se, sicut et Iile sanetus est. (1 Jo. 3, 2 — 3.)
Senn alfo 3emanb bie £eilignng (einer ©eele veruacfyläfftgt, fo
ift e$ offenbar ntc^tö mit feiner vermeintlichen Hoffnung onf bie
fetige ©ottanf^annng, bie bann ein Sing ber Unmöglichkeit
wirb wegen Mangels ber fittlidjen ®ottä£nlici)feit, welche
na$ ber 2lbftd)t ©otteS erft nnfer Singe ftärfen, gleic^fam bewaff*
nen fotf* 9D?erfwürbiger Slnefprnd): „Sir werben ©ott tynlity
fein, weil wir 3#n feljen, xcit dx ifi," nnb nmgefejjrt: „Sir wer*
ben 3£" fe^en, wie (£r ift, wenn nnb weil wir^ljm äfmlid) ftnb!"
— könnte man ni$t andj au$ biefen Sorten be$ % Styoftetö
ben ©$lu£ ite^en, baf? bie Grrfenntnif} ©otteg nnb bie Slepnttc^feit
mit 3j)m immer nnb überall in wecfyfetfeitiger S3ejie^nng jit ein*
anber ftnb, nnb in biefem toie im jnfünftigen Seben gleiten ©c^ntteö
gelten? 5Dajj folglich berjenige, ber — anä) in biefem £eben —
von bem lieben ©ott gar ni$t$ begreift, nichts ftel)t, ntd^tö empftn*
bet nnb nichts apnt von ben göttlichen nnb fummlif^en Dingen
be6 ©lanbenS — bafj ein folcf?er woijl ni$t viele, fagen wir
beffer: gar feine — ftttticfje $el)nlicl)feit mit ©ott J)aben muffe?
— Unb wirf lief) gibt eS berartige, in ifjrer eigentlichen 9Äen*
fc^enwürbe verfommene 2ente, bie, mit ben Singen be$ d)riftlt$en
©tanbenö betrautet, iljr ganjeä Seben anf (Srben ein redjt armfeli*
geö ©afein l)aben; fte ftnb nnb wollen ni$t$ anbereS fein als
materialiftifc^e 9iatttrmenf$en, bie ft$ gewölwli$ allen Sftegnngen
nnb 23egierben, alten niebrigen Neigungen nnb verbotenen Sei*
benfe^affen, mc fte in ber gefallenen 9latnr wnrjetn nnb fyroffen,
freiwillig Eingeben, nnb jieben ©ebanfen an ba$ Ueber finnige, an
ifjre ©eele, an ©ott vermeiben, foviet fte fönnen« 3Son tynen fagt
Snbwig von ©ranaba in einer £omitte: Misera profecto anima,
quae cum omnia videat, se ipsam non videt: cum externa
omnia sentiat, se ipsam non sentit: cum omnia curet, se
ipsam negligit: cum Omnibus vacet, sibi non vacat: cum om-
15*
228
Dibus prospiciat, sibi non prospicit: cum ad omnia spatium,
opportunitatemque inveniat, uni tantura virtutis studio (cui
caetera deser.vire debuissent) non invenit. — 25iefe, gan$
ergoffen unt> tterfenft in bte äugere ©innenweit, wiffen *>on bem,
wa$ im Snnern iprer ©eele ttorgeljt, fo wenig, bafi man ftcfj
ni$t ju wunbem brauet, wenn fte gar ju zweifeln Beginnen,
ob fte au$ wirflicfc eine ©eele O ^ eine nnfterblidje 9tten*
fc^enfeele wie bie Slnbern) Ratten?! — ©er jweite 3 weifet ift
bann, ob e$ überhaupt mit Willem fo fei, xoie uns ber <$riftlicfje
©laube son ©ott fagt? @ie feljen nämli# immer weniger, weil
ba$ Jperj — ba$ Sluge ber ©eele — ni$t rein unb flar ift* 3n
einem reinen £er$en fönnen fold)e ftnnlofe Bwetfel nicfyt auffom*
men, weil fte ba in iljrer grunblofen £porl)eit erfannt unb »erachtet
werben* Unb xvtö ein ungläubiges £er$ oft fo gern für „wiffen*
fc^aftttd^e ©djwtertgfeit" Ijält, unb bem Sßerftanbe als foldje auf*
jubürben ftdf) 9D?ü£e gibt: barüber la#t bie $rifili$e Einfalt, unb
nennt eS „gegen allen 2lugenf$ein"* £)a$ ©epeimniß, warum biefe
feljen, wäl?renb jene träumen, i\t uns tterftänblidfj* &in reines
£er$ wirb erforbert, um ©ott unb ©öttlic&eö ju feigen unb ju t>er*
fielen , xoic ber % 35ater Sluguftin fagt bei Erklärung ber SBorte
be$ £erm in ber SSergprebigt: „Beati mundo corde, quoniam
ipsi Deum videbunt; Matth. 5: Quam stulti ergo sunt, qui
Deum istis exterioribus oculis quaerunt, cum corde videatur,
sicut alibi scriptum est: „Et in simplicitate cordis quaerite
Ulum." Hoc est enim mundum cor, quod est simplex cor.
— ©aper alfo rührte jenes übernatürliche £i$t in bem einfältigen
Sßerftanbe fo mancher ungeteilten Diener ©otteS, jene eingeflößte
SEBeiöpett in $riftlid)en Seljren unb ©itten, jene oft fo tiefftnnigen
2luefprüdje unb Erörterungen über ©$riftftelfen unb ©laubenö*
fünfte, weldje fte nie ftubirt, ja bie fte, wegen iljrer natürlichen
SBefdjränftljeit, au# unter ben gefc^idtejien SWeiftem wijfenffyaftlicty
niemals Ratten erfaffen fönnetu 2ln Solchen fanb bann bie SBelt
ml 5U bewunbern, nid&t wijfenb, wol?er ba$ fomme, weil fte nidjt
t>erftet>t, ni$t einmal meljr gebenft, unb nod^ weniger glaubt an
baö ewig wapre SQBort 3e(u Sljrifii: „Selig, bie reinen £erjenä
ftnb, benn fte werben ©ott flauen!" — ES lebe 3efu$! £>l)ne
ftttlidje 9ta$al)mung ber aSollfommenpeiten ©otteS gibt eö feine
229
rechte ©rfenntnif, hin waljreS, IjetlfameS 2Bijfen *>on ©Ott unb
göttlichen Singen. — „Der % £>ibacu$ war nur ein Saienbruber
unb Ijatte nic^tö ftubirt; aber mnn er $on ©Ott bem Jperrn rebete,
jeigte er fo großen SSerfianb unb Söeiöpeit, baf?, wer tfjn an*
£örte, genug ju gebenfen patte ♦ ♦ ♦ Dr. Subwig von (£uenca gab
iljm 3eugni§, ba£ er in f^weren Steffen ber % ©d&rift, in wef*
c$en er ju Seiten anftunbe, wn biefem ©ruber eine beffere 2Ius*
legung gehabt, als er gefunben ju ©aiamanca ober faxi$ f ober
au$ auf einer anbern Untoerfttät, aflwo ft$ laffen ftnben bie atter*
fürtreffli^ften £>octoreS: fetner Ijafee iljm fo fönnen genügten, als
wie biefer Saienbruber." @o erjagt bie alte granci$caner$ronif
wn 1691.
19. CStgenfc^aften be$ $riftlic$en SBiffett*.
§8on ber $rtfili$en 9Q3ijfenf$aft unb wahren SQBetöBett na$
bem ©eifte beö (EoangeliumS Ijaben un$ bie £1. Slpojiel x>tele benf*
würbige Sßorte fcfcriftlid) pinterlaffeit* Sie folgenben t>on SacobuS
unb 3ol)anneg ftnb woljl würbig, son ©tubirenben oft be^er^iget
unb betrautet gu werben. 3 werft will eö nt$t [feinen, bafj bie
rechte, jum £eile bienlic^e SBtffenfdjaft allein bur$ menfc^lic^e
33etriebfamfeit ftdj erwerben lajfe, benn ber frt. 3acobuö verlangt
wx allen £>ingen, baß wir un$ beßwegen in glauben$t>olfem 23er*
trauen betenb an ©Ott ben $cxxn wenben. Qac. 1, 5—6/)
3 weitend folt nur ber „tugenb^afte SBanbel", befonberS Demutlj
unb ©anftmutl), als $8cmi$ für bie erlangte 3Q3etSl)ett gelten.
Ouod si zelum amarum habetis, et contentiones sint in cor-
dibus vestris: nolite gloriari et mendaces esse adversus
veritatem. Non est enim ista sapientia desursum descendens;
sed terrena, animalis, diabolica. 2)enn wo 9leib unb 3<wff u $t
tft, ba fi'nbet ftdj Unbeftänbigfeit (im ©uten), unb barna# batb
„jebeS *>erfe£rte SBerf". — £)a$ SÖijfen alfo, welches ni$t *>om
Fimmel iß, fann fein 1) irbifdj, 2) ftnnlicJj unb tJjierifd?, 3J teuf*
lifö; baö erftere wäre gleichgültig, ba$ jweite gefä£rti$, baS britte
gottlob bejüglicf) ber wahren „SOSeie^eit wn oben", bie alle £ugen*
ben in iljrem ©efolge l)at; fte ift nämlid): pudica, paeifica, mo-
desta, suadibilis, bonis consentiens, plena misericordia et
230
fructibus bonis , non judicans , sine simulatione. (Jac. 3,
13—17.) man fte£t wo£l, bag ein folc^er SOßeifer für ft$ felbji
im 33eftge t>on gteid&fam a#t ©etigfeiten wäre, inbem er aU ein
33aum ber ©erecf)tigfeit au$ für Rubere bie grüc&te beö griebeng
trüge. gürwatjr, 9ttan$er, ber ft$ redfjt weife unb gelehrt glaubt,
würbe balb ju einer bef^eibenern Meinung $on feinem SSijfen ge*
langen, wenn er bemfelben obigen apoftolifdjen 9ttagfiab anlegte,
©er Ijt. 3oljanne3 fagt: In hoc scimus, quoniara cognovi-
mus eum, si mandata ejus (Christi) observemus. Oui dicit
se nosse eum, et mandata ejus non custodit, mendax est, et
in hoc veritas non est. (1 Jo. 2, 3 — 4.) 2l(fo nid)t fjofie
©ebanfen unb 9?eben beg ©efeljrten, unb au$ ntd&t bie frommen
Sinftc^ten unb anbäcfjtigen ©efüljte be$ Stöceten fönnen beweifen,
bafj beibe im 33eft§e ber rechten SBeiöljeit ftnb: non enim est
regnum Dei in sermone, sed in virtute, f>at ber £!♦ $5aulu£
gefagt. £)a^ ©ebet unb bie £ugenbübungen ftnb bemna$
tntegrirenbe Steile im ©tubium ber (^rifttic^en SBtjfenfdjaft %i$*
bann erhält ba$ menfcfjlid) Erworbene feine wei£enbe 3ugabe *>on
ber innern Salbung unb ©nabe be$ % ©eifteö, wot>on ^anneö
fagt: Sed vos unctionem habetis a Sancto, et nostis omnia
...Et non necesse habetis, ut aliquis doceat vos; sed sicut
unctio ejus docet vos de Omnibus, et verum est, et non est
mendacium. (1 Jo. 2, 20 unb 27.) £)a$ ift atlerbingö nifyt fo
ju »erftetjen, aU fönue jieber fatpolifc^e (Sfmft, ber biefe Salbung
empfangen j)at, mit i|>r atfein aüe £>inge unb SÖafjrfjeiten au$
wijfenfd)aftlic& erörtern; wofjt aber wirb er baS ©ute son bem
23öfen, baS 33effere fcon bem ©uten, baS 9M§lid)e son bem ©feic^
gültigen u. f. w. in feiner moralifcfien 23ebeutung richtig erfennen,
Reiben unb auswählen, \t nafy ber £öl)ern ober niebrtgern ©teile,
wel$e bemfelben gebührt in ber Drbnung jum ewigen Seben. £)er
im ©uten einmal befeftigte 2ÖiKe ma$t Ui folgen ©elegen^eiten
eine gewifle inftinftc$nli$e Bewegung — aut pro, aut contra —
von ber er ftcfy feine Stecfienfdjaft geben fanu, bereu Urheber ber
% ©eift felber ifh „Quia charitas Dei diffusa est in cordibus
nostris per Spiritum sanctum, qui datus est nobis." SDaS ift
alfo jiene 2ßeie|ieit f bie ber 2Bijfenfc|>aft beS d)rijHi#en ©eleljrten
bie Ärone auffegen foll. £ier foll er, unb fei er au$ no$ fo
231
gelehrt, auf Seite ber bemütfugcn kleinen fielen, für beren 2Bei«*
£eit unb ©rfenntnig @l)riftu« unfer £err ©einem l)immtif$en
23ater eigen« gebanft Ijat. — D ©Ott, welche fofibare ©abe tjl
bo$ biefe innere Salbung ©eine« f>L ©eifte«, unb tt)te foßten wir
ni$t au« alten Gräften unb gäljigfeiten unferer ©eele nad& ber*
fet6en verlangen, feufjen unb ftreben! 9?un ijl aber ber tugenb*
pafte SÖanbel in ©otte« ©egenwart unb ba« au« einem heftigen
Verlangen wie tton fetbfi entfartngenbe ©eufjergebet ba« erfte unb
notljwenbigfte Mittel jur Erlangung biefer ©nabe* 2Öem biefe«
jur ^eiligen ©ewojmljeit geworben ift, bem wirb ber % ©eift audj)
fceifie^en in Slffem, wa« er rebet unb tfmt, mit anbern Sßorten:
er l)at f#on, unb empfangt nadf) 9tta£gabe feiner £reue täglich
mel)r jene ©albung, son ber an obiger ©teile be« Slpoftel« bie
Diebe war. ©efobt fei 3efu« Sljriftu«!
20. ©ebutb in Sllletm
1. Vae mihi super contritione mea, pessima plagamea!
2öef>e, welje, i$ Un verloren, i$ fann'« nidfjt meljr aushalten,
mein $reuj ift fürwahr ba« alterf^werjle! @o ruft ber $ro*
p?et (3erem* 10, 1&) in ber ^Jerfon be« Ungebulbigen; aber
Döre, xt>a^ er im fefbigen SSerfe beifügt: Ego autem dixi: Plane
haec infirmitas mea est, et portabo illam. din Ijerrttc&e« SBort
ber ©ebulb! — ,,£)od) min, will ity ju mir felbft fagen, tdg> über*
treibe e«, meine ©cf>wa$e, meine große ®$wäcf?e an ©etfi
ober Jperj ober Körper ober an allen $ugleid& ift Urfad&e fotc&er
ungebulbigen 9?eben; e« ift fa mein ^reuj — wk benn 3eber
ba« feinige £at unb Ijaben fotl — unb tdj will e« tragen in füllet
©ebulb/' — ©ieije, meine ©eele, mc ein ungebulbiger ©c^rei ber
9?atur *>on bem fanften unb ergebenen SBorte ber ©nabe über*
wunben wirb: ift ba« nid^t fc^ön? ©o gelje benn, unb t£ue au#
bu be«gleicf)em
2* Wux ©ebutb, e« bauert fa nityt tauge, unb bie auf (£rben
au«geftreute ©aat ber Seiben mac^t un« ewig ju fröjjlid&en ©d&mt*
tern* ©ielje einmal, tt>ie ml ber Ijl* ^autu« au«ge(ianben (2 Sor*
IL); unb 2löe« jufammeu, unb mi er no$ möglicfyetweife jjätte
tetben fönnen, nennt er ein „modicum tribulationis", ba« gar
232
feinen 35ergtei$ auöljalte mit Jenem ewigen Sofme, ber un$ Jrintev*
legt tjh — Ad punctum et in modico dereliqui te, et in mi-
serationibus magnis congregabo te. In momento indignationis
abscondi faciem meam parumper a te, et in misericordia
sempiterna misertus sum tui; dixit Redernptor tuus Dominus.
(Is. 54, 7—8.) Äann eö für eine traurige unb vielgeprüfte ©eele
etwas £roftt>otlereS geben, als biefe SBorte, bie ber £!♦ ©eift @ot*
teö f$on vor mehreren taufenb 3at)ren bur# ben 9ftunb ©eineö
spropljeten im tarnen be$ (£rlöfer£ ausgeflogen? @$ lebe 3e*
fu$ @{)riftu£! 2Ba$ ift aud) Sltfeö, waö wir tlnm unb leiben fön*
nen beS ewigen £eiteg wegen? (£$ ift wa^rlic^ mc|)tö unb ber
Siebe unwert^ SOBenn aucfi ber 3D?enf$ alT ba$ ©einige unb ftcf>
felbfi Eingibt für bie Siebe, für bie ©nabe unb greunbfcfyaft Gtyrifti:
er wirb e$ — im regten Sichte betrachtet — für eitel -KicfytS fyaU
tetü D ©ebulb, o £(♦ £ugenb ber ©ebutb, o miftfannte 33raut
be$ freujtragenben 3efuS, tt>ic wenig begreifen bie ?D?enf$en auf
(£rben beinen fjol?en SBerti)! — 2Ber aber pier im 2Be$fel ber
Seitlichen Singe mit Dir feine (Seele befi^t, ber foll fie au$ ewig
in ber greube beö JpimmelS beftgen, fprid?t bie ewige 2Ba!jr*
$eft felbfh
3. Tristatur aliquis vestrum? oret: aequo animo est?
psallat. (Jac. 5, 13.) @iner ber fürjeften 2eljrfprücf>e bes %
3acobu3, aber von gewaltig großer SBebeutfamfeit* $mi 3«ftänbe
beö innem unb geiftigen SWenfdjen : %mi £)inge ju tl)un: entweber
litten unb beten, ober banfen unb fingen. Sitte *Pfltcfjten be$ geift*
liefen £eben$ in 33ejug auf eigene Heiligung unb 23ottfommeni)eit
ftnb barin begriffen. (&i ift bie£ nad) bem Sluöbrucfe beS 3faias
ein „verbum abbreviatum, quod fecerit Dominus super terram."
(£$ lebe 3efu$: (£r wolle unS Reifen, eS in Slnwenbung ju brin*
gen! 3« ber 2Be$feIbewegung jwif^en 2eib unb £roft, ginfiernif?
unb £id)t, $ampf unb ^rieben befielt na$ bem % (ütljr^foftomus
ba$ Seben ber ©erec^ten Jjienieben, „quos neque tribulationes
neque jueunditates sinit (Deus) habere continuas : sed tum
de adversis, tum ex prosperis justorum vitam quasi admira-
bili varietate contexit," xotö ber ^eilige an bem 9Mf)roater
e^rifti, bem % 3ofep$, jetgt (J&om. 8. in Matth.)
4 4 (£3 gibt eine gute unb eine böfe £raurigfeit: e frueti-
233
bus ejus cognoscetis eam. iDer Slpojiet fagt: Ouae enim se-
cundum Deum trisiilia est, poenitentiara in salutem stabilem
operatur: saeculi auteru tristitia mortem operatur. (2 Cor.
7, 10.) Sltfo feiertet £raurtgfeit unb tpre verriebene SBirfung*
Äetne SOSiffenfc^aft unb ©peculation geljt oljne unb über bie dt*
faljrung* güljrt btdp beine £raurigfeit jur 33uße unb befiänbigen
23efTerung , fo erfenne in i£r ben 2öinf beg lieben ©otteö, ber bir
beine geljter verweifet, unb wie ein guter SSater fein Äinb be*
ftraft, um e$ von (einen gestern ju feilen ; fü^rt bi$ beine Trauer
hingegen jur Vergrößerung unb Vervielfältigung beiner geiler unb
Unvollfommenljeiten, unb treibt fte bi$ ftarf baju an, hei ben @e*
fcfyöpfen finnigen £rojl unb ©enügen ju fuc^en — bann erfenne
bie „tristitia saeculi, quae mortem operatur," wiberfie^e ber
Verfügung auö allen Gräften, wenn bu nicjjt julegt gar ein ©flave
beö melan$olifd)en ©eifteö werben witfft*
5. Ouoniam si reprehenderit nos cor nostrum; major
est Deus corde nostro, et novit omnia. Charissimi si cor
nostrum non reprehenderit nos, fiduciam habemus ad Deum.
(1 Jo. 3, 20—21.) ©ntweber ftraft unö unfer ©ewiffen wegen
begangener geiler, ober e£ lobt un£, baß wir gut gel)anbett £aben;
in beiben gätlen ift ber 9iafy be3 2lpoftef3 berfelbe, nämlidj: feft*
fielen im Vertrauen auf ©otteä unenbltcfje (Erbarmung unb ©üte,
weldjeö wir in un$ erweden ober bewahren fotten* £)iefe$ Ver*
trauen, ba$ er in einem galfe aU fc^on vorjjanben nennt, „fidu-
ciam habemus ad Deum," flößt er im anbern galle no$ gewal*
tiger ein, obfdjon er bem SQBorttaute nad) bavon fcfjweigt @S
verfielt ft$ von felbfl, baß l;ier nid^t 9?ebe ift von SEobfünben unb
freiwilligen läßlichen ©ünben, von benen ft$ bie ©eele im 35uß*
facramente ju reinigen £at, fonbern von gestern unb Unvollfom*
menbeiten, voie fte ber menfdjti^en ©rbärmli^feit aufleben, unb
welche bie Seele eigentlich ni$t verwunben, wotyt aber in eine
gebrüdte, bem geiftticfyen gortfcJjritte äußerft f$äbfid)e Stimmung
verfemen fönneiu ©iefe ©eelenfranfpeit will ber Styoftel feilen
burd) j[enen wunberfamen Sluöbrucf: Major est Deus corde nostro,
et novit omnia. greili$ i[t ber gute ©Ott in allen ©einen gött*
liefen Slttribnten „größer aU unfer £er$," waä wir audj immer
in bemfelben empftnben mögen* £)a$ SQSort ergebt un$ hei über*
234
mäfjiger Trauer: ba£ 2Bort mäßigt \m$ bei übermäßigem SCrojh
di ift jeboc^ befonberS im erftetn gaöe tt)ie etn ftarfer ©$tag
auf bie große ©turmglode be$ geifttid)en CebenS, bei bereu £one
bie furcbtfamen ©eelen ftd) ermannen, unb atte teufet ber (Eng*
Ijerjigfeit, be3 SDttgtrauenö f ber ^(einmütfngfeit uub $8er$weifhtng
t>on ber Belagerung abtafjen uub jiä!)lingg bie Sfucbt ergreifen*
So lebe 3efuö! <&$ lebe 3efu$! s JD?etu ^>erj ift Hein uub x>er^
jagt uub elenbig über bie 9D?aßen: aber groß ift ©Ott ber £err
uub überaus rei$ an (Erbarmung uub 9)?übe*
21. 2)a6 Stufen nad) ber ©nabe*
©otl bie ©nabe fomtnen, fo muß ber naef) i£r ttertangenbe
2)?enf$ nicfyt nur mit beut SWunbe, fonbern mit feinem ganjen
2Befen naefj i£r rufen* Appropinquate Deo, et appropinquabit
vobis. (Jac. 4, 8.) Sern aufrichtigen Streben ju ©ott fommt
biefer attjeit in großartigfter £erablajfung entgegen: wenn wir
mutfug je^n ©tufen £u 31)m hinauf jufteigeu un$ bemühen , fteigt
(Er fofort Jmnbert su unö tjerab* 2>ie erften ©dritte auf bem
Sßege ber „2lnnäl)erung ju ©Ott" gef^efjen bur$ unfere (Entfer*
nung *>on ben ©egenftänben ber ©ünbe unb ber ©mnti$feit* Si
habet animus unde delectetur exterius, sine deliciis manet
interius, fagt ber $L 2luguftin, unb roieberum: Caetera creatura
vilescat, ut Creator in corde dulcescat; unb nod) an einem
anbern Drte: Nulla earo exultat in Deo, quae vivit in vitiis.
©er Styoftel fäljrt fort: Emundate manus, peccatores: et puri-
ficate corda, duplices animo. ©ielje bie (Entfernung t)on fünb*
haften SOSerfen unb fmnti^en Stn^ängti^feiten! %&enn ba$ äußere
2Berf ber £änbe fotro^t aU bie innere Meinung be$ JperjenS
einfach, rein unb gut ift: bann bejlefjt auf unferer ©eite fein
ipinberniß, baß wir ©ott na£en, unb ©Ott lnmtneber ua|>et ©id)
me£r unb mefjr ju unS in öfterer ©naben£etmfu$img* — Miseri
estote, et lugete, et plorate: risus vester in luctum conver-
tatur, et gaudium in raoerorem. Humiliamini in conspectu
Domini, et exaltabit vos. (Jac. 4, 9—10.) D bie ^eilige De-
mutp, bie ©elbfterfenntniß uub djriftlidje 23ußtrauer — fte ftnb
ber einzige 28eg ju j[eber ©nabe, tt>eߣalb fte unS audj, nadj bem
235
2tu$brucfe eineö £!♦ Äir#enoater6 , gfeidjfam auf jeber ©eite ber
% ®$rift in (Erinnerung gebracht werben. 2Ber in ber täglichen
Hebung biefer £ugenben jemals nachläßt ober ben $iuttj vertiert,
ber fiept auf feinem 2Bege ju ©Ott — in bem Streben na$ 33er*
einigung mit ©ott — ftifle , unb Jjier iji ©titfefteljen 3?ücfwartg*
ge£en, unb fo t>er£i$tet ber $D?enf# auf ben 23eft§ ber *>oflfommenen
Siebe, wo$u tyn ©Ott xrietfetd&t berufen fjatte ! — ©e£r ermutljigenb
ftnb Ijier bie SBorte beö $rop£eten 3faiaö ; Quia haec dicit Ex-
celsus, et sublimis habitans aeternitatem: et sanctum nomen
ejus in excelso, et in sancto habitans, et cum contrito et
humili spiritu: ut vivificet spiritum humilium, et vivificet cor
contritorum. (Is. 57, 15.) Der atterfwdjfte £err unb ©Ott
$immtH unb ber (£rbe, ber in ben £öf>en bie ©wigfeit bewohnt,
— woljnt auf (£rben nic^t nur in ber ©eele be£ ^eiligen, fonbern
aucf) — wer fottte e$ glauben? — in bem jerfnirföteu unb ge*
bemüßigten ©etfte beö belehrten ©ünberf, baß (5r feinen Serjknb
erfeu^te unb fein Jperj erwärme unb ba$ ganje SBefen fetner
©eele mit neuer Sebenefraft aueftatte. 33eibe jugteidj, ben fettigen
unb ben Demütigen, paben jene brei Jünglinge im geuerofen ju
SSabpton (Dan* 3.) jum greife ©otteg aufgeforbert unb fte in
iljrem Ijerrlidjen Sobgefange nebeneinanber gefegt: Benedicite
Sancti et humiles corde Domino : laudate et superexaltate
eum in saecula! — 303er alfo nod? fein Sanctus fein fann, ber
fott wenigftenä ein humilis corde ju fein emfttid) trauten, unb
fo wirb au$ er jum Sobe ©otteS mit ben ^eiligen tauglich* ®e*
lobt fei 3efuö Simjhtf!
22* DaS befte SWerfmat be$ guten ©eifle^
In hoc cognoscitur Spiritus Dei: omnis Spiritus qui
confitetur Jesum Christum in carne venisse, ex Deo est (b* ^
wenn er biefe @(aubene(el)re befennt mit aßen tfjren Urfa^en unb
Sonfequenjen). Et omnis spiritus qui solvit Jesum, ex Deo
non est. (1 Jo. 4, 2 — 3.)
1* 3n bem offenliegenben SQßortfinne unfereS £exte$ Witt ber
Sipofiel fagen, baß, wer bie Stnfunft Sljrifti täugne, t>on ©ott ent*
femt fein muffe; baß ein foW)er bann <xnfy wenig ober ni$t$
236
t>on @ott unb göttlichen fingen wiffen fönne; benn oljne Sfmjluö
gab ei für uns na$ ber ©ünbe feinen 3ugang me£r ju @ott
wegen ber bajwifc^en getretenen ©d)eibewanb: „peccata vestra
diviserunt inter vos et Deum vestrum" rnft ein ^Jrop^et; ba
®ott bie ©ünbe unb ben ©ünber — biefen freiließ nur, tnfofew
er Ijartnäcfig nnb unbufjfertig ift nnb ©ünber bleiben will —
unenblt(|) Raffet unb verabfcfjeut , unb £af? unb Zielt tttc^t jufam*
men befielen fönnen* 5ftun aber ift bie ©nabe ber (£rfenntnijj
beS @öttli$en, bie 2Bei31)eit — sapientia, quasi sapida scien-
tia — eine von ben ©iebengaben be£ % ©eifteS, allein ber Ziehe
vorbehalten, bie au$ ber 2le#nlt$feit Ijervorgefjt, wef$alb 3o£anne3
früher (agte: 2Bir werben ©Ott fefien unb erfennen, wie dx ift;
benn wir werben 3#m ctynlid? fein* Unb ba biefe Ziehe bur# bie
©ünbe auf (£rben erlogen war, barum fonnte aud) bie (Srfennt*
nifj ©otteS nur abnehmen unter ben 9D?enf$en, unb Würbe jule^t
ganj verfcfywunben fein, wenn nidjt 3efu$ GtlmßuS gelommen wäre,
um, wie (Sr felber fagte, ein neues $euer ©einer (£rfenntni§ unb
Siebe auf (£rben anjujünben: „ignem veni miltere in terram, et
quid volo nisi ut accendatur?" — ©elobt unb gebenebeit fei
alfo %e\u$ S^riftuö, ber ©o^n ©otteS, unfer £err unb (£rlöfer,
buretj Den eö unS gegeben ift, in ©Ott unfern ©djöpfer unb SSater
Wieber $u erfennen unb ju lieben!
2* 2)ie SBorte: omnis spiritus, qui solvit Jesum etc. ent*
galten aber aufjerbem no# eine für baS geijlli$e Seben £ö$ft toify
tige 2e£re* SQßenn nämtict) bein 3efu$ (b* u bein Men in unb
für 3efuö) loö, frei, ungebunben, ofme natürliche (Sinfcfyränfung
ift, unb e8 bir bennod) fo re$t fcfjeint — bann fürdjte nur Sift
unb S3etrug von ©eite beö Söfen unb beiner eigenen ©innlic&f ett ;
benn alle frommen ©ebanfen unb ©efü^le, aüe geift(i#en £röftun*
gen unb Srfenntniffe , bie ba feinen Slnftanb nehmen, jugleicJj au#
ben natürlichen 9ttenf$en aufrieben ju pellen, ben niebrigen ober
gar verbotenen unb fünbf)aften Neigungen be£ §teif$e$ unb ber
©inne ©enügfamfeit ju verfd&affen — bie ftnb fe£r verbäd&tig*
SefuS wirb in ©einer anbetungöwürbigen s J5erfon gebunben unb
geföunben an'ö Äreuj^olj geheftet! 3efu8 wirb von ben 9D?enfdjen
vertut unb gefdjlagen, befpieen unb verwandt! 3efu$ ift in
Slrmutlj unb 9J?üf>e, in Seib unb Srübfal von 3nnen unb Stufen;
237
dt ift tebenb unb jierbenb ein „Schmer jenmann'', wie 3t)n ber
^Jrop^et bejei^net ^atte; unb biefeg ©epräge mu§ jeber gute ©eift
(©eifteSgabe unb ©nabe im djriftlidjen Seben) mefjr ober weni*
ger an ftd) tragen, um baS Vertrauen eines wa^rpaft frommen
Sttenföen ju tterbtenen: au# ber m^ftif^e 3efu$ foll ntc^t frei
fein *>on jeglichem ?eib, ntc^t loSgebunben von bem Äteuje ber 2lb*
töbtung: grunbloä ift unfere Hoffnung auf ewige ©eligfeit frei bem
33er£errli$ten, ofme einen 3«g irbif^er ©leicfjförmigfeit mit bem
Ceibenbem ©aS ift bie ^3rebigt ber Styoftel, iai ift ba£ Mutige
3eugnt£ ber 9D?artyrer, baS ift £e£re unb 33eifpiel aller Seifigen.
(£$ ift ni#t genug, ben gläubigen £riumptjgefang anheben: 3e*
fu$ ifi für unä im gleifdje erfeftfenen: benedictus, qui venit in
nomine Domini: wir glauben an^ljn! Sfain, baS ift ntc^t genug;
e$ feljlt, baj} and) wir na$ ©einem 23etfpiele im §teifcf)e xoan*
beln, benn „sicut portavimus imaginem terrestris, ita et ima-
ginem portabimus coelestis." „(Juclj warb oerlieljen, fcfjreibt
ber Styoftel ben ^jntippern , ni^t nur an @£riftum ju glauben,
fonbern au$ für 3^n ju leiben/' — £ier *>erfte£t man meljr, aU
man mit ber 3unge auöfared&en fann, unb man fagt ftd) gern in
ben einfachen 2lu£brucf beS % 3ol)anne$: quoniam omnis Spiri-
tus qui solvit Jesum, ex Deo non est. ©er ©eift, ber einen
©c&ityfer o|me einen ©rlöfer ju fennen vorgibt — ber i[t nidjt auS
©Ott! ©er ©eift, ber im (Soangelium bie ©ogmen glaubt unb
bie Wtoxat ni$t übt — ber ift nic&t au« ©Ott! ©er ©eift, ber
3efum ben 2el)rer bewunbert, unb Sefum ben ©ulber nidjt nad&afmtt
— ber ift m$t au« ©Ott! ©er ©eift, ber bei $efu bleibt, wenn
(£r frei gen Fimmel fcüjrt, unb 3fw vertagt, wenn (ix gebunben
an ber ©eifjelfäule jieljt — ber ift ni$t au« ©Ott! ©er ©eift,
ber ba nur fro^lodt über ba$ offene Himmelreich, unb nic^t trauert
beim 2lnbenfen an ben gejagten Kaufpreis — ber ift nidjt auö
©Ott! — Unb bie ©eifteSrid&tung , bie ju einem unabgeftorbenen,
finnlid) gemächlichen unb bennoety frommen Ceben führen will —
bie ift waljrljaftig nifyt von ©Ott ausgegangen, unb wirb no$
x>tet weniger $u ©Ott Einleiten: „Caro nos laeta traxit in cul-
pam, fagt ber % ©regor, caro afflieta reducat ad veniam."
— ©er waljre ©laubige ß^rifti foll alfo aufmerffam unb forgfäl*
tig über ben ©eift wachen unb feinen Urfprung prüfen, fei eS,
238
bog er grteben, ober £roft, ober Stellt, ober waö immer für eine
®aU, unb unter wa$ immer für Umfiänben er unö foldje mitbringe*
„prüfet bie ©eifter, ob fte au$ ©Ott finb!" £)aS ift eine SBeifung für
jeben Sfmftenmenf^en; benn bie ©eifter, wovon Ijier bie Sftebe ift,
fommen an einen 3eben l)eran, ja fleigen auö bem franfen £erjen
eines 3eben herauf* £)ag ©efagte war alfo feine bloße fföfterltdje
Slöcetenle^re , eS ift x>telme^r ein $unft für bie allgemeine c§rifN
Itd^e Sittenlehre: nicfyt nur bie Jpeiligfeit — au# ba$ £ei(
Ijängt baran!
23, Der 8opnfnecf>t unb baö Äinb beö JpaufeS*
3n ber £aue£altung ©otteS gibt eS, wie bei ben 9ttenf$en
auf (Srben, Anette unb Äinber. £>tefe beiben ermatten unb tljun
jebeS iljr £agwerf in ganj verriebener SQSeife unb Meinung* ©em
$ne$te wirb gefaßt: Änecfct, tlju mir bie{? SBerf! unb er tljut eS,
unb fürchtet ftd) vor ©träfe, wenn er e$ unterliege* ®o waren
bie 3uben im alten 23unbe ©Ott gegenüber* — £)em $inbe fagt
ber £err ni$t: tlju mir baö! fonbern: gib mir, mein ©opn, bein
£erj! — unb ba$ Äinb blieft jum 3Sater auf, fte£t ifmt an ben
klugen ab, toai er gern Ijätte, unb tfmt e£ mit greuben* „Praebe,
fili mi, cor tuum mihi!" ©o gib 3£m bein £erj benn au$,
unb bu bleibeft im SBeftge beö griebenö ber Äinber, unb braudjfi
bid) nic^t me£r ju für^ten , Weber vor 3£m, no$ vor 3emanben,
Weber vor bem SEeufel, no$ vor bir felbfl unb beiner eigenen
©cf?wa$ljett , noct) au$ vor böfen Wienern, iljren Söerfen unb
i£ren 3ungen* £>a3 #erj geben £ei§t aber ni$t$ anberes aU
lieben* „Timor non est in charitate; sed perfecta charitas
foras mittit timorem; quoniam timor poenam habet, qui
autem timet, non est perfectus in charitate. (1 Jo. 4, 18.)
©er ßofmfneci)t £ei£t alfo timor, unb ba$ ^inb be$ £aufe$ wirb
charitas genannt* — @o lange bu bicf> beträgjl in SÖorten unb
Sßerfen mc ein Cofmfnedjt, fo lange bift bu no$ ni$t ein $mb
beä väterlichen £aufeö; man ftept e6 bir an in Sllfem, waö bu
tljuft unb rebeft, wo bu gel)ft unb fteljft* Perfecta charitas foras
mittit timorem — ift e$ nidjt, alö wenn ber Slpoftet fagte: wenn
ba$ Äinb grofj genug ift, bann wirb ber Äued)t entlaffen? unb
239
warum wirb er enttaffen? %m einem eigentümlichen ©runbe:
quoniam timor poenam habet. — 2lug tiefer Geologie beö f)L
SlpofteB fcf?eint mir beutlici) Ijeworjuge^en \ ba§ alle gurcfyt unb
$ein im innern geifHidjen Zehen (wie im S^riftent^ume überhaupt)
unt> alle £)rangfale ttnb 33ebrüdungen unb Äreuje, bie wir fo
gern unerträglich nennen — bafj bteß Sltteä *>on irgenb einem
Mangel an Siebe £errü£rt, na$ bem frönen Slugfprucfye be$ £L
Sluguftin: Ubi amatur, non laboratur, aut labor amatur. ©er
unenblid? gütige unb aßbarmf>erjige ©Ott fann ja in unfern Seiben
unb £rübfeligfetten an unb für ftcfc unb infofern fte uns empftnb*
M) ftnb, fein SBoljlgefatlen Ijaben, ebenfo wenig, aU 3£m bie
£aufenbe fcon gefeuchteten D$fen unb ©djafen bei ben alten
3uben gefallen fonnten ofme bie @efül)le beö @el)orfam$, ber Zieht
unb 2)anfbarfeit in ben Dpfernben, unb t>or Mem o^ne ben £in*
blief auf baö einige blutige Dpfer be6 (Srlöferg, von bem jene
nur ein tobtet SBorbilb waren, unb mit bem vereinigt allein fte
23ebeutfamfeit unb Sßertp l)aben fonnten.
Opfere alfo bem £errn ein reine 3 Dpfer; nid?t um>emünf*
tigeö 33ie$, D$fen, ©cfwfe unb 35öget, von benen un$ ©Ott fo
oft in ber Irt* ©#rift burdj bie $ropf?eten fagen lägt: non est
beneplacitum mihi in sacrifieiis vestris, fonbern im gläubig
bemütlngen £inblicfe auf 3efuS (SfjriftuS unb (Sein (Srlöfungöopfer
am Äreuje opfere bem iperw „bein ^erj" mit ben ©efüljlen be£
©eljorfamS, ber Ziehe unb £)anfbarfeit in azymis sinceritatis et
veritatis. Sei biefem £mbltcfe auf 3efuö — wenn er re$t ge*
f$iel?t — o ba werben bie uw>erfiänbigen Siliere beiner natürlichen
2eibenf$aften unb Neigungen, wenn fte geopfert werben, ni$t meljr
btöfen unb freien, b* £♦ bie nuglofen klagen über Äreuj unb
SQBiberwärtigfeit werben tterjlummen : perfecta charitas foras
misit timorem, qui poenam habet. 2)er 2ol>nfnecf)t wirb au£
bem Jpaufe getrieben, weit baS rechtmäßige $inb Ijeranwäcfyst unb
bie Arbeit tterricfyten famw — güljrt einmal charitas baS 9?egi*
ment in ber ©eele, bann tl)ut Sebeö, wa$ tl)m obliegt, mit Suft
unb greube: klagen unb Unjufrieben|)eiten fi'nb ba unerhört; alle
©onberintereffen serfdjwinben, wo ber SD?enfd? einmal feft überzeugt
ift, baß alt 1 feine 2Kül)e für ©Ott, all 1 fein arbeiten mit ©Ott
eigentlich bo$ nur il)m felbjl $ru$t unb ©ewinn bringt @e*
240
wö£nlid> ftnb jiene gamilien bie glücfli#en, bie, bem 9Äittelftanbe
angeljörenb, ba$ 2lrbetten>erf (eiber *>errid)ten formen, oljne 23ei*
bülfe frember Anette unb SDtägbe, bie nur für Sopn bienen unb
baö allgemeine Sefte ber gamilte nie fo ju ^erjen nehmen, wie
bie ^ausgenojfen unb Äinber* Sßenbe baä an au# auf baS geiß*
lidje 8eben< 3» ten ©eftnnungen ber Siebe werben ober bleiben
wir Äinber beä £aufeg ©otteS burd) bie 33ürgf$aft unb Streue
unferS altern 23ruber$ jur ewigen Srfcföaft mitberectytigt* ©elobt
fei 3efu« S^riftus!
24* Drei ©tufen be3 innern gortfdjritteS*
£>er £!♦ Paulus fagt, er bete täglich auf ben Änieen jum
SSater unferS £errn Sefu SJjrijH für bie @pf)efter, „baff (£r nac^
bem D^eicJ^um ©einer ©lorie i^nen verleibe, bur$ ©einen ©eiji
mit Äraft auögerüjlet ju werben im innern 9Äenf$enj" unb
worin biefer innere 9ftenf$ befiele, ba$ fagt er anü) in ben fol*
genben 23erfen, wo er feine ©ebet$wünf$e ncüjer angibt: 1J näm*
li$ im ©tauben: Christum habitare per fidem in cordibus
vestris; benn otme biefe ©runblage eines reinen unb felfenfeften
©tauben* ift fein aufgefallen ©otteö unb fein gortfd)ritt, weil
fein guter Slnfang möglich; 2) in einer allfeitig tätigen unb
übernatürlich erleuchteten Qiebei in charitate radicati et
fundati, ut possitis comprehendere cum Omnibus sanctis, quae
sit latitudo, et longitudo, et sublimitas et profundum: scire
etiam supereminentem scientiae charitatem Christi . . . 2llfo
juerft bie tätige Siebe na$ bem ©rabe ber Srfenntnifj, ber allen
«^eiligen gemein ift, unb ben wir *>on iljnen folglich fepen unb ler*
neu fönnen; bann eine fol$e Siebe unb bamit oerbunbene über*
natürliche (Srfenntnif?, xt>k fte nur aus bem Seifpiele unb ber 8e£re
beS (£rlöfer£ felbji Ijeroorgefjen fönnen; 3) enblicf) in einem „t>on
©Ott (Sr füllt wer ben unb in 3jjn (liebenb unb leibenb) ©n*
ge£en": ut impleamini in omnem plenitudinem Dei. (Eph. 3,
16—19.) ©e£r tief gebaut gibt bie 33ulgata ben Sluöfprudj be$
SlpojklS* (£r fagt nid)t gemeinhin: plenitudine Dei impleri, aU
ergöffe ft$ bie gülle ©otteS in bie menfd)ltc$e ©eele, obfe^on
man aud> ba$ fagen fönnte, ojme barum ju behaupten, bie ©eele
241
enthalte bie gülle ©otteg, rote ein ©efäf} (einen ^nlwlt umfd<efjt,
fonbern: in plenitudinem Dei, benn t>te djrififtcfye ©eele bringt
bur$ bie wacfyfenbe Siebe immer tiefer in biefe ©naben* unb ©to*
rien*gül(e ©otteä mit Sljrtftuä hinein, unb wirb atfo tton ©Ott
erfüllt unb jugleic^ in 3^n t^erfenft, vt>te ber 2ipoftel anberöwo, von
©ottee Mgegenwart rebenb, jagt: In ipso vivimus, movemur,
et sumus. 2ßer allein au$ ©Ott Seben, Äraft unb ©ein
f^öpfte, unb ba$ befeligenbe 33etx>u§tfetn batton in feiner ©eele
empfänbe, ber wäre im Segriffe, biefeS Jjo|>e ©ebet be£ % $au*
lug an unb in ftd? gänjtid? erfüllt ju fefjen, nämti$: wn ber
©nabe 3 e f u S^rijH umfcfyhntgen unb erfüllt ju werben btä an 1 £
@nbe. 2ßo aber biefeö (Snbe fei, ba$ ift gar nicfjt absufeljen unb
entjie^t fiel) allem menfcbltcfyen 2öif[en unb Srfennen; in omnera
plenitudinem Dei impleri bejeic^uet im Sltlgemeinen ein Ueber*
maß ber ©nabe in SfmftuS, wie tin Uebermaj? ber ©lorie mit
Sl?riftu3. 3)aö ift bie dispensatio sacramenti absconditi a
saeculis in Deo, ba£ innere £eben ber &ir$e, in bem fogar bie
(ürngel be$ £ümnel$ noeb neue ©eiten ber wunberbaren 2Bei£f)ett
©otteS fennen lernen unb in feiiger greube bewunbem. £)aö finb
bie investigabiles divitias Christi, tton benen ber Sipofiel mit
glorreicher SDemutjj (agt: Mihi ornnium Sanctorum minimo data
est gratia haec , in gentibus evangelizare ... et illuminare
omnes. — ©elobt fei 3c)\\$ @f?riftue!
25. Sin apoftolifdjeö s JD?oral-Sompenbium»
2lm (Snbe beg erften 93riefe6 an bie £f}ejfatonidjer faßt ber
))h *ßautug alle $flicf;ten ber gegenfeitigen 23ruberliebe unter ben
(SJmftgtäubigen wie in ein furjes aber gepaltx>otteö Sompenbium
jufammen t>on ßap- 5, 14—24.
Rogarnus autem vos, fratres, corripite iniquietos, conso-
lamini pusillanimes, suseipite infirmos, patientes estote ad
omnes. 2lf[o: *>erweifen, tröften, Reifen unb gelajfen ertragen,
2t(le$ jur regten z$tit unb gegen bie regten ^erfonen, fo xoit e$
bie d)rtftltd;e $(ugf?eit erfennen wirb* — Daxin befteljen audj bie
ttter £auptpfltd}tett eines guten SBorfte^erö unb geipli^en güljrerS,
benen bie ©eefen Ruberer auf befonbere SÖeife t>on ©Ott an*>er*
Sern ort s }lp$oriSm(n. 4ß
242
traut ftnb* — Videte ne quis maluni pro malo alicui reddat:
sed semper quod bonum est sectamini in invicem et in
omnes: £ütet eu$ vor ber SBiebervergettung bes 33öfen (wie fte
Bei ben Ungläubigen im ©ebraudj ift), fonbern ftrebei jteberjeit
na<$ bem, wae gut ifi, für einanber, unb für Sitte, b* £♦ ni$t nur:
in invicem: gegen ben einen ober anbern 23efannten ober greunb,
ben tf>r nacfy euerm natürlichen 2Sol?fgefatlen eudj aug ber 9)?enge
auögewäp £abet, fonbern mit berfelben Zieht gegen Sitte: in
omnes. — Semper gaudete: ber gute Sbrift tyat allejett ben
triftigften ©runb, frol? 51t fein; auger ber ©ünbe unb 23eleibigung
@otte6 bienen ja felbft alle Uebel biefer äöett ju feinem 33eften
unb ewigen 2ßof>tfetn* Slud) ift eö eine gegenfeitige $flt$t, fiel)
wentgftens im Sleufjern frol) unb jufrieben ju jeigen, unb nic^t
Slnbere jur ££eilnabme an unferm etwaigen 2eib burd) unfer fium*
nte$ unb mürrifdjeä betragen gteidjfam ju jwtngem — Sine inter-
missione orate: 9?ebet unb benft, Ijanbeft unb wanbelt, t^ut unb
unterlaßt — Sltfee im ©eifte beS @ebete3, inbem i^r Sllleö auf
©Ott bejiel^t Sin ^eiliger Server fagt: Nunquam desinis orare,
si nunquam desinis bene agere. ©0 wirb eß f$on möglich,
baS ununterbrochene ©ebet aud) aU ©ebot anjuneljjmen unb ju
erfüllen* — In omnibus gratias agite: haec est enim voluntas
Dei in Christo Jesu, in omnibus vobis: ©anfbarfeit für Sltleö
unb mit ifjr verbunbene Demut^ unb Zieht fmb am geeigneten,
unä ©Ott wohlgefällig ju machen, befonberö, wenn alle unfere
Sugenbacte, Dpfer unb ®ehete ju 3£m gelangen burcl) 3efum (££rt*
ftum, ©einen vielgeliebten ©of?n* — Spiritum nolite extinguere:
benn «Der wirb eu$ ba$ Uebrige, wa$ ©Ott gefällt, unb xok dv
t$> will, fagen* — Prophetias nolite spernere: benn bef$alb,
weit ti falfdje gibt, verlieren bie guten nickte an i^rem 2Bert£e*
3nbeg bejügtic^ biefer beiben legtern fünfte will ber Sipofiel feine
allgemeinen Regeln aufftellen unb nickte a priori entfdjetben, wef}*
Ijalb er beifügt : omnia autem probate, quod bonum est tenete.
— 3Son jieber, aud) ber geringften Slrt be$ Söfen galtet eu$ fern,
ja, vermeibet forgfältig fogar ben©$ein: Ab omni specie mala
abstinete vos. — Ipse autem Deus pacis sanctificet vos per
omnia: ut integer Spiritus vester et anima et corpus sine
querela in adventu Domini nostri Jesu Christi servetur. ©er
243
©Ott be£ grtebenö wirb mit (einer ©nabe eudj in StKem bei(teljen,
t>a$ ft$ bie wieberljergefiellte Drbnung be3 tnnern 9)?en(d)en t>oll*
fommen an eu$ geige unb biö $ur Slnfunft be$ Gerrit bewähre in
©eift, ©emütl) unb Körper, 2)arum fotl Wemanb beim Slnbtide
fo groger Arbeit verjagen: wen ©Ott jur 23ollfommenli>eit beruft
unb beftimmt f bem wirb @r au$, vermöge ©einer unenblictyen
Streue, fräftig jum j&itlt t>er^elfen : Fidelis est, qui vocavit vos:
qui etiam faciet, 2)a3 ift ein 2Öörtc!)en, ba$ unö mächtig jum
Vertrauen auf ©Ott bewegen fann. ©Ott ijl eS ja, ber un£ jum
SBollen be$ ©uten au$ ba£ 33ollbringen geben mu§. £)as n?ei§
(§r (eiber re$t gut, (on(t £ätte (£r ntcfyt ge(agt: Sine me nihil
potestis facere . . . Petite, et accipietis. — 2tn bie(e unb anbere
©einer eigenen SÖSorte muffen wir 3£n oftmals, unb befonbcr£ ju
Stnfang beö ©ebeteö um irgenb eine be(onbere ©nabe, erinnern,
nicfyt aU fönne (£r biefelben X>ergefTen Ijaben, (onbern allein unfert*
wegen, bamit wir in un$ ba£ glaubige Vertrauen aufwecfen unb
beffer anfeuern.
Unicuique autem nostrum data est gratia secundum men-
suram donationis Christi. (Eph. 4, 7.) 2113 wollte ber Slpoftel
(agen, ba§ wir ©Ott in(ofern gefallen, als wir Stfum in unfern
©eefen, in (Bitten unb ©ebanfen naä?* unb auSgebilbet ^abetu 3e
sotlfommener in un$ baö 35ilb @£ri(ti, befto £öl?er ber ©tanb ber
©nabe in bem göttlichen SOS o{)lgef allen; benn nur burefy ©einen
geliebten ©olm fann ber ewige 33ater an un£ ein ©efallen |>aben;
3^n Ijat dx jweimat laut unb feterlid) (ür ben einzigen ©egen*
ftanb ©eines SBo^lgefatlenö erflärt: am 3orban unb auf bem
£Ijabor: wir fönnen nur bann wtllfommen fein, wenn wir per
Ipsum et in Ipso et cum Ipso fommen. — ©elobt (ei 3efuä
26. 25ie ©nabe bes apoftofi($en 35erufee.
1. Collabora Evangelio secundum virtutem Dei: qui
nos liberavit et vocavit vocationa sua saneta non secundum
opera nostra, sed secundum propositum suum, et gratiam
quae data est nobis in Christo Jesu ante tempora secularia.
(2 Tim. 1, 8—9.) ©o (priest ber % Slpoftel ^auius ju (einem
16*
244
geliebten £imot£eu$ unb ju einem 3eben aus ung. D erjlaunenS*
würbige, ja über atte^ GFrjlaunen unb Sewunbem erhabene ©üte
unb Zieht @otte$! 33on (Ewigfeit £er backte (£r Kebenb nnb ©icfc
erbarmenb an unfere Befreiung auä ben geffeln ber ©ünbe
unb ber SSelt: qui nos liberavit. ©djon bei einem alten $ro*
!p^eten läßt (5r unS fagen: In charitate perpetua dilexi te:
ideo attraxi te miserans. Unb oljne aße 9Mcffid?t auf unfere
2Bür bigfeit ober Serbienfie, bie tt>ir nid)t Ratten — non secun-
dum opera nostra — fa£ @r altem auf bie 25erbienfte ©ei*
neä eingebornen vielgeliebten ©ol)ne$, unferö £erw 3efu@brifH
— secunduni propositura suum et gratiara ... in Christo
Jesu — unb befd^oj? von (Swigfeit — ante tempora secularia
— un£ ju berufen jum @f>rtftentl>ume, in bie % $ircf?e, jur
^riefterwürbe! 2Bet$en ©auf ftnb wir 3£m bafür fdmlbig, unb
wie gern fotten wir auö ©anfbatfett jur Verbreitung ber göttlichen
Selben be$ (Svangeliumö mit Sßort unb 33eifpiet tjetfen! Stuf
fold^e SGSeife machen wir von ben !)(♦ ©Triften eine ^eüfatne 2tn*
wenbung auf uns, unb tefen fte nacf) ber 2tbftd)t ©otteö „eo spi-
ritu quo facta est," me £fjoma6 von Äempen fagt, unb tt>k
spauluö felbft eg vor i£m gejagt £at in bemfetben 2* 93riefe an
£imot£euö 3, 16—17: Nam omnis Scriptura divinitus inspi-
rata utilis est ad docendum, ad arguendum, ad corripiendum,
ad erudiendum in justitia — ft$ jelbft in ber ^Betrachtung vor
@ott, unb Hnbere burd? 23erfünbigung beö Sßorteö auf ber Äanjet
unb im 33eid)tftut>l — ut perfectus sit homo Dei, — in 33ejug
auf fid) felbft — et ad omne opus bonum instructus — jum
#etl ber 9tebenmenf$en>
2* %n feinem erften 23riefe an Ximofytnö enifmüt unö ber
gro£e Sßettapoftet etxoaü von feinem innerften Jperjen bejüglid? ber
©nabe feines % 33erufe$, inbem er bie ©efüljte ber ebelften £)e*
mut£ unb Danfbarfeit gegen 3efuö ßjjrifiuö au$fpri<$t : ©auf fage
i# 3N/ 2to mt(^ gefraftigt Ijat, 3efu (££rifto unferm Jperrn,
quia fidelem me existimavit, ponens in ministerio: qui prius
blasphemus fui, et perseciftor, et contumeliosus : sed miseri-
cordiam Dei consecutus sum, quia ignorans feci in in-
credulitate. Ueberrei$ aber £at ftc^> erwiefen bie ©nabe
unfern £errn mit ©lau ben unb mit Ziehe in (Sfjrifto 3eftu
245
(Sin treueö unb wal)re$ SBort ift e£ unb aller 33e£erjigung wert!?,
ba£ 3efu$ Sfjrifiue tu biefe Sßelt gefommen tft, bie ©ünber feiig
ju machen, quorum primus ego sum : $on benen i<$) ber größte
bin* Sed ideo misericordiam consecutus sum: ut in me
primo ostenderet Christus Jesus omnem patientiam, ad
informationell) eorum, qui credituri sunt illi in vitam aeter-
nam. Regi autem saeculorum immortali, invisibili,
soli Deo, honor et gloria in saecula saeculorum.
Amen . . .
D meine ©eele! -iftadj bem 33etfpiele bee Slpoftelö, aber no$
mit uuoergleid)li# großem ^ecfyten unb ^flidjten, bewunbere bie
£ulb ber göttlichen Srbarmung an bir in beiner Berufung 1) jur
©nabe, 2) in's ftlofter, 3) jum 2lpoftolate ♦ < « SBünfcfye bann bem
% Paulus im £immel ©lücf, ba§ if?n fein Unglaube unb feine
Unwiffen|>eit in SBielem, votö er früher 33öfeö getrau, entfdjutbigen;
feufje aber jugleicty auä tieffter ©eelenbetrübnifjj über beine eigene
33o$£eit, bie t>on einer folgen @ntf$ulbigung nidjt reben barf:
benn a#! bu fcaft ©otteS \)l. ©ebot beim Siebte beö gläubigen
£age$ fo oft tterfannt unb freiwillig übertreten! . ♦♦
Slber bennocf) barfft bu 9J?utl> unb Vertrauen ntcfyt verlieren:
ftelje ben Stroft beö 2lpofiel$: fidelis sermo: gerabe ber armen
©ünber wegen ift 3efu£ S^rifiuö in biefe SBelt gefommen: unb
erfennft bu bid) für ben erften unb größten unter i^nen, — bann
ift ßrr in einem ©inne am meifien beinetwegen gefommen! —
33ebenfe ferner au$, ba§ alle armen ©ünber ber ganzen 2Belt an
bir ein 33eifpiet t>on ber ©ebulb unb Sangmutb beS guten (Srlöferö
fe£en feilen: fei alfo getreu unb fdjweige nicbt t>on ©einen (5r*
barmungen: macfje fte offenfunbig t>or ben s D?enfd)en in bemütfngem
33efenntniffe, unb t>or ben (Sngetn in unaufhörlichen Sobpreifungen
beä unterblieben Äöntgö ber (Swigfeit, beä unrettbaren, einigen
©otteä, bem fet (£^re unb Jperrlidjfeit immer unb ewig!
3. 211$ ber feüge 9?a9munbu$ einft einem jiungen 2D?anne
bat>on abgeraten fmtte, in ben ^3rebigerorben einzutreten, unb
nad^er barüber nadjbadjte, empfanb er begwegen eine fotdje 9teue,
ba§ er ben begangenen geiler nid>t anberä gut machen ju fönnen
glaubte, als wenn er felbfi ein Dominicaner würbe, waö er audj
alebatb ausführte, inbem er in biefen Orben eintrat unb in bemfet*
246
ben Zeitig lebte unb ftarb, $on ©Ott im £eben unb nadj bem £obe
mit JBunbern ^ert>errltc^t. ©eine £eiligfeit war alfo bie gruetyt
ber erl)abenften ©laubenöanftdjt, bie er Jjatte oon ber ©röße ber
©nabe beö 33erufe3 jur soßfommenem ^ac^folge beö £errn unb
©einer SlpofteL £)er ©lanj feineö 35eifpielö £at ben geiler beö
früher gegebenen 9?atl>eg in [einem jlraltfenben Sichte »ertilgt.
27. ,,»rjt, jttf bir felbft"
2Ber ft# felbft m$t Ijilft, bem frilft auef) ©Ott nic&tj mit an*
bern SSorten: wer ni$t mitwirf en will, bem serfagt ©Ott ©eine
©nabenljülfe* £)a$ ift eine 93ebeutung be$ 2Borte3* Sine anbere
ift biefe: ©orge sor allen Singen für btdj unb bie eigene ©eele*
©er 2Iuöfprud) ber $fnlofopf>en : amor ineipit ab ego gilt au$
in ber Slöcefe; bennSltleS muß oor bem £eile ber eigenen ©eete
jurütffteljen, nid?t nur ber jeitlidje ©ewinn einer ganjen 2Öett —
nein, au$ ba$ £eil *>ott Millionen Seelen gibt mir feinen @rfa§,
wenn icf) fetbft ewig ju ©runbe getje* %n biefem ©eifte tjaben
alle £)iener ©otteä t)on ben 2lpofteln an ba$ $äl iljrer Sieben*
menfdjen gewünfdjt, gefugt, gewonnen, o£ne ba$ eigene £eil ju
semacfjläfftgen* Einige — unb jwar bie £f?ätigften — bie beim
£age£ltcf>t fojufagen nietyt einen einzigen Slugenblicf für ft$ Ratten,
burc^wac^ten ^auftg ganje 9?ä$te im ©ebet unb jur 23eforgung
ber eigenen ©eetengefcfyafte, unb lebten fo — im 33ergleictj ju 2ln*
bern — jweimaL 2Öer bie ©ebetönäd^te nidjt mit ifmen galten
fann, ber folt iljnen au$ bie arbeiten für Slnbere nic^t na$t$mt
wollen, unb ni$t glauben, er fönne olime eigenen ©$aben ganje
£age nad) klugen wirfen, ol?ue einmal in fein inneres ju
bliefen* 2)er 2lpoftet treibt feinem jünger SEunotJjeu* : Attende
tibi, et doctrinae: insta in Ulis. Hoc enim faciens, et
te ipsum salvum facies, et eos qui te audiunt. (1 Tim.
4, 19.) ©a« ift alfo apoftolifäe 8e$re: SQBibme bicj? juerft bir
fetbft, unb bann ber 33ete£rung Ruberer; auf biefen beiben Engeln
fceineö 33erufeö follft bu bid) gleichmäßig bewegen, immer bei bir
anfangenb unb jum 9iäct)ften übergeljenb unb enbticfy ju bir felbft
jurücffe^rcnb. SBenn bu auf biefe 2lrt felbft innerlich unb eifrig
bleibeft, wirb au$ bem befefjrenbes 2Bort bei Zubern boppelt frud^
247
ten; fünft fönnte e£ gefd&e&en, baß bu, nadjbem bu *>iel geprebigt
Ijätteft unb 2lnbem eine Urfad&e unb 93eranlajfung be$ £eüe$ unb
ber 33efelj>rung geworben wäreft, felbft verloren gmgeft* £>er 2lpo*
fiel ^auluä arbeitete unter ber 33efe£rung einer falben 2Belt fort unb
fort an feiner eigenen Heiligung, ttue er felbfi fagt: „ne cum aliis
praedicaverim, ipse reprobus efficiar." din reprobus fann
ber apoftolifdje Arbeiter boppelt werben: reprobus namfid) a vo-
catione unb reprobus a salute: beibeS bur$ SSernacfeläfftgung
feiner felbft, 2luf bie ^rebigt allein fott ftd) alfo 9tiemanb ju
t>tet einbtlben: benn berfelbe % Slpoftet fagt mit trorf enen SBorten :
regnum Dei non est in sermone, sed in virtute. — (Sinige
entfdjulbigen fid) unb fagen: „3n ber eigenen Heiligung ift bie
©elbftoerläugnung ein ju fcfyweres ©tücf Slrbeit ofme bie £röftun*
gen ber ©nabe, wie fte bie Zeitigen Ratten; wenn id) xnid) auf
ben innern ©eiji unb bas ©ebet oerlegen Witt, bin id) wie ein
Stein ober ein ©tücf #ol5 unb fann barin gar nid)t oorwartä
fommen: id) Witt mid) alfo mit befto größerem ©fer auf bie 23e*
fefjrung unb Stettung meiner 9?ebenmenf$en verlegen, tyifyt tö ja
bo$ bei einem $L Ätrc^enoater : animam salvasti, tuam prae-
destinasti. £>a$ flingt fef>r ortyobor unb ift bennod) eine gefä^r^
lid)t 33erfu$ung beS natürlichen 5D?enfd?en* £>üte bid) *>or bir felbfi
unb t^ue bir einige ®ewalt an: consuetudo consuetudine vin-
citur. £)ie Statur fträubt fid) wo£t eine 3ett lang, muß aber
enblirf) ber ©nabe unb einem beharrlichen SSitten bodj nachgeben:
gib nur bu ifjren Einwürfen unb (Sntfdjutbigungen nid)t naefy* deiner
£at nod) jemals bas £agewerf be£ HpoftolateS ober beö priefter*
liefen 33erufeö mit fo Reuiger Meinung begonnen, deiner |>at ei
mit fo fegen^reidjem Erfolge fortgefegt, baß ©Ott i£m bef^alb bie
Sorge für ftd? felbft erlajfen ober i£m and) nur erlaubt £abe, bte
redete Drbnung ber Siebe ju serwedjfeln , welche fid? felber unb
baö eigene £>eil sor Willem juerft bebaut fyaben will. 2Baö bu
and) immer nad) 5lußen wirfeft: Noli altum sapere, sed time!
2ßenn ein $aulu£ gefürchtet £at , wer fott nietyt fürchten? — @e*
lobt fei 3efu3 Sfjrifiuö!
248
28. Urfacfcen ber Unbeftänbigfeit
©er geiler ber Unbeßänbigfeit ftebt allen menfdjlid?en 33or*
fä§en unb 33eftrebungen an unb t>erptnt>ert fte, bag t>orgeftecfte 3tel
ju erretten. 9to$ meljr gilt bieg *>on ber Aöcefe, r>om Streben
na$ 33oßfommenl?eit unb innerm ©eiftegtebem
©er % $aulu$ ftagt bem SEimotljeuö fein tieffteö Jperjetetb
liegen feineö fonft geliebten ©d)iifer£ 2)emaS, ber i\)xn eine 3eit
lang in (einen apofto(if$en arbeiten geholfen, nun aber aus Siebe
jur Sßett i£n lieber t>ertafjen f>atte: Demas enira me reliquit,
diligens hoc saeculum, et abiit Thessalonicam. (2 Tim. 4, 9.)
Alfo aucf) ber Apoftel fonnte in feinem ©efofge unb bei ben
augenf$einli$fien grüßten ber apoftoltfdjen Sßtrfiamfeit ni$t atte
Stütftritte *>erl)üten, xoie wacfjfam unb ttyätig feine Siebe aud) immer
war, „um Sitten Atteö ju werben unb Atte für (Eljriftug ju ge*
winnen" in Seit unb (Ewigfeit
Urfacfyen ber Unbefianbigfeit im geifiticfcen Seben gibt ee feljr
fielet wir wollen lner blofj auf brei berfelben einen furjen 23ticf
werfen :
a) $eine tägliche Aufmunterung* Videte, fratres ; ne
forte sit in aliquo vestram cor malum incredulitatis, dis-
cedendi a Deo vivo: sed adhortamini vosmetipsos per sin-
gulos dies, donec hodie cognominatur, ut non obduretur
quis ex vobis fallacia peccati. [Hebr. 3, 12 — 13.) Sie X>ov*
getriebenen (Ermahnungen unb Aufmunterungen ber Dbern ftnb
nic^t genug: man fott aucf) ftcf) fetbft unb (Einer bem Anbern SÄutlj
machen unb (Eifer einflößen, „donec hodie cognominatur," fo
lange man fagt „£eute", bie 93er£ättniffe biefer Seit anbeutenb,
b* £♦ jeben Sag eureä 2eben$: Dixi: nunc coepi, fagt ber spfalmift
nämticty: Ijeut, in biefem Augenbticfe fange iü) an, ©Ott re#t ju
bienen! — Ober audj: donec hodie cognominatur: b t ö bie
3eit vorüber ift unb ba$ ewige „£eute" be£ jenfettigen SebenS
anbricht: benn aföbann werben wir enblid) feiner (Ermahnung unb
gegenfeitigen Aufmunterung jum ©uten meljr bebürfen*
b) 9?atürli$e ÜÄotioe* Jesus Christus heri et hodie:
ipse et in saecula. Doctrinis variis et peregrinis nolite ab-
duci. Optimum enim est gratia stabilire cor, non escis.
249
(Hebr. 13, 8—9.) 3efuö @£rifiug foll freute wie Aftern unb ,bi$
in @n>tgfett Anfang , Glitte unb (£nbe t>on Slllem (ein, wa^ wir
benfen, reben unb tfrun: (o tft in Mem ©nabe unb ©tärfung be$
£er$enö f auf bie alten ©peifegefege ber 3uben fömmt es nicfyt
mefrr an. — (£$ f$eint aber audj, ba£i man in „doctrinis variis
et peregrimV ^tafjrung ftnben unb ftcfy gütlicfy tfrun fann ♦ ♦ ♦
2Ber barin fein Sieblingögericfyt bat, Rubelt obne 3weifel <m$
ßrigenltebe unb £>offart be£ ©eifte$: bem finb alle natürlichen 33e*
weggrünbe ein wiüfommeneö, aber gnabenleere£ SebengmiiteL Gratia
— non escis! X)nvd) bie Sine ©nabe, nicfyt bur$ mancherlei
©petfe fotl unfer „£er$ erjiarfen," b* £♦ folten unfere 2Bünf$e
unb SSorfäge im ©uten beftänbtg werben: auf übernatürliche, nid)t
auf natürliche JBetfe, au$ bem ©tauben, nidjt au£ bloßer 23er*
uunft: Spe ad supernam patriam tendat, et nequaquam se a
vitiis pro raundi hujus honestate contineat, fagt ber £!♦ ©re*
goriue hom. 13. in Evang., benn aue bloßem weltlichem ©d)icf*
licfyfettsgefüfrle t>ai ©ute tfrun unb baö 93öfe unteriaffen ift noefy
feine cfyrtftti^e £ugenb, bie in jener SBelt änc Ätone ju erwar*
ten frat
c) SWanget an 3Sertrauen. Adeamus ergo, cum fiducia
ad tbronum gratiae, ut misericordiam consequamur, et gra-
tiam inveniamus in auxilio opportuno. (Hebr. 4, 16.) Sllfo
mit Vertrauen beten unb jwar für bae 9totl?wenbigere immer
juerft« (£rft, bamit wir 33armfrer$igf eit erlangen wegen
unferer ©ünben, gelter unb 9tacbläfftgfeiten; bann, bamit wir in
bemütfrtger ©elbfterfenntnifj eine immer größere gülle beg Sicfyte
unb ber ©nabe ftnben, um bie Sugenben bes geiftlic^en Sebenö
auöjuübeu unb fo in ber göttlichen 2tebe beftänbtg fortjufcfyreiten*
(Snblid) bürfen wir aber niemals bte ©ebulb verlieren, mc lauge
ber liebe ©Ott auefr sögern feilte, unä bie obigen Sitten oollftän*
big ju gewähren: benn (£r allein fennt am beften baS „auxilium
opportunum," b* u wann bie rechte Seit für unfere Jpülfe
gefommen fein wirb. — 3n biefer gläubigen unb jut)erftd?tltd)en
Eingabe an ©eine x>äterli#e ©üte unb 33orfefrung fönnen wir bte
3eit unferö Sßartenö nie verlieren, ba (Beim £ü(fe un$ in einem
Slugenblicfe mefrr »erleiden fann, als wir bei altem (Jifer in jefrn
3aj?ren nur in frommen 2Bünf#en auöjubrücfen im ©tanbe wären.
250
£>od? e£ befielt barm fein SSerpItntg; auä unö, quasi ex nobis,
fönnen wir 91 1 ü)t$ f mit ©Ott 2Ute$: „quare ergo dubitasti,
modicae fidei?" — <£$ lebe 3efu$!
29. ©reifütg 23etrad)tun$epunfte auö ber ©djrift jum
wettern -iftacfybenfen barüber.
L 3ei$en bet wahren ©ottegliebe« Oui diligit Deum,
exorabit pro peccatis, et continebit se ab illis, et in oratione
dierum exaudietur, (Eccli. 3, 4.) a) ££ue alfo 33uge für
baö Vergangene, b) enthalte btd^ in 3«funft beS geringften
freiwilligen ge(>fer$, unb c) bete o£ne Unterlaß 2lnber3 be*
barf e$ nickte, um in ber greunbfdjaft (Sottet große gortfd)rttte
ju machen nnb ein Jpeiliger ju werben. 3n bem „exorabit pro
peccatis" liegt eine gro§e Sirbett, benn baö SQBort „©ünben" um*
fajj t mit ben eigenen au# bte ©ünben anberer $?enfd)en, unb maljnt
jum (Eifer na$ innen unb nacfy aufjen.
2. £)ie *Pfti$t ber Ätnber gegen iljre Altern umfaßt
befonberö ^Dreierlei: In opere, et sermone, et omni patientia
honora patrem tuum. (Eccli. 3, 9.) $n «Jpanblungen, 2ßor*
ten unb aller ©ebulb e£re beinen SSater ; unb ni$t nur gegen
bte (Altern beö gleifcfceS aUcin, fonbern aud) gegen alle 33orgefei3*
ten überhaupt, fei ehrerbietig unb ertrage fie, benn fte ftnb
unb bleiben SDfenfc^en, obfcfyon ttnft$tbar befleibet mit bem 2ln*
feiert (Sottet
3. 28orteunb2ßerfe follen ftcb einanber nicbt t>erläuguen*
Noli citatus esse in lingua tua, et inutilis , et remissus in
operibus tuis. (Eccli. 4, 34.)
ffiaö helfen t>tr fertige 3 U "0 1 u ^ Serftanb,
2&cnn, unnü£ unt) faul, fru ntdjt brauctyeß bte §>ant>?
4. Dan! barfeit gegen ©Ott unb bie SWenfcben. XtieWafa
fommeu $on 9?uben unb ©ab, welche jenfeitö be3 3orban6 bereite
ifjren eigenen £erb unb i£r (Svbtyetl empfangen Ijatten, feilten nad)
®otte£ SBiüen bennodj ani 2)anfbarleit unb Siebe if?ren noef; £eimat£*
lofen 33rübern bau Sanb ber 33erl?ei§ung biefjfeüs be$ 3orban*
Puffet evfämpfen Reifen. (8te* 3of* 1, 12—15.) 35ift bu bur$ bie
©nabe ©otteö Jperr unb 3JJeifter beiner ©eelenfeinbe geworben, fo
251
folfft bu ntcfct unt^ättger SRulje pflegen , f onbern mit tnnaugjieljen
tn bett $ampf für baS Qtil beiner ©ruber, ber armen ©ünber,
bie tpr Slntljeit an bem (£rbreid}e ber ©nabe no# nidjt beftgen*
5* 2113 bte 3uben nnter tljrem güfjrer 3ofua bur# ein fo
großes SSunber beg Jperrn i£re$ ©otteg ben 3orbanfIujj, wie *>or*
bem ba$ rotl)e 9J?eer, trodenen gufjeS burc^fcferitten Ratten, wollte
©Ott, ba§ jutn banfbaren ©ebäc^tnig biefer SBoljltfjat an ben
Ufern be$ gluffe* ©enfmäter aufgerichtet würben: jwötf große
Steine au£ bem 25ette be$ 3orbanS ljerauögeljoben* (2ie$ bte
f$öne ©rmafmung 3ofua^ an baS 33otf bei biefer ©elegenljett
3of* 4, 20—25.) 2l(fo ©anfbarfeit, £>anfbarfeit! ©Ott fann bte
©eete ni#t leiben, bte ber atten 2Bo£ttljaten vergißt — nnb um
neue bittet
6* ©ie legten 9?eben ber $L (Srjttäter* SQSenn bie
% Patriarchen bem £obe natjeten, pflegten fte, anfänglich ifjre
gamtlie, fpäter ba$ ganje au3 einer ^amito Derangewac&fene 93otf
ju serfammeln, unb jwar gewöfmlicfy an ber einen ober anbern
befonberS merfwürbigen ©ebäcfjtnifjftätte irgenb einer auögejeic^^
neten 2Bof)ttl?at be$ £errn gegen t&re Nation. Unb bann gelten
fte bemfelben t>or all 1 bie ^oc^perrltc^en Saaten unb SBunberwerfe,
bie ber £err, t^r ©ott, für fte getrau in atten SEagen, unb ermaljm*
ten fte bann einbringt jur ©anf barfeit unb jum (Sifer in Sei*
nem £)ienfie, wown überbieg audj tyx jeitticfjer ©egen ober gtudf)
abging* SOBte f$ön ift nic^t in biefer SBejie^ung bie legte S^ebe
3ofua 1 ö an ba$ SBolf, baS er ju ftdj na# ©i$em berufen £atte!
(Sieg bie Äapitet 23 unb 24 im 33ud)e 3ofue.) £)a$ ganje Solf
weinte taut auf *>or Sprung* Leiber jeboc^ vergaß e3 gar batb
nadj 3ofua'^ £obe feine tyeitigften ^flidjten unb 23erfpred)en wieber,
xok bieß befonberg ju fepen ift im 23u$ ber Stifter Aap. 2. (£3
würbe in ber £l)at, fo fmbe \ti) oft gebaut, ein guteö SBerf fein,
afle biefe fo lehrreichen „legten Sßorte ber £!♦ Srjoäter" ju fam*
mein, unb fte einem frommen 33etra$tung$bu$e ju ©runbe ju
legen. £)er efirwürbige (£rnft biefer uralten Seljren würbe bem
flatterhafteren ?ei$tfmne unferer Sage jum gewürjootten Äraut
bienen unb ityxi *>or gänsttc^er gäutniß bewahren Reifen*
7. 2Bte ber mi\t\it ©eetenarjt unb 33ei#t*)ater —
fo benimmt ftd) ber *patriard) 3ofep£, inbem er feinen 33rübern
252
nacfj imb naty ba£ voUftänbtge 33efenntniß i^rer ©ünbe £eraug*
locft, (2ie$ bte wunberfcpnen Äapp«. 43 unb 44 in ber ©eneftö*)
£)ie Setzte be$ 3uba£ Beginnt 44, 18 unb ift wunbervott; er
war bte näd?fte ©ctyulb am 33erfaufe tljreö 33ruber$ 3ofepf> ge*
wefen, unb nun fa£ er ftd) aud? nodj bebroljt mit ber ganzen 35er*
antwortlicfyfett für 33enj[amtn* Unb tx>te fo lebenbig fctyilbert er bie
£raurigfeit beg greifen SSaterö 3acob, „ber f$on bei ber Slbreife
von £aufe gefagt £atte, fte würben feine Sebenätage verfürjen,
wenn fte ifw aud) no$ um feinen £ieblinggfo£n ©eujEamin bräd)*
ten! Darauf £abe er ft$ M bem 33ater verbürgen müfjen, unb
mit feinem ?eben fei er bafür eingeftanben: benn fonft, n>a^rlid^ f
I?ätte ber 3Sater tyvxn Benjamin nimmermehr mitgegeben* Manebo
itaque servus tuus pro puero in ministerio Domini mei, et
puer ascendat cum fratribus suis: benn iü) fann nid)t £eim*
fe^ren ju meinem 23ater, ojme baß ber fnabe Ui mir fei, bamit
iä) nidjt beö Unglücfe«, t>a$ meinen SSater übermannen wirb, felbft
Slugenjeuge fein müßte" ♦ ♦ ♦ ©a $>atte 3ofep£ wofrt 33eweife genug
von ber in ber gamilie t?errfd?enben (Sintrac^t unb Qitlt, fowie von
ber wirftid) aufrichtigen 9?eue über bie einft an einem anbern
33ruber unb ©ofme bee Sßaterö verübte s D?ijfetf>at, unb f?eißt 1 S benn
auety weiter mit Stecht: Non se poterat ultra cohibere Joseph:
er gab ftcfy i^nen unter einem ©trome von £(?ränen aU iljren etnfi
verfauften ©ruber ju erfennen*
8. 33or SSerfünbigung beö ©efe^eö auf ©tnai, baö in
ben Anetten ©ottes bie gurc^t erzeugen foflte ((Sxob* 19, 10— 11.)/
muß ftdj Mi SSolf erft brei Sage lang reinigen unb ^eiligen. —
©o gefjt ciud) eine fyötyxe Reinigung vorder, e^e ba$ ©efe$ ber
Zitbc unb 3Mfommen£eü > baö ben ©eiji ber $inbf#aft erzeugt,
bem £er$en eingeprägt wirb.
9, SQBie f#ön ift ber (Sifer, ben bas SSolf jeigt jur 33er*
fcfyönerung be$ £eiltgtf?um$ be$ Jperrn! (@rob* 36.) 2US 9)?o*
fes bie gefcfytcfteften Äünftfer jufammengerufen £atte, unb biefe jt#
erboten, tljre 2lrbeitöf?ülfe gratis ju leiften, fam t>a$ 33otf ja^lreidj
{eben borgen, fo lange bte 2lrbeit bauerte, unb braute feine
Sßetljegefdjenfe jur Sßerjierung be$ £abernafelö, fo baß bie Äünfi*
ler, baburd) veranlaßt, ju 9J?ofeg fagten: „Da« 33olf bringt mef>r,
aU nötf>ig ift/' Unb tic Opferwilligfeit beefelben ließ ntc^t ab,
253
bis SDtofeS burcfc bie ©timme eines SlusruferS |>atte serfünbigen
laffen : „2Beber Sftann no# grau fofle fortan no# etwa« bringen
jur SBottenbung beö £eiligtljume$/' 3ft bat ntc^t fdjön?
10* 2D?ofe$ fpra$ ju bem SSotfe: Dominus Deus tuus be-
nedixit tibi in omni opere manuum tuarum: novit iter
tuum, quomodo transieris solitudinem hanc magnam, per
quadraginta annos habitans tecum Dominas Deus tuus , et
nihil tibi defuit. (Deut. 2, 7.) „©teJje, ber Jperr war alT bie
3a£re bei bir unb fegnete beiner £änbe Sßerf* @r wußte genau
um beuten 2Beg bie tnerjtg 3a£re lang, bie bu bur$ btefe große
SBüfte pilgerteft unb @r in beiner 93?itte wohnte unb bir ni$t$
mangeln lieg 7 ' ♦ ♦ * Unb bu, meine Seele, wie wirft bu innerlich
geflimmt, wenn bu über bie gerungen ©otteS in ©einem ßeben
nacfjbenfeft?
IL Super humum populi mei spinae et vepres as-
cendent: quanto magis super omnes domos gaudii civitatis
exultantis? (Is. 32, 13.) SBenn bie Sewofmer ftilter unb ge*
regeltet Softer x>on 3^t ju Seit befonberer getfili^er Uebungen
bebürfen, um bem witben Sluöwuc^fe natürti^en Unfrauteö fräftiger
entgegen ju treten: wa$ fotten benn biejenigen t&un, bie in 9)?itte
beö ©eräufc^eS unb ber 3^jireuungcn unb Suftpartien ber Sßett
leben? 21$, unb bie reben t>on „nid)t ein 33ebürfni£ füllen" na#
furjer ©infamfeit für ein paar Sage, um einmal beffer ju beten
unb — ju beichten*
Et erit opus justitiae pax, et cultus justitiae silentium,
et securitas in sempiternum (ibid. 17.) griebe unb ©ered)ttg*
feit unb @icf)erfteUung be$ ewigen ipeilee gepen att grüßte aus
folgen ©emüt^fammlungen in fdjweigfamer Gnnfamfeit £eroor*
Et sedebit populus meus in pulchritudine pacis, et in taber-
naculis fiduciae, et in requie opulenta. (Ibid. 18.)
12* Cor tuum meditabitur timorem: ubi est literatus?
ubi legis verba ponderans? ubi doctor parvulorum? (Is.
33, 18—19.) 2Öaö Jjier ber $rop!?et fyat fagen wollen, ba$ er*
flärt junäcfjft ber £1. Paulus 1 Sor* 1, 20: bur# bas $reu$ unb
feine Selben 5>at ©Ott bie SBeiäijeit biefer 2Bett jur £f)orl)ett ge*
madjt, unb jwar einmal für immer, fo oft ft# biefe 2lfterweigl)eit
gegen ben Jperrn unb ©einen (££rifiu$ wenbet; barum fotlen wir
254
nidjt fürchten unb jag&aft werben* — 216er aus bret Pfaffen son
SWenf^en ^aben un6 9D?ancfye in ben legten 3^tten nic^t unbegrün*
bete gurdjt eingeflößt, falle ©Ott bie 2Öelt iljrem 33erberben enb*
li# preisgeben wollte: 1) bte 33iitf)erfcf)retber (literati), 2) bte
©efeggeber (legis verba ponderantes), unb 3) ^3rofefforen unb
©cfyulmeifter (doctores parvulorura) — ubi sunt?! faßt 3faia$,
grage unb 33erwunberung jugleic^: U$ wolun ift e$ mit if?nen
nicfyt gefommen, wie ferne £aben fte ft# verirrt, fett fte bie l)eilig*
ften ©runblagen ber menf$ti#en ©efcllfdjaft untergraben wollten,
ober eS traten, oljne eö ju wollen. — 2)a6 „ubi sunt?" ift aber
aucfj no$ eine tröftlicfye ^ropbetie: wir follen un$ feineewegö fo
fepr t>or ibnen fürchten; balb wirb man fragen: wo finb benn bie?
unb fte werben t>erfd)wunben fein *>on ber (£rbe mit fammt ben
©puren ifjrer unnügen 3Äenf$enwerfe, bie fte an ©teile beS ©ot*
teewerfeS fe§en wollten.
13. Et erit ibi setnita et via, et via sancta voca-
bitur; non transibit per eam pollutus, et baec erit vobis
directa via, ita ut stulti non errent per eam. ®a$ läßt
ftd) mit Siecht fagen t>on betn ^eiligen, reinen unb geraben
SBege beö latljolifcfyen ©tauben^, ber alte feine aufrichtigen
S5efenner fo ficfyer jum £eile fü^rt, ba$ au$ ber Slllereinfältigfie
*>on if?nen unfreiwillig niemals irre gelten fann. — Non erit ibi
leo, et mala bestia non ascendet per eam, nee invenietur
ibi; et ambulabunt qui liberati fuerint. Et redempti a
Domino convertentur, et venient in Sion cum laude; et lae-
titia sempiterna super caput eorum. (Is. 35, 8 — 10.) üDaö
Sefctere gilt mit noef? größerem Steckte oon bem geraben, ^eiligen
unb fiebern Sßege (semita) beö flöfterlid^en @el;orfamö, ber feine
sotlfommenen 33eobadjter fo ju fagen fcijufH unb fiidjfrei ma$t
gegen alle (Srftnbungen , Sifte unb 9Zac|)fieltungen be$ £eufel$
unb ber 2Belt; jiencr ift ber leo, son bem au$ ber Ijl. ^JetruS
fagt: rugiens cireuit quaerens quem devoret (1 Petr. 5.);
biefe ift bie mala bestia, baö Ungeheuer mit brei köpfen na$
1 3of). 2, 16: gfeifctyeöluft, Slugengierbe unb SebeneljofFart.
14. 33ei %\a\tö 43, 23—25 fpridjt ©Ott klagen aus, bie
für bas ß^riftetwolf ebenfo gut unb xnelfeicfct noef) meljr 93ebeu*
tung £aben, a\i für bie 3uben . . ♦ „3$ Ijabe bi# ni$t ju $?et-
255
nem Anette gemacht unb btr Qu x>tel) Sirbett aufgelegt in ©cfylacfyt*
unb 33ranbopfem . . . verumtamert servire Me fecisti in
peccatis tuis, praebuisti mihi laborem in iniquitatibus
tuis . . . (£$ tfi einer ber furcfytbarften ©ebanfen für ein gläubiges
£erj, bafi ber ©ünber hei aßen feinen Safiern unb ©d)anbt£aten
unb ttngerec&tigfeiten ftcfy ©Ott Reifen lägt f inbem er Ui jeber
©ünbe mehrere ®aicn ®otte$ mißbrauch £>a3 ift bie $lage
beä £erm beim ^ropljeten. Sennodj wünfe^t ©Ott bie 9?ücffe£r
be$ ©c^nlbigen unb labet iljn ju fi$- Reduc me in mernoriam,
fagt @r weiter ua$ jiener bittern Älage, et judicemur simul;
narra, si quid habes, ut justificeris ... (£$ gibt gewifi feine
(Sntf^ulbigung für ben unbanfbaren unb pflid)h>ergeffenen ©ünber;
allein wenn er in jDumm^eit unb ftnnlufcer SSerbtenbung ftcfy t>on
irgenb einem ©cfyeine £at berücfen laffen f fo folPä tJ)m gletcfyfam
nod) jur (£ntf$utbigung unb tyeitweifen Rechtfertigung bienen unb
feine SBieberaufnaljme tym erleichtern, nur folt er gleich fommen
♦ ♦♦ 2Öie grofj ift bo$ bie 23arm£er$igfeit ©otteö, bie £ier bem
©ünber faft eine gegenfeitige freunblicfye 2lusg(eicfyung tforfcfylägt!
quam pretiosa est una anima corara oculis Domini!
15* (Sinlabungen ©otteö ju ben Sßaffern ber ©nabe:
Omnes sitientes, venite ad aquas; et qui non habetis argen-
tum, properate, emite, et comedite; venite, et emite absque
argento, et absque ulla commutatione vinum et lac. (h. 55, 1.)
2ltte, bie 33erlang-en ^aben f follen fommen; SBerbienfte brausen fte
nicfyt mitjubringen; fte fönnen ftd? im Reiche ©otteg anfiebeln ofme
Äauf unb £aufd) , unb bort leben von SBein unb 9ftttd) • ♦ . §ür*
waf>r, tx>er folgen bringenben @inlabungen eines ©otteS nid;t nadj*
fommen will, um feine arme ©eele ju retten unb ju fettigen, ber
wirb je^nmat serbientermafen in bie £ötle geworfen. 2)ur$ j[ebe
(Srbarmung, bie von bem ©ünber t>erf$mä£t würbe, erwirbt ©Ott
fo ju fagen ein neues Stecht ju beffen ewiger 33erbammung*
IG. S)aö 33et£auö auf bem £L Serge be£ iperrn . . .
„Adducam eos in montem sanetum meum, et laetificabo eos
in domo orationis meae: ifire 33ranb* unb ©djtadjtopfer werben
mir gefallen auf meinem Sittare (in Sfmfio nämlid?); benn mein
£au6 wirb ein £auö beö ®thettö genannt bei allen SSötfern/'
(3f* 56, 70 @rft will dv fte führen „in montem sanetum,"
256
auf ben % 33erg ber SEugenb unb ©elbflüberwinbung; unb bann
Witt (£r fte erfreuen unb trofien „in domo orationis" ... im
£aufe bes ©ebeteö, baö auf bem £1. 23erge ber Sugenben erbaut
werben mug*
17. Sie 3ei$en wahrer ©enbung an bem #errn
(Suc* 4, 8. «TOattfr. 5, 5.) unb an ©einen ^ro^eten (3f, 61,
1 — 2.) waren and) an ben Slpofteln unb ^eiligen j[eber 3?it «nb
ftnb für alle fünftigeu Wiener ©otte$ ein (£rforberni§ jum ©lau*
ben: 1) ©enbung x)on ®ott, fonft unmittelbar, jie£t gewöljnlid) nur
mittelbar burd) t)ie Ätrdje, bie aber au$ ber unmittelbaren ©enbung
ju gebieten £at, beim fte ift unb bleibt hiä an'3 (£nbe bie „Seherin ber
93ölfcr," bie „Säule unb ©runbfefte ber 2Ba£rl)eit," unb ber £err
£at fte fo gefiiftet unb fo erhalten unb burdj SSunber be*
glaubigt, ba£ feine Dorgeblid) unmittelbare ©enbung il?r gegen*
über ft# unabhängig behaupten lann unb barf; Spiritus Domini
super rae. 2) ©tanbeögnabe unb eigene Salbung für ben SBoten
©ottes, wie fte nur ber fatl)oltfd)e s ]3riefter empfangen fann im
©acramente: eo quod unxerit Dominus me. 3) ©anftmutlj
unb ftitle Demutb als befte Vorbereitung jur 2lufna{>me ber apo*
fioltfcfjen ^rebigt anfeilen: ad annuntiandum mansuetis misit
me: bie 2flet£obiften unb anbere $e|er meinen baö ©egentljeit
unb verfemen fyx ganjeä Slubitorium in 5£obfuc^t. 4) feilen, bie
jerfnirfcfyten unb reumütigen £er$en$ ftnb, nic|t wegen seitlicher
33ertufte, fonbern wegen be6 Sßerlufteö ifjrer ©eelen burd) bie
©ünbe: ut niederer contritis corde. 5) £)en verzweifelten @e*
fangenen ber ©ünbe bie wieberjugewinnenbe greifen vom ©Öfen
prebigen; nicfyt aber ben glücf feiigen ©efangenen ber göttlichen %kbt
ein ungebunbene^ &bm anbieten: et praedicarem captivis in-
dulgentiam. 6) Söfung benen, bie in ben gejfeln böfer ©ewolw*
Reiten fd?mad)ten, burefy £ülfe ber@nabe verneigen: clausis aper-
tionem. Sie beiben legtern fünfte verftanben bie fog* 9?eforma*
toren beö 16* 3a£r£unbert3 in einem tljnen eigenen ©inne, inbem
fie ben Sölibat aufhoben, unb bie Tonnen auö ben Älöjiern £inau$
wieber in bie weite 2ßelt führten. 7) prebigen ba$ 33erfö£nuug$*
ja&r beö £errn unb ben 5t ad? et ag, ber enbltc^ auf bie lange
S^it ber ©rbarmung folgen wirb: ut praedicarem annum placa-
bilem Domino, et diem ultionis Deo nostro. 8) Sitte SErauernben
257
mitleibig tröften, jebeö Seib unb (Etenb na$ Äräften ju linbern
fud)en: ut consolarer omnes lugentes . . . Waü) tiefen 3eid)en
unterfdjeibe ben ©otte^mann sott beut, ber es niefit ift*
18* (£in @eft$t »om Briefen 2)em ©eper 3faia$
($ap* 63.) erfd)eint einmal unfer Jperr unb (£rlöfer ganj rotp
unb befprengt mit ©einem eigenen 23lute* %U 3£n Sfata« wote
Bon ferne erblicft, fragt er jiaunenb: Ouis est iste qui venit de
Edom, tinctis vestibus de Bosra? iste formosus in stola sua,
gradiens in multitudine fortitudinis suae? — 2Ber ift'3? (£r
fommt unb f freitet einher in ber güfte feiner 5)?adjt unb ©tärfe
♦ ♦ ♦ £>enn alt ber Mutige 3efu« mit bem Ärenje Betaben für ung
in ben fc^merjlic^jiten £ob ging, ba jeigte (Sr ©eine größte SD?ac$t,
bie SD?ac$t ©einer Stete, welche bie ganje 2öett an ftd) gebogen
Ijat, tt>ie (£r felbft *>on ©einem Äreujtobe fagte: Ego si exaltatus
fuero a terra (am Äreuj unb bama$ in ben Fimmel) omnia
traham ad meipsum. — 25er % ^Jrop^et vernimmt bie Antwort:
Ego, qui loquor justitiam, et propugnator sum ad salvandum.
3wei geinbe be« $t\U§ Ratten bie 9J?enfd)en: ben £eufel außer
ft$, unb bie verberbte Stfatur an unb in fuf^ ©egen ben erfient
war 2£rijlu£ ber „expugnator," benn dv ließ tym feine ©ewatt;
„latrare quidem potest diabolus, fagt ber % SSater Slugujlin,
mordere Don potest, nisi volentem." ©egen ben jweiten geinb
war un$ (£l)riftu$ ber „propugnator ," benn (Sr wollte aud) unö
etwa« überlaffen, bamit wir ©elegcnljeit Ratten, 3n fett anbert^olb taufenb 3«^en big
bato Ratten nt$t einmal lefen fönnen. ffienn fte eine btblifcfce ©ef$tc$te
(^reiben, ftnbet man ft$ bartn gar ntc&t ba&etm unb $ure$f, unb man weif*
oft nttyt, fcon tt>a$ für Scannern unb Sanbern eigentlich bte SRebe ift, benn
alles $et£t ba anberä, aU in ben £agen, ba wir no# in bte ©$ufe gtn=
gen. ©ottte man glauben, ba§ gute ßat&oltfen anty in folgen 2lbernu#
geraden fönnten, um einen gortf^rttt in ber 2Biffenf#aft ju con*
ftattren ?
266
follen wir füllen unb benfen unt> wünföen unb beten unb Reffen,
wie ber weife 9J?ann in biefer ©teile gefügt, gebaut, gewännt,
gebetet unb gehofft £at: mit feinen Sffiorten unb im Sinne ©otteä*
£)a$ ift nidjtö *>on sensus aecomraodatitius: ba$ ift wahrer, buet)*
ftablicber ©tnn ber frt. ©djrtft, baö ift i£re „ibeale Seite", tton
ber SBmbtfcbmann fagt, „bafi fte ftd) immer wieber gebärt", ba$
ift etwas t>on bem £rofle, wn bem ber Sipofiel fyrtdjt: „ut per
consolationem scripturarum spem habeamus," unb $on welkem
ti hei ben Üttaccabäern Ijetfjt: bafj fte feinet anbern Xrofte6 be*
bürften, „habentes pro solatio sanetos libros, qui sunt in ma-
nibus nostris." (Rom. 15, 4. 1 Macc. 12.)
3$ fagte btef} Mt$, weil ti Seute gibt, bie in obigen 203or^
ten be$ Sßetfen nichts anbereg fe^en wollen, aU an ©ebet um
bie Erfüllung ber früher getanen 33erl?ei£ungen; fo erflären fte
nämlicf) „suscita praedicationes" etc. aug bem grammattfefcen
SWoment tljreö ^peraut^entifc^en ürterteö* £>amit Ware bann frei*
lify furj 2llle£ atytfyan f unb jene SEBorte — toie taufenb anbere
— Ratten nur einen geringen fnftorifcfyen 2Bertlj>, etwa xoie wenn
fte im £acttu$ ober £tt>iu3 ftänben, unb ung bafür jeugten, bajj
ber SSerfaffer be$ Ecclesiasticus ein frommer 3ube war, weil er
an bie 23erl?ei§ungen be$ £errn feines ©otteS glaubte, unb um
beren Erfüllung betete *)♦ ©tbt man aber baburety ni$t einen fel)r
böfen, ebenfo btinben ali gefährlichen Snftinft ju erfennen, aU
wolle man übergeben in'g Sager ber rationaliftifdjen Ärittfer, bie
ftdj ttiete 5Kübe gegeben Jjaben unb geben, um baS ^eilige 23ud)
f leiner ju_ machen, 2llfeö barauö entfernenb, waä unnötig, xva$
tton feiner ober geringer 33ebeutung ober Jnftorifdjer ©eltung fei?
— 23eibeS, Sßort unb ©inn ber ©djrift, war ben Sitten Jje£r unb
Zeitig, unb gegen 33eibeg tft man teufXifc^^^oc^miltptg ju gelbe ge*
jogen mit einer wiffenfcfyaftlidjen Ueberfjebung, einer (Srftnbungßlujl:
unb ©9ftematiftrungöwut^, bie bem ruhigen fatljolifcfien 23eobad>ter,
*) 3n bem „praedicationes" ber SSuIgaia Weint ttnrfttc& ni#t allem
t>a& 35erf>eif)ene , fonbern au# bie 2Crt unb SBetfe feiner 2Infünbigung be*
beutet ju fein. Ueber allen grammatifc&en gormen fte&t unb muß fielen
biejieniße, welche und fcom JL ®eifie geroafjrleiftet ift att forma sacra
ber ©cfcrift.
267
ber weif, wa$ er an ber Äirdfje £at, unb woju bie ©$rift bient,
einen Stnbrucf machen, aU wenn ber jungfte £ag ttor ber £f)üre
wäre* 3$ fürchte, mand&e fat£olifc§e ©ete^rte Ijaben, ttieKeid&t
o^ne aßen tterfeljrten SOSttten, babei geholfen; wenn fte aber einen
guten SOSitten Ratten, fo bitte i$ ©Ott, dx möge fte bo$ für ipre
mül)et>ot(en arbeiten ni<#t flrafen!
Sie ^ropljeten unb überhaupt alle SBerfaffer ber % 33üd^er
fonnten aU befctyränfte 2D?enfd)en in t^rer 9?ebe nur bte eine ober
anbere £Jjatfad)e ober 2Ba£rljeit einjig ober sorjugöweife im Sluge
|iaben; bem % ©eijle aber, ber fte leitete unb infpirirte, fonnten
bod) gewifi ofme allen Sßiberfprucfy unb o£ne Schwierigkeit taufenb
anbere Gegebenheiten unb SBapr^eiteu jugfeid^ gegenwärtig fein,
bie @r in ©einer Slßwifienljeit unb 2Bei$ljeit in biefelben 2luSbrücfe
ju fleiben für gut fanb* 9ftit ber alten j[übifd)en Söafjrljeit t>er*
banb (£r in wunberbarlieblicfcer Äunft nod) eine unb juwetten me^
rere gegenwärtige ober jufünftige £eilfame £e£ren unb 2Öa£r£etten,
ni$t für bie Synagoge, fonbem für bie Ätrctye; unb
jwar tljat bieg ber % ©etfi barum, bamtt ba$ 2Bort ©otteö, ba$
ba ift im Fimmel bie ?eud)te ber Swigfeit, nic^t minber auf (Srben
alle Seiten beftrafrte, unb alle Steile ber £!♦ ©$rift in ben
Rauben ber Äircfje iljre t>oflefte 33ebeutfamfeit beibehalten in
generationem et generationem, et in saeculum saeculi!
2Bie löblt$ unb nüijltdt) ba^er immer ein gemäfjigteä ©tu*
bium ber 2lltertl)um6funbe, befonberä ber jiübtfctyen, fein fann, feit
ber Slpoftel gefpro^en: „litera occidit, Spiritus autera vivificat"
(2 Cor. 3.)? fotlten wir un$ nun and) nid&t me£r fo ftetf unb
ercluffo an ben alten Suc&ftaben aHein Rängen, aU wäre bie
äußere jübifcfje ©ef^ic^te ber £anpt$wed: ©otteä gewefen Ui ber
ßonfemrung ber £L ©Triften für bie $ir#e* 33ielleidjt Ijaben
einige fat£otif$e ^fnlologen, wenn fte mit iljren oft bebeutung$*
lofen ©ptgftnbigfetten eine aöcetifctye ober allegorifctye ßrrflärung
unb Slnwenbung ber % 33äter auä ber bibltföen ©regefe ju t)er*
brängen fugten, nidjjt geringere 23erantwortlid?feit , als jene prote*
flantifcfcen Äritifer, bie einen Xpcil ber alten % ©djrift wegbin
puttren, ober feine 2lutljenticität auä mä immer für ©rünben im
19. 3al)r|mnbert in Bweifet jteljeiu „2öte unfere ^Ijilologen
(SBorte beS alten ©örreS) bur# lange Seit ben ©eip auö ber
268
©pradfje vertrieben unb blog mit bem tobten SBorte pantierenb,
feine Är^ftattifatiott f unb wenn'S $oä) gekommen, feine 2Bal)loer*
n>anbtf$aft ftubirt ljaben; fo ftnb fte baburd) mit gutem 33eif!piel
unfern 2lerjten vorangegangen, bie, na$bem in iljmen ber SCräger
alles ©eiftigen fc^rrljöS geworben, audj im Drgantem ni^t ferner
meljr irgenb ein ©eiftigeg ftatuiren, unb nur Hof im Seibli^en
DerunMmfjlen/' *)
Sie pfnlologifcfje Ueberf$ä$ung regiert un$ fjeute kirn 33ibel*
ftubium. din folcfcer ©eift fü£rt leicht unb unbemerfbar Uä jur
Sßera^tung ber % 33ater, bie jene altjtübifd)en, natürlichen, budf)*
ftäbltcfjen, irbifcfyen Sebeutungen, aU bie minbernucf)tige Schale ber
% @$rift, oft gern vernac^läfftgt ijabeu, um beflo eljer ju bem
betebenben Äern beg ©eifteS ju gelangen, ber für bie Äirc^e nun*
meljr ben einigen ober bo$ vorzüglichem Sßerty befafu -ftiemanb
barf eö wagen, fte bej$alb einer ©$wäcj)e beö £er$en£ ober 33er*
ftanbeS befcfjulbigen ju motten: fte befolgten ben Ijeitfamen 3iatlj
beS Styoftefö, fte lehrten na# bem ©eifte beg (£vangelium6 bie ©e*
^eimntffe be$ eröffneten £immelrei#e$, unb ließen bie blinben
3uben mit ber i£nen ftebenfaclj verftegelten 33tbel geljen, tvoljin
fte wollten* <g$ leben bie % SSater!
2« lieber bie greube ber Sftutter*
©Ott ber £err fü&rte bie £elbin 3ubitf>, wie fte l)eimfel?renb
felbfi bem über £oloferneö £ob freubetrunfenen SSolfe von Setjm 55
lien fagte r ganj rein unb unverfel)rt au$ bem fernblieben $rieg&*
lager ber Slffyrer jurücf, „gaudentem in victoria sua (i. e. Do-
mini), in evasione mea, et in liberatione vestra. Confitemini
illi omnes, quoniam bonus, quoniam in saeculura misericor-
dia ejus! 44 (Jud. 13, 20. 21.)
(Sefjr fcfyöne £ertworte ju einer Sobrebe auf bie alterfeligfte
Jungfrau SJiaria, bie jene 3ubit£ nad) bem 3^wgntffe ber % 33a*
ter vorgebitbet %at f ncunlidj über bie breifac^e greube 3ttarien$
*) 3n ber „2Sallfa^rt na# £rter," roo au# no$ anbere ungläubige
unb unftr$ltd)e ©efirebungen ber mobernen „2BtfFenf#aft" na# Serbtenfl
gegeißelt werben.
269
nun, ba fte im £immet über alte Sljöre ber % (Sngel erhoben ift:
greube über ben Ijerrlidjen ©ieg beg £errn in bem GnrlöfungSwerfe,
greube über t£re unbeflecfte 9?etnigfeit tton jeber, au$ ber geringe
ften ©ünbenmafel, uub greube enbltc^ über bie glüdfelige Befreiung
be£ 23olfeS ®otte$, b* u ber 9ttenfcJ$eit, auS ber Äned?tföaft beS
l^öDfifc^en 2ljfur$, ©atan* greube ob bem ttollbra^ten (£rlöfung$*
werfe, wegen ber fielen SBunber unb Jjol)en ©epeimniffe, bie e$
enthält, unb welche tfon ©otteö Siebe, Sßeieljeit unb 9J?a$t bie
fünften unb l)errlicf)ften 33eweife geliefert Ijaben unb no$ täglich
unb ftünblicf) liefern in ber Rettung ber Seelen U$ an*$ (£nbe ber
3eit auf (£rben unb im Fimmel ewig: gaudentem in victoria
sua: greube über iljre unoerfeprte 9?ein^eit, in ber ©Ott fte *>or
bem leifeften 2lnf>au$ beö 35öfen um>erle§t in unb bur$ ba$
irbifc^e Seben geführt J)at: gaudentem in evasione mea, fagt jte,
bie ganj allein t)on allen ©terblid&en auf fol$e SOSeife bewahrt
worben in ber urfprüngltcfjen ©nabe beö #errn, fte, ©eine ©etteb^
tefte, ©eine £aube, ©eine Unbeflecfte, ©eine (Sinjige, ©eine Zvfy
ter, ©eine Braut, ©eine SWutter — unb fotlte fte Ui biefer 33e^
tracfytung i^rer greube Sfteifier bleiben, foltte fte nifyt ^ieltne^r *>or
greube unb %kbt unb banfbarem 3ubel fo ju fagen ganj aufjer
jt$ geraden, unb in ben unenblicfyen Dcean ber ©eligfeit ©otteS
ft$ ewig serfenfen immer tiefer unb tiefer? — greube brütend
über bie glücffelige Befreiung ber 9ftenfd)en, weil fte gegen alte
armen (&>a$finber ein fo jarteö 5Kutterl>er$ l)at, baS ©ott felbft
tpr gegeben, unb *>on bejfen %icU unb gürforge Äeiner auf (ürrben
ausgeflogen ift ♦ ♦ ♦ unb bie Sfftutter fotlte ftcf) nicfjt unenblidj
freuen über ba3 Jpeil unb ewige 2Bo£lfein fo vieler £aufenbe unb
SSMtonen iljrer Äinber? £)a$ fagt un$ Wirt.
SDiefer breifaetye Duell bilbet ben gewaltigen ©trom unau$*
fyre$li$er greube unb SQSonne, worin ©Ott ba$ £er$ SSJlaxiä im
Fimmel erfättigt unb ewig erfättigen wirb: fluminis hujus im-
petus laetificat civitatem Dei. — D pätte ify bo$ ein wenig
me£r Siebe ju meiner SÄutter SWaria, unb eine *>on ber finblic$en
Siebe berebte 3unge, um auöjubrücfen , toa$ mein ©eift erfennt,
wa$ mein £erj em))ftnbet Ui ber anbäc&tigen Betrachtung ber brei
greuben SWarienS im Fimmel! Ecce, anima mea, flumen Dei
r epl etum est aquis! . . . 2lu$ biefem ©trome £immlifd?er greube
270
trinfen bann au$, ja in tym baben unb tterfenfen ftcfj gteidjfam
alle (Snget unb Seligen/ unb ganj befonberS bte Diener unb 93erel)rer
ber göttlichen Sttutter, bie auf (£rben gern t£r l'ob tterfünbigt unb
bie 2lnba$t unb Siebe $u 9Karta in ben £er$en ber Sföenfdjen au$
allen Gräften erjeugt, genährt unb »erkettet fwben* ©ie umfdjwe*
ben bort ewig iljre Königin unb Butter tljronenb jur Dienten ifjres
göttlichen ©olme$, unb fingen in ben feligften Stören ein Sobfieb
bem iperrn unb ©einer gebenebeiten 3JJutter, ein 2oblieb f t>tetfetc^t
einlief) jenem, ba$ ber Jpo^epriefier 3oafim mit feinen ^3rieftern
unb Setuten ber Delbenmütljigen ©iegerin %nt>ii$ ju (ityxm gefun*
gen, als er eigene tton ^ernfalem nad? SBet^ulien tarn, bie Retterin
be$ 3$olfeS ju feljen, ju grüben unb ju preifen Qub* 150 :
Tu gloria Jerusalem
Tu laetitia Israel
Tu honorificentia populi nostri . . .
Ouia manus Domini confortavit te,
Et ideo eris benedieta in aeternum!
Et dixit omnis populus: fiat, fiat! (£$ lebe 9J?aria! 3P *$
nicfyt, a\$ wenn ein enblofeö Slmen unb Sllfelujia aU Antwort t>eö
ganjen {jimmlifcljen £ofe$ auf biefen ^reiSgefang bur$ alte 9?änme
beö ipimmefö raupte?
Dft fiat eS mir gefd)ienen, aU fönne man in biefem SSorbitbe
ber allerfeligften Jungfrau noc^ tuet meljr als bie gewöljmlidj be*
f annten Analogien auffmben, fo $« 33* in bem angeführten Aap. 13,
3$* 17—27: e$ ift roit eine gegenfeitige 33ewillfommnung jwtfdjen
ben Engeln unb anbem bürgern be$ £ünmeW unb ber SDlutter
OotteS, ba biefe juerft atö iljre lang erwartete Königin in ber
5Äüte jEener erfc^ienen war. 2ln# ben (Engeln burfte fte mit Stecht
fagen: Dominus reduxit me, benn mel)r gehörte bie ©eligfte
bem Fimmel an, a\i ber (Srbe, weil fte me|>r Sleljnlictyfeit mit ben
% Engeln, aU mit ben elenben 9Äenf$en Ijatte*
3. 2)ie Watyt beö böfen ©eifteS »or S£rifiu&
©ie beiben Aap. 40 unb 41 im Su$e 3ob enthalten eine
lange 3?ebe beö iperrn an ben % £)ulber über 93ef?emotl) unb Ce*
Statin, Spiere, bie wegen iljrer ©raufamfeit, 9Äad?t unb Sift ben
271
SCeufel bejeidjnen *) , unb worüber iä) bei mehreren ^eiligen unb
33ätern f$on manche tiefjtnntge (£rflärung gelefen £abe, j* 35. beim
£!♦ ©reger unb beim IjL Xfyomaü von 33itlanova. 6ie befennen
jeboc^ alle fe^r richtig unb einftimmig, ba§ e$ in ben göttlichen
©Triften x>tele verborgene ©eljeimniffe gebe, bie ber % ©eift felbft
einem frommen ttnb reinen £er$en erflären unb auffliegen muffe,
weil ein bfof? menf$li$eö £ra$ten unb gorfdjeu ftd; ba ni#t
Ijineinbrängen fönne, ofme unnü^e Silbernsten ju Sage ju förberm
£)ie $?ad()t beS £öllenbra$en ift in folgenben SBorten au£*
gebrücft, womit ba$ 4L Kapitel unb audj bie ganje 9?ebe an
3ob enbigt:
Non est super terram potestas, quae comparetur ei,
qui factus est, ut nullum timeret. Omne sublime videt, ipse
est rex super universos filios superbiae.
3ebo$ war baö nur ber galt vor ber Slnfunft unb bem (£r*
löfungStobe unferg £errn unb £eitanbeö 3efu Sfmftu 3n 3£m
unb bur$ 3fm unb mit 3£m gibt ti nun auf @rben wo£t eine
Wlatyt, ntd^t etwa nur, „bie bem 33e£etnoty* Seviatljan möge ver*
glichen werben/' fonbern auefy, bie fyn unb feine 9ftacf)t überwin*
ben, würgen unb in ben ©taub treten fann* £öre, na$ Subwig
von ©ranaba, xoai ber % Märtyrer 3upin über bie nun gebro*
$ene $?ad?t beö böfen ©eifteS fagt:
Exorcistis in Ecclesia commissum est, ut ab obsessis
corporibus daemones pellerent. Exorcistarum autem ordo
inter Ecclesiae gradus infimus est; ut hac ratione appareat,
adeo hostis antiqui potentiam Christi virtute fraetam ? ut
pueris in Ecclesia supra illum potestas concessa sit . . .
2llfo, Äinber unb Knaben vermögen if?n fortzujagen; unb ber
fat£olif$e ^riefier legt ftatt eineö metallenen £elme£ ein ©tücf
bünne Seinwanb, baS fog* Numerale, auf fein £au:pt unb betet mit
*) SBaö fann e$ aud) in ©lauben unb (Sitten erbauen, $ter ein 8an=
ge$ unb 23reite$ über Ärofobile, £atftf$e unb Oralen gu erörtern? Sie
600 Kommentare über ben einen äußerlichen Sortftnn ber (I. @#rtft tt>er=
ben an einigen ©teilen — bem Doc^eiligen 3roecfe ber Stbcl gegenüber —
£öc$fl lacfcerltcfc unb abgefc&matft, um xiityt ju fagen gottlos. Sftan follte
auf biefe ffieife lieber ben alten ^lintuö commenttren, simile simili.
272
gläubigem 9Kut£e: Impone, Domine, capiti meo galeam salutis
ad expugnandos diabolicos incursus.
4* £)ie gifc^eret von beiben ©eitern
$on ber 9>?acf;t unb Sonett be$ £eufefö ■ t>or ber Slnfunft
unferg Gerrit unb @rlöferö 3efu Gtyrißt l^at au$ ber $ropi)et £a*
bafuf (1, 15—170 bie fofgenben J>öd§>fi: merfwürbigen Sßorte ge*
rebet na$ einem son ber gtfc^eret hergeleiteten ®Ieu$ntffe:
. . . Homines quasi pisces maris . . . Totum (sc. mare
magnum et formidolosum hujus mundi, wie ber £!♦ Sluguftin
ei nennt) totum in hämo sublevavit, traxit illud in sagena
sua, et congregavit in rete suum. Super hoc laetabitur et
exultabil. Propterea immolabit sagenae suae, et sacrificabi-
tur retisuo; quia in ipsis incrassata est pars ejus, et cibus
ejus electus. Propter hoc ergo expandit sagenam suam, et
semper interficere gentes non parcet.
£)iefe SBett alfo ift bag gro£e 9#eer: bte s #?enf#en aber ftnb
be£ 3J?eereö gtfcfye — pisces maris qui perambulant semitas
maris, b* £♦ ber Sßelt ergebene SEftenfdjen, bie nur ber SBett SBege
unb ©ebrciu^e fennen unb barna$ i£ren Sßanbel einrichten; benn
folcfye allein barf ber SEeufel, jener böfe Sifc^er, f>eute nod) mit
feiner Singet erreichen ober in fein 9te£ einfdjtiefien* 35eibe 3n*
ftrumente, Singet unb 9te§ ftnb £öd)fi gefcü?rli$; bo# fönnen t^m
3J?an$e auö bem 9ie§e no$ lebenbig unb Ijeit entwifäen, aus
ber Singet beinahe niemals , weil fte einjetn fjeraufgejogen wer*
ben unb oft an ber empfangenen SBunbe verbluten. — 2BaS nun
foßen wir unter biefen bilblicfyen Benennungen x>erfie^en? Sffiaö
ift bie Singet unb tca$ ift bae 9te§ be$ £eufel$, womit er in bem
Speere biefer 2Bett auf feinen £ößifd)en gif^fang auöge^t? — 3$
erachte, bie Zieht jur Suft unb bie Ziehe jum 33efi£tl)um; biefe
umfcfylingt wie baö 9ie|, jiene serwunbet gleid? ber Singet* £>arum,
wenn bie Dtbengteute aus ben Sßajfern be$ 9J?eereS ftdj ergeben
unb gleid) ben SSögeln ft$ himmelan fdjwingen, legen fte t>ie ©etübbe
ber Äeufcf^eit unb Slrmutl) ah jum 3^i^en f bap fte ber Singet unb
bem -ftege jenes böfen gifdjerS entgegen» ©ie fwren nämli$ ba*
bur$ gänilid) auf giföe beS SDfeereS ju fein, unb hei bem brüten
273
©elübbe, bem beS ©e^orfamS, worin ba$ SÖefen be$ Drbenö*
ftanbeö eigentlich befteljt, werben fte gleic^fam 93ögel be£ £immel$,
bie über ben trüben ©ewäffern beö 9fleere$ ba^erfliegen na$ ber
Bewegung *>on oben, b* £♦ woljin unb woju immer ber ©e^orfam
fte ruft unb sie^L
Db ber ©röfje unb ©tärfe jener teuflifcf)en §if$ergerätl)f$af*
ten foll aber billig ^ebermann erbeben, benn ber ?5ropljet fagt f baf}
mittelft berfelben beinahe baS ganje 9D?eer burcfjwüljlt unb herauf*
gebogen werbe $ur greube unb jum gro^toden beö gottlofen $U
fätxi, ber barum aud> biefe feine Snftrumente gleid&fam ju ©ott*
Reiten aufftette, benen er opfere unb benen er aud) t>on Slnbem
Dpfer bringen laffe: immolabit sagenae suae — (ille ipse) et
sacrificabitur reti suo — (ab aliis excaecatis et perditis
hominibus). Unb feine Slbftdjt ift $on Slnbeginn feiner böfen
gifdjeret feine anbere gewefen, aU alte 33ölfer fdjonungStoä auf*
jufangen imb JU ermorben: semper interficere gentes non
parcet.
SBaö fonnte nun unfer göttlicher £err unb £eilanb JpeilfamereS
unb 33arml)er$igere$ tljun, als gegen biefen uralten gtfdjb ieb bie
apoftoliföe gifd^erei be$ ©oangeliumS einjufe|en? — Sieg muffte
woljl ©ein ©ebanfe fein, als (£r am @ee ©enefaretl) wanbelnb
unb leljrenb bie gifdjer berief unb ju iljnen baS anfangt fo bunfle
2Bort fpracfy: Sequimini me, et faciam vos fieri piscatores
hominum. — ©elobt fei 3efu$ SpriftuS! ©elobt fei 3efu$ $|rt*
ftuö! Ouoniam fecit nobiscum, pauperculis piscibus, secundum
magnam misericordiam suam.
5* 2ßaS am 35aume be$ Äreujeg wächst
£)aö 42. unb le£te Äapttel im 95u#e 3ob ift barum gan$
befonberS merf würbig, weil ei balb offen, balb in 93tlb unb @e*
Ijetmnifj bie reichlichen grüßte ber SCrübfat unb Prüfung be$ ®e*
regten aufjäblt
L Unter 5lnberm unb ganj juerft jeigt jt$ in bem feiigen
3ob, nadjbem bie fielen glühen seitlicher £)rangfale über ilm
ba^ingejogen waren, eine größere unb reinere (£rfennt*
ni§ ©otteS, toa$ fo rec^t beutlidj au$ feinen eigenen SBorten
55etnau Qty§ori8men. jg
274
TjervorgelH, WO er 51t ©Ott fprid)t: Auditu auris audivi te,
nunc autem oculus meus videt te. 2116 trollte ber $1« 9D?ann
bamit fagen: ba i$ retc^ unb geehrt im Ueberfluffe ©einer ©eg*
nungen lebte, Jperr, ba erfannte i# ©i$ wo£l burd) ben ©lau*
ben (fides ex auditu, non ex visu, le£rt ber Styoftef), cm$ x>er^
napm i$ im innerften 23ewufjtfein meinet ^er^enS oft bie ©timme
©einer Gmnaljnung , 23ele£rung unb £röfiung: nun aber, — wo
i$ in Slrmutl?, £rübfal unb ©c^mterj bie $robe ©eines Urteils
beftanben fyabt — nun erfenne \§ ©i$ unb ©einen l?eiligften
SBillen in einer folgen Ätarfjeit, als fönnte i$ ©id) feljen mit
meinen leiblichen klugen*
3n biefer 2luffaffung ber 2Sorte 3obs liegt bur#au$ feine
Uebertreibung* 3e mef>r bie £ugenb be$ ©laubene in biefem
Seben wäd^t, lebhaft unb vollfommen wirb, befto me£r fcfjeint er
f$on jum Lorano an ber 33elol)nung Streit ju nebmen, bie iljm
eigentlich für ba£ ewige 2eben hinterlegt ift: an ber @rfenntnif}
im Stauen be£ ©eglaubten* ©a£er Ijaben viele ^eilige gefagt,
fie glaubten ni$t eigentlich unb im engften ©inne beö Söorteö an
jene l?od$eiligen ©epeimmffe unferer % Religion, bie fte x>telmel^r
auf gewijfe SBeife ju feljen vermeinten in einem menfdbttcfjen
Uebermafje von @ewif#eit ©0 ber fei. (§gibiu$ von Slffift, ein
einfältiger granciscanerbruber, ber einfi einem no# einfältigem
33ruber gefagt Ijatte: „(£r, (£gibiu£, fyaU ben ©tauben verloren/'
über welche Steuerung ber Slngerebete in eine ängfttic^e 23erwun*
berung geriet^ unb beut (£gibiue jufprad?, „wie er bebenfen fotle,
ba£ man oljne ©lauben ni$t ©Ott gefallen no$ feiig werben
fönne, unb mä er benn anfangen wollte, wenn er ein ^riefter
wäre unb bas tyL SÄejjopfer barbringen müßte, wobei aud? ber
£eiligfte unb von ©Ott Srleucjjtetfie alle £age bie SBorte: Credo
in unum Deum u. f. w* ju beten verpflichtet fei, bte er bo$ ge*
wifj \\iä)t änbern bürfe in: Cognosco unum Deum?" etc. —
2118 (ggibiug in tiefer ©ammlung beS ©emütljes biefe Geologie
beö einfältigen 3ttitbruber3 biß jum (£nbe angehört patte , fam ün
impetus beö l)L ©eifteä über iljn, unb er begann $u tanjen unb
ju fingen: Cognosco unum Deum Patrem omnipotentem, unb
geriet!? in SSerjücfung* ©ie$ fam von ber £ol)en £ugenb unb
£öd?fien ®ahc be$ ©taubenö in einem von ber SÖelt unb allem
275
3rbif$en lo$gef$älten ^erjen, — (£benfo ift eö au$ mit ber
Hoffnung: jie *>oflfommener fte wirb, befto jut>erftc^ttid§>er unb ge*
wiffer wirb fte, unb befto ä^nli^er fd()eint fte bem eigentlichen
23eftge ber ©üter in ber ewigen (Srbfd&aft, bie ben ^inbern @ot*
teö für bie 3ufunft *)erjjei§en ftnb* 25alnn fönnte man tuetleidjt
ben Sluöfpruc^ be* % Slpoßel* $etru$ beuten (2 95etr* IV), wo
er fagt, „ba§ ©Ott uns bur$ 3efum (Sljriftum bie größten unb
foftbarften ©aben" — nic$t nur ^er^eißen / fonbem bie „t>er*
l) eigenen gegeben pabe": per quem maxima et pretiosa nobis
promissa donavit; benn wa$ ©Ott einem auf obige SQB eif e
glaubenb £offenben t>erfpri$t, baö fjat dx t£m gewijfermafjen —
in bem befeltgenben C5influffe f ben ein fotd(?eS SSerfprec^en auf beffen
Seele ausübt — wirftid? fcfjon gegeben* @S lebe 3efn$! — 3$
wollte bieg 2llfe6 fagen, bamit man bie ^eiligen ni$t fo lei$t
ber Uebertreibung ober beS 3D?angelS an ©nftd&t befc&ulbige, xcit
irbifc&e unb fleifcf)li$e SWenfdjen gern %n tpun pflegen, um iljre
eigene Sauigfeit ju entfcfjulbigen , ojme ber @a$e tiefer auf ben
©runb ju feiern
% ©ne jweite gruc$t ber beftanbenen £rübfal beö ©erecijten
ift bie grünblic§ere 25emutf> unb ©elbjHenntnifj, welche
ber (Srfaprung beS eigenen (StenbeS entspringt £)a$on liegt bie
Slnbeutung in ben Sorten SobS, wo er ft$ felbft anltagt unb ber
£l)or£ett befc^ulbigt: . . . Ideo insipienter locutus sum, et quae
ultra modum excederent scientiam meaoi . . . idcirco ipse me
reprehendo et ago poenitentiam in favilla et cinere . . .
3* ©ine britte §ru$t ber Srübfal beg ©eredjten ift bie große
Äraft ber (Störung, welche fünftig fein ©ebet t>or ©ott er*
langt £>aoon Jjeifjt eö im 9. unb 10* Sßerfe: Et suscepit Domi-
nus faciem Job. Dominus quoque conversus est ad poeni-
tentiam Job, cum oraret ille pro amicis suis. 3fy ©Ott patte
felbft biefen greunben 3obö befohlen, fte follten M$ Dpfer für
i£re aSerfünbigungen nifyt felber, fonbem burcp bie ipänbe Seinem
£)ienerö 3ob 3J)m barbringen: Ite ad servum meum Job, fpradf)
(£r gu ifmen, et Offerte holocaustum pro vobis: Job autem
servus meus orabit pro vobis: et faciem ejus suscipiam, ut
non imputetur vobis stultitia. — ©elobt (ei 3efu£ Slmftug l
Daß aucfj unö feine £fjor£eit *>on ©Ott angerechnet •werbe*
18*
276
6* Die böfe Stufenleiter*
L Die £L ©cfcrift befagt (Dan* 5.) x>on bem gottlofen
©aftgelage, welches ber Äönig 35a(t^affar *>on Sab^lon seranftal*
tete, unb wobei er mit feinem wollüftigen #ofe einen fo unfertigen
®ebrau<# von ben geteiltsten ©efäjjen machte, bie fein SBater 9?a*
buc^obonofor aus bem Stempel be$ ^)erm ju 3erufalem geftoljlen
Ijatte* (9ftan tranf nämlicty SBein barauS mit fd)le$ten Söetbern,
bte herbeigerufen waren*) „Bibebant vinum — £ei£t eS, fte
foffen unb lobten tpre ©ö§en *>on ©olb unb ©über, *>on (£r$,
*>on ©fen unb *>on #ols unb tton ©tein — et laudabant deos
suos aureos, et argentos, aereos, ferreos, ligneosque, et
lapideos."
©epr treffenb, wenn au$ geljeimnifjootl witt ber Jjt* ©eift in
biefer fo fonberbaren Stufjä^lung beS ©toffeS, worauf bie @ö£en
angefertigt waren, un$ anbeuten, wie ber 9Äenf#, fobalb er ftdj
einer bttnben Seibenfdjaft überhaupt, befonberS aber bem grafi unb
ber £runfen£eit Eingibt, in feinen ©ebanfen, Effecten, 33egierben
unb Späten aus einer Unwürbigfeit in bie anbere immer tiefer
unb tiefer ftnft, hi$ er jule§t sötlig in ben Slbgrunb alles (£lenbeS
unb aller Soweit fommt, ©ott unb feine eigene ©eele t>era$tet
unb enbticf) bem fdjrecflidjften ©eridjte anheimfällt Impius, cum
in profundum venerit, contemnet, fagt ber J)L ©eift* 3^nt
3ei(|en bejfen, unb bamit wir biefe 2Ba£rl)eit mögen re$t ju
Jperjen nehmen, erging anty über jenen Äönig 33abplonS baS ©e*
ricpt ©ottee, wel$e£ i£m ber *ßrop|>et Daniel angefünbigt Ijatte:
benn in tUn berfetben 9tacf)t, bie auf jenes gotte$f$änberifcf)e
©aftmaijt folgte, ftnb bie rauben Werfer über SBab^lou hergefallen
unb Ijaben ben ^önig mit all* ben ©einen elenbiglid) ermorbet
2* Der spriejler ober 9?eligiofe fann ni#t plö£lid> fallen
unb in bie ©rube eines f^weren 2?ergel)enS ftnfen, fonbern er
fällt sensim sine sensu, paulatim, spernendo modica, et gra-
datim, inbem er nur irgenb einer Seibenfdfjaft, unb anfangs nur
ein wenig nachgibt, unb enblt$ bie 3ügel fliegen lägt Daö
Quomodo aber, tok ber Steligiofe ober ^riefter fällt? Das be*
fagt ber $falm: Homo cum in honore esset non intellexit . . .
cv verliert mel^r unb mejjr bie ^oc^f^ägung ber 2Öürbe feines
277
StanbeS unb 23erufe$, ber t£m ntc&t mtyt fo ergaben jlraljlt über
alle eigenwilligen £ugenbwerfe ber Saien unb SBeltmenfäen u* [♦ f*
£)a$ befagt noc^ genauer £)aniet, wenn er, *>on bem gottlofen
©afigetage Königs 33altl)affar t>on SBab^ton unb *>on bem gotttofen
treiben ber ©äfte rebenb, fpridjt: Bibebant vinurn et laudabant
deos suos, golbene, ftlberne, er jene , etfeme, £öljerne, fteineme
©ögen* Siefie ba, meine Seele, in einem Silbe bie unfeligen
Stufen jener £öllenteiter: SOBie au$ immer ber (£ine @ö§e Reißen
mag, ben bu forgfam im £er$en birgft unb mit Vorliebe ttereljrfl,
fei er *>on ©olb ober ©über, @rj, ©ifen, £olj ober Stein, b* £♦ ob
er beiner unb beiner eblen SBeftimmung etwaö weniger ober etwas
me£r unwürbig ift ober ni$t — er allein reicht Ijin, bi$ enbltd) Mi
Verberben ju ftürsen* gurrte bie in nem Verräter, beine Reiben*
fäaften, meljr aU alle £eerf paaren bergeinbe t>on außen. Senn
bu bir £eute erlaubeft, baS gttttergolb ber weltlichen dfyxt unb
ßitelfeit ju liehen , fo wirft bu morgen audj Steine unb maffen*
Ijafte (£rbfd()ollen umarmen unb bi$ babei gtücflt$ wäljnen* 3a/
wag fagt ber flagenbe $rop£et? — Oui nutriebantur in cro-
ceis, amplexati sunt stercora — fogar Äotlj paben fte umarmt!
Sursum corda! Vos estis sal terrae, fpra$ ber (£rlöfer ju
Seinen Sipopein unb in ifmen ju allen ^rieftem unb 9?eligiofen
unb ettangelifcfjen Arbeitern — quod, si sal infatuatum fuerit,
in quo salietur? Jperr, £)u weißt eö: Ad nihilum valet ultra,
nisi ut mittatur foras, et conculcetur ab hominibus. 3a,
nicf)t allein *>on ben 9Äenfc&en, aud? x>on bem Viel) wirb ein Solcher
juweilen mit güßen getreten, unb ei gefegt tym ehen SRefy,
quia homo cum in honore esset, non intellexit, comparavit
se jumentis insipientibus, et similis factus est illis (Ps.);
burdfj fein ^Betragen nämlicfj Ijat er fid) alter Verachtung würbig
gemalt.
SWerfe wo£t in ben SBorten 3efu Sfjrifti jene angebeuteten
brei Stufen ber Unwärbigfeit unb Verwerfung: 1. Ad nihilum
valet ultra, nempe in suo statu et dignitate; 2. mittitur foras,
i. e. extra monasterium et ordinem suum; 3. conculcatur i. e.
contemnitur et humiliatur ab omnibus et usquequaque, et in mi-
seriis non subsistent (in ben SErübfalen ber Verfügungen biefeS
SebenS unb in ber atlerlegten £obeätrübfal befielen fte m#t) labor
278
labiorum ipsorum operiet eos, b* £♦ bie % ©elübbe, feie fte
©Ott verfyro^en unb fcejc&woren unb ntc^t gepatten ljakn, falten
auf fte tt)ie glüljenbe ^oljten beS göttlichen 3orneS — cadent
super eos carbones, in ignem dejicios eos: in miseriis non
subsistent. (Ps. 139.) Vivit Jesus et vivit anima mea, ero
ei fidelis usque ad mortem! Ave Maria!
?♦ ©er 2ötnf be$ SSaterö.
(£inen großen 23eweggrunb, un$ in Äreuj unb Seiben ju trö*
ften, ftnben wir in ben SBorten be$ fönigli^en ©ängerä unb $ro*
pljeten im 5^ ^falme:
Dedisti metuentibus te significationem, ut fugiant a facie
arcus, ut liberentur dilecti tui. — £)iefen 2tugfpru$ beg s ))faf*
miften erflärt ber % £J)oma$ von S3illanova trgenbwo, jwar feljr
furj, aber auf eine üfcerauö troftrei^e SQBetfe f inbem er f treibt:
Dat Deus timentibus se significationem , et veluti annuit
oculo electis suis, cum eos hie corripit, ne eos illa
crudelis sagitta perfodiat: Ite, maledicti, in ignem aeternum!
2Bet$ 1 ftral)lenbeg iifyt verbreiten biefe wenigen SBorte beS
«^eiligen über jenen £ert ber ©cijrift! — ©d)on j[e£t fielen wir
gleid&fam vor ©otteS ©eri$t, ba eS in ©einer Sittgegenwart, (£wig*
feit unb 2ltlwijTen£eit feine Slufeinanberfolge von 3eiten gibt @o
lange wir unS aber in biefem Sekn beftnben, fte£t eg in unferer
freien SBitlensmad&t, uns ju wenben nadj welker ©eite $in wir
wollen, jur Sterten ober jur Sinfen; am ©ericfjtötage bagegen
werben bie % (£ngel einem 3eben bie verbiente ©teile anwei*
fen, xoit ber £eilanb tm (£vangelium fagt SBenn wir nun in
ben vielfachen Verfügungen biefeS elenben &ben$ ein wenig auf
bie verfeljrte ©eite neigen, fo fenbet ber f>ö$ftbarmljer$ige ©Ott,
,>qui vult omnes homines salvos fieri" unS Seiben, £rübfal
unb Äreuj, b, £♦ (£r gibt uns gleic^fam einen väterlichen klugen*
winf, bamit wir bie gefährliche ©teile fliegen, wolnn (£r am jung*
fien Sage jenen fo f$recfttcf>en s Pfeil Seinem 3orne$ ju fenben
gebenft, wenn dx ju benen auf ber Stufen ft# wenben wirb mit
ben bie ©eele ewig burcpofjrenben 2Borten: „hinweg von 9Äir, tyx
SSermalebeiten, in'i ewige geuer!" — O ber waj>rl)aft väterlichen
279
, Sorge unb ©üte unferg ©otteS gegen bte 9ftenfd&en, aber ttrie mel
me£r no$ gegen ©eine 2lu3erwäljtten !
©o lange alfo unb fo oft ©Ott bur$ Äreuj unb Seib uns
bergleidjen väterliche SBinfe gibt, bamit wir bte ©ünben unb §e£*
ler vermeiben ober aus benfelben un$ wieber ergeben: fo oft fott*
ten wir un$ innerlich re$t erfreuen, benn biefeö ift tin 3eid^en
©einer größten (Srbarmung unb Jpulb, ein fyifytn ber ewigen
2lugerwä£lung* — „Nuinquid projiciens abjecisti Judam? aut
Sion abominata est anima tua?" fpridfjt ber $ropl)et gu bem
£errn; unb aU fönne er bie§ ni$t glauben, fügt er fogleid) bie
Urfa$e ^inju: „quare ergo percusisti nos, ita ut nulla sit
sanitas?" (Jerem. 14.) Sie ©erläge ber Prüfung Ijienieben
geben nämlicfe 3^8^§f ba & ® ott ba ^ # er X @^ner (£rbarmung
nod) nic^t für immer im 3owe t>erf$loffen £at @S lebe 3efu$ ;
unb (£r fei gepriefen bafür, baft wir bieg erlernten!
2luc^ beim *Pro$jeten SlmoS Aap. 4 jctylt ber £err eine gan^e
SÄenge plagen auf, bie einen f^werer als bte anberen, womit (£r
bte böfen Ätnber 3$rael$ bereite gefdjtagen Jjatte, bamit fte ja
3fmt von ben fallen ©ö|en surücffeijren follten, unb @r broljt
biefelben boppelt ju wieberl)olen* £)a aber bieg Mc$ fte no$ ni$t
jur gewünfdjten SSeftnnung bringt, erinnert dx tfiUfyt audj) an bie
alte furchtbare ©efangenf$aft unter ben 3wingvögten Sleg^ptenö
auf bem ßitQttftlbt* — ©iel)e ba, in welker 2lbftcf)t ber UeU
©Ott, wenn fte ftd) von 3£m entfernen, väterlich jümt unb f^lägt,
bamit fte wteberfefjren, bereichert mit ber (Srfaljrung, bafi eS iljmen
anberwärts f<$Iimm geljt.
3m ©egentljeite tefen wir beim ^ropljeten @$e$iel (16/ 42.)
von ber testen unb furcfjtbarjien aller ©trafen beö £erm gegen
ben verhärteten ©ünber unb 23öfewidjt, ber auf feinen 2Binf unb
9?uf beö Sßaterö me£r Dören will unb aufgehört Ijat, ©ein ßinb
ju fein, bie Sftarf unb 23ein bur$f$neibenben SBorte: „Et requies-
cet indignatio mea in te, et auferetur zelus mens a te, et
quiesam, nee irascar amplius," b* £.: „3$ will mi$ um bt#
nicfyt weiter meljr fümmem unb bi$ anfeljen alö einen unverbeffer*
lidjen SBaftarb, ber bereite jum ewigen geuer verflucht ift" —
©$recfli#e SBorte fürwahr! Selber ©djlafenbe, ja welcher ftttlid)
£obte folt ntcfjt erwachen Ui biefem £>onnertone, wenn er no$ an
280
günfcfyen t>on bem alten, bei ber £aufe ifjm eingegojfenen Sichte
beg ©tauben« £at! SQBaprlic^, wenn biefeä legte Äraftmittel (eine
SBirfung t>erfe$>It f (o £at er gewifj (eine ©teile fc$on „inter mor-
tuos sempiternos".
8. @ifer im ©u$en ©otte&
2Öenn wir von ©Ott reben, ftnb wir freiließ gezwungen , e$
auf menfc|)li$e, b* £♦ um>otlfommene SBeife ju tljun* golgenbe
SÖorte be$ #errn beim ^ropljeten Dfee 5, 15 fönnen fef>r fügltcfj
als an ben lauen 33eter gerietet betrachtet werben: „Vadens,
(priest ber £err, revertar ad locum meura: donec deficiatis,
et quaeratis faciem meam."
©otteS große £ulb unb greunbli^feit gegen uns soieifa^ be*
brängte SWenfdfjen — „novit figmentum nostram ... et imper-
fectum meum viderunt oculi ejus" ... ift bie Urfacfje, ba£ @x,
um na$ menfd)tt$er SQBeife ju reben, ben befonbem Drt ©einer
©torte unb £errfidjfett unter ben Seligen unb engtifd?en ©eiftern
gleidjfam verläßt, „an un(erer ££üre fietjt unb f topft," unb wenn
e£ Vlatyi i% unb wir fcfrtafen, wartet, biö wir aufftejjen unb 3J)m
un(er £er& öffnen, um ©i$ mit unö, ©einen kleinen, im ©ebet
p unterhalten unb un$ in ber fernen Verbannung i>on 3jjm unb
bem lnmmli(d)ett Skterlanbe mc ein liebreicher JBater unb greunb
ju tröften. D baß wir ba$ Sitte re$t begriffen! SBetyen wir
3t)m aber bei folgen ©nabentjeimfudfjungen ni$t un(ere ganje
2lufmerffamf eit , lekn wir forgloS baln'n, ofjne un$ re$t ernft*
J>aft barum ju bekümmern, xok wir unö 3f>m in Ottern unb
überalt, aud) in ben fteinften <Dingen, angenehm erweifen fönnen:
bann l?at ©ein jurüdgeftogeneö SBater^erj wotjl Urfatye, ft$ be*
leibigt ju fügten: (£r jieljt ©id) gtei^fam wieber in ©eine £im*
melöburg jurücf, b* £♦ dx entfernt t>on unfern ©eefen ©ein Sidjt
unb ©einen £roft, ben wir nicljt meljr tterbienen, unb läßt uns
audj wo£l naefj unferm t>erfeprten Söitfen in ©änben fatfen, bamit
wir, in ber ©cfmle beä (HenbeS weifer geworben, ©ein §lntti§ auf«
9teue unb mit (£ifer fu$en unb ba$ wiebergefunbene mit größerer
©orgfalt bewahren. „Priusquam humiliarer, egodeliqui: prop-
terea eloquium tuum custodivi." (Ps. 118.) £)enn atfo tröftet
281
@r gleicitfam ©idj felbft, ber gute unb barmherzige ©Ott, ju 2ln*
fang be$ fotgenben ^apitelö in bemfelben ^ropljeten: „In tribula-
tione mane consurgent ad me: „Venite, et revertamur ad Do-
minum" — Werben fte ju einanber fagen — Ouia Ipse coepit,
et sanabit nos: percutiet, et curabit nos. Vivificabit nos
post duos dies: in die tertia suscitabit nos, et vivemus
in conspectu ejus. Sciemus, sequemurque ut cognoscamus
Dominum: quasi diluculum praeparatus est egressus ejus,
et veniet quasi imber nobis temporaneus et serotinus terrae."
2Bel<y beutlidje Silber *>on ber 2luferflel)ung be$ Srlöfere
t\aü) jwet Sagen am britten, bem frühen Dftermorgen! 3n unb
mit ber % 3Kenf#eit be3 (Srlöfer* ftnb wir j[a Sitte in gewiffem
©inne auferwecft unb leben wieber t>or bem 2lngeft$te @otte&
Srfenne enbltd), o meine Seele, ba$ SSater^erj beineö ©oiteö :
bu £aft gefünbigt, dx lägt bid? ©eine 3u$trutl)e empftnben, bu
geljft in bid) — unb %wi Sage nad($er Ijat ©eine ©nabe bi$ bem
Slenbe entriffen* Segt (£r felbft unö frier mdjt gleicf?fam bie £off*
nunggttollen Sorte in ben SWunb, bie wir ftred?en (ollen, um fd?nelt
©eine £ulb unb greunbfcfjaft wteberjugewinnen ? %$ , *>iellei$t
Ratten wir fte fcfmöbe unb böswillig verloren* „Post duos dies
in die tertia suscitabit nos, et vivemus." ©ie 33uße l)at näm*
\i§ brei £aupttfwle: reumütige 33et$t, gültige Soefyredjung unb
*>er£ältni§mäßige ©enugtijuung* 3«>ei allein genügen ni^t jum
neuen SQBieberaufleben unb no# weniger jum 23ef>arren in ber
©nabe; ben britten Xfeil aber, bie ©enugtljuung, verlangt ©otteä
©üte x>on un$ ni$t ganj, fonbern mtr tljeilweife, ja oftmals lägt
fte ftdj an unferm bioffen guten SBttlen genügen unb erfe^t ba$
SWangetnbe auö bem unermeßlich reiben ©d)a§e ©einer @rbar*
mungen unb ber £od)*>erbienjie 3efu Gtyrifti; wenn wir biefen
unfern guten SBilfen in einigen fteinen ©elegen^eiten bewiefen $a*
hm, tritt unfer £eifanb alöbalb jum 23ürgen für uns auf. £)arum
»erfließt ber 3^itraum *>on brei £agen nic^t ganj, unb wir leben
wieber *>or 3£m, beftnben un$ wieber im Sichte ©einer ©nabe,
*>iellei$t au$ fd?on beS frühem £rofie$* Da$ ift bie ©armier*
jigfeit, welche ©Ott un$ wiberfa^ren läßt am britten Sage, b* p.
im britten Steile ber 33uße, in ber ©enugt^uung für unfere
©ünben*
282
„Deus omnis gratiae, qui vocavit nos in aeternam suam
gloriam in Christo Jesu modicura passos Ipse perficiet, con-
firmabit solidabitque." (1 Petr. 5, 10.) £f?un unb leiben wir
alfo mit gutwilligem, bußfertigem ^erjen baö SBenige, m$ ©Ott
*>on ung forbert, um in ber Hoffnung unb in bem Sinterte auf
3efuS (J^rtfiuö in grieben ruljen unb fdjlafen ju fönnem In pace
in idipsum dormiam et requiescam. (Ps. 4.)
3n ben angeführten Söorten aus £>fee liegt woljl eine 2ßeif*
fagung wm (£rlöfer unb bem reichlichen ©nabenregen, ben ©Ott
ber $m mit 3N, & 3!w unb burd& 3£u auf bie (Srbe ju fen*
ben fd&on oftmals serljeißen Jjatte* £>enn nadlj jwei £agen, b* u
nac$bem bie 3ett be$ natürlichen ©efegeS unb bie 3eit beg mofai*
f$en ©efe^eö vorüber war, unb bie 3eü ber ©nabe unter (£l)ri*
fiue begonnen Ijatte — post duos dies, in die tertia — ba offnem
ten ffcfy bie größten ©nabenqueKen in ben SÖunben beö CSrlöferö,
unb ba£ göttliche 23lut beSfelben floß in Strömen tjerfcor jur %il*
gung ber Sünben ber Söelt unb jur neuen ^Befruchtung ber lang*
erftorbenen (£rbe* 2)aö war ber frühzeitige 3J?orgenregen (imber
temporaneus terrae) für bie t)erjiüngte (£rbe, für bie neue Äirdfje
ber erlösten $?enfcf$eit: er bewirf te bie Imnbertfättige grucljtbarfeit
in allen £ugenben unb guten SBerlm £)a$ war aber auti) wie
ein fpäter Slbenbregen (imber serotinus) für bie alte Synagoge
unb bie alte 2Belt: in bem Slnbrange Seiner ©ewäffer warb bie
Sine wn ber urfprünglid&en (£rbf$ulb gewafd&en unb bie Slnbere
^inweggefc^wemmt unb bur$ ba$ (£*>angelium erfegt @3 lebe
3efuö !
SQBaö ließe jtd^ nodf) Jperrlid&eS fagen über btefeS ££ema,
wenn bie Bunge bem ©eift unb bem £erjen überalt folgen bürfte
unb fönnte!
9. £)ie £eitlofe Äranfljeit ber Seele,
£)er £err flagte laut beim *)3ro!pljeten 2lmo$ über bie auöge*
arteten 9tac|tfommen Jacobs unb unter Slnberm £ob (Ex befonberS
bieß Dersor: baß fte aus Stolj denjenigen faßten, ber tynen t£re
Sünben verwies, unb ©enjenigen , ber i^nen von 93oltfommen£eit
in Seinem ©ienfte rebete, nid&t leiben mochten: Odio habuerunt
283
corripientem in porta (ben 9?id)ter, ber fein Urzeit unter bem
£l)ore ber ©tabt ju fyrec&en pflegte, otelleid&t au$ j[eben SBarner
am ©ngange be£ 33öfen) et loquentem perfecte abominati
sunt (Arnos 5, 10.), unb dx fügt in bemfelben Kapitel 93* 13
^inju: Ideo prudens in illo tempore tacebit, quia tempus,
malum est.
D woljl eine böfe 3eü ift ba* ju nennen, wenn bie wahren
SBeifen , bie ©Uten unb grommen f^weigen mußten , um großem
Hebeln oorjubeugen ! SBBenn fte ba$ geringere S3öfe trauernb unb
f^weigenb am £l)ore gefcjjeljen tiefen, bamit boclj ba* größere
33öfe ni$t mitten in ber ©tabt gef$el)e; wenn fte auf eine gewijfe
3eit ben ©innen glet^fam nachgeben mußten, um ba* £er$ unb
bie innere SWeinung am (£nbe bo$ au* bem bäumet ju retten;
ober wenn fte ft# ber ©orge für Rubere gän$li$ begeben mußten,
um in ber allgemeinen S3erblenbung unb 23erfe£rung iljre eigene
©eele in ©idjerljeit ju bringen! 2Wj, wenn ber geiftig Äranfe
bie Slrjnei ber 3ured)tweifung oerfd)maljt, muß ber Slrjt iljn auf*
geben: curavimus et non est sanatus; derelinquamus eum:
@ott fei tym gnäbig!
25er 2ßarner oor bem 23öfen unb ber 9D?a|mer jum ©uten
ftnb (Engel @otte£; wer fte Jjaßt, fünbigt wiber ben % ©eiji unb
fyri$t über ftclj felbfi ein graufameS Urt^eiL
10. 2Son einem böfen £age naclj 2lmo&
©ur<& ben SWunb beSfelben $ro#jeten (ämo* 8, 3.) ijat ©Ott
ber £err einen böfen, o einen feljr böfen £ag anfünbigen laffen:
Et stridebunt cardines templi in die illa, dicit Dominus Dens;
multi morientur: et in omni loco projicietur silentium. —
©ebe ©ott, baß biefe einmal wahren 2Borte ni$t nur alfju oft in
t£rer ^luwenbung auf* 9ieue wa£r würben wegen ber 33erfel)rtljeit
ber 9D?enf$en! *) Denn ift nidjt fo etwa* in unfern £agen ge*
*) & wirb ni$t überflüfjtg fein, auf bie Semerfung ffimbtfc&mann'S
nochmals fctnäubeuten, nämii# auf „bie tbeale ©ette ber $1 ©c&ttft, bie
ft# immer tmebergebävt," unb alfo taufenbmal roafjr wirb, o£ne bafl e$ ein
etnjtgeS Wtal bem iL ©eifle, bem Urheber bec % ©cf>rift, unbefannt ge=
roefen fein fonne. ©er 3»unb ber ^ro^eten tfi »erfiummt, aber ber ©cfcafl
284
fctyeljen? Jpaben Slngeltt unb ©äulen bee £empel6 titelt fc^ott oft
gefragt? ©inb nicfyt SJSiele babei beö p^ftfc&en fowo£l als be$
ftttlic&en £obe3 geftorben? ©täubte ftd§> nic^t ein 3eber befugt,
an folgen böfett £agen, b* £. in folgen 3?iten, über 2lKeö unb
aller Drten frei naeö feinem weifen ober tjjöridjten ©utbünfen
ju reben, opne irgenb me£r eine $flic$t jum ©Zweigen anerkennen
ju wollen? — 3a , fürwafjr: projeetum est silentium in omni
loco: ba$ i[t meljr aU einmal ju bef lagen gewefen, unb #araf*
teriftrt attemal eine e£rfurd)t$lofe, frivole, von £od)mutfj ftmfenbe
Seit ©a geljt e$ im £eiligtfmme faft wie im ©$aufyiell)aufe,
auf bem ernften Äatljeber ber #od)f$ule wie auf profaner ©#wä#*
tribüne : alfjeit unb überall unb über 3Weö tempus loquendi, ljin*
gegen niemals unb an feinem £>rte mefjr ein tempus tacendi —
bte bie allweife 33orfel?ung ©otteg, wel$e bie menf$li$en 2)inge,
auefj wenn wir eg nicfyt glauben wollen, orbnet unb regiert, vom
Fimmel fteigt unb bie ©prägen ber jiebesmaligen 23auteute von
Sßabel bergeftalt verwirrt, baß beinahe deiner meljr ben Slnbem
verfielt, unb fte gegen einanber in wütfjenben 3orn geraden* 3a,
fte |>aben ft# auefy f#on felbfteigen ni$t me£r verftanben, weil fte
vor rationaliftif^er tteberfcf>wängli$feit nicf)t wußten, waS fte fagen
fottten ober wollten* Unb mc oft burfte man fagen: Sicut po-
pulus, sie sacerdos. (Is. 24, 2. Os. 4, 9.)/ 3>nn bie ^riefter
vergaßen vielfach ba£ eigentliche 2lmt iljrer apoftolifctyen ©enbung,
baö Evangelium, bie fro^e 33otf$aft von bem für uns am ^reuje
geftorbenen ßfjriftuö, bie ^rebigt ber ewigen 2Ba£r!jeiten unb bie
©penbung ber % ©acramente, unb rebeten von ben fingen biefer
elenben 2öett, von irbifd?en, natürlichen, neugierigen, nuglofen, un*
verftänbticf>en ©ingen; ober ließen ftd) au$ als Sßotfövertreter in
bie Kammern wählen unb vergaßen über ber ^olttif iijren $rie*
fterberuf. — Sie gefeierten 3eitapoftel aber unb bie £o$weifen
£)octoren, ftub fte ni$t oft in unfern £agen fo weit gegangen,
i&rer stimme tont warnenb unb ma&nenb bur# alle 3^«/ unb fte
fc&lagt, tt)0 bie Umftanbe na$ tyx rufen, jum taufenbften 9Äale mit berfel*
ben (Geltung unb Äroft ein, wie bamald, aU bte SBorie $um erfien 9Wal über
bie Sippen be$ ©e£er$ famen* ©ad ibeale Moment fann oft tt) tätiger
fein aU ba$ f)tftorifc$e*
285
baß fte bie l)öcbjlen ©e^etmmffe beg % ©faubenS — *>or betten
bie waf>rl)aft großen ©eifter ber 33or$eit, wenn fte tyxt tljeologi*
fdjen £ractate [^rieben , bemut{>$*>oll in fiummer Anbetung unb
@etbftt>erm$tigung lange auf il)rem 2lngeftc§te lagen, MS fte t>om
% ©eifte belehrt ben 9J?unb befcfjetben öffneten unb fäüdjtem bie
gebet ergriffen, um ©egenftänbe ju beljanbeln, bie j[eber menfd)*
lic$e SSerftanb im ewigen Seben erfi *>erjlel)en, auf Srben nur glau*
ben lann — baß fte biefe Jjejjren ©eljeimmjfe , t>on wiffenfdjaft*
Heuern ©tolj tterblenbet, bur# iljr albernes ©efdjwäg entehrten?
— Sie Sitten hingegen , »oll (£I)rfur$t unb 2lnba$t gegen ba$
©öttlic()e, bebienten ft$ gerne be£ ©cfcleierS ber !prop^ettfc^en 23it*
berfpra^e, um *>ielmel)r eine wofrttptige Slfmung be$ ©e^eimniffeö
tyven ©c^ülern unb Sutyöxtxn einzuflößen, als mit einer fdjeinbaren,
tyßß gefährlichen 2Biffenf#aft beS Unzugänglichen lügenhaft ju pralj*
len. 3D?an gebe barum nur %fyx #od)mutlj gel)t atlejeit ttor
bem galle*
Stultus factus est omnis homo a scientia, fagt 3eremia$,
confusus est artifex omnis a sculptili; quoniam falsum est
quod conflavit; et non est spiritus in eis. (10, 14.) Sag
fcfjeint mir bie (Senfur für manche 3^ttprebtgt unb für manches
£o$gelefjrte 23uc^ ju fein, ob fte anfy jur %t\i cum ingenti plausu
ber bitter unb ber ©emeineu aufgenommen würbe* Sßor^er fc&on
(5, 30.) £ atte berfelbe ^ropljei geflagt: Stupor et mirabilia
facta sunt in terra : prophetae propbetabant mendacium , et
sacerdotes applaudebant manibus suis: et populus meus di-
lexit talia: quid igitur fiet in novissimo ejus? — D #err,
Su weißt ee allein, unb in Seiner allmächtigen (Srbarmung fannft
Su ba£ Uebel abwenben unb un$ ein bemütlng gläubige^ £er$
serteiljen, ba$ frol? unb glücflic^ auf bem Sßege Seiner ©ebote
wanbelt, lii wir bereinft alle aufgenommen werben in ba$ 2icf)t
Seiner göttlichen Älarljeit, in welkem wir feiig flauen unb ge-
nießen, xctö wir bte an'3 (Snbe treu geglaubt fjaben! Unb tyx —
Reuige SSäter ber alten unb glaubengßarfen S^t f Huguftin, £iero*
n^müö, 2lmbroftu$ unb ©regoriuö, engtifcfyer 2eljrer Xfyomaü, fera*
^ifc^er Soctor ^Bonaventura, £onigfließenber 2lbt 23ernarb — tyx
alle, bittet für un£ arme Sünber im neunzehnten Safyxtyunbtxtf
baß ber ©Ott unb 23egnabiger ber Semüt^igen unö unfern ©tolj unb
286
33orwig unt> unfere 2lnmagung nidjt jur grögten Schuft anrenne,
bieweil wir in unferer natürlichen £f>or£eit oft nictjt Riffen, wag
wir tlmn, unb bag Unenbti^e unb Unbegreifliche wie mit fernen
&Uen abäumeffen beginnen! — di lebe ber f>erjfräftige ©taube
ber alten Sage! (£* leben bie % Sßäter! gort mit ber wiffen*
fdjaftlicfcen fva^Uxci, bie ni$t einmal reben fann, xt>\e bie 2llten,
iljrer Söerfe unb #elbentugenben ju gefdjweigen! ®ö lebe 3efu$
unb bie Sßei^eit ©eine« ^reujeS!
11. kommet unb fefcet bie 2ßerfe be3 £errm
Sapientia scribae in tempore vacuitatis: et qui minora-
tur actu; sapientiam percipiet: qua sapientia replebitur.
(Eccli. 38, 25.) 9J?erfe aus biefen Söorten befonberg, bag bie
alfju grofje unb ctngftlicfj beforgte äußere SOStrffamfett hie grudjt
ber göttlichen SBeie^eit im Innern ber ©eele ^erptnbert^ unb bafj
bie ©nabe ber 33efdjauli$f eit , bie nicbtö anbereö als eine Hebung
unb £f>ättgfeit jetter ^immlifc^en 2Bei6ljeit i% eine gewiffe 3^tt ber
9JJu£e verlangt, eine greift bee ©eiftee unb ^erjeng fcon weit*
liefen unb jeitli^en ©orgen unb ©efebäften; barum [agt ber SQBeife
Ijter: in tempore vacuitatis. 3J?an glaube aber m$t, ba£ nur
weltliche unb eitle ^Befestigungen ber 23efc&aulid)feit £inberli#
feien; fnnberltdj ift jiebe frembarttge Stcttöität, voie fte auti) Ijeige
unb xoaö fte au$ immer bejwecfe, wenn fte bie Slufmerffamfeit
ber ©eele entweber ausfdjliepcf? ober bo$ x>orjuggwetfe in 2lnfpru#
ju nehmen geeignet ift. Vacate, et videte quoniam Ego sum
Deus, [priest ber £err in ben ^falmen, unb labet unö baburdj
jur Uebung hei befc^aulidjen 2eben6 ein: „@eit> frei unb gefc^äftS*
log, Wenn iljr Sflir naljen unb meine ©rö§e unb #errlid)feit be*
trauten wollet/' @ef)t bie ©eele auf biefe ©nlabung ein, fo s>er*
nimmt fte alebatb bie ttotlfommenern ©ebote einer neuen ©efe§*
tafel, ju bereu Anfang e$ Ijeift, xt>ie bei ber Sßerfünbtgung jfeneS
alten ©efegeä auf bem ©inai: Ego sum Dominus Deus tuus...
non habebis Deos alienos coram me. (Exod. 20.) „Du barfjt
feine fremben ©ötter neben mir £aben, feiner weltlichen, irbifcf)en,
förderlichen, seitlichen, eiteln, unnägen (ecce, deos alienos!)
©orge unb 33ef$äftigung bidj gänjlic^ Eingeben, ei fei benn, ba£
287
3$, ber £err bein ©Ott, e$ bir für einen befonbern gall auf*
legte ober meinen SBilfen ju erfennen gäbe; benn alöbann ergibft
bu bt$ nidjt bem ©efd&äfte, fonbern meinem SBillen; (onft Bin tdj
fa groß unb ergaben nnb wunberbar, um beine ganje Seele unb
alle tyxt Gräfte in 2lnfpru$ ju nehmen/ 1
Äommt bie alfo etngetabene ©eele biefer SBeifung treu
na$, fo beginnt and) alebalb bie Ijimmlifdje 2öei$£eit, b. u bie
©nabe ber 23ef$aulidjfeit in fie einzutröpfeln — bann in ft'e ein*
aufliefen, U$ ber 23a$ beö tebenbigen SBajferS anfc^witft # bie ge*
wöfmlicfjen Ufer unb £)ämme ber menf$lt$en ©$wad$eit über*
fc^reitet, unb jule^t mit feinem gewaltigen Slnbrange bie 33egnabigte
ganz erfüllt unb audj woljt gewaltfam mit ft# fortreißt. @$ lebe
3efu$! — £)arum Ijeifjt e$ juerft: Sapientiam percipiet: er
nimmt etwa$ ba*>on n>a^r; unb barnadj: Sapientia replebitur:
er wirb bason erfüllt unb ganj burcfcbrungen.
12. 33on ber Prüfung ber ©eifier.
£>a$ $ap. 38 im Ecclesiasticus enthält in ben brei SSerfen
18—20 einen sollftänbigen ©$a§ t>on 23ele£rung für bie
Seele beS ©infamen, ber i>on ©otteö ©üte Diele ber ^eilfamften
unb foftbarjlen ©naben unb (Srleu^tungen empfängt. 2>r %
©eift weifet tyn ba auf bem 28ege jurec^t unb gibt t£m bie notlj*
wenbige Anleitung jur flugen 35orft(^t unb Unterfdjeibung , bereu
etn fotcfjer au$ Diel bebarf, bamit er nie Dom böfen ©eifte burd?
falfd)e Sinter unb (Smpftnbungen Untergängen unb betrogen werbe.
Probate spiritus, si ex Deo sint, fagt ber % 3o£anneg, prü*
fet alfo unb feljet, xotö gut ift unb Don ©Ott fömmt Solgen bie
brei SJerfe:
Anima viri sancti enuntiat aliquando vera (magis) quam
Septem circumspectores sedentes in excelso ad speculandum.
Et in his omnibus deprecare Altissimum, ut dirigat in
veritate viam tuam.
Ante omnia opera verbum verax praecedat te, et ante
omnem actum consilium stabile.
£>ie fteben ober au$ ftebenjigmat fteben circumspectores in
excelso ftnb, xoxt man fteljt, l)o$gefeffene Seute, bie etwa tjjeuer
288
bafür bejaht werben, bamit fie jum £ei* ber menfälic&en ©efell*
fdjaft fpecultren« Der % ©eifl warnt ljier, bajj man benfelben
nic^t immer Slffeg glauben bürfe* Die circumspectores nämti#,
b. £♦ „bie Darumljerumfäauenben" , unterfudjen unb fennen bie
Singe nur na$ iljrer äußern unb leiblichen ©eftalt unb Dber*
fläche, nad? bem 3eugniffe ber Sinne; fie *>erfte£en, wie bie Sljemi*
fer unb 9?aturforfcf>er, nur baö ©reifbare, unb biefeö nur naty ber
(umliefen Sefbfterfa^rung, Stnberö aber ift e$ mit ber eingeflößten
2Beiö£eit einer einfältigen unb fettigen Seele , bie in ber SBereini*
gung mit bem göttlichen SGSillen unb SBofrtgefallen , in ©ott unb
aue ©ott i^erauö baä eigentliche, innerfte SBefen ber gefctyaffenen
Dinge juweilen (aliquando, „nid&t immer", fügt unfer £ert weife
befcfyränfenb bei) tterfteljen fann; wenn fie aud) nidfjt jene anbere
©eifteögabe empfing, bie na$ ben ^eiligen barin befte^t, baö em*
pfangene innere Serftänbniß aud) Slnbern burd) ba$ äußere 2Bort
mitjutljeiletu SQSte fc^ön fagt (Sarb* SBifeman von bem SBort ©ot*
tee: „Die Slnbern muffen ftetö barüber raifonniren, wäfirenb wir
un$ bamit begnügen, ©nbrücfe von il)m ju empfangen/' Solche
perfönlidje ©nbrücfe, welche für jene, bie ftdj außerhalb be$ gtfe^er^
ne$e3 beö % ^etruS bewegen, fo gefä£rti$ werben fönnen, finb
für ben bemütljigen Äatljolifen oljne alle ©efaljr *>on Xäufc^ung
unb Schwärmerei: er wanbelt mc ein ljarmlofeg $inb an ber
£anb ber mütterlichen Ätrc^e burdj bie Blumenbeete ber Schrift
unb ftnfcet feine böfe ^flanje barin, unb alle 2öege ftnb iljm ge*
ebnet unb mit golbeneu unb filbernen Äörnc^en beftreut (£$ lebe
3efu$!
L Der erfte nun *>on obigen SSerfen ftetlt unumftößfid) feft
auö ©ottee SQSort, baß eine foldje 2lrt pö^erer ©rleu^tung unb
Belehrung in ber Sßa^eit beftelje* Dteß wiberlegt fefcon jur
©enüge ben Unglauben unb bie ftolje £artgläubigfeit fleifd)lid)er
9iaturmenfd?en, bie nid)t bie 9ftenfd)en ©otteö fein wollen, unb
na$ bem Sipofiel „nichts begreifen fönnen von bem, toaö be£ ©ei*
fteS ©otteö \\t a 2lud> muß bieß ben innern grieben unb bie See*
lenrulje t>eö 35egnabigten tiefer unb fefter begrünben, als wenn
barüber ein ßxoctfd gelajfen wäre*
2. Der jweite 93erS rätp bann jum bemütl)igen SQSanbel unb
@cUt f baß ber £err nid?t etwa jur Strafe für unfere Sitelfeiten,
289
genfer unb 23ernad)läfftgungen einen 33etrug beS 33öfen julaffe*
SQBtr wijfen ja, baff tiefer ft$ zweiten in einen (£ngel beS 2ic§tS
x>erf(eibet, um geifttic^e Sttenf^en ju hintergehen, unb ba§ bieg
nur burd? forgfältige 2Öad)famfett unb bemütlngeS, x>ox bem „2Wer*
^öc^fien" ausgegebenes ©ebet t>er^tnbert wirb*
3. 3n bem enbli$, was ber britte 3Serö verlangt untere
[Reibet ftd) am wefentlicbften bie fatpotifc^e 2Infd)auung t>on ber
proteftantifc^en* (öftere bleibt füd)ttcf> unb fann tttd^t inbtoibuett
werben; fte erfennt immer unb in Slttem eine £ßl>ere Äritif an, unb
fo bleibt au$ bie fwd)fte (£rleu$tung bem ©tauben unterwürfig,
„captivantes omnem intellectum (et illuminationem) in ob-
sequium fidei," was bei ben s ]3roteftanten (fi'e fagen: ni$t
nöt^ig, aber eS mu§ feigen:) nic^t möglich wäre; itjr £L ©eift
tft unb bleibt ein „regnum intra se divisum . . . quomodo po-
test stare?" — £>er 23erS verlangt alfo, baß man auf eine blofje
innerliche (Erleuchtung l)iu niemals ein befonbereS, wichtiges, äujjereS
SBerf unternehme, ol)ne baS 2Bort ber 2Bal)rl?eit bei ber Butter,
bei ben £1. Tätern unb Se^rern ber Äircfye unb bei erfahrenen
©eifieSmännern um $atl) gefragt ju Ijaben* — £)aS ijl bie für*
jejie Deutung beS reiben 3n£alteS obiger ©cfyriftworte* Wun
aber frage iä) ben gelehrteren unb allererfa^renften ©eifteSleljrer:
2ßaS bebarf eS woljl jur richtigen Unterfdjeibung beS 2Öa^
ren unb ©uten *>on bem 3Serfe^rten nod) längerer 3?ebe? Äann
man m$t *>on biefen wenigen unb inljaltfd&weren SBorten ber %
©$rift fagen, waS ber % 3ofcanneS t>on bem ©ebote ber 93ru*
berliebe ju fagen pflegte: modo fiat, et sufßcit? 25er böfe ©eiji
vermag nichts gegen einen bemüt£igen Äat^olifen, ber betet; ad
nihilum deduetus est in conspectu ejus malignus. (Ps.) ®e*
lobt fei 3efuS (££riftuS!
13* Die apojiolifc^e Beweisführung*
£)aS $ap* 39 beS Ecclesiasticus Rubelt befonberS in SBerS
1—15 *>on ben po^en SSorjügen ber SBetSljeit eines tton ©Ott er*
leuchteten SWanneS unb eines waf)rl)aft apoftolifdjen ^rebtgerS, ber
ft$ auf ben ©lauben unb auf ©otteS SBort ftü#t, unb m#t auf
58 e matt) 9ty$ori8men. J9
290
tue (4)tt)ac|en unb bünfefootlen ©djlagbeweife rein menf$lt4>er 33er*
nunft unb trbtfc^er 33erebfamfeit: „sed tantum in lege testainenti
Doraini gloriabitur." Se§tere$ $>eigt Ijeute ungefähr fottiet alö:
wenn ber einfache apoftolifcfye ^rebiger bie Seljre ber Äirdje aitö
©otteö SOBort, auö ben 3^gmffen ber % 33äter uub £el)rer unb
julegt no$ t£atfäcf)ti$ aus bem l?eben unb SBirfen ber fettigen
vieler 3al)rl?unberte gezeigt unb folglich auü) beriefen £at,
bann jieljt er wie mit glorreich triumplnrenber 9J?iene ben ©djtujj
aus biefer feiner Setjre* Unb tin folc^er im £one ber fefteften
Ueberjeugung auö £er$ unb SD?unb $uglei# £er*>orbringenber ©$lufj
verfehlt beinahe niemals feinen guten (Etnbrucf auf bie Svfybxtx,
bie jum nötigen 33erftänbni£ ber @a$e ni$t$ anbereS beburft
fjaben, aU ber ©abe bes fyl ©laubenS, t>k ©Ott ifwen verliefen*
3ie£eß bu aber beine 23eweife *>or bem 33olf aue ju fpeeulativen
33ernunftgrünben, fo mugt bu bei tym bie Äenntniß ber Äraft bee
:pfnlofopl?ifd?en Ergo im ©^llogtemus- soraugfegen unb noc$ tuel
me£r, \x>a$ gewöl>nlic|> Ui ber großen SWe&rja&I ni$t wa£r (ein
fann* Uub — supposito supponendo — auc^ bann nod) bleibt
bie gru$t beinee 33eweifeS im ©teube; benn ©Ott, „ber ben ©toi*
jen wiberfteljt unb ben £)emütlngen ©eine ©nabe gibt/' £at baran
©einen ©egen nidjt gefnüpft, fonbern an bie „t^öric^te ^rebigt vorn
treuj"; bie ©$elle Hingt, ba$ @rj tönt, ber @cJ?aK öerpalft, unb
— bie 2eute ge£en na$ #aufe*
3e meljr wir in Dffenbarunggfad)en bem £ocf>mut£ unb ber
©elbftgefälligfeit menfcblicfjer Vernunft (ober beffer gefagt: 33er*
nünftelei, b* £♦ SWi|brauc|eö ber 33ewunff) nachgeben, befto l?ö£er
wirb bie Ungenügfame unb Unzulängliche ba$ £aupt ergeben unb
in bie Sefjren unb ©ej?eimniffe be$ ©faubene richterlich eingreifen
wollen* Sffiie e$ bann aber jugeljen würbe, baä befagt bilblt$ ber
^Jfalm, welcher anfängt: Dens, venerunt gentes in haereditatem
tuam, polluerunt templum sanctum tuum, et posuerunt Jeru-
salem in pomorum cuslodiam. (Ps. 78.) «Dann fommen bie
Reiben (>♦ £♦ £eibnifcf>e unb irrgläubige ©ebanfen, 2lnfid)ten unb
©efüffle) in ba$ £tmmtifc$e dxitpcil be£ % ©laubenö; fie be*
fcfjmugen ben innern Tempel be$ £emt unb bie gläubige ©eele
unb fegen in ifmen allerlei trbif^e (£nb$wecfe vergänglicher 'Singe
an bie ©teile ber frühem frommen unb übernatürlichen 2lbft$ten:
291
Posuerunt Jerusalem in pomorum custodiam : fte fabelt 3upi*
ter unb ©onforten an bte ©teile ber $1 2l:poftet unb SDMrtyrer ge*
fegt, etwa wie bte ^roteftanten in ber $)auluebomfir#e ju 2on*
bon*); ober fte ljaben bie ©Ott geweiften tir^en in 9J?agajine
unb $auf£äufer, bie Softer unb frommen ©tifter in gabrtfen
geräubert — mit Gmtem Sßorte: fte ftnb von ber ©tufe ber ©nabe
auf ben 25oben ber niebern Statur gefunfen; fte ffnb vom f>ol?en
ipimmel auf bte (£rbe jurücf gefallen ; au6 unfterbli^en Ätnbern
©otteö unb 9)?tterben Gtljrtfti, bie fte waren, Ijaben fte lieber wie*
ber armfelige SÖeltcoloniften, Slbame, b* t« (ünrbmänner, werben wol*
fem SQßte unwürbig ift eine folcfye (£rf$etnung gegenüber ber
Ijoljen Seftimmung beö 2Äenf$en! Stber, wa$ ift ju t£un, wenn
ber erlaubte ^önigSfoljn — benn ba3 ift ber 9J?enf$ — feine
eigene 2Öürbe unb ©rö£e verfenut unb einem gemeinen unb treu*
tofen SÖBeibe nac^iefjt? — £)er gemeinen unb treufofen Söeiber
aber ftnb viel, namentlich: grau Humanität, grau ^nbuftrie, grau
Sivilifation, grau $}lnfantropie, grau 9?aturforfci;ung, grau $ritif
unb no$ viele politif^e greifräuleinö, bie ify nic&t ju nennen
brause; alle f$einen beim böfen ©eifte in $5enfton gewefen ju
fein, unb bamal$ ftcfj verf$woren ju ijaben gegen ben £errn unb
©einen ©efalbten : benn irreligiös unb gottlos ftnb fte bei ©elegen*
£eit alle. Unb biefen fotlte nun ber 9ttenf$ nachstellen, ber ©Ott
jum SSater £at unb auf eine feiige (Swigfeit wartet? 2lber baö
tlmt ber verbtenbete 9)?enfcf>, welcher freiwillig einer vergänglichen
uub fallen SBett bient unb ansaugt, unb barüber fein föniglic^eS
(Srbe im ewigen Seben gertngfcpijt, vergißt unb — verliert; 21$,
„homo, cum in honore esset, non intellexit: comparatus est
jumentis insipientibus et similis factus est illis. a (Ps. 48.)
©ie fjaben ft$ mit gieren ju vergleichen niefct errötet, unb fte
ftnb ben Spieren äjjwttcfi geworben!
Du fte£ft, meine ©eele, xok bie $?enfc|)£eit o£ne ben geoffen*
barten ©tauben in ifjrer SBürbe nid;t befielen no# gtüdlic^ fein
fann, unb wie fte na# bem Sßerlufte beweiben von ber ©tufe be$
*) ©ie^e eine genaue SJefömbunß btefe* neuen OBfceniempcW in darb.
5ßifemanö »ermifc$ten ©Triften, L HhtWh ©. 197 ff. (Bin 1855 bei
23a$em*
19*
292
eblen SSorrangeg in üÄitte be$ gefcfmffenen SBSettaKö beinahe ju
ben Spieren £inabfmft, benen fte in iljren 2Bünf$en unb SQBerfen
ä^nlic^ wirb* D, eS lebe ber % ©law Je! <&$ lebe 3efu6 S£if*
ftaS, unfer göttlicher Srföfer! @g lebe ©ein $reuj! Unb e$
lebe — ©eine Ijeiltge, bebrängte unb verbemütfrigte 23raut, bie
$ircf>e!
14k Unbanfbarfeih
SKh'e beflagt ftd) ber £err beim $ro#jeten 9Ma$ia$ (1, 2.
unb 3J über bie unbanfbare unb fünb^afte 93ergeffenl?eit ©einer
fielen unb grofen 2Bo£ltf)aten gegen baä 93olf ber 3uben! Unb
tt)ie tief fc^etnt 3f)m bie unverfcpmte grage ber Unbanfbaren $u
£er^n gegangen ju fein!
„Dilexi vos, dicit Dominus, et dixistis : in quo dilexisti
nos?" SQSer wirb über eine berartige unverfdjamte unb £ö$ft
jlrafbare 35ergeffen^eit nid)t billig entrüjlet? £> wa$ muj? bo#
ba£ liebevolle 3Sater|)erj ©otteö nic^t atteö leiben von ben unbanf*
baren SÄenfcfjen, bie (£r mit ja^llofen SBo^tt^aten unb ©egnun*
gen überhäuft Ijat, unb bie 3pn bawad) noc^ fragen bürfeu:
SÖorin, in welker @a$e benn (Sr ifmen eine fo große %izbc
unb ©üte gezeigt l)abe?! — Unb wie viel f#wär$er unb lei$t*
finniger no$ erf^eint eine fol$e Unbanf barfeit, wenn fte fitf)
in bem £er$en eineä *Priefter$ j[e vorfänben! Filios enutrivi
et educavi — ipsi autem spreverunt me! . . . In brachiis
portavi eos, et nescierunt quod curarem eos!... Populus
autem meus oblitus est mei diebus innumeris! . . . 3n biefen
unb taufenb anbern 2luöbrü<fen einer fdjwer beleibigten unb benno$
fortbauernben %ieU vernehmen wir ©eine Magen, ©eine 33ater*
Ifagen um bie verfemten Äinbep allenthalben bei ben ^ropfjeten*
%$\ — unb bie SDtenfc&en erwiebem mit fd)amtofer ©tirne: In
quo dilexisti nos? @ie fagen mit itjren £anblungen, xotö bie
Dartljerjigen 3uben mit 2Borten fagten*
„Nonne frater erat Esau Jacob, dicit Dominus, et dilexi
Jacob; Esau autem odio babui: et posui montes ejus in soli-
tudinem, et haereditatem ejus in dracones deserti." (Ibid.)
Sfmft, vergleiche bi$ mit beinen menfd&lictyen 23rübew, ben Reiben,
293
wenn bu nt$t weißt, wie unb worin ber £err bi$ getieft f>at! Äa*
tljolif, vergleiche bid) mit beinen d^rifiltc^en 93rübern, ben ©rieben
unb ^roteftanten , wenn bu nifyt weift, vok unb worin bidj ber
£err geliebt £at! tyxitftex, t>ergtetc^e bi$ mit beuten fat£olifdben
33rübern, ben SBeltleuten, wenn bu nicfyt me£r weift, wie unb
worin bi# ber £err geliebt |>at! — ©ie£ft bu nun bie @$wär$e
beineö Unbanfeg? — 25er £err verweifet bi# auf jene 3^it, wo
bie 23rüber 3afo& unb Sfau ftdj völlig gleich waren, wo bu unb
ber SBeltrnann auf einer ©tufe ftanbet in 93ejug auf ©nabe, Xu*
genb unb 23erbienfi ♦ ♦ ♦ 2ßa3 £at nun ben guten ©Ott, ber fei*
neö 5D?enfd?en bebarf, mä pat 3#n bewogen, bi$ jum wahren
©lauben, in ©eine Äirifje, j[a, bid> in ©ein eigenes £auö unb
an ©einen eigenen £tfcf> ju rufen, unb in ©naben unb ©unft*
bejeugungen fo £o$ ju ergeben, wäljrenb @r Slnbere, beine
leiblichen 53rüber (£fau, in ben ginftermjTen beS Unglaubens, in
ben Sßiberwärtigfeiten unb ©efa^ren ber SÖelt jurä(fiie§? —
£>atteft bu x>ietleid^t größeres SBerbienft vor 3enen — unb gebenfeft
bu ber fielen ©ünben beineS vergangenen Gebens nict;t me£r? —
2ÖaS fonnte benn ©Ott bewegen, ben Saeob ju lieben unb ben
(Sfau gleicfjfam ju Raffen, inbem (£r tyn nic^t fo liebte? 21$, fagt
ber ?5falmift, „salvum nie fecit, quoniam voluit me." dv pat
bie ©rünbe ©eines 3Serfa^renö einjig unb allein in ©einer %itbt
unb ©rbarmung felbft gefunben! — Unb bu fönnteft biefe fo un*
verbiente %icU treulos unb unbanfbar jemals vergeffen, unb —
fei eS burcl) Sßorte ober £anblungen — mit ben Quben fragen:
in quo dilexisti nos? tvic unb Ui welchem Slnlaj? benn £aft bu
mid? geliebt? — 21$, fo gottlos rebet jiegt beinah bie ganje SBelt,
benn fte vergißt baS Äreuj unb ben Äalvarienberg ! SBefre ber
Sßelt oljne (SfmftuS!
15* 2htSerwä£lte unb il)re Äentijetc&etu
2)er % Slpoftel 3of)anneS fagt in feinem erften ©enbf$reiben
(Aap* 3, 14»): Nos scimus, quoniam translati suraus de morte
ad vitam, quoniam diligimus fratres. Oui non diligit, manet
in morte. — 2Bel$en £roft mug über biefeS 3euflmfj ber Äinb*
294
föaft ©otteö unb fetner ewigen ^lugerwäfjfung nidjt berjentge em*
pftuben, ber gegen feinen feiner 9ttttmenf$en Jpajj, Abneigung ober
trgenb eine 33itterfeit fültft, im ©egentfjeile 51 tle mit affgemeiner
Srubertiebe in bie weit ausgebreiteten 2lrme feiner ©eefe fliegt*),
für Sitte betet nnb ba$ 2Bof>l unb Unwohl 811er Jjer$ti# mit*
empftnbet, „flens cum flentibus, gaudens cum gaudentibus!"
— £) tteW ein großes Sffterfmat ift biefe £er$en$* nnb ©emütjä*
ftimmung, baß 3»emanb ein Äinb ©otteä nnb jnm ewigen 2efcen
ttorljerbeftimmt fei! — GEtwaä weiter unten folgt bann: Haec est
enim charitas Dei, ut mandata ejus custodiamus: et nian-
data ejus gravia non sunt. 25aö ift bie um>erfennbarfte
Sprache ber Siebe, bie Sltteö teicfyt ftnbet; benn fte ift na$ bem
3eugniffe ber @$nft fteirfer fetbp, als ber £ob: „fortis ut mors
dilectio." 2ßa$ au# fotfte t£r im Diente beö ©etiebten fdjwer
fallen? — Unb ba$ ift ein jweiteS Werfmat ber Ämbföaft ©otteS
nnb ewigen 23orf)erbejlimmung jur ©eligfeit: Sltted im ©tenjie
©otteö unb im @efcf)äfte unferer Heiligung, Beobachtung ber gött*
liefen ©ebote unb 9Mtl)e, Ueberwinbung ber 33erfu$ungen, (£v*
tragen ber £rübfale, SSerjei^en ber Seteibigungen :c v 2llfeg, SlffeS
leicht $u fmben unb fid; nie über etwas ju bef lagen.
Ouoniam ornne, quod natum est ex Deo, vincit mundum:
et haec est victoria, quae vincit mundum, fides nostra. (Ibid.
c. 5, 3—4.) 2ltfo ein ©taube, ber bie 2Bett überwinbet, ift
wieber ein ^ei6)en ber ßinbfc&aft ©otteö. — ©$on früher, im
jweiten Äapitet biefeS SriefeS, fjatte ber Slpoftet gefagt, wag in
ber 2ßelt jn überwinbeh fei, nämti$ Sltfeö, xoa$ barin ift: omne,
quod est in mundo, coneupiscentia carnis est, et coneupis-
centia oculorum et superbia vitae. Unb ba biefeö breiföpftge
Ungeheuer bur$ ben ©lauben beö DroenSmanneS in ben brei
©elübben ber ewigen ßeufcfyljeit, ber 2lrmutf> unb beö @ef)orfam$
am totalflen überwunben wirb, — barum ift ber Eintritt in ein
ttofter ein ganj befonbereS 5D?erlmal ber ewigen 23orf)erbeftim*
*) ®3 wirb »ojl m#t befonberS nöt&tg fein, &ter ft$ $u öer»a&ren
gegen 3ene, bte ber ganzen Söelt unb atte« reltatöfe« 23efenntmfTen einen
23ruberfu£ geben wollen unb babur# t&ren 3nbtfferenttemu$ ju bef^omgen
glauben, gerne ßt'nber ©otte^ bte!
295
mung jur ©eltgfeit, (&$ lebe 3efu3! — (Snblicty weiter unten £etfjt
e$ nodj ($ap* 5, 180* Seimus, quia omnis natus est ex Deo
non peccat (i. e. non semper, et praesertim non finaliter
peecat) sed generatio Dei conservat eura, et malignus non
tangit eum. £)arum fagen aud) bte ^eiligen unb bie Geologen,
bafj bte 2iu6erwäljlten woljl fünbigen fönnten unb au$ wtrf(t#
fünbigen, aber bafj ber liebe ®ott au$ t>on Grwtgfeit £er bte reut*
gen £f)ränen tjjrer 23u£e fenne, wef$alb baö decretum praede-
stinationis unseränberlicfy fei unb bleibe* 9J?an fann alfo bie
f#leunige 3uflta$t jur SBufje nac^ einem begangenen geljltritt tfm\*
falls afö ein SWerfmal ber ewigen 33or!>erbefKmmung anfeuern —
Slnbere SKerfmale ftnb aus ben % SSätern befannt, j, 33* £uft unb
®ef$macf an göttlichen Singen, am göttlichen SBort inebefonbere ;
©ebulb unb Sanftmut^ in ben SSiberwärtigfeiten; langet greifeiu
»on fdjweren ©ünben; 2lnbad)t unb ikU jur 9J?utter ©otteö u*f/w*
UebrtgenS bleibt bie Se^re son ber ewigen Sluöerwä^lung ober
Verwerfung ungeachtet aller SD?erfmale an unbur$bringlt$e£ ©e*
^etmnig, baä ben #o$mütfngen brüdt unb ben Einfältigen tröftet;
33eibeö na$ ©otte* allweifem fftat^ln^ — £>er fei. EgibiuS
t>on Slfftft feilte einen s J5rebigerbruber, ber wegen ber ^Jräbeftination
*>erfud?t war, mit Un SQSorten: 33ruber, wenn bu btcf> Waffen
witlft, fo tpue e$ gleich am Ufer be$ Stteereö, wo ei leicht ift;
wa$ brauc^ft bu na$ SBajfer aus fernem tieften ©runbe ju m*
langen, baö bu niefct l?aben fannft? „2ßer meine ©ebote £at unb
fte Ijält, fagt ber £err, ber wirb feiig": ftelje ba, SBaffer genug,
©ruber $5rebiger*
16* 2ßa3 ©ott an unb mit ©einen Dienern t£ut
Sie föixfye erinnert un$ fe£r f>äuftg baran tm officium t>on
ben % ©efennern jur 9ion, mit jenen SQSorten auö bem 10* $ap*
beS SBttc&eS ber 2Bei3fjeit:
Justum deduxit Dominus per vias reetas et ostendit
illi regnum Dei: dedit illi scientiam sanetorum: honestavit
illum in laboribus et complevit labores illius. £>a£ will fagen:
1. £)a§ ber £err bie ©eele be$ ©ereebten allzeit' „auf ge*
raben SQSegen füljre", au^ wenn fte ber menfd>ltd)en Äurjftc^ttgfett
296
m$t immer fo [feinen möchten \ . ♦ £)er spatrtardj 3ofepf> in Slegpp*
ten ♦ ♦ ♦ bie Seiben unb Verfügungen ber fettigen ♦ ♦ « 3wet Sßege
gibt e$, bie ju ©Ott fähren: ber 2Beg ber Unf^ulb unb ber 2ßeg
ber 23uße-
2. ©ott „jeigt ber ©eele ©ein 9fceu$"; ©otteö 9?eid) ift ©eine
% ßtrctye auf (Srben; ift audj in ber ©eele felbft, „quia regnum
Dei intra vos est* . . . dx jeigt tf)r baöfelbe au$ nod; burcf)
einen nmnberbaren 33orgef$macf ber jufünftigen ©iiter, burcfc ein
großes ©laubeuelicfrt, bur$ bie ®aic einer finbtidjen 3uoerft#t,
burd) eine fuße falbungöootte Siebe, t>on ber eS beim ^topljeten
petfjt: „computrescit jugum a facie olei": beö 3oc$cS £ärte
X>erfd^n>tnt>et bei bem, ber Zieht empfmbet ♦ * * Snblt<$: „regnum
Dei est pax et gaudium in spiritu sancto," fagt ber % $au*
HS. £>ae SltteS auf (Srben erfahren , f^etgt nichts anbete« , aU
©otteS 9?ei$ gezeigt befommen* — £)er £ext fagt
3. «Daß „ber £err ber Seele bie SBiffenföaft ber Zeitigen
mitreite"; bas gef$iel)t auf zweierlei Sßcife: bur$ Seiben unb
bur$ Stiftungen, — 2ln jtt>et berühmten QofyfänUn ©otteö ler*
neu bie ipeiligen bie SOBiffenfc^aft beS innern SebenS unb beS @e*
beteg* Stuf beiben Spulen aber ift einer unb berfelbe Celjrmeifter,
t>on bem 33eba ber (££ramrbige fagt: Nulla in discendo mora
est, ubi Spiritus Sanctus doctor est. 2)ie eine biefer ©tauten
ifi auf bem £l)abor: bort folgt man ber 3D?et^ooe ber geifttic^en
Stiftungen unb (£rteu<$tungetu Von i£r rebet ber % Sipofiel
3o£anne$ in feinem ©enbfcfyreiben, wenn er fagt: habetis unctio-
nem, et unclio eju§ docet vos de omnibus . . . «Die anbere ift
auf ©olgatJja: bort folgt man ber Sttetfjobe ber Zcibm in ben
Xrübfeltgfeiten biefeö SebenS* Von ifjr $at ber ^rop^et Sfaiaö
geweiffagt, w>o eö peigt: Sola vexatio dabit intellectum auditui.
Veffer unb jwerläfftger für ben $?enfcf)en erfcfjeint aber bemnadj
baö ©tubium auf biefer ^weiten, als auf jener erftern ©djule;
benn, obfctyon man auf beiben ungemein große £)inge fernen fann,
fo Ijeifüt ti bocfj von jener erftern nur: docet vos; — oon ber
anbern aber aucfj: dabit intellectum auditui. -ftun ift eö aber in
©a$en beö geiftlicfyen Sebene ofme Vergleich beffer unb fixerer, wenig
ju t>ernel)men unb baö Vernommene gut unb praftif$ ju t>erftef>en,
aU Mt$ ju ftubiren unb eigentlich bo# werf fettig yiifyti re$t ju
297
begreifen* ©ie£e, wej^alb aud? ber s JJfalmift aufmerffam ma$t:
intellectus bonus omnibus facientibus eum, b* £♦ bie ljaben
einen guten 23erftanb, bte ba tljun, waö ffe wiffen*
Sie 2Sijfenf$aft ber ^eiligen fann nadj brei ©Ulfen betraf
tet werben gemäß jener ©teile im $[♦ 118: 1) wirb bte ©eele
„weifer aU iljre geinbe": super inimicos meos prudentem rae
fecisti raandato tuo. Diefe geinbe ffrib befannt, bi>3, jaltfreicj)
unb ftarf; aber feiner fann mir fdjaben, wenn i$ mid) an ©Ott
unb Bein ©ebot ^atte; 2) wirb bte ©eele au$ weifer, at$ alle
^rebiger, £e£rer unb SSüc&er ffe machen fönnten; bie SSBorte biefer
tönen ja nur an if)r äußeret Dfyx, ©Ott aber mu# bem innern
iperjenöoljr baö 23erfiänbni§ erteilen, befonberS in Singen be£
£>eile$, wooon l)ier bie 9?ebe ift: super omnes docentes me
intellexi; 3) wirb bie ©eele weifer, al$ felbfi bie Stelteften unb
(Srfaljrenften : super senes intellexi: quia mandata tua quae-
sivi: nämlicf) bur$ einen ttollfommenen finbltcfyen ©efjorfam, ber
jiebe 33erirrung unmög(icf) ma$t — (g$ f>ei§t
4* Dafj ber £err bie ©eele „eljrenwertl? macfje in alt 1 iljren
arbeiten", weil biefe nämli$ alte in 9?ücfftd)t auf 3fm unternom*
men werben «,;♦•* ei ift immer etwa£ ®ro#e$, ba#, xvai man für
©Ott tfmt, fei ei aucf> in ftd) no# fo wenig unb gering; bie %
£j)ereffa rebet von einem ©trol^alm, aufgehoben au6 @ef?orfam
i f ;-; Deus non respicit, quantum, sed ex quanto affectu, fagt
ber % ©regor ♦ ♦ ♦ Die arme Söittwe im (Soangelium gab mit
i^rem ©cfyerflein baS Reifte.
5* (Snbltc^ £eifjt ei t baj? ber Jperr fetbft „bie arbeiten unb
SBerfe, fowie bie £ugenben ber ©eele ttollenbe": complevit labo-
res illius, nämtiety ani ©einem unenblicfyen ©nabenfc$a£e freigebig
jufege, mi bem ©uten ber ©eele etwa no$ mangeln follte, ba*
mit ei ganj wllfommen fei in ftcfc unb rein unb wohlgefällig t>or
3jjm; ober aud), inbem @r ani ber geringften Semüfmng ©einer
Diener bie reic^tic^ften grüßte bei $eik$ für fte unb für Slnbere
£en>orwacl)fen lägt ♦.♦<£$ lebe 3efuö!
298
17, a3erf$iebenl)eit beö ©erudM-
©er $L Paulus (2 (Sor* 2, 15-170 ftric&t »on jweierlet
©eru#, ben bie ©itten unb SWeben ber guten ^rebiger verbreiten,
beffen 33erfd)iebenl)eit jEebod) m$t von tiefen , fonbern t>on ben
9?ied)enben berfommt: Christi bonus odor sumus Deo in iis,
qui salvi fiunt, et in iis, qui pereunt. Aliis quidem odor
mortis in mortem : aliis autem odor vitae in vitam . . . Non
enim sumus, sicut plurimi adulterantes verbum Dei, sed ex
sinceritate, sed sicut ex Deo, coram Deo, in Christo loqui-
mur. — SQSir ftnb ju aufrichtig (will er fagenj unb reben wie
au$ ©Ott, vor ©Ott unb in S^riftuö: unb baä fönnen nid&t Sitte
ertragen, unb fo ifl unfere Sfabe ben (£inen jum #etl unb £eben,
ben Slnbem jum 33erberben unb Stob, na$ ber 3Sefd;affen!)eit unb
innern Stimmung eineö 3eben* — 3(1 beut aber alfo, bann er*
forf$e nur gut bein ©ewiffen, o ^rebiger, wenn bu aHen £eu*
ten gefall jU — ©ut unb *>ortreP$ in fi$ ift ber ©onnen*
fd^ein, unb wie verhieben wirft er! (£r erleuchtet unb blenbet;
er vergärtet unb erweist; er madjjt fließen unb trocfnet auö; er
tnacfyt fogar erfierben unb belebt wieber ju 2Ba$öt£um unb ©e*
beiden, — unb baS 2lt(eö unb no$ me£r bewirft einer unb ber*
felbe gute ©onnenfdjein, j[e nad) 33ef#affenl)eit be$ ©egenftanbeö,
ben er auf biefelbe Sßeife befcJjeint in jener urfprünglid)en (Stnfaft
unb Älarljeit, in ber ©Ott tjw *>on Anfang an aus bem ©ewölbe
beö £immelö ftra^len lägt — 21$, fo ift e$ audj mit bem 2id)te,
ba$ auö ber % Schrift fira^tt
18* Die reifenbe Jjt Jungfrau*
din Ijöcfyft lieblicher ©egenjknb ber ^Betrachtung f^einen mir
tic serfdnebenen Reifen ber allerfeligfien Jungfrau unb 3)htt*
ter ©otteä SD?aria ju fein, befonberS wenn man Ui jieber ft#
fragt: 2ßie unb wefjljalb unternahm bie ©eligjle tiefen 2öeg?
Unb wenn mau fie bann im ©emüt^e ft$ innerlich x>orftetlt nad?
ben lebeämaligen Umftänben tyxtö Sebenö auf biefer (Srbe, o tok
lieblich fpricfyt bae bie anbädjtige ©eele an, unb tt)k x>tele l)eil*
famen Seljren unb Sröftungen empfängt fie babei! Darauf müßte
299
\6) no# oft jurücffommen, rote ja aucf> bie 33ienen abermals £m<
eilen ju ben 33lumen, auf benen fte f$ou einmal £onig ge*
funben*
Sie erfie Steife fyxti $tbtn$ unternahm bie Stllerfefigfte in
©efetlfctyaft ttjrer Altern, beö £L 3oa$im unb ber % 2lmta, ba
fte faum brei 3a^re alt war; fte warb tfjeilä getragen, t^etlö aber
lief fte au$ fetbft unb jwar — weil bte göttliche Siebe i£re
finblidjen gü§e beflügelte — rec&t fcfjnell x>ott bem glecfen 9?aja^
ret^ in ©attläa nacf) ber l)f, ©tabt 3erufalem, um ftcfc ganj unb gar
bem 25ienjie beö £errn in ©einem Tempel ju weisen*
2113 eine jarte Jungfrau *>on ungefähr 13—14 Sauren ging
fte $on ^ewfalem nacf) -ftajaretlj in bie elterliche 2ßo£nung jurüch
£)a$ war ifjre jweite 9ietfe, *>on ber wir, wie von jener erften,
nur burcf) bie münblic^e Ueberlieferung ber Äir$e unb bur$ be*
fonbere, einzelnen ^eiligen geworbene Offenbarungen etwas wtffen.
£)te brttte Steife Sttariä fanb ftait na# bem unaugfyrecfy*
liefen ©e^eimniffe ber SWenfcbwerbung be6 göttlichen 2BorteS* ©ie
ging $on 9tajaret£ in bie ©ebtrg£jkbt Hebron ju t^rer Safe
(Sltfabetfj, welche mit bem % 3of>anneS bem Käufer im fec^öten
SKonat gefegnet ging, unb ber fte *>or unb bei ber ©eburt beö
Äinbeö liebeoolf bienen, mit ber fte ftd) aber audj ganj befonberS
im Jperw tröften unb erfreuen wollte über bie nalje (Srlöfung
3$raet3 unb be$ ganjen menfcfyf idjen ©ef$te$te$, „beim ber £err
Jmtte ©einer alten 33erl)eifjungen gebaut, bie (£r bem Slbra^am
unb beffen -ftadbfommen gegeben t>on Slnfang bi$ nun unb für
alle 3eiten/' D xoit siele ©efjeimniffe unb SSunber ftnb bei bie*
fer Steife unb waljrenb beö Slufent^alteö in Jpebron oorgefommett
jwifc^en biefen beiben % lüttem unb iljren Ätnbern! — Waü)
ungefähr brei Monaten i(i bie feligfte Butter be$ ©clöferö na$
9lajaretf> jurüögefe^rt
©e#ö 2Äonate barauf unternahm fte mit bem % 3ofep£ bte
vierte re$t bef$werlid)e 9?eife nad) 33etfjfel)em, wo Sfjrtftug unfer
#err geboren würbe* D wa$ litt bo$ auf biefem SBege unb in
33etl)lel;em bie gnabenoolfe SWutter ©otteö um be$ fjeiligfkn SEirtoti
willen unb für unfere (£rtöfung! Erinnere bitf) j. 33., xva& in
ben Betrachtungen ber feL (ünnmerid? barüber gefagt wirb.
Sßierjig £age nac^ ber ©eburt be$ göttlichen ^tnbee trug t>k
300
«Kutter ei naa) 3erufatem hinauf in ben Tempel, um di bet
£errn bar^ußelten. — Wlaxia tuugte bei biefer Aufopferung fep
wof>t, wai fte tljat, unb baß i£r Opfer feine Woge Zeremonie wai
wie bei anbern tinbern. — £>er bl. 5>febb begleitete fte überall
juweiten aua) trug er ben Keinen $efug; niä)t weit er e$ »erlang
bätte, baran trinbette ijln feine tiefgtünblia)e 2>mutb, feine groß
@ljrfura)t gegen iai tinb unb feine Siehe $u SWaria, fonbern wei
bie göttliche ÜÄutter felbfl ibm ba$ Äinbtein suweilen übergab, un
ibm eine unauefprea)Iia)e ^erjenSfreube $u machen. SÖabrlia)
feine 3nnge fann augfprea)en, wai ber % «JJatriara) aläbann tt
leinet eugetreinen ©eele empfanb, wenn er ben f (einen £eilanb ir
feinen atmen trug, alle 2öelt unb fia) fetbet »ergaß, unb — wai
foU man fagen?
Aber bet ©obn ®ottei war gefommen, um für X>ie ©ünben
ber 3ttenfa)en ju büßen, unb bie ©einigen, «Maria unb 3ofe»b,
mußten mit 3bm bür)en unb teiben. £)ie fechte Steife, in größter
2lrmut& unb 23efa)werbe bei «Jcaa)tsett unternommen, war bie glua)t
naa) bem &mbe 2leg»»ten, »on wo bie % ftamitie naa) »iefen
unfäglia)en Seiten fieben 3abre fßäter jurücffebrte in tbre alte 2Bob*
nung ju «ftajaretb.
Die fiebente ««eife war auf baä Dfterfeft naa) 3erufalem, ba
ber bolbe ßnabe 3efu$, fa)on 12 3a£re alt, ©eine Ottern begleitete»
Unb naa) »oltbraa)tem Opfer unb ®ebete jogen biefe Ijeitn; @r
aber blieb in 3erufalem, unb fie wußten ei nia)t unb fua)ten 3bn
in größten ©a)merjen brei Sage lang. D wai baben fte gelitten
bei biefem unfreiwilligen breitägigen 23ertufte! Armer ©ünber,
bu Ijaft 3efum oerloren bura) bie ©ünbe unb — bu bift ge*
füfttloö?! — «Kaa)bem fte 3bn wieber gefunben, ging <£x mit
ibnen naa) «fta$aretf? unb war ibnen in allen Dingen Untertan
unb ge^orfam.
£)iefe wenigen Söorte fönnen ati Anljattöpunfte bienen bei
ber 23etraa)tung ber «Weifen unferer gebenebeiten @ottee"mutter auf
biefer elenbigen (Srbe. «Jcoa) »tele anbere fleinere 2Bege ifi fte ge*
gangen aui Siebe $u @ott unb ben «ftebenmenfa)en, wie j. 23. naa)
bem £)orfe Sana in ©aliläa, um bei bem £oa)jeit$tnabIe bienen
ju beffen. 3n fiebereicbem Dienen unb Jpülfeletften tbat ei ibx
überhaupt «Jtientanb gleia) ober naa): bem @nget hatte fte etnfl
301
fefbft gefagt: „©iefje, i$ hin eine £)tenftmagb be$ £errn"; iljre
£anbtungen bemutfj3t>oKer ©tenftwifligfeit aber fagten fort unb
fort Sitten, bie fte beobachteten : ©eJjet Iner bie Wienerin beö Gerrit
unb atter SDtenfdjen!
@nbli* ging fte ben atterfauerften ©ang t^reö ZeUnä, ben
Äreu&weg, bte jum £obe t^reö ©opne«, — ©elobt fei 3efu$ unb
SWaria in (£wigfeit!
19. „9D?eine ©eele, warum bift bu traurig?" GPf* 4L)
1. «W ba« jübtfc^e SSoIf ang ber ©efangenf^aft »on 23a*
bplon jurücfgefommen war unb bte dauern ber neuen ©tabt 3eru*
falem einigermaßen wieber £ergejMt waren, ba berief @«bra«, ber
^riefter be« Jperrn, atfe« 33off ba£in auf ba« Sautyüttenfejl, bamit
er il)m ba« ®efe$ 9D?oft« öffentlich unb laut »orfefe. „©ebenem
beit fei ber £err unfer großer ©Ott! ftrad) @«bra«; unb atte«
SBolf rief: SImen, 2tmen, erljob bie £änbe gen £immef, bog bte
Äniee jur @rbe unb betete an/' (2 (£«br* 8.) darauf ge*
boten bte Semten ©titfe, unb bie SBorlefung begann. — £)a man
aber bie SBorte be« ©efege« *>ernai)m unb bie 33aterftimme be«
gütigen £errn unb ©otte« %$xactt in ben Dfyxen be« Söffe« er*
Hang — (§r, ber allmächtige ©ott t>on £tmmel unb (£rbe, x>er^
fcfcmäljte e« ni$t, im tlebermaß ber 3<*rtlid)feit gegen biefj l)art*
£erjige 23olf, ©i$ auc^ je£t nocf) ben „©ott 3«raetö" ju nennen !
— ba würben ifjre fonji fo garten £erjen, welche ein lange« Un*
glücf im fremben 2anbe enblid? gebemütfugt unb erweist fyatte, innigft
gerührt: „flebat enim omnis populus, cum audiret verba legis,"
fo bafj IWeijemia«, ber *PropJ>et, fte tröften mugte: Ite, fprad) er,
comedite pinguia et bibite mulsum et mittite partes his, qui
non praeparayerunt sibi: quia sanetus dies Domini est, et
nolite contristari: gaudium etenim Domini est forti-
tudo nostra. — Söorte ftnb e« au$ an ben befefjrten itnb reu*
müßigen ©änber bi& jum (£nbe ber 3 e tten, bafj er ftd) ni$t einem
ttebermaf^e ber SEraurigfeit Eingebe, fonbern (einen niebergebeugten
©eift burd) bie greube im Jperrn unb in feinem £etle fräftige, wenn
au# nidjt, wie jene {umliefen 3uben, in fetten ©peifen unb
füfem SWojh
302
% In obductione perraanet tristitia, et substantia inopis
secundum cor ejus. (Eccli. 38 , 20.) £)ie jtx>eite £ätfte be*
33erö$enö tft bie Urfacbe ber erften; benn, tx>eil unfer £erj nid?
bur$ ein $1 ©ottoertrauen erweitert tft, barum fügten wir um
in unferm innern SBefen fo arm unb bürftig, barum bleiben wit
immer in Sraurigfeit unb büfterer ©cfywermuty, gleidtfam o£ne ©ejlant
unb SSefen, fo oft es ber niebern Statur an i£rem £rofte unb@enü*
gen irgenb wie unb wo gebricht, ix>a$ fürwahr ein fe£r großes Stent
i% Dilata os tuum, et implebo illud, dicit Dominus. „£)effn<
ben SÄunb beiner 2Bünf$e, fpric^t ber £err, unb erweitere biefel*
ben, fooiel bu fannft, unb %<$ Witt fte erfüllen; benn 3$ allein
vermag bas unerfülltere 33ege£rungg*>ermögen beö menfd)li#en
£er$en£ ju füllen/' Domine, creasti nos ad te, et irrequietum
est cor nostrum, donec requiescat in te. (S. Aug.) ©er
23ettler foll ret#lid?eg Sllmofen befommen, aber er foll barum
bitten; bie menfe^tiefee ©eele foll überreif an ^immlifc^en ©naben
werben, aber fte foll barnaef) verlangen, — unb beibe verlieren
i^re 3eit?
3. 3n ber £raurigfeit, bie t>on ber 2lbwefenf)ett alles innern
£rofteö £errüf?rt, folleu wir evforfc^en, wofjer uns eine [o peinliche
@ntbe£rung fommen fanm Delicata est divina consolatio, et
non datur adrnittentibus alienam, fagt ber £L 33ernarbu& $<x*
ben wir feine frembartige £röftung jugelaffen? ©inb wir ntc^t
etwa leid)tftnntg ober weietylid? gewefen? ©ebenfe £ier ber rnerf*
würbigen SQSorte Sutwtg* *>on ©ranaba über bie große ßmpftnb*
famfett unb leiefrte 23erfiörung beö „getertageä ber 2lnba$t" (sab-
batum delicatum naef) % 58.), tck wenig eg fein mufj, um ben
©eift ber 2lnba$t unb beö innerlichen £rofie$ ju erftiefen: ®e*
lauter, lei^tftnnigeö ©d?wä£en , f feine ©innticfcfeiten im (£ffen,
Regungen beS ©genwtllenö unb (Sigenftnneö , bie ni$t foglei$
unterbrücft werben, ein geiler gegen bie £)emutlj ober Sftädjftenliebe,
eine 3erftreuung im ©ebete u< bgl, @ewöfmli# werben wir fttj
ben, baß unfere Sntbe^rung bie gofge eines §el?ler$, einer frei*
willigen Unt>ollfommen£eit, einer wieberijolten 9?ac|)läfftgfeit tft
Spiritus enim diseiplinae effugiet fictum et auferet se a co-
gitationibus, quae sunt sine intellectu, et corripietur a super-
veniente iniquitate, £ei£t es im 33u$e ber 2Beie£eit* Sllfo *>or
303
treten nimmt ber innerliche £röftergeift bie gluckt: 1) wr Unter*
laffungen guter £ugenbaete unb Slbtöbtungen, disciplinae fictum;
2) *>or eiteln, unnü&en, leictytftnnigen , jerftreuten ©ebanfen, cogi-
tationibus sine intellectu; 3) ttor Wieberljotten geilem, wenn
fte aud) Hein ftnb, benn immer machen fte einen Xfytil beffen aug,
waö böfe tft , unb fönnten enbli# au$ bie iniquitas, baS größte
23öfe f na$ ft# jiefjen* — (£nbli$, wenn bie ©eele, Jpanb aupä
£erj gelegt, fagen fann, baß fte jtcfy wirflief) nichts bergleictyen be*
wüßt ift, weber ©ünbe nod) geiler, uod? freiwillige Unt>oltfommen*
fjcit, no$ Seidjtfinn, nod) £l)eilnal)me an ftnnlidjem unb irbtfäem
Stvoft u, f* w*, alSbann, fage i$, £at biefe ©eele in i£rem trocfenen
©ewiffen felbft ben aflerbeflen ©runb jur 3"f^tebenpett unb greube,
weil i^re Heine £raurigfeit tyx einjig von ber 3ulaffung ©otte£
Jjerfömmt, £>en um feine 2lbftc|t ju befragen ungejiemenb fein
würbe* 3n biefem ©inne fagt S^omaö t>on Kempen ju bem
#errn: Si tua defuerit consolatio, sit mibi tua voluntas et
justa probatio — pro summo solatio. 2ltfo bemnadj) fyaUn
wir niemals meljr Urfa$e in ber größten greube beö ©eifteS
ju fein, aU jur S^ f wo wir un$ feiner Urfac$e bewußt ftnb,
weßj?atb wir traurig fein feilten. 3n biefem ©inne fang ber Jjl,
3ofe$> wn Sopertino :
Scrupoli e malinconia
Non li voglio in casa mia:
6crupel unt> £raurtgfett,
@d)roermut& unb @ram,
Unnü^eS £erae!eib, —
gort mit bem $ram!
"Die fe^en j[a nue Reiben au#,
L M Witt fte nt$t tn meinem £au$l
20. (Sine alte ßlage unb Drohung.
U Jpöre, meine ©eele, worüber ft# ber £err beim ^Jroppe^
tm Dfee beflagt Audite verbum Domini, filii Israel, quia
Judicium Domino cum habitatoribus terrae: non est enim
veritas et non est misericordia et non est scientia Dei in
terra . . . ©ie^ft bu, in bem Sanbe perrfäten £offart, ggoiemuö
unb Unwiffen^eit in ®ad)cn be$ £eile$ • ♦ ♦ Conticuit populus
304
meus eo quod non habuerit scientiam. (Os. 4, 1. 6.) ©ief)e
ba alö golge bat>on ba$ 23erftummen beg göttlichen SobeS, an
beffen ©tatt eine §lut£ *>on fünbljaften Sieben unb ©Triften ben
(£rbfrei£ ju überfcfywemmen broljt, benn bie $inber 23elialö öffnen
ifjren ©inn unb i£re Üttäuler um fo weiter unb fpre^en iljre W*
jlerungen um fo freier aug, wenn ifjnen feine ©otteefinber meljr
n>iberfprec^en*
5ln ben erften brei Sffiunben l?at bie 9ttenfd)engefetlf$aft f$on
oft tobtfranf barniebergelegen , wie Ijeute, wo nod? fein 2Beg ber
33efferung eingefcfylagen wirb, ber eine solle ©enefung hoffen ließe*
2lber (SineS freut micf) unaußfpredjlicf), baß bie lang serfcfyol*
lenen unb beinahe abtyanben gefommenen göttlichen Sobgefänge
allenthalben wieber angeftimmt werben, £ag£ x>on ben ©laubigen
in ben Äirc^en unb öffentlich auf ben ©traßen, yiatytü t>on ben ,
ftcf) nte^renben £)rbenöleuten in ben Älöftern: ein Stifyin bod), baß
ein £fml ber Sßelt weifer geworben ift, unb baß ©otteö 23olf gegen
bie btttern klagen be$ £errn nidjt taub bleiben will.
2. 2Bie mit einer befonberö großen ©träfe brofit ©Ott bem
3Solf 3'ärael, dx wolle ti fügen unb julaffen, baß fte einen Sporen
jum gä^rer unb ^3rop^eten unb einen Unftnnigen jum geiftltd&en
Ce^rer befämen (ober für $ro$?eten unb Seljrer gelten): Venerunt
dies visitationis, venerunt dies retributionis, scitote Israel
stuHum prophetam, insanum virum spiritualem, propter mul-
titudinem iniquitatis tuae et multitudinem amentiae. (Os.
9, 7.) Sefunbet biefe 3wiaffung nun eine große ©träfe ©otteß,
fo ift e$ im ©egentljeile ebenfalls gewiß , baß ein von ©otteS ©nabe
befonberg f>eimgefu$ter ^rebiger unb ©eifteöle^rer ber foftbarfte
©egen ©einer @rbarmung für eine ©emeinbe, für eine ©tabt, ja
für ein ganjee Sanb fein muß, xvie wir baß auü) in bem %tbtn
ber ^eiligen x>telfad^ feljen, baß ©Ott ©i$ ©ne$ bebiente, um
eine große Slnjafil ju ^eiligen unb ntc^t wenige auf ben ©ipfet ber
c$rifilid)en SBollfornmen^eit ju führen ♦ ♦ ♦ ©arum fann man aber
audj mcf>t genug anraten, fowoljt für geiftli^e als weltliche
Obere ju beten, bamit ©ott fte mit ber gülfe ©einer ©nabe allzeit
fegnen unb t>eimfu$en wolle jum jeitlic^en unb ewigen 2Bo£lfein
ber ©cf)äflein ©einer 2Beibe: Nos autem populus ejus et oves
pascuae ejus. (Ps. 94.)
305
21. Die SBefcbauItc^fett nac$ £ab, 2, L
Super custodiam meam stabo et figam gradum super
munitionem: et contemplabor, ut videam, quid dicatur mihi,
et quid respondeam ad arguentem me.
3n x>ter Dingen f$eint btefen SÖorten gemäfj bie ganje $flicf)t
unb Arbeit be$ 23ef$aulid)en ju liegen:
1. SßSac^fam unb forgfättig fein in Beobachtung alter 23ewe*
gungen be£ £erjen£: Stare super custodiam.
2* ©tetS feftljalten bie Erinnerung an jene beiben #aupt*
grunbfagen beö wahren griebenS, ber innern S^ufie unb beö %
©otttfertrauenS, nämli$: 3efu3 Sljriftug unb bas gute ©e*
Wiffen, b* u figere gradum (vel pedum utrumquej super
munitionem. — 2ltfo beibe güge foK man feftfegen; gib 2t#t,
ba§ ni#t ber eine laffer aU ber anbere fei, fonft wirft bu ljinfen,
leidet ermüben unb faßten. &$ tann Weber baS Vertrauen auf 3efu$
@l)riftu$ olme baö gute ©ewiffen befielen, no$ aud) baä gute
©eanffen ft$ felbft genügen olme ben ^inbltcf auf bie unenblidjen
33erbienfte 3efu (ütyrifti; ber Styoftel fpric^t: non enim sufficit
mihi conscientia mea.
3. Die britte Arbeit unb Uebuug beö 23efd^aulid;en ift f#weig*
fame ©tille unb aufmetffame ©eifteäfammlung , um ben SBillen
unb jebeä fleinfte 2Bo£lgefatlen beö ©eliebten aus ben innerltd&en
Söorten ©einer göttlichen (Sinflöfjung altjeit $u erfennen: con-
templabor, ut videam, quid dicatur mihi, „Unfere Slugen, fagt
ber ^falmift, ftnb auf ben Jperru unfern ©ott gerietet, wie bie
klugen ber Diener auf aüe Beiden if>rer £errfd)aften merfem"
4. 5£reu ber empfangenen ©nabe entfpre#en, bamit er nie
ober f o feiten, al$ eS menfc|)tic$er ©$wä$e möglid} ift, einen S3or*
Wurf ober SÖerweis t>on bem ©eliebten x>erbiene: ut videat, quid
respondeat ad arguentem se; empfängt er aber einen folgen
birect ober inbirect, fo barf er feinen Slugenblicf jwetfeln, benfelben
serbtent ju £aben, unb muß alebalb feine ©eetenru^e nur in ber
aufridjtigften Demutl) unb ©elbftoeracfjtung fu$en, iubem er gteid)
fid) felbft $u einer tterfjältnißmäfngen 23u£e serurtljeilt
S3emart> Wp^oriSmen. 20
300
22, Unglauben im £eben unb ©tauben tm £obe,
©er $rop£et (£ab, 2, 4) gibt in bürren unb fe&r Iräftigen
SÖorten bie allgemeinfte unb wa^rfte, ja bie einzige Urfacfye
ber Ungläubigfeit Ui getauften (££rtfiennienf$en wie hei 3 u ben
unb Reiben an, wenn er fprttfit: Ecce, qui incredulus est (sive
Deo sive Ecclesiae) non erit recta anima ejus io semetipso.
2). !)♦ e$ ift nidjt möglich, ba§ ein fol$er ungläubiger, irretigtöfer
9J?enfcf) in SSa^eit unb wn ganjem Jperjen ein fog* „braver
unb red)tfd;affener 3J?ann" fein fönne* D wie fügten bie religtonS*
feinblid)en 5D?enfc^en im tiefften ©runbe tyxti eigenen 93ewu§tfeinS
bie SQSa^r^eit biefeö SluSfprucfyeS ! Darum berufen fte ft$ auf
ni#t$ in ber 2ßett, als aMn auf ben SEttel „bra$e unb red?t*
fcf?affene Seute", gleicfyfam als fürchteten fte bei ^ebermann 3m\*
fei an il)rer @£rli$feit ju finden, unb fte mögen wol?l Stecht
£abem Denn wenn fte grünbli$ bxax> unb gerecht wären, fo
würbe iljnen ber % ©taube bee S^riftent^umö fo not^wenbig
unb lieb aU baS Seben felbft fein, weil nad) ben SBorten ber
©$rift ber ©erectyte nacfy unb in feinem ©tauben lebt: justus
autem meus ex fide sua vivit. Unb warum ba$% — SBeil
ber befetigenbe ©taube an ©ott unb bie fmblicf>e Eingabe an ©eine
&L Äirc^e mitten in ben unauflöslichen 9?ätl>feln beS
irbif^en DafetnS altein jene fettere dlufye unb 3ufrtebeni?eit
gewähren, ofme welche bie Verbannung biefeS Gebens unerträglich
fein würbe*
3m IL 2Serfe r bafetbft fieljt bann eine f$recfli$e £)roJmng
gegen fol$e Ungläubige unb ©ünber überhaupt, unb gegen ben
®ti$aU unb SBetrüger inSbefonbere, wenn er auf bem Sterbebette
enbli$ gläubig geworben, t>on feinem befd&werten ©ewijfen bis jur
S3erjweiftung wirb gefoltert werben: quia lapis de pariete cla-
mabit, et lignum, quod inter juncturas aedificorum est, respon-
debit. ©af aud) ber unbußfertigfie ©ünber biefe $eben unb 2lnt*
Worten feiner unzählbaren ÜRiffefyaten in ber legten ©tunbe feines
böfen SebenS beutti$ Ijören unb *>erfU£en wirb, — baS untere
liegt feinem 3weifel; benn *>iele 33ofewid)te ftnb bei biefer ©djrecfenS*
fpra$e am Staube ber (Swtgfeit teiber ju fpät erwacht unb Ijaben
— weil fte bie ©nabe ber 33efe£rung x>on ©otteS 23arm|>erjigfe(t
307
ni$t meljr empfingen — in ber Verzweiflung i£re unglücflicben
©eelen auggeljauebt* ©o nimmt ba$ ©ewiffen oft Sia^e an ft$
felbft, unb burcb^ ganje 2eben be$ ©ünberö atlejeit $>on biefem
mit glei£ überhört, »erfebafft eS ft$ mit ©ewalt in ber legten
©tunbe noe!) einmal @e£ör — aber bie £age beö #ei(e$ ftnben
mit ber näctyften Minute biefer ©tunbe i£ren ewigen 2tbfeblu£!
25er ©ünber fyat nur nod) bas Siebt ber Srfemttmfj unb fültft,
baß if?m bie ©nabe ter ^eue fefrtt: ift ba$ nic^t ber Anfang ber
ipöfte, beoor er ^inemfommt?
3iaiae [priest im tarnen feinet febulbigen Solfeo : Multi-
plicatae sunt iniquitates nostrae coram te (Domine), et pec-
cata nostra responderunt nobis; quia scelera nostra nobiseum,
et iniquitates nostras cognovimus. (Is. 59, 12.)
SBäre in biefem SScrfe nic^t ba$ „coram te, Domine," worin
bie 3>mut£ unb 9?eue enthalten ftnb, fo fönnten un$ biefe SBorte
in bem 5D?unbe eines fterbenben ©ünberö niemals beruhigen: ei
wäre ©ünbenerfenntniß obne 3)efe£rungggnabe* 2>r Ungläubige
fuebte, fanb unb erfanb, um fein ©ewiffen ju befriedigen, allerlei
3weifet, auf xcdfyt feinem *>erfel?rten Jperjen feinem SBetfen 2lnt*
wort genügen follte (wie benn ba3 alte ©prüci;wort fagt, „ba§ oft
ein SRarr meljr fragen [teilen fann, aU je^n 2Öeife ju beant*
Worten im ©taube ftnb") — nun antworten tym £inrei$enb
„feine eigenen ©ünben, bie Ui il)m ftnb," auf Sllleg, wa$ er bie
3eit feinet Sebene nici)t t>erfiepen wollte. — Peccata nostra res-
ponderunt nobis: o £err, voqö auty fommt, waö £)u au$ über
unö oerpngen unb julaffen wirft: es fteljt uns ni$t ju, £)ie$ be§*
l)alb jur 9?ebe ju fiellen, ober wegen ber ©djärfe, womit bu un$
ftrafeft unb l>eünfuc|)eft, gar am ©lauben jweifetn ju wollen —
unfere ©ünben felbft geben uns Antwort auf Sltle^ ßeiber
aber wirb biefe ©pracbe *>on ©inigen erft am £eben$enbe serftan*
ben, unb erjeugt bann me£r einen falten ©Freden jum SBerberben,
als eine bemütyige @rfenntnif} jum §t\U.
23. Sßarnung gegen ben böfen ©äemann*
„£)a$ Canb wirb feufjen unb we^eflagen unter ber SErübfal,
ruft ber *propf?et auä, wegen feiner 23ewofmer unb wegen ber
20*
308
gru$t ifjrer ©ebanfen": Et terra erit in desolationem propter
habitatores suos, et propter fructum cogitationum eorum.
(Mich. 7, 13,)
3n ben ©ebanfen ift bte ®aat beg 23öfen, ba$ 2Berf ift
bie gru$t, 20 orte ftnb bte übelriedfjenben Stützen beöfelben* (£r*
fticfe nur eiligft bag ©aatforn ber Soweit, wenn bu bie giftige
$rud)t beäfelben wa^v^aft für^teft unb verabfdjeueft: bentt feljr
fc^nett wirb fte Ijeranwacfjfen unb reif werben, oljne vieler ©on*
nenwärme lange ju bebürfen! — ,/£)a$ Himmelreich, fpradj ber
Herr, iji einem £au$vater ju vergleichen, ber guten ©amen auf
feinen 2lder fäete;" aU aber bie %e\xte f erliefen, fant ber geinb
unb fäete aus lauter Soweit taufenberiet Unfraut unter ben beflen
SÖaijen unb ging wieber bavon* 5)?erfe woljl, ber ©amen beö
Unfrautg würbe jwif$en ben Sßai^en geworfen, als bie Seute
f erliefen; e$ ift nityt gefagt, baß e$ in ber ginfterniß ber Sftadfjt
geföepen fei; benn wenn jener £au6vater unb fein ©eftnbe §aul*
lenjer waren, fo fepefen fie ofme Zweifel aucf> viel bei £age, —
unb nadjj ber Slugftreuung beö böfen ©amens ging ber feinbtidje
©äemannbavon: Unfraut weicht nämtic^ überaß gut unb t^ie von
felbfl, o^ne ber 2tuffi$t unb Pflege 3emanbe$ ju bebürfen* £at
eg einmal von einem 33oben 33eft| genommen, fo ift e$ faum
wieber ju vertreiben unb auöjurotten; „e£ vergebt nid&t," fagt
ba$ ®prüd)wort ©arurn laffet un$ naefj ber (Srmaljnung be$
% betrug nüchtern fein unb wachen, benn unfer $einb, ber
teufet, gefrt untrer, nidjt nur offenbar, mc ein brütfenber Söwe,
um uns su verklingen, fonbern au# £eimlic$, wt£ ein Stieb unb
SKalefteiant , ber ju fcfyacen fu$t, wo unb wem unb me viel er
fanm Tu autem, Domine, miserere nobis!
24* Einige 93licfe in baS SBaterljerj ©otte&
25er #err unfer ©Ott ift überaus gut unb gnäbtg, unb leicht
nimmt dx einen reumütigen ©ünber wieber auf, wenn berfelbe
nur in aufrichtiger SBufjgefmnung ju 3£m ^urüdfe^rt ©ere^tigfeit
unb 23armjjerjtgfeit fmb, xt>ic 2llfe$ in ©einem SBefen, unenblic^
2Bie groß au$ Bein geregter 3orn fei, wenn dt ben ©ünber
mit seitlichen unb ewigen ©trafen bebro£t: @ine ££räne von wa^
309
rer 33ußtrauer reicht l)in, um 3j)n ju befänfttgen unb jur ©nabe
unb 33arm£er$igfett ju bewegen* Novit Dominus mutare sen-
tentiam, fagt ein £L 23ater, si tu noveris emendare delictum,
@ott ift ottjett Vater ber SWenfc&en, obfcfcon dx an biefen oft nur
ungeratene Äinber $at, bte (£r jule^t benno$ Seiner unbeugfamen
@ere#tigfeit wegen *>on ©i# verflogen muß* — 9iac$bem ba6 jü*
bif$e Volf über [eine ©ünben unb Untreuen in SBab^lon 23uße
getrau, fpri^t ber #err in järtlictyer Siebe: Qui tetigerit vos,
tangit pupillam oculi mei. (Zach. 2, 8.) £örefl bu e« wojrt,
artner unb bußfertiger ©ünber, Ijöreft unb $>erftef)jl bu bie Stimme
beineS ©otte« unb Vater«? — ©ebenfe luer mehrerer Vorfälle au«
ber % ©efdjidjte, wo biefe liebeoolle 2öieberaufna£me be« ©$ul*
bigen ft# befonber« funb gegeben l)at
£♦ 3* S^Ö^ &w wßen ©ünbe erhalten unfere ©tammeltern
in ben Verfen 16—19 be« 3. Kapitel* ber ©eneft« t&ren Urzeit«*
fpru#, bie Slnfünbigung ber serwirften ©trafen, worin ©otte« ©e*
redjttgfeit ftdj funb gibt. Unmittelbar aber barauf berichtet bte
%l ©$rift, toie (£r ben Uebeltpätern ©ewänber *>on gellen ge*
ma$t unb fte gef leibet Ijabe: Fecit quoque Dominus Deus Ada-
mae et uxori ejus tunicas pelliceas et induit nos. D Wie
barm^erjig tjl ba«!
2* (£benfo erfctyeint biefe ttäterficfje 33arm^erjtgfeit f na$bem
(£r bem unbußfertigen SEobtfctyläger $atn bie gerechte ©träfe feine«
Verbrec&en« angefagt £at 2Bie biefer barob in Verzweiflung gerate
unb meint, tu $olge feiner Verwerfung oon bem 2lngeftd?te be«
#errn würbe er von ber £anb be« (Srften, ber i£m begegne, eine«
gewaltfamen £obe« fterben, fprt$t ber £err: „ba« wirb feinet
wege atfo gefd?e£en bürfen, unb wer bie verwegene Xfyat wagte,
würbe fiebenfact) bafür beftraft werben/' Unb ber barmherzige
Vater be« ©ünber« mad;t ein Säfyen an il)m, baß 9tiemanb e«
wagen barf, £anb an il)n ju legen, toie er bo$ wrbient f>ätte*
(®en. 4, 9 — 150 2Bie barm^erjig ift ba« m$t wieberum! Dljne
3weifel wollte ©Ott bem Unglücfli^en Vertrauen einflößen, bamit
er nid)t ser$weifte, fonbern ft# tterbemütljige unb in ber 23uße
Rettung fuc^e. Slber wir lefen m#t, baß ber oerftodte SWörber
baoon gerührt worben fei; af« tym fein ZtUn gefdjenft unb t>er*
fiebert war, bat er um nickte anbere« meljr unb ging t>on bannen!
310
— 3n gleicher Söetfe fjanbelt ©Ott no$ alle Sage/ inbem QEr ben
©ünber $ur 33u£e unb DWcffeljr erwartet, unb m#t ertaubt, bafj
bie böfen ©elfter i£r (£igentfmm3re$t fogleicf) an t^m ausüben.
£>£ne btefeä I>öd)ft barmherzige Verbot würben bie ©raufamen iljre
ungtücffelige 95eute re$t balb erwürgen unb in fiebern 35erwat)r
bringen,
3. 3$ weig ni$t, wie oft bie 3$raetiteu ber 2ßo^
traten ©otteg feit iljrer ^Befreiung au$ 5teg9pten f$on ttergejfen,
ben £errn ipren ©Ott serfajfen unb ben ®o|en 23aat unb 2Xfia=
rotlj auf bie aßerfcfjänbltdjfte Sßetfe gebient Ratten, at$ fte na$
beut £obe be6 frommen 9ftd)ter£ 3air *>on ©ataab wieber baöfelbe
traten: fo oft fte aber wieber jum £errn jurftcf festen unb um
33armfjer$igfeit riefen — ebenfo oft Ijatte ©Ott neuerbingö unb aber*
malS unb immer wieber SDtitteib mit tfmen, unb f?alf i^nen a(s ein
übermäßig guter S3ater wieber au6 ber stemme, o^ne ber steten x>ox*
hergegangenen Untreuen $u gebenfen ober ftd) ju rächen, unb — fo
I)ei§t e£ im 23u$e bereitester 10, 16:... et doluit super miseriis
eorura. 2Bet$ 1 ein wunberbarer 2lu6brucf! 33erfd?afft er uns
nid?t wieber einen' tiefen ©lief in bae erbarmung3ret$e 33ater*
Derj unferö guten ©ottee? 3|i btefe gütige Jpanbtungöweife nic^t
erftaunene würbig über alte ©renjen unb ganj unbegreiflich ? i ♦ ♦
2Bte fonnte (£r bo$ immer wieber 9JJttIeib mit t>cn fdjnöben lieber*
tretern Daben? — (£3 ift waljr, (£r lagt auf (£rben allezeit ©eine
33arml)er$igfeit vorwiegen, weil ©einer ©erec^ttgfeit eine ganje
Swigfeit jum fyanbttn übrig bleibt; aber ber mitbejle £err unb
©Ott gebaute au$ woljt be$ eigentlichen ©runbeS i£rer, wenn
au$ no# fo felbjh>erf$ulbeten ©cfywcictye : fte entbehrten nod;
ber überreichlichen ©naben unb £eitämittel , bie wir nun nadj ber
*>otlbrad)ten (£rtöfung buref) 3efum Gtyrijhtm beftijen* ©etobt fei
3efu$ @£riftu$!
UebrigenS Umi^tt btefe §angmut£ unb ©üte ©otteä gegen bie
33öfen meljr aU alles Stnbere baS ©afein ber £ölte unb bie (£wig*
fett ifjrer ©trafen; benn wer Ijartnäcfig genug in ber ©ünbe ift, um
alten ©rbarmungen aus bem 2Bege ju geljen, ber pat waj>r(i$
an einer £ötte no$ ju wenig.
4* dliai ber $)rop£et würbe bem gotttofen Äömg 2l$ab
entgegengeeilt, um iijm bie furc^tbarften Strafgerichte ©otteS atö
311
unmittelbar bevorfte^enb anjufünbtgen* Der gottlofe üttann ge*
rietf? bei biefer 3tebe be$ ©tenerö bes #errn in $ur$t, ging
tu ftd>, jerriß feine Kleiber jum 3etdjen fetneö tnnern Seibtvefenö,
jog einen 23ußrocf an, faftete, f erlief in einem 2lfd)enfacfe unb
wanberte baffer mit gebütftem Raupte* £>a erging bie 9^ebe be$
£erm an (£lia$: Nonne vidisti humiliatum Achab coram me?
Onia igitur humiliatus est mei causa, non inducam malum
in diebus ejus. (3 Reg. 21.)
5* Slber eines ber merftvürbigften 33eifpiele im alten 33unbe
bleibt bie ©enbung beö ^ropfjeten 3onaö nadf) ber Jpeibenftabt
yiinive. „3n vierjig Sagen (oll fte i^rer ftttlic&en SSerfunfen^eit
jufolge auc^ äugertic^ mit Willem, waö barin ift, ju ©runbe
gelten/' %ona$ [oll unreifen unb ba$ öffentlich anfünbigen. allein
ber $ro:p£et, ber bie unenblidje ©üte unb Sangmuty beS £erm
fennt, will ftd) einem folgen auftrage nid)t unterstehen unb nimmt
bie gluckt nad? einer anbem Jpimmel^gegenb l)üu Waä) bem be*
fannten Unglüd auf bem $?eere muß er aber boefr £in unb jteljt
nun ben erften Sag bur$ bie ©trafen ber größten Söeltfiabt mit
bem 3htfe: „Wcfy vierzig Sage — unb 9ttnive ge^t ju ©rttnb!"
— Unb fte&e, bie gottlofen Reiben glauben plöglief? feiner ^rebigt,
unb vom Äönig big jum ©flauen, vom ©reis bi$ jum ©äugling,
faftet Sllleö, wag Seben Ijat, felbft ba£ unvernünftige 23ielj, tljut
Sßuge unb verläßt bie SBege ber ©ünbe* Unb, xoit 3onas vorauf
geahnt, ber £err erbarmt fidj über fte. Unb aU ber mißmutige
spro#?et mit einer folgen Senbung, woburdj ber 2öal)rl)aftigfeit
feiner $rebigt ttxotö abjugeljen fd&ien, ni$t aufrieben war, fpra#
ber #err bie frönen SQBorte ju i^m: bu bift f$on untröftli$ über
ben aSerluft einer elenben ^Pflanje, bie bir einigen ©Ratten gewährt
l>at unb nun verborret ift, unb bu meinjl, %i) folle feine ©dfjo*
nung £aben für 9iinive, bie große ©tabt, mit meljr alt 120,000
Äinbew, bie no$ nid?t wiffen, totö rec^tö ober linfg, gut ober
böfe ift — unb mit fo vielen Spieren, bie mein ©ebot ni$t über*
treten fonnten?
6* 211« unfer £eilanb ben £ajaru$, ben (£r vom Sobe auf*
erweden wollte, in einem fo fläglid&en 3u(ianbe fanb, „fremuit et
simul lacrymatus est." 3wet ©efü^te ftnb au# in bem £erjen
ber ©erec^ten unb Wiener ©otteS, wenn fte ben erbärmlichen 3^
312
ftonb ber ©unter fefcen: „Entrüftung unb jugletcfc SWitleib", Vera
justitia, fagt ber £!♦ ©regor, conjunctam sibi habet compassio-
nem, falsa indignationem tantum. — ©anj nacf) bem ©eijte
©otteä unb unferS Jperrn 3efu @!?rijli fc^reibt beim au# ber 2lpo^
fiel ^auluS: „23rüber, wenn au$ ein SWenfd? in irgenb ein 33er*
ge^en geraden ifh t$r, bie i$r ben ©eift Jjabet, weifet i£n sure#t
im ©eifie ber Sanftmut^, unb fte£e auf bi# fetbft, baß bu m$t
aucfj in 33erfu$ung fommeft/' (@aL 6, !♦)
25* ©runblofe (£ntfcl)ulbigung»
Sie Zeitigen wünfc^ten unb fugten *>or$ügli$ unb einjtg
©otteö (£f)re unb 2Bol)lgefatlen in allen Singen burcf> ©ebanfen,
SBorte unb Söerfe* Einige meinen, bag fö.nne man ifmen ni$t
nac$t£un* 2lber ein Serben ber £!♦ ©d&rift x>emtc^tet l)ier jiebe
falfdfje Stttfc^ulbigung : Sed anima, quae tristis est super mag-
mtudine mali et incedit curva et infirma, et oculi deficien-
tes et anima esuriens dat tibi gloriam et justitiam Domino.
(Bar. 2, 18.) Enthalten biefe SQSorte nic^t ein »otlftänbtgeg Slenbg*
bilb? Unb inmitten biefeS @lenbeg l)ört bie leibttolle ©eele nid&t
auf, ju jungem nad) ©Ott unb ©einer Siebe unb (£{>re: unb barin
den liegt ber ganje ©runb il)rc$ 93erbienfte$ in folgern 3ujlanbe*
©Ott verlangt jfa nid)t, baß wir 3f)n über unfer geringe^ S3er*
mögen immer in großen, erhabenen unb fcfjwierigen Singen loben
unb x>erl)errli$en — fo lann nur @r felbft @i$ greifen : fein ©e*
fc&öpf fann e$ au$ ft$ auf eine gebüljrenbe ©ottes würbige SÖeife,
fein 9Äenfcf> auf Erben, hin Engel im Fimmel — fonbern in
bem, wa$ unferer natürlichen ©$wad$eit fo nalje liegt, in ber
SSerbemüt^igung , in ber offenherzigen 2lnerfenmmg unfereS eigenen
SftidOtö, in ber großmütigen ©elbftoerac^tung unferer Eitelfeit, in
ber freiwilligen Slnnaljme unferer geifUtd?en Sürftigfeit, in ber ®e*
ringf^ägung alfer menf^lid;en ©röße im 33erglet$e mit ©Ott, in
ber Entfernung beö 255fen auö unferm eigenen SBillen, in bem
©eufjen über baö 33öfe Ruberer, wenn wir eö ni$t t>er£inbem
fönnen u* f, w* Unb nun muß i$ 2llle, bie mit mir an ber Äette
be$ menfcpdjen EfenbeS jieljen, fragen: 203aS ift un$ möglicher
313
als bieg? tonnte ©Ott woljl etwas Seichteres oon uns verlangen?
— gort alfo mit ben fallen (£ntfd>ulbigungen: 3$ bin fo elenb,
iä) fann nidjtS für ®ott t£un, i$ bin nugloS- — Du £l)or, warum
»erlangjl bu für ©Ott 2lnbereS ju tjjun, als was ©ott son bir
will? — Et obmutui, quia judicavit Dominus servum ne-
quam ex ore ipsius.
26* 33on bem gebulbigen SluSJjarren bei ©ott
93iele, bie im £)ienfte ©otteS aufrieben unb guter 2)inge waren,
fo lange fte für 3f)n f Raffen unb wirfen burften, verloren
bie ©nabe ber 23el>arrlicf}feit, als eS galt, für ©ott ju leiben unb
ju bulben; wie aber bur$ legtereS, b- u bur$ Reiben unb £)ul*
ben, bei (£rlöfung ber SWenfc^^eit baS ÜÄetjie getfmn ift, fo bleibt
eS aiufy in ber Heiligung beS (Sinjelnen bie conditio sine qua
non i£reS §ortfd)ritteS unb iprer SSoßenbung* 2ßer baS Seiben
unb Sulben »erf$mäf;t, bem $tfft au$ atT fein ©Raffen unb
SBirfen nichts* ©ott greift ju Betten felber ein, unb bann — will
(£r, baß wir 3fm tljun laffen*
Sie fünf erjlen Sßerfe im jweiten Kapitel beS Ecclesiasticus
enthalten nun in 23ejug hierauf bie ljeilfamften Se^ren beS gcift*
liefen unb tnnern SebenS^ @S wirb ba geljanbelt fcon ber „susti-
nentia", einer Unioerfaltugenb , welche bie Uebung aller anbern in
jt# faßt, unb tynen i&re legte SSollenbung unb ©$önf;eit, fowie
tyren ewigen SQSerty *>or ©ott gibt ©iefe £ugenb nenne iü) gern
mit bem tarnen beS „gebulbigen 2luS£arrenS bei ©Ott" nämlufc beS
SluSfmrrenS in alten arbeiten unb allen Seiben, ju j[eber &it unb
an jebem Ort, Ui allen ^erfonen, bie unS untergeben ftnb, gleich
liefen ober befehlen. 33eftel)t ja au$ bie Jpaupttugenb eines gu*
ten Dienert barin, baß er bis ju (£nbe treu in bem ausmalte,
wae bie löbliche SluSübuug aller £ugenben unb ty flirten beS
£)ienfteS mit fi$ bringt — 2öir umfcijreiben ben ©inn ber
SBortc unb laffen bann ben ©$rifttert 33erS auf 3JerS folgen:
1> 9J?ein ©oljn, wenn eS bir (Srnft ift mit bem ©ienfte
©otteS, fo fei beftänbig in SluSübung aller $fli$ten ber @e*
redjtigfeit, o£ne bir barauf etwas ja ®utt ju t^un, fonbern
für#te unb benfe, baß bie 23erfud)ung nidjt ausbleiben wirb;
314
benn baö ©ute, baS feinen 28iberfpru# erfährt, x>erbient faum ben
Manien be6 ©Uten* Fili , accedeos ad servitutem Dei sta in
justitia et timore, et praepara animam tuam ad tentationem.
2* «Darum, wenn ber SBiberfprucf) unb bie öerfud)ung an*
fommen, fo unterbrücfe fleifiig bie attju groge GEmpfinbttcI)*
feit beincS £erjen$ in ©ebulb; neige ^>telme^r bein Df)r
ju jenen SÖorten, welche bie wm ©lauben erleuchtete Vernunft
fprtcfct: unb £abe nicf)t atfju Saftige (Site, wenn?ici)t unb £roft
bes ©eifteS btr entzogen werben, fonbern beftebe mannlid? bte 3 ^tt
Deiner Prüfung. Deprime cor tutim et sustine: inclina
aurem tuam et suscipe verba intellectus: et ne festines in
tempore obductionis.
3. 33ewäl?re biet) in s Mem, waä bu ©otteg wegen au$*
galten mußt; vereinige bicfy immer mit ©einem £eiltgften unb
anbetungewürbigen SBtflen, oljne auf ba6 faure ©eft$t ber niebern
unb fe!bftfü$tigen 9?atur weiter ju achten, bamit baS SSerbienft
beutet frommen Sebenö am @nbe beöfetben um fo grö§er
befunben werbe, aU bu jum 33orau3 weniger greube unb ©e*
nug bawn gehabt fcajh benn @f)re unb fiölrtidjer ©enufj ftnb
grüßte ber £ugenb unb £eiligfeit, bie erft im ewigen Seben jur
Steife gelangen* Sustine sustentationes Dei: conjungere Deo
et sustine, ut crescat in novissimo vita tua.
4. 3et>e3 vf) eil mittel, baö ber liebe ©Ott $u beiner oott*
fommenen ©enefung anwenben will, rnttfjt bu mit greuben
empfangen; unb wenn bein 2eib fo groß wäre, ba§ felbft 5D?ittet
bagegen Un Seltner j tterfcblimmerten, — ergib bidj aud) barein,
unb wk fe£r bu au$ fotlteft t>er bem üt|>igt unb erniebrigt wer*
ben, Ijalte feji an bem Slnfer ber % ©ebulb* Omne, quod
tibi applicitum fuerit, aeeipe: et in dolore sustine, et in hu-
militate tua patientiarn habe, ©ielje auf ba$, \x>tö 3efu$ unb
9Äaria unb alle lieben ^eiligen für ba3 Jpimmetreic^ auSgeftanben
Ijaben, me bie % Äirdje t>on ben Märtyrern fingt: Omnes
Sancti quanta passi sunt tormenta, ut securi pervenirent ad
palmam !
5> £>enn ftelje, mc ba$ ©olb unb ©Über bur# ba$
g euer aU ebte SWetalte ft$ bewähren muffen: fo prüfe 3$,
f priest ber J^err bein ©Ott, ben 9Äenf$en, ben 3<$ in 9Äeine
315
ewige Jperrlicfyfeit unb ©otteefreube aufnehmen will — im ©lülj*
Ofen be$ Seiben ö* Oaoniam igne probatur aurum et ar-
gentum, homines vero receptibiles in Camino humiliationis.
2)tefe wenigen futjfctt ©ebanfen jetgen fc^ou bie 2lrt unb
2Betfe, wie bie l)eilfamfien ?e£ren beö geiftlicben SebenS na$ obi*
ger ©cfmftftetle ju betrachten wären* 33eüta!?e jebeS SBort ber*
fet&en l)at ein befonbereS ©ewicbt, unb wenn wir unö bemutf^üoll
ein wenig in bie 93el)er,$igung beä @injelnen vertiefen , fo wirb ber
% ©eift uns einen fleinen Straft ©etneö Siebtes niebt tterfagen,
um bie fielen ©e^eimniffe be£ innern SßanbelS rec^t anfebau*
lieb ju erfennen unb fte bann unferm @emütl)e unoertilgbar einju*
prägen. ©Ott (elbft bat un$ in ber ©cbale obiger voie fo vieler
anberer ©4)riftworte einen fo reiben 3nl)alt bee ©eifteö tterbor*
gen, bamit unfer natürlicher gorfeberfinn ober beffer unfer ange*
borner junger unb 2)urfi na$ (£rfenntnifj ber 2Baf>rf>ett unb @e*
recfytigfett babureb tne^r unb mebr aufgeweeft werbe* Mirabilia
testimonia tua, Domine, ideo scrutata est ea anima mea. (Ps.
118.) 2Benn wir nämli$, aU gute Äinber ©otteä, für bie innern
unb geiftlicben Singe empfänglid) geworben unb burd) bie ©nabe
beg % ©eifteö berührt, in einigen furjen SBorten ber % ©ebrift
einen fo großen ©$a§ ^immlifc^er 2ef>re unb 2Biffenfrf)aft auf
wunberbare Söeife verborgen entbeefen, fo regt biefe (Sntbecfung
bie Gräfte unferö ®e\\iei mächtig an, barüber oft nadjjubenfen,
fte im ©ebet ju bejjerjigen unb un£ mit ©eift unb ©emütl) in
biefelben gfeidjfam ju serfenfetw Unb bieg ift fürwahr eine
ber ebelften ©efebäfttgungen ber unterblieben ©eele beö s D?en*
fdjen im gegenwärtigen Ceben, eine gtücffelige ££eitnaf?me f$on
am @rbe ber ^iuber ©ottee: Hereditate acquisivi testimonia
tua in aeternum, quia exultatio cordis mei sunt (Ps. 118.)
©Ott *>erleü)e unö ben £ob ber fmnli^en Sßegierben unb Reiben*
febaften unb flöge un$ gnäbig ein ben ©eift ber innern ©amm*
lung unb beö bemütljigen @ebete$, bamit ferner nicfjte me£r un$
funbern fönne ju tbun, was ber ^falmift im tarnen beg Jperrn
verlangte unb un6 anriet^ ali er fang: Vacate, et videte,
quoniam Ego sum Deus . . . Gustate, et videte, quoniam sua-
vis est Dominus!
£)a3 erfte unb t>orjügti#fte , ja baö einjige SWittel, um ju
316
biefer ©nabe ju gelangen, befielt nun eben in bem gebulbigen
2lue£arren bei ©ott, *>on bem oben bie 9?ebe war* Diejenigen
aber, welche barin nachäffen nnb verjagen, bie ftd) alfo ber xoti*
feften 23orfi$t unb Leitung ©otteä fo unflug entjiefjen, benen
wirb im 16. Sßerfe beefelben Kapitels baö „Söelje" angebroljt:
Vae his, qui perdiderunt sustinentiam, et qui dereliquerunt
vias rectas et diverterunt in vias pravas! £)♦ Ib.: fte ljaben
in ber ©ebulb nicfct aufgehalten, bann ben regten 2Beg tterlaffen,
entließ böfe SBege betretenb gefünbigt, unb fo bie Sßebarrlic^feit
in ber ©nabe verloren: barum we£e iljmen! ©elobt fei %tfu$
tyxifm l
27. SSIüt^en unb grüßte ber ®otte*furd&t.
@g fte£t getrieben: bie §ur$t ©otteS ift ber Slnfang aller
Söeie^eit* 3n fieben anbern 33erfen be$ jwetten Äapitefö dcclu,
nämliä) 8—10 unb 18—21 , $at ung ber % ©eift einige 33lütfcen
unb grüßte ber ©ottesfurd&t aufgejagt, bie wir wie im vorigen
§ ju unferm größten geiftltd)en Saugen erwägen fönnen*
1« ©laube, Hoffnung unb %i?U f bie un$ jur ©eligfeit am
meiften 9?otl) t|mn, werben Ijier juerft im ©efolge ber £1. ©otteä*
furcht genannt in ben Werfen 8—10:
a) Qui timetis Dominum, crediteilli: et non evacuabitur
merces vestra. £)ie ben #erm fürchten, Ijanbeln nid)t na$ menfdj*
liefen ^ücfjtdjten, fonbern im ©ei fte be$ ©laubenS, au« über*
natürlichen 33eweggrünben, bamit „ba$ ©aatforn für ben £im*
mel," i£r Serbien ji, nic^t auf t?tn faxten 2ßeg falle unb i^nen
x>on gereiften SSögeln ♦ • ♦ bawngetragen unb aufgefreffen werbe*
b) Oui timetis Dominum, sperate in illum: et in oblec-
tationem verriet vobis misericordia. Die ben #erw fürchten,
£aben an grenjenlofee Vertrauen in 3Jjn; unb naefj ber ©röfie
i£res Vertrauens erfahren fte mit greuben in unb an ftcj) bie ®x*
barmungen beö $txxn in reic^lid^fter gütle beS ©nabenfegenö.
c) Oui timetis Dominum, diligite illum, et illuminabuntur
corda vestra. Die ben Jperrn fürchten, bie lieben tyn au$; unb
im Zitytt ber ZieU, ba$ iljre frommen £er$en burdjfirömt, wanbeln
fte frolj unb fi'cfjer wie am £age bur$ bie Seiben unb SSeränber*
317
lidtfeiten biefeS elenben £eben$, von £ugenb ju £ugenb, unb
bereinft tm ewigen tfeben bei unb in ©Ott von ^tar^ett ju 0ar*
£eit Denn „bie £iebe ©otteS ift auSgegoffen in unfern Jperjen
bur# ben uns verliehenen % ©eift, in Sern wir ju ©Ott rufen:
lieber 3Sater! fo lange wir no$ warten auf bie (£rbfcf)aft ber
Jlinber ©otteS/'
2* £)arna$, wenn bie fräftige SQSurjet ber ©otteSfur^t bereit«
von bem ©eifteS^weige ber göttlichen QkU verebelt würbe, bann
treibt jte erft re$t viele, verriebene, lebensvolle 23lütl)en unb
grüßte aller SEugenben ljervor, tok uns in ben SSerfen 18—21
beS vorbenannten Kapitels angebeutet wirb:
d) Oui timent Dominum, non erunt incredibiles verbo
illius; et qui diligunt illum, conservabnnt viam illius. Sie
ben Jperm fürchten, bie galten mit ©ott unb Seiner ©nabe nichts
für unmöglich; fte ft'nb bie treueften ^acfcfotger beS liebreichen ®x*
löferS, ber ba fpradj): bie mid) lieben, iie galten meine ©ebote,
unb tl)un MeS, waö iä) ifmen fage*
e) Oui timent Dominum, inquirunt, quae beneplacita sunt
ei: et qui diligunt eum, replebuntur lege ipsius. ©ie ben
£errn fürchten, bie fud)en überall unb in allen £>ingen nur no#
einjig, wtö 3£m wo^lgefällt; unb weil fte 3^n lieben unb ber
% ©eifi in i£ren ©eelen wofmt, barum braucht fein äußeres ©e*
fe£ ifjnen bie Regeln beS &Unä vorjufdjretben , ba t>a$ einjige
©ebot ber %itie t bem Innern beS £er$en$ tief etngebrücft, alle
anbern SBorfdmften beS $tit?3 erfe^t unb fogar weit übertrifft*
Ama, et fac quod vis. (S. Aug.)
f) Oui timent Dominum, praeparabunt corda sua, et in
conspectu illius sanctificabunt animas suas. £)te ben #erm
färbten, bie vewad&läfftgen niemals bie Sfteinljeit beS £erjen$,
immer treffen fte neue Vorbereitungen jum (Smpfange größerer
©naben, unb in ©otteS befiänbiger ©egenwart, bie ifjnen jeben
^ugenblicf @$u$ verbeißt, neue ftroft gewährt, friföen 2Wutl>
einflögt, — muffen von felbft alle Dinge ju i£rer Heiligung mit*
Wirfem Diligentibus Deum omnia cooperantur in bonum.
g) Oui timent Dominum, custodiunt mandata illius, et
patientiam habent usque ad inspectionem illius. ©ie ben
£errn fürc&ten unb lieben, ftnb enblic^ bie getreueften 23eobad?ter
318
awü) ©einer geringften SQBünfc^e; unb bafür verlangen fte mc|t
etwa Ijier auf (£rben geehrt, getröftet, belohnt ju werben, fonbern
fte gebulben ft$ feto jum großen £age ber Vergeltung , wo ber
$exv bareinfeljen unb ben guten unb getreuen Änedjjt in ©eine
eigene greube unb £errli$feit aufnehmen will*
3. 2)ur$ ©laute, Hoffnung unb Siebe wirb bie §ur$t
vollfommen, unb von ber Hebe attjeit unb x>or$ug$weife begleitet
bringt fte fcpeglidj un^lige ©nabenwirfungen in ber Seele
Ijervor« £>arum £at ber jjL ®etft in obigen Sorten jweimal
uac^einanber Ue Hebe mit ber gurcfyt vereint: Oui timent Domi-
num, et qui diligunt eum, um anjubeuten, ba$ bie biege §urd)t
allein titelt bie Butter biefer wuuberbaren grucfytbarfeit fein
fann, wenn nic&t bie Hebt tyx jugefetlt unb gewöfjnlicf) über fie
x>or£errfcf)enb wirb* dine feiere gurdjt ober vielmehr (£l?rfur$t
wirb nic^t von ber Hebe pertrieben; es ift vielmehr jene Slrt von
gurdjt, von ber ber % ©etft fagt: Timor Domini permanet in
saeculum saeculi. (§3 lebe 3efu$! &$ lebe 3efu$I
28. (Sin alter $rebiger bes legten ©eridjts*
Sie Offenbarung von einem legten Sßergeltungetermine unb
(£nburtl)eite ber @ered;tigfeit ©otteg am ©d?Iuffe ber Seit jie^t
ftcfy toie ein gaben burefy bie ganje $L ©$rift: faft bei feiern tyxo*
p^eten unb in jebem % 23uct?e wirb auf ben großen £ag ber 33er*
geltung Inngewiefen, an welkem ©ott ©eine waltenbe SSorfebung
unb 3ulaffung in guten unb böfen Singen vor aller 23eft 2lugen
aufbeäen unb bem freien SBillen beö 5D?enf$en gegenüber glänjenb
rechtfertigen will.
33er ^3ro^et ®op£onia$ betreibt in bem erjten Kapitel feiner
^)roppetie auf eine erf^ütternbe 2lrt bie nähern Umftänbe unb bie
©greifen bee jiüngften @ert$t$tage$* s 3J?ir fdjeint, man brauche
bei einer folgen ©djrtftftetle nur fiel) felbft von ber SBa^r^ett beö
©laubenö lebhaft ju burdjbringen unb fte bem gläubigen Gtyriften*
volfe mit wenigen erflärenben SBorten unb practifdjen Jlnwenbun*
gen vorjutefen, um f$on bie Ijeiffamften Sinbrürfe in ben£er*
jen Dervorjubringem 2Ba$ au$ immer eine b(o§ menfcf)lid?e 33e*
rebfamfeit bavon fagen mag, ee reicht bod> nie an ©ottee 2Bort
319
unb feine ttntnberbaren SBirfungen* 2)iefe$ bringt ein wie ein
jweifdjneibige^ <3c^vx>evt jttufdjen ®eift unb ©emütf?, bio jur ©$ei*
bung ber verborgenden ©egenfä^e in einer nnb berfelben ^erfön*
lidjfeit, nnb fann mit ber ©ewatt bee geuerg (ignitum eloquium
tuum vehementer, Ps. 118.), aüe »üben 2luetx>üd)(e ber Sinn*
Iic|>fett oft in einem Slugenblide x>er$e£ren, ojme and; nnr bie
©c^taefen ba$ou übrig ju taffen , ♦ « usque ad divisionem animae
et Spiritus, compagum quaeque ac medullarum, naü) bem fräfti*
gen 2luebrucfe be$ £(♦ ^JauluS* 2)ae ift ^ie Sine Sßajfe, bie ber
#err ©einen ©olbaten gegeben jnr Eroberung ber Söelt: tyex^
gewinnenbeö £ugenbbeifpiel nnb bie [eltener in 2lnwenbung fom*
menbe SBuubermadjt feilten baö Uebrige t&wu — @ie£e bier nnn
einige ©teßen auö bem oben angegebenen Kapitel, baö alfo beginnt :
Congregans congregabo omnia a facie terrae, dicit Do-
minus: congregans homines et pecus, congregans volatilia
coeli et pisces maris: et ruina impiorum erunt: et disper-
dam homines a facie terrae, dicit Dominus . . . 2)a£ ©Ott
mit ben 2Äenfd)en au$ gifc^e, Söget nnb merfügige Spiere jutn
©eridjte jufammenrnfen werbe, fann man nur bitbtic^ verfielen
von gewijfen Strien t>on Sttenfcfyen, bie baburdj bejeicfynet werben
folfen* *) Darauf jältft ber $ro$)et einige ber größten Safter auf,
*) <£* gibt SKenföen, bte SKenf^en ju fein Weinen, aber Spiere ftnb,
fagt ber $1. £f)oma$ fcon SStflanofca (Conc. 1. Dom. 3. Adv.> „Sßenn e$
feine £()termenfc$en gäbe, würbe ber $err ni#t ben f>erobe$ bejcid&ncnb im
g&angelium fagen: Dicite vulpi Uli (Luc. 13), unb abermals: „®tbtt baä
fettige ntc^t §>unben, werfet eure perlen ma)t ©^weinen öor," (2Rait&.70
Unb beim ^falmiften: „ffierbet ntc^t wie 5Ro? unb SWauiefef, bte feinen
Serftanb $abcn." (?f. 31.) Unb beim ^ropfceten 3^et: computruerunt
jumenta in stercore suo: unreine Spiere, bie in t&rem eigenen 9Wifte t>er=
faulen. @te&ft bu X>a? hominem vulpem, hominem porcum, hominem
canem, hominem equum, hominem mulum, et sie in aliis — unb ba$
Sitten au$ Mangel an ©elbfierfenntnif , weit bie 9J?enf$en i&re ffiürbe unb
ben gnbjwetf t&rer (Srföaffung nt$t erfennen unb jt* jum £&tere erniebrt-
gen, £)a$ baben fogar Reiben beim Sichte tfcrer natürlichen Vernunft ftfon
»erlauben, wfäalb au* ber gtyilofopfr «Diogenes am betten mita$ mit
einer anöejünbeten Saterne auf ben 9J?arfipla£ ber ©tabt unter bie SolW*
menge ging, inbem er fagte: 3* fu$e einen 3»enfc&en — caeteros quasi
hestias reputans."
320
woburd) ftdj bie s 3J?enfc^ett überhaupt unb bie ©laubigen tnSbe*
fonbere fcerfünbigt Ijaben gegen ©Ott unb ©ein ©ebot unb gegen
alte feine barmherzigen Ulbftctyten feit Slnfang ber 2Öelt unb nodj
metjr, feit bie (Srtöfung soflbradjt unb bie djrifiticfye &1r#e gegrünt
bet ift: SSerfünbigungen ofwe 3afrt unb oljme SD?a§ f bie nun enblid)
ben legten 2lu3bru$ ©eines geredjteften 3<>nte$ herbeiführen, eines
3omeö, bem jebe 2D?ifd)ung von ÜHttletb unb (£rbarmung fremb
bleiben foß ♦ ♦ ♦ Dann fäfjrt er fort :
Silete a facie Domini Dei: quia juxta est dies Domini,
quia praeparavit Dominus hostiam, sanetifieavit vocatos suos.
bereitet nämlicb $at ber £err bie Geworfenen aU ein Opfer ©ei*
ner ©erecfjtigfeit $um ewigen 25ranbe; gebeifigt and) unb sotfenbet
Ijat (£r bie 3ofy\ ©einer 2Iuöerwäl){ten, bafj fte in ©einem ?obe mit
3£m ewig glücffelig feien ; ♦ ; Sann werben wieber anbere 23er*
fünbigungen aufgejagt: Visitabo super prineipes et super filios
regis, et super omnes, qui induti sunt veste peregrina. Et
visitabo super omnem qui arroganter ingreditur super limen
in die illa: qui complent domum Domini Dei sui iniquitate
et dolo . . . ©totj unb ©elbftgenügen , ©teic^gütttgfeit, £ijt unb
Soweit neben bem nadten ©lauben an baS Safein ©otteS ♦ ♦ ♦
2Son allen ©eiten £er tönt nur din ©djrei beö GrutfeljenS ♦ ♦ ♦
disperierunt omnes involuti argento , bie ©eijpcüfe unb Jpab*
gierigen . . . scrutabor Jerusalem in lucernis: et visitabo super
viros defixos in faeeibus suis, qui dieunt in cordibus suis:
non faeiet bene Dominus, et non faciet male: 3wneg£eim*
fuetyungen ©otteS über 3ene, bie ftd) im ©stamme ber ftnntidjen
?üfte wäfjen, unb, um fyx ©ewiffen ju betäuben, fprecfjen: e£ gebe
weber 33orfef)uug, no$ ewiges ?eben, no$ ©Ott ♦ ♦ ♦
53atb aber — bei bem urplö£li$en SSerlufte alter ©üter biefer
2Öett — werben fte bie £anb ©otteS, unb folglich bie SQSa^eit
©eineö £>afein3, erfennen, aber ju fpeit; benn nalje fdjon ift ber
große Sag beS #erm: juxta est et velox nimis: vox diei Do-
mini amara, tribulabitur ibi fortis: bitter ift feine unverhoffte
2lnf iinbigung , felbft ber @ere$te fann ba einen Hugenblid jag*
paft werben.
Dies irae, dies illa, dies tribulationis et angustiae, dies
calamitatis et miseriae, dies tenebrarum et caliginis, dies
321
nebulae et turbinis, dies tubae et clangoris super civitates
munitas, et super angulos excelsos: Qener Sag n>trb fein ein
Sag be$ Bornen (weil e$ ba me£r ju beftrafen als ju belohnen
geben wirb), ein Sag ber Srübfal unb 33ebrängnifj, ein Sag beä
(£lenbe$ unb allgemeiner Wofy f ein Sag ber 9?ac$t unb fcfjwär*
jejlen ginfiernig, ein Sag *>oll Stegen unb ©türm ♦ ♦ ♦ ©er $5ro*
!p5>et weif? feine 2Borte ju fi'nben, um btefen Sag genau ju bejetcfi^
neu gemäß ber ütnem 2lnf$auung, worin tyxn ©Ott bie 2Birfticf)*
feit offenbart, unb barum £äuft er fo »tele 2lu$brücfe auf einanber
aus ©eeleneifer, um ben 3ttenf$en Ui 3züw tioc^ einen l)eilfamen
©Freden einjupfjen lü bem 2Inbltcfe fo vieler Unglücffeligfett,
bie unoer^offt auf einmal hereinbrechen wirb über ifjr fünbigeS
Sreiben*
Mane, mane (balb, balb, morgen f$on fann ber ©ertd&tä*
tag fommen) Judicium suum dabit in lucem, et non abscon-
detur. (Sopb. 3, 5.) 2Ba3 ©ott urteilt, bleibt einfiweilen no$
oft »erborgen; bann aber wirb eä offenbar werben unb ft$ ni$t
bur$ menfc^nc^e Soweit unb 8ip *>ertufc§en laffem
Unb eine fc^recffic^e «Donnerftimme wirb, wie ein anberer
^ropljet fagt, bur$ alle SÖelt ertönen: „Golfer, SBölfer, jum Sljat
Sofa^aH"
Tuba mirum spargens sonura per sepulchra regionum
coget omnes ante thronum! Sollte ber fcfylummernbe ©ünber
ni$t aufwaren, wenn tl)m jiegt in ber ©nabenjeit ein fol$er
Warnruf in 1 3 ©ewiffen tönt? ©ollte ifm bie 2Öelt mit tljren Sl)or*
Reiten no# länger gefejfelt galten? — £)ann müßte er bereite ben
©lauben ganj verloren £abem
Cognoscetur Dominus judicia faciens : in operibus ma-
nuum suarum comprehensus est peccatur. (Ps. 9.) £>ann
— wenn ber £err ©eri$t £ält, eg fei nun über bie ©efammtljett
am SBeltenbe, ober über ben Sinjelnen im Sobe — bann wirb
(£r erfannt werben »on Slllen; unb wenn na$ bem % betrug
„ba$ ©erid&t am £aufe ©otteö anhebt, wa$ für ein (£nbe
werben bie Ungläubigen nehmen? Unb wenn ber ©ere$te faum
feiig wirb, ber ©ottlofe unb ©ünber, wie werben bie befteljen?"
(1 $etr* 4, 17—180 ©ne unb biefelbe bro^enbe SBaptpett gilt
allemal für ben 2Beltmenf$en unb für ben Drben&nann sugtet$,
23c mar b «Jty$on§men. 91
322
für tiefen fogar a fortiori, weil ber gefeguete öewolwer be$ füllen
Älofiers für geringere genfer eine ebenfo ftarfe, oft no$ eine
fcfyärfere S^üge Serbien* , aU t>er minber begnadigte SÖeltmenfdj
wegen gröberer Uebertretungem ©er DrbenSmann faun ja baib
bur$ Keine ©ünben in größere geraden unb jule^t unbuffertig
fterben, wie jieber anbere Sfmfi; nnb in feinen f (einen freiwilligen
geilem , bie er bei einigem (Stfer fo leicht sermeiben fönnte, liegt
eine befto größere ttnbanfbarfeit gegen ©Ott £)arum f(agt ber Jperr
bei 3eremia3: Ouare dilectus meus in domo mea fecit scelera
multa? CJer. 11, 15.) Unb barnm audj bro^t (Sr oben: visi-
tabo super civitates munitas — b* £♦ über bie Ätöfter, bereit
23ewo|mer 3$ mit fo sielen ©ctyugmauern deiner ©nabe nmgeben
ljatte, nnb bie SD?ir benno$ nntren geworben ji'nb, wirb Steine
#eimfud;ung nnb ©trafrutfje nm fo fcjjneßer nnb ftrenger fommem
29* 33efennen nnb 33ergeffen*
©Ott will, bafj wir auf Srben unfere ©ünben, geiler unb
©cf>wä$en in £>emutl> befennen, unb jur erfteu notl)wenbigen
©runblage einer wahren 33ufje bie falf$e ©$am überwinben,
bie unS ob bem 23efenntnifje erröten macfjt; bafür aber werben
wir im ewigen Seben l)errlicl) belohnt, wo ©Ott unfere fünb^aften
gälte unb 33erirrungen bergeftalt s>or ©einem 2lngeftd?te tilgen unb
tternic^ten will, ba£ unö ni$t einmal bae @ebäd?tni§ berfelben
jurüdbteiben wirb, ober bocf? nur ein in ber ©nabe Simfti glor*
retcfyeö ©ebä^tniß, baö alle ©ebanfen unb ©efü^le urplöijlid) in
lauter Siebe serwanbelt: Confitemini Domino, quoniam bonus,
quoniam in aeternum misericordia ejus! (Ps.)
In die illa non confunderis super cunctis adinventioni-
bus tuis, quibus praevaricata es in me, fpri$t ber #err, quia
tunc auferam de medio tui magniloquos superbiae tuae, et
non adjicies exaltari amplius in monle sancto meo. (Soph.
3, 11.) 3ln jenem Sage, bem Sage nämli$ be£ ewigen SebenS
Ui unb in @ott, wirft bu ni$t me£r ©$am unb ©c&anbe empftn*
ben über beine jaljlreicljen 33ergel)en gegen ben £errn; weil dx
atebann j[eben ©ebanfen be$ ©toljeS unb ber 2lnma{?ung auö bei*
nem £er$en wirb ^inweggenommen Ijaben, unb weil bu auf (Beinern
323
% Serge ber ©(orte feiner 33erfu$ung ju eitler ©elbfHiberl)ebung
mel)r fä^tg fein wirft. — ©ie£ft bu, meine Seele, warum ©ott
ei fügt, baß wir auf (£rben wegen ber ©ünben — aud) na# ber
Seiest utib Suge ttoc§> , fo oft wir baran benfen — unö (tarnen
muffen? 2Begen be$ Sebürfntffeä ber 93erbemütjngung , baS im
anbern Seben ni$t mef>r [ein wirb* £>ie ©eele Ijat, (o lange fte
Übte, für iljre ©ünben 9?eue erwedt unb 25u§e getljan, unb ©ott
£at fte ni$t nur ade barmfierjtg versiegen, fonbern aud) in bem
Slute ©eines ©ofmeS vertilgt; ganj in ber barmherzigen Ziehe
i|>reö ©otteS rufjenb, fann bort bie ©eele nicfyt meljr beim Slnben*
fen an bie ©ünben verweilen.
©o betraute benn öfter: 1) über bie Ijeilfame ©$am beim
Sefenntniffe unferer ©ünben im ££rcinentbale biefer SBeft, aU
erfte, von ©ott gewollte 93uf e bafür, unb 2) über ba$ totale 93er*
geffen berfelben auf jenem % Serge beö £erm, als glüdfeligen
?ofm für bie auö Sufjfertigfeit tapfer unterbräche falfdje ©d;am.
<&i lebe 3efuö!
30* £>a$ Sluffteigen be£ ©tofjee ift ein ^ieberfinfem
3e böfer bie 9Äenfd)en ftnb, befto heftiger ift in i^nen gewöhn*
li$ ba£ ©treben, aufjufteigen unb größer ju werben ober ju
fdjeinen , aU fte ftnb unb tfwen jufömmt. £)a3 ift eine leibige
@rbfd?aft ber ©ünbe au£ jeuer 3ett, wo ber betrogene Stammvater
unfereö ©efd)le$te$ mit bem böfen ©eifte gemeinfameö ^ntereffe
auf eigene Sauft verfolgen wollte. Superbia eorum, qui te ode-
runt, ascendit semper. (Ps. 73.) Superbi inique agebant
usquequaque. (Ps. 118.) Cunctis diebus suis impius super-
bit (Job 15, 20.) Slber me übet ei tynen gegangen, ba$
wijfen wir, unb füllen ei nodj beffer.
Der föniglic^e ^rop^et flagt ($f. 72.) über baö unheilbare
SSerberben ber ©ünber, baö ftd) barin jeigt, wenn bie ©eele na#
begangener SWiffetljat o£ne ©ewiffenöbiffe in einem falfdjen grieben
balnnlebt. Zelavi super iniquos, faridjt ber £1. 9J?ann, pacem
peccatorum videns. Hai ift fdjon ein Seifyen von ©ottverlaffen*
£eit. ©udjen nun bie böfen SWenfcfcen gar iljre güße in ber feinb*
liefen ©teKung gegen ©ott $u befefiigen, fo ifi ba$ ein neueö
21*
324
3et#en, ba§ dx fte beut ©eelentobe überlajfen will: non est
respectus morti eorum, et firmamentum in plaga eorum.
@ott aber jieljt ftdj alebann mit Seiner erbarmenben ©nabe no$
me£r von ifjnen jurüd, Jüdjtigt fte au$ nid)t meljr mit väterlicher
9?utl)e, tt)ie anbere üflenfdjen; fte (feinen irbifcfc gtücflicty ju fein
unb Ueberflufj an 2ltfem, nur an ©otteä ©nabe SEftangel ju Ijaben,
wa$ fte in tprer ftnnltcfyen Betäubung leicfyt verfc^mer Jen : in la-
bore hominum non sunt, et cum hominibus non flagellabun-
tur. ^ieueg 3^i^en von ©ottverlaffenljeit* *) Dann ftnb fte vom
©totje wie umfcfjlungen, unb von tyrer angewöhnten 23o$£eit unb
©ottloftgfeit umf leibet: ideo tenuit eos superbia, operti sunt
iniquitate et impietate sua. Sitte £age vermehren ft$ nt$t nur
tljre einzelnen £afterti?aten, fonbem audj bte Sajler felbft, inbem fte
neue lernen unb ausüben, fte quellen tynen gleic^fam £crvor aus
ber Sülle beö böfen SBilleng: transierunt in affectum cordis;
il)r ganjer ©eifi ift in bte 33erborbenf>eit beö £erjen6 Ijinabgefiiegen,
baö ^)erj aber £at nur Verlangen unb Neigung jum 33öfen, ja
ba$ 33öfe ift beS Jperjenö einjige 8ufl unb Hebe geworben, unb ei
ift fetner anbern meljr fäptg geblieben. £>ae Sllfeg liegt in ben
SBorten: transierunt in affectum cordis. Sluf biefer unfeligen
©tufe angelangt ift ber ganje SD?enfe^ verbreljt; benn ftatt ©Ott
unb ber £ugenb ift ber SEeufel unb bte ©ünbe ber ©egenftanb
feiner Siebe unb feinet Strebend geworben. Unb nun au$ fann
er ftd) unmöglich me£r verbergen; offen wirb er beginnen, voa$ er
bi^er vielleicht niti)t gewagt £at, gegen ©oft unb baö ©ute auf*
jutreten unb feinen ©pott* unb Säftermunb weit aufjufperren,
bamtt bie tfjn beengenben jatyllofen , böfen ©ebanfen unb (Stnfälfe
be$ #erjen$ einen freien 2lu6gang gewinnen: cogitaverunt et
locuti sunt nequitiam: iniquitatem in excelso locuti sunt:
b* £♦ fte paben ferner nur nodj 33öfee in ©ebanfen , reben nur
33öfeS, unb ermahnen Slnbere $um 35öfen, jia befehlen e$ unb
jwingen baju, wen fte fönnen* £>ae ift tintä ber untrüglichen Stifyzn
*) £>te tfrifilttfc 2lnföauung t>on folgern SBeltglütf fprfc&t ber JL
©recjor ber ©rofe au$: „Continuus rerum temporalium successus aeternae
damnationis indicium est." SBer niemals eine fcaterltcfce 3u#trut$e me£r
empftnbet, ber tfi fein Äinb @otte$, ober ein aufgegebene^
325
i>on ®otft>erfajfen$ett 2Baö feljtt nod), bamit baS SWafj x>ott werbe,
aU ber 3«>eifel unb bie ©otteäläugnung? Unb ftelje, biefe folgen
alsbalb: Posuerunt in coelum os suum — et dixerunt: Ouo-
modo seit Deus, et si est scientia in excelso? Sntweber,
fagen fte, ift fein ©ott, ober @r fiat fein 93ewu£tfein oon bem,
waö in ber 2Belt sorgest 2lt()eiften unb Sittaterialtften ! ©iel)e
ba, wie ferne fte ©ott fielen* Söenn ber lafterijafte SMenfd) in
feinem blinben Uebermutfje mit bem floljen tueifer bi$ über ©Ott
emporfteigen mit, ftc^> wie auf ©tufen erljebenb über j[ebe göttliche
©etyranfe: fo ftnft er eben babur# auf ebenfo trielen ©tufen bis in
ben Slbgrunb alles Unglück nieber, wo er mit Sucifer ewig *>on ©Ott
verworfen bleibt Si sie actum est cum Angelo in coelo, quid
de me fiet, terra et cinere? lue in coelo intumuit, ego in
sterquilinio! fagt ber bemüt^ige £!♦ 23ernarb* — £>er 35falmift,
biefen Sluögang ber ©ottlofen erwägenb, gönnt iljnen itjre irbtfcfyen
©enüffe unb f erlieft mit bem 2luefprud)e: Mihi autem adhaerere
Deo bonum est: ponere in Domino Deo spem meam. (Ps. 72.)
31. 2»i>ftifcfce Sffiinbftille*
Die %iefo jur eigenen Slctioität behauptet bi$ an 1 S (£nbe in
unferer Seele ein gewiffeä ©ebiet, auf wetd)e$ bie testen £eibgar*
ben ber ©elbßfu^t ftd) jurüdjujie^en pflegen , um unS ba$ 2$er*
bienft nod) ju fdjmäfern, wenn fte ba$ ©ute nid)t mef>r fcinbertt
fönnen* ©reift nun ber liebe ©Ott felbft (wie wir im %eben ber
^eiligen fe£en) biefen Sofien an, fo ergebt atSbalb bie Statur ein
fjerjjerretgenbeö ©eufjen unb ftlagen, unb fürchtet t>on ©Ott x>ex*
laffen ju fein, weil fyx in biefer ©ctytdjte feine SDWwirfung in
i^rem ©inne mefjr gemattet wirb* £)ann tritt auf ben innern
©ewäffern eine lautlofe, bisher nie bagewefene SBinbßitle ein, unb
ba$ ©djtfffein ber ©eele fct)eint nic^t $>om gfeef ju fommen* 2)er
SDtenfd) füljlt im tiefften ©runbe feiner Statur ein unfägti$e$ 23er*
langen unb ©rängen, felbft einzugreifen unb au$ alten Gräften ju
rubern, um biefer Sage ju entfommen, aber wie? — Senn e$ ift
ntd)t nur winbftitt, ei ift aud? wolfenbunfel , unb fein ©tern
fteigt am ©ewölbe ber ©eele ftcfctbar empor, um an ty\n ju er*
fennen, nad) welker ©eite ju fegetn wäre* £)a£ ift bie legte unb
326 .
böcbfte p affine Sauterung, t>on ber bie SDtyjltfer reben* ^>ter t^ut
©Ott tn ber 3£m ergebenen ©eele ©ein 2Berf unb lägt fte babet
ntdjt nte^r Reifen, ja — wa$ nocb empfmbticber tffc — ntdjt
einmal mebr jufdjauen*
Der *Prop£et ©o^oniaö rebet foftbare 2Borte beg £roße$ an
eine Seele, bie biefer innern Debe unb ®üüe wiegen fcbmerjlicb
befümmert tft unb wäfmt, fte fei t>on ©Ott unb aüen guten ©et-
fiern x>erlaffen* Sin 33eifpiel l)iert>on ift un$ unter fielen anbern
bie % grancräea tum S^antal nacb bem 3eugniffe bed M* $ran$
*>on ©aleS, t^reö ©eelenfübrerö unb Seitfjtoaterä* ©te ^eilige
feufjte bie ganje 3«t biefer ibrer Läuterung binburd) obne Untere
la§ mit ben 2Bor£en be$ (Sjecbiaö, wenngleich in einem ganj an*
bem ©inne: In pace ista amaritudo mea amarissima; aber
iljre beilige ©eele, in ber ein oon ©otteöliebe entjünbeter SBtÜte
gleicbfam fi# felber tterjebvte, weil er jum täglichen 23ranbopfer
ntc^td anbereö mebr fanb, gli$, wie ber große Sifcbof t>on ©enf
fagt, einem tauben 33irtuofen, ber bie Slnbern mit feinem ^errfteben
©piele jum (Sntjücfen balnnretgt, wooon er boeb felber feinen @e*
nujj tyat." — aSernimm nun bie 9?ebe beS göttlichen ©eljerS (©opb*
3, 14—17):
Lauda filia Sion, jubila Israel: laetare et exulta in omni
corde filia Jerusalem. Abstulit Dominus Judicium tuum :
avertit inimicos tuos: rex Israel Dominus in medio tui, non
timebis malum ultra. In die illa dicetur Jerusalem : Noli ti-
mere: Sion, non dissolvantur manus tuae. Dominus Deus
tuus in medio tui fortis ipse salvabit: gaudebit super te in
laetitia, silebit in dilectione sua, exultabit super te in
laude . . . Sobe , o SEocbter ©ionS , jubele , bu Äinb ber ©nabe,
freue bieb unb froblode auö ganjem £erjcn, £ocbter be$ |rimm*
ttf^en 3erufalem$! Denn eö tfi ber £err, ja ber £err ©etbfi ift
e$, ber bir ©rfenntniß unb Urzeit über bidj felbft weggenommen
ljat: abstulit Dominus Judicium tuum. (£r felbfl Ijat nun bie
geinbe vertrieben, bie t>£d§> fonft beunrubigten: avertit inimicos
tuos; färbte alfo fein Uebel unb glaube mit großer Äinbeöeinfalt
benen, bie bir an ©otteS ©tatt fagen: Noli timere; benn ber Äönig
ber ©nabe, ber £err bein ©Ott, ben bu liebft, $at mitten in bei*
nem ^erjen ©eine Sßolmung genommen* gurrte alfo nicbtS, gute
327
©eele; nur lag niemals na$, bi$ im ©ute$t£un wie fonfl $u
üben: non dissolvantur manus tuae. 25er #err bein ©Ott in
beineS £er$enS 9Mte (b* £♦ im Zentrum beineS SBillens) ift ftarf, unb
füljrt bicb fc^nelter unb ftd&erer in ben feiigen £afen ber göttlichen
^Bereinigung, aW bu felbjl mit alter benfbaren menfd)lid)en Sorge
unb 9Wit£e ni$t fcermagjh Ipse salvabit; (ix freut fiel) über biel)
in groger greube; (£r ru^et wie fc^weigenb in beiner ?iek — in
©einer unenblic&en ©otteSliebe $u bir unb in beiner aufrichtigen
©egentiebe ju 3fnn — unb dx rühmet ftdj beiner in Ijofjem ?obe
*>or ©einen £t + (Sngeln unb $or bem ganjen |nmmlif$en £ofe, ja
felbfl *>or bem Teufel unb beffen unfeltgem ©efolge, wie Wir lefen
im 33u$e 3ob, bag ber £err ju ©atan fpra$: 2)u Jjaft, wie
bu fagji, bie ganje (£rbe umwanbert unb erforfd)t, bift bu benn
auety im £anbe Jpuö gewefen unb fiaft meinen Diener 3ob flefe^en,
ber an £ugenb unb 25erbienft fetneö ©leiten auf (Srben ni$t I)at?
Numquid considerasti servum meum Job, quod non sit ei
similis in terra, homo simplex et rectus, et timens Deum, et
recedens a malo? (Job 1, 7-— 8.)
D xoie fc^ön Iwt ber f)L ©etft fol$e Seelen getröftet burd)
obige SOBorte bee *Pro#)eten ! 2ßie febenbig brücfen fie bie £er$en3*
freube ©otteS au3 über eine ©eele, bie nad) bem ©iege über
if>re2eibenf$aften t>on 3£m geführt in jene göttliche BtiUe
eingegangen ifl, wo fein Süftc^en ber alten 9?atur meljr weljet, wo
il?r ©Ott beinahe f$on SllfeS in Sltlem geworben ju fein feljeint,
ofme bag fie e$ weig! D wägte unb empfanbe fie bieg — jte
wäre im Fimmel: 2Bie überaus fd)ön Ijeigt eö: Silebit Dominus
in dilectione sua, unb: exultabit super te in laude! £>u glücf-
licfcfie ©eele! in bir unb beiner Umarmung ru£et ©Ott xoie in
fd)weigenber %kU ber 25rautigam hei ber 23raut im Ijoljen 2tebe
©alomonS; bie 3terbe unb ©$önl>eit beiner £ugenben, bie bir
fetbft unbefannt geworben ftnb, gewähren 3£m einen folgen ©enug,
bag (£r, xx>ie in eine jtumme ^Betrachtung vertieft, barüber be$ SRe*
benS »ergigt: silebit in dilectione sua. Unb jtel)e, beg^alb ijl
eS bir fo öbe unb fülle, barum Ijaben bie bisherigen, gewohnten
unb oertrauli^en Unterhaltungen mit beinern l)immlif#en ©eliebten
aufgehört; baS kleben ber ®efd()öpfe magft bu ni$t £ören, unb
©ott nun — fdjweigt aucf>; aber t>or ben Stören ©einer Sngel
328
unb 2tu3erwcUtften ergebt dt bi$ oft in ^o^en 2obfprü#en in
jener ewigen ©otteSfpractye, bie wir auf (Srben nidjt fennen, unb
tüfmtt ©id) gleic^fam betner in göttlichem ©tol^e vor ©atan unb
ben Dfmmä$ten ber ginfternifj , bie bir ferner — nadjbem bu
biefe ©eijieöprüfung überftanben — ni#t$ me!)r anbaben werben*
JDann wirft bu ftegbewuf?t einmal mit beiuem (Jrlöfer fagen bür*
fen: 9J?ag ber gürfl tiefer 2Öelt fommen, an mir |>at er fein
£ljetlc$ett me£r* — D 3efu$! 2Öer fann bie Siebe begreifen ober
fdfnlbem, bie Du ju folgen Seelen trägftV
32. klagen ©otteS über bie SBelt vor brittl)atb*
taufenb 3aljren*
£)ur$ ben 9ttunb ber ^rop^eten ftagt ber £err oftmals barüber,
bafj ©eine väterlichen 2lbftd)ten unb 2Bo£ltl?aten meift migfannt
worben unb bie SD?enf$en 3^m gewö£nli$ 23öfe3 für ©uteö ver*
gölten Ijaben, ©o £etfjt e$ Ui 3eremia$ 5, 28: Incrassati sunt,
et impioguati: et praeterierunt sermones meos pessime. —
Pessime: ber l)ö$fte ©rab ber Soweit liegt in i£rem betragen
wegen be$ CafterS einer fo ungeheuren Unbanfbarfeit, ba fte fogar
ben ©egen unb bie ©nabe ©otteS, fowo^t in leiblicher ale in geifi*
lieber £inft$t no$ jum 33öfe$t£un mißbrauchten* SD?ag ©Ott fte
beljanbeln, mt (£r immer wißt, fte nehmen baoon 2lnla§ ju neuen
23erfünbigungen: ©eine Strenge mc Beine ©üttgfeit, alle ©eine
©genfd&aften beleibigen fte, unb wiberfe^en ftd) ©einen ^eittgften
SlbftcDten pr %t\t ber 2öobtfal)rt xck jur Stit ber Sättigung:
Super quo percutiam vos ultra, addentes praevaricationem?
fragt Sr Ui SfaiaS (1, 50* £>a£ erfennt 3eremia$ (6, 40 an,
ruft be£$alb au£: Vae nobis, quia declinavit dies, et longio-
res faetae sunt umbrae vesperi! 2X Im ber £ag ber ©nabe
pat ftcf) feinem Untergange zugeneigt unb bie ©chatten ber ©ünben
ftnb gewa^fen ♦ ♦ « £)a$ ßid)t in unfern £er$en, unfere übernatür*
lifyt ©tfenntuip , l)at ft$ verbunfelt, unb bie Unwiffen^eit in ben
Singen beö $tili £at ft# vermehrt ♦ ♦,♦ £>ie % Ciebe tft erfaltet
unb bie gefü^ttofepe ©elbftfuc^t Ijat ifjre £errfd?aft in ber 2Belt
verbreitet: barum welje uns, wenn bie ©chatten nodj länger wer*
329
ben, fo bürfen wir ba$ Stlfercirgfle — ben Untergang ber ©lau*
ben$fonne — fürchten»
©a* neunte Kapitel bet bemfel&en $rop£eten enthalt bie ruf)*
renbften klagen be$ £errn gegen ©ein 23olf, bie leiber! ^eute bei
bem getauften Gt£riftent>olfe ebenfo bejeic^nenb ftnb, tt>te bamatö
bei ben 3uben: baß fte nämli$ nur 2üge unb gatf#l)eit ühtn;
bajj fein 23ruber (einem eigenen 23ruber meljr trauen fann; ba£
fte na# bereite angehäuften SHiffetyaten ju immer neuen ©ünben
hinaufgegangen — au$ ber ^eiligen ©tabt, wo ber £err in ©ei*
nem Tempel oereljrt wirb, ju ben umtiegenben ©ötjenbilbern ber
Reiben unb Äinber biefer 2Belt; — baß fte fogar mit Arbeit unb
9ttü£e ftd§> bie (Gelegenheit , 93öfeS ju tfmn, x>erfe^afft Ratten; baß
3eber feinem greunbe tx>o|>t t>on grieben unb ££eilnal)me fprädje,
iljm aber ^eimtic^ hinter feinem dürfen ©klingen jum 33erberben
lege; baß fte, mit ©nem SQßorte, jieber böfen Neigung iljreä £er*
jen$ ftnn* unb gewiffenloS nachgingen *■♦ ; £)ie serielle SBelt ift
alfo nidjt *>on jjeute ober geftern: fte ift ftdf) t>on Anfang an, wenn
ni$t gleich, bann bo$ afynliti) gewefem ©ol$e unb äf?nli$e $ta*
gen ließ ©Ott ©einem SBolfe oft $>on ben ^ropljeten prebigen, unb
jiattete biefe baju auä mit natürlichen unb übernatürlichen ©eijleS*
gaben, mit einer ©albung unb einem geuer ber SBerebfamfeit, $on
benen wir Ijeute nod) beim Sefen be$ tobten 33ud)ftaben$ und er*
griffen füllen* Slber wie oft blieben bie göttlichen ©enbboten allein
bie ©erü^rten! 3eremia$ ift barüber fo traurig, baß er laut auf*
weint unb ftcfc in eine wüfte (£inöbe wünfdjt, bamit er wenigftenö
an feinem Ceibe genug Ijabe, unb ni$t bie täglich neuen 33erfün*
bigungen no# mitanjufel^en brauche. Ouis dabit capiti meo
aquam, et oculis meis fontem lacrymarum? et plorabo die
ac nocte interfectos filiae populi mei. Ouis dabit nie in
solitudine diversorium viatorum, et derelinquam populum
meum, et recedara ab eis? Ouia omnes adulteri sunt, coetus
praevaricatorum !
Mein foi ben klagen be$ ^ropljeten im Warnen beö £errn
fotl e$ feineöwegS bleiben : ber #err will bie 9?ut£e fcfjwingen über
alle biefe Safterljaftigfeiten, mögen fte ftd) belehren wollen ober
ntc^t — ©eine ©eredjtigfeit wirb Stacke an i&nen nehmen: Num-
quid super his non visitabo, dicit Dominus? aut in gente
230
hujusmodi non ulciscetur anima meä?... SBenn fte §D?i<f>
erfennen wollen, bann foKen alle i£re $enn tu iffe unb alte
tyve ©treitfräfte imb alle t^re Dteic^t&ümer ilmen nicfjtä
Reifen: Haec dicit Dominus: Non glorietur sapiens in sa-
pientia sua, et non glorietur fortis in fortitudine sua, et
non glorietur dives in divitiis suis : sed in hoc glorietur,
qui gloriafur, scire et nosse me, quia Ego sum Dominus,
qui facio misericordiam, et Judicium, et justitiam
in terra: haec enim placent mihi, ait Dominus. (Jer. 9,
23—24.) Slmen, o £err, wir glauben bir, unb wir wiffen eS,
bafj bu 35arml)erjtgfeit walten läffefi — aber audj ©eri$t unb
©erecfyttgfeit auf Grrben fd?affeft, wenn eg «Dir gefällt!
■ftttfci rü(;m' ein SBetfer ft$ in fetner 2BtfTenf$aft,
liefet rü^m' ein ©tarler ft$ in fetneö 2lrme$ traft
ytityt xixW ein 3ftet#er ft# in feinet Setc^t^umö ©lanj;
<Do$, wer be$ §>errn ft$ rü&mt, beff 3ftuf)m bleibt sott unb ganj:
(§r fennet ben ($ott ber 53arm^erjtg!eit
Unb ben Stifyttx be3 $&tltall$ am (£nbe ber 3eit:
£)a3 Riffen &etfjt ret# fein unb fjarf unb gelehrt,
£>a$ roifTen f>etft £aben, tt>a$ f>erj nur begehrt-
33. Stimme bes £>errn an einen lauen ^rtejier ober
Diefigiofem
Quid est, quod dilectus meus in domo mea fecit scelera
multa? (Jer. 11, 15.) SWein £tebling £at in ÜWeinem eigenen
£aufe, in welkem (£r bur$ 9)?etne ©nabe unb ©rbarmung 2luf*
nafmie gefunden, fo *nele Safiertljaten (scelera) begangen? S33a$
iji bae? fragt ber £err, um ausbeuten, baf e$ f$wer iji, im
£aufe unb unmittelbaren Sienfle be$ Jperrn, überhäuft mit ©naben
unb umgeben !>on fo fielen 23erwaljrung$mitteln gegen ba$ 33öfe,
bennod) ju fünbigen* 2)a$ geljt ben ^riefter an, unb x>tetteic|>t
nod) meljr ben Drbenämann. ©er £err nennt iljre geiler unb
©ünben scelera, au$ wenn fte feine an unb für ft# fcfcwere
©ünbe auf bem ©ewiffen Ijaben, £>er £etfanb fagte eines SEageS
ju ©einen Jüngern: 2Bem me£r gegeben worben, t>on bem wirb
au# meljr geforbert werben* — £>ie obigen SSorte be$ #errn beim
*)$ropI>eten, eine liebeatpmenbe grage unb SSerwunberung suglei#,
331
tterbienen feJjr wn unS bejjerjiget $u werben; fte finb ganj ge*
eignet, felbft eine laue ©eele wikber mit (£tfer ju Beleben* 2)arnm
£ei§t e$ aucfj gtei$ barauf: Ad vocem loquelae grandis exar-
sit ignis in ea, et combusta sunt fruteta ejus. — 2öa6 fann
ein einziges SÖörtd&en beö £erm ntc^t bewirken, wenn bie ©eele
bat>on getroffen wirb! (Sin gewaltiges geuer jünbet ti in berfel*
ben an, unb itjre Dbftgärten geljen in flammen auf: combusta
sunt fruteta ejus, b* &♦: wenn bie ©eele ft$ in einem Slugen*
blicfe auö bem ©taube ber Üauljeit ju fo f)of?em ©fer ergebt, bann
werben alSbalb alle ^aljrungSquellen ber serborbcnen 9?atur trocfen
gelegt unb tfemicfytet, unb baö auf ein einiges SQ3ört4)en , baö ber
£err in ifjr inneres Dfyv gerebet l)at 3eremiaS fprtcfit bat>on aud;
im 23. Äapitel: Numquid non verba mea sunt quasi ignis, di-
cit Dominus? et quasi malleus conterens petram? — 2BaS
faßt ber £!♦ Paulus? Vivus est sermo Dei et efficax, et pe-
netrans usque ad divisionem animae et spiritus, compagum
quoque ac medullarum, b + £♦: bie 9?ebe ©otteS tft lebhaft unb
wtrffam, unb bringt but$ $?arf unb 23ein ^>it but$ ©eift unb
SBilten, unb jerreifjt jugleic^ alte Letten unb 23anbe unb £iuber*
niffe ber natürlichen Äranf^eiten unb 2eibenf$aften, unb gibt bem
©eifte feine völlige greif* ett 25a$ iffc atfo eine erfte SBtrfung
beS Sßortes ©otteS: eS löfet bie geffeln unferer ©flasereü Dann
aber erwärmt e3 unfer etftgeö £er$ na$ bem $f. 147; A facie
frigoris ejus quis sustinebit? Emittes verbum tuuni, et lique-
facies ea . . . et fluent aquae, b. £♦ aus bem l^ärteften Seifen,
aug bem im groft ber Sauigleü erftarrten £erjen fliegen alSbalb
lieber bie Söaffer frommer Effecte, ©ebanfen unb 33egierben. Gntb*
lidj fagt bie ©eele mit ber 33raut im #of)entiebe: 50? eine ©eele
jerflof?, ba mein ©eliebter ju mir rebete* & lebe 3ef u ^!
P. gaber fagt: @S gäbe nickte im geiftlidpen ZcUn 23erfäuntte$,
wag ft# nidjt mit ©otteS ©nabe wieber gut machen liefe. £)aÄ
ifl tröftlicfc !
34. £)rei £errf c^ertugenben.
a) ©emutfr.
2lfg ber fyexx ben ©ebeon jum Sftcfjter unb £eerfü£rer 3«raefö
erforen £atte, entfcfmlbtgte ftd) biefer in meljr aU t>or$riftli$er
332
33ef#eibenl)eit : Ecce, familia raea infima est in Manasse, et
ego minimus in domo patris mei . . . (Judic. 6, 15.) (£$ tfi
merfwürbig, wie ©Ott t>on Slnbeginn bis auf bie ©enbung ber
Styoßet unb big auf unfere 3«t jur 2lu$fül)rung großer ©tnge
ba$ kleine uub Unanfe^ntie^e gemäht £at uub no$ wäljlt £)a6
t£ut dx offenbar barum, weil biefe fo (Srwäljtten t^ren eigenen
Sßerbienften nid&tS auftreiben unb t>on Ottern ©ott allein bie (§t>re
geben* 2Uä ©aul tternaljm, er fei soon ©ott ^um tönige au$er*
feljen, fprac^ er im ©inne unb mit ben 2Öorten ©ebeonö: Num-
quid non filius Jemini ego sum de minima tribu Israel , et
cognatio mea novissima inter omnes familias de tribu Ben-
jamin? (1 Reg. 9, 21.) @o audj lei ber ^Berufung jum ^5ro^
p^etenamte, wie j* 33* bei 3eremta3* ©ott fprid&t ju i£m: „dx
l)abe tyn im ©#ooge ber Butter fdjon geheiligt unb jum tyxo^t*
ten für bie SSölfer gefalbt;" Seremiaö bemüßigt ftcfi tief *>or bem
Jperm unb befennt ftammelnb feine Untauglicfyfeit: a, a, a, Domine
Deus, ecce, nescio loqui, quia paer ego sum. (Jer. 1, 5 — 3.)
— 3n folgen bemät^tgen ©efmnungen be^arrte aber ©ebeon audj,
aU er auö ber ©$la$t mit ben 3D?abianiten ftegprangenb jurücf*
gejogen fanu £)amafä £at er ein SBort gefprodjen, wetdfjeö bie
Sfteintjeit feines @ifer$ für bie ©ac^e ©otteS unb feines 23olfe$ be*
reifet (Judic. 8, 22 — 23.): Dixeruntque omnes viri Israel ad
Gedeon: Dominare nostri tu, et filius tuus, et filius filii tui,
quia liberasti nos de manu Madian. Ouibus ille ait: Non
dominabor vestri, nee dominabitur in vos filius meus, sed
dominabitur vobis Dominus, ©ielje, toie er bie güujiigfte @e*
legendi*, jur erblichen 2lUein*£errf#aft ju gelangen, *>erfd)mäf)t,
weit fie $m in golge feineö erfoc^tenen ©iegeS jum Solwe werben
foltte, er aber fein Äriegggtücf nidjt fi#, fonbern bem £erm ju*
fdjrieb* 26eW? 1 ein (£belfmn, welche ©rofjmut^I £)a3 finb wal)r*
l)aft fönigli^e Söorte aus einem gläubigen £erjen ber guten alten
3eit, welche aber nun wo£( bei folgen ©etegen^eiten nicfyt meljr
gehört würben.
b) Religion unb grommtg!eit.
tönig Sofapljat fegte in allen fejien ©täbten 3uba'$ feine
3uf%23erwalter ein, unb bie % Schrift enthält (2 tyaxal 19.)
333
t>te wa£rl?aft fönigtic^e Snftruction, tue er iljnen gab: Et prae-
cipiens judicibus: videte, ait, quid faciatis; non enim homi-
nis exercetis Judicium, sed Domini, et quodcunque judica-
veritis, in vos redundabit. Sit timor Domini vobiscum, et
cum diligentia cuncta fache; non est enim apud Dominum
Deum nostrum iniquitas, nee personarum aeeeptio, nee cu-
pido munerum . . . SQBte weife belehrt er fte über t£re grofie 33er*
antwortlictyfeit wx tym, bem Könige auf (£rben, unb x>ox bem Gerrit
beS Jpimmelg, beffen @eri$t aucf> fte erreichen wirb! dx warnt
gegen bret £au:ptfci)Iingen , wetdje ber böfe §emb einem fd)wa$en
ober angeregten 3tt^ter gewö^nlid) ftettt: Unbilfigfeit, 2lnfel)en ber
^erfonen unb 2Innal)me t>on ©efetyenfem — Sin d)rifttidj)er 9?idf?ter
foflte immer x>ter (£igenf$aften £aben, nact) bem weifen SÄat^fc^Iage,
ben 9J?ofe$ x>on 3etl?ro empfing, aU biefer in bie SQBüfte ju tljm
gefommen war ((£rob* 18, 21*) ♦ Provide autem de omni plebe
viros potentes et timentes Deum , in quibus sit veritas , et
qui oderint avaritiam . . . Sarin liegt aber au$ jugteidfj eine
£ol)e potttifdpe @taat$weie£eit, ba£ fotd)e gewägt werben, bie nicfjt
nur unbefte$n$ unb waljrljeitötiebenb, fonbern jugletcl)
burd) 9D?ad)t unb grömmtgfeit ausgezeichnet feien* Dft muj?
maxfä toben, wenn nur 2öaljrf>ett$tiebe unb Unbefte^tic^feit ba
ftnb* ©er Ä5nig Sofapljat (1. c.) rebete auefj ju ben s $riefiern
unb Semiten SBorte flott weifer ©nftct)t, erfannte über jene gälte,
bie t>or tyx gorum gehören foßten, unb räumte tfjnen befonbere
5Re$te ein in Slttem, m$ bie Sietigion unb baS ©efe£ betrifft*
(£r wünfd&te *>on £er$en, ba£ 9tiemanb bem 2Sotfe 2lnta£ jur 93er*
fünbigung gegen baö @efe£ gäbe, unb fyattt greube, wenn bem £errn
soHfommen gebient würbe* ®o geftnnt war aud) ber fromme Äönig
(£je#ia$, @o£n be$ gotttofen Slc^aj, ber bie böfen Sßerfe feines
33ater$ nad) Gräften wieber gut ju machen fuc^te, unb oon bem bie
©c^rift fagt: Laetatusque est Ezechias et omnis populus, eo
quod ministerium Domini esset expletum. (2 Paral. 29, 36.)
Um ©tauben, ©itttidjfeit unb ©erecfytigfeit, bie unter ber 9?e*
gierung be$ böfen 2td)a$ fo x>tel gelitten, wieber neu ju beteben,
jog ber fromme Äönig, einem $riftli#en SWifftonäre gleich, burefc
ba$ 2anb (ib. c. 30.), unb fein Sifer in SQBort unb 23eifpiet trug
bie Ijeitfamjkn grüßte für ba$ jiaatti^e xt)k für ba$ retigiöfe
334
Cefren (c. 31.)- 2lu# " 3ofia« war ein guter Äonig* 2llö er
geftorben war, trauerte unb weinte ganj 3uba, „am meifien aber,
faßt bie £!♦ ©$rift, 3eremia$ ber yxotfet." (2 faxal 35, 25.)
SDenn beim 33erlufte eines guten Surften unb Regenten trauern
nicfyt eigentlich bie Höflinge unb @cfemeicf)ter, trauert nicfyt nur ba$
serlaffene 93olf, fonbern au# bie $ro#jeten unb ©teuer ®otte&
c) (^ntf <$ t eben^ett gegen ba$ S3 o fe*
„Der prft, fagt ber 2lpoftel, tragt nicfct umfonft baö ©cfjwert"
(^öm- 13, 40; fürchte, wenn bu Uebelö t£uft, benn bann £at er
t>on ©ott ben Stuftrag, brein ju (plagen; freue bid), mnn bu
©utee tlntft, benn bann £at er bie $fiidjt, bid) ju f$ü£en gegen
bie getnbe unb ©törer beiuer wie be3 ganjen Sanbeö 9lvfye+ —
Slber bie (£ntf$iebenljeit ber gürften, ©efeggeber unb Stifter gegen
ba$ 33öfe auf (Erben fdjeint immer metjr ju ermatten, je meljr bee
35öfen täglich gefc^ie^t ; wie wirb ba$ jule^t enben?
3n jenen Kapiteln beö 25euteronomiumS (j* 33* 13, 17, 19,
21, 22, 240, welche bie 93uj?* unb ©trafgefef^e einwarfen, ift be*
fonberS merf würbig, nad? jiebeSmaliger §Infünbigung einer mel)r
aU gewöhnlichen ©träfe, bie SQBieberljolung ber fräftigen SBorte:
Et auferes malum de medio tui . . . Et sie auferes malum
de medio Israel, unb äpulidje* „Unb fo f c^ äffe ba£ 33öfe
aus b ein er Wtittc fort/' b* £♦ mit ganjer ©ntfe^iebenpeit unb
unerbittlicher ©trenge. ©o bei ber £obe$ftrafe $♦ 23. gegen einen
©^wärmer unb fallen s ]3ropljeten, ber feine Träumereien für göttliche
Offenbarungen ausgibt unb baö 23olf x>om rechten ©lauben irre-
führt (13, 50; fo nad) ber ©träfe ber ©teini$ung gegen bie
überführten @ö§enx>erel?rer (17, 70; benn bergleidjen ungewöijm*
lid?e 23oe£eit muß alöbalb um jieben ^3ret^ au$ ber SJJttte be£
SSolfeö ©otteö weggerafft werben, jur 33erulngung ber ©Uten,
jum £eil)amen ©Freden ber 33öfen* £)arum würbe auty für Jjart*
nädigen Unge^orfam gegen ben ^o^enprtefter (ibid. 120 ber £ob
juerfannt; ebenfo fjatte ba6 Zehen »erwirft, wer auf ben tarnen
©otteö einen fallen (£ib gegen feinen 23ruber gefdjworen Ijatte
unb beffen überführt würbe. (19, 190 2öer 3kter unb 9Mter
nid?t £ören will unb i£re ©timme i>erac$tet, folf ju £obe gefteinigt
335
werten, „bag fo ba$ 23öfe ^tttviuegefc^afft werbe aus SsraeL"
(21, 21.) ©benfo war e3 mit offenbaren Untüchtigen unb (S#e*
brevem ju galten (22, 21—24,), ober wenn ©ner (einen 23ruber
unb -ftä^ften a(S ©Watten oerfattft unb um feine perföntic^e grei*
Ijett betrogen ljatte* (24, 7.)
3n biefem ©eifte be$ (Siferä für ba$ @efe§ be$ Jperrn fagt
ber Äönig £)a*>ib im 100. $fafme; @* fei bereit at(e unoerbeffer*
liefen Uebettfwter beS £anbe£ an Einern borgen t^ve wo^loerbiente
©träfe erfahren ju laffen, fo jwar, bafj fein Sinjiger nur jum
23öfeöt£un in ^erufalem lebenbtg iUihcn fottte*
Die (^riftlic^en ©efe^geber bürfen nidjt weifer fein woßen,
aU ber %L ©eifL «DaS Safter muj? wiffen, ba§ \>k ©träfe t£m
auf bem guge folgt, unb bag t^re ®rö£e ber feinigen entsprechen
wirb. Sitte unfere fentimentafen Heucheleien oom gortf#ritt in ber
ßioitifation führen jule^t ben gänjlic^en SBerfatt ber ©efeüfäaft
Ijerbei, wenn wir au$ ben gunbamenten tyrer Drbnung foldje ©teine
ausgeben Wolfen, bie ©Ott ©elbft in ©einer $&eityeit unb s #?acfet
für notjjwenbtg erflärt unb hineingelegt £at — Domine Deus meus
es tu, exaltabo te et confitebor nomini tuo: quoniarn fecisti
mirabilia, cogitationes antiquas fideles, amen. (Is. 25, 1.)
©efobt fei Sefug (£l)riftu$ nun unb in (Swiglett!
BRIGHAM YOUNG UNIVERSITY
3 1197 21
064 3273